Die Kraft der Liebe
Die Tage darauf vergingen wie im Flug. Hermine wurde von ihren weinenden Eltern umklammert, Ron von einer Menge von Rotschöpfen nach Hause gebracht und Harry verbrachte die Zeit mit seiner Familie. Sie gingen über die Ländereien von Hogwarts, erzählten einander Geschichten auch ihrer Vergangenheit – James konnte es nicht lassen, jeden einzelnen Streich der Rumtreiber haargenau zu erklären und Harry erzählte von seinen vielen Abenteuern, wie er die Freunde seines Vaters kennengelernt hatte und wie es ihm all die Jahre in Hogwarts ergangen war.
„Du bist also Sucher, huh?", James lächelte seinen Sohn an, der neben ihm an den Ufern des Schwarzen Sees vorbei ging. „Wann bist du denn in die Mannschaft gekommen? Mary ist seit dem dritten Jahr dabei. Ich hab's schon im zweiten geschafft."
Harry blickte peinlich berührt zu seinem Vater auf und fuhr sich nervös durch die Haare. „Nun ja, ich bin seit meinem ersten Jahr dabei."
James blieb abrupt stehen und starrte ihn mit großen Augen an, die hinter seiner runden Brille funkelten. „Seit dem ersten Jahr? Aber… Aber man kann doch erst frühestens im zweiten der Mannschaft beitreten! Und das dann auch nur wenn man dementsprechend schon viel kann." James blinzelte und schüttelte langsam den Kopf. „Ich fass es nicht", murmelte er und sein Lächeln wurde immer breiter. „Ich fass es nicht! Mein Sohn… im ersten Jahr… Wahnsinn!"
„Was ist Wahnsinn, Liebling?", Lily kam mit Tochter Mary über die Ländereien zu den beiden männlichen Mitgliedern ihrer Familie hinüber geschlendert. „Worüber redet ihr?" Als sie die beiden erreichte, fuhr sie Harry liebevoll durch das Haar. „Hoffnungslos", murmelte sie lächelnd und versuchte vergebens, die eben verstrubbelten Haare wieder zu bändigen.
„Lily, unser Sohn ist seit seinem ersten Jahr in der Schulmannschaft!" Strahlend blickte James zu seiner Frau hinunter. „Seit dem ersten Jahr!"
Lily blinzelte ihren Mann an und wandte sich mit zusammengezogenen Augenbrauen ihren Bruder zu. „Aber Schüler können doch erst ab dem zweiten…"
„Ist ja hammer", schrie Mary auf und sprang Harry erneut in die Arme. „Wahnsinn! Wie hast du das denn geschafft? Du musst ja echt gut sein! Ich hab es erst im dritten geschafft, obwohl ich von 'ner im zweiten zu den Auswahlspielen gezerrt wurde. Sie wollte nicht alleine ins Team, musst du wissen. Wow! Kannst du mir zeigen, wie du fliegst? Und was für 'nen Besen hast du jetzt eigentlich? Das hast du mir immer noch nicht gesagt!"
„Luft holen nicht vergessen", sagte ein grinsender James und schlug Harry väterlich auf die Schulter. „Obwohl deine Schwester ein bisschen zu schnell und zu viel redet" – „Hey!" – „hat sie Recht. Sirius und Remus haben ein Quidditchfeld im Garten. Wieso gehen wir nicht jetzt erst einmal nach Hause, richten dein Zimmer neu ein und flohen dann später am Tag zu euren beiden Patenonkeln rüber?"
Diese Idee fand allgemeinen Anklang und schon machten sich die vier Potters auf den Weg nach Hogsmead, von dort aus sie per Seit-an-Seit-Apparieren nach Godric's Hollow gelangten.
Dort angekommen blieb Harry vor dem Gartentor stehen und sah zu dem Haus hinauf. Das letzte Mal, als er es gesehen hatte, war es in einem furchtbaren Zustand gewesen. Verbrannt, modrig und einsturzgefährdend. Die Schönheit konnte man nur noch mit sehr viel Fantasie erahnen, doch das Haus, was nun vor ihm stand sah so fremd und noch bekannt aus, mit seinem Kieselweg, welcher vom Tor zur Haustür führte, den Blumen am Wegesrand, dem Kirschbaum in der Nähe des Küchenfensters, welches zu Straße hin ging… Er merkte nicht, wie ihm einzelne Tränen den Wangen hinunter rollten, bis er etwas Nasses an seinem Kinn spürte. Hektisch wischte er sie weg, bevor einer der anderen merkte, dass er weinte. Er konnte es nicht glauben! Er hatte ein zu Hause! Zum ersten Mal in seinem Leben hatte er einen Ort, den er wahrhaftig sein zu Hause nennen konnte, ohne dass es sich dabei um eine Schule handelte.
Lily hielt inne und blickte über ihre Schulter. Harry stand mit glänzenden Augen vor dem Gartentor und starrte zum Haus hinauf. Ein leichtes Lächeln bildete sich auf seinem Gesicht, als er immer noch, ohne sich zu bewegen, zum Haus hinaufsah.
„Lily?", sie drehte sich und sah ihren Mann an der Haustür stehen. Er sah zu Harry hinüber, wandte seine Augen jedoch ihr zu, als er merkte, wie sie sich zu ihm umdrehte. Er nickte ihr kurz zu und verschwand ohne ein weiteres Wort im Haus. Er wusste, dass es für Harry schwer sein musste, ohne irgendwelche Vorwarnung in sein altes Leben hineingeworfen zu werden, wo seiner Vermutung nach wohl alles unbekannt und verwirrend war. Sein Sohn brauchte Zeit und die wollte er ihm geben. Er wollte ja gerne selbst mit Harry über das Reden, was ihm gerade durch den Kopf ging, was – und das versuchte er erst gar nicht abzustreiten – wohl mehr war, als er sich in diesem Moment vorzustellen vermochte, doch er war sich genauso sicher, dass er nicht die Person war, die mit ihrem Sohn sprechen sollte, wie er sich sicher war, dass Snivellus es nie lernen würde, seine fettigen Haare zu waschen. Also zog er sich lieber zurück und lenkte seine Tochter ab, die nur allzu gern ihrem Bruder eine Frage nach der anderen gegen seinen strubbligen Kopf werfen wollte. Sie sollte die Gelegenheit kriegen, jedoch nicht jetzt.
Lily seufzte leise und ging langsam zu ihrem Sohn zurück, nachdem James im Haus verschwunden war. Sie wusste genauso sehr wie James, dass Harry seine Gedanken aussprechen musste und sich nicht verschließen durfte und sie war ihrem Mann sehr dankbar, dass er es ihr überlassen hatte, diese Aufgabe zu übernehmen. So sehr sie James auch liebte, manchmal fehlte ihm einfach das passende Feingefühl. Sie schob es auf Sirius' Einfluss auf seine Kindheit.
„Harry?", sagte sie zaghaft und legte ihm eine Hand auf die Schulter. Harry blinzelte bei dem Kontakt und wischte sich eilig erneut über die Augen. „Ist alles in Ordnung?"
Harry nickte und wandte seinen Blick wieder dem Haus zu, in dem er erst einmal für die nächsten paar Tage – und insgeheim hoffte er, die Tage würden zu einem ‚für den Recht seines Lebens' werden, doch er wagte es nicht, sich allzu große Hoffnungen zu machen – verbringen sollte. Lily folgte seinem Blick und atmete tief ein. Der Geruch von Blättern und Regen lag in der Luft. Man konnte einige Vögel in der Ferne zwitschern hören. Mit einem traurigen Lächeln sah sie ihrem Sohn entgegen, der stur auf das Haus vor ihm blickte. „Was denkst du gerade, mein Liebling?", fragte sie zaghaft und drückte leicht seine Schulter.
Harry zuckte bei ihren Worten zusammen und sah sie verwirrt an. So hatte ihn noch niemand genannt, dachte er und wischte sich eine neue Träne aus den Augen. Doch es gefiel ihm. Er zuckte mit den Achseln und lächelte sie entschuldigend an.
„Ist alles im Moment recht viel, was auf dich zukommt, oder", fragte Lily leise, ohne den Blick von ihrem Sohn abzuwenden. Harry nickte und wandte sich wieder dem Haus zu.
Für eine Weile waren sie still. Alles, was man hören konnte, waren die weit entfernten Vögel, die sich auf den Weg in den Süden machten und ein dumpfes Klirren von Töpfen und Geschirr. James und Mary hatten anscheinend die Idee gehabt, mit dem Mittagessen anzufangen. Lily lächelte bei dem Gedanken. Das konnte nicht gut gehen, doch für dieses eine Mal ließ sie die beiden machen. Es gab Wichtigeres, worum sie sich im Moment Gedanken machen sollte.
„Es ist nur so unwirklich", flüsterte Harry nehmen ihr und nun war es an Lily leicht zusammen zu zucken. Harry blickte zu ihr hinüber und ließ diesmal seinen Tränen freien Lauf. „Noch vor einigen Tagen stand ich genau hier." Lily nahm Harrys Hand und drückte sie leicht. Er verstand – sie hörte ihm zu. „Das Haus war…", Harry blinzelte und mehr Tränen liefen ihm über die Wangen, doch er und seine Mutter kümmerten sich nicht darum. „Es war so kaputt. Die Fenster waren zersprungen, alles war marode und sah so aus, als würde es allein unter den Blicken in sich zusammen brechen. Der Garten war total überwuchert und überall lagen Holz- und Steinteile vom Dach und von den Mauern herum, die an… in dieser Nacht herausgesprengt wurden", flüsterte Harry und versuchte sich, mit tiefen Atemzügen wieder unter Kontrolle zu kriegen.
Lily merkte, wie nun auch ihr Tränen über das Gesicht liefen. Harry schniefte und blickte sie beschämt an. „Tut mir Leid", murmelte er und schenkte ihr ein trauriges Lächeln.
„Die brauch das nicht Leid zu tun, Harry", Lily schlang ihre Arme um Harry dünnen Körper und zog ihn fest an sich. „Du musst im Moment mit vielen Sachen klarkommen und ich… nein, wir möchten dir dabei helfen. Du musst da nicht alleine durch, mein Schatz", sie strich ihm liebevoll die Haare aus dem Gesicht und küsste ihm auf die komisch aussehende Narbe auf seiner Stirn. Ein Schauer durchlief Harry und er vergrub sein Gesicht nur noch tiefer in das feuerrote Haar seiner Mutter. „Wir sind bei dir, Liebling", flüsterte sie und küsste ihn auf die Haare. „Wir werden immer bei dir sein."
Harry zitterte und klammerte sich verzweifelt an seine Mutter, die ihm nur noch fester an sich drückte. Nun konnte er seine Tränen nicht mehr zurückhalten. Zum zweiten Mal in einer Woche ließ er seiner Trauer freien Lauf und genoss die mütterliche Umarmung, an die nicht einmal im Geringsten die Umarmung von Mrs. Weasley rankam. Lily flüsterte ihm beruhigende Sätze ins Ohr, ihre Umarmung ließ nie nach.
Nach einigen Minuten löste sich Harry von seiner Mutter und lächelte ihr zaghaft zu. Lily küsste ihm auf die Wange und strich mit ihren Händen sanft die Tränen auf seinen Wangen weg. „Alles wird gut", sagte sie und drückte ihn ein weiteres Mal an sich. „Wenn du reden möchtest, komm jeder Zeit zu uns, egal, wie spät es ist, okay?" Harry nickte dankbar und schniefte.
„Gut", Lily wischte sich einige ihrer eigenen Tränen vom Gesicht und lachte kurz auf. „Wollen wir mal gucken, was für ein Chaos dein Vater und deine Schwester in der Küche veranstaltet haben? Normalerweise bin ich schnell genug, um ihnen die Rührlöffel wegzunehmen, deshalb bleibt mir meistens der große Schock erspart." Harry lachte und machte sich mit seiner Mutter auf in die Küche.
Einige Stunden später stand Harry in seinem alten Kinderzimmer. Die Kinderkrippe wurde in den Keller transportiert und an ihrer Stelle ein einfaches Bett gestellt. Der Rest der Zimmereinrichtung blieb vorübergehend so, wie sie schon seit über fünfzehn Jahren der war. So sehr Lily und James auch hofften, dass Harry bei ihnen blieb, so wussten sie nicht, ob Dumbledore inzwischen eine Möglichkeit gefunden hatte, ihn und seine Freund wieder zurück nach Hause zu schicken. Falls das der Fall war, wollten sie Harrys Zimmer so lassen, in Andenken an ihr verstorbenes Baby.
Harry schaute aus dem Fenster neben seinem Bett und beobachtete, wie sein Vater draußen im Garten sich verstohlen umsah, mit einem weiteren Blick auf die Terrassentür seinen Zauberstab zückte und den Rechen dirigierte, damit er für ihn das Laub zusammenfegte. James nickte zufrieden, drehte sich um und wich schnell mit leicht entsetzter Miene zurück, als auch schon im nächsten Moment seine Mutter aus dem Haus gestürmt kam, ihm, wie es aussah, eine Standpauke hielt und ihm dabei ein ums andere Mal ihren Zeigefinger in die Brust stieß.
Grinsend drehte Harry sich vom Fenster ab und ging aus seinem Zimmer, den Flur entlang ins Erdgeschoss, wo ein nun grinsender James, gefolgt von einer rotwangigen Lily auf ihn zukam. „Wie wär's mit Quidditch, Harry? Sirius und Remus haben ein kleines Quidditchfeld im Garten", James legte einen Arm um Lily Schulter, die ihn gespielt beleidigt auf seinen Arm schlug und sich mit einem Zwinkern zu James und einem Augenrollen zu Harry in Richtung Küche aufmachte.
„Ich hab aber keinen Besen", sagte Harry und kratzt sich am Hinterkopf. „Mein Feuerblitz ist in Hogwarts… also meinem Hogwarts."
„Ein Feuerblitz, huh?", James legte ihm eine Hand auf die Schulter und lächelte ihm zu. „Nicht schlecht. Mit einem Feuerblitz kann ich jetzt zwar nicht dienen, da deine Schwester wohl etwas dagegen hätte, wenn wir ihr ihren Stehlen würden, aber wir haben noch Marys alten Nimbus 2001. Den kannst du nehmen."
Gerade, als Mary polternd die Treppen hinunter kam, bewaffnet mit besagten Feuerblitz und sie sich zu ihrem Bruder und Vater am Kamin gesellte, kam Lily in den Raum. „Ich habe gerade eine Eule von Albus bekommen", sagte sie und hielt ein Blatt Pergament hoch. „Er möchte, dass wir zu ihm kommen. Alle vier", fügte sie hinzu, als Mary ihr einen fragenden Blick zuwarf.
„Hat er geschrieben, was er von uns will?", wieso muss dieser alte Knacker sich immer dann melden, wenn's gerade lustig wird? James knirschte betrübt mit den Zähnen. Das macht der garantiert extra.
„Der Brief ist von Dumbledore! Was erwartest du?", fragte Lily kopfschüttelnd, warf eine Hand voll Flohpulver in den Kamin und verschwand mit den Worten „Hogwarts, Büro des Schulleiters."
Harry stolperte als letztes aus dem Kamin und schlug prompt mit der Stirn gegen die Kante von Dumbledores Schreibtisch. Grummelnd richtete er sich auf und rieb sich die schmerzende Stirn.
„Das gibt 'ne Beule", Mary lachte und zog den vor sich hin fluchenden Harry auf den letzten freien Stuhl vor dem bescheuert platzierten Schreibtisch. Lily beugte sich sofort zu ihm rüber und musterte genau seine Stirn. James grinste ihn an. Es war ihm anzusehen, dass er sich Harry zu liebe das Lachen verkniff – auch, wenn er deshalb schon knallrot war und Tränen in den Augen hatte.
„Sehr freundlich", murmelte Harry und warf seiner Schwester einen leicht genervten Blick zu – so gut es auch ging, wenn über die Hälfte seines Sichtfeldes entweder von den Händen oder dem Gesicht einer besorgten Mutter geraubt wurde.
Dumbledore kicherte und blickte amüsiert auf die Familie vor ihm. „Ich habe Neuigkeiten", sagte er mit funkelnden Augen und zwinkerte Harry zu, der mit einem letzten Kuss auf die Stirn nun in Ruhe gelassen wurde. „Eigentlich sind sie nicht ganz so erfreulich, aber wie ich es so sehe, könnten sie doch positiv aufgenommen werden."
Dumbledore legte seine Fingerkuppen aneinander und musterte die Potters vor ihm. „Nun, in wenigen Minuten werden die Weasleys und die Grangers zu uns stoßen. Ihr seid die ersten. Da ich nicht alles doppelt und dreifach erzählen möchte", Dumbledore kratzte sich an der Nase, „würde ich vorschlagen, auf die anderen zu warten." Munter vor sich hin summend lehnte sich der alte Schulleiter in seinem Stuhl nach hinten und betrachtete die Portraits der alten Schulleiter von Hogwarts, die ausnahmslos zu schlafen schienen, wenn man denn glaubte, dass man – ob Mensch oder Portrait – mit so nervtötenden, lauten Schnarchern schlafen konnte.
Keine fünf Minuten vergingen, als es an der Tür klopfte und Hermine, gefolgt von einer Frau mit buschigen braunen Haaren und blauen Augen und einem Mann mit grauen Haaren und warmen braunen Augen durch die Tür trat. Kaum hatte sie Harry gesehen, stürzte sie vor und schloss ihn fest in die Arme. „Oh, Harry! Hab ich dich vermisst! Wie geht es dir? Was hast du all die Tage gemacht? Kommst du gut zurecht? Weißt du, wo Ron ist? Oh, ich muss euch ja so viel erzählen!"
Lachend klopfte Harry ihr auf den Rücken. „Mir geht's gut, 'Mine", sagte er und löste sich aus der knochenbrechenden Umarmung.
„Sie müssen Harrys Eltern und Schwester sein", Hermine lief leicht rot an. Erst jetzt schien sie die Leute, die um Harry herumsaßen zu bemerkten. „Es ist eine Ehre, Sie kennenzulernen! Im Krankenflügel konnte ich mich nicht richtig vorstellen. Ich bin Hermine Granger, Harry ist einer meiner besten Freunde."
Lily stand auf und schloss das nervöse Mädchen liebevoll in die Arme. „Freut uns, dich endlich richtig kennenzulernen, Hermine", sagte sie und strahlte auf die junge Hexe hinab. „Harry hat schon recht viel von dir erzählt."
„Muuuuum!" Hitze stieg ihm ins Gesicht.
Hermine lächelte Harry entgegen und drückte ihn ein erneutes Mal an sich. „Schon in Ordnung", flüsterte sie ihm ins Ohr, wobei hm ein angenehmer Schauer über die Haut lief. „Mum und Dad ging es nicht viel anders." Grinsend zwinkerte sie ihm zu und Harry wurde nur noch röter.
Mit einem lauten Rauschen kam ein Rotschopf nach dem anderen aus dem Kamin gestolpert und berieselten alle Anwesenden mit einem Rußfilm. „'Tschuldigung", murmelte ein besonders rußiger Ron Weasley und eilte zu Hermine und Harry hinüber, die immer noch neben einander standen. Er umarmte beide kurz und wischte dabei den ganzen Ruß an seinen beiden Freunden ab. „Ist schon komisch, Percy wieder zu sehen. Und das, ohne, dass irgendwer einen gehässigen Kommentar ihm gegenüber abgibt. Naja, weniger gehässig als normal", flüsterte er, als gerade besagter Percival Weasley elegant aus dem Kamin stieg und sich seinen Umhang glatt strich. „Wie macht der das nur?", murmelte Ron und setzte sich auf einen gerade herauf beschworenen Stuhl zwischen seinen Eltern.
„Wo wir jetzt alle so zahlreich hier angekommen sind", begann Dumbledore und stand von seinem thronartigen Stuhl auf, „möchte ich euch um eure Aufmerksamkeit bitten." Dumbledore räusperte sich und ging um seinen Schreibtisch herum. „Ihr wundert euch bestimmt, weswegen ich euch hierher bestellt habe und ich möchte euch nicht länger als nötig auf die Folter spannen."
James und Harry verdrehten die Augen, warfen sich einen Blick zu und fingen an leise zu kichern. Lily funkelte sie warnend an und wandte sich, nun mit leisem Ehemann und Sohn, erneut dem weisen Zauberer entgegen.
„Danke", sagte Dumbledore mit funkelnden Augen räusperte sich erneut. „Wie ich schon letzte Woche gesagt habe, habe ich meine Zeit mit Recherchen und Theorien verbracht, die mir eventuell zu sagen vermochten, ob es einen Weg für euch drei", er deutete auf Hermine, Ron und Harry, „gibt, wieder in eure Dimension zurückzukehren. Wie ich ebenfalls schon erwähnte, ist dies der mir einzig bekannte Fall von interdimensionaler Reise. Dennoch habe ich in sämtlichen Aufzeichnungen über Galaxien, Zeitverschiebungen und Welten nachgelesen, mich im Ministerium über Möglichkeiten des Wechsels der Dimensionen und besonderer Zeitumkehrer erkundigt und ich bin bedauerlicher Weise zu der Erkenntnis gekommen, dass es bisher keinem gelungen ist, eine Verbindung zwischen unterschiedlichen Dimensionen zu erschaffen, was bedeutet, dass ich keine Möglichkeit sehe, euch drei zurück nach Hause zu schicken."
Stille folgte auf diese Worte.
Würde er tatsächlich nie wieder zu den Dursleys zurück müssen? Würde er endlich eine Familie haben? Eine richtige Familie?
Harry blickte zu seinen Eltern hinüber, die ihn über beide Ohren hinweg strahlend ansahen. Mary sprang auf und umarmte ihren Bruder stürmisch. Sie hatte Harry zurück! Sie würde endlich einen Bruder haben und sie würde diese Möglichkeit nutzen, ihn endlich kennen zu lernen! Lily war zu Lachen und zu Weinen zumute. Sie beobachtete, wie sich ihre beiden Kinder umarmten und sah zu James hinüber, der sie ebenfalls mit Tränen in den Augen ansah. Ihr Wunsch war erfüllt worden. Sie hatten ihr Baby zurück. Wenn wir zu Hause ankommen wird erst einmal das Zimmer umdekoriert, dachte James freudestrahlend und küsste Lily auf die Wange. Wenn Harry möchte, werden die Wände rot gestrichen, mit einer goldenen Bordüre und er bekommt ein riesengroßes Doppelbett mit tausenden von Kissen und wenn wir schon mal in der Winkelgasse sind, kriegt Harry einen neuen Feuerblitz und dann müssen wir noch ins Muggellondon, um ihm anständige Klamotten zu kaufen. Diese übergroßen Sachen werden ihm noch nicht einmal in fünfzig Jahren passen.
Hinter ihnen umarmte eine weinende Mrs. Granger ihre nach Jahren wiedergefundene Tochter, ihr Mann saß mit tränennassem Gesicht neben ihnen und strahlte sie liebevoll an. Den Weasleys ging es nicht anders.
Dumbledore schaute glücklich die wiedervereinten Familien vor ihm an und dankte dem Himmel und Merlin persönlich, dass Harrys Verbindung durch die Blutmagie mit seiner Mutter einzigartig war und dass diese Verbindung, die zur Folge hatte, dass Harry seinen Eltern entrissen wurde, es letztendlich ermöglicht hatte, dass sie wieder vereint und überglücklich nun hier vor ihm saßen.
Vor einigen Tagen hatte er herausgefunden, dass durch die starke magische Verbindung zwischen dem jungen Harry und Lily und durch die emotionale Verbindung zu dem Spielzeughirsch eine Überlappung der Dimensionen hervorgerufen wurde. Eine solche starke Verbindung hatte es noch nie in der Geschichte der Menschheit gegeben. Sie war der Grund dafür, dass Harry und seine Freude nach dem wissentlichen Kontakt Harrys mit dem Element seiner Kindheit zu dem gezogen wurden, was er am meisten vermisste – seine Familie. Als Harry in Gedanken an das, was er verlor, und Lily in den Gedanken an das, was sie verlor war, kam es zu einer kurzen magischen Zusammenführung der Magiekerne der beiden im Zauber mit einander verbundenen Menschen. Diese Zusammenführung über den Blutschutz im Blut Harrys, so kurz sie auch war, war so mächtig, dass die zwei Dimensionen zusammengezogen wurden und für einen klitzekleinen Moment mit einander verschmolzen. Da, nach Dumbledores Überlegungen ein solches Phänomen nur dann entstehen kann, wenn in jeder Dimension ein Teil des Zaubers liegt, und diese Teile hiermit wieder verbunden wurden, ist es unmöglich, diese Teile erneut zu trennen. Eine so starke Magie, die Kraft der Liebe, ist nicht zu besiegen.
Das ist etwas, was ich ihnen noch sagen muss, dachte sich Dumbledore, als er leise die Tür zu seinem Büro hinter sich schloss. Doch das hat Zeit.
A/N: Und das war die Geschichte :) Ich hoffe, sie hat euch gefallen! Es hat auf jeden Fall extrem Spaß gemacht, sie zu schreiben und hochzuladen :D Das war meine erste Geschichte, also bin ich nur um so glücklicher, dass sie so viele Clicks bekommen hat und hoffentlich noch bekommen wird ;D
Falls ihr euch fragt, ob ich im Moment an einer anderen Geschichte sitze: Nein. Ich hab zwar schon eine Idee für 'nen One-Shot, weiß aber noch nicht so genau, ob und wie ich das umsetzen kann. Ich versuch mein Bestes ;) Wenn's so klappt, wie ich mir das vorstelle, seid ihr die Ersten, die's zu lesen bekommen :D
Bis zum nächsten Upload xD
