Kapitel 31

„RUPERT!"

Lilas Kopf ruckte in Richtung der Geräusche. Zuerst erblickte sie ein älteres Ehepaar, wobei die Frau den Mann am Oberarm schüttelte. Die Frau war offensichtlich Diejenige, die geschrien hatte.

Dann erblickte Lila offensichtlich den Grund des Klatschgeräusches. Ein junger Mann hielt sich die Backe, während seine Frau oder Freundin ihn an der Hand ergriff und begann ihn hinter sich herzuzerren.

Lila folgte mit ihrem Blick, wie die junge Frau den jungen Mann wütend blickend quer durch den Laden zog. Als sie vor ihr vorbei kamen sah Lila, wie sich der Kopf des Mannes drehte und er einen immer längeren Hals machte. Dann schnappte ihr Blick zurück und sie erblickte endlich den Grund des Tumultes.

Lilas Blick fiel auf Cameron, sie musste schlucken.

Cameron stand vor der Umkleidekabine, ihr Blick war dem jungen Pärchen gefolgt, jetzt blickte sie wieder Lila an.

Cameron legte den Kopf schräg.

Lila fielen fast die Augen aus dem Kopf. Cameron stand da in einer Victorias Secret Kreation.

Cameron war... na ja, sie war nicht nackt. Sie trug ein rotes Spitzenensemble, nur dass sich die Spitze in diesem Fall auf die Außenränder beschränkte. Der Rest war transparent...nein, nicht transparent, absolut durchsichtig. Die Netzstrümpfe setzten dem Ganzen noch die Krone auf.

Lilas Gehirn brauchte volle fünf Sekunden, um zu begreifen, dass das Mädchen, dass sie fast als Tochter betrachtete fast Splitter Faser nackt mitten im Laden stand.

Dann sprang Lila auf. „Cameron!" Rief sie und drängte sie zurück in die Kabine. Dass es die Falsche war bemerkte sie erst, als eine Frau wütend aufschrie.

„Entschuldigung!" Rief Lila während sie Cameron wieder aus der Kabine herauszerrte und in die Nachbarkabine schob.

Lila schloss die Tür. Dann stand sie Cameron gegenüber in der Kabine.

Lila wischte sich mit der Hand über die Augen. Sie versuchte in der kleinen Kabine hin und her zu gehen aber es wurde nur ein hin und her Drehen daraus.

„Du...du kannst Sowas nicht machen", sagte Lila mit mildem Vorwurf.

„Warum nicht?", Fragte Cameron mit schräggelegtem Kopf.

Lila starrte Cameron an. „Weil Du...weil Du...Du...".

Lila warf die Arme in die Höhe. „Arrgh...", machte sie, weil ihr die Worte fehlten.

Langsam beruhigte sich Lila, sie war nicht wütend, sie schämte sich nur. Dass Cameron offensichtlich ohne Schamgefühl so vor ihr stand machte es nicht besser.

Lila hob die Hand und legte sie an Camerons Wange. „Warum hast Du das überhaupt ausgesucht?"

Cameron sah an sich herunter. „Es schien mir richtig zu sein".

Lila warf den Kopf in den Nacken. „Lass mich raten... John?"

Cameron öffnete den Mund um zu antworten aber Lila sprach einfach weiter.

„Wie alt ist John? Fünfzehn, richtig?" Lila sah Cameron erwartungsvoll an.

Erneut öffnete Cameron den Mund und wieder unterbrach Lila sie.

„John ist zu jung für sowas", sagte Lila. „Außerdem...",

„Weniger ist mehr", stellte Cameron fest.

Lila nickte. „Definitiv." Sie blickte demonstrativ an Cameron herunter. „Nicht dass Du nicht wunderschön wärst aber Du darfst das nicht so öffentlich zeigen".

Camerons Gesicht war ein einziges Fragezeichen.

Lila wischte sich erneut über die Augen. „Sieh mal. Ein Mädchen kann in einem Bikini rumlaufen..."

Cameron legte den Kopf schräg.

„...aber es gibt gewisse Stellen am weiblichen Körper, die einfach öffentlich nicht gezeigt werden sollen oder dürfen".

Camerons Augenbrauen wanderten in die Höhe.

„Es ist so...", wagte Lila einen neuen Ansatz, da sie merkte, dass Cameron sie offenbar nicht verstand. „Die Stellen an dieser …..Bekleidung, die durchsichtig sind sollten nicht durchsichtig sein. Zumindest nicht bei einem jungen Mädchen".

Camerons Blick wanderte nach Unten ihre Finger berührten kurz ober und Unterteil an den entsprechenden Stellen. Dann blickte sie wieder auf.

„Ich verstehe...Danke für die Erklärung", sagte Cameron und griff an den Verschluss des BH.

Lila ergriff hastig Camerons Schultern. „Stop!" Rief sie.

Erneut blickte Cameron sie verwirrt an.

„Es ist auch nicht in Ordnung, sich vor anderen auszuziehen", sagte Lila und wollte die Kabine verlassen.

„Aber ich dachte..." begann Cameron.

Als Lila zurücksah, sah sie Tränen in Camerons Augen. Sie legte eine Hand an Camerons Wange. „Auch für Mütter ist das nicht in Ordnung, wenn das Mädchen schon älter ist", sagte sie und Lächelte.

Jetzt lächelte auch Cameron. Sie machte zwei Schritte und dann lagen sich die beiden Frauen in den Armen.

„Mom..., Mommy", hörte Lila leise an ihrer Schulter.

„Oh Gott", flüsterte Lila und drückte Cameron fester an sich.

John hatte es nicht mehr ausgehalten. Er hatte schließlich das Zimmer verlassen. Er wusste, seine Mom wollte noch zu Enrique, so hatte er mehr Zeit sich herumzutreiben. Was sollte auch schon passieren. Die unmittelbare Gefahr war vorbei und einen Polizisten würde er schon rechtzeitig bemerken.

Er hatte den Bus bis zum Einkaufszentrum genommen und streifte jetzt seit einer Stunde an den Läden vorbei. Dann am Ende der Mall sah er endlich, was er eigentlich suchte.

Er ging auf den Computershop zu, als er aus dem Laden gegenüber des Shops ein Pärchen herauskommen sah. Der junge Mann schien ziemlich verstört, zumal sich 5 Finger auf seiner Backe abzuzeichnen schienen.


Kapitel 32

„Wie konntest Du sie nur so anstarren?" Fragte die junge Frau wütend. „Bin ich Dir etwa nicht gut genug?"

Der junge Mann zuckte nur mit den Schultern.

„Ich hätte dich gar nicht mitnehmen sollen!" Fügte die Frau noch hinzu. Der junge Mann sah im vorbeigehen zu John und verdrehte die Augen. John grinste nur.

John warf nur einen kurzen Blick auf den Laden. Alleine die Auslage trieb ihm die Schamröte ins Gesicht und er schwenkte eiligst ab in den Computerladen.

Als Lila die Umkleide verlies stoppte sie abrupt, da die gutgekleidete Angestellte mit vor der Brust verschränkten Armen und ernstem Gesichtsausdruck vor ihr stand.

„Oh...äh...", stotterte Lila.

„Sowas haben wir hier nicht so gerne. Sie sollte die Umkleidekabine nicht verlassen", sagte die Frau, ohne sich zu bewegen.

„Tja..., wir sind das Erste Mal hier und wussten das nicht", entgegnete Lila verlegen.

Die Angestellte, offensichtlich die Filialleiterin zog eine Augenbraue hoch. „Dafür hängen große Schilder in den Kabinen".

„Ich entschuldige mich für das Verhalten meiner Tochter, sie ist in solchen Dingen etwas sorglos", bekannte Lila mit einem verlegenen Lächeln.

Die Filialleiterin öffnete den Mund um etwas zu sagen, als sie durch Cameron unterbrochen wurde, die ihren Kopf durch den Türspalt steckte.

„Mom?" Fragte Cameron hinter Lila..

Lila zögerte eine Sekunde mit der Antwort. „Was ist denn... Liebes?" Fragte sie schließlich und drehte sich zu ihrer Tochter herum.

Cameron blickte kurz an Lilas Schulter vorbei auf die immer noch verärgert blickende Frau, die nun bei Camerons stechendem, wenn auch naivem Blick kopfschüttelnd abzog.

„Könntest Du mir bitte etwas...weniger ist mehr heraussuchen", fragte Cameron mit einem Lächeln auf dem Gesicht.

Lila lachte leise grunzend los und wandte sich kopfschüttelnd ab, zögerte dann aber nochmals und sah über ihre Schulter.

„Was hast Du denn für eine Größe?" Fragte sie Cameron, die noch immer den Kopf aus der Kabine streckte.

Eine halbe Sekunde wirkte Camerons Blick verloren. „Oh... einen Augenblick", sagte sie dann und zog den Kopf zurück in die Kabine.

Cameron studierte 5 Sekunden lang die Größentabelle an der Wand der Umkleidekabine, sah an sich herunter und legte die Hände über die nun nackten Brüste.

Lila wollte gerade zur Kabine gehen, als sich die Türe öffnete und Cameron den Kopf herausstreckte.

Cameron legte bei Lilas Anblick den Kopf leicht auf die Seite. „Oben 75 B...", sagte sie nachdenklich, „und Unten Größe S".

Lila griff sich unwillkürlich an die Hüften nachdem sie sich herumgedreht hatte. 'Größe S' dachte sie neidisch und schüttelte den Kopf.

Lila streifte einige Minuten durch den Laden und suchte einige Dinge zusammen, die ihr besser zu Cameron zu passen schienen.

Vor Allem auf die Blickdichtigkeit kam es ihr an. Sie entschied sich überwiegend für Boyshorts-Panties mit den Passenden Oberteilen.

Lila kehrte zurück zur Umkleide mit einem Stapel Unterwäsche auf dem Arm. Sie klopfte.

Lila öffnete die Tür und erstarrte. Cameron stand vor ihr, ihr Shirt hatte sie über ihre Brüste gelegt und hielt es auch im Schambereich in Position.

Fragend legte Cameron erneut den Kopf schräg.

Lila begann zu lächeln. „Besser, viel besser", sagte sie und legte die Sachen auf den Stuhl. Lila wollte die Kabine schon wieder verlassen, zögerte aber noch kurz.

„Ich mag es, wenn Du mich Mom nennst", sagte sie ohne Cameron anzublicken.

Cameron hinter ihr Strahlte über das ganze Gesicht.

John hatte sich in dem Laden umgesehen.

An einem Vorführrechner hatte er im Internet gesurft, auch wenn das eine quälend langsame Angelegenheit war.

Er hatte nichts gefunden, was ihm einen Hinweis auf Cameron gegeben hätte.

Dass es in der Nähe von Red Valley einen Unfall mit schwach radioaktiven Abfällen gegeben hatte war das einzig Interessante.

Siedentheiß fiel John ein, dass sie eine Maschine zurückgelassen hatten und das nur, weil seine Mutter Cameron gegenüber paranoid war.

Er fragte sich, was wohl mit diesem Cromartie passiert war.

Lila hatte in der Nähe der Umkleidekabine gewartet. Sie war so sehr in Gedanken versunken, dass sie nicht merkte wie sich eine Tür hinter ihr öffnete.

Als sie erblickte, was da hinter ihr war wäre sie fast rückwärts stolpernd hingefallen.


Kapitel 33

Da stand sie vor ihr. Lila starrte ehrfürchtig auf das Mädchen, dass die Kabinentür so weit geöffnet hatte, dass nur Lila sie sehen konnte.

Cameron stand da, eingehüllt in eine Violette Kreation von Victorias Secret. Das Boyshorts-Panty umschmeichelte ihre wohlgeformten Hüften und das gleichfarbige Neckholder-Top saß wie eine zweite Haut auf ihrem perfekt proportionierten Oberkörper.

Lila starrte sprachlos auf die gottgleiche Erscheinung vor ihr.

„Wenn John Dich so sehen könnte...", murmelte Lila fast unhörbar vor sich hin.

Obwohl Lila dachte, Cameron hätte das nicht hören können sah sie deren Lächeln zerfasern.

„Wieder nicht richtig?" Fragte Cameron traurig und senkte den Kopf.

Lila war bei Cameron und hatte sie an sich gezogen, eine halbe Sekunde nachdem deren Schultern herabgesackt waren.

„Nein, nein, nein. Es ist Alles in Ordnung", sagte Lila und schob Cameron von sich. Mutter und Tochter sahen sich in die Augen, Beide sahen Tränen in denen des Anderen.

„Du bist so wunderschön...", erklärte Lila und legte eine Hand an Camerons Wange, „...dass John vor Liebe zu Dir verrückt werden würde".

Cameron legte den Kopf schräg, eine Sekunde später weiteten sich ihre Augen vor entsetzen. „Das darf nicht sein, John Connor ist zu wichtig, er darf nicht verrückt werden ich werde...".

„Schhhhhhh", dämpfte Lila die aufkommende Panik. „Das sagt man doch nur so. Das bedeutet, dass John einfach nicht anders kann als Dich zu lieben".

Das Mädchen in Unterwäsche legte den Kopf schräg. Sie blinzelte, dann wechselte sie und legte den Kopf zur anderen Seite.

„Du sagst die Wahrheit", stellte sie schließlich fest.

Lila blickte ihre Gegenüber verwundert an. „Natürlich, ich würde Dich doch nie belügen".

Cameron und Lila umarmten sich erneut.

„Mom?" Fragte Cameron schließlich leise.

„Ja... Cammy", entgegnete Lila.

„Können wir Alles kaufen?"

Lila löste sich ein klein Wenig von ihr und sah hinunter auf den Stuhl, auf dem die teuren Unterwäschekreationen lagen. Sie dachte nur eine Sekunde an die vielen hunderte von Dollar, die Cameron sie bereits gekostet hatte. Dann lächelte sie.

„Natürlich Liebes".

Enttäuscht verlies John den Computerladen und bog nach links ab um die Mall erneut zu durchqueren.

Er umrundete eine Reklametafel, während hinter ihm zwei Frauen Victorias Secret verließen.