A/N:

Betaleserin war wieder die großartige Alraune.

Vielen Dank an Malina und Jana für ihre Reviews, die bei mir erneut einen kleinen Schreibspurt ausgelöst haben.

Es wird noch einen dritten Abschnitt von Kapitel 7 geben, dann ist die Geschichte wirklich abgeschlossen. Wie sie wohl ausgehen wird? ;)

Das Blind Date

von Tante Hildegard

Kapitel 7 (II): Noch einmal der Kater

Der Junge saugte sich, statt ein Glas zu benutzen, mit spitzen Lippen an der Whiskeyflasche fest. Allein die Vorstellung, meine Zunge in das goldbraune Getränk tauchen zu müssen, ließ meine Barthaare angewidert knistern. Den Rotschopf schien das nicht zu kümmern, er trank den Whiskey wie Limonade, bis der Schwarze ihm die Flasche raubte.

„Was soll das, Weasley?" schnaubte er verdutzt. „Wollen Sie sich bewußtlos saufen?"

„Mut antrinken", behauptete der Junge, allerdings wenig glaubwürdig. Schließlich starrten sie sich eine halbe Ewigkeit lang wortlos an.

„Sie wollen es also wissen. Fein, ich werde es Ihnen sagen. Ich habe nach dem Krieg aufgehört als Heiler zu arbeiten, weil ich es nicht ausgehalten habe. Meine Reserven waren völlig aufgebraucht, es ging einfach nicht mehr. Ich hatte jede verdammte Nacht Alpträume, in denen Leute starben. Und manchmal habe ich mir eingebildet, daß die Leute aus den Träumen am nächsten Tag tatsächlich auf Tragen an mir vorbeigeschleppt wurden oder ich sie mit grauen Gesichtern in den Krankenhausbetten liegen sah. Es hat nicht mehr viel gefehlt und man hätte mich in St. Mungos psychiatrischer Abteilung einmieten können." Sie schwiegen wieder. „Sind Sie jetzt zufrieden? Ich habe mich an meinem Job übernommen, so ist das eben."

„Nein", entgegnete der Schwarze zornig, „ich bin nicht zufrieden. Warum konnten Sie mir die Wahrheit nicht schon vorher sagen und warum reden Sie mit mir, als hätte ich am Krieg eine Art perverser Freude gehabt?"

Der Junge glotze.

„Halten Sie mich für so weltentrückt, Mr. Weasley, daß ich nicht verstehen könnte, was ein Job als Heiler in dieser Zeit bedeutet hat? Ich muß Sie hoffentlich nicht daran erinnern, daß ein ehemaliger Todesser vor Ihnen sitzt. Ich weiß ziemlich genau, was Todesser den Leuten angetan haben. Ich war dabei!"

Schrecken und Wut wirbelten auf, als der Rotschopf ihm seine Antwort entgegenschleuderte: „Ich habe gelogen, weil Sie immer so verdammt überlegen sind. Weil Sie alles kalt läßt und weil ich nicht wollte, daß irgendein Slytherin über mich lacht, weil mein Talent als Heiler nicht ausgereicht hat für Menschen und ich jetzt Tiere behandeln muß!"

„Mr. Weasley", summte die tiefe Stimme, „glauben Sie wirklich, daß Ihr Freund Potter und Sie mich derart aus der Fassung bringen könnten, wenn mich alles kalt ließe?"

Der Junge rutsche unschlüssig auf seinem Hintern hin und her.

„Sie müssen sich nicht dafür rechtfertigen, als Heiler gelitten zu haben – schon gar nicht vor mir. Wenn die Erlebnisse zu jener Zeit Sie unberührt gelassen hätten, dann hätten Sie vielleicht ein Problem. Mit einem Mangel an Talent hat das jedenfalls nichts zu tun und ich kann auch beim besten Willen keinen Grund finden das Heilen kranker Tiere geringzuschätzen."

„Ich hab's nicht so gemeint", stammelte der Junge.

„Doch, das haben Sie, aber ich bin daran gewöhnt."

Im Gesicht des dunklen Zauberers mühte sich der Ernst die Niedergeschlagenheit zu übertünchen, aber der Junge blickte ohnehin nur auf die schlanken Hände, deren Fingerkuppen hart auf die Tischplatte gepreßt waren, als ob dem Zauberer augenblicklich Krallen wüchsen, um durch das Holz zu furchen. Überhaupt äugte der Rotschopf merkwürdig häufig auf die Hände des anderen Mannes.

„Hören Sie", schnarrte der Schwarze nach einigen Augenblicken, „die Angelegenheit der Briefe war ein bedauerliches Mißverständnis. Sie sollten sie vergessen und nie wieder ein Wort darüber verlieren. Ich möchte sie ganz sicher vergessen."

Der Rotschopf schwieg, zog dabei ein Gesicht, wie ein Abergläubiger, dem soeben gelungen war, versehentlich zehn Spiegel zu zerbrechen, während der schwarze Zauberer unbeirrt weiter schwätzte. „Ich kann mir nicht vorstellen, woher Sie Nightingale kennen, oder was sie Ihnen prophezeit hat, aber ich versichere Ihnen, daß ich nichts damit zu tun haben will. Im Übrigen ist der Gesundheitszustand meines Hamsters hervorragend und ich würde gerne nach Hause gehen, um mich in mein Bett zu legen und mich mit dem restlichen Feuerwhiskey in dieser Flasche hemmungslos zu betrinken."

„Glauben Sie, ich will was damit zu schaffen haben?" empörte ich der Junge, die Flasche schützend zu sich ziehend. „Aber ich müßte mir den Kopf abschrauben, um alles loszuwerden!"

„Ich könnte einen Vergessenszauber anbieten", meinte der Schwarze trocken. „Darüber hinaus, Mr. Weasley, wäre ich Ihnen dankbar, wenn Sie die Briefe für sich behielten. Sie haben doch nicht etwa jemandem davon erzählt?"

Der Junge brummelte verlegen: „Doch."

„Wem?"

„Äh, Harry."

Ein Gewitter stürmte über das Gesicht des finsteren Zauberers, als er ausrief: „Oh Merlin, doch nicht Potter!"

Ein Nicken des Jungen bestätigte seine Befürchtungen. „Der Türklopfer weiß auch etwas", krächzte er betroffen.

„Potter weiß, daß ..." der Mann hämmerte seine Stirn auf die Tischplatte. „Ich bin ruiniert."

„Harry war dabei, als sie die Prophezeiung gemacht hat", maulte der Junge und der Kopf seines Gesprächspartners schnippte nach oben.

„Wieso, in Salazars Namen, war er dabei?"

„Es war seine Idee zu einer Wahrsagerin zu gehen, deshalb."

„Wozu bilden wir euch eigentlich aus? Wenn ihr in Hogwarts schon nicht kapiert, wie man Tränke braut, dann sollte euch wenigstens aufgefallen sein, daß Trelawney, wie alle Seher, eine Schraube locker hat und man sie meidet."

„Ich habe keine Schraube locker! Nimm das zurück!" geiferte der Junge, Zornesfalten auf seiner Stirn eingegraben.

Der schwarze Zauberer versteinerte. „Was?"

„Ich habe keine Schraube locker, aber ich bin – wahrscheinlich – ein Seher. Ich habe mit Harry darüber gesprochen, er denkt, daß es wahr ist." Nachdem er einige unverständliche Geräusche artikuliert hatte, fragte der Schwarze erstaunlich gefaßt: „Seit wann sind Sie ein Seher, Weasley?"

„Oh, ich habe nicht darum gebeten, einer zu sein. Es ist passiert, als die Gehirne im Ministerium für Zauberei mich angegriffen haben, in meinem fünften Hogwartsjahr."

„Sie sind also seit der fünften Klasse ein Seher, so so", wiederholte der Mann spitz.

„Ja."

„Was sehen Sie denn?" flüsterte der Schwarze, während er sich zurücklehnte und dabei geradezu lasziv erschien. Ob das Absicht war? Der Junge schrak auf und fuhr mit feuerrotem Gesicht zu seinem Gesprächspartner um. „Das ist meine Sache!"

„Gut", entgegnete der Schwarze. Seine Augen trübten sich unter einem Film aus Hoffnungslosigkeit und er seufzte: „Es ist an der Zeit unser Gespräch zu beenden. Könnten Sie freundlicherweise davon Abstand nehmen, noch irgendwem von der Sache mit den Briefen zu erzählen. Und bitten Sie Potter, die Klappe zu halten. Ich will nicht, daß ganz Hogwarts sich an der Geschichte weidet. Wenn man es genau betrachtet, habe ich vielleicht sogar Glück gehabt, daß sie es waren, immerhin hätte ich mir Liebesbriefe mit Potter schreiben können. Horror!"

„Kennen Sie Maynard Bogle?" fragte der Junge aus heiterem Himmel, ohne den Mann anzusehen.

„Ja", murmelte der schwarze Zauberer, „ja, ich kenne ihn. Das war in ihrem letzten Schuljahr. Ich habe es nicht vergessen."

Der Rotschopf schloß die Augen und flüsterte: „Ich wußte, daß er versuchen würde den Minister zu töten."

„Aber ..."

„Ich habe schon Wochen vorher immer den gleichen Traum geträumt", unterbrach ihn der Junge mit leiser Stimme. „Ich habe gesehen, wie Percy vor Fudges Brust sprang, als Bogle seinen Zauberstab auf ihn richtete. In einer Nacht bin ich schreiend aufgewacht und Percy stand neben dem Bett, das war im Hauptquartier, als wir uns ein Zimmer teilen mußten, da habe ich ihm von dem Alptraum erzählt. Fünf Tage später war er tot." Eine Träne kullerte über das sommersprossige Gesicht. „Ich habe doch nicht gewußt, daß ich ein Seher bin. Ich hätte Percy nie davon erzählen dürfen. Erst als ich Sie im Drei Besen getroffen habe und dachte, daß Sie mich anmachen wollten, habe ich es kapiert."

„Ich wollte Sie nicht anmachen", rechtfertigte sich der schwarze Zauberer halbherzig und in Gedanken versunken.

„Äh, ...", nuschelte der Junge, „waren Sie sehr enttäuscht, daß ich es war, ich meine, ... der Ihnen die Briefe geschrieben hat?"

„Was wollen Sie hören, Weasley? Es geht hier nicht um mich. Ich bin nicht von meinen Geschwistern veräppelt worden. Ich wußte, daß ich einem Mann schrieb. Ich bin homosexuell und vermutlich wird sich daran in naher Zukunft nichts ändern."

Das Gesicht des Jungen dampfte, beinahe zischelte Rauch aus seinen Ohren. „Wegen der Prophezeiung", schnaufte er, „ich habe mir alles genau überlegt. Sie zu verhindern ist nicht so einfach, aber ich könnte sie modifizieren."

„Wovon reden Sie?" erkundigte sich der dunkle Zauberer müde.

„Angelica hat vorhergesagt, daß ich Sie heiraten würde."

„Wie bitte? Sie sollen Nightingale heiraten?"

Der Rotschopft ruderte hilflos mit den Armen, ehe er fiepte: „Nein - Sie!" und mit dem Finger unmißverständlich auf den Schwarzen zeigte.

„Mich?" keuchte der und klammerte sich am Tisch fest.

„Aber ich habe nicht vor, Sie zu heiraten", bollerte der Junge vorsorglich, „weil ich Mädchen mag, äh, ..."

Mit Eulenaugen stierte ihn der Zauberer an.

„Also, es ist gar nicht so schlimm, mit Ihnen zu reden und so, deshalb, dachte ich, wir könnten doch zusammen sein, aber ohne – gnf – fummeln und so. Ich dachte an eine Beziehung ohne, öhm, Körperliches. Sie wissen schon!"

„Platonisch?"

Der Rotschopf zuckte unbestimmt mit dem Kopf. „Genau.", während dem schwarzen Zauberer die Augen aus den Höhlen quollen. Ich zweifelte, ob er sich jemals vom Schock erholen würde, da polterte er: „Wie kommen Sie drauf, daß ich auf ein so dämliches Angebot eingehen würde?"

„Aber wir haben uns alles genau überlegt, Harry und ich", flehte der Junge. „Er hat mich überzeugt, daß es besser wäre als zu versuchen alles ..."

„Potter hat Sie davon überzeugt, eine Beziehung mit mir einzugehen?" argwöhnte der Mann.

„Platonisch! Ja." Er lächelte verzweifelt. „Harry sagt, man kann Prophezeiungen nicht umgehen, und Trelawney hat das Gleiche gesagt, aber ich will Sie auf keinen Fall heiraten, also biegen wir ein bißchen an der Prophezeiung herum, ohne sie völlig umgehen zu wollen. Das ist schlau."

Der Mann berichtigte: „Miss Nightingale meinte, Sie könnten wählen."

„Sie will mich reinlegen!" raunte der Junge verschwörerisch und hielt sich das Loch über der Brust zu, als er die Blicke des Schwarzen abschweifen sah. Pikiert betrachtete er das blaßgelbe Gesicht seines Gegenübers, schnappte: „Platonisch." Kaum hörbar wisperte er jedoch, daß es ihm leid täte, und damit verwirrte er mich. Warum bestand der Junge auf einer platonischen Beziehung, obwohl ihm diese Beschränkung nicht gefiel? Platonisch! Eine Katze käme nie auf solche Einfälle. Meine herrliche rote Kätzin würde mir sicher etwas husten, wenn ich ihr auf die platonische Art käme. Katzendamen konnten darüber hinaus auch recht feurig werden, wenn man den falschen Augenblick wählte. Ehe man sich versah, hatte man dann ihre Pfote im Gesicht, oder es fehlte ein Stück vom Ohr. Nicht, daß mir so etwas schon einmal passiert wäre.

„Ich habe mich in den letzten paar Tagen – zwangsläufig - mit alten Prophezeiungen beschäftigt und wissen Sie, was alle gemeinsam hatten?" Wieder klebten seine Blicke an den fremden Händen fest. „Alle haben versucht das Vorrausgesagte zu verhindern und nicht einem Einzigen ist es gelungen. Verstehen Sie?"

„Nein", knirschte der Schwarze aus purer Lust an der Provokation.

„Sie–wissen-schon-wer hat versucht Trelawneys Prophezeiung aus dem Weg zu gehen, indem er Harry töten wollte, aber genau damit hat er sie erfüllt. So ist es immer!"

„Sie überfordern mich, Weasley. Ich verstehe nicht, was Sie von mir wollen. Erzählen Sie mir alles von Anfang an, dann werden wir sehen."

Daraufhin schwieg der Junge, von stummem Entsetzten gepackt.

„Was ich will ist ..., ach, es geht hier gar nicht darum was ich will. Ich bin ein Seher, das habe ich Ihnen gesagt und ich habe die Prophezeiung, die Nightingale mir gemacht hat, im Grunde schon vorher gesehen, aber ich dachte es wären nur irre Träume."

„Sie haben gesehen, daß wir heiraten?" murmelte der Schwarze entrückt.

„Nein, nicht das. Also ich bin mit Harry auf einen Muggeljahrmarkt gegangen, damit uns eine der Wahrsagerinnen dort die Zukunft voraussagt. Das war übrigens Harrys bescheuerte Idee, nicht meine. Er hat behauptet, daß Muggelwahrsager einem immer nur erzählen, was man hören möchte. Von wegen!" Er kratzte mit dem Finger einen Wachsfleck von der Tischplatte ehe er weitersprach, aber der Schwarze drängte ihn nicht. „Jedenfalls sind wir in Nightingales Zelt gelandet. Sie hat Harry die große Liebe vorhergesagt und so weiter und so fort, schönes, belangloses Zeug und dann war ich an der Reihe. Ihr komischer Blick als sie mich im Zelt sitzen sah, hätte mich vorwarnen sollen, aber na ja. Die Prophezeiung lautete, daß ich einen finsteren Mann heiraten würde."

„Wie kommen Sie auf den Gedanken, daß gerade ich damit gemeint sein sollte?" erkundigte sich der schwarze Zauberer, obwohl ich die Frage reichlich überflüssig fand. Die Beschreibung finsterer Mann traf den Nagel auf den Kopf.

„Wegen der Briefe zum Beispiel", flüsterte der Junge.

Maliziös lächelnd erläuterte der Schwarze: „Ja, aber das Blind Date hätte ein reiner Zufall sein können. Als finsteren Mann könnte man doch auch Mad Eye Moody bezeichnen oder Mr. Filch"

Dem Jungen entgleiste das Gesicht, als er sich eine Ehe mit besagten Männern vorzustellen versuchte und er schüttelte heftig den Kopf. „Nein", wimmerte er, „Sie haben ein Detail vergessen. Ich bin auch ein Seher."

Diesmal wurde der Schwarze bleich wie ein Laken und würgte hörbar einen Kloß im Hals hinunter. „Gerade haben Sie behauptet von der Heirat nichts vorhergesehen zu haben!"

„Die Heirat nicht, aber andere Sachen", quiekte der Junge mit feurigen Wangen. „Ich bin erst nach dem Blind Date darauf gekommen, daß Sie der Mann aus den Träumen waren. Ich dachte, die Welt geht unter."

Der Junge linste verstohlen zu seinem Gegenüber, das zwanghaft versuchte unbeteiligt zu wirken.

„Ich bin noch in der Nacht zu Harry gelaufen und habe ihm alles erzählt, ihm die Briefe gezeigt."

„Sie haben was?"

„Mit irgendwem mußte ich doch reden, oder?" geiferte der Rotschopf.

Währenddessen keiften zwei Stimmen vor der Eingangstür. Ein blonder Mann stakste mit der Aura einer verkannten Diva herein, an seinem Hemdsärmel hing ein anderer Mann, der sich mühte ihn wieder nach draußen zu zerren. „Jetzt hör doch mal, Malfoy", zeterte er erfolglos und packte den anderen an der Taille, um ihn besser aushebeln und davonschleppen zu können.

„Was willst du von mir, Potter?" jaulte der kleine Blonde, sein Gesicht pink angelaufen. „Ich gehe ins Drei Besen, wenn es mir paßt und nicht dann, wenn du es mir erlaubst!" Meine Futterfrau stand unschlüssig zwischen den Tischen und beobachtete das Gerangel der zwei Männer.

„Nimm endlich deine schmutzigen Finger von meinem Anzug, du Schwachkopf!" zischte der Blonde, wobei er versuchte den bebrillten Strubbelkopf von seiner Hüfte wegzustemmen. In meiner ganzen Karriere als Kneipenkater konnte ich nie zuvor einem derartigen Schauspiel beiwohnen, demzufolge ich mich mit der Interpretation schwer tat. „POTTER!" donnerte eine Männerstimme, die keinen Widerspruch duldete, vom Tisch gegenüber. Der schwarze Zauberer war aufgesprungen und seine hagere Gestalt ragte nun drohend über die beiden Streithähne, die verwirrt zu ihm aufblinzelten. „Helfen Sie mir Professor Snape!" sprudelte der Blonde, „Potter ist durchgedreht. Er stand draußen, gaffte durchs Fenster und wollte mich nicht reinlassen." Der Junge mit der Brille verzog das Gesicht zu einem Lächeln, vom der glauben mußte, daß es unschuldig und harmlos aussah, aber den schwarzen Zauberer überzeugte er damit nicht. Aus zwei finsteren Augenschlitzen musterte er den Jungen. Der Rothaarige lugte hinter seiner Schulter hervor, woraufhin die Blicke des Blonden ungläubig zwischen dem Gesicht des schwarzen Zauberers und des jungen Rotschopfs hin und her wechselten. „Weasley?"

„Das ist alles ihre Schuld, Potter! Und glauben Sie nicht, daß Sie mir ungeschoren davonkommen", grollte der schwarze Zauberer, als er den Brillenträger am Kragen packte und auf die Beine zog. „Sie waren hier, um mich und Mr. Weasley durchs Fenster zu bespitzeln, als Mr. Malfoy Ihnen in die Quere kam."

„Was?" rumpelte die Baritonstimme des Rotschopfs amüsiert, „das kann gar nicht sein. Niemand außer meiner Mum weiß, daß ich im Drei Besen bin und sie denkt, daß ich einen Patienten treffe, wovon ich auch selbst ausgegangen bin, bis ich Angelica hier sitzen sah. Harry konnte gar nicht ahnen, daß wir uns begegnen würden."

„Er kennt die Briefe!" knurrte der Schwarze unversöhnlich.

„Natürlich kennt er die Briefe, das habe ich Ihnen doch gerade lang und breit erklärt, aber es war nicht geplant Ihnen die Sache mit der Prophezeiung schon heute zu offenbaren, ich wollte erst Mut ansammeln und so. Angelica hat wieder alles vermurkst. Ich habe nicht damit gerechnet, Sie zu treffen und zur Rede gestellt zu werden. Woher soll es dann Harry gewußt haben?"

Für einen Moment betrachtete der dunkle Zauberer den Jungen mit einem intensiven stummen Blick, der einer Katze würdig gewesen wäre, ehe er die Zähne fletschte und knirschte: „Von Miss Nightingale, nehme ich an."

„Harry?"

„Ron, das ist nicht war!" verteidigte sich der Beschuldigte und rückte seine Kleidung zurecht.

„Kann mir vielleicht jemand sagen, worum es hier geht?" ereiferte sich der Blonde. „Ich wollte einfach nur ein Bier trinken und bin offenbar in eine Verschwörung hineingestolpert. Was hat dein winziges Heldengehirn sich ausgedacht, Potter?"

„Allem Anschein nach", unterbrach der schwarze Zauber die Tirade, seine Lippen kräuselten sich bitter, „versucht Potter, mich und Mr. Weasley zu verkuppeln." Zwei Personen husteten daraufhin erstickt und liefen bläulich an, so daß der Schwarze seinem Liebsten und der Kuppler dem blonden Mann zur Unterstützung auf den Rücken klopfen mußten.

„Das ist absurd" wisperte der Rotschopf. „Warum sollte Harry mir so etwas antun?" Der schwarze Zauberer rieb sich den Nasenrücken und starrte zu Boden. Schmerzpunkte glimmten in den dunklen Augen. „Ich habe es satt zum Gespött gemacht zu werden. Sie haben es geschafft, mich gegen meinen Willen, öffentlich, in einer Kneipe zu outen, mich in jeder möglichen Art und Weise zu beleidigen und lächerlich zu machen. Kommen Sie und Ihre Freunde mir noch ein Mal auf zwei Meter zu nahe, werde ich Sie verhexen, daß Sie sich wünschen nie geboren worden zu sein. Das gilt für beide, Weasley und Potter."

Er wirbelte zornig herum und stürmte auf mich zu. „Und für dich gilt das erst recht, Albus!" keifte er, kniete sich vor den Tisch und wollte mich darunter hervorziehen. „Du steckst wohl auch mit Nightingale unter einer Decke, wie! Hättest nicht gedacht, daß ich deinen Bespitzelungsmethoden auf die Schliche kommen könnte." Der Mensch war vollkommen durchgedreht! Ich zog mich fauchend unter die Bank zurück, aber er kroch unter den Tisch und angelte weiter nach mir, bis ich ihm in die Hand biß, unter der Bank hervorschoß und ihm zusätzlich zwei Pfotenhiebe ins Gesicht verpaßte, die ihn schmerzerfüllt aufheulen ließen. Anschließend stob ich unter eine andere Bank, ohne dabei das Fauchen zu vergessen. Salazars Katze war gegen mich ein verweichlichtes Mietzlein! Der Feind blieb stöhnend, ausgestreckt unterm Tisch liegen, die Hände aufs Gesicht gepreßt. „Professor Snape?" fragte der Rotschopf ängstlich neben den Tisch gehockt, ehe er selbst drunterkroch, um behutsam, aber bestimmt die Hände des Schwarzen vom Gesicht zu hebeln. Der metallische Geruch von Blut erreichte meine Nase. Aus einer Gewandtasche holte er ein winziges Täschlein, das rasch zu erstaunlicher Größe wuchs und mit allerlei Tinkturen und Verbandszeug gefüllt war. „Wollen Sie mir jetzt mit ihren Mitteln gegen Hundeflöhe zu Leibe rücken, Weasley", kollerte der besiegte Feind.

„Falls Sie Probleme mit Flöhen haben, wird Madam Pomfrey Ihnen sicher gern helfen. Ich wollte eigentlich nur Ihre Kampfwunden im Gesicht verarzten."

Er blubberte fassungslos.

„Was haben Sie da gerade für eine Show abgezogen? Was hat Ihnen der arme Hubert denn getan?"

„Lassen Sie mich!", schnarrte der schwarze Zauberer und zog es vor nach oben an die Tischplatte zu starren, als ins Gesicht des Jungen.

„Jetzt kommen Sie endlich unter dem Tisch heraus", schimpfte der Rotschopf, während er selbst vorkrabbelte. Er kramte in seiner Medikamententasche und ich hörte das feine Klirren von Kristallphiolen, bis er den Kopf noch einmal schnaufend zurück unter die Tischplatte schob. „Ich werde ihr Gesicht und ihre Hand nicht unterm Tisch behandeln!"

„Ich habe Sie nicht darum gebeten, mich zu verarzten", knurrte die tiefe Stimme unterhalb der Tischplatte, aber man hörte das Rascheln und Knarren einer Person, die ihre Glieder sortierte. Mit mehr Stolz und Erhabenheit unter einem Kneipentisch hervorzurobben, noch dazu mit blutigem Gesicht, wäre selbst einer Katze schwergefallen. Ich rang mir einen Funken Respekt für den Gegner ab. Die Futterfrau hatte in der Zwischenzeit eine Wasserschüssel und ein frisches Tuch dazu gebracht. Ohne ein Wort spähte sie erst zum Tisch unter dem der Schwarze gerade hervorgetaucht war, dann zu mir unter eine entfernte Bank. Der Kuppler und der Blonde saßen einträchtig nebeneinander, wo vorher noch der Zauberer mit dem Jungen platzgenommen hatte, und besahen mit Augen groß wie Futternäpfe, wie der Rotschopf den finsteren Zauberer auf die Bank drückte, das Blut mit einem feuchten Tuch von seinem Gesicht tupfend.

„Was haben Sie sich dabei gedacht, den Kater so zu erschrecken?"

„Der Kater, wie Sie sagen, ist in Wahrheit Albus Dumbledore!"

Die Hand des Jungen gefror in der Luft und Wasser tropfte vom schwebenden Lappen auf den Boden.

„Hören Sie auf mich anzusehen, als wäre ich ein Geisteskranker!" bollerte der Schwarze, aber ich bemerkte genau, wie der Rotschopf sich mühte, beim Betupfen des fremden Gesichts die Temperatur der Stirn zu bestimmen. Obwohl der Zauberer die Augen schon derart drohend zusammengekniffen hatte, daß er kaum noch durch den Spalt zwischen den Lidern sehen konnte, ließ er sich nach Hinweisen auf ein Fieberdelirium abtasten, ohne dem Jungen einen Kinnhaken zu versetzten.

„Albus Dumbledore?" zweifelte der Junge.

„Sicher. Nightingale hat ihm von ihrem kleinen Manöver berichtet, deshalb ist er da. Er war auch hier, als wir das Blind Date hatten, um sich zu amüsieren. Bisher kannte ich seine Animagusform nicht, aber noch einmal kann er mich damit nicht belauern."

„Aber Hubert ist Madam Rosmertas Kater! Er ist immer im Drei Besen", stotterte der Junge verzagt.

„Denken Sie, ich merke nicht, wenn man mich beobachtet, Weasley? Ich bin lange genug Spion gewesen, um ein Gespür für Komplotte und Schnüffeleien zu entwickeln. Leider habe ich meine Tube Fauch beim letzten Mal verloren."

„Sie meinen das Zeug, das Eusatce Bonenfants Apothekenversandhandel anbietet?" Unbehaglich trat der Rotschopf von einem Bein aufs andere, blinzelte kurz zu den anderen Männern, dann flüsterte er Ähm, Direktor Dumbledores Animagusform ist aber keine Katze. Harry und ich haben ihm versprochen nichts zu verraten. Er benutzt seine Animagusform nicht oft, sie ist ihm etwas peinlich."

„Sie erwarten nicht ernstlich, daß ich Ihnen das glaube?"

„Wieso nicht?" erkundigte sich der Junge verwirrt.

„Sie haben mich schon mit den Briefen reingelegt. Das sollte reichen."

„Moment mal", schnappte der junge Mann, „ich bin von meinen Brüdern reingelegt worden."

„Na bitte, da haben wir es doch. Das liegt Ihnen im Blut", brummte der Schwarze. „Warum sollte Dumbledore euch sein Geheimnis ausplaudern?"

„Weil wir ihn gesehen haben."

Der schwarze Zauberer äugte skeptisch in das junge Gesicht hinauf. Gerade wurde ihm ein pinkfarbener Sud auf die Kratzwunden getröpfelt. Er schüttelte den Kopf. Die Augen zu Schlitzen verengt, wies er anklagend auf den bebrillten Kuppler und ließ in scharfen Bewegungen aus dem Handgelenk die Finger auf- und abwedeln. Aus dem zusammengepreßten Mund knurrte er: „Was hat das alles zu bedeuten, Potter?" aber der Beschuldigte mochte nicht antworten.

Der Rotschopf sah ihn groß an und drängelte sich schließlich neben dem Zauberer auf die Sitzbank, pflückte dessen Arm aus der Luft und drückte zwei Finger auf die Pulsadern. Seine Lippen zuckten, als murmele er Zahlen vor sich hin; das Gesicht war professionell konzentriert. Von den Anderen erstaunt beobachtet, ließ er vom Arm des schwarzen Zauberers ab, der erschüttert und stumm neben ihm kauerte, und diagnostizierte: „Ihr Puls ist viel zu hoch."

Der Bebrillte grinste etwas anzüglich, während der Blonde nur verständnislos von einem zum anderen äugte.

„Finden Sie es nicht unhygienisch", monierte er schließlich mit Blick auf den Käfig, „Ungeziefer auf dem Tisch zu haben."

„Das ist ein Hamster", schnappte der rothaarige Junge empört. „Er gehört Professor Snape." Dann beugte er sich über den Tisch, öffnete eine Klappe am Käfig und nahm den pelzigen Insassen heraus. Seine Augen huschten warnend in meine Richtung. Ich verstand, aber leckte dennoch schnippisch meine Vorderpfote, den desinteressierten Kater spielend. Der Hamster zappelte energisch im Griff des Menschen, bis der seinen Zauberstab aus der Robe zog und zwei Silben murmelte, die den Hamster schlaff über seine Finger hängen ließen. Armer Kerl! Anschließend wurde der Bauch des Tieres abgetastet und andere private Flecken untersucht, Zähne und Augen geprüft. „Ich kann nichts finden", lächelte der Rotschopf. „Es scheint alles in Ordnung zu sein mit James."

„James?" fragte der Bebrillte plötzlich.

Ein hinterlistiges Lächeln kräuselte die Lippen des schwarzen Zauberers. „Ja, mein Laborhamster", bestätigte er voll diebischer Freude.

Erwartungsvoll betrachtete indessen der Blonde die Szenerie. Als zu seinem offensichtlichen Mißfallen kein Handgemenge entstand, sondern sich die Kontrahenten lediglich giftig anstarrten, trompetete er irritiert: „Was genau passiert hier eigentlich?"

Mitten an dieser spannenden Stelle, noch bevor irgendeine Verwicklung aufgeklärt werden konnte, knarrte die Tür, Messingglöckchen schellten und ein Greis mit langem weißem Bart taperte herein. Zwischen den Schritten klopfte sein Gehstock schwerfällig auf die Dielen. Tock. Tock. Tock. Hinter ihm folgte ein noch viel älterer Greis mit einer Brille auf der Nasenspitze und einem ebenso langen Bart, den er mit seinem Gürtel vorm Bauch festgezurrt hatte. „Bis später, Orpheus", krächzte er, ehe sich die Tür schloß. Die beiden schlurften zwischen den Tischen entlang, als ihre Blicke an den vier Männern und dem Käfig haften blieben. Die Reaktionen waren ganz erstaunlich. Der Blonde versuchte unauffällig mit den Augen zu rollen, während er höflich lächelte, und dem kuppelnden Brillenträger mit der Narbe auf der Stirn strahlte die Freude aus dem Gesicht, wohingegen der Rotschopf wieder purpurn glühte und der Schwarze aschfahl angelaufen war.

Fortsetzung folgt