*leise rein schleich*
Oh weh, das Türchen hat ganz böse geklemmt :O
*für alle eine große Schale Kekse hinstellt, das Kapitel zum Lesen bereit legt und gaaanz leise wieder raus schleicht*
~s~
Türchen zwölf
~s~
Der Schlaf war anfangs alles andere als erholsam gewesen. Unruhig hatte Sam sich herumgewälzt, den Kopf tiefer ins Kissen gedrückt, dann wieder eine neue Stelle gesucht, unbewusst auf der Jagd nach Kühlung in einem Moment – im nächsten wollte er nur Wärme.
Dann aber hatte sich die Präsenz im Raum verändert. Die knisternde Leere füllte sich mit etwas, was wie ein Beruhigungsmittel auf Sam wirkte und endlich entspannte er sich genug, um tiefer in den Schlaf abzudriften. Es war so normal, dass er gar nicht begriff, was es war.
Erst als der Morgen langsam dämmerte, kam auch sein Verstand zurück und er blinzelte heftig, um die Augen öffnen zu können – und starrte direkt auf einen dunkelblonden Hinterkopf, knapp einen halben Meter von sich entfernt.
Erschrocken zuckte Sam und sein Magen zog sich zusammen, als würde er über kleine Wellen in einer Straße fahren – oder Achterbahn fahren.
Sein großer Bruder saß auf dem Boden, ein Knie angewinkelt und den Arm darauf gestützt, in den Fingern ein Bild, das er gedankenverloren musterte. Er wirkte nicht mehr so ruhelos wie noch ein paar Stunden vorher und auch nicht ärgerlich.
Sam hob den Kopf ein Stück und schielte über Deans Schulter hinweg auf das Bild. Er kannte es nicht und auch die Situation und Umgebung war ihm unbekannt.
Verwirrt schaute er in Deans Gesicht, bemerkte aber die Abwesenheit und schwieg weiterhin, während er sich zurücksinken ließ. Das war mehr als merkwürdig. Vor gar nicht allzu langer Zeit hatten sie sich noch angeschrieen, wären sich beinahe an die Kehle gegangen und hatten sich schließlich im Streit getrennt und jetzt saß Dean hier.
Der Dean, der ihn auf die Straße gesetzt hatte.
Nicht, dass Sam wirklich noch sauer war, er wollte sich nur die ganze Absurdität vor Augen führen.
Leider half das auch nicht gerade, damit er verstand, was vor sich ging.
Ein leises Lachen, mehr ein kurzes Grollen in Deans Kehle, ließ ihn den Kopf drehen. Seine eigene Stimme war tonlos, kaum hörbar: „Was hat es mit dem Bild auf sich?"
Vielleicht hatte Dean ihn nicht gehört.
Vielleicht wollte er auch nicht antworten.
Etwas weniger optimistisch drehte Sam sich zur Seite und schob das Lederbuch dabei unter sein Kissen. Dean hatte es längst gesehen, aber bis er fertig war mit lesen würde er es nicht hergeben.
~s~
Dean spürte das langsame Erwachen hinter sich, kleine Bewegungen und zaghaftes Auftauchen aus erholsamem Schlaf. Es reichte schon, wenn sich einer die Nacht mit Grübeleien um die Ohren schlug und den alten Rekord im Wachbleiben um Längen brach.
Der Ältere konnte exakt den Augenblick ausmachen, als seine Anwesenheit bewusst wurde, jegliche Unbeschwertheit oder Vertrautheit hinter ihm fast gänzlich wich. Selbst ohne es zu sehen, wusste Dean, dass sie ersetzt wurden durch Misstrauen und Argwohn und wieder einmal war er nicht sicher, welche Reaktion folgen würde: Flucht? Streit oder schlimmer?
Aber es blieb still, und etwas Neues gesellte sich zu der schweigsamen Runde – Neugierde.
Dann eine gewisperte Frage, kaum lauter als das langsam ersterbende Knistern der Flammen.
Deans Blick glitt über die Fotografie in seiner Hand, ein Bild aus dem kleinen Buch, das lose zwischen den Seiten geklemmt hatte – zum Befestigen war er nicht mehr gekommen – und dachte zurück…
Sam hatte das Buch und somit auch dieses Stück Vergangenheit - … er würde es ihm zum Lesen lassen, so viel war er seinem Bruder schuldig, aber ob für mehr noch Raum war?
Langsam stand Dean auf, den Blick fest auf die Flammen vor ihm gerichtet und schwieg, als ein merklich erschütterter Sam zusah, wie dieser dabei war zu gehen...
~s~
