Hauptquartier der Sternenflotte, Admiral Marcus Büro
Eine Stunde später
Khan wusste, dass die Daten, die er Admiral Marcus und Commander Aldredge präsentierte, für sich sprachen. Bereit in den Tagen, die er noch auf der Krankenstation verbrachte, hatten seine Mitarbeiter erstaunliche Arbeit geleistet und die Fehler gefunden, die zu der Katastrophe geführt hatten. Aber auch er hatte am Ende seinen Teil dazu getan, die Ergebnisse nicht nur überprüft und abgesegnet, sondern auch zu einem Bericht zusammengefügt, der die wichtigsten Punkte übersichtlich hervorhob.
Vielleicht gefiel es Marcus, dass sie gestern nicht nur einen weiteren Testlauf erfolgreich durchgeführt hatten, sondern auch schon die darauf basierende Weiterentwicklungen in Angriff genommen hatten, die bislang ja noch auf Eis gelegen hatten. Auch hier konnte er erste kleinere Zwischenergebnisse und weiterführende Ideen vorweisen.
„Wie bitte, das wollen Sie alles in nur zwei Tagen hingekriegt haben?" Aldredge knirschte mit den Zähnen. „Was haben Sie dieser faulen Bande in London eigentlich verabreicht, dass diese plötzlich so schnell und so konzentriert an ihren Projekten arbeitet, hm?"
Khan runzelte die Stirn. „Was meinen Sie damit?", fragte er dann, ein wenig irritiert über den letzten Satz. „Stetson und Hopkins haben durchaus gute Ideen", verteidigte er seine Mitarbeiter und verstand nun endlich die gelegentlichen Andeutungen besser, die der Ingenieur und die Technikerin ihm gegenüber bezüglich seines Vorgängers gemacht hatten. Deshalb fügte er genüsslich hinzu: „Man muss ihnen manchmal nur einen kleinen Anstoß geben und sie dann erst einmal eine Weile in Ruhe lassen, damit sie ihre Anregungen selbst weiterspinnen. Ich gebe zu, dass ich zwar regelmäßig nachgehakt habe, um sie an unseren Zeitplan zu erinnern, aber die beiden konnten mir dann auch jedes Mal positive Antworten geben."
„Ach, wirklich? Das ist mir jedenfalls ziemlich neu!" Aldridge stieß einen kichernden Laut aus, um seine Ärger zu überspielen, und rümpfte dann die Nase. „Die beiden sind die lausigsten Mitarbeiter, die ich in meiner ganzen Laufbahn erlebt habe. Vielleicht spielen Hopkins und vor allem Stetson jetzt auch nur mit, um sich einzuschmeicheln, denn sie wissen genau, das sie bei mir bereits auf der Abschussliste gestanden haben." Er schnaubte. „Genau so wie dieser verrückte Scott."
„Meine Herren, bitte!", lenkte der Admiral ein, weil er das verhindern wollte, was Khan schon selbst kommen sah. Eigentlich hatte er sich die passende Antwort zurechtgelegt und bedauerte es jetzt ein wenig, sie nicht aussprechen zu dürfen. Aber ein entsprechender Blick in Aldredges Richtung reichte natürlich auch aus, um den Commander noch weiter zum Kochen zu bringen.
„Es geht hier und jetzt nicht um Führungskompetenzen, sondern um Ergebnisse, und die hat London uns endlich geliefert. Nun müssen wir diese entsprechend verwerten", rief Marcus beide mit scharfer Stimme zur Ordnung. „Daher bitte ich sie noch einmal eindringlich, sich wieder auf das Thema zu fokussieren." Er verstärkte seine Aussage mit einer entsprechenden Geste. „Commander Aldredge – ich bitte um Ihre Einschätzung."
Dieser räusperte sich laut und erwiderte Khans spöttische Musterung mit kalter Verachtung, ehe er seinerseits das Datenpadd entgegennahm, kurz die Zusammenfassung überflog nahm und dann das Wort ergriff.
„Nun, ich denke, das Schutzfeld für die Torpedos können Sie bedenkenlos an das Oberkommando weitergeben, Sir, das verschafft uns Zugeständnisse und Ressourcen, die wir an anderer Stelle gut gebrauchen werden können", stellte er fest. „Immerhin verhindern wir damit weitere Unfälle wie im Fall der ‚U.S.S. Celeron', die uns eine Schiffsbesatzung und zwei wichtige Würdenträger von Andor gekostet haben."
Er schwieg einen Moment und betrachtete nachdenklich die vorliegenden Daten, ehe er weitere Ergebnisse einschätzte. „Auch die Verbesserungen am Konverter der Phaserphalanx, können jetzt nutzbringend eingesetzt werden, denn die friedliebenden Gemüter im Sternenflotten-Kommando werden nichts dagegen haben, etwas punktgenauer auf andere Schiffe schießen zu können, um Leben zu verschonen. Aber ich würde ihnen nur eine abgespeckte Version zur Verfügung stellen, nicht die komplette Entwicklung, zumal diese ja noch nicht ganz abgeschlossen ist."
Dann runzelte er die Stirn und schüttelte den Kopf. „Anders sieht es mit dem Rest aus, wie etwa die Verbesserung von Reichweite und Schusskraft bei den Handphasern. Da könnte man uns wie bei der Phaserphalanx leicht einen Strick draus drehen."
Er sah zu Admiral Marcus. „Sie wissen ja leider so gut wie ich, wie schnell die Vulkanier aus unverfänglichen scheinenden Daten Schlüsse ziehen können. Daher würde ich den Bericht noch etwas modifizieren und die Ergebnisse zusammenstreichen, um zu verhindern, das jemand unnötig weiter denkt als er soll. Wir wollen ja nicht, dass einige Personen auf die Gedanken kommen, wir seien Kriegstreiber, nicht wahr?"
„Das ist auch meine Meinung, Commander. Sie haben meine Erlaubnis, die Änderungen vorzunehmen, aber teilen Sie bitte auch Mister Harrison die Punkte Ihrer Überarbeitung mit, damit er weiß, worauf er in der kommenden Zeit achten sollte", erwiderte Marcus ruhig und lächelte. „Ich danke Ihnen für Ihre offene Einschätzung."
„Nun, Sie dürfen nicht vergessen, dass die meisten dieser Entwicklungen noch unter meiner Leitung gestartet sind und ich deshalb sehr genau weiß, was wir preisgeben können und was nicht", erklärte Aldredge dann mit einem süffisanten Ton in der Stimme. „Commander Harrison hat in diesen Fällen nur die Abschlüsse der Projekte abgesegnet. Ich bin jedenfalls gespannt, welche Arbeit er selbst in den kommenden Monaten leisten wird."
Khan zuckte nur mit einer Augenbraue und schmunzelte innerlich über den erneuten Versuch des anderen, seine Leistungen herunterzuspielen. Er wusste - seine Leute und er hatten viel mehr geleistet, als nur die Arbeiten abzuschließen. Sie hatten neben den notwendigen Korrekturen auch deutliche Verbesserungen vorgenommen.
Aber wozu sollte er sich darüber ärgern?
Viel interessanter fand er es, dass der Commander während seiner Einschätzung der Arbeiten weitere Informationen über sich preisgegeben hatte. Jetzt verstand er auch warum Aldredge trotz aller charakterlicher Schwächen und Unzulänglichkeiten, aus denen er aber auch keinen Hehl machte, das Vertrauen des Admirals genoss.
Khan revidierte sein erstes Urteil über die Fähigkeiten des Commanders und notierte für sich, dass er ganz offensichtlich nicht nur eine souveräne fachliche Kompetenz im technischen Bereich besaß, sondern auch ein messerscharfer Taktiker und Stratege mit Menschenkenntnis war. Der untersetzte Mann war dadurch weitaus gefährlicher als er zunächst vermutet hatte, vielleicht mehr noch als Marcus: ein gerissener Gegenspieler mit einem wachen Verstand ... und – dem Augment widerstrebte es, ihm das zuzubilligen - dem Geist eines Kriegers ...
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„Nun, da dies geklärt wäre," ,schreckte Marcus Khan aus seinen Gedanken, "würde mich einmal interessieren, welche Schlüsse Sie aus den Berichten ziehen, die ich Ihnen geschickt habe, Commander Harrison. Ich hoffe Sie haben die Zeit gefunden, diese ausführlich zu studieren."
„Ja, das hatte ich." Khan wusste, auf was der Admiral heraus wollte und lehnte sich ein wenig zurück, während er die Hände leicht gegen die Tischkante stützte. „Sie wünschen eine Einschätzung der Gefahr, die uns vom Klingonischen Reich droht", erklärte er dann bewusst nüchtern und ließ den Blick in der Runde schweifen. „Ich denke, es wird keine Überraschung für Sie sein, dass ich nur zum gleichen Schluss kommen kann wie Sie beide: Ja es wird Krieg geben."
Er machte eine abschätzige Handbewegung. „Ob in einem Monat, in einem Jahr oder in einem Jahrzehnt – die Konfrontation ist unvermeidlich. Es ist nur die Frage, wer in diesem Konflikt den ersten Schritt tun und angreifen wird.
Ich glaube, ich muss Ihnen beiden gegenüber ebenfalls nicht ausführen, dass es sich hier um eine Rasse handelt, die von Natur aus aggressiv veranlagt ist und gar nicht anders kann, als den Kampf zu suchen, um ihren Lebensraum zu erweitern. So wie es auch lange Zeit die Natur des Menschen war, wie Darwin nicht zu Unrecht festgestellt hat.
Die Kultur der Klingonen – soweit sie mir durch ihre Berichte bekannt ist - zeigt dabei sehr vertraute Aspekte. Sie basiert auf zwei Fundamenten. Stärke und Ehre..."
Er hielt einen Moment inne.
„Aspekte, die wir uns vielleicht zunutze machen können, wenn wir zu denken lernen wie dieses Volk. Denn genau so wie die Sikh in Indien oder die Samurai Japans sind sie keine wilden, barbarischen Krieger, die planlos handeln und nicht weiter als über die Klinge ihrer Waffen denken." Wieder holte er tief Luft. „Es wäre falsch zu denken, die Klingonen seien nicht zivilisiert. Nein, gerade weil sie einem strengen Kodex folgen, der ihr Leben definiert, ihnen Sicherheit und ein Ziel gibt, sollten wir sie nicht unterschätzen."
„Sie wollen doch nicht etwa sagen, dass Sie überholte Denkweisen bewundern, die der Menschheit in der Vergangenheit nur Ärger machten und diese mehrfach an den Rand des Abgrundes führten?" warf Aldridge spöttisch ein. „Dieses alberne Geschwafel von Ehre und Mut, der Herrschaft des Kriegeradels - das nur die grausame Barbarei verschleiern soll, die so viel Leben geford-"
„Sehen Sie, darin unterscheiden wir uns! Sie sehen nur die Oberfläche, aber nicht was dahinter steckt", schnitt Khan dem Commander das Wort ab. „Denn zu diesen Tugenden –- kommt noch die Disziplin, die es überhaupt erst ermöglicht, die Ausdauer für eine lange Konfrontation mit einem Feind aufzubringen, oder sich aus einer aussichtslosen Lage zu befreien und das Blatt noch einmal zum Guten zu wenden."
Er lächelte böse. „Sie unterschätzen die Vorteile, die ein strenger Ehrenkodex haben kann, Aldredge. Er hilft einem Krieger immer dabei, sich daran zu erinnern, wofür und warum er kämpft, welche Aufgabe er in der Rangordnung hat. Man darf die Regeln und Gebote nur nicht so eng wie ein Korsett schnüren oder für immer festschreiben und sich dann damit selbst die Bewegungsfreiheit nehmen. Geschieht das, verliert man die Fähigkeit, sich anzupassen und flexibel zu bleiben. Geschieht das, kommt es zum Fall solcher Zivilisationen und Lebensanschauungen geführt. Jedoch vollständig untergegangen und vergessen sind sie dadurch noch lange nicht..."
Aldredge schnaubte und machte eine verächtliche Handbewegung.
Er holte Khan damit wieder in die Wirklichkeit zurück. Dieser erschrak vor sich selbst. Was tat er da eigentlich? Er sprach doch nicht zu seinesgleichen, sondern...
Der Augment schluckte den Ärger über sich selbst und seine Leidenschaft für die Kriegerkulturen der Vergangenheit herunter und doch war er gleichzeitig stolz darauf. Schließlich floss in ihm durch die Frau, die ihn ausgetragen und sich in den ersten Jahren um ihn gekümmert hatte, auch das starke Blut der Sikh! Aber all das gehörte hier und jetzt nicht an diesen Ort!
Um von diesem heiklen Punkt, der seine eigene Persönlichkeit betraf abzulenken konnte er sich die folgende Spitze gegen den anderen Commander nicht verkneifen.
„Wer jedoch in Krisensituationen nur an sich denkt und ohne Rücksicht auf Verluste handelt, steht schneller als er es sich wünscht ganz alleine da und verliert alles, denn das ist der Moment, in dem ihn seine Gefolgsleute durchschauen und sich von ihm abwenden oder gar verraten. Das hat die irdische Geschichte mehr als einmal bewiesen."
Er fixierte Aldredge kalt. „Sie gewinnen mit ihrem Denken vielleicht einige Schlachten und unter Umständen auch schon einmal einen Krieg, aber damit können sie nicht lange ein Regime aufrecht erhalten oder gar einen Staat formen."
„Woher wollen Sie das denn wissen?" Aldredge verzog das Gesicht und lachte. „Ich gebe schon zu, dass sich die französische Revolution in eine Perversion ihrer selbst verwandelt hat, weil einige der Anführer zu sehr in die eigene Tasche wirtschafteten, aber die Ideen selbst haben überlebt und im nächsten Jahrhundert ganz Europa umgekrempelt. Und zwar nicht durch pure Waffengewalt.
Anders mit Japan. Darf ich sie daran erinnern, wie schnell die Samurai von der Landkarte gefegt wurden und verschwanden, als die Westliche Welt das Land im Jahr 1865 zwang, sich zu öffnen und der Realität zu stellen? Später krähte kein Hahn mehr nach ihren Tugenden und Regeln."
„Glauben Sie das wirklich? Dann kennen Sie die Geschichte aber schlecht", erwiderte Khan ruhig. „Das Japan der Edo-Zeit, war ein stabiler, funktionaler Staat, der zwar strenge Regeln besaß, den Menschen aber Sicherheit und Wohlstand nach Zeiten des Chaos und Krieges gab. Ihr Fehler war es, sich vor der Welt zu verschließen und zuzulassen, dass sie selbst in sich erstarrten, hätten sie nur auf die Strömungen in ihrer Mitte gehört, die Veränderungen propagierten, dann hätten sie den Amerikanern mehr entgegen setzen können. Und ja, als Kaste mögen sie vielleicht untergegangen sein, aber ihre Werte, ihre Regeln und ihre Philosophie haben sich bewahrt und die Kultur noch über weitere Jahrhunderte geprägt und gestützt."
„Oh Gott,, Harrison, jetzt klingen Sie gerade wie einer dieser verbohrten Militärhistoriker, die nur in der Vergangenheit leben und der verbohrten Ansicht sind, damals sei alles besser gewesen. Oder gehören Sie vielleicht sogar irgendeiner obskuren Verbindung, einer altbackenen Sekte an, die diesen barbarischen Gesellschaftsformen noch immer hinterher trauert?", stichelte Aldredge weiter. „Was haben ihre sogenannten kriegerischen Werte, der Menschheit denn überhaupt gebracht? Nur Krieg, Chaos und Leid! Erst nach den Eugenischen und dem dritten Weltkrieg haben die Menschen dazugelernt und diese überkommenen Verhaltensweisen abgeschüttelt!"
„Das Chaos und den Wahnsinn, das zu diesen Kriegen führte, haben machtgierige Politiker und ihre Lobby verursacht, die mit unsauberen Mitteln, Verrat und falschen Versprechungen, erst Fanatiker und Idealisten, später aber auch das eigene Volk gegen sich aufgebracht haben, nicht diejenigen, die ihre Wünsche ausführten."
Khan spürte Wut in sich hochsteigen und vergaß für einen Moment, mit wem er redete und über was.
„Es waren Personen und Organisationen oder Regime, der sogenannten „ersten" Welt, die in erster Linie an ihre eigenen Vorteile dachten, die der eigenen Wirtschaftmacht und dem organisierten Verbrechen in die Hände arbeiteten, um sich selbst zu bereichern. Sie und ihre Interessen waren die Kriegstreiber, nicht die Männer und Frauen, die in ihrem Namen zu den Waffen griffen..."
„Meine Herren!" Admiral Marcus schlug mit der Faust auf den Tisch und sorgte dafür, dass die beiden zu ihm hinsahen. Vor allem die nächsten Worte brachten Khan wieder auf den Boden der Tatsachen zurück.
„Wir sind nicht hier, um Werte der Vergangenheit zu diskutieren, sondern die Probleme der Gegenwart. Darf ich Sie daran erinnern, um was es in dieser Besprechung eigentlich geht?"
Der Augment ließ zischend die Luft aus seinen Lungen entweichen. „Natürlich!", erwiderte er kalt. „Ich versuche nur die Gedankengänge der Klingonen nachzuvollziehen und begreifbar zu machen, indem ich Bezüge zur irdischen Geschichte herstelle und Vergleiche anstelle. Das ist nur der erste Schritt, denn Sie müssen den Gegner erst wirklich verstehen können, um ihn zu besiegen. Vorher ist jeder Versuch zum Scheitern verurteilt."
Um seinen Mund spielte ein zynischer Zug, als sein Blick kurz den anderen Commander streifte. „Aber ich befürchte, das dürfte einigen Personen hier im Raum recht schwer fallen, nicht wahr?"
Dafür erntete er einen strengen Blick von Marcus, der ihn aber wenig störte, denn nun hatte er sich wieder ganz in der Gewalt.
Ruhig fügte er hinzu: „Mit kleinen harmlosen Nadelstichen, zögerlichen Reaktionen auf Angriffe oder dem Austausch der üblichen nichtssagenden, diplomatischen Freundlichkeiten in den Protestnoten wird die Föderation diesem Volk nicht beikommen – eher im Gegenteil: Sie wird stattdessen nur noch mehr Verachtung von ihnen ernten, weil dass eher das Verhalten eines Schwächlings und Feiglings ist."
Er machte eine kleine Pause, um die Worte bei den anderen sacken zu lassen. „Die Förderation muss durch die Sternenflotte zeigen, dass sie auch anders sein kann. Sie muss Stärke, Entschlossenheit und den Mutausstrahlen, alles zu wagen, selbst einen Erstschlag, der eigentlich allem widerspricht, was die Gesetze und Regeln der Förderation ausmacht. Diejenigen, die in ihr dienen, müssen bereit dafür sein, gnadenlos und unerbittlich zuzuschlagen, sich aber auch todesmutig in den Kampf zu stürzen und in Ehre zu sterben, wenn es keinen Ausweg mehr gibt.
Allein das wird die Klingonen beeindrucken und dazu bringen, die Förderation endlich als gleichwertigen Partner im All zu akzeptieren. - Nur dies und nichts anderes! - Dann erst dürfte eine Basis für weitere Verhandlungen und möglicherweise sogar einen länger andauernden Frieden geschaffen sein."
Marcus hatte ihm die ganze Zeit aufmerksam zugehört und lächelte gelegentlich, während Aldredge eher skeptisch dreinblickte. Nun, nachdem Khan seinen Monolog beendet hatte, fragte der Admiral nur: „Und was würden Sie als geeignete Maßnahmen vorschlagen, um genau das zu erreichen?"
„Lassen Sie mich zusammenfassen: Was haben die Klingonen bisher von der Sternenflotte kennen gelernt – waren das nicht überwiegend Forschungsschiffe und Kolonien, die zwar über eine gewisse Bewaffnung verfügten, ihnen aber nicht wirklich etwas entgegensetzen konnten?"
Khan legte die Stirn in Falten.
„Vielleicht würde am Anfang eine kleine Flotte von Schiffen ausreichen – größer, schneller und wendiger als alles, was die Klingonen bisher gesehen haben. Es sollte allein auf den Kampf ausgerichtet sein, bemannt nur mit einer kleinen Crew, die nicht mehr Köpfe als die Besatzung eines klingonischen Schiffes zählt. Es sollten erfahrene Männer und Frauen sein, zu allem entschlossene, starke Krieger, die keine Gnade kennen und ihre Waffen auch im Zweikampf virtuos beherrschen und das tun, was nötig ist. physisch wie psychisch. Sie müssen bereit sein zu töten ohne einen Gedanken auf Moral zu verschwenden."
Er überlegte weiter und lächelte dann. „Die Klingonen bemessen den Wert eines Gegners gerne im Kampf Mann gegen Mann und sehen Zögern, Zurückweichen und Versuche, Gnade zu gewähren und Leben zu verschonen als Schwäche an. Zeigt man nur einen Funken davon, ist es vorbei."
War es das, was Admiral Marcus von ihm hören wollte? Die Bestätigung für das, was er schon längst selbst für sich erkannt und überlegt hatte? Es schien fast so, denn der ältere Mann hatte bei jedem seiner letzten Sätze genickt.
Für einen Moment herrschte Schweigen. Dann blickte der Admiral zwischen seinen den Männern hin und her und ergriff wieder das Wort: „Was halten Sie davon, uns in den nächsten Wochen ein Konzept auszuarbeiten, wie Sie sich das genau vorstellen, Commander Harrison? Commander Aldredge, ich weiß ihre bisherigen Entwürfe durchaus zu würdigen, aber ich halte es für lohnenswert, zu sehen, wie sich ihr Nachfolger ein solches Kriegsschiff vorstellt, um gemeinsam das Beste aus beiden Entwürfen heraus zu holen."
„Sie arbeiten also bereits an einem solchen Schiff", schloss Khan aus den vagen Andeutungen und der nun deutlich mürrischeren Miene von Commander Aldredge, der seinen Mund öffnete, als wolle er etwas sagen.
Doch Marcus gebot ihm mit einer Geste zu schweigen und wandte sich gezielt Khan zu: „Ja, Sie haben das genau richtig erkannt. Wir entwickeln derzeit den Prototypen einer neuen Schiffsklasse. Aber ich war mit den bisherigen Entwürfen und Entwicklungen noch nicht ganz zufrieden, weil ihnen etwas gefehlt hat."
Der Admiral lächelte hintergründig und missachtete die zusammengepressten Lippen und vor Zorn funkelnden Augen von Aldredge.
Auch dass passte zum Psychogramm des Mannes. Schon die Andeutung, dass er vielleicht nicht mehr unersetzbar war, machte ihn zu einer tickenden Zeitbombe. Daher verzichtete Khan in diesem Moment gern darauf, seinen Kollegen zu provozieren, sondern konzentrierte sich ganz auf Marcus.
Der sprach ruhig weiter: „Vielleicht bringen Sie die notwendigen Ideen und Impulse ein, die das Schiff zu einer wirklich schlagkräftigen Waffe machen werden." Sein Blick richtete sich auf den dritten Mann im Raum. „Commander Aldredge wird ihnen deshalb in den nächsten Tagen alle nötigen Unterlagen zukommen lassen."
„Ja, Sir!", knurrte der, verzichtete aber, darauf, Einwände zu erheben, weil er weiterhin nicht beachtet wurde, denn der Admiral blickte ein letztes Mal zu Khan „Ich setze auf sie!", sagte er mit festem Blick und einem Unterton in der Stimme, der noch etwas anderes andeutete: ‚Vielleicht lasse ich dann ja endlich mit mir reden, was ihre Crew betrifft, Mr. Singh ...'
