8. Kapitel

Stimmen.

Worte so scharf und tödlich wie eine Meisterklinge.

Es war der Klang eines Wortgefechtes, der Harry begrüßte als er aus seinem tiefen, erholsamen Schlaf erwachte. Viel zu lange schon war es her, seitdem er sich nach dem Schlafen das letzte Mal so entspannt gefühlt hatte und sein erschöpfter Körper löste sich nur ungern aus dem Zustand der Erholung, der ihm so lange enthalten worden war. Wenn die Stimmen nicht gewesen wären, die sich neben ihm aneinander wetzten und akkurat Hieb für Hieb auslieferten, dann hätte er sich wahrscheinlich einfach wieder fallen gelassen und noch eine Weile weitergeschlafen.

So jedoch zwang er sich dazu wach zu werden und mit dem Erwachen kamen auch die Erinnerungen.

Die erste Erinnerung, die über ihn hereinbrach, war jene an Schmerz … Schmerz und Kälte, die ihn von innen heraus zu erfrieren drohte. Das Gefühl innerlich zu erstarren, während gleichzeitig flüssiges Feuer brennend kalt durch seine Adern raste. Immer mehr, immer kälter, immer schmerzhafter.

Selbst jetzt, wo er sich nur daran erinnerte, war es, als würde ein Echo des Schmerzes durch jede einzelne seiner Zellen fahren und eine Gänsehaut breitete sich auf seinem ganzen Körper aus.

Für kurze Zeit hatte er sich gewünscht, dass es einfach endlich zu Ende gehen würde. Er war so müde gewesen vom Kämpfen.

Aber was ist dann geschehen?

Ich fühle mich anders. Die Kälte ist endlich weg und der Schmerz nur noch schwach … zumindest im Vergleich zu zuvor.

Harry konzentrierte sich und versuchte sich zu erinnern, was noch geschehen war. Es dauerte, aber langsam kehrte mehr von seiner Erinnerung zu ihm zurück.

Der Duft von Jasmin und Kräutern.

Eine ruhige Stimme.

Berührungen, die Wärme brachten und den Schmerz dämpften.

Sicherheit.

Mein Ruhepol!

Wie ein warmer Wind liebkoste dieser Gedanke Harrys aufgewühlte Seele.

Sein Ruhepol war zu ihm gekommen und – plötzlich kamen die Erinnerungen schneller – er hasste ihn nicht!

Harry erinnerte sich daran, wie er das letzte Mal aufgewacht war und Severus Snape neben seinem Bett gesessen hatte. Wie liebevoll er mit ihm umgegangen war. Wie er ihm gesagt hatte, dass er ihn nicht hasste. Wie er ihn im Arm gehalten hatte, als er die Freudentränen nicht hatte stoppen können.

Er war in seinen Armen eingeschlafen und zum ersten Mal war es nicht so gewesen, dass er sich als Katze zu ihm geschlichen hatte, nachdem er schon eingeschlafen war, sondern er hatte ihn als Menschen in seinen Armen gehalten.

Das war ein Unterschied wie Tag und Nacht.

Nichts, wirklich nichts, hatte sie jemals so perfekt angefühlt. Nicht sein erster Flug auf einem Besen, nicht sein erster Sieg im Quidditsch und nicht einmal der Tag, als Sirius ihn gefragt hatte, ob er bei ihm leben wolle. Mit der Freude, die diese Erinnerung in seinem Herzen hervorrief, hätte er ohne Schwierigkeiten ganz Askaban mit nur einem Patronus von allen Dementoren befreien können.

Mit einem Mal verspürte er den unbändigen Wunsch seinen Lehrer zu sehen, sich zu vergewissern, dass die Wärme in seinem Blick wirklich da war, dass eine Chance bestand, dass er erneut in den schützenden Armen seines Ruhepols würde einschlafen können und nicht alles nur dem Moment zuzuschreiben gewesen war und er ihn bald wieder nur von Weitem sehen würde.

Etwa zur selben Zeit, als er sich entschloss nun seine Augen zu öffnen, verstummten die Stimmen neben seinem Bett und Stille trat ein.

Er wusste nicht, was die beiden Wortduellanten neben ihm zum Verstummen gebracht hatte. Seine Gedanken hatten ihn sosehr abgelenkt, dass er nicht wirklich darauf geachtet hatte, was um ihn herum geschah.

Jetzt jedoch konnte er die Stimme Dumbledores vernehmen und aus dem, was der Schuldirektor sagte, war es nicht schwer zu ermitteln, was für die Stille verantwortlich war.

„Nun, Mr. Longbottom, ich habe durchaus eine Vermutung, aber ich bin mir nicht sicher und selbst wenn ich Recht hätte, wären da immer noch jede Menge offene Fragen. Am besten warten wir, bis Mr. Potter uns alles berichtet hat, was er weis und dann schauen wir weiter."

Neville muss sich bei Dumbledore über mich erkundigt haben. Am Besten öffne ich jetzt wirklich die Augen. Sie müssen sich ja schreckliche Sorgen um mich machen, wenn meine Erinnerungen auch nur halbwegs akkurat sind.

Entschlossen machte Harry sich an die –erstaunlich schwere- Aufgabe seine Augenlieder zum sich bewegen zu bringen.

„Ah, sieht ganz so aus, als ob wir nicht mehr lange warten bräuchten.", hörte er die Stimme des Schulleiters.

Immer noch kämpfte er darum seine schweren Lieder zu heben und dann gelang es ihm endlich und die vertraute, weiße Decke des Krankenflügels erschien vor seinen Augen.

„Harry!", ertönte es ihm Chor von den ihm Raum versammelten Frauen, Schülern und dem Direktor, doch der Katzenjunge ignorierte sie, als sein Blick sich wie von selbst auf die Suche nach der vertrauten Gestalt eines bestimmten Tränkemeisters begab.

Severus hatte sich, sobald er sah, wie Harry aufwachte, etwas in den Hintergrund begeben, den Blick dabei jedoch unverwandt auf dem Jungen ruhen gelassen.

Nun trafen sich ihre Augen und wie schon so oft, verloren sie sich augenblicklich vollkommen im Blick des jeweils anderen, während Wärme sich von ihren Herzen aus in ihrem ganzen Körper ausbreitete.

„Guten Morgen, Kitten!", wisperte Severus leise und ein Lächeln erwärmte das Schwarz seiner Augen. Er hatte so leise gesprochen, dass die anderen im Raum ihn unmöglich hatten hören können.

Mit Ausnahme von Harry.

Seine empfindlichen Katzenohren vernahmen den Morgengruß laut und deutlich und das Lächeln, das auf seinem Gesicht erschien, traf Severus mitten ins Herz. Wenn er dem Katzenjungen nicht schon vor langer Zeit vollständig verfallen wäre, dann wäre es spätestens in diesem Moment geschehen.

Und für einen Augenblick vergaß er, dass seine Gefühle falsch waren, dass Harry sein Schüler und viel zu jung war. Für einen Augenblick erlaubte er es den Gefühlen in seinem Herzen aus der Kiste, in die er sie gesperrt hatte heraus zu kommen und sich in seinen Augen wiederzuspiegeln.

Viel zu schnell jedoch endete dieser Augenblick, als Madam Pomfrey an Harrys Bett heran trat und dabei unabsichtlich den Blickkontakt zwischen den beiden Männern abbrach.

„Hallo, mein Lieber! Na, wie geht es dir? Hast du irgendwelche Schmerzen?"

Wie immer kam Poppy direkt auf den Punkt. Eigentlich hätte sie aber wissen müssen, dass diese Fragen ihr nur eine einzige Antwort einbringen würden.

„Mir geht's gut!"

Und das war sie … DIE Harry Potter Standartantwort auf Fragen zu seinem Befinden. Poppy seufzte und schenkte ihrem Patienten einen strengen Blick.

Weshalb frag ich überhaupt noch?

Der Katzenjunge konterte ihren Blick mit einem versucht heiteren Lächeln, das dazu dienen sollte sie von der Wahrheit seiner Aussage zu überzeugen. Nicht, dass es die Wahrheit war, aber das brauchte die Heilerin ja nicht zu wissen. Sie würde ihn nur im Krankenflügel behalten wollen und das passte so gar nicht mit Harrys Plänen zusammen.

Zu seinem Pech jedoch erwies sich Lächeln als taktischer Fehler. Die Wunde an seiner Unterlippe, in die er seine Zähne geschlagen hatte, um seine Schreie zu dämpfen, wurde nämlich durch diese Geste gedehnt und der daraus resultierende Schmerz ließ ihn leise zischen. Eine Reaktion, die der immer aufmerksamen Poppy natürlich nicht entging.

„Hm … gut! Das merke ich."

Ist es Krankenschwestern eigentlich erlaubt derart sarkastisch zu klingen, wenn sie sich mit ihren Patienten unterhalten?

Es geht mir gut …autsch, von dem Muskel wusste ich ja noch gar nichts … Ok, vielleicht nicht wirklich gut, aber besser!

Alle konnten sehen, wie Harry zu schmollen begann und versuchte sich im Bett aufzurichten. Der Schmerz, den diese Bewegung auslöste, war ebenso für jedermann zu erkennen. Sie beobachteten, wie Poppy Harry dabei half sich aufzusetzen und ihn dann wieder mit ihrem strengen Blick festnagelte.

Dieser Blick war schon so manchem zum Verhängnis geworden. Selbst Severus und Albus hatten bislang noch keinen Weg gefunden ihm lange standzuhalten. Harry hatte keine Chance.

„Na gut, na gut, ich werde ein braver kleiner Patient sein und Ihnen alle ihre Fragen ehrlich beantworten. Zufrieden?"

„Sehr! Und jetzt los, ich warte!"

„Okay … Sie wollten wissen, wie ich mich fühle? Tja, wenn mir jemand sagen würde, dass ich von einer Herde Thestrale über den Haufen gerannt worden bin, dann würde ich ihm das im Moment einfach mal glauben. Zu den Schmerzen … ehrlich gesagt wäre es leichter Ihnen zu sagen, was mir nicht weh tut. Ist eindeutig die kürzere Liste." Er schenkte der Heilerin einen seiner unschuldigsten Blicke. „Dennoch bin zuversichtlich, den Krankenflügel spätestens heute Abend wieder verlassen zu können."

Neville und Luna begannen leise zu kichern. Das war typisch Harry!

Poppy hingegen zog nur eine Augenbraue hoch. Sie hatte sich bei Harrys Antwort Notizen auf ihrem Klemmbrett gemacht und murmelte nun, ihre Aufzeichnungen dabei ergänzend: „Patient leidet allen Anschein nach unter schweren Wahnvorstellungen. Bei längerem Andauern wird die Hilfe eines Geistesheiler empfohlen."

Die trockenen Worte der Heilerin und der darauf folgende Schmollmund des Katzenjungen wandelten das Kichern der beiden Schüler in lautes Gelächter und auch der Schulleiter und Professor McGonagall konnten ein amüsiertes Schnauben nicht unterdrücken. Selbst Severus konnte spüren, wie sich seine Mundwinkel leicht nach oben verzogen.

Als die allgemeine Heiterkeit etwas nachgelassen hatte, trat Dumbledore vor und neben Harrys Bett. Das amüsierte Funkeln in seinen Augen hatte einem ersten Ausdruck Platz gemacht, der ausreichte um ihm nicht nur Harrys Aufmerksamkeit zu gewährleisten. Es kam wirklich selten vor, dass der Schulleiter diesen Blick aufsetzte und wenn, dann lag ihm dass, worum es ging, wirklich am Herzen.

„Harry, mein Junge!", begann Albus. „Kannst du dich daran erinnern was geschehen ist?"

„Ich … ich hatte … Schmerzen!" Die Stimme des Katzenjungen war leise und seine grünen Augen wischen den ersten blauen des Schulleiters aus.

Im Hintergrund konnte man Severus Schnauben hören.

Schmerzen. Ja klar, und wenn einen der Blitz trifft, bekommt man einen leichten Schlag. Qualen wäre die passendere Bezeichnung.

Auch den anderen Anwesenden war anzusehen, was sie von dieser Aussage hielten, aber Dumbledore nickte nur mit dem Kopf.

„Und hast du irgendeine Idee, wie es dazu gekommen ist? Waren die Schmerzen eine plötzliche Entwicklung oder …"

„Hat es was mit Du-weist-schon-wem zu tun?", platzte Neville dazwischen.

Prompt richteten sich alle Blicke auf den jungen Gryfindor, welcher den Anstand hatte rot zu werden und so aussah, als zöge er es in Erwägung sich hinter Luna zu verstecken.

„`Tschuldigung!"

„… oder hast du vorher schon eine Zeit lang Schmerzen oder irgendwelche anderen Anomalien bemerkt?"

Nervös huschte Harrys Blick von einem zum Anderen, wobei er es auffälligerweise vermied Severus anzusehen.

„Also, Voldemort hatte auf jeden Fall nichts damit zu tun. Unsere Verbindung habe ich kurz nach meiner Verwandlung blockiert. War ganz leicht, nachdem ich in der Lage war Magie zu sehen und fühlen. Ich habe einfach die fremde Magie Voldemorts in meinem Inneren isoliert und mit einem Käfig aus meiner Magie umgeben. Was Ihre Frage angeht, Professor, …", gegen Ende hin wurde der Katzenjunge immer leiserer, bis er dann schlussendlich bewies, dass auch imaginäre Bärte ausgezeichnet dazu geeignet waren, um in sie hinein zu murmeln.

„Wie war das, Harry?"

Der Katzenjunge begann nervös an seiner Bettdecke herumzuzupfen.

„Ich sagte, dass es durchaus nicht ausgeschlossen ist, dass ich möglicherweise, unter Umständen vorher schon eine Zeit lang was gespürt habe."

„Aha … und was zum Beispiel?"

„Ähm … Müdigkeit? Abneigung gegen Brührungen anderer Leute? Mit der Zeit immer weiter zunehmende Schmerzen?" Ein schüchterner Blick wurde durch dichte schwarze Wimpern geschickt. „Sorry?"

Der Direktor seufzte tief. „Wie lange schon?"

„Ein paar Monate!"

Oha! Nun warf selbst die sanfte Luna ihrem Freund einen Todesblick zu. Okay, ein Todesblick von Luna war nun in etwa so wirkungsvoll wie wenn man jemanden mit Blumen bewarf und nicht einmal der schüchternste Hufflepufferstklässler hätte sich von ihm groß beeindrucken lassen, aber es war die Geste, die zählte.

Und die Geste sagte: Harry hatte großen Mist gebaut … mal wieder!

Irgendwann bringt dieser Dummkopf sich durch seine Sturheit noch um!, dachte Severus verärgert, sein Todesblick um einiges potenter als der Lunas. Wenn er direkt am Anfang zu Poppy gegangen wäre, dann wäre es bestimmt niemals so schlimm geworden. Typisch Gryffindor!

Dass man ihn selbst auch meistens nur unter Drohungen in die Krankenstation bekam, überging Severus einfach mal geflissentlich. Das war ja auch gerade gar nicht von Bedeutung und überhaupt … er war ein erwachsener Mann, da waren ein, zwei oder vielleicht auch fünf Cruziati doch kein Grund direkt zu einer Heilerin zu laufen.

Harry hingegen war … nun ja, eben Harry und deshalb lag die Sache bei ihm ganz anders. Also weshalb, bei Merlin und Morgana, war er nicht zu Poppy gegangen, wie es gute kleine Helden der Zauberwelt zu tun hatten?

Die Heilerin schien sich dasselbe zu fragen.

„Harry, du dummer Junge, weshalb bist du nicht sofort zu mir gekommen? Das war nicht besonders klug von dir!" Poppys Stimme war tadelnd und wurde vom ernsten Kopfnicken der anderen Anwesenden begleitet.

„Ich wollte ja, aber irgendwie ist es mir immer wieder entfallen – Und schaut mich jetzt nicht alle so an, ich weis ja, wie das klingt, aber es ist die volle Wahrheit. Ich war einige Male sogar schon auf dem Weg hierher und dann ganz plötzlich fiel mir irgendetwas Wichtiges ein, dass ich ganz vergessen hatte … oder aber ich hab mich in meinen eigenen Gedanken verloren und dann ganz wo anders wiedergefunden. Ich kann mir dass doch auch nicht erklären. Vielleicht hatte es ja etwas mit der Müdigkeit zu tun. Manchmal konnte ich kaum die Augen aufhalten und das, obwohl ich gerade erst aufgestanden war.", verteidigte sich Harry.

Auf Albus Gesicht erschien bei seinen Worten ein nachdenklicher Ausdruck.

Severus, der zufällig in seine Richtung blickte, schluckte. War das …? Bitte, dass konnte doch nicht …? Nein, doch nicht in solch einer Situation!

Er blickte noch genauer hin und konnte spüren, wie sich sein Hals zuschnürte.

Das war der Beweis … es gab einen Gott und er mochte ihn nicht. Welche andere Erklärung konnte es gaben, dass nicht nur sein Kitten sich selbst in Gefahr gebracht hatte, weil er es mit seinen Beschwerden nicht zu Poppy gegangen war und deshalb fürchterliche Schmerzen hatte durchleiden müssen, sondern auch noch dieses dreimal verhexte Funkeln in die Augen seines Mentors zurück gekehrt war.

Dieses Funkeln hatte noch nie irgendetwas Gutes bedeutet.

Ich hasse dieses Funkeln!

„Hm … sehr interessant. Fassen wir das Ganze doch noch einmal zusammen. Du hast dich also schon seit einigen Monaten müde gefühlt, obwohl du –wenn ich mich recht erinnere- nach deiner Verwandlung mehr Energie besessen hast, als jemals zuvor. Dazu kamen noch anfangs leichte, dir unerklärliche Schmerzen, die mit der Zeit immer stärker wurden und eine sich ebenfalls steigernde Abneigung gegen Berührungen. Diese Abneigung ist dann am Ende sogar so weit gewachsen, dass der bloße Kontakt mit anderen Menschen dir enorme Schmerzen verursacht hat, wie mir Poppy berichtete."

„Außer bei Professor Snape!", war Lunas verträumte Stimme zuhören. Der Schuldirektor schenkte ihr ein kurzes Lächeln.

„Ja, außer bei Professor Snape!", bestätigte er und fuhr dann mit seiner Aufzählung fort, das Funkeln in seinen Augen nun um einiges präsenter, als zuvor. „Zusätzlich zu den Schmerzen und der Erschöpfung warst du nicht in der Lage dir von Poppy Hilfe zu holen, da irgendetwas dafür sorgte, dass wann immer du entschlossen warst zu ihr zu gehen, irgendetwas geschah, dass dich aufgehalten hat. War das in etwa Alles?"

„Ja, Sir!

„Okay! Kannst du mir vielleicht noch eine Frage beantworten?"

„Natürlich, Sir!", antwortete Harry verwirrt. Er fragte sich, aus welchem Grund der alte Zauberer noch einmal alles zusammengefasst hatte, was er zuvor erzählt hatte, aber er hatte so ein Gefühl, als ob Dumbledore eine Idee haben könnte, was genau mit ihm nicht stimmte. Hatte er nicht auch genau dies gesagt, als er noch halb am Schlafen gewesen war?

Nicht dass er sich immer noch seltsam fühlen würde. Nein, ganz im Gegenteil! Wenn man einmal von den Schmerzen in seinem ganzen Körper absah, dann hatte er sich seit Monaten nicht besser gefühlt.

„Nun gut! Hast du dich in der letzten Zeit vielleicht von irgendjemandem abgewiesen gefühlt?"

Harrys Augen weiteten sich und er konnte nicht verhindern, dass sein Blick für den Bruchteil einer Sekunde zu Severus huschte. Den meisten Leuten wäre es vielleicht nicht aufgefallen, aber Albus Dumbledore war –während er mit Sicherheit vieles andere war- nicht wie die meisten Leute.

Das Funkeln in seinen Augen nun mit voller Kraft vorhanden, legte sich ein strahlendes Lächeln auf sein Gesicht und er klatschte einmal in die Hände.

„Tja, dann bin ich mir ziemlich sicher, dass ich weis, was dir fehlt, mein Junge."

Alle Blicke richteten auch auf den weisen, wenn auch leicht … okay, EXTREM exzentrischen Zauberer. Man hätte meinen können, dass er ihnen mitgeteilt hätte, dass er eine Lösung für den Welthunger, Umweltverschmutzung und das Erreichen ewigen Weltfriedens sowie für das Problem mit Voldemort und seinen Todessern gefunden habe, so hoffnungsvoll waren ihre Blicke. Aber so war das nun einmal. Wenn einer jemandem am Herzen lag, dann wurde sein Wohlergehen eines der wichtigsten Dinge auf der Welt und Harry lag ihnen allen am Herzen.

Albus schwieg und ließ seinen Blick langsam von einer Person zur nächsten wandern, die Spannung im Raum um ein Unendliches steigernd. Er hatte schon immer eine gewisse Schwäche fürs Dramatische besessen und es war zu köstlich zu beobachten, wie selbst Minerva nach einiger Zeit durchaus dazu bereit schien ihm den Hals umzudrehen, wenn er nicht mit der Sprache herausrückte.

Okay, vielleicht würde sie ihm nicht direkt den Hals umdrehen, –Tote sind mit der Ausnahme von Geistern nicht gerade sonderlich gesprächig- aber sie stände bestimmt nicht drüber ihm eine ganze Flasche Veritasserum in die Gurgel zu kippen.

„Albus!", knurrte Severus schließlich gefährlich und der Schuldirektor gab nach. Sich mit der Hand durch den langen Bart fahrend begann er endlich zu sprechen.

„Als ich jünger war –es muss so in etwa während meines zweiten Jahres als Lehrer an Hogwarts gewesen sein- entschloss sich der damalige Schulleiter Armando Dippet zur Verbesserung des Verständnisses zwischen den verschiedenen Schulen einen Schüleraustausch zu veranstalten. Ausgewählte Schüler unserer Schule gingen für eine gewisse Zeit nach Beauxbatons oder Durmstrang und als Ausgleich kamen Schüler dieser beiden Schulen zu uns."

„Und was hat das bitte mit Potter zu tun?" Wurde er vom Tränkemeister unterbrochen.

„Wenn du mich weitererzählen lässt, dann wirst du es erfahren. Immer mit der Geduld, mein Junge.

Also, wie ich schon sagte, gab es einen Schüleraustausch. Alles verlief auch äußerst gut, bis eines Tages eines der Mädchen aus Beauxbatons nach einem ziemlich öffentlichen Streit mit einem unserer Schüler begann sich seltsam zu verhalten. Sie zog sich in sich selbst zurück, wisch ihren Freunden aus und hatte mit jedem verstreichenden Tag dunklere Ringe unter den Augen. Schließlich brach sie eines Tages im Unterricht unter Scherzen zusammen und musste in die Krankenstation gebracht werden. Zuerst waren auch damals alle ratlos, aber dann erinnerte sich die Betreuungslehrerin, welche die Mädchen an unsere Schule begleitet hatte an etwas, was ihr das Mädchen –ich glaube ihr Name war Chantal- irgendwann einmal erzählt hatte."

Alle hingen nun wieder wie gebannt an den Lippen des alten Zauberers, der eine kurze Kunstpause einlegte und dann, die funkelnden Augen direkt auf Severus gerichtet, endlich zum entscheidenden Punkt seiner Geschichte kam.

„Chantals Großmutter mütterlicherseits war eine Veela. Wie auch bei einigen anderen magischen Wesen, kann es passieren, dass sich ihre eigene Magie gegen sie richtet, wenn …

… ja, wenn sie sich von ihrem ausgewählten Gefährten zurückgewiesen fühlen."

Geschockte Stille folgte seinen Worten.

Gefährte?

~tbc~