Frisch aus der Rechenmaschine vor mir ist ein neues Kapitel eingetroffen.
Kleine Info am Rande: Dies ist quasi ein Spin-Off zu der eigentlichen Fanfiction, das sich nur um Don drehen wird, wie ihr nachfolgend selbst lesen könnt. Ich hatte überlegt, es als Oneshot zu machen oder ganz wegzulassen, habe mich aber dafür entschieden, es beizubehalten.
Wie gewohnt wünsche ich viel Spaß beim Lesen und beim Feedbackgeben.
Credits: "10 Dinge, die ich an Dir hasse" ist ein genialer Film, von dem ich einen Teil einfach benutzen musste. Die zitierte Songzeile ist aus "The Weakness in Me", gesungen von Joan Armatrading.
Disclaimer: I don't own Numb3rs.
13.
Sein Flug war gelandet. Gerade hatte er die Sicherheitskontrolle passiert, ging durch eine Schiebetür mit Milchglasscheiben und sah auch schon Terry Lake, eine enge Freundin, die mit ihm die Ausbildung beim FBI absolvierte und ihn schon vorgestern Abend hergefahren hatte, da sein eigener Wagen in der Werkstatt war. Wie fast jeden Tag trug sie ein paar Jeans, ein schlichtes T-Shirt und ihre geliebte Jeansjacke, ohne die sie niemals das Haus verlassen würde. Ihre Haare hatte sie zu einem Pferdeschwanz gebunden. So kannte er sie und so sollte sie bleiben, dachte er, denn anders wäre sie nicht die Terry, die er mittlerweile seit drei Jahren kannte und in sein Herz geschlossen hatte. Obwohl er nur etwas mehr als einen Tag weg gewesen war, hatte er sie vermisst. Darum und um Fragen zu seinem Kurztrip aus dem Weg zu gehen, lächelte er sie an und umarmte sie freundschaftlich zur Begrüßung.
"Erzähl. Wie ist es gelaufen?", fragte sie sofort neugierig, nachdem sie sich aus der Umarmung gelöst hatte und ihn eingehend musterte.
"Das Gespräch war sehr gut, sie werden sich in den nächsten Tagen bei mir melden. Hab ich etwas Wichtiges verpasst?"
"Ausbildungstechnisch nicht, informationstechnisch dagegen schon." Ihre kryptische Antwort gefiel ihr, dabei lächelte sie aber schon.
Verwirrt schaute er sie an, denn ihre Aussage hatte er nicht verstanden. Das Fragezeichen war quasi in sein Gesicht gemeißelt, aber ihr Lächeln war ansteckend.
"Ich habe gestern ein Jobangebot erhalten und kann nach meinen Abschluss hier mein Psychologie-Studium, das ich ja vor der Ausbildung gemacht habe, fortsetzen und forensische Psychologin werden. Das ist eine Ausbildung im dualen System, heißt also studieren und parallel für das FBI arbeiten. Das alles wird in L.A. sein und kostet mich nichts, denn das FBI zahlt alles. Ich muss mich nur verpflichten, hinterher zehn Jahre bei denen zu bleiben. Das ist genau das, was ich will."
"Großartig, Terry. Du hast schon zugesagt?!"
"Ja telefonisch, aber die haben mich gebeten, das schriftlich zu bestätigen. Darum müssen wir noch kurz zur Post."
"Kein Problem. Das ist wirklich klasse. Heute Abend feiern wir das. Was hältst Du davon? Wir müssen zwar lernen, aber das machen wir vorher. Noch haben wir ja ein paar Tage Zeit und wir sind gut, da können wir uns einen freien Abend gönnen."
"Oh ja", erwiderte sie. "Lass uns aber erst mal von hier wegkommen, sonst schlagen wir noch Wurzeln und aus dem Abend wird nichts." Nun ging sie einfach los und er hielt Schritt. "Was hast Du alles in der Großstadt getrieben? Wie war's bei Deiner Familie?"
Wieso nur hatte er gewusst, dass sie das Thema nicht übergehen würde, fragte er sich und konnte sich die Antwort selbst geben. Sie kannte ihn gut und wusste eigentlich ziemlich viel über ihn. Nur ihr hatte er von den Problemen mit seinem Bruder erzählt. Nur sie war an seiner Seite, als er die Nachricht vom Unfall seiner Mutter erhalten hatte und nach Hause musste. Normalerweise war er immer ruhig und klar strukturiert, aber das war ihm in der der Situation nicht möglich und da hatte sie ihm sehr geholfen, indem sie einen Flug buchte, ihm zum Flughafen fuhr und seinem Vorgesetzten alles erklärte. Das Gleiche würde er aber auch für sie machen und das wusste sie auch, denn es gehörte zu einer Freundschaft einfach dazu. Trotzdem beantwortete er ihre Frage nur grob: "Viel Zeit hatte ich nicht, schließlich war ich wegen dem Termin da, der vormittags stattfand. Nachmittags habe ich dann eine Studentin von Charlie angefahren und war gestern den ganzen Nachmittag mit ihr im Krankenhaus." Erst jetzt, da er vom Vortag erzählte, dachte er wieder an Amita, denn, sobald er Terry erblickt hatte, war fast jeder Gedanke an die Heimat und die Geschehnisse des Vortages verschwunden. Nicht zum ersten Mal hatte er um sie herum die restliche Welt vergessen, trotzdem besann er sich auf den Rest seiner Antwort, der noch fehlte. "Nur abends war ich kurz zu Hause, habe gegessen und bin dann ins Bett. Heute Morgen musste ich dann zum Flughafen und hatte entsprechend wenig Zeit." Das sollte fürs Erste an Informationen reichen, beschloss er.
"Geht's ihr gut?", erkundigte sich Terry besorgt.
"Ein gebrochenes Bein. Sie hatte Glück."
"Dann ist ja gut."
Daraufhin nickte er bestätigend, brachte dann aber das Thema zum Abschluss: "Terry, sei mir nicht böse, aber das war gestern schon den ganzen Tag Programm, besonders abends zu Hause wegen meiner Mutter." Nun, um endgültig das Thema zu wechseln, fuhr er schließlich gut gelaunt fort: "Ich möchte jetzt einfach einen schönen Tag haben. Ankommen, mit Dir feiern und irgendwann übermüdet ins Bett fallen. Morgen werden wir dann unseren letzten Ausbildungstag begehen, danach Tag und Nacht ununterbrochen lernen, um schließlich mit Auszeichnung zu bestehen und einen neuen Lebensabschnitt in meiner Heimatstadt zu beginnen."
"Schön, dass Du mich bei der Planung der nächsten Tage um meine Meinung gefragt hast", antwortete sie ironisch, lächelte aber dabei. Natürlich hatte sie gewusst, was sie in den nächsten Tagen passieren würde und sie freute sich darauf, denn sie verbrachte ihre Zeit gerne mit ihm.
Gemeinsam gingen sie nun schweigend, da beide in ihren Gedanken versunken waren, zu ihrem alten Chevy. Nachdem sie eingestiegen war, zog sie von innen den Knopf an der Beifahrerseite hoch. Als auch er saß und seine Tasche verstaut hatte, fuhr sie zügig vom Parkplatz und schaltete währenddessen das Radio ein. „I'm not the sort of person that falls in and quickly out of love but to you I gave affection right from the start …", sang eine Frauenstimme Sofort erkannten sie es beide und dachten zur selben Zeit an den gleichen Abend, den sie vor ein paar Wochen gemeinsam verbracht hatte. Dazu sagten sie aber nichts sondern schwiegen diesen Abend weiterhin Tod. Genau aus diesem Grund wechselte sie den Sender. Dort lief gerade der Wetterbericht, der nichts anderes als puren Regen ankündigte.
"Don, für heute Abend suchen wir uns was Überdachtes", brach sie daraufhin die Stille.
"Gute Idee. Was hältst Du vom Monty's in der Nähe des Parks? Die machen dort eine fantastische Pizza."
"Da war ich lange nicht mehr ", antwortete sie und nickte. Gleichzeitig erblickte sie rechts von der Straße eine Postfiliale. Sie bog ab und stoppte den Wagen. "Ich geb kurz den Brief ab, das dauert nicht lange." Schon war sie ausgestiegen und ging auf den Eingang zu.
Derweil blieb Don im Auto und hörte dem Radiomoderator zu, der ihn nervte. Darum schaltete er es aus. Stattdessen nahm er aus seiner Tasche das Fachbuch, womit er die knapp halbstündige Fahrt, die noch vor ihnen lag, nutzen wollte. Nebenbei würde er Terrys Wissen abfragen. Nun schlug er das Buch auf und las einige Absätze.
Wenige Minuten später kehrte sie zurück. "Geschafft. Da standen Leute an, das glaubst Du nicht. Der eine regte sich über die Höhe des Portos auf. Der nächste hatte vergessen, den Paketschein auszufüllen. Das übliche. Auf jeden Fall ist mein Brief unterwegs." Während sie all das erzählte, schaute sie zu ihm hinüber. Als sie das Buch erblickte, verdrehte sie die Augen. Er gehörte in ihrem Jahrgang zu den besten Drei, trotzdem nutzte er jede Gelegenheit, um zu lernen. Vermutlich wollte er etwas beweisen und sie ahnte auch was, doch er hatte es nicht nötig, denn er war wirklich gut. "Streber!"
"Sagt die Richtige", entgegnete er prompt. Dabei griff er nach ihrem auf dem Rücksitz deponierten Lehrbuch, aus der Unmengen an Postits herausschauten, auf die er nun deutete und sich ein Grinsen nicht verkneifen konnte.
"Erwischt. Hast Du schon was Neues gelernt?", fragte sie ihn, während sie sich wieder in den Verkehr einfädelte.
"Nein, aber ich werde jetzt Dein Wissen testen.", erwiderte er und stellte ihr nun gezielt Fragen.
So verbrachten sie den Rückweg, wobei sie sich nicht schlecht machte. Genau genommen war sie sogar sehr gut. Schließlich hielt sie vor der Werkstatt, bei der Don den alten Volvo seines Vaters zur Reparatur abgegeben hatte. "Fährst Du heute Abend?", fragte sie ihn.
"Ja, ich hol Dich um 19 Uhr ab. Okay?"
"Bestens."
Jetzt stieg er aus, beugte sich aber noch einmal zu ihr runter. "Vielen Dank fürs Abholen. Bis später."
"Dafür nicht. Bis dann."
Mit seiner Tasche in der Hand wollte er zum Büro gehen, überlegte es sich aber anders und winkte ihr zum Abschied noch einmal zu. Dann ging er weiter und holte seine Schlüssel, erhielt die Rechnung und fuhr dann schließlich zu sich.
In seiner eigenen Wohnung angekommen, stellte er erst seine Tasche ab, zog seine Schuhe aus und hing dann seine Jacke an die Garderobe. So betrat er die Küche und nahm aus dem Kühlschrank eine Flasche Wasser, ehe er damit in sein Wohnzimmer ging und dabei einen Schluck trank. Sofort schritt er zu seinem Anrufbeantworter, dessen Anzeige rot blinkte und drückte den Abspielknopf.
„Eine neue Nachricht", sagte die blecherne Stimme, dann knackte es kurz, als das Band zu laufen begann. „Guten Tag, Mr Eppes. Hier spricht Mr Wine vom FBI-Büro in Los Angeles. Ich hoffe, Sie sind nach unserem Gespräch gut zurückgekommen und möchte Ihnen nur kurz mitteilen, dass wir uns für Sie entschieden haben. Die Unterlagen sind schon in der Post. Bei Fragen stehe ich Ihnen selbstverständlich gerne zur Verfügung. Auf Wiederhören." Wieder knackte es, als das Band stoppte.
Zusage? Zusage! Konnte dieser Tag noch besser werden? Innerlich führte Don einen Freudentanz auf, der sich äußerlich aber nicht bemerkbar machte. Endlich würde er in seine Heimat zurückkehren und das nicht alleine, auch Terry würde dort sein. Das musste wirklich gefeiert werden, aber nicht im Monty's, denn für eine rauschende Feier war es nicht fein genug. Daher entschied er sich für das Larissa, wo er mal mit seinem Vater gewesen war.
Aus einem Regal zog er das Telefonbuch und suchte die Nummer des Restaurants heraus, rief dort an und bestellte einen Tisch für zwei Personen. Dann rief er erst Terry an und sagte ihr, wo sie hingehen würden, damit sie sich entsprechend kleiden konnte. Jetzt da alles erledigt war, konnte er sich in Ruhe hinsetzen und lernen, womit er die nächsten Stunden verbrachte.
Er saß an seinem Schreibtisch, auf dem diverse Bücher, Zettel voller Notizen und auch Karteikarten zum Auswendiglernen lagen. Einiges hatte er geschafft und konnte wieder ein Thema auf seiner Liste als gelernt abhaken.
Nun wollte er sich umziehen und fertigmachen und begann mit einer kurzen Dusche, dann putzte er sich die Zähne und benutzte das gute Eau de Toilette, das ein Geschenk seines Vaters war. Danach holte er aus seinem Schrank einen dunkelblauen Anzug heraus, dazu ein hellblaues Hemd. Nach einer Krawatte war ihm nicht, stattdessen ließ er den obersten Knopf des Hemdes offen. So ausstaffiert ging er zu seinem Wagen und fuhr damit los.
Für sie war es ein vergeblicher Versuch gewesen, auch nur ein winziges bisschen lernen zu wollen, denn sie konnte sich nicht konzentrieren. Warum hatte er plötzlich dieses noble Restaurant gewählt, fragte sie sich zum wiederholten Mal, denn so besonders war ihre Neuigkeit nicht, auch wenn sie sich sehr darüber freute.
Jetzt stand sie in ihrer Unterwäsche vorm Kleiderschrank und konnte sich nicht entscheiden, denn es gab so viel bei der Wahl des Outfits zu bedenken. Schließlich entschied sie sich für ein schwarzes, knielanges Trägerkleid, zu dem ihre Ballerinas passten. Ihre einzigen Accessoires waren eine kleine Handtasche und ein Chiffonschal. Das zog sie nun an und dann ins Bad, wo sie ihr etwas über schulterlanges Haar hochsteckte. Gerade, als sie fertig war, begannen schon einzelne zu kurze Strähnen ihr ins Gesicht zu fallen. Selbst eine ganze Flasche Haarspray konnte dagegen nichts ausrichten, darum beließ sie es so. Anschließend legte sie ein leichtes Makeup auf, das sie gerade mit einem farblosen Lipgloss komplettierte, als es an der Tür klingelte.
Sie ging in den Flur und drückte den Knopf der Gegensprechanlage. „Einen Augenblick noch Don, ich komm gleich", sagte sie. Dann schaute sie sich abschließend noch einmal prüfend im Spiegel an. Sie konnte sich sehen lassen, befand sie, nahm ihre Tasche und legte den Schal um, ehe sie ihre Wohnung verließ und auf den Eingang zuging. Als sie die Haustür öffnete und hinaustrat, schob sie gerade wieder eine Haarsträne hinter ihr Ohr.
Dort wartete Don auf sie, der seinen Augen nicht traute, als eine völlig verwandelte Terry vor ihm stand. Sie war wunderschön und so anders als sonst. Schlichte, einfache Kleidung war ihr Markenzeichen, noch nie hatte er sie anders gesehen. Schön war sie natürlich auch im Alltag. Nur war sie jetzt so anders, dachte er. Seinem Drang zu lächeln konnte er nicht widerstehen. „Du siehst wunderschön aus. Ich hätte doch eine Krawatte umbinden sollen", begrüßte er sie und küsste sie auf beide Wangen. Dann ließ er sie bei sich einhaken und führte sie so zu seinem Wagen. Dort angekommen öffnete er ihr die Beifahrertür.
Was war geschehen? Hatte er sie tatsächlich bemerkt, die Frau in ihr? Längst hatte sie die Hoffnung aufgegeben und sich in immer neue Liebschaften gestürzt, die meist ein katastrophales Ende nahmen. Aber er hatte sie gesehen, da war sie ganz sicher, sogar sicherer, als sie es vor ein paar Wochen gewesen war.
Einige Wochen zuvor:
Ihr Freund hatte sich gerade von ihr getrennt und ihr klar gemacht, dass er sie nie wieder sehen wollte. Wüst beschimpfte er sie, dass sie ihn nur als Notnagel benutzte und nicht liebte. Warum sie die Augen nicht endlich öffnete und sich den Mann nahm, den sie wirklich wollte, hatte er sie gefragt. Darauf hatte sie nichts geantwortet, denn er hatte Recht. Dabei hatte sie gedacht, in ihm einen guten Freund gefunden zu haben, mit dem sie gerne zusammen war und den Lebensabschnitt hier in Quantico beenden wollte, wenn da schon nicht mehr war.
Ihre Illusion war jedoch geplatzt und so rief sie in ihrem Kummer den Menschen an, den sie immer anrufen konnte. Sofort kam Don zu ihr, ließ ihr aber gar keine Chance lange zu lamentieren sondern machte Nägel mit Köpfen. Sanft schaute er sie an, wischte ihr die Tränen aus dem Gesicht, legte seinen Arm um ihre Schulter und ging mit ihr raus. Ohne darüber nachzudenken, ließ sie sich von ihm führen und hörte sich dabei seine aufmunternden Worte an. Wie selbstverständlich endete ihr Weg am Kino, das sie oft gemeinsam besuchten. Sie hatte sich beruhigt und hörte ihm zu. Ob sie ein Film gucken wollte, fragte er sie und aus dem Bauch heraus nickte sie, wobei ihr Kopf das nicht wollte. An der Kasse erfuhren sie, dass nur „10 Dinge, die ich and Dir hasse" noch nicht begonnen hatte. Fragend schaute er sie an und sie nickte wieder, dabei wusste sie nicht, worauf sie sich einließ. Die Tickets bezahlte er.
Zusammen gingen sie in den Saal, der fast leer war und suchten sich ein Platz am Rand, weit ab von den anderen Zuschauern. Der Film versprach lustig zu werden, zumindest vermittelte der Anfang das. Doch dann schlug der Film in eine Romanze um, die schließlich in dieser einen Szene endete, in der der Typ seine Angebetete nicht küsste sondern den Kopf wegzog. Wie konnte er das nur tun, hatte sie sich damals gefragt und ihre Gefühle zogen sie wieder nach unten. Doch sie war nicht allein, denn Don versuchte, sie zu trösten. Erst berührte er sie sachte am Arm und flüsterte auf sie ein, aber ihr Schluchzen wurde mit jeder Szene stärker, besonders als die weibliche Hauptfigur im Musikladen saß und Gitarre spielte. „I'm not the sort of person that falls in and quickly out of love but to you I gave affection right from the start …", setzte schließlich die Musik ein und genau diese Zeile spiegelte ihre Gefühle wieder. Nun saß sie hier mit ihm und konnte sich nicht mehr zusammenreißen. Ihre Tränen ließ sie freien Lauf, woraufhin er aus dem Saal führte.
Im Foyer nahm er sie in den Arm und drückte sie fest an sich. Nach einer Weile schaute sie hoch, schaute mit ihren verquollenen Augen in die seinen, wobei er den Blick erwiderte. In diesem Augenblick fühlte sie sich geborgen, fühlte, dass er endlich die Frau in ihr sah. Darum folgte sie wieder ihrem Gefühl, stellte sich auf die Zehenspitzen und schob ihr Gesicht so weit vor, bis sie mit ihren Lippen seine berührte. Ihr Traum erfüllte sich, denn sie küsste ihn. Nur Sekundenbruchteile später spürte sie, wie er den Kuss erwiderte, erst sanft und dann mit mehr Nachdruck. Für sie hätte Welt stehen bleiben können, aber sie wusste, dass sie nur ein Abenteuer sein würde, mehr nicht. Deshalb trennte sie sich abrupt von ihm, wobei ihr wieder Tränen über die Wangen liefen, die nichts mit ihrem Ex-Freund zu tun hatten und rannte davon. In ihrer Wohnung ließ sie sich auf das Bett fallen und weinte sich so in den Schlaf.
Am nächsten Morgen verschlief sie und wurde erst eine halbe Stunde nach Unterrichtsbeginn wach, aber das trieb sie nicht zur Eile an. Erst wusch sie sich im Bad die Spuren der Tränen aus dem Gesicht und starrte danach ihr Ebenbild im Spiegel an, das sie nur schwer ertragen konnte, aber sie konnte sich nicht vergraben, denn sie musste am Unterricht teilnehmen. Auch musste sie die Sache mit Don klären, falls sie nicht alles kaputt gemacht hatte.
Daran dachte Terry, als sie erkannt hatte, dass er sie bemerkt hatte. „Du siehst perfekt aus, mach Dir keine Gedanken", erwiderte sie deshalb, als auch er im Auto saß.
„Na gut." Mittlerweile konnte er mit der Neuigkeit nicht mehr hinterm Berg halten. „Ich habe auch eine gute Nachricht. Sie haben mich genommen, also müssen wir richtig feiern. Darum auch das Larissa."
Bei diesen Worten strahlte sie über das ganze Gesicht, denn sie konnte ihre Freude einfach nicht verbergen. "Das ist wirklich super, unsere Wege trennen sich noch nicht."
"Nein, das tun sie nicht." Auch sein Gesicht war verändert, was auch an ihrer Reaktion lag. Vielleicht gab es ja doch noch Hoffnung.
Nach kurzer, stiller Fahrt erreichten sie das Restaurant. Wieder öffnete er ihr die Tür. Zusammen betraten sie das Restaurant und wurden von einem Ober zu einem für zwei Personen gedeckten Tisch geführt. Wie ein Gentleman rückte er ihren Stuhl zurecht. Dann erhielten sie die Menükarten.
"Darf ich Ihnen schon etwas zu trinken bringen?", wandte sich der Ober zuerst an Terry, die kurz nachdachte und dann fragend ihren Begleiter anschaute.
"Eine Flasche Champagner bitte."
"Sehr wohl." Damit wandte sich der Ober ab und ging zurück.
"Champagner?", fragte sie und schaute verwundert drein.
"Wir wollen doch feiern oder nicht. Da haben wir uns den, wie ich finde, redlich verdient."
Nun vertieften sie sich in die Karten. Schnell hatten sie sich entschieden und klappten die Karten zu. Kurz darauf kehrte der Ober mit dem Getränk zurück, füllte ihre Gläser ein erstes Mal, stellte die Flasche auf den Tisch und nahm dann ihre Bestellung auf.
"Ich hätte gerne den Fisch mit der mediterranen Pasta", teilte Terry mit.
"Das Rindersteak aus Argentinien, medium, bitte", sagte Don.
Nachdem der Ober wieder gegangen war, hob Don das Glas. "Auf uns und unsere glorreiche Zukunft." Dann sahen sie sich beim Anstoßen tief in die Augen, ehe beide einen Schluck tranken. So begannen sie ihren gemeinsamen Abend, bei dem sie über alles redeten. Zwischendurch wurde das Essen gebracht, sie unterhielten sich aber weiter beim Essen. Ihre Gläser wurden nicht leer, denn Don füllte immer nach. Nachdem sie ihr Mahl beendet hatten, waren beide leicht beschwipst und zu satt, um auch nur über einen Nachtisch nachzudenken.
"Lass uns ein wenig spazieren gehen", schlug Terry daher vor und wollte gar nicht wissen, wie hoch die Rechnung sein würde.
"Ja", antwortete er und gab dem Ober ein leichtes Handzeichen
Dieser reagierte umgehend. "Sie wünschen?"
"Ich würde gerne zahlen."
"Einen Augenblick." So schnell wie er gekommen war, war er wieder verschwunden und kehrte rasch mit der Rechnung zurück.
Mit einem kurzen Blick auf den Betrag, zog Don sein Portemonnaie aus der Gesäßtasche und holte daraus seine Kreditkarte, die er dem Ober reichte.
Das alles geschah binnen weniger Sekunden, so dass Terry gar keine Chance hatte, irgendetwas zu sagen. Erst jetzt, da der Ober wieder weg war, kam sie dazu. "Du sollst das nicht allein bezahlen, Don. Das ist zu teuer."
"Das ist egal, wir sind nur einmal jung und können unser Leben feiern", entgegnete er gutgelaunt, denn auch bei ihm hatte der Champagner seine Wirkung nicht verfehlt.
Augenblicke später kehrte der Ober mit dem Beleg für Don sowie dessen Kreditkarte zurück und hielt ihm einen Beleg zur Unterschrift hin. Schnell prüfte er die Beträge, ehe er gegenzeichnete. Dann zog der Obr endgültig von dannen. Beide nahmen den letzten Schluck aus ihren Gläsern, ehe sie das Restaurant verließen.
Draußen war es frisch geworden, darum breitete sie den Schal aus und drapierte ihn um ihre Schulter, dann hakte sie sich wieder bei ihm ein. Gemeinsam überquerten sie die Straße und kamen zu dem Park, der wunderschön um einen kleinen See herum angelegt war. Am Himmel funkelten Sterne und der Mond war schon fast kugelrund, so dass ihr Weg gut erhellt war.
"Schau Dir den Himmel an, der ist wunderschön", sagte Terry und schaute nach oben.
Er folgte ihrem Blick und entdeckte vollkommene Schönheit, die er auch in ihr entdeckt hatte. Warum musste nur alles so kompliziert sein, fragte er sich.
Einige Wochen zuvor:
Im Kinofoyer war dieser Augenblick, als sie ihn anschaute. Mehr denn je wollte er sie und konnte sich, als ihre Lippen seine berührten, nicht zurückhalten. Doch plötzlich löste sie sich von ihm, wobei wieder Tränen über ihr Gesicht rannen. Eigentlich konnte die Trennung sie nicht so stark getroffen haben, denn sie waren erst ein paar Monate zusammen und sie schien nie so ganz von der Beziehung überzeugt gewesen zu sein. Aber er hatte nicht nachgefragt und war jetzt da, als sie ihn brauchte. Heute hatte sie ihn endlich richtig angesehen, lief aber weg. Zurück blieb er ganz allein mit einem Ticket für einen Film, den er ohne sie nicht zu Ende schauen würde. Also ging auch er schließlich, holte sein Auto ab und fuhr nach Hause.
Als sie am nächsten Tag nicht zum Unterricht erschien, machte er sich Sorgen, aber er wollte sie nicht drängen. In der Pause wollte er dann doch zu ihr, aber das war nicht mehr nötig. Sie stand überraschend vor ihm, sah aus wie an jeden anderen Tag auch, aber anstatt zu ihm zu kommen, ging sie weg. In der nächsten Stunde setzte sie sich zu jemand anderen und ignorierte ihn. So ging es den ganzen Tag, ehe sie nachmittags nach dem Schießtraining direkt auf ihn zuging. Sie entschuldigte sich bei ihm, es hatte nichts mit ihm zu tun, sie hatte einfach nur mit dieser Trennung zu kämpfen. Der Kuss war eine Sache des Moments, sagte sie ihm. Diese Nachricht traf ihn schwer, aber wie so oft zeigte er seine Gefühle nicht sondern verbarg sie hinter einem nichts sagenden Gesichtsausdruck, der weder Anteilnahme noch Gleichgültigkeit ausdrückte.
Die nächsten Tage fühlte er sich unwohl in ihrer Gegenwart, doch lange hielt er es nicht aus. Als sie wenige Tage später gleichzeitig in der Mensa waren, setzte er sich zu ihr, als ob nie etwas gewesen war. Fortan schwiegen sie über das Thema.
Mittlerweile war die Temperatur noch weiter gesunken, so dass ihm trotz Jackett kalt war. Allerdings musste Terry in ihrem dünnen Kleid noch viel mehr frieren, dachte er. Darum zog sein Jackett aus und legte es ihr um die Schultern.
"Danke", antwortete sie mit einem warmherzigen Lächeln. "Ich fühle mich vom Champagner beschwipst."
"Ja, der hatte schon seine Wirkung. Autofahren sollte ich wohl nicht."
"Wir können zu Fuß zurückgehen, so weit ist es nicht. Das Auto holen wir dann morgen ab."
„Wahrscheinlich ist das die beste Lösung", erwiderte er.
So machten sie sich langsam auf den Rückweg, sprachen aber nur noch wenig, sondern bestaunten den Himmel, das Leben an sich oder aus dem Augenwinkel heraus ihre Begleitung. Beide waren sie mit dem Verlauf des Abends zufrieden, denn es war endlich wieder wie früher. Doch dann, sie hatten schon den halben Weg zu ihrer Wohnung hinter sich, fielen plötzlich erste kleine Regentropfen vom Himmel.
„Oh nein", entfuhr es ihr entsetzt, denn sie erinnerte sich an die Wettervorhersage.
„Oh doch", erwiderte Don missmutig, dem der gleiche Gedanke gekommen war. „Wir sollten uns beeilen."
Schnellen Schrittes wollten sie möglichst viel Weg schaffen, als unversehens strömender Regen losbrach. Wie aus Kübeln ergoss er sich über sie, so dass sie binnen kürzester Zeit bis auf die Knochen nass waren. Mittlerweile rannten sie und waren froh, als sie endlich Terry Mietblock erreichten. An der Tür stellten sie sich unter.
„Komm mit rein. Bei dem Wetter kannst Du nicht zu Dir gehen. Du holst Dir nur den Tod."
„Wenn Dir das nicht zu viel Umstände macht."
„Ach quatsch. Komm", sagte sie, als die Tür aufgeschlossen war.
So betraten sie nun erst den Block und schließlich ihre Wohnung. Gleich im Flur zog sie ihre Ballerinas aus, die nur vor Wasser trieften, ebenso sein Jackett, das sie zum Trocknen auf einen Bügel hängte. Dann verschwand sie im Bad. Auch er entledigte sich seiner Schuhe und gleichzeitig seiner Socken. Barfuss wartete er nun auf ihre Rückkehr.
Wenige Augenblicke später verließ sie mit offenen Haaren und zwei Handtüchern in der Hand das Bad und gab ihm eines. Mit dem anderen trocknete sie sich selbst das Haar. „Ich zieh mich kurz um. Du kannst gerne ins Wohnzimmer gehen oder in die Küche. Nimm Dir, was Du brauchst." Rasch betrat sie ihr Schlafzimmer und kehrte kurze Zeit später frisch gekleidet in den gewohnten Jeans und einem Top zurück und blieb im Türrahmen zur Küche stehen.
Indes hatte Don sein Hemd geöffnet und versuchte, sich notdürftig abzutrocknen. Doch alles klebte an ihm und triefte. Darum zog er schließlich sein Hemd aus, um das Handtuch vernünftig zu benutzen und sein Hemd über der Spüle auszuwringen.
Für eine Weile beobachtete sie ihn, ehe er ihren Blick spürte und sich zu ihr umdrehte. Er öffnete den Mund, als ob er etwas sagen wollte, schloss ihn aber wieder, als sich ihre Blicke trafen. Die sagten mehr als tausend Worte, so dass sie rasch die wenigen Schritte aufeinander zu machten bis sie direkt voreinander standen, der Blickkontakt brach dabei nicht ab. Dieses Mal ergriff er die Initiative und nahm ihren Kopf in seine Hände und küsste sie. Zwischenzeitig legte sie ihre Arme um seinen nackten Rücken, wobei sie seinen Kuss erwiderte. Seine Finger glitten langsam weiter den Rücken hinunter, während ihre gerade seinen gut trainierten, wohl proportionierten Po erreichten und sich langsam wieder den Weg nach oben suchten. Er machte es ihr nach und schob mit der Aufwärtsbewegung ihr Top hoch, das er ihr schließlich über den Kopf zog. Erst in diesem Moment trennten sich ihre Lippen. Unaufhörlich bewegten sie sich unterdessen auf das Schlafzimmer zu, wie Don nun am Türrahmen im Rücken bemerkte. Nach zwei oder drei weiteren Schritten erreichten sie schließlich das Bett.
