Buh! Schweiß von der Stirn wisch Das ist ein Monsterkapitel. Aber ich wollte euch nicht allzu lange zappeln lassen. Dass das Kapitel so lange werden würde, habe ich auch nicht gewusst, aber ich habe geschrieben, geschrieben und geschrieben und erst sehr spät einen Punkt gefunden, wo ich Pause machen konnte. Verzeiht meine üblichen Tipp- und Rechtschreibfehler und genießt so gut es geht die Story.

Ausflug

In den ersten paar Minuten saß Harry niedergeschlagen auf dem Sofa der Bibliothek und starrte betrübt vor sich hin. Doch dann gab er sich einen Ruck. Was würde es bringen jetzt stundenlang darüber zu brüten, was er angestellt hatte und was Snape mit ihm tun würde? Mit einem tiefen Seufzer erhob er sich und schritt die Bücherregale entlang auf der Suche nach einem Buch, das er lesen konnte.

Als sein Blick zum Schreibtisch glitt, blieb Harry abrupt stehen. Dort lag immer noch das Buch der Familie Prince. Harry musste zugeben, er war verwundert. Zuerst war Snape so erpicht darauf gewesen, dass Harry es las und in den letzten Tagen hatte er das Buch nicht einmal erwähnt. Warum?

Stirnrunzelnd ging er zum Schreibtisch und zog das Buch zu sich heran. Er klappte es auf und ließ ein paar Seiten durch seine Finger gleiten. Dabei schnappte er ein Wort auf. „Initiation"

Harry schlug die Seite nun komplett auf und las den Rest der Überschrift. „Initiation – der Übergang zum Vampir" Harry hielt kurz inne und überlegte, ob er wirklich weiterlesen wollte, doch die erste Zeile des Absatzes hatte seine Neugierde geweckt. „Alles beginnt mit dem Biss!"

Harry nahm das Buch und ging damit zum Sofa. Dort machte er es sich gemütlich und begann zu lesen.

„Alles beginnt mit dem Biss. Dabei unterscheidet man von drei Typen des Bisses, dem Räuberbiss, dem Vampirsbiss und dem Todesbiss.

Bei allen drei Arten des Bisses wird ein Enzym initiiert, das den Menschen zu einem Vampir verwandelt. Das Enzym gerät durch die Reißzähne des Vampirs direkt in den Blutkreislauf des Gebissenen und breitet sich dort mit rasanter Geschwindigkeit aus.

Es gibt jedoch erheblich unterschiedliche Auswirkung des Bisses abhängig von der Dauer, wie lange der Vampir das Blut des Gebissenen trinkt.

Beim Räuberbiss handelt es sich meistens um Vampire, die willkürlich zuschlagen und ihren Durst nach Blut beim nächstbesten Opfer stillen. Sie saugen nur kurz und alles geht ziemlich schnell von statten. Bei Muggeln kann auch dieser Biss mitunter zum Tod führen. Zauberer erholen sich Dank ihrer magischen Kräfte meistens wieder. Dennoch sie müssen innerhalb eines Mondzyklus Blut trinken, wenn sie nicht sterben wollen.

Der Name Räuberbiss kommt daher, da hier Menschen ihr bisheriges Leben gestohlen wird. Viele Opfer des Räuberbisses haben extreme Schwierigkeiten ihr neues Leben zu akzeptieren und nur wenige finden Anschluss bei Gleichgesinnten. Die Gefahr ist groß, dass sie selbst zu sogenannten wilden Vampiren werden und auf ihren persönlichen Rachfeldzug gehen."

Harry schluckte. Denn es war ihm nun klar, dass er auch eines dieser Opfer war, die durch einen Räuberbiss in ein fremdes Leben gestoßen wurde. Er schlang seine Arme um sich selbst und ließ dann den Blick wieder auf die Zeilen im Buch fallen.

„Unter Vampirsbiss versteht mit im Allgemeinen den Biss unter Familien und Blutsverbündeten. Er wird auf Freiwilligenbasis durchgeführt. Viele alte Vampirsfamilien führen die Initiation ihrer Kinder durch den Vampirsbiss erst durch, wenn diese reif genug sind zu verstehen, was es bedeutet Vampir zu sein. Das Alter der Kinder bei der Initiation kann daher sehr schwanken.

Der wesentliche Unterschied zum Räuberbiss besteht darin, dass der Vampir sich hierbei mehr Zeit lässt. Er trinkt langsamer und länger und produziert nach wenigen Schlucken bereits ein Enzym, welches die Bisswunde des Gebissenen schneller heilen lässt. Meist entsteht zwischen Vampir und Gebissenen ein Gefühl der Verbundenheit. Da ein großes Vertrauen zwischen dem, der den Biss durchführt und dem, der gebissen wird, bestehen muss. Diese Band des Vertrauens nennt man auch Blutsbund"

Erneut stoppt Harry und er dachte zurück an jenen Moment, als er Professor Snape gebissen hatte. Eigentlich hatte er Snape ja überfallen, aber irgendwie war der Professor offensichtlich nicht all zu überrascht, als Harry zubiss. Er hatte Harry sogar aufgefordert, weiter zu trinken. Hatte Snape ihm zu diesem Zeitpunkt bereits genug vertraut? Wie nannte man wohl so einen Biss, den Harry durchgeführt hatte? Und wieso war der Professor der Meinung, dass zwischen ihm und Harry ein Blutsbund bestand? Zu diesem Zeitpunkt hatte Harry Snape überhaupt nicht vertraut.

Andererseits musste er zugeben, dass er dem Professor jetzt vertraute. Irgendetwas zwischen Harry und Snape hatte sich also doch geändert. Harry kam erinnerte sich, wie gut es tat, als Snape ihn gehalten hatte. Sowohl nach der mehr als schmerzvollen Strafe, als auch nach Harrys emotionalen Zusammenbruch.

Ein neuer Gedanke schlich sich in Harrys Kopf. Snape musste ihm wirklich vertrauen, wenn er so ohne weiteres in den Unterricht ging und Harry alleine zurück ließ. Diese Erkenntnis gab Harry erneut einen Stich. Er hatte dieses Vertrauen verletzt. Snape hatte also jedes Recht ihn dafür zu bestrafen.

Mit einem Seufzer senkte Harry seinen Kopf und seine Augen wanderten automatisch zurück zum Buch.

„Die Bedeutung eines Blutbundes und der Vergleich zu dem Familienbund, wird in dem folgenden Kapitel genauer behandelt.

Hier sei nun ein weiterer Biss erwähnt, der sogenannte Todesbiss. Warum er so heißt dürfte jeden klar sein. Der Vampir trinkt bei diesem Biss weit über seinen Durst hinaus. Er stoppt erst, wenn nichts mehr nachkommt. Kein Lebewesen kann so einen Biss überleben. Die Opfer sterben sofort am Blutmangel."

Harry schauderte. Rein theoretisch hätte ihm das auch passieren können.

„Unter den Vampirsfamilien sind der Todesbiss, wie auch der Räuberbiss eine Freveltat. Da diese Art des Bisses alle Vampire schwer in Verruf gebracht haben. Nur wenige Nicht-Vampire können verstehen, dass es Unterschiede zwischen dem Räuber- beziehungsweise Todesbiss und dem Vampirsbiss gibt.

Daher sind die Vampirsfamilien oft zu einem sehr genauen organisierten und oft strengen Lebensstil gezwungen. Vampirskinder die damit aufwachsen, haben damit meist kein Problem.

Doch es gibt auch Kinder, die Opfer eines Räuberbisses wurden. Sie haben es am schwierigsten. Wenn sie keinen Anschluss in Form eines Blutsbundes finden, dann verraten sie sich meist innerhalb von kurzer Zeit.

Die Regierung verschweigt diese Fälle. Aber wenn ihnen ein Vampirskind in die Fänge kommt, muss dieses oft für Experimente zur Forschung für ein Gegenmittel für Vampire herhalten. Diese Kinder werden oft mit Rinder- oder Schweinsblut für einige Zeit am Leben gehalten, aber früher oder später sterben sie.

Aber auch wenn die Kinder Glück haben und Anschluss durch einen Blutsbund finden, haben sie es nicht leicht. Ihnen fällt die Anpassung an ein Leben voller Vorschriften und Regeln die ihr bisher gewohntes Leben massiv einschränken oft sehr schwer. Sie stellen für den Blutverbündeten nicht selten eine ziemliche Gefahr dar bis sie ihr neues Leben akzeptiert haben und den Lebensstil eines Vampirs angenommen haben.

Die Prince Familie ist eine der ältesten Vampirsfamilien überhaupt. Diese Tatsache alleine beweist schon, welch raffinierte Überlebenskünstler sie sind.Diese Familie hat es sich zur Lebensaufgabe gemacht, jene Kinder, die unfreiwillig ins Vampirsleben gestoßen wurden, in die Familie aufzunehmen. Von ihr wurde der Begriff Blutsbund erstmals ins Leben gerufen. Der Blutsbund soll nach dem Familienbund das stärkste Band zwischen zwei, oder auch mehreren Vampiren sein."

Die Unterschiede und Gemeinsamkeiten zwischen Bluts- und Familienbund hatte Harry bereits durch Severus gelernt. Dennoch fand er es faszinierend aus diesen Buch zu lesen und so überflog er auch das nächste Kapitel mit großem Interesse. Ab und zu schnappte er dennoch was Neues auf.

Snape hatte zum Beispiel nie erwähnt, dass man zum eigentlichen richtigen Blutsbund, sich gegenseitig beißen muss. Zwar konnte der Bund auch einseitig existieren, aber der eigentliche Sinn bestand darin, dass jeder den anderen biss. Harry gruselte, er konnte sich nicht vorstellen, wie es war gebissen zu werden.

Seinen ersten Biss hat er sehr schmerzvoll in Erinnerung. Aber es war nicht der Biss, der so schmerzvoll war, sondern, das danach. Diese ganze Mutation und sein Hals, der so angeschwollen war, dass er den Kopf nicht bewegen konnte. Harry wusste zwar jetzt, dass beim Vampirsbiss die Wunde am Hals schneller heilt, durch ein spezielles Enzym. Aber wie schnell? Wie schmerzvoll war es danach.

Harry gruselte es bei dem Gedanken von Snape gebissen zu werden. Er bezweifelte, dass er das nötige Vertrauen dazu haben würde. Wahrscheinlich wusste Snape das auch. Vielleicht hatte er deswegen nichts darüber erwähnt, um Harry nicht zu verunsichern.

Während Harry weiter in dem Buch las, dass ihn irgendwie völlig gebannt hatte, schritt Severus Snape gedankenverloren durchs Schloss. Er war eben bei Dumbledore gewesen, der unbedingt Informationen über Harrys Fortschritt haben wollte.

Dumbledore wollte Harry so schnell wie möglich wieder in den Unterricht schicken. Severus hatte ihm nur mühsam klar gemacht, dass Harry noch nicht so weit war.

„Erst heute, habe ich ihn an der Decke des Clubraums gefunden. Er traute sich nicht mehr alleine runter. Was sollen die anderen denken, wenn Harry anfängt Wände hoch zu klettern. Er hat sich einfach noch nicht unter Kontrolle!" hatte Severus gesagt.

Dumbledore jedoch hatte mit den Augen gezwinkert und gemeint. „Du hältst ihn schon fast über einer Woche bei dir eingeschlossen. Ich vermute er braucht mehr Auslauf. Wenn er doch zumindest zum Unterricht gehen könnte."

„Und was willst du seinen Freunden erzählen, warum er zum Unterricht geht, aber nicht mit ihnen im Gryffindorturm schläft?"

„Du hältst es immer noch zu unsicher für ihn?"

„Ja, Albus! Harry hat noch nicht alle seine Fähigkeiten entdeckt. Wenn er jedesmal dabei so in Panik gerät, wie heute, was meinst du, was dann passieren würde Ich weiß, Harry ist ein heikler Fall und ich weiß, die wildesten Gerüchte kursieren herum, was mit ihm passiert sei, dass er nicht zum Unterricht kann, aber ich versichere dir, es wäre einfach zu gefährlich ihn jetzt schon raus zulassen!"

Dumbledore hatte darauf hin geseufzt und schließlich enttäuscht genickt.

„Ich habe mir übrigens schon etwas ausgedacht, um diesen wilden Gerüchten Einhalt zu gebieten. Kennst du eine Krankheit namens Tollwut?"

Nach diesen Worten hatte der Direktor fragen aufgeblickt „Ich habe den Begriff schon einmal gehört, aber nein, ich weiß nicht was das für eine Krankheit ist."

„Die Tollwut wird von wilden Tieren über einen Biss übertragen und kann ohne rechtzeitige Impfung tödlich sein. Unter Muggeln ist sie sehr bekannt, aber Zauberer wissen so gut wie gar nichts über sie. Diese Tatsache könnten wir nutzen, um eine falschen Fährte zu legen. Sie könnte sowohl Harrys eigenartige Verhalten beim Willkommensfest, als auch sein jetziges Fehlen erklären. Die Gesichte mit der Tollwut ist so nahe an der Wahrheit, dass sie perfekt und glaubwürdig von der Tatsache, dass Harry von einem Vampir gebissen wurde, ablenkt."

„Was für eine brillante Idee!" hatte Dumbledore begeistert gesagt.

Somit war Severus wieder entlassen worden. Aber nun hatte er ein neues Problem, dem er sich stellen musste. Was sollte er mit Harry tun? Obwohl für Harrys falsches Verhalten eigentlich nur eine Strafe in Frage kam, war sich Severus sich dennoch nicht sicher, ob es jetzt, nach drei Stunden noch passen würde. Er hätte es gleich machen müssen. Jetzt würde es nicht mehr dieselbe Wirkung haben.

Harry war zwar alt genug den Zusammenhang zwischen seinem Fehlverhalten und der daraus folgenden Strafe zu begreifen, aber dennoch, sollten die Folgen auf eine falsche Handlung sofort und nicht drei Stunden später passieren.

Und Severus musste sich eingestehen, er konnte verstehen, dass Harry langsam verrück wurde. Der Junge brauchte in der Tat Auslauf, wie Dumbledore es nannte.

Ooo

Als Severus seine Privatbibliothek betrat, fand er Harry tief über ein Buch gebeugt wieder. Sein Gesicht zeigte eine Mischung von Interesse und Abscheu. Der Junge schien Severus nicht sofort zu bemerkten. Doch dann richtete er sich plötzlich auf und sein Kopf schnellte herum in Severus Richtung.

Er konnte nicht verhindern, dass er erschrak, als er Severus erkannte. Schnell senkte er wieder den Blick, als ihn eine Welle von Schuldgefühlen überrollte.

Severus blieb noch eine Weile im Türrahmen stehen. Doch dann stieß er sich ab und ging zu Harry hinüber.

„Was ließt du da?" fragte er mit neutraler Stimme.

Etwas überrascht sah Harry wieder auf. Dann lief er rot an und hielt den Buchdeckel hoch, damit Snape ihn sehen konnte.

„Das Prince-Buch?" Severus war ziemlich überrascht.

Harry nickte nur stumm und blickte verloren auf seine Hände. Darauf hin wurde es einige Zeit sehr still. Harry wusste, dass Severus ihn ansah aber er traute sich nicht den Blick zu erwidern. Zu sehr schämte er sich für sein Fehlverhalten. Doch nachdem es weiterhin still blieb, konnte Harry nicht mehr anderes. Er sah auf und blickte Severus direkt in die Augen.

„Es tut mir Leid, dass ich dich enttäuscht habe. Ich wollte dein Vertrauen nicht zerstören. Ich wollte dich nicht in Gefahr bringen. Ich… ich werde versuchen mich mehr zu beherrschen! Ich weiß zu schätzen, was du hier für mich tust und es tut mir Leid, dass ich ohne dein Beisein meine Kräfte ausprobiert habe. Ich weiß jetzt-"

„Harry. Stop!" Severus hob eine Hand und der Junge verstummte wieder.

Severus schien mit Worten zu raufen, aber schließlich nahm er neben Harry auf dem Sofa Platz.

„Verstehe mich jetzt nicht falsch Harry, was du getan hast war falsch. Aber es ist nur verständlich, dass du das eine oder andere über deine neuen Fähigkeiten erfahren willst. Es wäre wünschenswert, wenn du mir vertrauen würdest, dass wir das alles gemeinsam durchgehen, aber ich verstehe, dass du wenig Grund hast, mir zu vertrauen." Severus hob die Hand erneut als Harry zu einem Protest ansetzen wollte.

Dann sah er Harry tief in die Augen „Vertrauen kommt nicht über Nacht und die Art und Weise, wie du in dieses Leben gestoßen wurdest ist ebenfalls nicht leicht zu verarbeiten. Aber ich kann dir versichern, dass ich nach wie vor Vertrauen in dich habe. Allein die Tatsache, dass du ohne Aufforderung das Regelwerk der Princefamilie liest, zeigt, dass du dir wirklich Mühe gibst, dich anzupassen."

„Aber…" fing Harry an, doch verstummte wieder. Er wunderte sich über Snapes Worte und fragte sich, ob der Professor etwa von einer Strafe absehen wollte.

„Um ehrlich zu sein, Harry. Ich hatte sehr wohl vor, dir den Hintern zu versohlen. Aber ich denke, es gibt eine weit passendere Strafe in diesen Fall."

Harry sah verunsichert drein, nicht wissend wovon Snape sprach.

„Ich denke, du solltest einen Aufsatz darüber schreiben, wieso es dir so schwer fällt Regeln zu beachten. Gehe in dich und überlege, welche Regeln musstest du bisher beachten und wann und warum hast du sie gebrochen. Das könnte uns beiden helfen!"

Nun war Harry sprachlos. Das Thema schien ihm völlig absurd und er konnte sich nicht vorstellen, wie ein derart peinliches Aufsatzthema irgendjemanden helfen könnte.

„Ich…" fing Harry an, aber erneut verstummte er mangels passender Worte.

„Ich weiß, es ist ein etwas unübliches Thema. Aber ich denke es könnte uns behilflich sein Regeln und Konsequenzen festzusetzen, die für uns beide passen."

„Aber… ich weiß nicht." Harry war irgendwie verwirrt.

„Harry, ich biete dir eine einmalige Alternative an, um eventuelle spätere Probleme zu vermeiden. Aber wenn du lieber deinen Hintern versohlt haben willst, dann soll es so sein" sagte Severus ärgerlich. Es irritierte ihn, dass Harry sein Angebot nicht sofort ergriff.

Harry senkte beschämt den Blick. Er verstand das alles nicht. Wieso wollte sich Snape bei ihm Mühe machen. Wieso wollte ausgerechnet Snape, bei Harry eine Ausnahme machen?

„Also gut, Harry. Steh auf!" rief Severus und erhob sich verärgert vom Sofa. Offensichtlich wollte Harry unbedingt eine Tracht Prügel.

„Nein!" rief Harry schnell und sah wieder auf, „Ich schreibe den Aufsatz. Ich verstehe nur nicht, warum du das machst!"

Erst jetzt bemerkte Severus wie verstört Harry über sein Angebot war.

„Ich will dir eine Chance geben, eine Möglichkeit, dich leichter anzupassen! Ich will dir einen Grund geben mir zu vertrauen in dem ich dich teilhaben lasse, in deiner Erziehung zu einem Vampir."

„Aber wieso? Niemand hat mich bisher über meine Meinung zu irgendwelchen Regeln gefragt."

„Genau deshalb!" sagte Severus, „Wenn wir gemeinsam neue Regeln aufstellen, dann wird dir womöglich der Sinn dessen eher bewusst sein, als wenn du dich auferlegten Regeln anpassen musst. Regeln sind überlebenswichtig für einen Vampir, wir werden nicht drum herum kommen. Aber wir können einen Weg finden, der für uns beide passt. Und dieser Aufsatz könnte dafür einen Grundlage bilden."

Harry nickte. Ein derartiges Entgegenkommen von seitens Snape hatte er nicht erwartet. Schon gar nicht nach seinem Fehlverhalten. Aber die Logik hinter dem Aufsatz und dem was Snape eben gesagt hatte leuchtete ihm ein und er nahm sich vor, diesen Aufsatz mit äußerster Sorgfalt zu schreiben.

ooo

Obwohl die Last der Bestrafung von Harrys Schultern genommen war, wurde er die bedrückte Stimmung nicht los. Beim Abendessen stocherte Harry lustlos in seinem Essen herum. Severus bemerkte es und er wusste, er musste etwas dagegen tun. Harry bekam hier wirklich noch Lagerkoller.

„Okay. Harry, komm mit!" sagte Severus entschlossen und stand auf.

Harry sah verwundert von seinen halbleeren Teller auf. „Aber ich bin noch nicht fertig!"

„Du hast sein geschlagenen fünfzehn Minuten keinen Bissen mehr zu dir genommen. Ich würde meinen, du bis mehr als fertig" antwortete Severus.

Harry senkte betrübt den Kopf, „Tut mir Leid. Ich weiß nicht, was mit mir los ist"

„Aber ich weiß es, also komm!"

Verwundert und ein wenig neugierig folgte Harry Severus, der den Jungen in dessen Zimmer führte.

„Ich bin nicht müde!" sagte Harry, als er sein Bett sah.

„Ich weiß" gab Severus zurück und ging zum Fenster, um einen Blick hinaus zu werfen. Dann sagte er zu sich, perfekt und wandte sich wieder zu einem völlig perplexen Harry um.

„Wir werden einen Ausflug machen!" erklärte er knapp.

„Einen Ausflug?" wiederholte Harry unsicher.

„Ja. Du hast es schon mehr als dringend nötig etwas Frischluft zu bekommen!"

„Aber es ist schon dunkel!" gab Harry zu bedenken.

„Eben! Da fallen zwei Fledermäuse wohl kaum auf!" sagte Severus.

„Zwei Fledermäuse? Du… du willst fliegen?" fragte Harry stotternd.

„Meinst du ich lass dich alleine raus?" fragte Severus erneut verärgert, da er Harry missverstand.

„Nein. Aber fliegen? Können wir nicht einfach nur so rausgehen?" bat Harry.

Nun war Severus verwundert. „Seit wann hast du Angst vom Fliegen?"

„Na ja. Auf einen Besen fliegen stört mich nicht, aber selber?"

„Hab etwas mehr Selbstvertrauen. Wichtig ist, dass du nicht panisch wirst. Lass dich zwischen den Flügelschlägen ein bisschen gleiten, wenn du müde wirst. Du stürzt nicht ab, das hast du doch heute schon bemerkt."

„Ja, aber da bist du unter mir gestanden und konntest mich auffangen!"

„Harry, du bist doch sonst nicht so zögerlich, wenn es ums Entdecken geht!"

„Aber wie verwandle ich mich und was, wenn ich mitten im Flug mich verwandle?"

Severus unterdrücke den Drang mit den Augen zu rollen. „Das wird nicht passieren. Als Vampir hast du sehr gute Instinkte. Dein Körper wird nicht auf die Idee kommen sich in einen Menschen zu verwandeln während du fliegst. Du hörst ja auch nicht plötzlich auf zu atmen und erstickst. Fliegen in Fledermausform ist genauso ein Instinkt, wie Atmen um zu leben."

Schließlich nickte Harry und stellte sich neben Severus zum Fenster um einen Blick hinaus zu werfen.

„Du musst immer in meiner Nähe bleiben und tun was ich dir sage!" sagte Severus schließlich, „Sonst landest du doch noch über meinen Knien!"

Wieder nickte Harry. Er hatte nicht vor sich von Snape zu entfernen.

„Vergiss nicht, als Fledermaus kannst du zwar nicht reden, aber die Telepathie funktioniert. Wenn du mir etwas mitteilen willst dann hier mit!" bei diesen Worten tippe Severus auf Harrys Stirn.

„Ist gut" sagte Harry und sah Severus zu, wie er das Fenster zu Harrys Zimmer öffnete.

„Es gibt zwei Varianten sich in eine Fledermaus zu verwandelt. Du springst einfach. Dann verwandelst du dich im Flug. Oder du konzentrierst dich darauf wie es ist, eine Fledermaus zu sein" erklärte Severus dem Jungen. „Ich würde vorschlagen du gehst vor mir!"

Harry kletterte aufs Fensterbrett und blickte die Schlossmauer hinunter. Sehr hoch oben war er gar nicht. Dann schloss er die Augen und erinnerte sich an den Zustand in dem er war, als er an der Decke des Clubraums hing.

Er spürte ein Kribbel, das sich durch seinen Körper zog und als er die Augen wieder öffnete, sah die Welt ganz anderes aus. „Es hat geklappt!" wollte er sagen, aber heraus kam nur ein Fiepen.

Via Gedanken! Schon vergessen? Hörte Harry eine Stimme in seinem Kopf.

Es hat geklappt wiederholte sich Harry.

Dann, worauf wartest du? Wollte Severus wissen.

Harry hopste den Fenstersims entlang und drehte sich dann erstaunt zu Seite. Eine zweite Fledermaus saß neben ihm.

Es war mehr als ungewohnt Professor Snape so zu sehen. Aber die Kohlraben schwarzen Augen, die sich nun in die seinen bohren waren dieselben wie immer.

Nach dir sagte Severus und wartete, dass Harry endlich los flog.

Harry ließ sich schließlich nach vor fallen und breitete seine Flügel aus. Sobald er keinen Halt mehr mit den Füßen hatte begann er wie wild zu flattern.

Ruhig Harry, wir sind hier nicht auf einer Hetzjagd. Sie mich an, ich mach gerademal halbsoviele Flügelschläge wie du und ich fliege auf selber Höhe mit dir. Severus flog ein wenig voraus damit Harry ihn sehen konnte, ohne sich groß verrenken zu müssen.

Harry atmete tief durch und versuchte sich zu beruhigen. Aber es wollte nicht so richtig gelingen.

Rauf, runter, rauf, runter… du musst einen Rhythmus finden. Wie beimSchwimmen! Gab Severus die Anweisung.

Ich kann nicht schwimmen. Sagte Harry verzweifelt.

Du kannst nicht schwimmen? Wunderte sich Severus, das erklärt natürlich so einiges. Okay, dann machst mir einfach nach. Rauf. Runter. Rauf. Runter.

Nach einiger Zeit flatterte Harry tatsächlich mit Severus im Gleichtakt und langsam bekam er das Gefühl für den Rhythmus.

Ja, so sieht das Ganze schon viel besser aus meinte Severus zufrieden, als er sich nach einer Weile an Harrys Seite zurück fallen ließ Geht doch!

Gemeinsam flogen Harry und Snape Richtung Wald und dann parallel zum See weg vom Schloss. Nachdem der Flügelschlagrhythmus bald genauso automatisch wurde, wie das atmen, konnte Harry den Wind in seinen Flügeln und die kühle Landschaft unter sich genießen. Er hatte fast vergessen wie schön es war im Freien zu sein.

Schließlich flog Severus einen Bogen und Harry folgte ihm zu einem großen Felsen nahe dem See. Gut gelandet, verwandelte sich Harry zurück in einen Menschen und starrte staunen zum Schloss zurück. Aus der Ferne mit den zahlreichen kleinen Fenstern aus denen Licht kam, sah das Schloss wunderschön aus. Über Hogwarts leuchtete der Mond in einer dünnen Sichel. Abnehmend, wie Harry feststellte.

„Wow!" sagte Harry schließlich. „Die Aussicht ist herrlich!"

„Ja, das ist sie!" sagte Severus und setzte sich auf den Felsen. Harry stand noch eine Weile, doch dann setzte er sich ebenfalls und blickte auf die Wellen des Sees in denen sich die Lichter des Schlosses spiegelten.

„Können wir beim Rückweg über den See fliegen?" fragte Harry.

„Das würde nicht gut gehen!" kam die Antwort.

Harry ließ seinen Blick zur Seite schweifen und sah Severus an. „Warum?"

„Vampire und Wasser vertragen sich nicht so gut. Es muss mit dem Kraftfeld des Wassers zu tun haben, jedenfalls verlieren wir über Wasser sehr schnell unsere Orientierung. Wenn du versuchst über Wasser zu fliegen, dann kann es tatsächlich passieren, dass eine Fledermaus abstürzt" erklärte Severus seinem Schützling.

Harry runzelte die Stirn. Er konnte sich nicht vorstellen wieso er nicht über Wasser fliegen können sollte.

„Glaube mir, Harry. Du willst es nicht ausprobieren!" versicherte Severus.

Nachdenklich blickte Harry wieder über das Wasser. Als er das Spiegelbild des Mondes erblickte sah er hoch zum echten Mond.

„Es dauert nicht mehr lange bis es Neumond ist, oder?" fragte er schließlich.

Severus folgte Harrys Blick und sah nun ebenfalls zum Mond. „Du hast Recht. Es sind noch fünf Nächte bis dahin."

„Und dann macht ihr die Blutfeier?" fragte Harry weiter. Das Thema war ihm immer noch unheimlich, da er sich nicht vorstellen konnte was bei so einer Feier passierte.

Wir machen sie, Harry. Du bist jetzt auch ein Teil davon."

„Heißt das, du wirst mich beißen?"

„Wie kommst du jetzt darauf?" fragte Severus verwundert, er konnte sich nicht daran erinnern so etwas Harry gegenüber erwähnt zu haben.

„Na ja, in dem Buch steht, dass der Blutsbund erst komplett ist, wenn jeder den anderen gebissen hat"

„Das ist schon richtig. Die Frage ist nur, ob du wirklich mit mir einen kompletten Blutsbund eingehen willst. Du solltest einmal die anderen aus dem Club kennenlernen. Normalerweise schließen die Schüler untereinander Blutsbunde."

„Aber… ich dachte… haben wir nun einen Blutsbund, oder nicht?"

Severus wurde für einen Weile still. Dann sagte er, „Ja wir haben einen Blutsbund, sonst könnte ich mit dir nicht telepathisch Kontakt aufnehmen, aber unser Bund ist relativ schwach."

„Weil du auch mich beißen müsstest, oder?"

„Ja"

Harry schlang seine Arme um seine hochgezogenen Beine. Es machte ihm Angst.

„Aber zerbricht dir deswegen nicht den Kopf. Ich werde es nicht tun. Ich beiße keine Kinder. Es wäre besser, wenn du dich mit einem Schüler bindest. Ich glaube, Draco wäre an einer Partnerschaft interessiert. Du musst wissen, dass das eine Ehre ist. Denn Draco, hat bis jetzt jeden abblitzen lassen."

„Aber ich kann doch keinen zweiten Bund eingehen. Das ist doch ein Verstoß" erinnerte sich Harry an das Gelesene.

Severus zog eine Augenbraue hoch und saß Harry überrascht und belustigt an. „Hört, hört, was der Junge plötzlich alles weiß."

Harry grinste verlegen.

„Nun, Harry. Wenn du einen Bund außerhalb der Schule eingehen würdest, hättest du wohl Recht. Aber der Club der Schwarzmondjäger ist wie eine große Familie. Innerhalb einer Familie können mehrere Bündnisse eingegangen werden. Außerdem hast du mein Einverständnis."

Harry nickte. Aber dennoch nagte etwas in ihm, dass er kaum auszusprechen wagte. Etwas an Snapes Aussage störte ihn. Er seufzte, ließ den Kopf hängen und fuhr mit den Fingern die Kontur seiner Zehen entlang.

„Was ist es, spuck es aus!" sagte Severus nachdem er den Jungen eine Weile beobachtet hatte.

Harry hob den Kopf und ließ den Blick wieder über das glitzernde Wasser blicken. „Wieso soll ich mich lieber mit Draco verbünden? Magst du keinen Blutsbund mit mir?" bei den letzten Worte hatte Harry den Kopf zur Seite gedreht und Severus direkt in die Augen gesehen.

Severus hielt Harrys Blick stand und suchte fieberhaft nach den passenden Worten.

„Das ist es nicht Harry" sagte er schließlich, „Du machst mir nur den Eindruck, dass du noch nicht bereit bist, dich von mir beißen zu lassen und ich weiß nicht auch nicht, ob ich dazu bereit bin. Ich habe das schon lange nicht mehr gemacht. Ein Bund ist etwas Besonderes. Wenn man einen starken Bund verloren hat, tut man sich schwer sich neu zu binden.

Als ich diesen Club eröffnet habe, hatte ich nie vor, einen Bund mit einem Schützling einzugehen. Ich wollte objektiv bleiben. Aber bei dir war es irgendwie etwas anderes. Ich weiß nicht, wieso, aber ich habe es bei dir zugelassen. Ich hätte verhindern können, dass du mich beißt, wenn ich es wirklich gewollt hätte.

Ich denke dennoch, für den Anfang fällt dir ein Bund mit einem gleichaltrigen wahrscheinlich leichter. Irgendwann wirst du vielleicht auch für mich bereit sein, oder auch nicht. Es ist deine Entscheidung, ich werde nichts tun, was du nicht willst"

Harry lächelte zaghaft. Severus verstand ihn offensichtlich besser, als er gedacht hätte.

„Wir müssen dann zurück!" sagte Severus und stand auf.

„Können wir morgen wieder hier her fliegen?" fragt Harry als er sich langsam erhob.

„Ich weiß noch nicht. Ich habe eine Menge Arbeit um die Ohren."

Harry sah enttäuscht drein. Severus warf dem Jungen einen langen nachdenklichen Blick zu, dann sagte er langsam, „Wahrscheinlich werde ich es bereuen, aber ich kann ja Draco fragen."

Harrys Augen begannen zu leuchten. „Wirklich?"

„Vorausgesetzt ihr benehmt euch beide!" fügte Severus mit strengem Ton hinzu.

Harry nickte wild.

Ooo

Der Flug zurück dauerte nicht sehr lange und Harry war ein wenig enttäuscht, als er am Fenstersims landete und ins Innere seines Zimmers flatterte. Mit Staunen sah er Severus zu, der sich im selben Moment, als er durch Fenster flog, zu einem Menschen zurück verwandelte und sanft auf den Füßen aufkam. Harry nahm sich fest vor das zu üben.

In dieser Nacht schlief Harry so gut wie schon lange nicht mehr. Er träumte davon wie er über den See flog und seinen Freunden zu winkte, die so verblüfft waren, dass sie beinahe ins Wasser stolperten, als sie ihn beobachteten.