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Teil 12

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Keuchend fuhr Sam hoch, schlug sich den Kopf wiederholt an der Scheibe an und befreite sich von der Hand, die ihm zu nahe gekommen war, bevor er zum ersten Mal die Augen öffnete.

Sein Sichtfeld war verschwommen, verzerrt und auch nach mehrmaligem Blinzeln klärte es sich nicht. Irgendwo in ihm drin schrie eine Stimme, dass die Entzugserscheinungen wieder einsetzten. Dass das nur der Anfang war.

Er konnte den Traum nicht abschütteln und fühlte sich davon regelrecht gegen die Wand gedrängt. Die Angst, die Schuld und das Blut. Die Schreie hallten wie Glocken in seinen Ohren nach, als hätte er einen Kater.

Wenigstens die Helligkeit beruhigte ihn etwas, die der frühe Morgen spendete. Aber er konnte sich nicht auf Deans besorgten und völlig verdatterten Blick einlassen, den er zugeworfen bekam.

Mit zitternden Fingern öffnete Sam die Tür, ließ die Decken von den Schultern gleiten und schob sich schwankend nach draußen. Erst einen Fuß, dann den nächsten.

Sein Kopf war ein Trümmerfeld - kein Gedanke stand mehr auf dem anderen und seine Synapsen fühlten sich an wie verbrannt. Klares Denken? Fehlanzeige.

Vorsichtig sog er die taunasse Luft in die Lungen, schob die Hände in die Taschen und lehnte sich gegen das feuchte Metall von Bobbys Wagen. Von der verdrehten Lage war sein Nacken verspannt und Sam ließ ihn kurzerhand nach unten hängen, um den schlimmsten Protesten noch eine Weile zu entgehen.

Nebel waberte durch die Haufen aus Blech und über den frostigen Boden, während der Himmel sich in ein helles Rosa färbte, gemischt mit ein paar Stellen blau und wenigen Wolken am Horizont.

Nichts deutete auf die Apokalypse hin; nichts auf Luzifers Auferstehung.

Sams Knie wurden weich vor Erleichterung. Die Welt war noch in Ordnung.

"Warum kommt ihr beide nicht rein?", kam es vom Haus herüber und die frische Luft trug die Stimme so klar heran, als würde Bobby neben ihnen stehen.

Der ältliche Jäger lehnte mit verschränkten Armen im Türrahmen, ein nahezu lächerlicher Anblick mit seiner Kochschürze, aber irgendwo auch vertraut.

Für einen Moment war Sam geneigt, seinem Verlangen nach einem Zuhause, nach Ruhe, nachzugeben. Jedenfalls solange, bis in seinem Kopf wieder ein runder Raum auftauchte. Eisen. Der Lüfter. Die schwere Tür. Handschellen, die ihn fixierten.

'Was, wenn er simuliert?'

'Möglich. Sam würde alles tun, um hier heraus zu kommen.'

Schluckend wandte Sam das Gesicht ab und schüttelte tonlos den Kopf.

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