Kapitel 12 - Duell des ersten Zwielichts
„Ah, und erneut beweist du deinen kranken Geschmack beim ersten Zwielicht...", knurrte Battler von seinem Platz im Purgatorium aus.
Er hatte soweit verfolgen können, wie Shinichi den Tatort durchwühlte. Manchmal wünschte er sich, er hätte mehr Kontrolle über seinen Spielstein ausüben können. Die Version Battlers im Studierzimmer war zu beschäftigt, seinen Frust über den Täter auszuheulen, um den Detektiv daran zu hintern, auf dem Grab der Toten herumzutanzen. Aber es half nichts. Immerhin bestand die Hoffnung, dass er irgendwann eine clevere Deduktion zu hören bekommen würde, die einen Hinweis zu Beatrices wahrer Identität enthält.
„Ich weiß nicht, was du meinst, Battler. Ich bin recht stolz auf meine Idee, den aktuellen Spielstand über das Schachbrett anzusagen", gackerte Beatrice.
„Was soll das jetzt heißen?"
„Du wirst schon sehen. Doch bis dahin möchte ich mich amüsieren. Wie hast du vor, meine bisherigen magischen Wunder zu erklären?"
Battler kreuzte die Arme, bevor er zum Sprechen ansetzte.
„Na schön... Doch zuvor musst du folgendes in Rot wiederholen: Es gibt nur 18 Personen auf der Insel!"
„Huh? Solltest du nicht nach 19 Personen fragen?", erwiderte sie verwundert. „Immerhin gibt es so viele Spielsteine."
„Abzüglich Kinzo-sama...", raunte Battler. „Das Spiel hatten wir schon. [blue]Kinzo ist vor Beginn des Familientreffens verstorben. Der Täter hat seine Leiche verbrannt, um den Todeszeitpunkt zu vertuschen.[/blue]. Du siehst, so vergesslich bin ich nicht."
„Du bist vergesslicher als du glaubst...", raunte sie zurück. „Na schön. Dann sind es eben 18 Personen. Du beschneidest nur deinen eigenen Argumentationsspielraum. [red]Zu Beginn der Familienkonferenz gab es nicht mehr als 18 Menschen auf der Insel.[/red] Zufrieden?"
„So ziemlich", gestand sich Battler ein.
Je weniger Spielraum für Tricks Beatrice bleiben, desto besser. Er konnte es sich nicht leisten, eine Theorie aufzustellen, die dann am Ende des Spiels mit dem Rot nieder geschnitten wurde.
„Dann bin ich gespannt zu erfahren, was du über meine Anwesenheit im Rosengarten denkst. Ich war dort! Shinichi hat mich gesehen, mich verfolgt und dann habe ich mich mit Magie aus der Kapelle hinaus teleportiert. Das sind die Fakten...", begann Beatrice mit einem selbstsicheren Grinsen.
„Humbug... [blue]es muss noch einen anderen Ausgang aus der Kapelle geben, den Shinichi übersehen hat.[/blue]", erwiderte Battler ärgerlich.
Beatrices Augen verengten sich, als sie angriffslustig zurück starrte.
„[red]Man kann die Kapelle nur durch die Tür oder die Fenster verlassen. Die Fenster waren zum Zeitpunkt von Shinichis Eintreten von innen verriegelt.[/red]", erklärte sie. „Komm schon, Battler, jedes Mal kommst du mit deinen Geheimgängen und jedes Mal muss ich sie mit dem Rot zurechtstutzen. Es wird Zeit, dass du dir etwas anderes einfallen lässt."
Nicht gut... Sie will mir das Fenster versperren und Geheimgänge gibt es auch nicht...
„Was ist, wenn du die Kapelle gar nicht erst verlassen hast?", fiel ihm plötzlich ein. „[blue]Es ist möglich, dass du dich einfach nur gut versteckt hast.[/blue]"
„Was? Mach dich nicht lächerlich!", lachte sie höhnisch. „Shinichi hat die Kapelle gründlich durchsucht. [red]Im gesamten Kapellensaal existierte einzig Shinichi.[/red] Demnach wirst du nicht drum herum kommen, mir zu erklären, wie ich die Kapelle verlassen konnte."
„Argh... das ist doch bestimmt wieder eine Falle!", jammerte er.
„Natürlich ist es das, schließlich habe ich mich mit Magie in Luft aufgelöst!"
„Vergiss es! So etwas wie Magie gibt es nicht!", erwiderte Battler hastig. „Shinichi konnte nicht die gesamte Kapelle im Blick behalten. [blue]Es möglich, dass der Täter sich die ganze Zeit über neben der Tür aufgehalten hat und durch den offenen Spalt hinausgeschlüpft ist, als Shinichi-kun eintrat![/blue]"
Die Theorie war absoluter Unsinn. Es gab keine Chance, dass dem Detektiv jemandem mit einem vom Regen durchnässten Kleid nicht aufgefallen wäre. Aber andererseits... Er musste sich an jeden Strohalm klammern, den er hatte. Beatrice schien sich jedenfalls prächtig zu amüsieren.
„Das glaubst du doch selbst nicht...", lachte sie.
Battler zuckte mit den Schultern und Ronove schnaubte mit seinem höhnisches Lachen.
„Pukuku, es ist aber blaue Wahrheit, Ojou-sama, und damit effektiv."
„Was?", krächzte sie zurück. „Weißt du was, Battler. Ich überlasse dir diesen kleinen Sieg. Das ist so absurd, dass es Magie durchaus gleichkommt."
Battler seufzte und unterdrückte den Drang, sich den Schweiß von der Stirn abzuwischen. Das war gerade noch einmal gut gegangen. Schon im ersten Duell eine Niederlage einzustecken, wäre peinlich geworden. Auch wenn ihn der Zug von Beatrice überraschte. Bisher hatte sie Maria den Brief in jedem Spiel übergeben gehabt, doch noch nie zuvor gab es einen Zeugen, der nicht der Überzeugung war, dass es sich um Beatrice handelte.
Es gibt noch eine weitere Erklärung, über die ich lieber nicht nachdenken will. Shinichi könnte Maria selbst den Brief gegeben haben, wie es die Erwachsenen vermuten. Nein... das kann und will ich nicht glauben. Wenn ich den Pfad der Verdächtigungen erst bestreite, wird es kein zurück geben. Das hat mich schon das Spiel gekostet, in dem ich es wagte, Tante Eva zu verdächtigen.
„Womit wir zur Vorspeise dieser Partie kommen...", begann Beatrice freudig. „Das erste Zwielicht in Kinzos Studierzimmer!"
„Ich verstehe nicht, wie du so viel Freude an diesen sinnlosen Toden haben kannst...", raunte Battler.
„Battler-sama muss verstehen, welche Hindernisse Mylady zu überwinden hatte, um an die Opfer heranzukommen. Es war eine beachtliche Leistung, die Verteidigungslinien Kinzos zu überwinden."
„Besagte Verteidigungslinien sind nicht mehr als schicke Gravuren und Schnitzereien. Genauso wie deine Magie nur blutige Trickserei ist...", winkte Battler ab. „Woher weiß ich, dass der Raum wirklich geschlossen war? So weit ich weiß, ist Kudo Shinichi kein Schlosser und könnte sich irren. Wiederhole in Rot: Der Täter hat den Raum nicht durch die Tür verlassen!"
„Grmpf... du willst ja nur, dass ich die Natur der Tür bestätige. Gut. Hier hast du sie: [red]Der Schließmechanismus war unwiderruflich zerstört, bevor sie aufgebrochen wurde. Es war unmöglich, sie ohne Schlüssel von Außen zu verschließen.[/red]"
„Hey, das ist nicht das, was ich gesagt habe...", raunte Battler stirnrunzelnd. „[blue]Das heißt, der Täter ist durch die Tür entkommen! Und er hat durch irgendeine Methode X den Mechanismus von außen zerstört.[/blue]"
„Oh sicher. Was für eine Methode sollte das sein? Und sag bitte nicht ‚Kleine Bomben', ich würde vor Gelächter sterben", erwiderte Beatrice unbeeindruckt.
Battler zuckte mit den Schultern.
„[blue]So lange es mit menschlichen Mitteln möglich ist, kann ich das blau verwenden. Ab dann greift teuflische Beweisführung und ich brauche keine weiteren Beweise zu liefern[/blue]", erklärte er siegesgewiss.
„Na schön, Ushiromiya Battler... Du willst das Rot? Du wirst dir wünschen, dass ich das einfach so akzeptiert hätte. [red]Der Schließmechanismus wurde nicht von außen zerstört. Die Person, die ihn entfernt hat, befand sich zu diesem Zeitpunkt innerhalb des Studierzimmers.[/red]"
„Ha! Das ist es! Ich weiß jetzt, was passiert ist!", rief Battler freudig aus deutete mit seinem Zeigefinger auf sein Gegenüber. „[blue]Es ist absolut möglich, dass der Täter nie das Studierzimmer verlassen hat und sich dort versteckt gehalten hat, während wir den Tatort untersuchten![/blue]"
„Eine effektive blaue Wahrheit. Vorzüglicher Zug, Pukukuku", bemerkte Ronove vergnügt.
Manchmal weiß ich wirklich nicht, auf wessen Seite dieser merkwürdige Butler steht...
„Ich stimme zu. Eine gute Eröffnung... für jemanden, der jemand bestimmtes verdächtigen möchte", Beatrice setzte ein spöttisches Grinsen auf.
„Was meinst du damit?"
„Du warst schnell dabei, von mir die Versicherung zu bekommen, dass es nur 18 Personen auf der Insel gibt. Vielleicht magst du von der Logik überfordert sein, aber das bedeutet, dass wenn der Täter sich irgendwo im Studierzimmer versteckt, du eine Person verdächtigen musst, die nicht mitgekommen ist... George oder Shannon!"´
Battler schluckte. Er gestand es sich nicht gern ein, doch er wusste, dass sie recht hatte. Seine blaue Wahrheit stand. Und wenn Beatrice sie nicht widerlegen konnte, dann war einer der beiden der Täter.
Unsinn. George ist der ruhigste von uns, stets um Frieden bemüht und hat einen guten Umgang mit jedem. Er ist kein Mörder. Und der Gedanke, dass Shannon auch nur einer Fliege etwas zuleide tun könnte, ist absolut lachhaft.
Er war sich sicher, dass Beatrice seine blaue Wahrheit jederzeit zerstören konnte und es nur nicht tat, damit sie sich an seinen Zweifeln ergötzen konnte. Dummerweise fiel ihm auch partout nicht ein, wie er den geschlossenen Raum brechen könnte. Es blieb ihm nichts anderes übrig, als weiterzudenken und Beatrices vernichtenden Zug abzuwarten. Und dann musste er rasch eine alternative Theorie ausarbeiten, ohne von weiteren magischen Tricks überrollt zu werden.
Derweil hatten sich auf den Hinweis Shinichis hin die meisten Familienmitglieder unten im Speisezimmer eingefunden. Einzig Jessica und Kanon fehlten, da erstere aufgrund ihres Asthma-Anfalles noch immer auf ihrem Zimmer war und Kanon Wache hielt. Sie sollten aber nachkommen, nachdem sie sich halbwegs von dem Schock erholt hatte.
„Was soll der Zirkus, Kudo-san? Willst du uns verdächtigen, oder was?", knurrte Eva mit verschränkten Armen.
„Das ist wirklich nicht meine Absicht...", versuchte er verzweifelt zu beschwichtigen. „Doch es wäre wirklich hilfreich zu wissen, wann die Opfer zuletzt gesehen wurden. Vor allem, wenn wir bis zum Abflauen des Sturms warten müssen, bevor wir mit dem Festland Kontakt aufnehmen und die Polizei rufen können."
„Der Kleine hat recht, Liebling", stimmte Hideyoshi mit ein, legte seinen Arm um sie und drückte sie an sich. „Außerdem sollten wir ihm die Chance geben, denjenigen herauszufinden, der so etwas schreckliches getan hat. Wenn er das hinkriegt, dann werden wir bestimmt auch George finden..."
Sie nickte und Shinichi konnte regelrecht sehen, wie sich ihr Stolz bei der Erwähnung ihres verschwundenen Sohnes auflöste.
„Ich war jedenfalls die erste, die die Familienkonferenz verließ", meinte Rosa verlegen.
„Wann war das etwa?", hakte Shinichi nach, sein Notizbuch war bereits gezückt.
„Kurz nach Mitternacht etwa. Ich weiß nicht genau..."
„Es dürfte etwa zwischen 0.15-0.20 Uhr gewesen sein", präzisierte Kyrie. „Rudolf und ich sind kurz darauf ebenfalls gegangen."
„Hideyoshi und ich hatten dann noch kurz alleine mit Krauß und Natsuhi geredet", erklärte Eva kleinlaut. „Danach haben auch wir uns zum Gästehaus aufgemacht."
„Wer hat die beiden danach noch lebend gesehen?"
„Das dürfte ich gewesen sein", sagte Genji ohne eine Miene zu verziehen. „Sie wollten Kinzo-sama vom Verlauf des Treffens berichten. Hierzu gab ich Natsuhi-sama meinen Schlüssel, wonach ich mich abgemeldet und in mein eigenes Schlafzimmer zurückgezogen habe."
„Sie wissen nicht zufällig noch die Uhrzeit?"
„Ich weiß zumindest, dass ich mich um 0.45 Uhr zu Bett begeben habe. Zehn Minuten zuvor hatte ich den beiden den Schlüssel übergeben."
„Wie sieht es aus mit den anderen Bediensteten?"
„Gemäß unserem Dienstplan hatten die Nachtschicht Kumasawa-san im Gästehaus und Godah-san im Haupthaus. Kanon-kuns und Shannon-chans Schichten endeten zusammen mit meiner. Da sie sich am nächsten Morgen wie gewohnt meldeten, erschien zunächst nichts außerhalb der gewohnten Bahnen. Ich war derjenige, der heute morgen um 8.30 Uhr die erste Schmiererei im Aufenthaltsraum der Bediensteten des Haupthauses bemerkt hatte. Kanon-kun und Shannon-chan erschienen kurz danach. Während die anderen Gäste ins Haupthaus zurückkehrten, bin ich zu den Zimmern von Krauß-sama und Natsuhi-sama gegangen und habe sie aufgeschlossen und leer vorgefunden. Das war etwa zehn Minuten danach. Daraufhin habe ich Kanon-kun und Shannon-chan gebeten, das Haupthaus zu durchsuchen. Shannon-chan fand kurz darauf eine weitere Schmiererei in Nanjo-senseis verschlossenem Schlafzimmer."
„Danke, der Rest ist mir dann bekannt. Wann wurde Nanjo-sensei eigentlich das letzte Mal gesehen?", fragte Shinichi.
Die Anwesenden schauten sich etwas ratlos an.
„Huh? Ich hab ihn ehrlich gesagt seit dem Abendessen nicht mehr gesehen. Wohin verabschiedete er sich eigentlich?", Kyrie war die erste, die darauf einging.
„Nanjo-sensei und Kinzo-sama verbringen die Abende häufig mit Schach. Vermutlich haben die beiden die Zwischenzeit gemeinsam verbracht", bemerkte Genji.
„Sie haben ihn aber nicht hinein gelassen?"
Genji schüttelte den Kopf:
„Vermutlich hat Kinzo-sama ihm selbst geöffnet. Ich bitte um Verzeihung, wenn ich so offen bin, doch ich fürchte, er war bei seinem Arzt immer weit weniger launisch als bei seinen eigenen Kindern."
„Die beiden waren gut befreundet?"
„Sie kannten sich seit vielen Jahren. Kinzo-sama vertraute Nanjo-sensei als guten Freund."
Shinichi nickte und wandte sich an Battler und Maria.
„Wie sieht es eigentlich mit den Cousins aus? Hatte nach mir noch jemand den Raum verlassen? Außer George-san natürlich."
„Was willst du damit andeuten?", raunte Battler ungewohnt feindselig. „Verdächtigst du einen von uns?"
„Wenn, dann bin ich genauso verdächtig, wie ihr es seid. Die einzige, die mein Alibi hätte prüfen können, war Kumasawa-san. Keine Sorge, mir geht es nur darum, zu wissen, wo sich jeder zum Tatzeitpunkt aufgehalten hatte."
„Nun, ich habe tief und fest geschlafen. Ich habe niemanden beim Verlassen des Raums gesehen, auch George nicht."
„Uuu- wieso sollte ich jemanden gesehen haben... Schließlich ist das die Zeremonie von Beatrice und nicht unsere", sagte Maria zerknirscht.
Shinichi tat sein bestes, diesen Kommentar zu ignorieren und fokussierte sich auf die Fakten.
„In jedem Fall werde ich Jessica auch noch einmal fragen müssen, wenn sie wiederkommt."
„Vielleicht sollten wir uns außerdem mit den restlichen Gewehren Vaters bewaffnen", schlug Rudolf vor.
„Eine gute Idee", stimmte Kyrie mit ein. „Wenn hier ein bewaffneter Täter herumläuft, sollten wir nicht schutzlos sein."
„Hatten wir uns nicht geeinigt, dass wir das Studierzimmer in dem Zustand belassen sollten, indem es sich befindet, um der Polizei die Arbeit zu erleichtern?", fragte Rosa missmutig.
„Wir sitzen bis morgen hier und der Täter war in der Lage, sechs Menschen zu überraschen und zu töten. Unsere eigenen Leben haben da Vorrang...", antworte Kyrie kühl.
Shinichi sah sich nicht in der Lage, dagegen zu argumentieren. Im Hinterkopf hatte er Gedanken über die problematische Identifizierung der Tatwaffen, falls diese wieder auftauchen würden, aber bis er den Fall löste, befanden sie sich tatsächlich in Gefahr.
Was nichts daran ändert, dass wir dann möglicherweise auch den Täter bewaffnen.
Battler erhob sich von seinem Stuhl und deutete Shinichi an, ein wenig Abseits von den Erwachsenen miteinander zu reden.
„Du willst doch nicht wirklich darauf hinaus, dass der Täter einer von uns ist?", flüsterte er. „Es könnte genauso gut jemand anders geben, der sich für Beatrice ausgibt und hier auf der Insel herumschleicht."
„Das ist gut möglich, doch unwahrscheinlich", erwiderte Shinichi kopfschüttelnd. „Wie erklärst du dir, kam der Täter in das Studierzimmer hinein? Natsuhi-san hatte den einzigen Schlüssel und die Tür ließ sich nicht von außen öffnen. Wie also kam er hinein, wenn nicht durch jemanden, der von innen öffnet? Es ist sehr viel wahrscheinlicher, dass sie den Täter kannten."
Battler schaute grimmig drein und wollte ganz offensichtlich protestieren.
„Natürlich sind das alles Theorien. Noch habe ich leider keinen Beweis für auch nur eine Denkrichtung finden können", meinte er beschwichtigend.
Er seufzte. Er musste mitkommen, wenn die anderen sich an der Waffensammlung bedienten und einen weiteren Blick auf den Tatort werfen. Es musste doch Spuren geben, die der Täter hinterlassen hatte. Abgesehen musste er noch herausarbeiten, wie es ihm möglich war, den verschlossenen Raum zu verlassen, nachdem die Leichen dort deponiert wurden.
„Jessica-chan und Kanon-kun lassen sich aber gehörig Zeit", bemerkte Shinichi kurz darauf. „Ich werde schnell nachsehen..."
„Sollte einer von uns nicht mitkommen? Es ist gefährlich, alleine zu gehen", sagte Kyrie daraufhin.
„Keine Sorge, ich werde nicht lange brauchen."
„Genji-san sollte trotzdem mitkommen. Sei es auch nur, um dir den Weg zu Jessicas Zimmer zu zeigen."
„Einverstanden. Wenn es nicht zu viele Umstände bereitet."
„Natürlich nicht. Ich bin gerne zu Diensten", der alte Diener machte eine knappe Verbeugung und verließ zusammen mit dem Detektiv den Speisesaal.
„Jessica-samas Zimmer befindet sich im zweiten Stock, wo auch die Wohnbereiche ihrer Eltern sind", erklärte Genji knapp.
Shinichi nickte und zusammen mit dem Diener stieg er die Treppen hinauf, vorbei am Epitaph und dem Portrait der goldenen Hexe.
Wenn der Täter uns hier auflauern würde, dann würde ich wenigstens seine Identität herausfinden können...
Das Schlafzimmer Jessicas fanden sie aber zum Glück ohne jeden Zwischenfall. Während Shinichi anklopfte, ging ihm trotz dem Schicksalsschlag der eigentliche Grund für seine Anwesenheit auf Rokkenjima durch den Kopf. Sollte Kanon sie in der Zwischenzeit getröstet haben, wären sie sich durch die Tragödie vielleicht näher gekommen, als es durch alle Schauspielereien dieser Welt möglich gewesen wäre. Es war ein makaberer Gedanke.
„Jessica-chan? Hier ist Shinichi. Wir kommen jetzt rein."
Er betätigte die Türklinke. Sie war offen. Und der Raum wirkte leer und unangetastet. Zumindest bis auf den blutroten Bannkreis auf dem Fußboden.
Am Zweiten Zwielicht, die die zurückbleiben sollen die zwei zerreißen, die sich nahe stehen.
Shinichi schluckte und war starr vor Schreck.
