Danke an alle fürs das Warten, wie mehrfach erwähnt habe ich auf der Arbeit eine Menge zu tun und daher geht alles etwas langsamer voran. Außerdem kann es gut sein, dass die nächsten Kapitel an sich auch etwas kürzer werden, da es einige kleine Probleme geben wird, die alle einzeln gelöst werden möchten!

Loki tut mir ein bisschen Leid gerade, aber andererseits macht er Vieles mit seiner Art nicht besser u.u
Also, viel Spaß beim Lesen und über Kommentare & Co. freue ich mich natürlich sehr!


Asi war dank ein paar Kräutern im Wein schneller weggenickt, als Loki seine Hose hatte loswerden können und der Trickster war verdammt dankbar dafür. Die Tatsache, dass der Junge ihn hintergangen und sogar ausgenutzt hatte schmeckte Loki überhaupt nicht, vielmehr fühlte er sich benutzt und beschmutzt, wie die Dirnen der städtischen Freudenhäuser.

Nur ein sauberer Schnitt entlang der Kehle…

Loki riss sich zusammen und krabbelte von dem betäubten Soldaten, ehe er sich nach einem letzten, vernichtenden Blick daran machte, dessen Körper und Kleidung zu durchsuchen. Tatsächlich dauerte es nicht lange bis er einen bereits geschriebenen und adressierten Brief fand, an einen Mann den er Sorrow nannte.

Wer das wohl ist?

Gedankenverloren ließ Loki den Bericht durch seine Finger gleiten und überflog ihn kurz, wobei er am liebsten ausgespuckt hätte. Dieser verdammte Mistkerl!

Ansonsten fand der Trickster nichts weiter Verdächtiges, erst als er Asi vollkommen entkleidet hatte bemerkte er eine winzige Tättowierung an der Innenseite des Oberschenkels, die ihm zuvor entgangen war. Es waren drei kleine schwarze Punkte, verbunden durch flammenähnliche, unstete Linien. Loki fuhr mit einem Finger darüber, holte ein kleines Papier aus seiner Tasche und kopierte die Zeichnung.

Kurz bevor er fertig war flog die Tür förmlich aus den Angeln und Thor kam herein, gefolgt von einem reumütig dreinblickenden Balder, der Loki wohl mit einem entschuldigen Schulterzucken etwas wie Ich habs versucht! klarmachen wollte, ehe er hinter seinem Bruder den Raum betrat.

Loki schmunzelte zwar, konzentrierte sich aber weiter auf die Linien, die er auf ein Stück Pergament übertrug. Er wusste wie das gerade aussehen musste, während er halbnackt zwischen dem entblößten Soldaten kniete.

„Ist das wirklich nötig?", durchbrach Thor schließlich die Stille, sichtlich darauf bedacht seinen Ärger zurückzuhalten und irgendwoanders hin zu sehen, doch beides wollte ihm kaum gelingen.

„Was ist nötig?", flötete Loki gut gelaunt zurück, ehe er sein Werk vollendete und sich wieder von dem Bett erhob, um die beiden anzusehen. Balder löste sich als erster und nahm den Fetzen Pergament aus Lokis Hand, dann trat er zu dem nackten Soldaten um selbst ein Auge auf ihn zu werfen.

„Ist das jetzt die Art wie du arbeitest?", wollte Thor bitter wissen. „Soldaten verführen, die verdächtig sind?"

„Manche Dinge erfordern andere Mittel als Blut und Waffen, Thor."

Loki begann seelenruhig seine Hose wieder zu schließen und seine restlichen Sachen vom Boden aufzusammeln. Kommentarlos streckte er dem Donnergott dann den gefundenen Brief entgegen und mied es den Blonden beim Lesen anzusehen, schließlich wurde darin ausführlich darüber berichtet, wie Asi sich an Loki herangeschmissen hatte und die Tatsache, dass die Vermutung der Vanen wohl richtig war, wurde darin mehr als breitgetreten.

Thor las den gesamten Brief, gleich zwei Mal, wenn Loki richtig zählte, ehe er langsam an den betäubten Körper trat und einen Blick darauf warf; dann stand Erkenntnis in den sturmblauen Augen, die ein gefährliches Glitzern bekamen.

„Woher…", versuchte der Donnergott es ratlos, als Balder sich wieder aufrichtete, nachdem er das Tattoo und die Kopie betrachtet hatte.

„Ich vermute mal die Kette der Spione reicht über hunderte Jahre zurück. Es scheint so, als hätten sie wirklich lange daran gearbeitet…-"

Loki zuckte zusammen als hinter ihm ein lautes, schlagartiges Knacken ertönte und überrascht fuhr er herum, nur um zu sehen wie Thor Asi mit einem Schlag die Nase gebrochen hatte. Balder schien entsetzt, aber auch ein wenig befriedigt und der Trickster selbst brachte ein seltenes, kurzes Lächeln zustande.

„Ist das jetzt die Art wie du arbeitest, Thor?", schnurrte Loki voller Genugtuung.

„Manche Dinge erfordern andere Mittel als gutes Zureden und Geduld", entgegnete der Donnergott und schenkte Loki über Schulter hinweg ein verschmitztes Lächeln, das der Schwarzhaarige vorsichtig erwiderte.

Der alte Thor ist immer noch dort drin. Irgendwo hinter dieser Maske aus königlichen Pflichten und aufgezwungenen Entscheidungen.

„Danke."

„Das ist wohl das Mindeste", murrte der Donnergott noch immer wütend und angewidert, offensichtlich haderte er noch damit einen zweiten Schlag zu setzen, doch Balders Hand auf seiner Schulter beugte dem vor; Thor fuhr sich ungehalten durch die blonde Mähne. „Tut mir Leid ich… es ging mit mir durch."

Balder lächelte aufmunternd. „Er hat es verdient, aber ich fürchte ein weiterer Schlag würde sein Gesicht zerbrechen wie eine fragile Glaskugel. Und wir wollten ihn schließlich noch befragen."

„Von mir aus könnt ihr ihm währenddessen die Eier abschneiden", kommentierte Loki ihr Vorhaben vom anderen Ende des Raumes.

„Hervorragende Idee", stimmte Thor zu.

Balder seufzte ergeben, kam aber nicht umhin zu grinsen. „Wie wäre es wenn ihr beiden die Befragung einfach mir überlasst und euch darüber unterhaltet, wie das alles hier weiter gehen soll. Skandale dieser Art können wir uns nicht leisten. Loki?"

„Ich werde sehen, was ich über diesen Sorrow herausfinden kann."

So locker Loki schon aus der Tür wollte, Balders Blick aus gehobenen Brauen sprach Bände und der Schwarzhaarige ließ die Türklinke seufzend wieder los, um sich mit einer Hand die Schläfe zu reiben. Es wurde wohl Zeit für das Gespräch.

Balder öffnete die Tür und winkte ein paar Wachen herein, die den leblosen Körper nach draußen trugen, dann folgte er ihnen und schloss die Tür hinter sich. Eine Weile war es bedrückend still in dem Zimmer und Thor war der Erste, der diese Stille brach.

"Warst du oft hier?", wollte er wissen, die tiefe Stimme leicht belegt.

"Das spielt keine Rolle und es sollte dich nicht kümmern", gab Loki gifitg zurück.

Noch immer machte er Thor für das Scheitern ihrer Beziehung verantwortlich und da würde er sich sicher nicht auch noch vor ihm rechtfertigen, mit wem er schlief oder eben nicht. Tatsächlich schwieg der Blonde daraufhin und wartete, was Loki zu sagen hatte, doch der Trickster schien eine Weile nach Worten zu suchen, was durchaus selten war.

"Du hast den Brief gelesen, Thor. Balder kam vorhin zu mir und hatte Einiges zu berichten von jenseits der Grenzen... jedenfalls scheint es dort die Vermutung zu geben, dass wir eine Affäre haben und genau dort wollen sie dich treffen. Je unsicherer der Thron scheint, desto leichter kann man ihn zerstören."

Thor hörte zwar zu, doch seine Miene wurde finster. "Ich werde nicht zulassen, dass diese Mistkerle versuchen dir oder mir zu schaden. Ich werde sie festnehmen lassen, sofort!"

"Thor...", Loki seufzte theatralisch und ausgiebig als versuche er einem ahnungslosen Kind die Welt zu erklären. "Wir wissen nicht, wer es ist. Der Spion ist seit hunderten von Jahren nicht aufgefallen und er wird es auch jetzt nicht, nur weil du das willst. Aus diesem Grund haben Balder und ich eine Gegenmaßnahme ergriffen."

Der Donnergott hob lediglich beide Brauen in Unverständnis.

"Wir sind jetzt ein Paar", machte Loki es dann überdeutlich, auch wenn er ein bisschen Angst hatte vor der Reaktion des Blonden. Was auch berechtigt war, denn Thors Stirn legte sich augenblicklich in wütende Furchen.

"Bitte? Verstehe ich das richtig? Du gehst mit meinem kleinen Bruder?"

"Es klingt so unschuldig wenn du das sagst...", grinste der Trickster vielsagend.

"Habt ihr etwa...?"

Loki lachte leise auf, sichtlich amüsiert von Thors betroffenem und vollkommen verwirrten Blick, ein wenig Genugtuung brachte das schon mit sich, dass es Thor derart traf.

Aber das hättest du nicht erwartet, was?

Der Schwarzhaarige hatte mit einem Mal Mühe seine unberührte Maske aufrecht zu erhalten, denn der Kronprinz wirkte seltsam verloren in dem Raum, er stand da als hätte ihn jemand betäubt. Zu gerne wäre Loki zu ihm gegangen, hätte ihm alles ausführlicher erklärt, aber je weniger Thor zu seinem Schutz wusste, desto besser. Unbemerkt biss Loki sich auf die Unterlippe, als Thor plötzlich aus seiner Starre erwachte. Die sturmblauen Augen trugen so viel Enttäuschung in sich, dass Loki glaubte nicht mehr atmen zu können, weil die Schuld ihn erdrückte, doch der Trickster blieb in seiner einstudiert gleichgültigen Poste stehen.

Gar nicht so einfach, während dein Herz zerbricht, spöttelte seine innere Stimme. Loki quittierte sie mit einem ergebenen Lächeln.

Thor bewegte sich langsam auf den Trickster zu, doch er blieb eine Armlänge vor ihm stehen, als hätte er Angst sie könnten sich berühren und Loki würde irgendein Gift übertragen, oder sonst etwas Schlimmes. Verächtlich sah er eine Weile auf den Schwarzhaarigen hinab.

"Du widerst mich an Loki... "

Thor mahlte mit den Kiefern als er an dem Trickster vorbei durch die Tür schritt und sie mit einem Laut Knall hinter ihm zufiel. Dann war alles so unerträglich still.

Zum ersten Mal seit Minuten (so kam es ihm jedenfalls vor) holte Loki Luft und stützte sich mit einem Arm auf dem kleinen Tisch ab. Sein Herz raste und er spürte wie Tränen versuchten sich in seine Augen zu drängen. Wann hatte er das letzte Mal geweint? Es muss der Morgen gewesen sein an dem Thor gegangen war, nach Lokis erster Nacht als Agent am königlichen Hofe; danach hatte er nie wieder eine Träne vergossen.

Wieso jetzt? Ausgerechnet jetzt?

Loki wischte sich die Augen mit seinem Ärmel ab und atmete ein paar Mal tief durch, um sich zu sammeln.

Es waren nur Worte.

Nur Worte! Der Schmerz in seinem Inneren fühlte sich genauso heftig und frisch an wie damals, als man ihn angeschossen hatte.

Doch dieser Schmerz würde nicht so schnell vergehen, weil er nicht körperlicher Natur war.

Als es plötzlich klopfte fuhr Loki zusammen und stellte fest, dass er eingenickt war. Den Kopf auf die Knie gestützt hatte er nachgedacht und vor der Tür ausgeharrt, hatte gehofft die Schmerzen würden vergehen, bis er irgendwann in einen Dämmerzustand übergeglitten war.

Das Klopfen hielt an und mit einem kurzen Blick in den Spiegel richtete Loki seine Haare und machte schließlich auf: ein Einherjar stand mit einem kleinen Pergament in der Hand vor der Tür und verzog die Brauen leicht, als er Loki musterte.

"Prinz Balder möchte Euch sehen", erklärte der Soldat und Loki entging nicht, wie er einen skeptischen Blick in den Raum warf. Anscheinend hätte er vor Stunden geräumt werden sollen. Loki räusperte sich ernst.

"Meine Untersuchungen haben etwas länger gedauert, aber ich bin jetzt fertig", log er ungeniert und nahm dem Soldaten das Papier aus der Hand, um es zu überfliegen. "Sag ihm er kann kommen, ich bin in meinen Gemächern."

Ohne sich zu verabschieden verließ Loki das Zimmer und machte sich direkt auf den Weg zu seinem eignen. Er brauchte dringend Wein und ein warmes Bad.

"Was hat er gesagt?"

Balder steckte sich etwas Obst in den Mund, während er am Rand des Badebeckens von Lokis Unterkunft saß, in der anderen Hand ein Glas Wein.

Loki lungerte auf der gegenüberliegenden Seite im Wasser und hatte den Abstand förmlich gesucht, was Balder taktvoller Weise erkannt hatte und nicht weiter darauf drängte, ihm irgendwie näher zu kommen.

"Nichts", log Loki selbstverständlich, doch sein Blick verlor sich in der Ferne seiner Gedanken.

"Keine Lügen, weißt du noch?"

"Es war nichts er... er hat es ganz gut aufgefasst, denke ich", fasste Loki alles zusammen wobei er seine innere Stimme laut und höhnisch lachen hörte. Erneut verdrängte er sie vehement und tauchte bis unter die Augen ins Wasser, wie ein Aligator.

"Denkst du? ... Weißt du Loki, zufälligerweise kam er mir entgegen und er sah nicht besonders begeistert aus. Ich dachte schon er würde die nächste Wand einschlagen, so wie er geflucht hat; früher hätte er sein Zimmer zertrümmert."

"Das kann er ja jetzt wieder tun, immerhin räumt sein Schatz es sicher wieder für ihn auf..."

"Loki! Bitte, es ist wichtig!"

Der Trickster seufzte, was nur ein Blubbern auf dem Wasser erzeugte, doch sein feinstes Augenrollen untermalte eine extrem genervte Geste, mit der er langsam auftauchte. "Also gut. Es lief furchtbar: Ich konnte nicht alles sagen und er wurde wütend. Dann hat er gesagt, dass ich ihn anwidere, hat mich angesehen wie eine unreine Straßenhure und ist davonmarschiert."

"Loki, das tut mir Leid..."

"Das war eine wirklich grandiose Idee und sie hätte fast funktioniert."

"Sie funktioniert!", gab Balder diesmal mit Nachdruck zurück und stand auf, um einmal um das Becken zu laufen, damit er sich neben Lokis Kopf setzen konnte. Der Trickster war wenig begeistert, doch er trat auch nicht die Flucht an, als Balder ihm eine Hand auf die Schulter legte und sanft darüber strich. "Bitte, lass mich mit ihm reden... ich erkläre ihm so viel ich kann."

Vorsichtig bahnten Balders Hände sich einen Weg zu Lokis Nacken und er setzte sich so, dass er den Schwarzhaarigen zwischen seinen Beinen hatte; dann begann er die blassen Schultern zu massieren, mit einer Zärtlichkeit die Loki einen Schauer über den Körper jagte.

Loki wollte sich beschweren, wollte einen dummen Spruch loslassen, doch es tat gut ein wenig Zuneigung zu erfahren, nach dieser rauen Abfuhr des Donnergottes. Es war seltsam, aber Balder hatte wirklich ein Händchen dafür (im wahrsten Sinne des Wortes...) mit Leuten umzugehen und nur wenig später entspannte Loki sich sichtlich.

"Ich hoffe er versteht es...", meinte Loki schließlich leise und rau.

"Das hoffe ich auch", gab Balder seufzend zurück.

"Wieso tust du das? Das alles meine ich. Wo es dir doch nichts bringt... auf lange Sicht gesehen."

Loki legte den Kopf zurück um Balder ansehen zu können, die grünen Augen skeptisch glitzernd. Doch zu seiner Überraschung spielte ein Grinsen um Balders Lippen und der Prinz beugte sich langsam herunter, um Loki vorsichtig zu küssen; der Trickster versteifte sich automatisch.

"Weil ich - entgegen der allgemeinen Meinung - durchaus auch mal egoistisch sein kann", erwiderte Balder leise hauchend als er sich von den schmalen Lippen löste und schließlich aufstand, verfolgt von Lokis ungläubigem und überraschtem Blick. "Und jetzt werde ich ein guter Junge sein, wie man mir immer nachsagt, und mit meinem Bruder sprechen."

Nach einem kurzen Winken war der Prinz verschwunden und Loki fuhr sich nachdenklich mit einem Finger über die Lippen. Wie bei Hel konnte der Kerl bei all dem nur so verdammt ruhig bleiben?