auf Morgen
,,Die haben sie einfach mitgenommen." es war ein schwacher hauch, der Zips Lippen verließ. Er war besorgt um Lara.
Der Lieferwagen war nicht mehr zu sehen und Kurtis erwachte aus seiner Starrheit, als er die Worte seines Freundes hörte.
Er drehte sich um und ging langsam, fast in Zeitlupe, zurück in den Hof. So groß war der Schock. Vor dem großen Blutfleck, über den er vorhin gelaufen war, blieb er stehen.
Kurts hockte sich hin und streckte die Finger aus. Dann zog er sie zurück und sah das Blut, das nun an ihnen hing.
Es war Laras Blut. Sie wurde angeschossen und war schwer verletzt, wenn nicht sogar tot.
Ein eisiger Schauer lief Kurtis über den Rücken und er fühlte Wut, Zorn, Angst, Besorgnis, Sehnsucht. Alle Emotionen durcheinander.
Er wollte es nicht wahr haben. Es durfte einfach nicht wahr sein.
Das nächste, was Kurtis mitbekam, war eine Hand auf seiner Schulter.
Zip war gekommen und ergriff sachte das Wort: ,,Kurtis…Der Kerl sah so aus wie du, ich…" Der Computerfreak brach ab, denn ihm fehlten die Worte. Zip wusste auch nicht was er sagen sollte, denn er hatte mit ansehen müssen, wie seine beste Freundin, die für ihn wie eine Schwester war, getötet wurde. Ein eiskalter Schauer lief ihm über den Rücken, als er daran dachte.
Kurtis erhob sich und schniefte einmal. Er leugnete es nicht, als er bei dem Gedanken an Laras Tod feuchte Augen bekam. Doch nun gab es wichtigeres zu tun.
Er drehte sich zu Zip um: ,,Ich will das du alles herausfindest, was hier geschehen ist. Wir müssen herausfinden, wer diese Kerle waren. Denn wenn wir die finden, dann finden wir auch Lara."
Zip schluckte und blickte auf das viele Blut am Boden: ,,Kurtis…Lara wurde schwer verletzt. Ich…´´ er war vorsichtig in seiner Wortwahl, ,,…Ich weiß nicht, ob wir noch was für sie tun können."
Kurtis verfinsterte seinen Blick und packte Zip am Kragen. Er schüttelte ihn einmal: ,,Hör auf so zu reden!…" er war wütend und es war niemand anderes da, an dem er seine Wut auslassen konnte, ,,…Lara lebt!…Und wir beide werden ihr helfen und sie wieder zurück holen und wenn ich herausfinde, wer ihr das angetan hat, dann bringe ich denjenigen eigenhändig um!"
Abrupt ließ er Zip los, als er dessen ehrfürchtigen Blick gesehen hatte. Kurtis wusste, das es falsch von ihm gewesen war, Zip so anzubrüllen, doch ihm war jetzt alles egal.
Der Hacker nickte, doch war sichtlich erschrocken über Kurtis´ Verhalten und sagte leise: ,,Ich werde tun was ich kann." Er ging ohne weitere Worte an Kurtis vorbei, zurück ins Croft Manor und nahm seine aufgewühlten Gedanken mit…
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An seinem Schreibtisch in Tech-Raum, musste er sich erst mal setzten und durchatmen, um sie letzten Minuten irgendwie zu verarbeiten.
Alles war so schnell gegangen und er bekam das Bild nicht mehr aus dem Kopf, als die verletze Grabjägerin zu Boden gefallen war.
…Scheiße…Was ist passiert?…Eben war doch noch alles in Ordnung…
Ein schrecklicher Gedanke machte sich in ihm breit.
…Und was, wenn Lara jetzt wirklich tot ist?…Ich kann das nicht glauben. Ich will es nicht glauben…Oh Lara, bei allem, was dir heilig ist, lebe…
Doch Zip wusste, das die Chancen gering waren. Er hatte das Blut gesehen und wusste, das jemand mit so hohem Blutverlust nicht mehr lange überleben würde. Sicher würde er tun, was in seiner Macht stünde, doch er wusste auch, das es wahrscheinlich vergebens war.
Zip stemmte seine Ellenbogen auf den Schreibtisch und vergrub seinen Kopf in seinen Händen. Sein Computerspiel lief noch immer, doch seine Spielfigur hatte mittlerweile das Zeitliche gesegnet, da Zip vorhin nicht pausiert hatte.
Game over stand nun in roter Farbe auf dem Monitor. Ein Wort, das irgendwie gerade hier her passte…
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Kurtis blickte nach oben, da es plötzlich ziemlich dunkel wurde. Er sah Regenwolken, die nun die Sonne allmählich verdeckten.
Er schüttelte schwach den Kopf und machte sich Vorwürfe.
Wäre er doch nur früher hinunter gekommen, dann wäre vielleicht alles anders gewesen. Was wollten diese Kerle überhaupt?
Wieso war das passiert?
Kurtis konnte sich gar nichts mehr erklären. Ihnen allen war nicht bewusst gewesen in welcher Gefahr sie schwebten. Doch nun hatte dieses Unwissen einen hohen Preis gefordert.
Er atmete tief durch und griff sich and Nasenbein. Er wunderte sich, wieso er und Zip eigentlich noch lebten.
…Verdammt das alles ist verzwickt und irgendetwas sagt mir, das es einen Grund hat, weshalb Zip und ich noch leben…
Der Gedanke an Lara kam wieder in ihm hoch und es donnerte schwach. Leichte Regentropfen fielen auf die Erde, die aber in rasch stärker wurden und so wurde der Boden mit Feuchtigkeit bedeckt. Das Wasser verwischte Laras Blut.
Betrübt sah Kurtis zu und das er durchnässt wurde, interessierte ihn nicht.
…Oh Lara, es tut mir so Leid, mein Liebling. Ich werde dich finden…und zurück bringen, ganz gleich was ich dafür tun muss…halte durch…
Kurtis atmete einmal tief durch und für einen kurzen Moment wusste er nicht ob es ein Regentropfen oder eine Träne war, die seine Wange hinunter lief.
Doch er wusste was er zu tun hatte.
Er schluckte einmal, um seinen Zorn und die Wut hinunter zu schlucken. Lara hatte ihm einen Auftrag hinterlassen und den würde er erfüllen. Er würde sich jetzt nicht zurück ziehen und zerbrechen, weil Lara wahrscheinlich tot war. Er würde so stark sein, wie eh und je und er würde Lara wieder finden, denn seine Hoffnung, war stark.
Kurtis hob den Kopf und blickte zur Eingangstür Croft Manors. Er atmete einmal tief durch und würde jetzt genau das tun, was Lara tun würde. Zum Museum fahren.
Denn wenn Arthur Kingsley etwas wusste, dann würde Kurtis es heraus finden und so würde er dann auch zu den Kerlen kommen, die für all das, was vorgestern, gestern und gerade heute geschehen war, verantwortlich waren…
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,,Was wirst du tun?" fragte Zip und glaubte, das er nicht richtig gehört hatte.
,,Du hast mich schon verstanden. Ich werde ins Museum fahren…" sagte Kurtis abermals, ,,…Ich werde das tun, was Lara vorhatte und ich werde herausfinden, was dahinter steckt."
Kurtis hatte sich seine Boran X in den Schultergurt und sein Chirugai an den Gürtel gesteckt. Er war bereit.
,,Warte mal…" Zip unterbrach ihn und griff ihm an die Schulter, ,,…Du kannst jetzt nicht einfach gehen. Du kannst nicht so tun, als wäre nichts passiert. Verdammt, Lara wurde angeschossen…." Zip war außer sich, ,,…Wir wissen nicht ob sie das überlebt hat. Vielleicht ist sie tot und keiner von uns kann ihr mehr helfen…Vielleicht sollten wir die Polizei rufen und..."
,,Zip halt die Klappe!…Das nützt doch auch nichts…" Kurtis schubste die Hand seines Freundes von seiner Schulter weg, drehte sich zu ihm um und funkelte ihn sauer an, ,,…Lara lebt, verdammt noch mal!…" doch dann wurde ihm wieder klar, in welchem Ton er mit seinem Freund sprach und legte sofort einen Sanfteren auf, ,,…Glaubst du etwas ich würde es nicht spüren, wenn Lara tot ist?…Ich kann ihre Gegenwart fühlen. Sie lebt und ich werde sie zurück bringen."
Zip senkte den Kopf und nickte sachte, obwohl er nicht wusste, ob sein Freund recht behalten würde. Klar, er hoffte es und er wusste über Kurtis´ Fähigkeiten bescheid, doch trotzdem war Zip noch nie jemand, der etwas einfach so glauben konnte. Er würde es erst glauben, wenn er Lara wieder lebendig vor sich haben würde.
Kurtis machte sich gerade auf den Weg, als Zip erneut seien Stimme erhob: ,,Hey…" Er hielt seinem Freund ein Headset hin, genauso, wie er es immer bei Lara tat, wenn sie aufbrechen wollte und es mal wieder vergessen hatte.
Kurtis drehte sich zu ihm um und nahm das Headset.
,,…Vielleicht kann ich dir ja irgendwie helfen." meinte Zip schlicht.
Kurtis nickte und zog es sich an. Es war ein komisches Gefühl gewesen, denn irgendwie übernahm er gerade die Rolle von Lara. Einen kurzen Blick warf er noch mal zu Zip, nickte ihm leicht zu und dann verschwand er.
Zip setzet sich an den PC, um wie immer alles im Auge zu behalten und um eine Spur zu finden, durch die man die Angreifer aufspüren konnte. So mal noch immer nicht geklärt war, wer Kurtis´ Doppelgänger war.
Allerdings spielte die Ungewissheit und Sorge über Laras verbleib mit Kurtis und Zip ein grausames Spiel…
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Kurtis schloss seine Jacke, nachdem er aus dem Wagen gestiegen war, um zu verbergen, das er eine Waffe trug. So würde er zwar schwerer an sie heran kommen, aber er glaubte ohnehin nicht, das am heiligten Tag auf ihn geschossen wurde.
Er stieg die Stufen zum Eingang des Museums hoch und überprüfte das Headset. Die Verbindung zu Zip stand, auch wenn keiner von beiden etwas zu sagen wusste.
Kurtis war etwas mulmig zumute, da er vor knapp 15 Stunden schon mal hier war. Er war hinein geeilt, um seiner Freundin zu helfen. Viele Gegner hatten ihm sich dabei in den Weg gestellt, doch nun war es anders.
Kurtis betrat das Museum.
Viele Menschen gingen umher und er war erstaunt. Nichts erinnerte an die Turbolenzen und das Treiben von letzter Nacht. Wahrscheinlich haben die alle Spuren verwischt.
Kurtis ging nach rechts, zur Information.
Eine recht konservative ältere Dame, dickem Hintern und dicker Nase und mit Brille saß hinter dem Tresen und musterte ihn von oben bis unten.
Kurtis wartete nicht, bis der Dame einfiel, ihn zu fragen, was er wollte, sondern ergriff einfach das Wort: ,,Entschuldigen Sie Ma´am. Wo finde ich das Büro von Professor Arthur Kingsley?"
Die Dame hielt einige Sekunden die Amtwort zurück, doch dann sagte sie: ,,Zweiter Stock, Ostflügel. Ist ausgeschildert."
Kurtis nickte der, nicht gerade freundlichen, Dame zu, bedankte sich kurz und ging dann los.
Den Weg fand er ohne große Probleme, allerdings kreuzten viele Menschen seinen Weg. Alles Besucher, die das Museum erkundeten.
Nach wenigen Minuten hatte er das Büro des Kurators erreicht. Prof. Dr. Dr. Arthur Kingsley stand darauf und Kurtis klopfte ohne zu zögern an. Dann trat er auch ohne weiteres ein und schloss die Tür hinter sich…
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Das Büro war recht klein und hatte nur ein einziges Fenster, was durch heruntergelassene Jalousien verhinderte, das die Helligkeit des Tages herein kam. Deshalb war es recht düster.
Der dunkle Teppich verstärkte dies und auch die dunklen Möbel. Neben Bücherregalen, zwei Stühlen und einem Schreibtisch, gab es sonst nichts.
Hinter dem Schreibtisch saß der Professor, der gerade in Büchern las. Etwas erschrocken blickte er drein, als Kurtis plötzlich vor ihm stand. Er schien beinahe nervös und ängstlich: ,,Wer sind Sie? Was wollen Sie?"
,,Ich will sie etwas Fragen, Professor…" Kurtis redete nicht lange um den heißen Brei, ,,…Wissen Sie etwas darüber, was hier letzte Nacht stattfand?"
Arthur Kingsley erschrak und blickte Kurtis entgeistert an. Nun wusste Kurtis allerdings, das der Professor etwas wusste.
,,Wer sind Sie?" fragte Kingsley wieder.
,,Ich will Ihnen nichts böses, aber ich brauche diese Antwort. Wissen Sie etwas?" fragte kurtis wieder.
Der Professor stand auf und kam auf Kurtis zu: ,,Was fällt Ihnen ein, junger Mann…Sehen Sie zu, das Sie verschwinden und kommen Sie ja nie wieder hier her."
Kurtis ließ sich nicht einfach so vor die Tür setzten und blickten dem alten Mann direkt in die Augen: ,,Wir beide wissen doch, das Sie da mit drin stecken. Was sollen die Rituale? Wer steckt dahinter?"
,,Verdammt noch mal, verschwinden Sie hier!" entgegnete der Professor strikt.
,,Hier stehen Leben auf dem Spiel. Verdammt reden Sie…" Kurtis drängte ihn, denn er wollte eine Antwort, ,,…Diese Schweine haben Lara entführt."
,,Lara?" der Professor horchte auf. Er schien diesen Namen zu kennen.
,,Ja, Lara Croft. Sie kennen sie und die werden sie umbringen, wenn sie es nicht schon getan haben." fauchte Kurtis.
Der Professor schien wirklich wie ausgewechselt und rieb sich nervös die Hände.
,,Dann…will er, das sie es für ihn findet…" murmelte der alte Mann für sich.
,,Was finden? Wovon sprechen Sie?" fragte Kurtis.
Kingsley schüttelte den Kopf: ,,Das wollte ich nicht. Das müssen Sie mir glauben, junger Mann. Ich wollte nie das jemand in Gefahr gerät der Unschuldig ist…"
,,Dann reden Sie endlich, Professor."
,,Das kann ich nicht, dann bin ich tot. Die beobachten mich ohnehin schon."
,,Wer sind die?" wollte Kurtis wissen.
,,Ich kann nicht." fast ängstlich kamen die Worte aus dem Mund des Professors.
,,Professor, bitte…" Kurtis sah den Mann eindringlich an. Es machte ihn fast wahnsinnig, das der alte Mann so zäh war.
Doch zu seinem Erleichtern gab er endlich nach.
,,Okay…" begann Kingsley, ,,…ich werde mit Ihnen reden, aber nicht jetzt. Kommen Sie morgen früh wieder hierher und dann erzähle ich ihnen alles, aber im Moment ist es noch zu gefährlich für jeden der daran beteiligt ist."
Kurtis schüttelte den Kopf: ,,Morgen kann es schon zu spät sein!"
,,Das wird es nicht. Vertrauen Sie mir, junger Mann…und jetzt gegen Sie." der Professor drückte Kurtis zur Tür.
Kurtis wollte sich nicht einfach so abservieren lassen, doch er konnte eindeutig Angst in den Augen des Mannes erkennen. Doch Kurtis wollte keinen weiteren Tag warten, immerhin ging es hier um Laras leben.
,,Hören Sie…" begann Kurtis erneut, als der Mann ihn schon zur Tür geschoben hatte und diese gerade öffnen wollte, ,,…Sie können nicht warten bis morgen. Ich muss es wissen. Lara wurde verwundet und sie wird sterben, wenn ich sie nicht finde!"
Der Professor schüttelte den Kopf: ,,Das wird sie nicht…er braucht sie, um es zu finden."
Wieder diese Rätsel, das zog ungeheuerlich an Kurtis´ Nerven: ,,Was? Wer?…"
Kingsley öffnete die Tür: ,,Morgen….Jetzt verschwinden Sie hier, oder ich rufe den Sicherheitsdienst!"
Kurtis war erstaunt über die Kraft des alten Mannes, der ihn einfach so vor die Tür setzte. Im nächsten Moment schlug der Professor Kurtis die Tür vor der Nase zu und sperrte diese auch ab.
,,Du hast es gehört?" fragte Kurtis ins Headset.
Kurz darauf erklang Zips Stimme: ,,Jepp…dieser alte Penner!"
,,Also ich werde nicht locker lassen, ich geh noch mal rein." meinte Kuris und war gerade im Begriff an zu klopfen.
,,Warte!…" Zip unterbrach ihn und Kurtis hielt inne, ,,…Ich glaube nicht das du aus dem Sturkopf etwas raus bekommst. Er schien Angst um sein Leben zu haben. Komisch war allerdings, das er erst bereit war zu reden, als er hörte, das Lara in der Klemme steckt."Ja…Aber Zip, wir können nicht warten, wenn…" begann Kurtis, doch Zip unterbrach ihn: ,,Komm lieber wieder zurück und sieh dir an, was ich heraus gefunden habe. Ich denke, das wird ein bisschen Licht ins Dunkel lassen."
,,Wieso? Was ist es?" wollte Kurtis wissen und ging bereits den Gang zurück.
,,Das wird dich wahrscheinlich umhauen, los komm her." entgegnete Zip schlicht.
Kuris nickte: ,,Okay, ich bin schon unterwegs." Er beeilte sich, das Museum zu verlassen, doch er hatte keine Ahnung, was nur wenige Meter unter seinen Füßen vor sich ging und heute Nacht wieder passieren würde…
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,,Wo ist sie?" fragte der Professor aufgelöst und war unmittelbar, nach dem Gespräch mit Kurtis hinab in die Kellerräume gegangen, die laut seinem Befehl, von niemandem zu betreten waren.
Zwei Söldner versperrten ihm den Weg, als er die Wendeltreppe hinunter in den runden Raum mit dem Altar gegangen war und nun in ein Hinterzimmer gehen wollte.
,,Lasst mich sofort durch." forderte der alte Mann und musterte die beiden Söldner.
,,Schon okay, Jungs…Lasst ihn passieren." hallte die Stimme eines Mannes aus dem Hinterzimmer in ihre Ohren.
Ohne zu zögern traten die bewaffneten Männer bei Seite und ließen den Professor durch. Er trat, wie so oft, in das Zimmer, was ebenfalls aus rauem Stein befand. Nur eine Ledercouch befand sich darin und ein Schrank mit allerlei alkoholischen Getränken, vor dem der Anführer stand und sich gerade einen Cognac einschenkte. An der hinteren Wand war ein Tür, doch selbst dem Professor war es, seit er der Sache beigetreten war, unerlaubt gewesen durch sie hindurch zu gehen. Es waren die privaten Räume des Anführers.
In der rechten, hintersten Ecke saß eine junge, schwarzhaarige Frau. Ihre Hände waren mittels Handschellen an ein Heizungsrohr gekettet, und ihr der Mund mit Klebeband versiegelt worden. Die Frau schien allerdings bewusstlos zu sein, da sie die Augen geschlossen hatte. Sie trug ebenfalls spärliche Kleidung, genau wie die anderen vor ihr und Kingsley wusste, das sie das dritte Opfer in diesem Monat werden würde.
Der Anführer drehte sich nun, mit seinem Schnapsglas, zu dem Professor um und blickte ihn eiskalt an. Der Professor weitete die Augen, als er den jungen Mann vor sich sah, der eben in seinem Büro war: ,,Aber? Wie kommen Sie denn hierher?"
,,Sind Sie nicht ganz bei Trost, Professor? Oder haben Sie vergessen, das ich mein Aussehen nach belieben ändern kann?" der Anführer, der Kurtis´ Gestalt angenommen hatte, musterte den alten Mann genau und sein Instinkt sagte ihm, das etwas faul war, ,,…Was bedrückt Sie denn Professor?"
,,Ich wollte nur nach dem rechten sehen."
,,Sie sind ein schlechter Lügner, Kingsley…" meinte der falsche Kurtis, ,,…Sie wissen doch, das mir nichts entgeht…Sie hatten eben Besuch."
Der Professor schluckte, doch wusste, das es bedrohlich für ihn werden würde, wenn er jetzt log, also sprach er es einfach aus: ,,Ist sie hier?"
Der falsche Kurtis nahm einen Schluck aus seinem Glas: ,,Wen meinen Sie, Kingsley? Was haben Sie dem Kerl erzählt?"
,,Gar nichts, ich schwöre es. Ich habe ihn fort geschickt, aber ich bitte Sie, ist es wahr, das sie hier ist?" fragte Arthur dann und hielt dem Blick des Anführers stand.
,,Hätte der Kerl Sie sonst aufgesucht?" gab der falsche Kurtis zur Antwort und stieß den Professor so indirekt auf die Antwort.
,,Das war so nicht abgemacht…" entfuhr es dem alten Mann, ,,…Wir wollten abwarten. Sie haben damit eine Lawine zum Laufen gebracht." Der Professor kannte die Archäologin gut, durch ihren Vater, Richard, und es war ihm nie im Sinne, ihr Schaden zu zufügen.
,,Meine Geduld ist am Ende, Kingsley…" entfuhr es dem Anführer wütend, ,,…Mir läuft die Zeit davon und das wissen Sie. Das haben Sie von Anfang an gewusst und jetzt kommen Sie nicht damit, das sich ihr Gewissen meldet. Sie stecken genauso tief drin, also rate ich ihnen, sich zurück zu halten, so wie sie es die ganze Zeit getan haben. Morgen sind wir verschwunden."
Plötzlich ging die Tür, die in das Zimmer des Anführers führt, auf und ein Mann mit brauner Kutte kam herein. Allerdings konnte der Professor keinen Blick in das Zimmer werfen, aus dem der Mann gekommen war, denn dieser schloss die Tür wieder. Die Augen des alten Mannes weiteten sich, als er Blut an der Kutte des Mannes und an seinen Händen sah. Kingsley schluckte und fragte sich, was für ein Ritual diesmal abgehalten wurde. Wäre er doch nur nie eingestiegen.
Der schwarzhaarige Kuttenträger mit Vollbart trat vor den Anführer.
,,Und?" wollte dieser wissen.
,,Sie lebt…" antwortet der in braun gekleidete Mann, ,,…Sie hat viel Blut verloren, aber sie kommt durch. Wir haben die Kugel entfernt."
Der falsche Kurtis nickte und der Kuttenträger zog sich daraufhin wieder in den Raum zurück.
,,Was ist passiert?" fragte Kingsley.
,,Naja, was eben so passiert…" antwortete der Anführer und sagte es, als wäre es nichts gewesen, ,,…sie hat sich gewehrt, einer meiner Männer hat auf sie geschossen."
,,Oh Gott…" hauchte Arthur.
,,Keine Sorge, wir haben sie wieder zusammen geflickt…und der Kerl, der auf sie geschossen hat, habe ich eigenhändig umgebracht. Sicher, auch ich wollte sie und den jämmerlichen Lux Veritatis tot sehen, doch nun kann sie mir von großem Nutzen sein…" sagte der falsche Kurtis, ging zum Schrank zurück und schenkte sich Schnaps nach, ,,…Ich werde also keinen Widerspruch dulden, Professor, und jedem, der sich mir widersetzt, dem droht der Tod. Also gehen Sie jetzt schön brav wieder in ihr Büro und wahren den Schein. Bald ist alles vorbei."
Arthur wusste, das man mit dem Kerl nicht spaßen konnte, also tat er was der Anführer verlangte. Kingsley hatte Angst um sein Leben, denn er wusste, das diese Kerle ihn ohne zu zögern töten würden, wenn er sich widersetzte oder sich einfach aus dem Staub machte. So nickte der Professor nur, drehte sich um und ging…
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Der falsche Kurtis ging zu einem seiner Männer und sagte dann, als der Professor weg war: ,,Er wird aufmüpfig. Regle das heute Nacht."
Der Söldner nickte knapp und wusste nun, was sein Auftrag in dieser Nacht sein würde…
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