gwiwileth: Danke für dein Review! Ich habe mich wieder riesig darüber gefreut! In diesem Kapitel geht es nun weiter mit Silivren und Equin. Viel Spaß damit!

Auf der Suche

Bittersüße Verführung

Beim Abendessen erschien Equin gedankenverloren. Immer wieder galten seine nachdenklichen Blicke Silivren. Silivren fühlte sich darunter sichtlich unwohl, versuchte sich jedoch normal zu verhalten. Amelyn und Luciana wunderten sich über das Geschehene und beschlossen Silivren nach dem Abendessen auszuquetschen.

Dazu kam es leider nicht.

Equin hatte anscheinend beschlossen Silivren bis zu ihrem Gemach zu begleiten. „Gute Nacht, Equin", verabschiedete sich Silivren lächelnd und wollte in ihre Gemächer eintreten. Equin hielt sie zurück. Kurz legte er seine Lippen auf ihre.
„Jetzt werde ich eine haben", versicherte er ihr. Dann machte er sich auf dem Weg. Silivren schloss gutgelaunt die Tür hinter sich.

Perfekt.

Genau das dachten auch Amelyn und Luciana, die in einer Ecke des Ganges standen und die vorherige Szene beobachtet hatten.

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Sie blätterte die Fotoalben durch.

Mary war zum Tee gekommen und sie hatten sich allerlei lustige Geschichten in Erinnerung gebracht, die sie zusammen erlebt hatten. Die Fotos erinnerten sie an eine Zeit, wo sie sorglos gewesen war. Was für eine schöne Zeit.

Ein Foto stach ihr ins Auge. Das Bild war Marys Lieblingsfoto. Es zeigte zwei Jugendliche, die sich innig küssten.
Damals waren Guillaume und sie vor Marys Kamera geflohen. Unglücklicherweise hatte Mary sie doch in flagranti erwischt. Wenn sie sich dieses Foto ansah, wusste sie, dass sie nicht unglücklich gewesen war mit Guillaume, ganz im Gegenteil.

Elizabeth seufzte. Sie war auch nicht unglücklich mit John. John liebte sie. Insgeheim war sie sich sicher, dass er sie nie absichtlich verletzen wird. Warum fürchtete sie dann die bevorstehende Hochzeit?

Sie hörte, wie die Haustür geöffnet wurde. „Honey, ich bin zurück." Elizabeth lächelte leicht. Schritte erklangen im Flur. John trat ins Wohnzimmer und begrüßte sie mit einem Kuss.

„Ich habe dir etwas mitgebracht", sagte er geheimnisvoll. Er hielt ihr ein Schmucketui hin.

Neugierig öffnete Elizabeth es. Angenehm überrascht entdeckte sie den Diamantencollier. „585 Weißgold, 199 Diamanten", fügte John hinzu.

Überaus wertvoll.

„Probier es an", forderte er sie auf. „Du wirst bestimmt traumhaft aussehen, wie immer." Er führte Elizabeth zu dem großen Spiegel, das sich im Wohnzimmer befand.

Ganz der Gentleman, legte John ihr das Collier um. Elizabeth betrachtete sich im Spiegel. ‚Wie eine Prinzessin', dachte sie. Als hätte John ihre Gedanken gelesen, umarmte er sie von hinten und flüsterte heiser an ihrem Ohr: „Meine Prinzessin"

Er platzierte leichte Küsse auf ihrer Haut. Elizabeth schloss die Augen.

Die Schuldgefühle Andrew gegenüber verschwanden so schnell, wie sie gekommen waren. Sie drehte sich zu John um. Sowie ihre Lippen sich zu einem Kuss verschmolzen, vergaß sie Andrew und ihre eigenen Gefühle.

Vorsichtig nahm John ihr das Collier ab und legte es zurück in das Etui. Geführt von der Leidenschaft, ließen sie sich auf das lederne Sofa nieder.
Kühl war das Leder unter ihrer bloßen Haut.

Auf einmal war es ihr egal, dass sie John nicht auf diese Art und Weise liebte. Er konnte sie für kurze Zeit alles vergessen lassen.

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Unzählige Küsse bzw. einige Wochen später

„Equin ist wirklich eine Herausforderung", gab Silivren seufzend zu.
„Klar ist er das", meinte Amelyn zu Silivren. „Es scheint mir, dass er eine ernste Beziehung mit dir beabsichtigt."

„Unsinn", äußerte sich Luciana, „Silivren ist eine von uns. Sie wird einmal die Aufträge seines Vaters ausführen. Wie kann er unter solchen Umständen eine ernsthafte Beziehung erwarten?" Darauf wusste keine eine Antwort.
„Vielleicht ist es einfach seine Art, es langsam anzugehen", schlug Silivren vor. Sie besprachen wieder einmal ihre Kriegsstrategie. Noch hatte Silivren ihre Aufgabe nicht erfüllt.
Für den Tag beließen sie es dabei. Vielleicht fällt eine von ihnen im Laufe des Tages noch etwas ein.

Silivren wusste, dass sie bisher viel passiver gewesen war als Equin. Sie hatte auf ein Zeichen von ihm erwartet, da Amelyn ihr erzählt hatte, Männer ergriffen liebend gerne die Initiative.

Nach dem Abendessen, als Equin sie zu ihrem Gemach führte, beschloss sie in die Offensive zu gehen und Taten sprechen zu lassen.

„Gute Nacht, Sil", wünschte er ihr und gab ihr einen sanften Kuss. Dieses Mal war Silivren aber nicht bereit ihn gehen zu lassen und schlang die Arme um ihn.
Sie vertiefte den Kuss und er wurde nahezu fesselnd. Kurz versuchte Equin noch seine Beherrschung zu bewahren, ergab sich aber sogleich.

Gefangen in der Passion, erreichten sie atemlos Silivrens Bett und vollendeten dort den Akt der Liebe mit einer unvergleichlichen Hingabe.

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Die Kirche war prunkvoll geschmückt. Der Bräutigam wirkte ängstlich. Sein Vater versuchte ihn zu beschwichtigen.

Die Musik setzte ein. Ein Hochzeitsmarsch.
Die Tür öffnete sich. Die Braut, gekleidet in reinem Weiß, trat ein und schritt zu ihrem Zukünftigen.

Alle Gäste waren sich sicher, noch nie ein schöneres, glücklicheres Paar gesehen zu haben.

Die Augen des Brautpaares strahlten vor Liebe.
Doch war es die gleiche Liebe? Diese Frage beschäftigte den Brautvater, besorgt um das Wohl seiner Tochter und angstvoll eine falsche Entscheidung getroffen zu haben.

Der Pfarrer begrüßte das Paar und fing nach einigen Ankündigungen, Eingangspsalm, Danklied und Eingangsgebet mit seiner Ansprache an.

Er endete seine Ansprache mit dem Trauspruch: "Die Liebe sei ohne Falsch. Hasst das Böse, haltet fest am Guten. Eure brüderliche Liebe sei herzlich. Einer komme dem anderen mit Ehrerbietung zuvor."

Elizabeth hatte große Mühe gehabt John zu diesem Trauspruch zu überreden. Er hatte „Lasst uns nicht lieben mit Worten, noch mit der Zunge, sondern mit der Tat und mit der Wahrheit." bevorzugt.

Nach dem Orgelspiel und eine Lesung kam das Gebet. Dann begann die Trauung mit Lesungen. Danach wandte der Pfarrer sich an demBräutigam.

„Bräutigam, willst du deine Braut, die Gott dir anvertraut, als deine Ehefrau lieben und ehren und die Ehe mit ihr nach Gottes Gebot und Verheißung führen in guten und in bösen Tagen, bis der Tod euch scheidet, so antworte: Ja, mit Gottes Hilfe."

Dieser leuchtete nahezu vor Glück und beantwortete die Frage: „Ja, mit Gottes Hilfe".

Elizabeth hatte ein mulmiges Gefühl im Magen. Die Furcht war zurückgekehrt. Jetzt war es viel zu spät für einen Rückzug. Reporter, wusste sie, warteten draußen aufgeregt vor der Kirche. Niemals könnte sie John und ihre Familie derart blamieren.

Sie hatte nicht einmal die Frage verstanden, die der Pfarrer ihr gestellt hatte. Für kurze Zeit herrschte Stille. Alle warteten gespannt auf Elizabeths Antwort.

„Ja, mit Gottes Hilfe", sprach sie mit klarer Stimme. Einige atmeten erleichtert auf.

Sie wechselten die Ringe. Der Pfarrer segnete das Paar. Das weitere Geschehen erlebte Elizabeth wie in Trance. Sie war nun verheiratet.

Die Gäste bemerkten den abwesenden Blick von Elizabeth nicht. Das Paar zog aus der Kirche. Blumenkinder streuten Blumenblätter. Alles schien perfekt.

Alles war perfekt?