Kapitel 11

„Die beiden scheinen auch noch nicht wirklich wach zu sein. Komm, Sal, wir bringen sie wieder ins Bett.", mit diesen Worten stand Ric mit Diamond auf dem Arm vorsichtig auf. Salazar folgte ihm, ebenfalls darauf bedacht, Luzifer nicht zu wecken. Gemeinsam verließen sie die Küche und trugen ihre Söhne zurück in deren Zimmer.

Dort angekommen legten sie die beiden ins Bett und deckten sie zu. Sofort kuschelten sich die beiden Kleinen aneinander. Leise und schmunzelnd verließen die beiden Gründer wieder das Zimmer ihrer Kinder.

Das helle Leuchten, dass die Kleinen umschloss, bekamen sie nicht mehr mit.

In den nächsten Stunden versammelte sich auch der Rest des Hauses, mehr oder weniger wach, im großen Wohnzimmer des Hauses. Gemeinsam beschlossen sie mit der Bescherung zu warten, bis die zwei Kleinen wieder wach waren.

Gegen Mittag ertönte an der Haustür die Klingel.

Verwirrt verließ Salazar den Raum um die Tür zu öffnen und nachzusehen, wer sie da an Weihnachten störte.

Nach wenigen Minuten betrat er das Wohnzimmer wieder, hinter ihm eine blonde Frau.

„Mum!", rief Draco, der seine Mutter sofort erkannt hatte und auf sie zuging.

„Draco.", freudig schloss Narzissa ihren Sohn in die Arme.

„Was ist passiert. Wie kommst du hier her?", fragte der Blonde mit Tränen in den Augen.

„Ich wurde vom Zaubereiministerium begnadigt, da sie herausgefunden hatten, dass ich nichts mit den Taten deines Vaters zu tun hatte. Seit dem suche ich dich. Ich kam her, um die Gründer zu fragen, ob sie mir vielleicht helfen könnten. Was machst du hier, mein Kleiner?"

„Ich wohne hier.", antwortete Draco, während er sich lächelnd von seiner Mutter löste und sie auf die nächstbeste Couch dirigierte.

„Wie kommt es denn dazu?", fragte Narzissa verwundert in den Raum.

Draco begann, zusammen mit den anderen Anwesenden, zu erklären, was in den letzten Wochen vorgefallen war.

„Und wo sind die Kleinen jetzt? Ich würde mich gern bei Harry entschuldigen."

„Sie schlafen und nenn ihn nicht Harry. Er heißt jetzt Luzifer."

„Aber in einem Punkt hat Narzissa recht, wir sollten die beiden wecken, sonst schlafen sie uns heute Abend nicht ein.", meinte Godric und erhob sich.

„Warte, ich komm mit.", auch Salazar erhob sich und folgte seinem Geliebten aus dem Raum.

Vor der Zimmertür der Kleinen angekommen, hörten sie Schluchzen. Verwirrt betraten die beiden Gründer den Raum und blieben geschockt in der Tür stehen.

Auf dem Bett saßen zwei in etwa sechs bis sieben Jahre alte Jungen. Beide waren blass und wirkten abgemagert. Einer von ihnen weinte Herzzerreißen, während der andere versuchte, ihn zu trösten.

Bei dem Weinenden konnte man ganz deutlich eine geschwollene Wange erkennen. Der eigentlich grüne Pullover wies auf manchen Stellen dunkle Flecken auf.

„Ich hol Severus.", mit diesen Worten drehte Godric sich um und eilte zurück ins Wohnzimmer, um den Tränkemeister und Heiler des Hauses zu holen.

Salazar indes ging auf das Bett zu und kniete sich davor, um mit den beiden Jungen auf gleicher Augenhöhe zu sein.

„Hey ihr zwei.", sprach Salazar die beiden vorsichtig an.

Der Tröstende der beiden hob den Kopf und glanzlose Saphire blickten den Gründer lange an. Dann begannen die Saphire zu leuchten und Erkenntnis spiegelte sich in ihnen.

„Dad. Was ist passiert? Ich hatte einen ganz schlimmen Traum und als ich aufgewacht bin, hat Lu geweint."

„Ach mein, Kleiner, das ist kompliziert zu erklären. Jetzt schaun wir erst mal, dass es Luzifer wieder besser geht. Severus kommt gleich. Ja?"

„Okay.", meinte Diamond und wandte sich wieder seinem Bruder zu, dem er beruhigend über den Kopf strich.

Einige Sekunden später betrat Severus den Raum, gefolgt von Rowena, Helga, Godric und Remus.

„Was ist passiert?", fragte Severus, während er sich dem Bett näherte.

„Sie sind gewachsen. Allerdings so, wie sie es in ihrer ersten Kindheit sind und Luzifer ist verletzt.", sanft streichte Salazar Luzifer bei diesen Worten über die Wange.

Der Kleine öffnete seine Smaragde und sah seinen Vater leicht desorientiert an.

Dann richtete sich sein Blick auf Severus.

„Onkel Sev, ich hab aua.", sagte er kraftlos.

„Keine Angst, mein Kleiner. Das ist gleich wieder gut, ja."

„Mhm.", damit setzte Luzifer sich vorsichtig und unter Schmerzen auf. Salazar setzte sich derweil neben die Kleinen und zog Diamond in seine Arme.

Mit einem Wink von Severus Zauberstab saß Luzifer nur in Boxershorts auf dem Bett.

Die Anwesenden keuchten erschrocken auf.

Der Kleine war nur noch Haut und Knochen. Unzählige blaue Flecken, welche schon grünlich und vereinzelt schwarz, waren, zierten den abgemagerten Körper. Des weiteren zeichneten sich unzählige Striemen, die vereinzelt schon eiterten, den Oberkörper des Jungen. Seinen rechten Arm hielt er mit der linken Hand fest und er hing merkwürdig schlaff am Körper des Jungen.

„Bei Merlin. Ich wusste zwar, dass Harry keine schöne Kindheit hatte, aber das hätte ich nie vermutet.", erklang die geschockte Stimme von Remus.

Severus schluckte einmal schwer und sprach dann einen Diagnosezauber auf Luzifer.

„Und?", wollte Godric, der jetzt neben Salazar saß, ungeduldig wissen.

„Er hat, bis auf die äußeren Verletzungen, auch noch ein paar geprellte und angebrochene Rippen, einen gebrochenen Arm, einige Prellungen und leichte Quetschungen. Des weiteren leidet er unter Unterernährung, besser gesagt, er ist halb verhungert."

„Kriegst du das wieder hin?", wollte Row wissen.

„Die inneren Verletzungen sind schnell verheilt. Die äußeren könnten etwas länger brauchen, vor allem, da ich die vorhandenen Narben verschwinden lassen möchte. Zu essen bekommt er hier ja genug, also wird sich das mit der Zeit auch legen. Zum Glück hab ich alles hier.", mit diesen Worten öffnete Severus die schwarze Tasche, die er auf Anraten Godrics noch aus seinem Zimmer geholt hatte.

Er gab Luzifer einige Tränke, die die Brüche und Prellungen heilen ließen, einen Schmerztrank und einen Aufbautrank. Dann nahm er ihn vorsichtig hoch und trug ihn ins Badezimmer wo er beruhigend auf den Jungen einredend, die Wunden wusch, desinfizierte und mit einer heilenden Salbe bestrich, ehe er Verbände darum legte. Die geschwollene Wange heilte sofort. Einige der halbverheilten Striemen verschwanden, ebenso wie die blauen, grünen und schwarzen Flecken, ebenfalls sofort. Die offenen Wunden schlossen sich und die eiternden gingen zurück.

Als er fertig war, trug er Luzifer aus dem Bad und setzte ihn wieder aufs Bett, wo Salazar ihn vorsichtig anzog.

Stumme Tränen rannen dem Jungen bei der Behandlung über die Wangen, doch er hielt tapfer durch.

„Wollt ihr zwei mir erzählen, was ihr geträumt habt?", fragte Severus vorsichtig, während er sich zu dem Rest aufs Bett setzte, wo Godric Diamond und Salazar Luzifer, tröstend im Arm hielt. Zum Glück hatten sie Kleidung gekauft, die mitwuchs, sonst hätten die beiden Kleinen jetzt nichts zum anziehen gehabt.

„Ich hab vom Waisenhaus geträumt.", wisperte Diamond ängstlich. „Ich war wieder da und die anderen Kinder haben mich nur geärgert und ausgelacht, weil ich so klein bin. Sie haben mir mein Essen weg genommen und weiter gelacht und die Betreuer haben nichts gemacht. Nur zugekuckt. Dann kam da ein Ehepaar. Die...die haben gesagt, sie wollen mich mitnehmen, aber ein alter Mann hat es ihnen verboten. Er hat irgendwas komisches gesagt und ein Licht hat das Ehepaar getroffen. Dann sind die beiden weggegangen und haben ein anderes Kind mitgenommen. Und...und der alte Mann war plötzlich wieder weg. Aber vorher hat er noch gesagt, dass er dafür sorgen würde, dass mich nie jemand adoptiert. Dann bin ich aufgewacht.", unbewusst hatte Diamond sich während der Erzählung näher an Godric gekuschelt und zitterte ängstlich.

Beruhigend wiegte Godric den verängstigen Kleinen im Arm.

„Sshh, ganz ruhig, mein Kleiner. Du musst nie wieder zurück ins Waisenhaus und der alte Mann kann nichts dagegen machen, dass wir dich adoptiert haben.", meinte Godric zärtlich und liebevoll zu dem verängstigtem Diamond.

Dieser nickte leicht und kuschelte sich noch näher an Godric. Sein Zittern hatte aufgehört und er genoss einfach nur die Wärme und Geborgenheit, die sein Daddy ihm schenkte.

„Und du, Luzifer. Was hast du geträumt?", fragte Severus vorsichtig. Es sah so aus, als würden sie in ihren Träumen das sehen, was ihnen einst zugestoßen war und irgendetwas in Severus, wie auch in den anderen, sträubte sich davor, wirklich erfahren zu wollen, was Luzifer alles zugestoßen war.

Sie hatten zwar geahnt, dass Harrys Kindheit nicht leicht gewesen war, aber das, was sie gesehen hatten, hatte dennoch alle schockiert. Severus am meisten, immerhin war er bis heute noch der Meinung gewesen, dass Harrys Kindheit gar nicht so schlimm war und der Junge nur zu empfindlich war, oder gar alles schlimmer darstellte, als es war. Doch nach dem, was er eben gesehen hatte, musste er diese Meinung revidieren. Die ganzen Verletzungen waren zu schrecklich gewesen. Im stillen bewunderte er den Jungen jetzt sogar, da er trotz dieser offensichtlich, höllischen Kindheit so ein freundlicher, warmherziger und vertrauensvoller Mensch geworden war.

„Ich hab von Onkel Vernon und Tante Petunia geträumt. Ich war wieder da. Ich hab für meine Tante putzen, waschen und kochen müssen. Aber...egal, wie sehr ich mich auch angestrengt hatte, meiner Tante war es nie gut genug und dann...dann hat Onkel Vernon mich immer gehaun. Noch viel doller als sonst. Er...er hat nicht nur mit der Hand zugehaun, er hat auch nach mir getreten und mich mit seinem Gürtel gehaun. Dabei bin ich hingefallen und mein Arm hat mir ganz doll wehgetan. Da hat Onkel Vernon nur noch doller zugehaun, weil ich ausversehen dabei eine Vase umgeworfen hatte. Dann hat er mich in den Schrank unter der Treppe geschmissen. Zum Essen hab ich nur Brotkrusten bekommen und zum Trinken Wasser. Und...und Dudley hat mich auch immer geärgert und ausgelacht, weil Onkel Vernon mich immer beschimpft hat.", leise und ängstlich hatte Luzifer gesprochen. Diese Stimme, schmerzte die Anwesenden noch mehr als alles andere. Luzifer hatte noch nie ängstlich geklungen Er war immer fröhlich und lachte viel. Dieser ängstliche Ton, den er jetzt anschlug, versetzte allen Anwesenden einen schmerzhaften Stich ins Herz und sie beteten, dass der Kleine bald wieder so fröhlich und ausgelassen war, wie sie ihn kannten. Zumindest würden sie alles tun, dass die zwei Kleinen dieses schlimme Erlebnis so schnell wie möglich wieder vergessen hatten.

„Ganz ruhig, mein Kleiner. Du musst da nie wieder hin. Das lass ich nicht zu.", sagte Salazar ernst und schloss seine Arme noch ein bisschen enger um Luzifer. Immer darauf bedacht, nicht doch eine seiner Wunden zu treffen und ihm so noch mehr weh zu tun.