Endlich geschafft?
Überraschender Weise gelang es ihnen ohne weitere Probleme, sich unter die verbliebenen Soldaten zu mischen und so kamen sie ihrem Ziel, dem Sacred Orb zu erreichen unglaublich nahe.
Die Gruppe war nicht sonderlich gut organisiert und so wunderte es auch niemanden, dass sie erst so spät dazustießen.
Ganz vorne mit dabei war die Königin selbst. Das sie Mut hatte musste man ihr eingestehen, es machte allerdings auch jeden weiteren Schritt, den sie geplant hatten um einiges schwieriger.
Momentan blieb ihnen somit nichts anderes übrig, als brav mit den anderen Soldaten in Reih und Glied zu bleiben und auf einen günstigen Moment zu warten, wo sie zuschlagen konnten.
Auch wenn es nicht so aussah, als ob das so schnell passieren würde.
„Na ja, wenigstens gehen wir schon mal in die richtige Richtung..." flüsterte Nel etwas genervt.
„Sei doch froh, was hättest du denn gemacht, wenn sie jetzt wieder umgekehrt wären? Dann wäre diese Aktion wieder so ein Reinfall geworden…" stichelte Albel, der neben ihr her schritt.
„Wenigstens habe ich Ideen, anders als ein bestimmter Jemand, der sich hier überhaupt nicht einbringt!" zischte sie zurück.
„Tch, Maggot…" war seine Antwort, bevor er wieder in Schweigen fiel. Nel war das nur recht.
Immer tiefer verlief der Weg, der ihnen allen noch in guter Erinnerung war, mit Ausnahme der Tatsache, dass sie sich diesmal nicht mit all den Fallen herumschlagen mussten, wie beim ersten mal und darüber waren sie alle ziemlich erleichtert.
Es ging durch die Gänge die später durch die Vendeeni gestürmt wurden und schließlich erreichten sie den Raum, in dem der Sacred Orb aufbewahrt wurde.
Sie waren ihrem Ziel so nah und doch hatten sie im Moment keine Chance zu handeln.
„Es scheint nicht, dass die Eindringlinge es bis hierher geschafft haben eure Majestät."
„So sieht es aus..." sie klang nicht wirklich überzeugt und vermutete wohl, dass sie jeden Moment um die Ecke gerannt kamen, aber als dies nicht passierte, entspannte sie sich ein wenig.
„Sie scheinen recht zu haben, Kommandant. Also gut, treten wir den Rückzug an. Wir können wohl davon ausgehen, dass sie ihren Plan aufgegeben haben.
Jetzt oder nie!
Die Gruppe trat ihren Rückweg an und Nel nutzte diesen einen Moment der Unaufmerksamkeit, um Fayt und den anderen ein unauffälliges Zeichen zu geben.
Diese nahmen es sogleich zur Kenntnis und verschwanden schnell in einer dunklen Ecke, in der sie ausharrten, bis sie sich sicher waren, dass niemand ihr Verschwinden bemerkt hatte.
Vorsichtig spähte Nel noch einmal kurz um die Ecke, um wirklich sicher zu gehen, dass nicht doch noch jemand irgendwo lauerte, und gab schließlich grünes Licht für die anderen.
„Scheint als wären sie weg. Besser wir handeln schnell, bevor sie es sich vielleicht noch anders überlegen."
Nel trieb sie zur Eile an, denn noch hatten sie ihr Ziel noch nicht erreicht.
Die anderen stimmten ihr nur zu gern zu. Keiner von ihnen wollte hier länger als unbedingt nötig bleiben, schließlich galt es noch immer das Universum vor seiner Zerstörung zu retten.
Und hoffentlich ging es den anderen gut, die wahrscheinlich noch immer in ihrer normalen Zeit ausharrten.
Cliff fluchte, er hasste es zu warten, besonders wenn so viel auf dem Spiel stand und sie eigentlich keine Zeit hatten hier rumzusitzen. Natürlich mussten sie vorsichtig sein, aber trotzdem wünschte er sich, dass Blair und die anderen sich etwas beeilen würden.
Den anderen erging es nicht anders, man konnte es ihnen ansehen, dass sie mindestens genauso angespannt waren, wie er.
Anders als beim letzten Mal, war die Tür zur Kammer dieses Mal jedoch fest verschlossen und es brauchte einige Mühe, sie aufzubekommen, ohne zu großes Aufsehen zu erregen.
Etwas erleichtert, als sich der Raum vor ihnen auftat, traten sie herein und verharrten kaum, dass sie zwei Meter gegangen waren.
Dort mitten im Raum stand eine Person, die so überhaupt nicht in diese Umgebung hereinpasste.
Ein junger Mann, mit einem ähnlichen Aussehen wie Fayt, nur das seine Haare blond waren.
Sie hatten ihn vorher noch nie gesehen und doch wussten sie in diesem Moment, wer ihnen da gegenüberstand:
Luther Landsfeld, Schöpfer der Eternal Sphere.
„Es freut mich, dass ihr so zahlreich erschienen seit, dass erspart mir die Mühe nach euch zu suchen."
Ein selbstgefälliges Lächeln lag auf seinen Lippen.
„Luther!" knurrte Fayt und zog sein Schwert, er war bereit zu kämpfen, auch wenn er sich selbst nicht sicher war, ob sie eine Chance gegen diesen Typen hatten.
Es kam einfach auf einen Versuch an.
Luther schien dies jedoch überhaupt nicht zu beeindrucken.
„Begrüßt man so jemanden, den man gerade erst kennen gelernt hat? Da fühle ich mich jetzt aber gekränkt."
„Klappe!" mischte sich nun auch Albel ein, der auch nicht so aussah, als ob er hier irgendwas ausdiskutieren wollte.
Es würde unweigerlich zum Kampf kommen, das war so sicher wie das Amen in der Kirche.
Auch Luther war sich dessen bewusst, denn wie aus dem Nichts tauchte eine Lanze in seiner Hand auf und schien bereit, bei der ersten falschen Bewegung in den Angriff überzugehen.
„Es scheint, als ob ich in meiner Vermutung recht hatte, es war wirklich ein Fehler, euch euch selbst zu überlassen und euch einen freien Willen zu geben.
Aber das hat jetzt ein Ende, die Executioner werden schon bald ihre Arbeit vollendet haben und dann bedarf es nur noch eines Knopfdrucks und die Eternal Sphere ist Geschichte."
„Das werden wir nicht zulassen!" schaltete sich nun auch Nel ein.
„Und wie wollt ihr das anstellen? Ihr seit bloß Daten, die von mir geschaffen wurden. Glaubt ihr wirklich, dass ihr euren Schöpfer vernichten könnt?"
„Wir glauben es nicht nur, wir werden es dir auch beweisen!"
„Das ich nicht lache."
Aber Fayt und die anderen meinten es todernst, wenn der Showdown hier und jetzt stattfinden sollte, so sei es, schließlich hatten sie sich lange auf diesen Moment vorbereitet und nun würde sich herausstellen, ob sie es wert waren, auch weiterhin zu bestehen.
