Vielen Dank für die lieben Reviews, Ebony-zoot und Kleines! Ich weiß selber noch nicht ganz wo mich die Geschicht hinführen wird, ich lass mich da mal überraschen. ;-)

Liebe Grüße Gaby

12 Alle Potters und Grangers dieser Welt

Ruhelos schlich er durchs Schloss, darauf achtend nicht geschnappt zu werden. Ein leises, kratzendes Geräusch ließ ihn stehen bleiben und sich hastig nach einem Versteck umsehen. Fluchens sprang er hinter einen der langen Wandvorhänge, die es Merlin sei Dank zuhauf im Schloss gab. Ein Schatten bewegte sich vor dem Vorhang beinahe lautlos vorbei. Severus hielt unbewusst die Luft an. Egal wer hier entlang schlich, entdeckt zu werden, war das Letzte, was er brauchen konnte.

Er schloss die Augen um sich selbst auf das leiseste Geräusch konzentrieren zu können. Das hätte niemals passieren dürfen. Früher war er es gewesen, der auf der Jagd war und nun war er der Gejagte. „Danke Dumbledore", knurrte er leise und richtete dabei den Blick nach oben. Severus holte zweimal tief Luft und schob vorsichtig den Vorhang ein kleines Stück zur Seite. Der Gang war zu beiden Seiten leer und er wieder alleine. Erleichtert verließ er sein Versteck und machte sich wieder auf den Weg.

Eigentlich wusste er gar nicht, wohin er wollte, oder vielleicht doch? Seine Schritte brachten ihn wie von selbst zu dem Geheimweg der angeblich zu Voldemort führte. Vermutlich war das sein Schicksal und die beste Gelegenheit es ein für alle Mal es zu Ende zu bringen, bevor dieser richtig loslegen konnte. Er hatte Lily getötet und Hermione umgebracht. Entschlossen griff er nach dem verborgenen Hebel, doch eine Stimme ließ ihn mitten in der Bewegung gefrieren.

„Was machst du hier?", fragte sie kalt und jedes einzelne Wort dabei scharf betonend. Dieses widerliche, aufdringliche Gör. Überall wo er hinging, stolperte er über sie. Selbst in seinen Träumen wollte sie bereits einen Platz einnehmen, da war er sicher, sofern sie ihn überhaupt Schlaf finden ließ. Sie war sein wahr gewordener Albtraum. Seine von Dumbeldore gesendete Nemesis.

„Miss Granger was machen sie hier?", unwillkürlich war er in seine alten Gewohnheiten zurückgefallen, einschließlich der wie er mit ihr sprach. Er drehte sich um zu ihr, eine Augenbraue fragend in die Höhe gezogen, so blickte er sie bewusst abweisend an. Früher konnte er sie mit diesem Blick spielend einschüchtern, aber selbst auf das war kein Verlass mehr.

„Ich habe zuerst gefragt!", erwiderte sie trotzig und hielt seinem Blick, wies aussah, mühelos stand. Sie hatte die Letzten sie noch trennende Meter überwunden und stand nun fast direkt vor ihm.

*

Ärgerlich zerwühlte sie das Kissen um dann erneut wieder drauf einzuschlagen und sich dabei vorzustellen es wäre sein Kopf. Sie war immer noch so wütend auf ihn und deshalb fand sie keine Ruhe, denn er raubte ihr auf sehr, sehr unangenehme weise den Schlaf und dafür alleine hasste sie ihn schon. Irgendwann gab sie den Gedanken an Schlaf einfach auf und erhob sich. Lautlos schlich sie aus dem Schlafsaal in den Gemeinschaftsraum und sah gerade noch, wie Severus den Kerker verließ. Ihre Augen verengten sich zu schmalen Schlitzen. Dieser Bastard! Wie konnte er es wagen?

Zuerst verhinderte er das sie einschlafen konnte und nun marschierte er, eigensinnig und bis zum Umfallen stur, wie er war, bestimmt zum Geheimgang. Ganz alleine wollte er sich Voldemort stellen und ihn vernichten. Das war wieder so typisch für ihn und sie war so unglaublich dumm. Sie hätte es wissen müssen. Natürlich. Zuerst vertrieb er sie alle, und sobald er sicher war, dass sie in ihrem Bettchen vermeintlich friedlich tief und fest schlummerten, schlich er sich zurück zum Geheimgang und versuchte wieder einmal als Held dazustehen. Er war ja so erbärmlich, aber nicht mit ihr.

Sie kam mit, ob er es wollte oder nicht, war ihr egal. Leise schlich sie hinter ihm her, versuchte aber dabei genügend Abstand zu ihm zu halten, nicht dass er sie noch sah. Gerade bog er in den nächsten Gang ein, der sie natürlich zu dem älteren Teil des Schlosses und zum Geheimgang brachte. Als sie in den Gang einbog, war von ihm nichts mehr zu sehen. Überrascht blieb sie stehen. Wohin war er nur verschwunden? Lautlos schlich sie weiter, dabei sah sie sich gründlich nach allen Seiten um. Aus dem Augenwinkel nahm sie eine Bewegung war. Hatte sich nicht gerade der Wandvorhang auf ihrer rechten Seite ein kleines bisschen bewegt?

Genau beobachtete sie ihn, aber er rührte sich nicht. Sie tat es als Einbildung ab und schlich weiter. Sie erreichte den Zugang zum Geheimgang, doch von Severus war nichts zu sehen. Hatte sie sich geirrt? Sie lief um die Ecke, dorthin wo sie sich vor Mulciber verstecken wollten, doch auch da war er nicht. Komisch, sie hätte schwören können, dass er genau hier herkam. Sie ging in Gedanken zurück und entdeckte ihn. Er stand vor dem Geheimgang und wollte gerade den Hebel umlegen.

Arrogant stand er da, die Arme abweisend vor der Brust verschränkt.

„Nicht dass ich ihnen irgendeine Erklärung schuldig wäre, immerhin bin ich immer noch ihr Lehrer und sie …"

Weiter kam er nicht, Hermione fiel ihm zornig ins Wort.

„Hast du da nicht eine winzige Kleinigkeit vergessen?"

„Ach ja?"

Hermione schnappte wütend nach Luft und packte ihn fest am Ärmel.

„Komm mit!", befahl sie scharf und zog ihn mit sich.

Im ersten Moment war er tatsächlich zu verblüfft um sich zu wehren und ließ sich einfach mitziehen. Doch schon nach einigen Metern stemmte er plötzlich die Fersen in den Boden und riss sie zurück. Sie prallte mit ihrem Rücken gegen ihn. Unbewusst legte er die Arme um sie, um ihr so Halt zu geben, bis sie ihr Gleichgewicht wieder fand. Für einen Augenblick blieb ihr die Luft weg und sie konnte sich nicht bewegen, doch dann rückte sie energisch von ihm weg.

„Was soll das?", fragte sie grob, dabei klang ihre Stimme leicht atemlos. Ihm so nahe zu sein, sprichwörtlich in seinen Armen zu liegen, war für sie eine völlig neue Erfahrung. Das war immer noch Snape und nicht irgendwer. Leicht fahrig strich sie sich das Haar aus der Stirn und räusperte sich.

Severus war ähnlich verwirrt. Wie lange war es her, das er etwas anders als eine Wärmeflasche so nahe an sich heranließ? Ausgerechnet eine Schülerin musste er in den Armen halten. Obwohl es, so kurz es auch gewesen war, eine wider Erwarten sehr angenehme Erfahrung war. Leicht schüttelte er den Kopf um diese verwirrenden Gedanken loszuwerden. Er hatte nur deshalb nie eine Frau in den Armen gehalten, weil es sich eben einfach nicht ergeben hat. So was war völlig normal. Darüber brauchte man sich bestimmt nicht den Kopf zerbrechen. Er hatte eindeutig Wichtigeres zu tun.

„Ich werde nirgendwo mit dir hingehen, es sei den du verrätst mir, wohin du mich zur Hölle noch mal bringst!" Zu Anfang kamen die Worte noch ruhig über seine Lippen, doch dann wurde er immer lauter und heftiger.

„Zu einem Spiegel, du Idiot! Du scheinst vergessen zu haben, dass du selber nichts anderes als ein Schüler bist, und zwar freiwillig!", schrie sie ihn leicht hysterisch an.

Was war nur los mit ihr? Sie fühlte sich ganz durcheinander. Wie lange war es her, dass ein Mann sie in den Armen hielt? Victor Krum war der Letzte gewesen. Vielleicht noch Ron, kurz vor ihrem Tod, aber zählte das wirklich? Wohl kaum. Und nun Professor Snape.

„Ich habe gar nichts vergessen! Vor allem nicht Lord Voldemort!" Er wollte nicht über die albernen Gefühle, die ihn ungefragt quälten, nachdenken. Auch nicht über Hermione, oder warum es sogar nicht unangenehm war, sie, wenn auch nur für kurze Zeit, in den Armen zu halten.

„Und ich brauche keinen verdammten Spiegel, um zu wissen, wer ich bin!" Er brauchte seine Ruhe, das war alles. Severus kehrte ihr den Rücken zu und stapfte Richtung Geheimgang davon. Hermione war im ersten Moment zu verblüfft, um darauf reagieren zu können, doch dann wurden ihre Augen schmal und die Wut stieg wieder in ihr auf. Wie konnte er es wagen?

Zuerst versuchte er wieder im Alleingang Voldemort das Handwerk zu legen, dann schlich er sich noch in ihre Gedanken ein, wo er nichts verloren hatte und zu guter Letzt umarmte er sie, was natürlich ein dummer, unangenehmer Unfall war. Kurz schloss sie die Augen. Unangenehm war es eigentlich nicht gewesen. Warm, fest, sicher, vielleicht auch noch geborgen, das war es, was sie gefühlt hatte.

Hastig schob sie diese Gedanken beiseite, es gab Wichtigeres auf das sie sich konzentrieren sollte. Severus stand wieder im Begriff den Geheimgang zu öffnen um zu Voldemort zu gelangen. Schnell folgte sie ihm. Auf keinen Fall würde er ohne sie gehen.

*

Severus betätigte den Hebel und die Geheimtür schwang lautlos auf. Erneut wollte er sich auf den Weg machen, als ihn wieder eine Stimme aufhielt. „Ich habe es gewusst, du miese, kleine, fettige Ratte!" Severus biss die Zähne zusammen, zählte innerlich bis drei, bekanntlich sollte das Helfen die Wut zu lindern, bei ihm scheinbar nicht und schwang dann herum. „Potter und sein nervtötender Fanklub!", kam es zynisch über seine Lippen. Hinter ihm standen James, Sirius und Remus. Er musste versuchen sie loszuwerden. „Was du auch?" Sirius hatte Hermione entdeckt, als sie zu ihnen aufschloss, und sah sie überrascht an. Ihr hätte er so einen gemeinen Verrat nicht zugetraut. Hermione blickte überrascht von einem zum anderen. Wo waren die alle auf einmal hergekommen? Sie öffnete schon den Mund um die Sache richtigzustellen, doch dann schloss sie ihn wieder. Wie leicht wäre es jetzt gewesen die Wahrheit zu sagen? Zu sagen, dass auch sie Severus bei dem Versuch alleine zu Voldemort zu gelangen erwischt hatte? Aber warum, bei Merlin, brachte sie es nicht über sich? Das lag vermutlich am Schlafmangel. Severus fiel ihr zögern auf, scharf sah er sie an, wartete darauf, dass sie ihnen sagte, wie es wirklich wahr, aber es kam nichts. Ob sie Mitleid mit ihm hatte? Er hasste Mitleid! „Ich gehe alleine und keiner von euch, die nachts ihren Turm gar nicht verlassen dürften, kommen mit", erklärte er ruhig und sah sie alle betont gelassen an. „Ach ja?", beeilte sich Sirius dazwischen zu rufen und machte einen Schritt nach vorne. Er würde sich bestimmt nichts von Schniefelus befehlen lassen Er nicht. „Damit das klar ist, wir kommen mit!" James hatte sich neben Sirius aufgebaut und die Arme in die Seiten gestemmt. Innerlich verdrehte Severus die Augen. Das war sein Fluch. Jedes Mal, wenn er sich dachte, er wäre sie losgeworden, standen sie plötzlich wieder hinter ihm und meinten sie könnten mit ihm mitkommen. Er war doch kein verdammtes Kindermädchen! „Gemeinsam haben wir bestimmt eine bessere Chance mit diesem Voldemort fertig zu werden.", versuchte Remus ihn umzustimmen. „Du gehst auf keinen Fall ohne uns!" Hermione hatte sich resolut an James andere Seite gestellt. Severus blickte in die entschlossenen Gesichter, nicht wissend was er davon halten soll. „Ich bewundere so viel Heldenmut.", seine Stimme triefte vor Zynismus. „Was wollt ihr dort tun? Voldemort mit klugen Sprüchen so lange nerven, bis er freiwillig aufgibt?" Fragend blickte er in die Runde. „Dann habe ich eine Neuigkeit für euch, so wird das nicht funktionieren. Er wird euch töten und ihr könnt gar nichts tun, außer es geschehen lassen." Er versuchte es so ruhig wie möglich zu sagen, um ihnen den Ernst der Situation begreiflich zu machen, aber so einfach war das nicht. „Du hältst uns wohl für schwach, aber das sind wir nicht. Wenn du wüsstest, was wir schon alles …" „Halt die Klappe, Sirius!" James Augen hatten sich panisch geweitet. Sirius stand knapp davor Severus all ihre Geheimnisse auszuplaudern. „Wir kommen mit, oder holen Professor Dumbledore. Dann kann er entscheiden, was weiter passiert." James stellte ihm ein Ultimatum. Severus wurde weiß vor Zorn. Es war wie damals, in seinem alten Leben. Nur nervte ihn da nicht James, sondern sein Sohn Harry. Das war sein Fluch. Auf ihm lag bestimmt der Potterfluch. Egal, in welches Leben er zurückkehrte, immer wieder war einer von ihnen da. „Wenn ihr unbedingt sterben wollt …" Severus zuckte gleichgültig mit den Schultern. Was ging es ihn an? Nichts! Er hatte seine Schuldigkeit erfüllt, er hatte sie gewarnt, aber wie immer wollten sie nicht hören. Wenigstens war Lily in Sicherheit, und wenn er nun auch noch Hermione loswurde, dann … Moment, wohin zum Hippogreif verliefen sich seine Gedanken schon wieder? Hermione bedeutete ihm gar nichts. Sie waren nur zufällig … gut er hatte sich dafür entschieden hier herzukommen und Hermione war wie immer von Dumbledore dazu überreden worden. Vermutlich war zufällig doch nicht das richtige Wort für ihre Situation. Leicht schüttelte er sich. Er spürte bereits, wie sich erste Kopfschmerzen ankündigten. Kein Wunder, das er im Alter unter diesen so heftig zu leiden hatte, wenn sie ihn schon in so jungen Jahren quälten. Und das alles wegen den Potters und Grangers dieser Welt. „Also gut. Wir werden uns dort umsehen, nur umsehen …" Scharf sah er auf Sirius. Er traute ihm nicht. „Und dann gehen wir wieder." Sein Blick wanderte von einem zum Anderen. „Es wird nichts angefasst, es wird nicht gesprochen … ihr dürft nicht einmal atmen, außer ich erlaube es." Sirius schöpfte schon zornig Luft um Severus seine Meinung zu sagen, doch James hielt ihn am Arm fest. „Gehen wir heute noch, oder willst du uns die ganze Nacht die Ohren zuquatschen?", fragte James leicht spöttisch und fing sich dafür einen tödlichen Blick ein. Schwungvoll drehte Severus sich auf dem Absatz um und betrat den Geheimgang. James Frage verdiente keine Antwort. Grinsend folgten James und Sirius und dahinter ging Hermione neben Remus her. „Manchmal wünsch ich mir ein bisschen Frieden und Ruhe", murmelte Remus neben ihr. „Tja dann wirst du dir wohl andere Freunde suchen müssen", wisperte sie leicht scherzhaft und schenkte ihm ein Lächeln, das ihr schon bald verging. Der Gang wurde immer düsterer und unheimlicher je tiefer sie vordrangen.