Kapitel 12: Liebe ist Schmerz
Lily & James
„Meine Freundinnen finden es merkwürdig, dass du mich nicht angesprochen hast und seit wir zusammen auf den Ball gehen müssen, nicht genervt hast", meinte Lily, während sie am Astronomieturm standen und sich neue Ideen für ihre Vorweihnachtszeit ausdachten.
Die verrückte Dekoration existierte immer noch und Lily fragte sich, was James eigentlich für einen Zauber verwendet hatte. „Eigentlich habe ich ja auch noch einen Zaubertrankzusatz verwendet, sonst hätten McGonagall und Flittwick das in ein paar Sekunden gehabt. Keiner von ihnen würde vermuten, dass ein Zaubertrank mit diesen Zaubern in Verbindung steht."
Lily schüttelte nur ungläubig den Kopf. Er wusste wirklich worauf er achten musste, damit seine Streiche so funktionierten wie er das wollte.
Plötzlich hörten sie ein Krachen und begannen beide zu lachen. „Peeves macht seine Arbeit auch ganz gut", meinte Lily, worauf James nur nickte.
„Wegen deinen Freundinnen", begann James, nachdem er sich wieder beruhigt hatte.
„Ja?", fragte Lily.
„Du hättest es nicht umsonst gesagt, wenn du nicht etwas von mir gewollt hättest", meinte er.
„Sie werden langsam misstrauisch", erklärte sie. „Ich rege mich zwar über die auf, weil ich nicht mit dir auf den Ball gehen will, nur werden sie mir das nicht mehr lange glauben, da du dich ja anscheinend nicht mehr für mich interessierst und mir in gewisser Weise aus dem Weg gehst. Von daher kann ich nicht mehr behaupten, dass du mich nervst und was weiß ich sonst noch was tust und meine Ausreden, dass du mich deswegen nervst und dir einbildest, dass du was besseres wärst und ich nur eine weitere Eroberung, kann ich nicht mehr verwenden. Du tust es ja nicht, also muss ich mir neue Ausreden einfallen lassen, was sie mir, leider, nicht mehr lange glauben werden."
James lächelte sie an. „Du willst also jetzt von mir, dass ich mich wieder so benehme, wie ich es immer getan habe? Also das fünfte Jahr?"
„So in etwa", meinte Lily nickend.
„Hmm", machte James und verzog sein Gesicht zu einer Grimasse. „Ich werde mein Bestes geben."
„Gut", meinte Lily. „Und da wir ja weiterhin so tun müssen, als würden wir uns nicht vertragen, könnte es durchaus passieren, dass ich gemein zu dir werde und das es womöglich verletzend klingen mag, aber glaub mir, es soll dich nicht verletzen."
„Warum sagst du mir das?", fragte James.
„Weil … also … ähm … weil ich dich nicht verletzen möchte", gab sie kleinlaut zu.
„Ich verspreche, dass ich dir das nicht böse nehmen werde", meinte James.
„Dann würde ich sagen, gehen wir hinunter in die große Halle zum Frühstück?", fragte Lily.
„Gerne", meinte er und hielt ihr die Türe auf.
Sie gingen gerade gemütlich durch einen Gang, als sie plötzlich Fußspuren vernahmen.
„Nein Potter", sagte Lily streng und zwinkerte ihm zu.
„Warum denn nicht Evans?", fragte er unschuldig.
„Weil, wenn ich das tun würde, du keine anständigen Gedanken haben wirst."
„Woher willst du denn wissen was ich denke?", kam es von James.
Ängstlich gingen ein paar Erstklässler an ihnen vorbei. „Was glotzt ihr so?", fragte James bissig.
„Die können doch nichts dafür, dass du so bist", antwortete Lily ebenfalls bissig. „Kannst du mich jetzt bitte alleine lassen?"
„Zufällig ist die große Halle in dieser Richtung und ich werde sicher nicht wegen dir die Richtung wechseln. Mach du doch, wenn du hier nicht gehen willst."
Wütend stampfte Lily davon und als beide um die Ecke waren, mussten sie sich zusammen reisen, um nicht laut zu lachen anzufangen.
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Beim Frühstück saßen die Beiden sehr nahe beieinander. Nur Carmen konnte es sich nicht nehmen, die Marauder aufzuziehen und zwar wegen der Sache von gestern und die Tatsache, dass sie immer auf jüngere Schüler losgingen.
„Wir werden halt respektiert", meinte Sirius.
„Respekt und Angst vor jemandem haben ist ein großer Unterschied", antwortete Carmen.
„Die Kleinen lassen wir schon längst in Ruhe, falls euch das aufgefallen seid und ihr nicht zu blind wart es zu sehen", fügte James hinzu.
„Blind?", fragte Lily. „Wir sind wohl die wenigen, die die Augen vor euren Taten nicht verschließen."
„Evans", sagte James. „Ich kann nichts dafür, dass du halluzinierst, aber bitte lass mich mit deinen Fantastereien in Ruhe."
„Du bist so arrogant, dass du nicht einmal siehst was du machst. Du bist kindisch und wirst es immer bleiben. Du hast genügend Geld was andere nicht haben und deshalb machst du andere fertig. Du bist so egoistisch und du ... ach, bevor ich mich noch weiter aufrege verschwinde ich." Lily hatte sich erhoben und warf ihm noch einen vernichtenden Blick zu.
Sie konnte jedoch nicht deuten, welchen Blick James ihr zuwarf. Er wirkte gekränkt und verletzt. Hatte sie ihm nicht gesagt, er solle sie nicht ernst nehmen? Jetzt verstand er wieder alles falsch, wie immer!
James fühlte sich miserabel, als er sah, wie sie sich erhob. Die Worte hatten ihn getroffen. Hatte er sich in ihr getäuscht? War alles nur eine Fassade und ein Spiel von ihr? Aber für ein Schauspiel klangen die Worte zu hart, zu echt und so, als würde sie es wirklich meinen! Er wollte sich nicht in ihr getäuscht haben, aber wenn das alles wahr war, was sie über ihn dachte, dann hatte sie ihn die letzten Tage nur verarscht und so getan, als würde sie ihn mögen, um ihn dann fertig zu machen, ihn leiden zu sehen.
Auch die Marauder und Lilys Freundinnen sahen zwischen den Beiden hin und her. Lily, die ein wütendes Gesicht machte und James, der gedrückt und gekränkt wirkte. James, auch wenn Lily ihn immer abgewiesen hatte, behielt immer die Nerven und ließ sich nicht unterkriegen. Immer wieder hatte er es versucht sie zu überzeugen und machte sich zum Idioten, verhexte Schüler. Und jedes Mal wenn er eine Abfuhr erhielt versuchte er es erneut und ihre Worte hatten ihn noch nie getroffen, obwohl sie ihn schon manchmal so bezeichnet hatte. Jetzt schien er wirklich tief getroffen, was den Mädchen eine Genugtuung verschaffte, nur die Marauder sahen sie kopfschüttelnd an, als diese zu lächeln begannen.
Besorgt sahen sie zu ihrem Freund, der seit Lily diese Worte ausgesprochen hatte, nichts mehr gesagt hatte. Der Ausdruck in seinen Augen war leer und James fühlte zum ersten Mal in diesem Zusammenhang wie verletzend Liebe sein kann!
