Kapitel 11
„Gangrel hat Dämonenblut in sich?" Dagda schaute Edge fragend an.
„Laut dieser Chronik hier schon. Was heißen würde, dass Chris auch kein reines Vampirblut hat." Dagda blickte vorsichtig von Edge zu Sargon. Dieser schüttelte nur den Kopf.
„Steht denn da drin, dass das Dämonenblut bei einer normalen Umwandlung auch weitergeben wird?"
„Na ja hier steht, dass es ausreicht mit auch nur einem Bruchteil des Blutes in Berührung zu kommen. Egal zu wie viel Prozent es im Blutspender enthalten ist. Desto länger jemand mit dem Blut lebt, desto gefährlicher wird er für seine Umwelt."
„Immerhin wissen wir jetzt, warum es mir so schwer gefallen ist, Amadeo zu heilen."
„Aber er ist doch nicht mit Gangrels Blut in Kontakt gekommen? Denn laut dieser Chronik, kann auch ein Vampir sich noch in einen Dämon verwandeln."
„Amadeo komm doch mal bitte her." Wiederwillig kam Amadeo zu den anderen herüber.
„Was denn, ich bin furchtbar müde."
„Bei deinem Kampf mit Gangrel, bist du da vielleicht mit seine Blut in Kontakt gekommen?"
„Nicht das ich wüsste. Ich weiß nur, dass er mir eine Menge Blut abgezapft hat. Ich konnte ihn ja noch nicht einmal berühren."
„Er sagt die Wahrheit. Und zur Aufklärung für Edge, ich kann spüren, ob jemand die Wahrheit sagt oder nicht, und ob jemand etwas dämonisches an sich hat, kannst du feststellen.", sagt Nergal
„Also bei Gangrel kommt zum Teil schon so ein komisches Gefühl auf, wie bei Corbin. Aber weder bei Amadeo, noch bei Christian habe ich dieses Gefühl."
„Aber wenn Christian tatsächlich durch Gangrel geschaffen wurde, müsstest du so etwas doch bei ihm auch spüren. Oder es gibt jemanden unter uns, der nicht die ganze Wahrheit sagt. Und ich bin der Meinung, Edge hat ein Recht darauf, die Wahrheit zu erfahren." Nergals Blick fiel dabei auf Sargon.
„Was soll dieser Blick?", fragte Marduk seinen Bruder.
„Was der Blick soll? Ganz einfach, Christian wurde nicht durch Gangrel erschaffen. Er sollte nur als neuer Schützling für Gangrel dienen, deshalb hat sein wahrer Schöpfer ihn Gangrel überlassen. Weil sich hier jemand für den Tot von seinem letzten Schützling verantwortlich fühlte und seinen eigenen schützen wollte. Oder war es etwa doch anders Sargon?"
„Es entspricht zum Teil der Wahrheit. Ja ich habe Christian zum Vampir gemacht. Hätte ich es nicht getan, hätte Gangrel es getan, er war in dieser Nach auch dort. Ich hatte keine andere Wahl. Eigentlich wollte ich ihn nur retten. Ich habe Gangrel noch nie wirklich vertraut. Etwas kam mir merkwürdig an ihm vor. Jetzt wissen wir auch warum. Ich hatte also die Wahl, es selber zu tun oder ihn von Gangrel umwandeln zu lassen. Wäre Gangrel in dieser Nacht nicht dort gewesen, wäre Christian jetzt wahrscheinlich noch genauso sterblich, wie Edge. Und es wäre mir auch viel lieber gewesen. Aber es hatte nichts damit zu tun, dass ich mich für den Tot seines letzten Schützlings verantwortlich fühle. Ich weiß, dass es in deiner Natur liegt misstrauisch zu sein, aber du musst mir diesmal vertrauen, dass ich dir im Moment nicht mehr erzählen kann. Ich muss vorher erst einmal mit Edge reden. Wir werden euch deshalb in einer der nächsten Nächte verlassen. Ich weiß, ich mache sonst nie so viele Geheimnisse um etwas, aber in diesem Fall geht es nicht anders."
„Wenn es denn sein muss, werde ich dir in diesem Fall vertrauen. Ich weiß genau, dass du nichts ohne Grund tust."
„Und was sollen wir in der Zwischenzeit tun?", fragt Silvanus.
„Ich würde mich freuen, wenn ihr uns Corbin für eine gewisse Zeit vom Leib halten könntet. Vielleicht könnt ihr auch herausfinden, wie Corbin Edge dort in der Stadt finden konnte."
„Klingt fast so, als würden wir uns in mehr als zwei Gruppen aufteilen.", Amadeo war nicht sehr begeister, von Sargon getrennt zu werden.
„He Amadeo zieh nicht so ein Gesicht. Ich werde mich bemühen, mit Edge so schnell wie möglich wieder zu euch zu stoßen. Aber ja, wir werden uns sehr aufteilen müssen."
„Sag's ruhig Sargon, du brauchst noch ein Team, welches sich um Gangrel kümmert."
„Insbesondere geht es mir um den Schutz von Christian. Vielleicht kannst du ja mit deinem Bruder zusammenarbeiten. Ich glaube etwas Zeit mit ihm, würde euch beiden gut tun."
„Okay, mit dem Angebot kann ich leben."
„Immer das Wohl der anderen im Vordergrund. Ich glaube keine andere Vampirgruppe hat so eine Anführer. Die meisten denken doch immer erst an ihr eigenes Überleben und dann an ihre Freunde und Schützlinge."
„Bis eben hätte ich nicht gedacht, dass du nette Wort für Sargon haben kannst.", wandte sich Edge an Nergal.
„Du siehst, ich kann auch ganz artig sein. Im übrigen habe ich noch etwas für dich. Ich hoffe, dass Christian nicht all zu böse ist, dass ich ihm die Kette gemopst habe. Aber ich war der Meinung, du brauchst etwas von ihm." Nergal reichte Edge eine Kette mit einem keltischen Kreuz. Edge kannte diese Kette schon aus seinen Kindertagen. Sie gehörte mal seiner Mutter. Später hatten sie jeder dem anderen ein Familienerbstück geschenkt.
„Wenn ihr in der Nähe von Gangrel und Chris seit, kannst du ihm dann bitte diesen Ring geben. Er wird wissen, von wem er kommt." Sargon fing an etwas zu drängeln. Er wollte gerne noch einige Kilometer zwischen sich und Edge und den anderen bringen. Schweren Herzens verabschiedeten sich alle von einander. Marduk versprach noch, Christian nicht aus den Augen zu lassen.
Kurz vor Untergang fanden Sargon und Edge eine dunkle Höhle, in der sie den Tag verbringen konnten. Zu seinem Glück war Edge so müde, dass er auf der Stelle einschlief, so dass er seinen Hunger nicht zu arg spürte. Als er jedoch gegen Mittag wach wurde, konnte er das knurren seines Magens nicht überhören. Leise schlich er sich raus und schaute sich in der Gegend um, ob er nicht etwas essbares finden konnte. Nach einer viertel Stunde traf er auf einen kleinen Fluss, in dem es nur so von Fischen wimmelte. So gut er konnte, baute er sich eine Angel. Es dauerte auch nicht lange, bis er genügend Fische für eine ordentliche Mahlzeit zusammen hatte. Etwas abseits der Höhle machte er sich ein Feuer und briet sich die Fische. Nachdem er sich satt gegessen hatte, löschte er das Feuer und setzte sich vor den Höhleneingang und wartete darauf, dass die Sonne unterging. Wie viel Zeit vergangen war, konnte Edge nicht sagen, als ihm plötzlich jemand die Hand auf die Schulter legte.
„Na hast du gut geschlafen?"
„Was, wie. Ich würde mal sagen, ich habe sehr gut geschlafen."
„Ja würde ich auch sagen. Sonst hättest du nicht hier draußen geschlafen. Ich glaube aber, wir sollten dir für die nächsten Tage noch ein paar Sachen besorgen. So etwas essbares oder auch etwas zu trinken. Es ist nicht ratsam für dich, wenn du hier draußen ohne Schutz rumläufst. Nicht dass ich den anderen nicht zutraue, Corbin von uns fernzuhalten, aber sicherer ist es doch. Wir sollten Corbin nicht unterschätzen. Immerhin hat er doch sogar in dieser kleinen Stadt gefunden."
„Wenn ich mich richtig erinnere, sind wir kurz vor Sonnenaufgang an einer kleinen Stadt vorbeigekommen."
„Du hast verdammt gute Augen. Die Stadt ist ungefähr eine halbe Stunde von hier."
Zwei Stunden später hatten sie genügend Lebensmittel für zwei Wochen auf ein Pferd geladen und machten sich auf den Weg zurück zu ihrem Versteck, als sie Silvanus an einem Baum warten sahen.
„Was machst du hier?"
Ganz ehrlich? Ich würde mir gerne mal die Sache anschauen, die Edge bei sich hatte, als ihr gestern aufgebrochen seid. Irgendwas muss Corbin ihm untergejubelt haben, was ihn zu Edge führt."
„Eigentlich hatte ich nur mein Buch bei mir. Besser gesagt, gehört es ja eigentlich Chris."
„Kann ich es mal bitte sehen?" Silvanus und Sargon beschauten sich aufmerksam das gesamte Buch. Doch etwas besonderes fiel ihnen nicht auf. Edge wollte es gerade wieder in seine Tasche stecken, als ihm in der Tasche die Kette von Gangrel auffiel.
„Könnte es sein, dass Corbin mich durch Gangrels Kette finden kann. So weit wir ja jetzt wissen, hat er auch Dämonenblut in sich?"
„Wäre gut möglich. Lasst sie uns hier irgendwo verstecken. Wenn sie es ist, die Corbin auf deine Fährte führt, solltet ihr ihn für eine Weile los sein."
„Okay, dann werden wir mal von hier verschwinden. Da wir ja jetzt ein Pferd haben, sollten wir etwas schneller vorankommen. Nicht dass wir nicht auch so eine gute Strecke zurücklegen könnten, aber so geht es besser. Man glaubt gar nicht, wie gut Edge mit uns mithalten kann." Damit verabschiedeten sie sich von Silvanus und ritten los. Aber nicht ohne bei Amadeo vorbeizureiten und ihn zu erschrecken.
