A/N: So ja, das war eine längere Pause. Aber dafür ist dieses Kapitel umso länger und seid gewarnt, es ist M-rated, also mehr als nur M. Ihr habt lange genug darauf gewartet, auch wenn alles anders kommt als eventuell erwartet.
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Kapitel 12
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„Gratulation?", fragte sie vorsichtig. Ihr langes dunkles Haar hatte sie zu einem Pferdeschwanz zusammengebunden, trug bequeme aber enganliegende Yoga-Hosen und ein einfaches schwarzes Top dazu.
„Ja, du bist nun Hausbesitzerin", erklärte er lachend. „Besser gesagt, wir besitzen nun ein Haus, weil du es ja nicht alleine besitzen wolltest. Außerdem kann ich auf diese Weise für die Grundsteuer aufkommen." Janes Augen funkelten, er grinste und Falten bildeten sich um Augen und Mund, beides ließ ihn noch charmanter wirken als zuvor.
„Hausbesitzerin", murmelte Theresa und richtete ihren Blick auf den Vertrag. Tatsächlich standen ihrer beider Namen als Besitzer eingetragen in diesem offiziellen Dokument.
„Es gibt noch einige Umbauten und Renovierungsmaßnamen, die durchgeführt werden müssen, aber ich bin optimistisch, dass wir in 6 bis 8 Wochen einziehen können. Dies gibt dir auch genügend Möglichkeit, hier alles zu packen, neue Möbel aufzusuchen und dein Mietverhältnis aufzulösen."
Das klang alles so final, als hätte er alle Entscheidungen für sie getroffen. Doch war sie sich schon bewusst geworden, dass er sie drängen musste, ansonsten entschied sie große Sachen wie diese nicht. Alleine hätte sie sich das niemals leisten können, das war klar, das hatte sie ihm auch gesagt und in Wahrheit würde es schon eng werden, wenn sie die Grundsteuer plötzlich aufbringen müsste. Sie hatte Rücklagen, dezente. Auf der anderen Seite war sie nun in einem Alter, in dem sie einen Kredit problemlos bewilligt bekommen würde – auch wenn sie dies unglaublich ungern tat. Geldleihen war immer ein Tabuthema gewesen, man hatte über finanzielle Angelegenheiten im Hause Lisbon niemals gesprochen. Niemals. Dann brachte sich ihr Vater um und sie stand alleine da, vollkommen alleine.
Selbst wenn er einmal nicht mehr da wäre, was wahrscheinlich vorkommen würde – wann würde Patrick Jane wieder sesshaft werden? – würde sie es irgendwie schaffen. Der erlangte Optimismus ließ sie lächeln.
„Danke, Patrick", sagte sie und ging auf ihm zu, umarmte ihm vorsichtig. Den Mann, der bis vor wenigen Wochen Berührungen jeglicher Art gemieden hatte.
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Die kommenden Wochen verflogen und wurden damit verbracht, zumindest von Patricks Seite aus, Möbel zu bestellen, sich um Lanie zu kümmern und dem Gärtner die passenden Anweisungen zu geben, was er sich um Garten vorstellte. Lisbon hingegen arbeitete an einem Fall, kein besonderer. Es ging lediglich darum, eine als Mord getarnten Selbstmord aufzuklären – ja, ein als Mord getarnter Selbstmord, um die Versicherungssumme der Lebensversicherung zu erhalten. In Wahrheit war es mehr Papierkram als etwas irgendetwas anderes.
Der Kindergarten tat Lanie gut, mit dem sie nun stundenweise begonnen hatten. Sie krabbelte, war gesprächiger als jemals zuvor. Natürlich in Babysprache, aber Lisbon nannte sie „Mama", wenn sie sie sah. Jane hingegen war lediglich „Dada" und niemand korrigierte sie.
Und schließlich zogen sie Mitte Oktober in das Haus ein. Es war perfekt. Der dunkle Boden im gesamten Haus, die grauen Granitfliesen, die in der Küche verlegt worden waren. Die Badezimmer waren mit kleinen grünblauen Fliesen verlegt worden, alle sahen ähnlich aus. Lisbons hatte eine große Eckbadewanne und eine separate Dusche. Janes hingegen hatte lediglich eine große Doppelduschkabine, da er nie badete. Lanies war eine Mischung aus beidem und das Gästezimmer hatte ebenfalls Dusche und Wanne.
Im Wohnzimmer hatte sich Jane für ein eine große beige Couch entschieden, die in einem L aufgebaut wurde. Bücherregale und Bilder zierten die Wände. Ihr Schlafzimmer war feminier als jemals zuvor, weil Patrick es eingerichtet hatte. Sie hatte ihm freie Hand gelassen. Das Bett war aus hellem Birkenholz mit einem dunkelgrünen Betthaupt. Seines war ein einfaches Metallgestell, schwer und es sah industriell aus. Sein Zimmer war so und so einfacher gestaltet, die Wände waren beige, der Schrank im selben Farbton. Sein Zimmer war kleiner, aber er hatte einen extra Eingang. Wieso auch immer auch das so wichtig für ihn war, er wusste es nicht.
Die Küche war weiß, glänzend – Klavierlack. Sie war hell, elegant, ganz anders als all das, das Lisbon in ihrem kleinen Haus bisher gehabt hatte. Auch ihr Arbeitszimmer war liebevoll eingerichtet worden, der Schreibtisch stand so, dass sie auch bei Sonneneinstrahlung arbeiten konnte, die Wände waren in einem hellen Gelb gestrichen worden, der Tisch war aus massiver Birke und der Sessel gut gepolstert. Bisher war Lisbon stets am Küchentisch gesessen, um Akten noch einmal durchzugehen, ihr altes Arbeitszimmer hatte sie so gut wie nie genutzt. Doch nun, da ein Kind im Haus war, wollte beide nicht, dass die Akten offen herumlagen.
Alles schien perfekt zu sein. Doch wenn Teresa in dem großen Haus alleine mit Lanie war, fühlte sie sich einsam. Es war wesentlich größer, der Garten ebenso und stets war etwas zu tun. Wenn Jane da war, bemühte er sich immer, ihr Arbeit abzunehmen. Doch war er oftmals einen oder zwei Tage komplett verschwunden, sagte nach seiner Rückkehr kein Wort über seinen Verbleib und Teresa fragte nicht.
Wenn sie alleine war, hatte sie das Gefühl, dass sie im Chaos lebte und Chaos verursachte. In dem Moment, in dem sie Lanie ins Bett gebracht hatte, war sie selbst jedes Mal kurz davor, einzuschlafen. So sehr beanspruchte die Kleine sie. Dann versuchte sie noch rasch das Gröbste wegzuräumen, aber das gelang nicht jeden Abend.
Bisher war sie noch nie in Janes Zimmer gewesen. Sobald er es verließ, sperrte er es ab. Nicht dass Teresa dies störte, aber sie hatte das Gefühl, dass wieder etwas zwischen ihnen stand, etwas, das immer größer wurde. Doch wusste sie, dass er die Wand, die früher im Dachzimmer des CBIs aufgestellt war, seinen Weg in sein neues Zimmer gefunden hat.
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Patrick Jane war wieder einmal nicht zuhause, dieses Mal war er eine Woche nicht bei Teresa gewesen. Und währenddessen hatte er festgestellt, dass er doch nicht so süchtig nach ihr war, wie er zuvor vermutet hatte – was auch den Grund seines Fernbleibens ausmachte. Denn sobald er nicht in ihrer Nähe war, musste er an sie denken – aber das zählte für ihn nicht, da sie schließlich auch Freunde waren.
Nun stand er nach zehn Tagen im Wirtschaftsraum des Hauses und sortierte die Berge an Wäsche auseinander, seine eigene, Teresas und Lanies. Nach Farben, Temperatur. Buntwäsche. Feinwäsche und die exquisite Handwäsche. Diese Aufgabe hatte ihn noch nie gestört. Und so hatte er nun auch eine Box mit funktionaler Unterwäsche, die er mit dem normalen Feinwäscheprogramm mitwaschen konnte und die Spitzenunterwäsche, die sie ab und an trug. Selten aber doch. So war er schon zu unterschiedlichen Unterwäschestücken gekommen, hatte gesehen, was sie so darunter trug. Beginnen bei den einfach und konservativ geschnittenen Baumwollslips und den Sport-BHs, bis hin zu Strings, Boy-Cut oder auch French-Cut-Panties – Baumwolle, Satin, Synthetik, Spitze. Alles war vorhanden, in diversen Farben. Seine Frau Angela hatte lediglich hundertprozentige Baumwolle an ihre Haut gelassen, egal wie viel Geld er nachhause brachte.
Als er die Wäsche sortierte, kam natürlich die Frage in ihm auf, was sie wohl heute darunter trug.
Nachdem die Wäsche sortiert in den dementsprechenden Boxen war, fragte er sich, wann sie wohl das letzte Mal die Waschmaschine geschalten hatte – immerhin war er eine Woche nicht da gewesen und es sah so aus, als wäre sie die gesamte Woche nicht gelaufen.
Dann stieg er die Treppe vom Keller wieder nach oben und stellte fest, dass es relativ aufgeräumt aussah. Erst im oberen Stockwerk bemerkte er das Chaos. Lisbons Bett war nicht gemacht – es waren wenige Handgriffe, es tat ihm nicht weh, dies zu machen. Der Wäschekorb stand am Gang und er sammelte rasch die restliche Wäsche ein, die Handtücher, die feucht im Badezimmer am Boden lagen. Dasselbe machte er in Lanies Zimmer und die wenigen Spielsachen, die herumlagen, räumte er ebenfalls an ihren Ort. Innerhalb einer Stunde sah das obere Stockwerk wieder präsentabel aus.
Dafür, dass Teresa solch ein Kontrollfreak war, hatte sie im ersten Stock die Kontrolle verloren. Oder sie war privat, in ihren eigenen vier Wänden einfach anders.
Das einzige, das ihm nicht so richtig in den Sinn kam, war, dass es vielleicht an seiner Abwesenheit lag, dass alles so aus dem Ufer geraten war.
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Als Teresa das Auto vor dem Haus parkte, merkte sie sofort, dass das Licht im Haus an war, sein Auto in der Garage stand. Es störte sie nicht, vor dem Haus zu parken. So trug sie Lanie im Maxi-Cosi in der einen Hand, die Einkaufstüte in der anderen zum Haus hinauf, öffnete mit dem Ellenbogen die offene Türe und betrat ihr Haus.
Es roch bereits nach Essen, im Kamin brannte eine Feuer. Es war Freitagabend, das Ende einer anstrengenden Arbeitswoche. Sie stellte das schlafende Kind auf den Esstisch, ging in Richtung des Ofens und entdeckte frischen italienischen Eintopf. Frisch gebackenes Ciabatta Brot. Eine Flasche Rotwein stand neben dem Herd, bereits offen, damit er atmen konnte. Aber von Jane weit und breit keine Spur. Erst als sie etwas Lärm machte, kam er aus seinem Zimmer, so, als wäre nie etwas gewesen. Als wäre er niemals weggewesen.
Lisbon trug dunkelblaue Jeans und eine komplett zerknitterte weiße Bluse. Ihr Haar war unordentlich zurückgebunden, sodass einzelne Strähnen herausgefallen waren. Sie war müde, hungrig, aber vor allem müde. Zu müde um zu diskutieren. In den letzten vier Tagen hatte sie die Prozess-Vorbereitung für den Sanderson-Fall über sich ergehen lassen, ein Doppelmord. Emil Sanderson stritt noch immer jegliche Verantwortung ab, er war es nicht gewesen, der Frau und Kind umgebracht hatte. Nein, man hatte ihn nur mit dem Messer in der Hand vorgefunden, seine Kleidung blutig. Überall war Blut gewesen. Und nun musste sie abermals den Fall durcharbeiten, jedes Detail sollte der Jury präsentiert werden.
Lanie bekam Zähne, schlief schlecht und unruhig und all das bei ihr im Bett, da sie das Aufstehen alle 30 Minuten leid geworden war.
Ihre Handtasche hatte sie neben dem Esstisch fallen gelassen, ihr Schuhe standen daneben und sie griff im Kühlschrank nach einem kühlen Bier. Der Wein war vergessen.
„Jane", sagte sie lediglich kühl und trocken, als sie ihn in der Küche stehen sah.
Patrick ging um sie herum und wollte sie etwas vom Eintopf kosten lassen, den er selbst kreiert hatte. Doch sie lehnte ab. Sie bat ihm lediglich auf Lanie aufzupassen, während sie eine Dusche nehmen würde.
Als sie in Jogginghosen und einem Shirt wieder ins Wohnzimmer kam, saß Lanie auf Patricks Schoß, brabbelte vor sich hin und schien das glücklichste Kind. Mit einer Hand hielt sie sich an ihrer Bernsteinkette fest, die andere streckte sie Jane entgegen und lachte. Er lachte zurück. Wäre Teresa nicht so wütend auf ihn gewesen und glücklich zugleich, dass er endlich wieder zuhause war, hätte sie ihn vielleicht angeschrien. Hätte ihn wissen lassen, was für ein Idiot er war. Aber der Typ von Mensch war sie einfach nicht, nicht nach all dem, was er für sie getan hatte. Sie führten ja schließlich keine Beziehung miteinander.
Auf Jane machte sie einen etwas entspannteren Eindruck, aber nur etwas. Die Anspannung war etwas aus ihrem Körper gewichen, ihr Haar tropfte immer noch auf ihre Schultern und hiterließ feuchte Flecken auf ihrem Rücken.
„Du warst in meinem Zimmer?", fragte sie und war sich nicht sicher, wie sie klang. Auf der einen Seite wollte sie verärgert, auf der anderen aber nicht undankbar klingen.
„Ja, ich habe die Handtücher zum Waschen eingesammelt"
Jane war sich nun unsicher, ob es richtig gewesen war, ihr Zimmer zu betreten, die Wäsche zu machen, ohne dass er dies im Vorfeld mit Lisbon abgestimmt hatte.
Schließlich gingen sie alle in die Küche, setzten sich um den Esstisch, Lanie in den Hochstuhl. Patrick fütterte sie mit frischgekochtem Karottenpüree. Teresa schob die Gemüseeinlage und die gekochte Salami von einer Ecke des Tellers auf die andere. Obwohl sie hungrig war, schien sie keinen Bissen hinunterzubekommen. Jane trank von seinem Wein, Lisbon hingegen hob nicht einmal die Augen. Der Eintopf war gut, geschmacklich wahrhaftig italienisch.
„Was ist los, Teresa?", fragte Jane schließlich.
„Du warst eine ganze Woche nicht zuhause. Hast dich nicht gemeldet."
„Ich hatte etwas zu erledigen", erklärte Jane.
„Zwei Tage erledigt man etwas, aber eine gesamte Woche?", sagte sie nun etwas lauter.
„Teresa, wir führen keine Beziehung."
„Vielleicht ist das der Fehler bei all dem", murmelte sie vor sich hin. Vielleicht war es das wirklich. Hätten sie eine Beziehung, würden sie sich streiten und danach Versöhnungssex haben. Genau nach so etwas bedarf es Teresa im Moment, nach so etwas Primitivem, Aggressivem. Doch stattdessen starrte sie ihn wütend an. Sie schäumte förmlich.
„Was hast du gerade eben gesagt?", fragte er ruhig.
„Nichts", antwortete sie rasch, doch Jane hatte genau gehört, was ihr über die Lippen gekommen war. Genau. Ja, er fand sie anziehend, sexy, betörend. Er träumte sogar manchmal von ihr und genau das machte ihm manchmal Angst.
In der Woche, in der er nun nicht in Sacramento gewesen war, hatte er seinen Ehering abgelegt, aber dies war ihr noch nicht aufgefallen. Teresa und er kannten sich zwar schon mehr als eine Dekade, doch die Wahrheit war, dass sie so wenig über einander wussten.
Irgendwann hatte er herausgefunden, dass sie Rock'n'Roll Musik mochte, in der Badewanne gerne kitschige Liebesromane las, selten griff sie zu einem Krimi. Ihr Shampoo und Duschgel kaufte sie regelmäßig bei „The Bodyshop", da sie gegen Tierversuche und für die Erhaltung der Umwelt war. Zudem lief sie zuhause gerne in einem alten Shirt ihrer Brüder herum, dazu Shorts, Leggins oder auch nur einen Slip. Er hatte gelernt, dass Tommy Soccer gespielt hatte, James American Football und Adam Baseball.
Er hatte sich noch nie an ihrer mangelhaften Bekleidung gestört, also dass sie ab und an nur im Slip mit einem Shirt durch das gemeinsame Haus lief. Nein, das Gegenteil war der Fall, er mochte ihre Beine. Und sie konnte ja keine Sekunde ruhig sitzen, das mochte er an ihr, immer waren ihre Beine in Bewegung.
Bald stand Weihnachten vor der Türe und für Lanie würden sie natürlich die heile Welt mimen, immerhin waren es die ersten Weihnachten des kleinen Engels. Lanie hatte in diesem Jahr schon genügend durchgemacht, da sollte das Fest der Liebe etwas Besonderes werden. Und sie entwickelte sich so schnell. Sie grabbelte bereits sehr flott, begann sich allmählich auch hochzuziehen, wenn man ihr die Möglichkeit gab. Die Kinderärztin war mit ihrer Entwickelung mehr als nur zufrieden.
„Ich würde im Keller gerne eine Sauna einbauen lassen", erklärte er. Seine Stimme war ruhig, vorsichtig, wissend, dass er nicht ihre Zustimmung brauchte, sie allerdings gerne hätte.
„Eine Sauna?"
„Ja, eine finnische Schwitzkammer."
„Es ist dein Haus"; konterte sie.
„Es ist unser Haus, Teresa und im Keller befindet sich außer dem Wirtschaftsraum nichts. Außer du möchtest ihn anderwärtig nutzen."
Eine Sauna. Solle er sie doch einbauen, dachte sich Teresa. Sie würde sie so und so nicht nutzen. Sie standen beide im Grundbuch und er fragte sie, man hätte dies als Fortschritt werten können. Doch so empfand sie es im Moment nicht.
Lisbon wollte und konnte an diesem Abend nicht mehr diskutieren. War er bei Lorelei gewesen? Bei einer anderen Frau? Er schien so relaxt, entspannt, ausgeglichen. Und umso mehr sie darüber nachdachte, umso weniger wollte die Wut in ihr abflachen, obwohl sie wusste, dass dieser Zorn vollkommen unangebracht war.
„Außerdem möchte ich für Lanie einen Hund …"
„Nein", sagte sie und ihre Stimme war fest und zu laut.
„Teresa?"
„Nein, wir bekommen keinen Hund." Es war kein Kommentar sondern eine Feststellung.
„Wieso?"
Teresa stand auf und stellte die Teller in die Abwasch, hob Lanie aus dem Hochstuhl und setze sie noch kurz in die Gehschule auf die Spieldecke.
„Wieso wir keinen Hund bekommen, Jane? Das ist einfach zu beantworten. Ein Hund macht Arbeit und wenn du wieder einmal für einige Tage verschwindest oder sogar eine ganze Woche, dann bleibt die Arbeit an mir hängen. Wer hat denn dann die Arbeit mit dem Haus, dem Garten?"
„Wir können uns eine Putzfrau leisten."
„Darum geht es doch gar nicht, Patrick."
„Um was denn sonst?"
Doch Antwort bekam er keine, sie warf ihm lediglich einen bösen Blick zu.
„Ach, es geht um meine Abwesenheit? Nur darum geht es also?"
„Mach doch was du willst und lass mich in Ruhe!", schrie sie beinahe.
„Wird es jetzt immer so sein, wenn ich einige Tage nicht zuhause bin?"
Teresa hob Lanie aus der Gehschule und ging mit ihr, ohne ein weiteres Wort zu sagen in den ersten Stock und legte sie schlafen. Innerhalb weniger Augenblicke, nach der ersten Strophe des Gute-Nacht-Liedes, waren ihre Augen zugefallen.
Währenddessen fragte sich Jane, was er falsch gemacht hatte. Er hatte sie von sich abhängig gemacht und das gefiel ihm nicht, sie musste die gesamte Situation auch ohne ihn meistern können, wusste er doch nicht, wie oft er in Zukunft hier sein würde. Ja, sie erregte ihn, besonders ihre Art, sich nicht darum zu kümmern, ob er im Raum war oder nicht. Doch brauchte er seine Freiheit. Außerdem wollte er sie nicht noch mehr in Red Johns Blickfeld bringen. In der Woche hatte er sich jeden Tag mehr nach ihr verzehrt, jeden einzelnen Tag mehr, auch wenn er sich das nicht recht eingestehen wollte.
Er hatte sich Zukunftsszenarien vorgestellt, als er alleine in seinem Hotelzimmer gelegen hatte. Eine laufende Lanie. Oder den Tag, an dem er ihr den ersten Trick beibringen würde. Jane sah sich dann immer in einer fixen Rolle in seinem Leben.
Für Außenstehende schien ihr Verhältnis unlogisch und war wahrscheinlich auch unverständlich. Jane war kein einfacherer Charakter, hatte einen Rucksack voller Probleme. Und sie kannte seine Geschichte, wusste, auf was sie sich einließ.
Patrick zog sich in seinem Zimmer lange Pyjamahosen an und ging zu Lanies Zimmer. Sie schlief so friedlich mit ihren dunklen Locken, die bald nach einem Haarschnitt verlangten. Und dann stand er in Lisbons Türrahmen. Er schob die Schiebetüre komplett auf und betrat das Zimmer. Sie hatte die Nachttischlampe eingeschalten und las noch ein wenig in einem Buch. Noch nie zuvor hatte er sie lesend erlebt. Vorsichtig und ohne viele Geräusche zu machen schritt er zu ihrem Bett und kletterte hinauf neben Lisbon.
„Was hat dich so entrüstet?", flüsterte sie. Lisbon erschrak trotzdem leicht.
„Was machst du hier?"
„Was war es?", wiederholte er.
„Nichts." Lisbon drehte sich nicht einmal um.
„Sei ehrlich mit mir. Du wünscht dir ja auch von mir ehrliche Antworten."
„Du lebst von deinen Tricks. Du spielst mit mir." Sie war genervt, das versuchte sie nicht einmal zu kaschieren.
„Schau mich an", forderte Jane und vorsichtig hob sie den Kopf, drehte sich zu ihm um. Sie trug eine Pyjamahose und ein ärmelloses Shirt. „Du kannst ehrlich mit mir sein, was habe ich gemacht?"
„Vielleicht wird es Zeit, dass du endlich einmal versuchst herauszufinden, was du falsch machst." Sarkasmus war erkennbar.
„Damit magst du Recht haben. Trotzdem sag es mir einfach."
„Du kannst nicht einfach kommen und gehen, wie es dir beliebt. Ich habe darauf vertraut, dass du da bist. Dass du auf Lanie aufpasst. Es geht nun nicht mehr einfach nur um mich und das CBI, es geht um Lanie. Ich habe mich persönlich auf dich verlassen."
„Das darfst du aber nicht Teresa. Wer weiß, wo ich morgen bin."
„Was sind wir für dich eigentlich? Was bedeute ich dir?" Teresa legte sich wieder auf den Bauch und gab vor zu lesen, wartete natürlich inständig auf eine Antwort.
„Wir sind nicht fertig", erklärte er und nahm ihr das Buch aus der Hand. Es war ein Maya Banks Liebesroman. Jane las eine Szene vor und machte sich über die sexuelle Handlung lustig. Sie wies ihn darauf hin, dass er sich nicht wie ein Teenager verhalten solle.
„Ihr bedeutet mir sehr viel", murmelte er.
„Was?", fragte Lisbon und blickte Jane nun noch einmal an.
„Lanie ist mir ans Herz gewachsen". Also ging es ihm nur um das Kind, das brach Teresa das Herz. Sie drehte das Licht ab, drehte sich um, ohne auch nur ein weiteres Wort zu sagen. Jane saß mit entblößtem Oberkörper neben ihr, beobachtete sie, wie sie vorgab zu schlafen. Zuvor hatte sie den goldenen Flaum auf seiner Brust trainieren, seine Muskeln. Er musste trainiert haben. All das war ihr nicht neu, aber in einer Situation wie dieser vollkommen unangebracht.
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Am nächsten Morgen hatte sich die Situation optisch verändert. Eine Hand lag um ihr Taille und durch das Babyphone war kein Geräusch zu hören, also schloss Teresa wieder die Augen, genoss die Wärme des anderen Körpers. Es fühlte sich gut an, es war zu schön um wahr zu sein. Es würde niemals anhalten, da es ihm lediglich um Lanie ging. Aber wieso war er in der Nacht nicht zurück in sein Bett gegangen?
Seine Hand bewegte sich von selbst. Strich über ihren Bauch, ihren Rippenbogen und auch ihre Brust berührte er. Das Stocken ihres Atems ließ ihn wissen, dass sie wach war. Sollte er aufhören? Konnte Patrick mit seiner Hand einfach ihre Brust umschließen? Sie wiegen, fühlen, intensiver wahrnehmen?
Manchmal sagte er Sachen, bevor er den Gedanken zu Ende gedacht hatte. Und hin und wieder kam es vor, dass seine Hand-Hirnkoordination versagte – so umschloss er mit seiner rechten Hand ihre Brust. Fest. Ihr Herzschlag wurde schneller, besonders als er seine Erektion in ihren Po presste und seine Finger ihre aufgerichtete Brustwarze umschlossen, ihr süßen Schmerz zufügten.
Und ihre Reaktion? Sie drückte ihr Gesäß gegen seinen Penis und stieß ihn nicht von sich.
Es war das erste Mal seit dem Tod seiner Frau, dass er wirkliche Intimität wahrnahm. Lorelei – es hatte ihn Konzentration gekostet, kaum Vorspiel, kein Kuscheln. Nun ließ Lisbon sogar zu, dass er mit seinem Mund ihren Nacken berührte.
Insgeheim stellte Lisbon ihre Zurechnungsfähigkeit in Frage. Er griff sie an, berührte sie, wie schon lange kein Mann es mehr gemacht hatte. Sexualität war für sie selten mit etwas Positivem verbunden gewesen.
Greg war ihr Verlobter gewesen, doch hatten sie nie mitsammen geschlafen. Nein, sie wollten bis zur Hochzeitsnacht warten. Natürlich waren sie sich näher gekommen, aber es war eine eher tollpatschige Art und Weise gewesen.
Dann hatte es einen Mann in San Francisco gegeben, an den sie schließlich ihre Unschuld verloren hatte. In Wahrheit war er es aber gewesen, der sie gelehrt hatte, wie oraler Sex richtig praktiziert wurde. Und nach all dem, was sie mit ihrem Vater erlebt hatte, war sie darüber nicht unglücklich.
Der nächste war bereits Mashburn. Eine heiße Nacht. Eine Novität für sie. Schnell, heiß und rücksichtslos.
Nun spürte sie Janes Erektion. Und sie spürte, wie ihr Körper darauf reagierte. Es brachte sie um den Verstand. Ihr Körper reagierte ohne auf die Befehle ihres Großhirns zu warten. Sie presste ihre Brust in seine Hand, ihren Po gegen seinen erigierten Phallus. Ihr Mund war leicht geöffnet, ihre Atmung lauter als sonst, erregt, hörbar.
Und plötzlich ertönte durch das Babyphone ein lautes Schreien. Lisbon sprang auf, zog ihr Shirt zurecht und ging zu der Kleinen.
Jane hingegen hatte die Erektion seines Lebens. Es schmerzte. Noch nie zuvor hatte er sich so groß und mächtig angefühlt. Gedanken. Fantasien. Die Augen geschlossen, griff Patrick an den Bund seiner Hose, schob sie über seien Hüften und schließlich umfasste er sein Glied.
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Lanie ließ sich schnell beruhigen, schloss die Augen nach wenigen Minuten wieder und so konnte Teresa wieder zurückgehen, unsicher wie sie war. An der Türe angekommen, sah sie ihn. Sein Penis groß, vollkommen erigiert und eine Hand bewegte sich auf und ab. Rasch.
Einmal hatte sie Tommy dabei erwischt, aber nun war das erste Mal, dass sie einen ausgewachsenen Mann bei diesem Akt sah. Und ihre katholische Schuld stieg in ihr auf. Padre Alfonso hatte sie stets wissen lassen, dass es sich um eine Sünde handelte, sich selbst zu berühren. Tat sie es selbst? So gut wie nie. Vor ihrer Firmung hatte Padre Alfonso ihnen gepredigt, dass Sex vor der Ehe ein absolutes Tabu sei. Gut, dagegen hatte sie verstoßen. Als sie ihm dies viele Jahre später gebeichtet, hatte er ihr aufgetragen, zehn „Vater unser" zu beten und fünf „Ave Maria", dann würde Gott ihr dafür vergeben.
Sie beobachtete seine Hand, ihre rhythmische Bewegung. Schließlich schaltete sich ihr Großhirn vollkommen aus, sie kletterte auf das Bett und ohne ein Wort zu sagen, nahm sie seinen Phallus in den Mund und Janes Hand wanderte in ihr seidiges Haar.
Lisbon wusste, dass sie gut war, bei dem was sie tat. Auf diese Art und Weise war sie bis in ihre 20er Jahre Jungfrau geblieben. Das Vorhaben der Hochzeitsnacht hatte sie aufgegeben gehabt, aber ein wirklich sexuelles Wesen war aus ihr trotzdem nicht geworden. Nicht, dass sie sich davor ekelte oder etwas dergleichen. Teresa Lisbon hatte eigentlich keine One Night Stands.
Und nun liebkoste sie das größte Glied, das sie jemals gesehen hatte. Es bedarf Konzentration, den Würgereflex nicht auszulösen. Ihre Hand massierte seine Hoden und sei machte ein Geräusch, das dem Schnurren einer Katze ähnlich war und so vibrierte ihr Rachen mit und Jane erlebte etwas, das er noch nie zuvor erlebt hatte. Noch nie zuvor hatte er so etwas Intensives erlebt. Ihre Zunge glitt gerade über die Unterseite seines Gliedes, zirkelte die Krone mehrmals, bevor sie ihn wieder tief in sich aufnahm.
„Oh Gott, Teresa", stöhnte er. Und als sie ihren Namen hörte, war sie kurz davor, inne zu halten, tat es dann aber nicht. Doch dann war ihre Hand auch schon wieder an der Basis seines Schafts. Sie wusste bei Gott, was sie tat.
Ob sie es mochte? Bei einem gepflegten Mann mit rasiertem Genitalbereich hatte sie kein Problem dabei und dazu roch Jane auch noch maskulin herb. Sie hätte niemals gedacht, dass er so etwas unter all seinen Anzughosen verbarg. Nicht diese Größe. In Lisbons Augen war er riesig. Und auch in ihren Mund konnte sie nur einen Teil davon aufnehmen, sie tat ihr Bestes.
Es war einige Jahr her, seitdem sie das letzte Mal mit einem Mann beisammen gewesen war und jetzt saugte sie an ihm, massierte ihn, leckte ihn. Sie wusste, dass sie ihn zutiefst befriedigte und sie selbst spürte das bekannte Ziehen im Unterleib. Sie war selbst mehr als nur erregt und seine Hand in ihrem Haar, die sie nicht dazu brachte, mehr zu machen als sie wollte, sie nicht führte, sondern einfach nur da lag.
Solch eine Erregung hatte sie auch schon lange nicht mehr empfunden. Normalerweise brauchte sie etwas Hilfe. Vielleicht lag es auch an dem Missbrauch durch ihren Vater.
„Teresa … so nahe …", stöhnte er und sie spürte, wie er noch härter wurde, sofern dies überhaupt möglich war. Einmal noch ließ sie ihre Zunge in den kleinen Schlitz gleiten, saugte ein letztes Mal an ihm bevor er laut ihren Namen rief, immer und immer wieder und kam. Hart. Lange. Sie schluckte, was es zu schlucken gab, so gut sie konnte. Und selbst als er aus ihrem Mund glitt, war er noch halb hart.
Eigentlich hätte es dabei bleiben sollen, doch keine der beiden hatten diesen Gedanken zu Ende gedacht. Jane zog sie zu sich hoch, küsste sie hart und innerhalb weniger Augenblicke war er wieder vollständig erigiert.
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Ende Kapitel 12
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A/N: Okay, über 4400 Wörter in einem Kapitel ist eine schöne Länge. Also „allmählich" kommen wir in das M-rated Terrain und so wird es auch weitergehen, zumindest im kommenden Kapitel. Ich hoffe … inständig … das es ein lesbares Kapitel geworden ist. Feedback?
