„Dann erzähl uns mal, wie das mit der Zeitreise passiert ist.", bat Rowena den 14-Jährigen. Harry wiederholte noch einmal die Geschehnisse, während Salazar, der davon bereits am Morgen gehört hatte, nur noch nebenbei lauschte. Auch Lady Ravenclaw zeigte er den Kreisel mit der blau-grünen Kugel, den er bis dahin noch in einer Tasche seiner weiten Jeans verstaut hatte.

Die Drei waren nach dem Mittagessen zusammen in die Bibliothek von Hogwarts gegangen, mit dem Ziel Informationen zu Zeitreisen zu finden. Bevor sie jedoch loslegen wollten in den Büchern zu stöbern, brachte Harry die brünette Dame mit dem hübschen Haarreif auf den aktuellen Stand.

Er hoffte, dass sie schnell eine Lösung finden würden, ihn wieder in seine Zeit zurückzuschicken. Klar, es war interessant hier und er hatte Glück gehabt gleich auf so nette und hilfsbereite Menschen zu treffen, aber er hatte gerade erst seinen Patenonkel kennengelernt. Auch wenn dieser noch ein gesuchter Verbrecher und auf der Flucht war, gab es nun Hoffnung auf eine Familie für ihn. Hermine hätte diese Chance wahrscheinlich genutzt um alles zu lernen, was hier angeboten wurde. Die Möglichkeit stablose Magie zu lernen, klang sogar für ihn interessant. Aber würde er dadurch Zuhause nicht nur noch mehr aus der Reihe fallen?

Die wichtigste Frage war jedoch, gab es überhaupt eine Möglichkeit die Zeitreise rückgängig zu machen? So wie er die Zeitumkehrer verstanden hatte, musste man warten bis man wieder in der Gegenwart war. Auch wenn Zauberer eine höhere Lebenserwartung hatten als Muggel, kam diese Option für Harry nicht in Frage. Er wäre schlichtweg tot in tausend Jahren.

„Hast du bereits versucht, den Kreisel ein weiteres Mal zu drehen?", fragte ihn Lady Ravenclaw und riss ihn damit aus seinen Gedanken. Harry schüttelte den Kopf. „Nein, ich wollte erstmal nichts riskieren." „Das war eine weise Entscheidung. Solange du hier bist können wir dir helfen. Wenn der Kreisel dich aber mit jeder Drehung weiter in die Vergangenheit bringt, wer weiß was dir dann geschehen würde.", bestätigte sie sein Annahme.

„Ich schlage vor wir gehen systematische durch die vorhandenen Bücher durch. Erst schauen wir uns die Bücher an, von denen wir wissen, dass sie Informationen zu Zeitreisen enthalten und danach arbeiten wir uns Regal für Regal weiter. Ich werde auch bei unseren Buchhändlern nach Büchern zum Thema fragen. Salazar, kannst du ebenfalls bei deinen Bekannten nachforschen?" Rowena war Feuer und Flamme für das Projekt Zeitreise. Sie liebte Rätsel und Wissen, so war es nicht verwunderlich, dass sie sofort an die Arbeit machte.

„Das ist ein guter Plan, aber ich werde vor Samuin nichts in diese Richtung unternehmen können.", gab Salazar zu bedenken. „Samuin?", fragte Harry nach. „Eins der vier Magiefeste.", erklärte Salazar. „Die Muggel sagen, glaube ich, Allerheiligen dazu." Davon hatte der Zeitreisende schon eher was gehört. Tante Petunia meinte diesbezüglich mal zu Dudley, dass es ein besonderer Tag nach Halloween sei. Aber da Dudley nur an Halloween Unmengen an Süßigkeiten bekam, verlor er sofort das Interesse an der langweiligen Geschichtsstunde seiner Mutter.

Da sich Rowena am besten in der Bibliothek auskannte, suchte sie sich und den anderen Beiden die ersten Bücher zu Zeitreisen heraus. In einer gemütlichen Sitzecke nahmen sie Platz und suchten bis zum Abend nach wichtigen Hinweisen.

Δ

Später saßen alle Gründer und Harry zusammen beim Abendessen in der großen Halle. „Na, habt ihr schon etwas herausfinden können?", fragte Godric nach. „Nein, leider noch nicht.", beantwortete Rowena enttäuscht.

Zum Kreisel direkt hatte sie keinerlei Informationen gefunden. Neben den Zeitumkehrern soll es auch einen Zaubertrank geben, der einen in eine andere Zeit bringen kann, jedoch mit schwerwiegenden Nebenwirkungen. Der einzige bekannte Zauberer, der diesen Trank ausprobiert hatte war Maltus Tyris gewesen, er lebte im 8. Jahrhundert und wollte hundert Jahre in die Zukunft reisen. Der Trank bewirkte dies allerdings dadurch, dass Tyris in Stein verwandelt wurde. Seine Statue überlebte auch diese hundert Jahre ohne Schäden, da er als Dekoration an ein Grafenhaus verkauft wurde. Allerdings war in der Nacht, in der sich der Zauberer zurückverwandelte, also in der Zukunft ankam, zu seinem Leidwesen, ein abergläubischer Ritter zugegen gewesen, der ihn kurzerhand mit seinem Schwert köpfte. Für den jungen Mr Potter war dies also keine sichere Option, zumal die Rezeptur verschollen war.

Harry hatte sich dieses Mal zwischen Salazar und Lady Hufflepuff gesetzt. Er wollte noch eine Sache mit dem Oberhaupt der Schlangen besprechen. „Salazar, kann ich dich um noch etwas bitten?", sprach er seinen Sitznachbarn an. „Worum geht es denn?", stellte Salazar die Gegenfrage und setzte seinen Trinkkelch ab. „Ich müsste noch einmal in die Winkelgasse, um meine Schulsachen und neue Roben zu besorgen. Könntest du mir helfen dort hin zu kommen?"

„Um deine Schulbücher brauchst du dich nicht zu kümmern, wir werden dir die Exemplare ausleihen, solange du hier bist.", bot er dem Jungen an. „Vielen Dank, das ist hilfreich." „Hast du denn noch etwas Geld bei dir? Die Zeitreise traf dich ja auch unvorbereitet." „Ja, ein bisschen. Ich war zuvor noch in der Bank und hatte mir etwas mehr mitgenommen. Dafür hatte ich mir aber auch schon zwei recht teure Bücher und einen neuen Zauberstab gekauft. Es sind wahrscheinlich nur noch um die 200 Galleonen übrig." „Nur noch?!", Der Slytherin sah ihn verblüfft an. „Das ist so viel wie unsere Lehrkräfte im Jahr verdienen! Und du trägst das mit dir spazieren… Wir müssen morgen unbedingt zu Gringotts und dir ein Verlies anlegen.", meinte Salazar bestimmt. Überrascht und verlegen fasste Harry sich in den Nacken. „Mir ist zwar aufgefallen, dass es in dieser Zeit günstiger ist, aber dass ich so viel Geld dabei hab, war mir nicht bewusst. Normalerweise reicht es gerade so für die neuen Schulsachen und einige Süßigkeiten für mich und meine Freunde."

„Mach dir keinen Kopf, es ist normal, dass der Wert des Geldes sich über die Zeit verändert.", beruhigte ihn der Größere. „Wir sollten uns aber wirklich schnellstmöglich darum kümmern. Auch um deine Roben." Er blickte noch einmal seufzend auf den Jüngeren. „Wechselkleidung hast du nicht dabei, oder?" Schüchtern schüttelte Harry den Kopf. „Meine Kleidung hatte ich schon vor der Zeitreise verloren." Salazar hob eine Augenbraue, sollte er da nachfragen? Er verschob es auf ein anderes Mal, der Tag war bereits jetzt schon sehr lang und vollgepackt mit Informationen gewesen.

„Ich werde Tilly bitten, dir etwas von mir für die Nacht und morgen herauszulegen. Ich werde auch die Damen fragen, ob sie einen Kamm und ein Haarband für dich haben." Harrys Kopf wurde vor Verlegenheit ganz rot, als er nuschelte: „Meine Haare bleiben so strubbelig, kämmen hilft da nicht." Das brachte Salazar dazu amüsiert zu schmunzeln.