Die nächsten drei Kapitelchen sind da – viel Spaß dabei!
Kapitel 13 – Alltag
Am nächsten Morgen wurde Tamara von einem penetranten, klopfenden Geräusch an ihrer Wohnungstür geweckt, das zunehmend lauter wurde, je länger sie versuchte, es zu ignorieren.
„Ja – ich komme ja schon!", murmelte sie noch reichlich desorientiert, während sie versuchte, das Laken, mit dem sie sich zugedeckt hatte um ihren Körper zu wickeln.
Verschlafen torkelte sie zur Türe, und öffnete diese.
Sie hatte halb gehofft und halb befürchtet, dass es Snape wäre, der da anklopfte, aber sie rechnete nicht wirklich damit, denn sonst wäre aus dem Klopfen sicher nach wenigen Sekunden ein Hämmern geworden - Geduld gehörte ja bekanntlich nicht unbedingt zu den Stärken des Tränkemeisters.
So war sie auch nicht besonders verwundert, dass sie nach dem Öffnen nicht geradeaus in zwei schwarze Augen, sondern einen knappen Meter tiefer, in zwei kugelrunde braune schaute, die zu einem ziemlich nervös anmutenden Hauselfen gehörten.
„Miss Ogareff – Professor Snape schickt mich! Er sagt, wenn sie nicht in spätestens fünf Minuten bei ihm im Unterrichtsraum sind, können sie sich die Kunst des Zaubertränkebrauens in Zukunft selbst beibringen", sprudelte der Elf aufgeregt hervor.
„Wie spät ist es?", fragte Tamara entsetzt.
„Es ist zehn Minuten nach Neun, Miss Ogareff", piepste der Elf.
„Scheiße! Lauf hinunter in den Kerker und sag Professor Snape, es tut mir leid und ich bin auf dem Weg", rief Tamara, während sie schon ins Zimmer zurückstürzte, und hektisch anfing nach Kleidung zu suchen. „Und sag ihm, er soll mich bitte nicht gleich verdammen, wenn ich eventuell sechs Minuten brauche."
„Jawohl, Miss Ogareff!", sagte der Elf und watschelte eilig davon.
Tamara beschloss in der Not, wieder ihre Jeans anzuziehen und die, etwas zerknitterte, weiße Bluse, die beide noch von gestern auf dem Boden herumlagen. Allerdings hatte sie in der Eile keine Zeit mehr, sich auch noch um frische Unterwäsche zu kümmern, und da die gestrige nicht sofort auffindbar war, verzichtete sie ausnahmsweise ganz auf Wäsche.
Eine Minute später war Tamara, im Laufschritt, auf dem Weg in den Kerker.
Warum musste ihr das ausgerechnet heute passieren, nachdem sie es letzte Nacht immerhin geschafft hatte, sich einvernehmlich und ohne Ärger von Snape zu trennen.
Nachdem sie beide zunächst engumschlungen eingedöst waren, hatte er sie irgendwann in der Nacht geweckt, und ihr freundlich, aber bestimmt nahegelegt, nun doch wieder in ihre eigenen vier Wände zu verschwinden, da er seinen Schlaf benötigen würde, und es vorzöge, dabei ungestört zu sein.
Es hatte sie zwar ein klein wenig geärgert, so hinausgeworfen zu werden, aber um nicht schon wieder einen unnötigen Streit vom Zaun zu brechen, hatte sie Verständnis signalisiert, und war müde und schlurfenden Schrittes in ihre Wohnung zurückgekehrt.
Dort angekommen, hatte sie allerdings dann lange nicht einschlafen können, und sich stundenlang auf ihrem Bett hin- und hergewälzt, was wiederum hinreichend den Umstand erklärte, dass sie heute morgen nicht pünktlich aufgewacht war.
Vor dem Unterrichtsraum angekommen, rieb sie sich noch rasch den Restschlaf aus den Augen und fuhr sich mit gespreizten Fingern ein paar mal durchs Haar.
Gleich beim Eintreten fiel ihr Blick auf Snape, der mit finsterem Blick und natürlich mit verschränkten Armen hinter seinem Pult stand, und sie streng musterte.
„Neun Uhr vierzehn!", sagte er schneidend. „Was hast du zu deiner Entschuldigung vorzubringen?"
„Vierzehn?", sagte Tamara atemlos. „Dann hätte ich mir ja noch eine Minute länger Zeit lassen können!"
„Eventuell hättest du diese Minute nützen können, um dich anständig anzuziehen", sagte Snape, mit Blick auf ihre Bluse, durch die sich, aufgrund des fehlenden Büstenhalters deutlich ihr Busen abzeichneten.
Er selbst war natürlich wie immer ordnungsgemäß in mehrere Lagen makellosen, schwarzen Stoffs gehüllt.
„Wenn du mir nicht gleich solche drastischen Maßnamen angedroht hättest, falls ich nicht innerhalb von fünf Minuten erscheine, hätte ich das sicher getan", sagte Tamara spitz.
„Was denkst du dir eigentlich dabei, mich hier warten zu lassen", fragte Snape grimmig. „Die Tatsache, dass du mit mir das Bett, beziehungsweise die Badewanne geteilt hast, bedeutet nicht, dass du dir in meinem Unterricht irgendwelche Freiheiten herausnehmen kannst."
„Das war nicht beabsichtigt!", schnaubte Tamara. „Und außerdem bist du mit daran schuld – du hast mich gestern aus dem Schlaf gerissen und hinauskomplimentiert, und als ich dann wieder in meinem eigenen Bett lag, konnte ich lange Zeit nicht einschlafen."
„Mag schon sein", sagte Snape ungerührt. „Das ist auch der einzige Grund, warum ich so lange gewartet, und dir sogar einen Hauself geschickt habe – unter anderen Umständen wäre ich spätestens um fünf nach Neun gegangen."
„Unglaublich...", sagte Tamara versonnen, „...das sind ja ganze zehn Minuten, die du mir zugebilligt hast. Ich bin dir wirklich zu unendlichem Dank verpflichtet! Wow - zehn Minuten! Sind das fünf Minuten, für jede Nummer, die wir geschoben haben, oder ist das eine Pauschale? Ich frage nur deshalb, weil - wenn jedes Mal fünf Minuten dabei herausspringen, könnte ich es ja vielleicht bis zum Ende der Ferien hinkriegen, dass ich mal eine ganze Stunde länger schlafen kann."
„Ich würde dir dringend raten, im Unterricht deinen vorlauten Schnabel zu halten, wenn du weiter Wert darauf legst, von mir unterwiesen zu werden – im Zaubertränkebrauen, in Verteidigung gegen die dunklen Künste, und auch in allem anderen, was es für dich hier zu lernen gibt", knurrte Snape, „haben wir uns verstanden?"
„Ja, ...SIR!", sagte Tamara gehässig. „Selbstverständlich, ...SIR!"
„Schon besser!", sagte Snape gelassen, und wandte seinen Blick wieder dem Lehrbuch zu, das aufgeschlagen auf seinem Pult lag. „Nachdem das geklärt wäre, könnten wir endlich anfangen – die Zeit, die du vertrödelt hast, wird natürlich hinten drangehängt."
„Nein – was für eine Überraschung!", zischte Tamara leise.
„Wolltest du noch irgendetwas dazu bemerken?", fragte Snape scharf.
„Aber nein!", sagte Tamara und hob abwehrend die Hände. „Ich würde mir doch nie erlauben, deine Entscheidungen anzufechten!"
„Dann fang an!", bellte Snape. „Das Rezept steht an der Tafel!"
Er hatte einen äußerst schwierigen Trank ausgewählt, und Tamara sah sich schon wieder der undankbaren Aufgabe gegenüber, unzählige Zutaten penibelst abwiegen und zerkleinern zu müssen, wobei ihr Snape äußerst skeptisch zusah, und - wann immer es sich ergab – bissige Kommentare absetzte.
Auch die Technik des Umrührens, die genauen Wartezeiten vor der Zugabe der jeweils nächsten Zutat und die exakte Einhaltung der Temperaturvorgaben bei den verschiedenen Arbeitsschritten, waren für das Gelingen dieser Rezeptur enorm wichtig.
Tamara war nur noch wenige Handgriffe von der Fertigstellung entfernt, als sie vergaß, das Feuer unter ihrem Kessel zu reduzieren – und damit den Trank weitgehend versaute.
Snape, der sie die ganze Zeit über genau beobachtet, aber natürlich nicht auf den Fehler aufmerksam gemacht hatte, warf einen angewiderten Blick in ihren Kessel.
Seufzend zückte er seinen Zauberstab, und ließ das Gebräu mit einem leichten Schnipsen gegen den Kessel völlig verschwinden.
„Das war wohl nichts!", sagte er kühl. „Fang noch mal von Vorne an!"
„Ganz von Vorne? Das kann doch nicht dein Ernst sein!", stöhnte Tamara. „Bitte tu mir das nicht an, Severus!"
„Habe ich mich nicht deutlich genug ausgedrückt?", fragte Snape.
„Doch, aber..."
„Was glaubst du eigentlich, wozu du hier bist?", unterbrach Snape sie barsch.
„Ich weiß", sagte Tamara kläglich, „aber ich bin heute wirklich nicht gerade in Höchstform, und außerdem hatte ich noch nicht mal einen Schluck Tee heute Morgen. So müde, wie ich im Moment bin, würde ich sogar eine Ausnahme machen, und eine Tasse Kaffee trinken. Du liebst doch dieses Gebräu – könnten wir nicht eine kleine Pause machen, und zusammen ein Tässchen trinken?"
„Jemand, der die Worte Ausnahme und Gebräu im gleichen Atemzug mit Kaffee erwähnt, ist es nicht würdig, auch nur einen Tropfen davon zu bekommen", sagte Snape entrüstet.
„Bitte!", sagte Tamara ruhig.
Nach einem letzten finster-vorwurfsvollen Blick richtete Snape seinen Zauberstab auf Tamaras Tisch, und vollführte zweimal hintereinander dieselbe kleine Bewegung, woraufhin zwei große Tassen erschienen, aus denen verführerisch duftender Kaffeegeruch empor stieg.
„Da hast du deine Ausnahme!", sagte er pampig.
„Vielen Dank – du rettest mir gerade das Leben!", seufzte Tamara. „Möchtest du dich nicht einen Moment zu mir setzen?"
Wortlos zog Snape sich einen Stuhl heran und setzte sich ihr gegenüber.
Beide tranken sie ihren Kaffee - ohne sich anzusehen, jeder in sein Schweigen eingehüllt, wie in einen schützend Kokon.
Tamara ertappte sich dabei, wie sie zum wiederholten mal unbewusst seine Hand anstarrte, die nun – leicht mit den Fingern auf die Tischplatte klopfend – neben der Tasse lag. Snape schien dies nicht zu bemerken. Erst als sie ihre Hand auf die seine legte, wandte er sich ihr mit einem überraschten Blick zu.
„Guten Morgen, Severus!", sagte Tamara leise.
Ein langer, undefinierbarer Blick aus seinen dunklen Augen, ließ sie eine Zeit lang hoffen, dass er ihr Friedensangebot angenommen hatte – allerdings nur so lange, bis er seine Sprache schließlich wiederfand.
„Ich glaube, du bringst da zwei verschiedene Dinge durcheinander", sagte er schneidend.
„Tu ich das?", seufzte Tamara genervt, von seiner permanent ablehnenden Haltung.
„DAS...", sagte er, und betrachtete ihre Hand, die immer noch auf seiner lag, als wäre sie etwas reichlich Abartiges, gehört absolut nicht hier her, sondern – wenn überhaupt – in deine und meine Freizeit. Während des Unterrichts bist du meine Schülerin, und ich bin dein Lehrer – und sonst NICHTS! Ich habe den starken Verdacht, dass du aufgrund der ...Vorkommnisse am Wochenende, deine Ausbildung plötzlich nicht mehr so ernst nimmst."
„Das ist nicht war!", sagte Tamara aufgebracht, und zog ihre Hand zurück, als hätte sie sich verbrannt. „Wie kannst du mir so etwas unterstellen, nur weil ich einmal verschlafe."
„Du hast auch den Trank versaut!", sagte Snape ungerührt.
„Ich habe einen Fehler gemacht – OKAY?", blaffte Tamara ihn wütend an. „Machst du nie Fehler?"
Snapes Gesicht wurde zu einer undurchdringlichen Maske. Nur seine Augen verrieten, dass es durchaus Emotionen hinter dieser Barriere gab.
„Ich bin seit zehn Jahren dabei, einen Fehler auszubügeln", sagte er kalt.
„Und das gibt dir das Recht, andere wegen ihrer kleinen Unzulänglichkeiten niederzumachen?", sagte Tamara anklagend.
„Ich habe dich bei weitem nicht niedergemacht", sagte Snape genervt.
„Aber versucht hast du es", beharrte Tamara. „Zuerst strafst du mich ab, weil ich zu spät komme – was ich ja noch verstehen kann, dann drückst du mir einen absolut schwierigen Trank aufs Auge, und starrst mich während der Zubereitung noch andauernd an, um mich zu verunsichern. Du hast es doch geradezu darauf angelegt, dass ich versage. Und zuletzt reagierst du noch auf eine wirklich liebevoll und versöhnlich gemeinte Geste, so übertrieben ablehnend, dass ich mich langsam frage, ob du mich nicht für etwas ganz anderes bestrafen willst."
„Ach – und wofür? Da hast du doch sicher auch schon einen passenden Verdacht!", sagte Snape zynisch.
„Dafür, dass ich dir zu nahe gekommen bin", sagte Tamara, „und dafür, dass ich dich dazu gebracht habe, es zuzulassen."
„Unsinn!", schnaubte Snape. „Hast du deinen Ausnahme-Kaffee nun endlich getrunken?... Dann fang jetzt an!"
„Das werde ich tun", sagte Tamara giftig, „sowie du dich von meinem Tisch verziehst, und mich in Ruhe arbeiten lässt."
„Siehst du, es geht schon wieder los", fauchte Snape, „du benimmst dich albern und respektlos – so geht das nicht weiter!"
„Sowie du es fertig bringst, dich respektabel zu verhalten, werde ich dich mit allem, dir zustehenden Respekt behandeln", erwiderte Tamara bissig.
Snape warf ihr noch einen letzten drohenden Blick zu, ehe er so ruckartig aufstand, dass die Stuhlbeine kreischend über den Boden schrammten, und mit großen Schritten hinter sein Pult zurückkehrte.
Nach einem tiefen Seufzer widmete Tamara sich wieder ihrem Zaubertrankrezept.
Snape schien sie im Verlauf der nächsten Stunde völlig zu ignorieren, was ihrer Konzentration sehr förderlich war, und nicht unwesentlich zum Gelingen des Trankes beitrug.
Er schien tatsächlich perfekt gelungen zu sein.
Als sie eine Probe davon in ein Reagenzglas abfüllte, war sie furchtbar stolz auf sich selber, dass ihr dieses schwierige Unterfangen, trotz der widrigen Umstände geglückt war.
Sie ging zu Snapes Pult, und hielt ihrem Lehrer, der sie noch immer geflissentlich übersah, die Probe unter die Nase.
„Hier – bitteschön!", sagte sie ruhig. „Und entschuldige noch mal die Verspätung. Außerdem tut es mir leid, wenn mein Verhalten dich annehmen ließ, dass ich deinen Unterricht nicht mehr ernst nehmen würde. Ich versichere dir, das es nicht so ist. Ich respektiere dich, und ich möchte von dir lernen – aber ich will auch von dir respektiert werden."
Snape nahm ihr das Reagenzglas aus der Hand, und betrachtete prüfend den Inhalt, bevor er sich mit dem gleichen Blick in ihre Augen bohrte.
Er schien mit beiden Ergebnissen zufrieden zu sein, denn zum ersten Mal an diesem Tag, entspannte sich seine Mine ein wenig.
„Frieden?", fragte Tamara.
„Ja...", entgegnete Snape, zum ersten Mal an diesem Tag nicht unfreundlich, „...vorläufig zumindest."
Die versöhnliche Stimmung hielt auch im weiteren Verlauf des Tages an, was Snape allerdings nicht daran hinderte, Tamara einen weiteren komplizierten Trank herstellen zu lassen, und auch nicht davon, sie am Nachmittag wieder quer durch die Halle zu fluchen. Überdies brummte er ihr in beiden Fächern so viele Hausaufgaben auf, dass sie ungefähr bis Mitternacht beschäftigt sein würde.
„Ist das deine spezielle Vorstellung von Frieden – mich mit deinen blöden Hausaufgaben fertig zu machen", maulte Tamara nach Beendigung des Verteidigungsunterrichts.
Sie hatte sich vor ihm aufgebaut, und starrte ihn herausfordernd an.
„Fühlst du dich etwa überfordert?", fragte Snape samtig.
„Das nicht direkt – aber ich hätte gerne ein wenig freie Zeit, am Abend", sagte Tamara, „die ich mit Tätigkeiten verbringen kann, die ich mir selber ausgesucht habe."
„Ach – schwebt dir da etwas Besonderes vor?", fragte Snape interessiert.
„Oh ja – etwas ganz Besonderes", erwiderte Tamara lächelnd, und trat noch näher an ihn heran.
Snape verhinderte nicht, dass sie die Arme um seinen Oberkörper schlang, er erwiderte die Umarmung sogar kurz, machte aber keine Anstalten, seinerseits mehr Engagement in dieser Sache an den Tag zu legen.
„Samstag!", brummte er.
„Was soll das heißen – Samstag?", sagte Tamara und löste sich mit finsterem Blick von ihm.
„Das soll heißen, deine besonderen Vorhaben wirst du wohl auf das Wochenende verschieben müssen", sagte Snape, langsam, als würde er mit einer besonders begriffsstutzigen Person sprechen, „weil du, wegen der Hausaufgaben, unter der Woche keine Zeit für so was hast."
„Du meinst also, ich muss mich in dieser Sache völlig deinen Vorgaben unterordnen?", fragte Tamara erzürnt.
„Da bleibt dir bei genauerer Betrachtung eigentlich gar keine andere Wahl, oder?", fragte Snape mit einem unverschämt herablassenden Grinsen, bei dem sich Tamaras Magen vor Wut zu verknoten schien.
„Wenn du glauben solltest", knurrte Tamara, „dass ich während der Woche die brave Schülerin gebe, und dann am Samstag – selbstverständlich, nachdem ich deine Hausaufgaben gemacht habe – demütig darauf warte, dass dir vielleicht noch der Sinn nach anderen Dingen stehen könnte, dann bist du gewaltig auf dem Holzweg, Severus Snape!"
Ihre Stimme war während ihrer kleinen Ansprache immer lauter geworden, was Snape jedoch nicht im Geringsten zu beeindrucken schien. Er grinste immer noch.
„Das wird sich noch herausstellen!", sagte er gelassen.
„Da kannst du lange warten, du arroganter Mistkerl!", zischte Tamara.
„Kein Grund, sich zu echauffieren!", sagte Snape tadelnd.
Mit einem wütenden Schnauben wandte Tamara sich von ihm ab, und stolzierte in Richtung Ausgang.
„Sehe ich dich beim Abendessen, verehrte Miss Nachhilfeschülerin?", fragte Snape amüsiert.
„Dafür habe ich keine Zeit!", fauchte Tamara über ihre Schulter zurück. „Ich muss Hausaufgaben machen!"
„So ist's recht!", sagte Snape anerkennend, kurz bevor die Tür hinter ihr zufiel.
Am nächsten Tag stand Tamara schon vor der Türe des Unterrichtraumes, als Snape eintraf.
„Oh – wie schön – heute mal pünktlich!", wurde sie von ihm begrüßt.
„Selbstverständlich!", antwortete sie kühl.
An ihrem Platz holte sie einige Rollen Pergament hervor und legte sie, ohne ein Wort zu sagen auf Snapes Pult.
„Und fleißig gewesen bist du auch", sagte Snape samtig. „Braves Mädchen!"
Tamara warf ihm einen vernichtenden Blick zu.
„Nachdem du nun – im Gegensatz zum gestrigen Morgen – so eifrig bist, sollten wir bis Mittag mit dem Zaubertränkeunterricht fertig sein", sagte Snape, „vorausgesetzt natürlich, du versaust nicht wieder einen der Tränke durch deine Unachtsamkeit."
Ihr Blick wurde noch eine Spur vernichtender, aber sie enthielt sich weiterhin einer Antwort.
„So schweigsam heute?", sagte Snape spöttisch, wobei die Augenbrauen einen gewissen Aufwärtstrend zu verzeichnen hatten.
„Nicht grundsätzlich", sagte Tamara schneidend, „aber auf dieses Niveau lasse ich mich nicht herab."
„Das trifft mich wirklich hart!", sagte Snape theatralisch seufzend, und seine Hand an die Brust pressend. Seine Augen funkelten vergnügt, während die Mundwinkel verdächtig zuckten.
„Könnten wir jetzt bitte anfangen?", sagte Tamara gepresst.
„Aber ja doch!", sagte Snape freundlich und richtete seinen Zauberstab auf die Tafel, woraufhin ein ellenlanges Trankrezept erschien. „Ich hoffe, das hier entspricht deinem Niveau, meine Teuerste."
Die Rezeptur stellte sich als das Schwierigste heraus, das Tamara je hatte brauen müssen. Sie Zwang sich zu äußerster Konzentration und Effizienz, um Snape auf keinen Fall die Genugtuung zu bereiten, sie versagen zu sehen.
Dieser jedoch erschwerte ihr das Arbeiten außerordentlich, indem er immer wieder um sie herumstrich, wie ein Raubtier um seine Beute.
Am Schlimmsten war es, wenn er dicht hinter ihr stand, und ihr über die Schulter sah. Er kam ihr dabei so nahe, dass sie seinen Atem im Nacken spürte, und seinen dezenten männlich-herben Geruch wahrnahm.
Wenn er mit ihr sprach, hatte seine Stimme, selbst wenn er sie tadelte, einen so seidigen Unterton, dass ihr jedes Mal unwillkürlich ein Schauer den Rücken hinunter lief. Spätestens jetzt wurde ihr klar, das Snape sehr wohl um die Wirkung seiner Stimme wusste, und sie sehr gezielt einsetzte.
Der Höhepunkt seiner Ablenkungsmanöver kam in Form seines Zauberstabs einher, den er ihr vor die Nase hielt, und an dem das von ihr vermisste Höschen und der dazugehörige Büstenhalter hingen.
„DAS... habe ich in meinem Schlafzimmer gefunden", sagte Snape genüsslich. „Ich habe es mitgebracht, für den Fall, dass du wieder unvollständig angezogen zum Unterricht erscheinst – aber glücklicherweise scheint das heute nicht nötig zu sein."
„Wie überaus gütig von dir!", sagte Tamara süßlich und pflückte ihre Wäsche von dem Stab.
Unter Aufbietung all ihrer Selbstbeherrschung brachte es Tamara wider Erwarten tatsächlich fertig, den Trank zu vollenden.
Nachdem sie sich ein letztes Mal davon überzeugt hatte, dass das Ergebnis vorzeigbar war, gab sie ihre bisherige, angespannte Körperhaltung auf, und streckte den Rücken durch, während sie den Kopf langsam von einer Schulter zur anderen bewegte, um die angespannte Nackenmuskulatur zu entkrampfen.
Als Snape hinter sie trat, und begann, mit beiden Händen geschickt ihre verspannten Muskeln zu massieren, war es um ihre Selbstbeherrschung geschehen.
„Was soll das?", fauchte sie, und duckte sich unter seinem Griff weg.
„Ich weiß gar nicht was du willst? Ich versuche nur, nett zu dir zu sein", sagte Snape, und obwohl sie ihn nicht ansah, wusste sie, dass er dabei spöttisch grinste.
„Darauf kann ich gut verzichten!", blaffte Tamara. „Schau dir lieber den Trank an, nachdem ich mich halb tot geschuftet habe, ihn hinzukriegen."
Langsam ging Snape um den Tisch herum und warf einen äußerst skeptischen Blick in ihren Kessel.
Er schöpfte eine Kelle voll ab, um den Inhalt in einem dünnen Rinnsal zurückfließen zu lassen. Anschließend füllte er eine Probe des Tranks in ein Reagenzglas, an dem er zunächst roch und es dann prüfend gegen das Licht hielt, während er es leicht hin- und herbewegte.
Ungeduldig trommelte Tamara mit den Fingern auf die Tischplatte.
„Und?", schnaubte sie ungehalten, als er selbst nach dieser eingehenden Prüfung keine Tendenz zeigte, eine Bewertung abzugeben.
Snape warf einen letzten abschätzigen Blick auf die Probe, bevor er seine Aufmerksamkeit Tamara zuwandte, die sich schon innerlich gegen eine seiner typischen, niederschmetternden Kommentare wappnete.
„Selbst unter Berücksichtigung deiner gegenwärtigen Gemütsverfassung" begann Snape bedächtig, und schwenkte den Inhalt des Reagenzglases dabei spielerisch im Kreis herum, „kann ich zum Ergebnis deiner redlichen Bemühungen nur eines sagen..."
Er machte eine Pause und zog die Augenbrauen hoch. Tamara war mittlerweile bereit, ihm ins Gesicht zu springen.
„...es gibt absolut nichts an diesem Trank auszusetzen!", beendete Snape seinen Satz.
Tamara, die den Mund schon zu einer deftigen Entgegnung geöffnet hatte, sah ihn erstaunt an.
„Äh..., wirklich nicht?", fragte sie zögernd.
„Abgesehen davon, dass du auf meinen Versuch, die Nachwirkungen der Schufterei aus deinen Nackenmuskeln zu massieren, mit einer gewissen Gereiztheit reagiert hast – nein!", sagte Snape samtig.
„Lass meine Muskeln aus dem Spiel!", sagte Tamara, aber ihre Stimme klang längst nicht mehr so streng, und ein Hauch von Stolz schwang deutlich darin mit.
„Ungern!", raunte Snape.
„Was soll ich als nächstes brauen?" ,wechselte Tamara das Thema.
„Woher kommt nur dieser plötzliche Eifer?", fragte Snape süffisant. „Liegt das eventuell daran, dass du alle ...äh, sagen wir mal ...ablenkenden Gedanken aus deinem entzückenden Kopf verbannt hast?"
„Nein – das liegt daran, dass ich die Prüfung bestehen will!", sagte Tamara heftig.
„IST das wahr?", sagte Snape gedehnt.
„Warum wohl sollte ich mich sonst so anstrengen, obwohl du dein Bestes tust, um mich fertig zu machen?", fragte Tamara feindselig.
Snape, der bereits auf dem Rückweg zu seinem Pult war, murmelte etwas, was verdächtig nach „Masochismus?" klang.
Tamara war kurzfristig versucht, die Schöpfkelle nach ihm zu werfen, besann sich aber doch noch eines Besseren, und ignorierte die Provokation.
Nachdem sie im Anschluss einen weiteren Trank - der im Zwischenstadium vierundzwanzig Stunden ruhen musste - für den morgigen Tag vorbereitet, und von Snape das übliche Pensum an Hausaufgaben aufgebrummt bekommen hatte, verließ Tamara mit einem knappen Abschiedsgruß den Unterrichtsraum.
Der Nachmittagsunterricht in Verteidigung gestaltete sich zunächst genauso, wie an allen anderen Tagen zuvor – Tamara lag öfter auf dem glänzenden Parkettboden der großen Halle, als dass sie darauf stand.
Nach einer halben Stunde Duell schien Snape jedoch die Lust zu verlieren, sie wieder und wieder umzupusten.
„Das hat so keinen Sinn!", sagte er kopfschüttelnd. „Du bist einfach zu langsam. Es ist keine Verbesserung mehr festzustellen, nicht einmal ansatzweise."
„Oh – vielen Dank!", zischte Tamara, während sie sich den Staub aus der Kleidung klopfte.
„Ich schätze, wir werden doch daran arbeiten müssen, dass du lernst deinen Geist zu verschließen", sagte er nachdenklich.
„Hattest du nicht angedeutet, dass mir die Begabung fehlt, um diese überaus schwierige Kunst zu erlernen?", fragte Tamara spitz.
„Nein - ich sagte nur - nicht jeder hatdie Begabung dazu", sagte Snape, „aber ich glaube nicht, dass du diesbezüglich ein völlig hoffnungsloser Fall bist."
„Es ist geradezu überwältigend, wie du mit Komplimenten um dich wirfst", sagte Tamara zähneknirschend.
„Das kommt daher, dass ich im Grunde ein total netter Kerl bin", sagte Snape ironisch, „aber erzähl das bitte nicht weiter – ich habe einen Ruf zu verteidigen."
„Ich werde es für mich behalten", versprach Tamara treuherzig, „schon allein deshalb, weil mir das ohnehin niemand glauben würde."
„Ja – es ist schlimm, wie misstrauisch die Leute heutzutage sind", sagte Snape. „Können wir dann aufhören, zu plaudern und uns wieder der Arbeit zuwenden?"
„Ich bin bereit!", sagte Tamara knapp.
„Also gut, pass auf! Bei der Okklumentik kommt es darauf an...", begann Snape.
„Moment mal!", schnappte Tamara. „Wieso Okklumentik? Du hattest doch behauptet, du würdest während eines Duells nicht in meinen Geist eindringen, sondern lediglich auffangen, was ich herumschleudere."
„Das ist richtig", sagte Snape, „aber die Verteidigung ist die gleiche – ob du nun verhindern willst, dass jemand in deine Gedanken eindringt, oder dass dein Geist etwas preisgibt, das du lieber für dich behalten möchtest."
Tamara sah ihn misstrauisch an. „Und wie kann ich das üben?", fragte sie.
„Das ist einfach! Ich dringe in deinen Geist ein, und du versuchst es zu verhindern", sagte Snape trocken.
„NEIN!"
„Nein?"
„Ich will nicht, dass du in meinen Geist eindringst!", sagte Tamara empört.
„Noch vor zwei Tagen hattest du gegen ein Eindringen von meiner Seite nichts einzuwenden", sagte Snape mit einem anzüglichen Grinsen.
Tamara stieß etwas auf Russisch hervor, das sich schwer nach einem Schwall übler Schimpfwörter anhörte.
„Schön – wenn du es nicht lernen willst, dann lassen wir es eben", sagte Snape gleichmütig.
Tamara starrte ihn böse an.
„Was muss ich tun?", sagte sie zähneknirschend.
„Mach deinen Kopf frei", sagte Snape ruhig. „Versuche, dich von all deinen Emotionen zu lösen."
Tamara nickte stumm.
Snape richtete seinen Zauberstab auf sie.
„Legilimens!", sagte er leise.Die große Halle begann, sich vor Tamaras Augen aufzulösen. Bilder aus der Vergangenheit schoben sich davor, zunächst verschwommen, dann ganz deutlich sichtbar.
...Sie war sechzehn Jahre alt und stand im Büro ihres Vaters, der wild mit den Händen gestikulierend vor ihr auf und ab lief und zornig auf sie einredete. Ihre Mutter saß auf einem Stuhl und weinte. Es war das übliche Procedere, das regelmäßig nach einer ihrer mehrtägigen „Ausreißertouren" stattgefunden hatte...Sie hielt ein neugeborenes Baby im Arm – ihren Bruder Sascha – während ihr die Tränen unaufhaltsam die Wangen herunterliefen...Sie stand am Grab ihrer Mutter, links neben ihr, ihr Vater, mit einem völlig gebrochenen Gesichtsausdruck, zu ihrer Rechten Nikolai, der beschützend den Arm um sie legte...
Etwas stimmte hier nicht – der Arm, der sie tatsächlich hielt, gehörte eindeutig zu jemand anderem. Snape! Er hielt sie fest, weil sie bedrohlich schwankte. Sie befand sich wieder in der großen Halle. Tamara blinzelte verwirrt.
„Wieder im Hier und Jetzt angekommen?", fragte Snape, bevor er sie losließ.
Tamara nickte.
„Du hast mir nichts entgegengesetzt!", sagte Snape vorwurfsvoll.
„Ich weiß nicht wie!", zischte Tamara.
„Ich kann dir nicht erklären, wie das geht – du musst es spüren", sagte Snape. „Versuche, deine Erinnerungen zu verbergen, indem du mir eine geistige Barriere entgegen setzt."
„Genau das habe ich versucht!", sagte Tamara störrisch.
Snape sah sie skeptisch an.
„Wer war der große, Blonde neben dir, auf der Beerdigung?", fragte er plötzlich.
„...Ein Leibwächter...", murmelte Tamara, immer noch durcheinander, von dem Ausflug in die Vergangenheit.
„Hm...! Nächster Versuch! Bist du bereit?", sagte Snape.
„Ja, ...ich glaube schon!", sagte Tamara zögernd.
„Mach deinen Kopf frei!", befahl Snape. „Legilimens!"
...Wieder war sie sechzehn. Sie war äußerst wütend, ...wütend und verletzt, und sie schrie die erste große Liebe ihres Lebens an, einen schlanken, dunkelhaarigen jungen Mann namens Fjodor...Sie wurde von zwei bulligen Bodyguards von einem ihrer „Ausflüge" nach Hause eskortiert...ihr alter Zaubertranklehrer sah sie frustriert an und seufzte „Täubchen – was soll nur aus dir werden?"...Ihr neuer Zaubertranklehrer, Snape, beugte sich über ihren Tisch und fauchte „Sie sollen links herum rühren!"...Der selbe Lehrer stand ihr gegenüber und brannte ihr einen Stupor auf den Pelz...Der selbe Mann drückte sie an die Wand des Schwimmbeckens und...NEIN! RAUS! Mach, das du aus meinem Kopf rauskommst, Severus!
Schwer atmend und auf dem Boden liegend kam sie zu sich, während die große Halle sich um sie zu drehen schien.
Snape war neben ihr in die Hocke gegangen, und rieb sich die Schläfen, als hätte er Kopfschmerzen.
„Kein Grund, so zu schreien!", murmelte er vorwurfsvoll.
Die Umgebung hörte allmählich auf, sich um Tamara zu drehen.
„Ich habe geschrieen?", fragte sie verwirrt.
„Nicht tatsächlich – aber in deinem Kopf", sagte Snape.
„Habe ich es tatsächlich geschafft, dich rauszuschmeißen?", fragte Tamara erstaunt.
„Sagen wir mal - du hast so viel Tamtam gemacht, dass ich es vorzog zu gehen", sagte Snape schmunzelnd, „und das, gerade als es anfing, interessant zu werden."
„Soweit ich mich erinnere, warst du dabei, als diese interessante Begebenheit sich tatsächlich zugetragen hat", sagte Tamara zornig.
„Es ist trotzdem sehr aufschlussreich, das Ganze aus deiner Perspektive zu betrachten", sagte Snape ruhig, „...und deine Emotionen zu spüren."
„Du spürst ...meine Emotionen?", fragte Tamara entgeistert.
Snape nickte mit einem vielsagenden Lächeln.
„Und was ...schließt du daraus?", wisperte sie.
„Zumindest soviel, dass du nichts vorgetäuscht hast", sagte Snape amüsiert, „aber das hatte ich auch nicht erwartet."
„Du bist dir bei allem, was du tust, ziemlich sicher, nicht war?", sagte Tamara rebellisch, während sie sich vom Boden erhob.
Snape stand ebenfalls auf.
„Ja!", sagte er knapp. „Bereit für die nächste Runde?"
„Bereit!"
„Versuche nun das, was du vorhin getan hast, von vornherein zu tun, damit ich gar nicht erst hineinkomme, in deinen Geist", sagte Snape, „...und, Tamara – du brauchst dabei nicht so zu schreien."
„Schon gut – ich werde versuchen zu flüstern", zischte Tamara.
„Mach deinen Kopf frei! Trenn dich von deinen Gefühlen!", sagte Snape.
„Das fällt mir nicht so leicht wie dir – ich bin kein Mann!", giftete Tamara.
Snape sah sie fragend, und Augenbrauen-hochziehend an.
„Für dich mag das ein Leichtes sein! Ich würde sogar so weit gehen, zu behaupten – du lebst ständig getrennt von deinen Gefühlen", knurrte Tamara wütend. „Aber ich bin eine Frau, und ich habe keine Ahnung, wie man sich von seinen Gefühlen trennt."
Snape warf ihr einen nachdenklichen Blick zu.
„Du scheinst in der Tat recht weit entfernt zu sein, vom Zustand der Emotionslosigkeit", bemerkte er trocken.
„Du zynischer Bastard!", murmelte Tamara.
„Verdammt weit entfernt!", sagte Snape grinsend. „Okay, pass auf – vielleicht hilft es dir, dich auf ein Bild zu konzentrieren, das du vor deinem inneren Auge hast. Schließ die Augen und stell dir eine Tür vor. Du machst sie zu, sobald ich versuche hereinzukommen. Verstanden?"
„Verstanden!"
Tamara sah die Tür klar und deutlich vor sich – sie war aus massivem Holz und blau angestrichen.
„Legilimens!", hörte sie Snape murmeln.Sie schloss die imaginäre Türe – im gleichen Moment begann das Bild zu verschwimmen.
...Ihr kleiner Bruder lief lachend auf sie zu – er war etwa zwei Jahre alt...Ihr Vater hielt ihr einen seiner ellenlangen, ermüdenden Vorträge darüber, warum es unverantwortlich sei, wenn sie sich ohne Begleitschutz aus dem Haus begäbe...Sie wälzte sich im Bett mit einem Mann - wild, hemmungslos...und dieser Mann war nicht Snape...verdammt!...SCHER DICH RAUS HIER!
Sie riss die Augen auf.
„Wolltest du nicht flüstern?", sagte Snape anklagend.
„Ich hab's leider vergessen!", zischte Tamara.
„Du hast die Tür zu spät...", sagte Snape.
„Das weiß ich selbst!", unterbrach Tamara in unwirsch.
„Ich war schon drin!", sagte Snape vergnügt.
„Ach nein!", rief Tamara aufgebracht. „Hat dir wenigstens gefallen, was du gesehen hast?"
„Es gibt Schlimmeres", sagte Snape.
„Oh – vielen Dank!", knurrte Tamara. „Kannst du mir eigentlich sagen, warum du immer ...so was findest?"
„Purer Zufall!", behauptete Snape. „Dein Kopf scheint voll zu sein mit Erinnerungen aus dieser Rubrik."
„Ich könnte schwören, du suchst genau danach!", sagte Tamara scharf.
Snape grinste und schüttelte den Kopf.
„War das nicht dein Leibwächter von vorhin?", fragte er interessiert.
„Das geht dich gar nichts an!", keifte Tamara.
„Willst du es noch einmal versuchen, oder hast du Bedenken, ich könnte an noch brisantere Bilder herankommen", fragte Snape lächelnd.
An Tamaras Gesichtsausdruck war deutlich abzulesen, dass sie am liebsten gestreikt hätte.
„Einmal versuche ich es noch", sagte sie widerwillig.
Sie schloss die Augen, und visualisierte nochmals die Tür, und wartete auf den Zauberspruch.
„Konzentriere dich!", hörte sie stattdessen Snapes Stimme nah an ihrem Ohr raunen. „Du bist völlig alleine hinter dieser Tür – sowie du auch nur einen Hauch von meiner Anwesenheit spürst, schlägst du die Tür zu."
Tamara nickte unmerklich.
„Legilimens!", flüsterte Snape.
Tamaras Nackenhaare sträubten sich – sie knallte die Tür zu.
Sie starrte auf die Innenseite der Tür und wartete – nichts passierte.
Tamara öffnete langsam die Augen.
Snape sah sie aufmerksam an, und für einen kurzen Moment meinte Tamara so etwas wie Stolz in seinem Blick erkennen zu können, bevor die übliche Mischung aus Spott und Herablassung wieder ihren angestammten Platz einnahm.
„Das war gar nicht so schlecht", sagte er gönnerhaft. „Du willst mich also mit weiteren Einzelheiten aus deinem bewegten Liebesleben verschonen?"
„Versuch, etwas weniger enttäuscht zu klingen", sagte Tamara spitz.
„Die Enttäuschung hält sich in Grenzen", sagte Snape. „Ich werde einfach dafür sorgen, dass du zu ein paar neueren Erinnerungen dieser Art kommst – das dürfte wesentlich vergnüglicher werden."
Er war ganz nah an sie herangetreten, und strich während er sprach wie beiläufig mit den Fingerspitzen an ihrer Schläfe herab, über ihren Hals.
„Tust du das?", flüsterte Tamara, bei der die Berührung mehr auslöste, als ihr recht war.
„Ja!", flüsterte Snape, und schob ihre langen Haare zur Seite, um einen sanften Kuss auf ihrem Hals zu platzieren.
„Und worauf wartest du dann noch?", seufzte Tamara.
„Auf Samstag!", sagte Snape.
Tamara trat einen Schritt zurück und starrte ihn erbost an.
„Samstag? Schon wieder? Was soll das?", fauchte sie.
Snape zuckte die Schultern.
„So steht's auf meinem Plan", sagte er leichthin.
„WEIßT DU, WO DU DIR DEINEN PLAN HINSTECKEN KANNST?", schrie Tamara.
„Na, na – wir werden doch nicht ausfallend werden, meine Teuerste", sagte Snape amüsiert.
Tamara warf ihm einen Mörderblick zu und marschierte dann schnurstracks auf den Ausgang zu.
„Der Unterricht ist noch nicht beendet", rief Snape ihr nach, der nun gar nicht mehr belustigt klang.
Tamara ignorierte ihn. Sie öffnete eine der großen Flügeltüren.
Snapes Stimme knallte wie eine Peitsche durch den Saal. „Wenn du diesen Raum verlässt, war das dein letzter Verteidigungsunterricht!", rief er.
Tamara erstarrte. Es war ihm durchaus zuzutrauen, das er das durchziehen würde, wenn sie ging. Bei näherer Betrachtung war es sogar äußert wahrscheinlich. Sie beschloss, das dieser Preis, auch wenn er für ihren Stolz gezahlt würde, zu hoch war.
Ergeben senkte sie den Kopf und schloss die Tür.
„Eine weise Entscheidung!", sagte Snape seidig.
„Du sitzt einfach am längeren Hebel", sagte Tamara rau, „Ich hoffe, du genießt es!"
„Durchaus!", sagte Snape. „Komm her!"
Allein diese zwei Worte, und die Art, wie er sie aussprach, bescherten Tamara bereits wieder weiche Knie.
Sie bemühte sich, einen möglichst gelassenen Eindruck zu machen, während sie langsam zu ihm zurück ging.
Er ließ sie nicht aus den Augen, und auch, als sie wieder direkt vor ihm stand, nagelte er sie noch eine geraume Zeit mit seinem tiefschwarzen Blick fest, bevor er weitersprach.
„Du wirst deine neu gewonnene Fähigkeit nun einsetzen, während du einen Fluch sprichst", sagte Snape, „vorerst ohne meine Verteidigung darauf – ich will nicht schon wieder den Boden mit dir aufwischen – das wird langsam langweilig."
Tamara warf ihm einen wütenden Blick zu und rümpfte empört die Nase, was er mit einem leisen Lächeln quittierte.
„Ich werde deinen Flüchen lediglich ausweichen", fuhr er fort.
„Schön – und wie soll ich den Fluch durch die Tür kriegen?", schnappte Tamara. „Durchs Schlüsselloch?"
„Nette Idee!", sagte Snape. „Probier es einfach mal aus!"
Sie nahmen Aufstellung, und Tamara konzentrierte sich, und verschloss im Geiste die blaue Tür, und fixierte das Schlüsselloch, bevor sie die Hand ausstreckte und den Fluch losließ.
Das schien geklappt zu haben. Stolz und erwartungsvoll sah sie zu ihrem Lehrer.
„Du kannst doch bei einem Duell nicht die Augen schließen!", sagte der vorwurfsvoll und kopfschüttelnd.
„Wie soll ich mir den die Scheiß-Tür vorstellen, wenn ich die Augen nicht schließe?", bellte Tamara.
„Da musst du dich eben mehr anstrengen", sagte Snape kühl. „Und lass deine überschäumenden Emotionen stecken!"
Tamara versuchte, sich die Tür mit geöffneten Augen vorzustellen – was wesentlich schwieriger war – und wiederholte das ganze Procedere.
„Du zielst nicht!", schnarrte Snape. „Ich musste mich nicht mal einen Millimeter bewegen, dafür hat das Parkett Brandspuren."
„Es ist nicht besonders einfach, durch das verf...luchte Schlüsselloch zu zielen!", sagte Tamara barsch.
„Dann stell dir eben etwas vor, womit du besser zurechtkommst", sagte Snape genervt, „oder beschränkt sich deine Phantasie etwa nur auf einen ganz bestimmten Sektor?"
Tamara starrt ihn an.
Sie stellte sich vor, sie stände hinter einer dicken, schützenden Burgmauer, und würde Snape nur durch eine enge Schießscharte beobachten. Sie hob den Zauberstab genau in die Höhe dieser Öffnung.
„STUPOR!" Sie hatte nur geflüstert, aber in ihrem Kopf war es ein Schrei.
Snape drehte sich blitzschnell zur Seite, und ließ den Fluch an sich vorbeizischen.
Danach kam er lächelnd auf sie zu.
„Respekt!", sagte er spöttisch. „Miss Ogareff hat's kapiert – wer hätte das gedacht. Darauf müssen wir eigentlich mit einem anständigen Rotwein anstoßen..."
Misstrauisch sah Tamara ihn an, ehe sie sich dazu durchrang, das Lächeln zu erwidern.
„...am Samstag!", sagte Snape.
