Dwalin hatte Spätdienst am nächsten Tag und erwachte, als Dwin sich auf ihn schob und begann, ihn zu küssen. Er gab ein behagliches Brummen von sich und fasste nach ihren Hüften. Nackte, warme Haut unter seinen Händen. Ihr schneller Atem an seinem Ohr, ihre Zunge zwischen seinen Lippen und dann ihre Hand, die seinen Schaft umschmeichelte und ihn schließlich in sich leitete. Sie richtete sich auf und ritt ihn mit wippenden Brüsten, bis sie endlich stöhnend innehielt und ihre Finger in seine Schultern grub. Sie so zu sehen, ließ all seinen Willen zur Beherrschung dahinschmelzen. Er drehte sie mit fester Hand herum, hob ihre Beine über seine Schultern und drang heftig in sie, stieß sie und fand mit geschlossenen Augen seinen Rhythmus. Mit einem gepresstem Schrei kam er wenig später zum Gipfel. Sie liebte es, ihn in diesen Momenten zu betrachten. Wenn er ihr wie nie sonst ganz und gar gehörte. Danach lagen sie zufrieden nebeneinander.

„Winni bringt mich um", brummte er.

„Ich nehm's auf mich. Das war so nötig", antwortete sie grinsend.

„Ach, Süße. Komm her!", raunte er und zog sie in eine seiner knochenbrecherischen Umarmungen.

„Endlich kommst Du zur Vernunft", ächzte sie und bekam kaum noch Luft, „Wie konntest Du bloß denken, dass ich den Bund lösen will?"

„Keine Ahnung".

„Schon klar", lachte sie.

Er biss sie spielerisch in den Bauch und sie rauften eine Weile, bis sich ihr Blick traf und das Gefühl der Zusammengehörigkeit sie erneut völlig überwältigte. Dwalin legte ihr seine große raue Hand auf die Wange und vermochte den Blick nicht abzuwenden.

„Ich liebe Dich", raunte er.

Sie griff seine Hand und küsste sie.

„Und ich liebe Dich. Mehr als ich sagen kann", flüsterte sie.

Die Gäste aus den Eisenbergen waren zur traditionellen Rentierjagd gekommen, die seit die Berge von Zwergen besiedelt waren, jedes Jahr zum Ende des Winters stattfand. Die großen Herden zogen in dieser Zeit aus dem Schutz der Grauen Berge wieder hinaus in die grasbewachsenen Ebenen im Osten und kamen dabei nördlich des Erebor und der Eisenberge entlang. Dort würde die Jagdgesellschaft sie abpassen. Den Abschluss der etwa einwöchigen Jagd, die seit dem Fall Smaugs wieder abwechselnd vom Erebor und von den Eisenbergen sehr komfortabel ausgerichtet wurde, bildete dann jedes Jahr ein großes Fest für alle bei dem Unmengen an Fleisch verzehrt und Unmengen an Bier getrunken wurde. Dwalin und alle anderen, die die Ehre hatten, gemeinsam mit den Königen auf die Jagd gehen zu dürfen, freuten sich schon seit Wochen darauf. Auch Veri, die eine bekanntermaßen gute Schützin und leidenschaftliche Jägerin war, würde mitreiten. Heute sollten die letzten gemeinsamen Vorbereitungen getroffen und die Berichte der ausgesandten Späher ausgewertet werden und morgen bei Sonnenaufgang wollte die Gesellschaft aufbrechen. Das Spätwinterwetter war geradezu mild und alles fieberte dem morgigen Aufbruch entgegen.

Dís und Balin blieben im Erebor. Zum einen, weil sich beide nichts aus der Jagd machte und zum anderen, um die Feier vorzubereiten. Gemeinsam mit Dwin verabschiedeten die beiden am nächsten Morgen die Jäger. Dwalin beobachtete mit gerunzelter Stirn die vielen Wagen, die die üppige Verpflegung, Holz und Kohlen für die Feuerschalen und jede Menge Zelte trugen und auf dem Rückweg die Beute mitführen würden. Dáin und Veri waren gut gelaunt und Dís beobachtete ihren Bruder, der neben ihnen auf seinem Pony saß und still und völlig gedankenversunken zu Boden sah. Dáin sprach ihn an und Thorin lachte laut. Dís liebte dieses Lachen, dass sie seit Wochen nicht gehört und gesehen hatte. Thorin sah, immer noch lachend, zu ihr herüber. Dís lächelte. Er wendete sein Pony, kam langsam zu ihr geritten und stieg noch einmal ab.

„Na, kleine Schwester? Was soll ich Dir mitbringen?", fragte er schmunzelnd.

„Ich habe nur einen Wunsch und Du kennst ihn", sagte sie.

„Dís...", antwortete er unwirsch und seine gute Laune schwand schlagartig.

„Thorin, bitte! Bitte denk wenigstens darüber nach", bat sie eindringlich, aber er blickte nur verärgert zur Seite.

„Sieh sie Dir an. Das könntest Du doch auch haben", flüsterte Dís und nickte hinüber zu den Wartenden.

Thorin sah Dwin und Dwalin eng beieinander stehen und Karla, die Bombur den Schal neu band und ihn küsste. Und er sah Gloins Gemahlin, die glücklich zu ihren Sohn Gimli schaute, der heute das erste Mal an der Rentierjagd teilnehmen durfte. Und Dáin, der seine Gemahlin neckte. Sie schlug dafür seinem Pony mit ihrer Reitgerte aufs Hinterteil, sodass das erschrockene Tier bockte und Dáin Mühe hatte, im Sattel zu bleiben. Alles lachte, am lautesten Dáin selber.

Thorin sah seine Schwester unglücklich an und sagte rau:

„Dís, versteh doch! Ich bin weder Gloin noch Bombur noch Dáin! Und leider auch nicht Dwalin, der sogar den Schneid hatte, sich ohne Zögern auf eine völlig Fremde einzulassen. Für mich kann es so ein Glück ohne Dich nicht geben!".

„Natürlich kann es das! Du musst es nur wollen!", fauchte Dís.

„Aber ich will es nicht! Und jetzt will ich nie wieder ein Wort davon hören!", knurrte er.

„Das wirst Du müssen, Bruderherz!", antworte Dís ruhig, drehte sich um und ging zu Balin und Dwin hinüber.

Thorin hasste es außerordentlich, wenn sie auf diese Weise das letzte Wort behielt. Zornig und mit finsterem Blick schwang er sich wieder in den Sattel.

Der junge Thorin Steinhelm kam gerade heran, um mit Gimli zusammen zu reiten und verbeugte sich vor seinem berühmten Namensvetter ehrfurchtsvoll und voller Hochachtung. Und der König des Erebor zwang sich zu einem freundlichem Lächeln. Dieser Junge würde einmal Dáins Nachfolger werden. Ein kluger, aufrechter Zwerg. Ganz so wie Fíli. Fíli! Thorins Herz verkrampfte sich und er bemerkte aus den Augenwinkeln heraus, dass Dís ihn beobachtete. Überstürzt gab er das Zeichen zum Aufbruch und der Tross setzte sich langsam in Bewegung.

Als die einzelnen Reiter in der Ferne kaum mehr auszumachen waren, gingen Balin, Dís und Dwin zusammen hinein. Balin hatte zu tun und verabschiedete sich auf später. Dís lud Dwin auf ein Schwätzchen zu sich ein.

Dwin war erschöpft vom Treppensteigen als sie den königlichen Flügel endlich erreichten und Dís schickte Junkin nach Gebäck und heißer Schokolade. Dann saßen sie zusammen, aßen Süßigkeiten und plauderten, bis Dwin endlich fragte:

„Gab es wieder Streit mit Deinem Bruder? Willst Du mir nicht sagen, was Dir solche Sorgen macht, Dís?".

„Du hast ein gutes Auge. Wie immer. Aber ich will Dich da lieber nicht mit hineinziehen", antwortete die Prinzessin.

Dwin erschrak. Dís hatte bis dahin nur Andeutungen gemacht, die darauf schließen ließen, dass es nicht einfach werden würde, sich von Thorin zu lösen und die Zustimmung zur Verbindung mit Bard zu bekommen. Sie kannte natürlich die Gerüchte, um die enge Bindung zwischen den Geschwistern und auch aus Balins Worten hatte sie das eine oder andere geschlossen. Dwalin, der treu zu Thorin stand, mied das Thema weitestgehend. Sie dachte sich auch dazu ihren Teil, aber sie war nie in die Brüder oder die Prinzessin gedrungen, um wirklich die ganze Wahrheit zu erfahren. Und freiwillig hatte Dís bisher nur Bard einen Teil der Geschichte erzählt.

„Dís, Du bist immer für mich dagewesen. Kann ich nichts tun, um Dir zu helfen?", fragte sie schlicht.

„Du würdest wieder zwischen Deiner Loyalität zu Dwalin und mir wählen müssen. Das sollst Du nicht. Vielleicht nur so viel: Wenn es auf dem Fest wieder zum Streit zwischen mir und Thorin kommt, lenke Balin und Dwalin davon ab, so gut Du kannst. Wenn sie zu früh dazwischengehen, wird es nicht klappen".

„Dís. Du machst mir Angst", sagte Dwin.

Dís lächelte, aber Dwin spürte ihre Besorgnis deutlich.

„Wichtig ist, dass niemals Bards Name fällt! Er und die Kinder dürfen unter keinen Umständen erwähnt werden. Ich werde alles auf eine Karte setzen. Es wird einen Eklat geben. Und am Ende des Abends werde ich entweder frei sein oder tot. Wenn ich nicht frei sein kann, ist mir der Tod recht. Schau nicht so entsetzt, Dwin. Mir bleiben nicht mehr viele gute Jahre und ich will jetzt endlich mein Leben für mich haben. Nicht für irgendeinen erzwungenen Gefährten und auch nicht für meinen Bruder. Ich kann ihm den Tod meiner Söhne im Herzen nicht verzeihen".

Dwin nahm sie wortlos in den Arm und Dís weinte bitterlich an ihrer Schulter. Um Kíli und Fíli, um ihren verstockten Bruder und um ihre eigenen vergeudeten Jahre an Kirins Seite.

Endlich wischte sie sich die Tränen aus dem Gesicht, versuchte ein tapferes Lächeln und lenkte das Gespräch in eine andere Richtung:

„Weißt Du was? Du könntest noch etwas für mich tun. Ich finde doch die vermaledeite Geheimtür zwischen meinen und Thorins Zimmern nicht. Du als Handwerkerin hast sicher einen besseren Blick dafür".

Dwin untersuchte die gemeinsamen Wände eine Weile und meinte dann:

„Es wäre sicher leichter, die Tür von der Eingangseite zu finden".

„Gute Idee! Komm!", antwortete Dís, öffnete die Türen zu Thorins Schlafzimmer und ging hinein. Dwin blieb unschlüssig an der Tür stehen. Dís drehte sich um und sah sie fragend an. Dwin lächelte verlegen.

„Es ist nur… Es sind des Königs Räume".

Dís lachte.

„Komm schon! Er ist doch nicht hier. Und wenn er hier oben ist, ist er auch bloß ein Zwerg nach Feierabend".

Dwin ging langsam hinein und sah sich staunend um. Wie in Dís' Räumen war die Ausstattung vom Edelsten und Feinsten. Während die Prinzessin aber warme Farben und Hölzer für ihre Einrichtung bevorzugte, dominierten hier kühle Töne und kantige Formen. Beides war in sich stimmig und Dwin hätte nicht sagen können, was ihr besser gefiel.

Es kamen nach Dwins Überlegung nur zwei Bereiche in den Räumen in Betracht. Im Ankleidezimmer und im Badebereich. Von Thorins Seite aus dauerte es nicht lange, bis sie den verborgenen Durchgang im Bad gefunden hatte. Dwin öffnete die gut versteckte steinerne Tür und stand am Rand von Dís' Badegrotte.

„Ich könnte Dir einfach einen kleinen Steinkeil machen, den Du hier in den Türspalt schiebst. Dann kann von drüben nicht geöffnet werden, aber ob es eine gute Idee ist, ihn auszusperren, musst Du entscheiden", meinte Dwin nachdenklich.

„Ein Keil wäre gut. Dann höre ich ihn wenigsten reinkommen, wenn er danach die Türen eintritt", meinte Dís lapidar.

Dwin sah sie entsetzt an, aber Dís lachte nur bitter.

In dem Moment klopfte Junkin und meldete den Schneider. Dwin verabschiedete sich und versprach, sich um den Keil zu kümmern.