Kapitel 12: Lichtstrahl

Ich machte die Augen auf. Um mich herum war nichts als Dunkelheit. Ich lag auf dem Boden. Langsam setzte ich mich auf. Was zur verdammten Hölle war nur passiert? Ich wollte doch gerade noch gegen diesen Tiger kämpfen. Ein paar Meter von mir entfernt konnte ich einen kleinen Lichtstrahl erkennen.

Vorsichtig ging ich auf ihn zu. Er war wie einer Art Guckloch und ich spähte hindurch. Doch was ich sah erschlug mir die Sprache. Nicht nur das. Es ließ mich taub werden. Meine Beine konnten mich nicht mehr tragen, als wäre etwas Unsichtbares mit voller Wucht auf mich draufgeknallt. Ich wollte wegschauen, doch ich konnte nicht. Ich konnte nichts tun, gar nichts. Weder weinen noch schreien.

Tenzou lag mit blutüberströmtem Gesicht auf dem Boden und atmete nicht mehr. Seine Augen waren geschlossen und sein Kopf war unnatürlich verdreht.

Irgendetwas Reflexartiges schoss durch meinen Körper und ich sprang auf. Ich musste zu ihm!

Doch ich konnte nicht. Die Dunkelheit ließ mich nicht durch. Ich sprang dagegen, schlug um mich und trat nach ihr, doch es war alles vergebens. Schließlich sackte ich in mich zusammen und fing bitterlich an zu weinen. Plötzlich stockte mein Atem und wurde immer unregelmäßiger und mein Körper begann unkontrollierbar zu zittern.

„Verdammt! Bleib bei uns Chinatsu!"

War das Yuri, die da so schrie? Warum tat sie das. Ich wollte nicht aufstehen. Ich fühlte mich so matt wie noch nie. Warum ließ sie mich einfach nicht in Ruhe? Ich wollte jetzt bei Tenzou sein, der bestimmt irgendwo im Himmel auf mich wartete.

„Scheiße! Kneif die Arschbacken zusammen und komm gefälligst zurück!"

„Jetzt beruhige dich!" herrschte sie jemand an.

Jemand? Diese Stimme erwärmte mein Herz. Tsunade.

Halt mal- Tsunade?

War ich wieder in Konoha? Aber wieso das denn?

Ich wollte meine Augen nicht öffnen, doch sie taten es von alleine. Das grelle Licht ließ meinen Kopf schmerzen und ich fühlte mich wortwörtlich wie ausgekotzt.

„Sie kommt zu sich!" rief Tsunade, deren Umrisse sich langsam verschärften.

„Ich bin ja so froh!" rief sie und fiel mir um den Hals.

„Wehe dir, du machst sowas noch einmal! Ich schwör es dir, ich werde…"

„Hey! Ich dachte, ich sollte mich beruhigen. Dann tun sie das aber auch." Meinte Yuri.

Tsunade nickte nur, was mich verblüffte, und wischte sich einige Tränen der Erleichterung aus dem Gesicht.

TENZOU! Was war mit ihm?

„Geht es ihm gut?" fragte ich heiser, da mir das Sprechen ein wenig schwer fiel.

„Wenn du Tenzou meinst, der kämpft gerade zusammen mit Kakashi gegen den Rest der Oragnisation und gegen deinen V…" begann Yuri, doch sie stoppte, da sie das Wort nicht aussprechen wollte.

Doch das interessierte mich weniger. Ihm ging es also gut. Er war nicht tot! Mein Herz machte einen Hüpfer und klopfte gegen meine Brust, als wollte es sich beschweren. Ich konnte es ihm nicht verdenken, nach alldem was es aushalten musste.

Tsunade strich mir beruhigend über das Haar.

„Yuri hat mir alles erzählt. Mach dir bitte keine Sorgen."

Das tat ich aber! Wollte ich schreien, doch ich hielt mich, vor allem wegen meines schlechten Befindens, zurück.

„Was ist mit Yashiro und seinen Tigern?" fragte ich stattdessen.

„Nachdem Tenzou dich auf dem Boden hat liegen sehen, ist er abgegangen wie Schnitzel. Zuerst hat er alleine dieses Riesenvieh erledigt und dann zusammen mit Kakashi Yashiro. Ich wusste zwar, dass die beiden nicht von schlechten Eltern sind, aber dass sie so stark sind hätte ich echt nicht erwartet." Gab mir Yuri als Antwort.

Ich atmete hörbar aus. Allein der Gedanke daran, Tenzou zu verlieren, war unerträglich und ich würde nie wieder daran denken.

„Ich hoffe, dass wir ein für allemal Ruhe vor dieser Organisation haben werden. Unsere fähigsten Ninja beschützen unser Dorf und ich bin mir sicher, dass alles gut gehen wird." Sagte Tsunade.

„Ich glaube nicht, dass sie mit unserer Stärke gerechnet haben." Sagte eine Frau.

„Shizune!" rief ich und streckte ihr meine Arme entgegen, um sie zu umarmen.

„Ich wäre beinahe vor Sorge um dich gestorben!" sagte sie und drückte mich noch fester an sich (wenn das überhaupt möglich war :P).

Plötzlich erschien aus dem nichts ein Jonin.

„Tsunade-sama, wir haben zwar die Lage unter Kontrolle, es gibt dennoch einige Verletzte. Wir brauchen die ANBU zur Verstärkung."

Tsunade nickte. „Ich werde mich darum kümmern." Damit verließ sie den Raum. Ich spürte, dass sie viel lieber bei mir geblieben wäre, aber sie war nun einmal der Hokage und sie machte ihre Sache gut.

Verammt! Ich ärgerte mich darüber, nicht mitkämpfen zu können. Mein Dorf wurde angegriffen und ich musste im Bett hocken und brav Tee trinken.

„Hey, du hast schon diesem Tigervieh schwer zu schaffen gemacht, sonst wäre Tenzou nie so schnell mit ihm fertig gewesen." Sagte Yuri zu mir und drückte mir tröstend die Hand.

Shizune schaute verwirrt von Yuri zu mir.

„Ach ja! Tut mir leid. Ich bin Yuri und ich glaube, ihr habt mich von nun an an der Backe." Sagte sie und grinste.

Mich wunderte es immer noch, wie schnell sie sich verändert hat. Sie wirkte am Anfang so kalt und unnahbar und sie kannte ja nichts anderes bis auf die Organisation. Ich sollte schnell vergessen, wie sie früher war, denn das war die richtige Yuri und so wird sie Konoha in sein Herz schließen.

Shizune nickte immer noch ein wenig verwirrt, lächelte aber milde zurück.