„Fünf, vier, drei, zwei, eins..."

Weiter kam er nicht. Dann explodierte die halbe Scheune. Ehrlich gesagt hatte ich schon mit so etwas gerechnet, und musste nicht einmal mehr hinschauen. Stattdessen nutzte ich das Ablenkungsmanöver und fuhr herum, die Schwerter schon wieder in den Händen. Jetzt war ich wirklich froh, dass irdische Metalle um einiges schwächer waren als das Cybertanium meiner Schwerter... Innerhalb kürzester Zeit waren die Waffen derer, die uns bedroht hatten, nur noch Schrott.

„Lauft! Wir kommen nach!", fuhr ich Mia, Tessa und Cade an, kurz angebunden. Ich hatte jetzt wirklich keine Zeit, um nett zu sein. Ohne darauf zu warten, ob sie tatsächlich auf mich hören würden, wandte ich mich wieder den Angreifern zu.

Es können nur wenige Sekunden gewesen sein, bis Optimus dicht genug an mir vorbeifuhr, dass ich mich gerade so festhalten konnte.

Mitten in der Fahrt entschied ich mich allerdings um. Optimus kam klar, aber ich machte mir schon Sorgen um Mia, Tessa und Cade. Mia hatte zwar inzwischen schon etwas Erfahrung gesammelt, aber die anderen zwei...

Sobald wir nahe genug dran waren, dass ich sie mühelos einholen konnte, sprang ich ab, nur ein kleiner Teil meines Prozessors darauf fokussiert, einen passenden Treffpunkt zu finden. Ich schlug hart auf dem Boden auf, rollte mich ab und rannte los, ohne auch nur annähernd anzuhalten. Meine Sensoren hatten unsere Freunde nur wenige hundert Meter vor mir in dem Feld ausgemacht, das an das Grundstück der Yeagers grenzte. Ein gutes Versteck, zumindest vor anderen Menschen.

Auf die wortlose Nachfrage hin, die mir Optimus über Comm. zusandte, erwiderte ich: 'Ich schütze sie.' Es war selbstverständlich, wen ich meinte.

'Treffpunkt verlassenes Industriegelände.' Darauf folgten Koordinaten, die nur für jemanden mit eigenem GWPS einen Sinn machen würden.
'Sei vorsichtig.', meinte er, dann blockierte er den Comm. Nicht, dass man uns darüber noch ortete!

Nur ein paar Klik später hatte ich die anderen drei dann endlich erreicht. Und musste mich ihnen auch prompt erst einmal in den Weg stellen, damit sie nicht auch noch anfingen, vor mir wegzulaufen...

„He, hallo, ich bin's doch!", rief ich gerade noch rechtzeitig, bevor sie wieder umkehren konnten. Schlitternd kamen sie nur wenige Meter vor mir zum Stehen, überrascht. Darauf ging ich gar nicht erst weiter ein, sondern fuhrt fort: „Ich habe mit Optimus einen Treffpunkt hier in der Nähe ausgemacht. Wir müssen nur ein kurzes Stück durch die Stadt, und..."

Der Rest meines Satzes wurde von einer Explosion übertönt, die aus Richtung des Grundstücks kam.

„Wir müssen weiter, los jetzt!", drängte ich sie, hatte aber keinen Erfolg. Alle drei starrten zu der Rauchsäule, die jetzt auch schon über den Pflanzen ringsum sichtbar war.

„Unser... Zuhause...", stammelte Tessa, fassungslos. Ich konnte mich gerade noch so davon abhalten, laut aufzustöhnen. Sie wussten nicht, wie sich echter Krieg anfühlte, selbst Mia noch nicht, die ja gerade mal einen Vorgeschmack bekommen hatte. Zivilisten. (Und das meinte ich jetzt nicht abwertend, ganz im Gegenteil! Ich war schon fast neidisch!)

„Ich weiß.", meinte ich leise, ruhig, beruhigend. „Aber ihr könnt jetzt nicht zurück. Wir müssen weiter, sonst finden sie uns. Ihr könnt später darüber nachdenken."

„Und was wird dann aus uns?!", wollte Tessa wissen. Sie stand kurz vor einer Panikattacke, das konnte ich sehen. Nicht, dass ich es ihr verdenken würde, schließlich hatte sie gerade ihr Zuhause verloren, nur... momentan hatten wir einfach keine Zeit dafür!

„Wir lassen euch nicht einfach zurück.", erklärte ich, meine Geduld schon etwas... dünn. „Und jetzt los!" Diesmal liefen sie tatsächlich los. Und obwohl ich mein Tempo ihnen anpassen musste, was dann doch schon ein ganzes Stück langsamer war, schafften wir es, die Stadt ohne weitere Probleme zu erreichen. Dort konnten wir dann auch endlich in der Menge untertauchen, was uns eine gewisse Anonymität gab.

Ich erinnerte mich gerade noch daran, meine Cyberglyphen wieder unter einem Tarnhologramm verschwinden zu lassen, bevor sie noch jemandem auffielen. Meine Schwerter waren auch längst wieder sicher im Subspace verstaut. Wir passten unser Tempo soweit es ging dem der Menge an, ohne zu langsam zu werden.

Mia überbrückte das kurze Stück Abstand zwischen uns und fragte leise: „Wohin gehen wir eigentlich?"

„Zu einem verlassenen Industriegebiet hier ganz in der Nähe. In maximal einer halben Stunde sind wir da. Das ist der Treffpunkt, den ich mit Optimus ausgemacht hatte.", erläuterte ich ihr, nur unwesentlich lauter, gerade soweit, dass auch Tessa und Cade mich hören konnten.

„Gute Idee.", kommentierte Cade. „Da sieht uns niemand."

„Ich mache mir weniger Sorgen, dass uns jemand sieht, sondern dass jemand Optimus sieht...", erwiderte ich. Darauf kommentierte keiner.
Den Rest des Weges legten wir in Stille zurück. Wahrscheinlich sparten sie sich einfach ihre Kräfte fürs Laufen auf. Gute Idee, auch wenn das Schweigen ein wenig drückend war. Ich hätte versuchen können, die Stimmung aufzuheitern, mit ein paar Scherzen oder so, aber das wäre irgendwie unpassend gewesen...

Am Industriegebiet angekommen, stoppte ich abrupt.

„Wartet mal, ich höre was...", flüsterte ich, den Fragen der anderen zuvorkommend. In der (fast) absoluten Stille, die folgte, konnte ich das Geräusch auch endlich identifizieren: Ein Kampf, aber nicht irgendeiner. Ein Kampf zwischen zwei Cybertroniern. In diesem Moment hätte ich alles darauf gewettet, dass einer der beiden Optimus war.

Mit einem Wink bedeutete ich den anderen, mir zu folgen, aber leise, und schlich voraus. Eigentlich hätten wir gar nicht wirklich so leise sein müssen, denn der Kampf übertönte bald alles andere, selbst für verstärkte Audios, aber es war immer besser, etwas vorsichtig zu sein...

Schlussendlich erreichten wir den etwas größeren freien Platz, auf dem der Kampf stattfand. Vorsichtig, um ja nicht aufzufallen, spähte ich um eine Gebäudeecke, und hoffte, dass Optimus' Gegner zu abgelenkt war, um mein Signal zu bemerken. Im Bio Mode war es zwar stark abgeschwächt, aber man wusste ja nie...

Kaum hatte ich den Blick gewagt, zuckte ich auch schon wieder zurück. Frag! Lockdown! Dieser pit-spawned slagger hatte uns gerade noch gefehlt! Ich hatte eigentlich gehofft, den für eine Weile los zu sein, nachdem er ja bei der letzten Verfolgungsjagd nicht dabei gewesen war. Offenbar hatte ich mich jedoch zu früh gefreut.

„Wir müssen warten.", teilte ich den anderen mit, die mich, wohl aufgrund meiner Reaktion, besorgt ansahen. „Ich kenne den, der da gegen Optimus kämpft... Glaubt mir, dem wollt ihr nicht begegnen." Und so blieben wir, wo wir waren. Nur alle paar Kliks riskierte ich kurze Blicke, denn hier würde es auf Schnelligkeit ankommen. Ich wurde schließlich auch entdeckt, glücklicherweise aber nur von Optimus, dem ich unsere Anwesenheit sowieso hätte mitteilen müssen. Und so war es um einiges sicherer als über Comm.

Endlich, nach einer Zeit, die sich für mich wie Stunden anfühlte, und doch nicht länger als vielleicht ein Breem war, kam Optimus im Altmode um die Ecke gefahren und hielt vor uns an.

Die Tür schwang auf, und ich zischte den anderen zu: „Schnell, steigt ein!" Erst als sie sicher in ihm waren, kletterte auch ich hinein, und die Tür schloss sich hinter mir. Nicht einmal einen Klik später ließ mich die Beschleunigung auch schon in den Beifahrersitz kippen, der glücklicherweise noch frei war.

'Was ist mit Lockdown?', fragte ich vorsichtig über Comm. nach, noch während ich mich vergewisserte, dass es den anderen gut ging. Mia war anscheinend wieder umgekippt, verständlich nach all dem Stress. Trotzdem musste ich Tessa und ihrem Vater erst mal erklären, dass das ganz normal war. Optimus' Antwort verpasste ich darüber allerdings nicht.

'Er ist temporär kampfunfähig. Er hat sich in einem Kranseil verfangen.', erklärte er mir. Mal wieder fiel mir auf, wie müde er sich anhörte. Wir würden wohl bald eine Pause einlegen müssen, um uns alle auszuruhen. Aber jetzt konnte ich die Stimmung erst einmal anders lockern...

'So wie du in Chicago?', neckte ich daher, grinsend. Schließlich war ihm das ja auch mal passiert. Und auch wenn es zu dem Zeitpunkt sehr störte, inzwischen nahm er Erinnerungen daran mit Humor, er wusste ja, dass es (wenn man den Kampf-Aspekt wegließ) schon ziemlich lustig gewesen war.

'… So ähnlich, ja.', erwiderte er daraufhin, wenn auch nach kurzem Zögern. Ich war froh, zu hören, dass die Müdigkeit in seiner Stimme größtenteils verschwunden war. Jetzt klang er eher amüsiert, was ja auch mein Ziel gewesen war.

Gegen Abend hatten wir dann endlich eine ausreichende Distanz zwischen uns und unsere Verfolger gebracht, was bedeutete, dass wir endlich anhalten konnten. Eine alte, verlassene Tankstelle mitten im texanischen Nirgendwo. Meilenweit nichts zu sehen. Der perfekte Rastplatz für uns. Und Mia war auch schon wieder wach.

„Bleibt hier.", wies uns Optimus an nachdem wir ausgestiegen waren. „Ich werde einen neuen Altmode suchen und die Gegend scannen." Er wollte gerade schon wieder abfahren, da fiel mir noch etwas ein.

„Warte!", rief ich ihm zu. „Hast du die Taschen? Dann können wir schon mal ein paar nützliche Sachen zusammensuchen und sie einpacken."

„Natürlich.", erwiderte er, und öffnete seine Fahrertür wieder. Tatsächlich, da waren die Taschen, völlig unversehrt. Er musste wohl alles im Subspace gehabt haben. Das Ausladen dauerte nicht allzu lange, obwohl ich bloß den Energon-Konverter drinnen ließ.

„Bis später.", flüsterte ich, als er die Tür wieder schloss.

Seine Stimme war warm als er antwortete: „Seid vorsichtig."

Ich sah ihm noch eine ganze Weile hinterher, und die anderen ließen mich. Ich wusste, er würde bald wieder da sein, und auch, dass er jetzt genügend Energie für einen reibungslosen Altmode-Wechsel hatte, aber nach dem, was beim letzten Mal passiert war, hörten die Sorgen einfach nicht auf. Ich hatte Angst, und das machte mich ganz verrückt!

Als ich mich endlich wieder umdrehte, waren die anderen schon im kleinen Tankstellengebäude verschwunden.

Drinnen waren sie dann tatsächlich auch schon mit zusammensuchen und einpacken beschäftigt. Überraschend, wie viel noch zu finden war. Es war, als wäre hier so gut wie alles einfach zurückgelassen worden. Na ja, gut für uns... Wir würden zwar auch bald wieder Essen brauchen (fast das einzige, was es hier wirklich nicht mehr gab), aber noch hatten wir genug.

„Sind wir hier sicher?", wollte Cade schließlich von mir wissen.

Ich seufzte, und erwiderte: „So sicher, wie wir es im Moment sein können, zumindest erst einmal. Danach sehen wir weiter. Wir werden aber wahrscheinlich über Nacht hier bleiben müssen, wir können ja nicht alle während der Fahrt in Optimus schlafen."

Bevor ich es weiter ausführen konnte, mischte sich Mia ein: „Und was machen wir dann? Meine Anwesenheit lässt sich ja durch meine falsche Identität erklären, aber..." Sie stoppte und schien zu überlegen.

Diese Pause nutzte ich, um zu erklären: „Ja, du hast recht. Aber es wird uns schon irgendetwas einfallen können." Ungesagt blieb, wie sehr ich auf ein Wiedersehen mit zumindest Sunny und Sides, wenn nicht sogar allen anderen, hoffte, auch wenn es leider sehr unwahrscheinlich war. Es war einfach zu gefährlich.

Optimus kam erst spät zurück, dafür aber war sein neuer Altmode perfekt, und passte auch super zu ihm. Um einiges moderner als sein originaler irdischer Altmode war er obendrein auch noch.

Er stimmte mir zu, dass wir über Nacht erst einmal bleiben mussten, und so zogen Mia und ich uns bald in den (diesmal etwas größeren) Teil der Fahrerkabine zurück, der zum Schlafen ausgebaut war, und Cade und Tessa teilten sich den Platz im Tankstellenhäuschen.

Kurz bevor wir einschliefen, meinte Mia noch zu mir: „Du, langsam gewöhne ich mich dran, in einem Alien-Truck zu schlafen..." Ich wollte noch etwas erwidern, aber es war sinnlos: Mia schlief schon tief und fest, und nach dem Stress der letzten Zeit wollte ich sie nicht noch mal unnötig wecken.

Am nächsten morgen würden wir planen, jetzt waren wir aber einfach zu erschöpft. Und mit diesem Gedanken fiel dann auch ich in Recharge.

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Das hier ist leider erst ein mal das letzte Kapitel, ich stecke momentan in einem Krea-tief fest, und hab auch bald Uni-Prüfungen...

Aber ich hab die Story noch nicht aufgegeben, versprochen!