Alex

Es war kurz vor Mitternacht, als ich mich aus dem Schloss schlich und vorsichtig Richtung verbotener Wald lief. Ich sah mich immer wieder um, aber schnell wurde mir klar, dass mir das kaum nützen würde.

Diesen Leuten war es schon gelungen ungesehen und unbemerkt ins Schloss zu gelangen um Harry zu überfallen. Und jetzt war es stockfinster, also war es sehr unwahrscheinlich, dass ich sie bemerken würde...

„Sie sind pünktlich und allein... wie schön."

Ich fuhr zusammen, als ich eine Stimme rechts hinter mir vernahm und dann traten aus den Schatten der Bäume auch schon vier andere schwarz gekleidete Gestalten hervor.

Eine der Gestalten trat an mich heran und zeigte mir eine Augenbinde.

„Sie werden das sicher verstehen..."

Ich nickte und derjenige trat hinter mich und legte mir die Augenbinde an. Dann wurde mir etwas in die Hand gedrückt und ich war mir sicher, dass es ein Portschlüssel war.

Dieser riss mich in einen Strudel und nach ein paar Sekunden landete ich unsanft auf irgendeinem Steinboden. Jemand half mir auf und meine Augenbinde wurde abgenommen.

Ich sah mich um und erkannte einen langen von Fackeln beleuchteten Gang. Einer der Organisationsleute bedeutete mir ihm zu folgen, was ich natürlich tat und nachdem ich durch ein Gewirr von Gängen geführt wurde, stand ich plötzlich vor Serenas Vater und inmitten einer kleinen Versammlung seiner Anhänger. Sie waren alle maskiert, bis auf ihn. Scheinbar fühlte er sich sicher genug, um sich nicht mehr zu verstecken.

„Miss Gryffindor", begann er ruhig, „was für eine Freude, sie kennen zu lernen. Die letzte reinblütige Erbin einer der Gründerfamilien... Ich nehme an, sie wissen, wer ich bin?"

„Natürlich", gab ich mit fester Stimme zurück. „Jakob Moonfield. Ebenfalls sehr erfreut."

„Ich hörte, sie wollen unserer neuen geheimen Organisation beitreten, die sich für die Wiedereinführung alter reinblütiger Werte und Traditionen einsetzt und den reinblütigen Familien wieder zu der Macht und dem Ansehen verhelfen will, dass ihnen zusteht. Und sie sind bereit ihren Willen unter Beweis zu stellen, dass sie uns uneingeschränkt unterstützen?"

„Absolut."

„Dann sollte ich sie vielleicht erst mal mit unseren Zielen und Werten vertraut machen..."

Jakob Moonfield begann daraufhin sich unendlich über die muggelfreundliche Einstellung des Ministeriums auszulassen, schwärmte von alten Traditionen und wie man diese wieder beleben sollte und beendete seine verbalen Ausschweifungen damit, dass er Voldemorts Ideale weiterführen wollte und dessen Fehler nicht wiederholen würde.

Alles in allem war es eher sehr langweilig und durchgeknalltes Geschwätz eines Psychopathen, der fest an Voldemorts Werten und Idealen hing und nicht einsehen konnte oder wollte, dass diese Philosophie einfach zum Scheitern verurteilt war.

War Voldemort selbst nicht das beste Beispiel dafür? Er hatte alles für seine Ideale getan und wo hatten sie ihn hingeführt? In eine Gummizelle in Askaban.

Als er endlich geendet hatte, sah er mich erwartungsvoll an und ich wusste nicht, ob ich jetzt applaudieren oder etwas darauf erwidern sollte.

„Nun Miss Gryffindor, was sagen sie dazu?"

Also entschied ich mich doch für letzteres.

„Ich weiß nicht genau, was sie von mir erwarten oder was sie von mir hören wollen... Vielleicht dass ich Muggel und Schlammblüter hasse und sie alle töten würde? Das kann ich ihnen nicht sagen..." Ein Raunen ging durch die Anwesenden, aber ich fuhr fort. „Ich kann es nicht sagen, da ich denke, dass Muggel noch nützlich für uns sein könnten."

Dabei setzte ich ein fieses Grinsen auf.

„In welcher Hinsicht?" fragte Jakob interessiert.

„Nun, sie sind zwar nervig, aber warum sollte nicht jeder Zauberer ein paar Muggel als seine privaten Bediensteten halten? Private Diener, die den Garten pflegen, das Haus in Ordnung halten, putzen, waschen und kochen. Seien wir doch mal ehrlich: Hauselfen sind nicht immer das Wahre... und es gibt einige Muggel, die verdammt gut kochen können..."

Jakob sah mich lange an und begann plötzlich herzlich zu lachen. Für seine Anhänger um mich herum war das scheinbar das Signal sich zu entspannen und sie lachten ebenfalls pflichtbewusst mit.

„Diese Idee und ihre Einstellung gefällt mir", freute er sich dann. „Wirklich. Sehr kreativ. Solche Leute können wir gebrauchen... und ich merke schnell, ob jemand es ernst meint oder mich hinters Licht führen will."

Ja ja, dachte ich, sonn dich ruhig im Licht deiner Genialität... leider bin ich aber ein viel zu guter Okklumentiker, als dass du mich einfach so durchschauen könntest. Irgendeinen Vorteil musste es mir ja bringen, dass ich eine Gryffindor war...

Jakob fuhr fort.

„Allerdings werden sie sicher verstehen, dass wir nicht einfach jeden hier aufnehmen und in unsere Pläne einweihen. Wir werden sie testen. Jeder hier muss seine Vertrauenswürdigkeit erst mal unter Beweis stellen... zumal sie auch noch für das Ministerium arbeiten..."

„Natürlich verstehe ich das", dabei versuchte ich so ruhig wie möglich zu klingen. „Ich bin bereit meinen Willen unter Beweis zu stellen. Geben sie mir eine Aufgabe, ich werde sie erfüllen."

„Oh ja, ich habe auch schon eine schöne Aufgabe für sie. Sagen wir mal so als Eingangstest...", meinte er dann mysteriös. „Sie können uns damit einen großen Dienst erweisen."

Er legte eine dramatische Pause ein und ließ dann die Bombe platzen.

„Sie, Miss Gryffindor, werden meinen alten Freund Lucius Malfoy aus Askaban befreien. Es ist schließlich schön alte Mitstreiter an seiner Seite zu haben."

Ich atmete tief durch. Ich sollte also jemanden aus Askaban befreien... und auch noch Dracos Vater. Dann wiederum dachte ich, es hätte auch schlimmer kommen können. Wenigstens sollte ich nicht die irre Bellatrix rausholen.

Wahrscheinlich sollte ich etwas dazu sagen, da Jakob mich erwartungsvoll ansah.

„Wann?" fiel mir nur ein und ich erkannte, dass ein leises Lächeln Jakobs Lippen umspielte.

„Noch heute Nacht."

Ich schluckte. Andererseits... was hatte ich erwartet? Das es ein Kinderspiel werden würde?

„Wir wollen doch schließlich nicht, dass sie eventuell Absprachen mit ihren Kollegen treffen können und um ganz sicher zu gehen, werde ich ihnen jemanden zur Seite stellen..."

„Um mich zu überwachen..."

„Oh so negativ würde ich es nicht formulieren. Ich würde eher sagen, um sie zu unterstützen...

Severus..."

Severus Snape trat aus der Gruppe rechts von mir hervor und auch er war nicht maskiert.

Ich wusste es! Dachte ich triumphierend. Und Draco hatte es auch geahnt... Snape steckte mal wieder bis zum Hals mit drin. Leider konnte ich meinen Triumph nicht genießen, da ich jetzt erst Recht meinen Geist verschließen musste

Der Zaubertränkemeister musterte mich interessiert. Scheinbar konnte er kaum glauben, dass ich wirklich gekommen war. Dann sah er mit einem abschätzigen Blick, den ich nicht einordnen konnte, zu Jakob.

„Ihr könnt euch sofort auf den Weg machen... und sollte es ihnen gelingen, Miss Gryffindor, werden wir erneut mit ihnen in Kontakt treten."

Er verschwand damit und Snape verbeugte sich vor ihm. Ich tat es ihm gleich und als Jakob und alle anderen weg waren, kam Snape zu mir.

„Miss Gryffindor... was für eine Überraschung sie hier zu treffen..."

Ich versuchte ihn möglichst emotionslos anzusehen.

„Professor... wieso ist es für mich bloß keine Überraschung sie hier anzutreffen?"

Er überging meinen Kommentar und bedeutete mir ihm zu folgen. Scheinbar führte er mich zu einem Ausgang.

Das gab mir die Gelegenheit über meine Möglichkeiten und einen geeigneten Plan nachzudenken.

Jakob hatte schon richtig gesagt: Falls es mir gelingen sollte. Das hieß so viel wie: Sollte etwas schief laufen, wird Severus verschwinden und sie sind auf sich gestellt. Außerdem ging er so sicher, dass ich mit niemandem aus dem Ministerium eine Absprache treffen konnte. Auf diese Art stand mein Job und mein Leben also wirklich auf dem Spiel, wenn ich versagen sollte. Das hatte er wirklich sehr schlau eingefädelt.

Mittlerweile standen wir in einer großen steinernen Halle und Snape drehte sich zu mir um.

„Haben sie schon einen Plan?"

„Ich denke noch nach."

„Sie sollten sich besser beeilen, denn wir haben nicht die ganze Nacht Zeit."

Snape war kühl und gefasst wie immer.

„Wieso? Haben sie noch etwas anderes vor? Eine Verabredung vielleicht?"

„Unverschämt und frech wie eh und je... Leider wird ihnen das bei dieser Aufgabe nicht helfen, fürchte ich."

Mir war klar, dass von ihm sicher kein konstruktiver Vorschlag kommen würde.

„Wie schade", seufzte ich, „ Severus..."

Jetzt hatte ich ihn verärgert.

„Für sie immer noch Professor Snape oder Sir!"

Seufzend verdrehte ich meine Augen.

„Eine wirklich kniffelige Aufgabe... und ziemlich schlau ausgesucht. Aus Askaban ausbrechen, natürlich. Aber hat man schon mal gehört, dass jemand dort einbrechen würde? Sicher nicht. Und wenn ich meine Zugangsberechtigung als Auror nutzen würde und ein Gefangener verschwindet zusammen mit mir, wäre ich ebenfalls zwangsweise auf der Flucht..."

Dann dämmerte es mir.

„Das ist die wirkliche Aufgabe, nicht wahr? Ich soll es schaffen ohne aufzufliegen. Ich soll beweisen, wie gut ich bin..."

Snape zog nur eine Augenbraue hoch, als erwartete er mehr und plötzlich hatte ich eine Idee.

Er sollte mir ja schließlich helfen und das passte perfekt in meinen Plan.

„Kommen sie, ich habe einen Plan."

Widerwillig folgte er mir nach draußen und ich suchte etwas, was ich in einen Portschlüssel verwandeln konnte. Als ich eine alte Dose fand, kehrte ich damit zu Snape zurück.

„Okay. Also hier ist mein Plan: Wir benutzen einen Portschlüssel um hin zu kommen..."

Snape wollte mich schon unterbrechen, ließ mich dann aber doch erst mal ausreden.

„Zwei Personen hin... zwei Personen zurück."

Jetzt sah er mich schief an. Denn eigentlich wären wir mit Lucius ja drei, aber ich fuhr trotzdem fort.

„Und sie werden mir helfen. Oder besser gesagt Lucius. Es gibt da nämlich einen Geheimgang und an dessen Ende werden sie mit dem Portschlüssel auf ihn warten. Ich hole ihn aus der Zelle, er bekommt meinen Zauberstab, wird mich schocken und sie nehmen ihn mit zurück. Mich wird schon eine Wache finden und ich komme wieder zur Vordertür raus, nachdem ich mit bedauern erklären muss, dass Malfoy durch meinen Fehler fliehen konnte."

Snape verstand sofort, was ich vorhatte und nickte anerkennend. Mehr war von ihm auch nicht zu erwarten. Dann sah er mich allerdings spöttisch an.

„Ein guter Plan. Allerdings haben sie eine Kleinigkeit übersehen: Man kann nur durch den Kamin im Ministerium nach Askaban gelangen... und nicht mit einem Portschlüssel."

„Doch kann man", widersprach ich. „Man muss nur wissen, wo sich Askaban genau befindet."

„Niemand weiß das. Oder wissen sie das etwa?" Snapes Lippen kräuselten sich verdächtig.

„Ja... zumindest so ungefähr."

„Ungefähr?" fragte er ungläubig. „Ich glaube, so ungefähr wird hier nicht reichen, Miss Gryffindor. Aber andererseits haben sie es ja mit vielen Dingen nicht so genau genommen..."

Damit spielte er darauf an, dass ich in seinem Unterricht oft meinen Trank ruiniert habe, weil ich die genauen Mengenangaben nicht korrekt eingehalten hatte.

„Vertrauen sie mir einfach, Professor."

Ich zog meinen Zauberstab und tippte die Blechdose damit an. Dann hielt ich sie Snape hin und als er den Kontakt herstellte, wurden wir in einen Strudel gerissen, da zwei Personen nötig waren um ihn zu aktivieren.

Nach kurzer Zeit vernahm ich den Geruch von Seeluft und sehr zu meiner Freude standen wir auf den Klippen, die Askaban umgaben. Hinter uns ging es ungefähr sechzig Meter steil nach unten und ich trat genau wie Snape ein paar Meter nach vorne.

„Folgen sie mir", wies ich ihn dann an, um ihn zu der Stelle zu führen, wo der Geheimgang seinen Ausgang hatte.

Dieser Gang war nur den Auroren bekannt und erst vor einigen Jahren entdeckt worden. Scheinbar hatten einer oder mehrere Gefangene ihn angelegt um zu fliehen, aber als sie bei den Klippen angekommen waren, es wohl aufgegeben. Wer wollte schon riskieren sechzig Meter tief auf messerscharfe Steine zu fallen und dann noch auf gut Glück in die Nordsee hinaus schwimmen? Trotz der Dementoren war wohl niemand je so verzweifelt gewesen.

Snape hielt mit mir Schritt und irgendwann wurde selbst er wohl neugierig.

„Wieso wollen sie sich unserer Organisation anschließen?" fragte er unvermittelt.

Ich blickte zur Seite, aber Snape sah mich nicht an.

„Ich denke, wir haben alle unsere Gründe... Bei mir könnte es eventuell an meinem Streben nach Macht liegen und an der Tatsache, dass ich meine Familie wieder etablieren will. Die Leute sollen dem Namen Gryffindor den Respekt zollen, der ihm gebührt."

Ich war selbst überrascht, dass mir so schnell eine gute Antwort eingefallen war und klopfte mir im Geiste selbst auf die Schulter.

Dann ergriff ich die Gelegenheit.

„Und sie Professor? Warum sind sie wieder dabei? Als Todesser sind sie doch schon einmal knapp dem Schicksal entgangen hier einzusitzen..."

Ich hatte das Gefühl, dass er leicht zusammenzuckte, aber ich hätte mich auch irren können.

„Wie sie bereits sagten: Wir haben alle unsere Gründe", erwiderte er dann nur kühl.

Ich ging nicht weiter darauf ein, da wir den Geheimgang erreicht hatten.

„Wenn Malfoy hier auftaucht, sorgen sie dafür, dass er gut auf meinen Zauberstab aufpasst, klar? Entsorgen sie ihn irgendwo, sodass ihn mir jemand zurückbringen kann."

„Ich kann mir nicht vorstellen, dass Lucius auf einen Zauberstab verzichten will. Nicht, wo sein eigener vom Ministerium zerbrochen wurde."

„Ihr Freund soll sich einen neuen besorgen, verstanden? Wo sind wir denn hier? Und außerdem ist er doch mit ihnen unterwegs...seinem alten Freund..."

Snape sah mich böse an, erwiderte aber nichts mehr.

„Warten sie hier ab, was passiert", meinte ich dann zu ihm und machte mich selbst auf den Weg zum Haupteingang.

Snape

Severus Snape war irgendwie gar nicht wohl in seiner Haut. Er konnte Alex Parker oder auch Gryffindor einfach nicht durchschauen – dass hatte er noch nie gekonnt – und das machte ihn vorsichtig. Er war sowieso ein sehr misstrauischer Mensch und es war schließlich gut möglich, dass er gerade dabei war in eine Falle von Auroren zu tappen. Auf keinen Fall vertraute er ihr. Genau so wenig wie Jakob. Aber dieser hatte ihn in der Hand. Etwas unbehaglich sah Snape sich um, aber ihm blieb nichts anderes übrig als abzuwarten.

Alex

Für mich war es kein Problem durch das große Tor zu gelangen. Ich gab an in Moodys Auftrag Lucius Malfoy befragen zu wollen und das war nichts außergewöhnliches oder verdächtiges. Außerdem ging ich davon aus, dass würde Moody davon erfahren, er schon verstehen und mich decken würde.

Also ging ich zu Lucius Malfoys Zelle und öffnete diese.

„Kommen sie mit", wies ich ihn an und ohne ein Wort stand er auf.

Er trat nach draußen und mir fiel auf, dass er scheinbar nicht geschlafen hatte, da er ziemlich wach und aufmerksam wirkte.

Mit gezogenem Zauberstab ließ ich ihn vor mir herlaufen und dirigierte ihn zur der noch verborgenen Tür des Geheimganges. Ein schneller Wink mit meinem Zauberstab, ließ die Tür aufgleiten und Malfoy blieb abrupt davor stehen. Wenn er verwirrt war, ließ er es sich nicht anmerken.

„Umdrehen", befahl ich und erkannte, dass er immer noch eine unbewegliche Miene aufgesetzt hatte. Aber ich wusste, dass ihn die Situation sicher nicht so kalt ließ, wie er tat.

Dann reichte ich ihm meinen Zauberstab.

Das brachte ihn doch etwas aus der Fassung und er blickte sich nervös um, nahm ihn aber.

Ich war schon davon ausgegangen, dass er mich nicht einfach verfluchen und abhauen würde, also lieferte ich die Erklärung, nach der sein Blick verlangte.

„Dieser Geheimgang führt nach draußen und dort wartet schon ihr alter Freund Severus Snape auf sie. Sie werden mich jetzt schocken und verschwinden... und Malfoy? Passen sie gut auf meinen Zauberstab auf. Den will ich wieder haben. Am besten sie werden ihn irgendwo los, wo ihn jemand finden und mir zurückgeben kann, klar?"

Sprachlos sah er mich an und zog dann eine Braue nach oben. Dabei erinnerte er mich so stark an Draco, dass ich beinahe meine Fassung verlor.

„Wie bitte?" fragte er dann. „Ist das eine Falle? Wieso sollten sie mir helfen?"

Ja, Draco war wirklich sein Sohn, denn der hätte bestimmt genau die gleichen Fragen gestellt.

Ich seufzte.

„Wollen sie diese Geschichte jetzt wirklich hören oder wollen sie fliehen? Denn das zu erzählen, könnte einige Zeit in Anspruch nehmen..."

Lucius wog wohl seine Neugier gegenüber dem Bedürfnis nach Freiheit ab und die Freiheit siegte. Er zuckte nur mit den Schultern und erhob meinen eigenen Zauberstab gegen mich.

Ich nahm nur noch ein kurzes Aufblitzen wahr und dann wurde es schwarz um mich.

Lucius

Lucius kam die ganze Situation sehr suspekt vor und auch Jakobs und Severus Erklärungen, als sie zurückgekehrt waren, hatten daran nichts geändert. Er wurde wie ein verlorener Sohn begrüßt und bekam von Jakob erst mal eine seiner nervtötenden Reden zu hören, in denen er sich selbst über alles lobte und ihm von den alten Traditionen, die er wieder einführen würde, vorschwärmte.

Lucius war froh, als es ihm gelang sich damit aus der Affäre zu ziehen, dass er sehr müde wäre und dass er diese Traditionen ja selbst pflegte und daher auch schon kannte. Denn eigentlich sehnte er sich nur nach einem heißen Bad und einem vernünftigen Bett und nicht nach irgendwelchen Verschwörungen, die ihn zurück nach Askaban bringen konnten.

Jakob schien ihm zu vergeben, dass er erst mal alleine sein wollte und brachte Lucius zu seinem Zimmer. Als Jakob verschwunden war, atmete Lucius tief durch und genoß seine neu gewonnene Freiheit, indem er sich erst mal ein heißes Bad einließ.

Im heißen Wasser ließ Lucius seinen Gedanken freien Lauf und überlegte, wie er vorgehen konnte, um an seinen Sohn ranzukommen.

Natürlich war er von Jakob noch nicht eingeweiht worden, dass Draco schon ziemlich weit oben auf der Abschussliste stand und bereits geplant war ihn zu entführen oder auszuschalten.

Ansonsten wäre Lucius wahrscheinlich sehr stolz auf seinen Sohn gewesen, der sich für die richtige Seite entschieden hatte.

Lucius seufzte und entschloss, sich erst mal einen neuen Zauberstab zu besorgen und dann würde er auch etwas über Draco in Erfahrung bringen können.

Alex

Als ich wieder zu mir kam, sah ich in die besorgten Gesichter von Moody und anderen Ministeriumsleuten.

Ich beichtete, dass Malfoy mich überwältigt hatte und Legilimentik benutzt hatte um von dem Geheimgang zu erfahren.

Ein Blick zu Moody verriet mir, dass er mich deckte und verstanden hatte.

Natürlich gab es allen ein Rätsel auf, wie Malfoy es dann geschafft hatte von der Insel zu verschwinden, aber da er ein mächtiger Magier war, ging man davon aus, dass er irgendeinen Weg gefunden hatte.

Mich befreite man erst mal von meinen dienstlichen Pflichten und ich durfte unbehelligt nach Hogwarts zurückkehren, was ich dann auch völlig übermüdet tat.

Serena

Als ich am nächsten Morgen das Bündel des Tagespropheten öffnete, traf mich fast der Schlag. Schon auf der ersten Seite prangte mir in großen Lettern entgegen, dass es Dracos Vater Lucius gelungen war aus Askaban zu fliehen.

Zitternd nahm ich die Zeitung und stürmte Richtung Krankenstation um Draco und Harry davon zu berichten.

Ich fragte mich, wie die beiden wohl auf diese Nachricht reagieren würden. Vielleicht war das eine Chance ihre Streitigkeiten zu beenden.

Aber am meisten sorgte ich mich um Draco und es wunderte mich, dass Moody oder andere Ministeriumsleute noch nicht hier waren.

Was würde er dazu sagen, dass sein Vater wieder auf freiem Fuß war? Und vor allem wie würde er wohl damit umgehen?

Als ich die Krankenstation erreichte, saßen Harry und Draco sich gegenüber in ihren Betten und gingen ihrer Lieblingsbeschäftigung nach: Sich anzufeinden und zu beleidigen. Was hatte ich auch erwartet? Daß sie nach einer gemeinsamen Nacht dort die besten Freunde waren?

Zum Glück hatte Poppy ein Auge auf die beiden geworfen und ihre Zauberstäbe konfisziert, sodass sie sich wenigstens nicht wieder verhexen konnten.

„Ich unterbreche euch beide ja nur äußerst ungern...", begann ich streng und die beiden fuhren herum. „Aber ihr solltet euch das besser ansehen..."

Damit hielt ich ihnen den Tagespropheten entgegen, auf dessen Titelseite das Bild von Dracos Vater prangte.

„Soll das ein Witz sein?" rief dieser sofort und ich wollte gerade etwas erwidern, als ich plötzlich Alex Stimme hinter mir vernahm.

„Also habt ihr die guten Nachrichten auch schon vernommen", meinte sie sarkastisch und ging dann an mir vorbei zu den Betten.

Mir fiel sofort auf, dass sie ziemlich übermüdet und mitgenommen aussah.

Alex

Als ich morgens völlig übermüdet wieder das Schloss erreichte, war mein erster Gedanke Draco, Harry und Serena zu warnen. Ich ging davon aus, dass Draco wahrscheinlich ausrasten würde, wenn er davon erfuhr, dass ich seinen Vater befreit hatte und ich hoffte, dass er irgendwie damit umgehen konnte.

Ich schlich durch die Gänge und zu meinem Glück waren alle Schüler im Unterricht. Ungesehen erreichte ich die Krankenstation und öffnete leise die Tür.

So bekam ich mit wie Serena Harry und Draco den Tagespropheten präsentierte, der sofort von Lucius Flucht erfahren hatte. Irgendwo im Ministerium gab es immer jemanden, der knapp bei Kasse war und ein paar Insiderinformationen preisgab.

„Soll das ein Witz sein?" rief Draco schockiert und ich fand, dass es an der Zeit war mich bemerkbar zu machen.

„Also habt ihr die guten Nachrichten auch schon vernommen", meinte ich sarkastisch und ging dann an Serena vorbei zu den Betten.

Ich setzte mich zu Draco und die drei starrten mich verwundert an.

„Wie siehst du denn aus?" fragte Serena besorgt.

„Ich hab die ganze Nacht nicht geschlafen", erklärte ich.

„Wegen der Sache mit Lucius?"

„Kann man so sagen."

„Was ist passiert?" bohrte Harry weiter. „Hat Moody dir was darüber erzählt?"

„Es war wohl eher andersrum. Jemand hat Lucius geholfen, zu fliehen."

„Tatsächlich? Wisst ihr, wer es war?"

Seufzend ließ ich mich rücklings aufs Bett fallen. Waren die heute wirklich so schwer von Begriff?

„Ja, wissen wir. Und ich geb euch einen heißen Tipp: Es war jemand hier aus diesem Raum..."

Irritiert blickten die drei sich um und dann meldete sich Draco zu Wort, der bis dahin geschwiegen hatte.

„Du? Du hast meinem Vater geholfen zu fliehen? Warum? Warum hast du das getan?"

Er wirkte aufgebracht und verärgert. Zur selben Zeit aber auch beunruhigt.

„Nicht, dass ich eine Wahl gehabt hätte. Das war meine Aufnahmeprüfung für die Organisation. Ich konnte nicht anders. Das war die Idee deines Vaters Serena, um mich zu testen. Ich konnte mich mit niemandem absprechen und er hat mich überwachen lassen. Also musste ich wirklich aufs Ganze gehen, um es zu schaffen... und falls ich es schaffen sollte, würden sie sich wieder mit mir in Verbindung setzen, meinte dein Vater. Wahrscheinlich wieder über Pansy oder so..."

„Falls", murmelte Draco, der die Tragweite der Worte verstanden hatte. „Dir hätte sonst was zustoßen können. Sie hätten dich festnehmen können... oder noch schlimmer..."

„Ich sags nicht gerne, aber er hat Recht", stimmte Harry ihm zu. „Du hattest keine Rückendeckung. Das war der reinste Selbstmord, Alex!"

„Und was hätte ich eurer Meinung nach tun sollen? Hätte ich vielleicht sagen sollen: Oh, heute passt es mir nicht so gut, ich hab noch was Besseres vor. Fragt doch Morgen noch mal, wenn ich mich mit meinen Kollegen abgesprochen habe? Das wäre sicher nicht weniger gefährlich gewesen..."

Draco griff nach meinen Armen und drehte mich zu ihm.

„Wir machen uns nur Sorgen um dich! Ich zumindest..."

„Ich auch", stimmten Harry und Serena mit ein.

„Und wer hat dich überwacht?" wollte Draco dann wissen und hatte den richtigen Instinkt.

„Ach ja, das hätte ich fast vergessen: Snape..."

„Snape?" Dracos Wangen wurden plötzlich wieder rosa und glühten.

„Ich wusste es doch. Dieser miese Verräter! Wenn dir hier auftaucht, dann..."

„Werden wir uns absolut ruhig verhalten, Malfoy", ging Harry dazwischen. „Oder willst du Alex Tarnung gefährden? Es ist so schon gefährlich genug für sie... vor allem jetzt wo Snape und dein entflohener Vater ins Spiel kommen."

Draco musste Harry widerwillig zustimmen.

Ich seufzte.

„Also ehrlich Leute: Ich gehe davon aus, dass wir alle in Gefahr sind."

Ich gähnte herzhaft und Draco legte einen Arm um mich. Dann zog er mich zu sich.

Harry quittierte das mit einem finsteren Blick, obwohl Serena sich nun ebenfalls zu ihm setzte.

„Versprich mir trotzdem, dass du auf dich aufpasst", flüsterte Draco mir dann ins Ohr, sodass es niemand außer mir hören konnte.

„Ich könnte nicht damit leben, wenn dir etwas zustößt... und ich will dich warnen: Mein Vater ist gefährlich. Sehr gefährlich... und skrupellos. Er würde wahrscheinlich sogar mich opfern, wenn es ihm einen Vorteil einbringen würde."

Als ich Draco so ansah, fiel mir wieder ein, wie ähnlich Lucius seinem Sohn heute Nacht gesehen hatte und ich konnte mir nicht vorstellen, dass die beiden vom Charakter her so grundverschieden waren. Das teilte ich Draco auch mit.

„Das glaube ich ehrlich gesagt nicht, Draco. Ich weiß nicht, aber vielleicht täuschst du dich in deinem Vater. Vielleicht will er dich nur vor etwas beschützen... und vielleicht konnte er dir nur nie sein wahres Gesicht zeigen."

„Beschützen?" schnaubte Draco verächtlich. „Vergiss es. Ich kenne meinen Vater schon lange genug... und er ist nur auf seinen eigenen Vorteil bedacht. Glaub mir..."

Dann folgte endlich mal eine gute Nachricht, als Poppy kam und Draco und Harry erlaubte, die Krankenstation zu verlassen.

Als sie ihre Zauberstäbe zurück erhielten, funkelten sich die beiden einmal böse an und ich befürchtete schon, sie würden sofort wieder aufeinander losgehen, aber dann steckten sie die Stäbe weg und ich hörte, dass Serena genau wie ich aufatmete.

Um unsere weitere Vorgehensweise festzulegen, schlichen wir alle zurück nach Gryffindor und schlossen uns in Harrys Zimmer ein.

Nach einer Weile, die wir diskutiert hatten, konnte ich mich aber des Gefühls nicht erwehren, dass Draco lieber mit mir allein sein wollte, denn er rutschte ständig näher an mich heran.

Dann fiel mir auch Harrys sehnsüchtiger zu Serena auf und ich verabschiedete mich.

„Leute, ich geh jetzt mal auf mein Zimmer. Ich brauche dringend Schlaf."

Ich streckte mich und Draco sprang ebenfalls auf.

„Ich werde dich begleiten."

„Wozu, Malfoy?" fragte Harry sofort ärgerlich. „Ich denke mal, Alex kann auch gut ohne dich schlafen. Du lenkst sie nur ab..."

Serena kicherte leise.

„Genau wie du mich, Harry?" warf sie dann ein und Harry bekam einen roten Kopf.

Draco grinste schadenfroh und begleitete mich dann zu meinem Zimmer.

„Und wie willst du ungesehen hier wieder wegkommen, wenn die Schüler keinen Unterricht mehr haben?"

Natürlich hatte er aber auch daran gedacht.

„Na ich hab doch den hier", meinte er und holte grinsend meinen Tarnumhang unter seinem normalen Umhang hervor.

Der Tag war also gerettet...

Lucius

Lucius stieg aus der Badewanne und schlang sich ein Handtuch um die Hüften. Es ärgerte ihn, dass er noch keinen Zauberstab hatte, denn so musste er sich der langwierigen Prozedur des Abtrocknens unterziehen, anstatt sich schnell trocken zu zaubern.

In seinem Zimmer fand er saubere Sachen, die ihm jemand hingelegt hatte und als er in sie hineinschlüpfte fühlte er sich seit langem wieder wie ein richtiger Mensch.

Er betrachtete sich im Spiegel und es gefiel ihm, was er sah. Sein Gesicht hatte durch das Baden eine gesunde Farbe angenommen und er sah nicht mehr ganz so abgespannt aus.

Ein bisschen wunderte er sich darüber, dass Narzissa sich noch nicht hatte blicken lassen, doch wirklich enttäuscht war er darüber nicht. Er war froh, wenn sich das Wiedersehen noch ein wenig hinauszögern würde.

Lucius legte den neuen Umhang um und band seine Haare, die in Askaban noch ein Stück länger geworden waren zu einem Pferdeschwanz zusammen.

Dann verließ er sein Zimmer, um Jakobs Hauptquartier zu erkunden. Außerdem wollte er noch mit Jakob etwas besprechen.

Unterwegs begegnete er niemandem und mittlerweile ein wenig frustriert lief er durch die zahlreichen Flure und Korridore. Dieser Landsitz war wirklich groß, wie sollte er Jakob da finden.

Er kam an einer Tür vorbei, die nicht ganz geschlossen war. Unschlüssig blieb er davor stehen und wusste nicht, ob er einfach eintreten sollte oder nicht. Vielleicht war Jakob ja hier zu finden.

Er hatte schon die Hand auf der Klinke, als er Stimmen vernahm, die zu ihm nach draußen drangen. Zwei ihm wohlbekannte Stimmen. Er zog die Hand von der Klinke zurück und spähte durch den Spalt. Zwar wusste er, dass es unhöflich war andere zu belauschen, aber er wollte wissen was in diesem Raum vor sich ging, zumal er beide Personen gut kannte.

Durch den Spalt sah er Jakob, der mit dem Rücken zur Tür stand und vor ihm stand Narzissa. Für Lucius Geschmack stand sie ein bisschen zu dicht bei Jakob. Nicht dass er eifersüchtig gewesen wäre, dazu empfand er schon lange keine Liebe mehr für diese Frau, doch ihm gefiel es nicht, dass Narzissa sich anscheinend schon jemand anderen gesucht hatte, als er in Askaban saß. Und diese scheinbare Austauschbarkeit von ihm, kratzte gehörig an seinem Stolz.

Doch er drängte diese Gedanken beiseite, um dem Gespräch der beiden besser folgen zu können.

„Ich verstehe nicht, warum du ihn raus geholt hast", meinte Narzissa gerade und Jakob lachte leise.

„Aber, Narzissa, meine Liebe, du weißt doch, dass ich für alle Eventualitäten vorsorge und dein Mann, verzeih, dein Ex-Mann, spielt eine große Rolle in meinem Plan."

So, so, dachte Lucius. Ich wusste ja noch gar nicht, dass wir geschieden sind.

„Ich habe Lucius nur für den Fall, dass etwas schief laufen sollte, befreien lassen", fuhr Jakob fort. „Er hat schließlich schon mal für den dunklen Lord gearbeitet und versagt. Sollten wir auffliegen, werden wir es so erscheinen lassen, als wäre das alles seine Idee gewesen, weil er sich am Ministerium rächen wollte. Man könnte es auch damit erklären, dass er in Askaban einfach durchgedreht ist, so wie die gute Bellatrix. Er gibt jedenfalls einen guten Sündenbock ab."

„Aber warum hast du ihm dann erzählt, dass er deine rechte Hand sein soll?"

„Meinst du er würde uns helfen, wenn er glaubt es nicht zu sein? Nein, Lucius war schon immer einer, der gerne mitbestimmen will. In Wirklichkeit ist Parkinson mein engster Vertrauter, aber das binde ich Lucius bestimmt nicht auf die Nase."

„Du bist einfach genial", schwärmte Narzissa und klimperte betörend mit den Wimpern.

„Hast du je daran gezweifelt?"

„Nein, ich hab mir auch nur Sorgen wegen Lucius gemacht. Ich meine, wenn er herausfindet, dass ich mir mit seinem Geld ein angenehmes Leben gemacht habe und Draco das meiste davon zum Fenster hinausgeworfen hat, wird er nicht begeistert sein und es wahrscheinlich von mir zurück haben wollen."

„Dazu wird es nicht kommen, Narzissa Darling. Lucius wird bald wieder in Askaban verschwinden und wir beide werden uns ein schönes Leben machen können."

Jakob trat näher an Narzissa heran und seine Hand legte sich verräterisch auf Narzissas Hüfte.

Lucius hatte genug gesehen und gehört. So war das also. Er sollte nur benutzt werden und am Ende sollte er der Buhmann sein.

Das habt ihr euch ja fein ausgedacht, grollte er. Aber na wartet da habt ihr die Rechnung ohne mich gemacht.

Lucius trat ein paar Schritte von der Tür weg und dachte nach. Es wäre wohl besser, zunächst so zu tun, als würde er Jakob vertrauen und ihn im allen unterstützen. Solange Jakob ihn hier frei herum laufen ließ, würde sich bestimmt bald eine Gelegenheit bieten ein wenig mehr über Jakobs neue Organisation herauszufinden. Vielleicht würde er ja etwas entdecken, was er später gegen seinen vermeintlichen Freund verwenden könnte.

„Lucius, schon wieder auf den Beinen?" ertönte plötzlich eine Stimme hinter ihm.

Er fuhr zusammen und dreht sich um. Vor ihm stand ein Todesser.

„Äh, ja, ich suche Jakob, wollte noch was mit ihm besprechen. Wollte gerade zu ihm gehen."

Bevor der Todesser etwas erwidern konnte trat Lucius wieder zur Tür, klopfte kurz an und trat ein.

Jakob wandte sich überrascht dem ungebeten Gast zu, doch als er erkannte, wer da eingetreten war, stahl sich ein Lächeln auf seine Lippen. Ein falsches Lächeln, fand Lucius und lächelte ebenso falsch zurück.

„Lucius!" Narzissa kam, Freude heuchelnd, auf ihn zu und schloss ihn in die Arme. Reflexartig wollte Lucius sie zurückstoßen, doch er besann sich schnell anders. Er durfte sich nichts anmerken lassen, damit die beiden nicht misstrauisch wurden. Also zog er sie in seine Arme und hauchte ihr einen Kuss auf die Wange.

„Schön, dass du wieder hier bist. Ich habe dich so vermisst", flüsterte Narzissa ihm ins Ohr.

Wer's glaubt, dachte Lucius und musste sich zusammenreißen, um nicht laut aufzulachen. Sanft fuhr sie mit den Fingerspitzen über seine Wange und alles in ihm sträubte sich gegen ihre Berührung. Und zu allem Übel legte sie ihm die andere Hand in den Nacken und zog ihn zu sich runter, um ihn zu küssen.

Nur widerwillig erwiderte er den Kuss und war froh, als sie endlich von ihm abließ.

„Ja, auch ich bin froh, dass du wieder unter uns weilst", meinte Jakob und legte ihm kameradschaftlich einen Arm um die Schulter. „Was gibt es denn, alter Freund?"

„Ich wollte dir eigentlich nur sagen, dass du von nun an voll und ganz auf mich zählen kannst. Ich unterstütze dich in allem, was du vor hast. Außerdem habe ich noch ein paar Rechnungen zu begleichen." Lucius lächelte grimmig, zum Glück verstand Jakob die Doppeldeutigkeit seiner Worte nicht.

„So was hört man natürlich gerne. Also, fühl dich hier wie zu Hause."

„Das werd ich", versprach Lucius und wandte sich zum gehen. „Wenn du mich brauchst, sag Bescheid."

Er wollte gerade zur Tür raus gehen, als er von Narzissa noch mal zurückgehalten wurde.

„Lucius!" Sie schenkte ihm ein verführerisches Lächeln, was ihn jedoch kalt ließ, nachdem was er gerade gehört hatte. „Ich hoffe wir sehen uns heute nacht."

„Sicher", gab er zurück und versuchte ein wenig Vorfreude vorzuspielen, was ihm jedoch gehörig misslang.

Schnell verließ er das Zimmer und atmete auf, als er wieder draußen auf dem Flur stand. Eins wusste er, heute nacht würde er überall sein, nur nicht in seinem Zimmer.

Jakob

„Musstest du so dick auftragen?" beschwerte Jakob sich und sah Narzissa wütend an.

„Wieso? Lucius ist immer noch mein Mann und alles andere hätte er mir nicht abgenommen. Und du willst doch nicht, dass er misstrauisch wird."

„Natürlich nicht", lenkte Jakob ein. „Aber du darfst heute nacht nicht zu ihm gehen."

„Ach und warum nicht?" fragte sie spitz zurück. „Meinst du etwa, Lucius würde nicht misstrauisch werden, wenn ich heute nacht nicht mit ihm schlafe? Wir haben uns Jahre nicht gesehen, da wäre es etwas auffällig, wenn wir unser Wiedersehen nicht gebührend feiern."

„Vielleicht sollte ich ihn heute nacht wegschicken", überlegte Jakob.

„Jetzt sei nicht kindisch, Lucius bedeutet mir nichts und wenn es unserem Plan dient, bin ich bereit alles zu tun und das solltest du auch sein."

Jakob seufzte. Er sah ein, dass Narzissa Recht hatte, trotzdem gefiel ihm der Gedanke nicht, dass sie die Nacht mit Lucius verbringen würde, anstatt mit ihm. Aber was sollte er tun? Schließlich brauchte er Lucius noch.