Die vier Rumtreiber saßen um den Esstisch in Potters Küche und ließen sich einen großen Topf Spaghetti Bolognese schmecken. Dabei beratschlagten sie, wie es denn nun mit ihnen weitergehen sollte.

Für James war die Zukunft kein Thema, denn er hatte unermessliche Reichtümer, die von mehreren uralten Zauberergeschlechtern stammten, geerbt. Er wollte seine Zeit mit Privatstudien, die sich hauptsächlich um Quidditch-Equipment drehten, verbringen.

Peter Pettigrew hatte einige Jobs in Diagon Alley, unter anderem in einem Auktionshaus für magische Artefakte, Sirius versuchte noch immer magische Architektur und Bannflüche zu studieren, wobei er aber nur jede 6. Vorlesung besuchte und Remus war noch immer in Diensten von Mr. Hollingberry, der aber derzeit wenig Aufträge hatte.

So konnten sie über viel Freizeit verfügen und das schrie nach einer etwas anderen Betätigung.

"Ich finde ja" sagte James mampfend, "Ich finde, wir sollten uns dem Kampf gegen den Ihr-wisst-schon anschließen. Ich habe gehört, dass es auch außerhalb der Aurorendivision so etwas wie einen organisierten Widerstand gibt. Wir sollten uns umhören."

"Sind sicher nicht leicht zu finden." gab Remus zu bedenken. "Denn das ist ja irgendwie illegal, wenn es der Minister nicht befürwortet. Und was man so hört, befürwortet der Minister Eigeninitiative insgesamt nicht."

Sirius wischte den Einwand mit einer Handbewegung weg. "Illegal, scheißegal." sagte er. "Wir müssen nur die richtigen Leute finden. Nach allem, was man hört, sind auch Auroren nicht mit dem Minister einverstanden. Ich werde mich umhören. Vielleicht weiß Frank etwas."

"Es ist natürlich auch gut möglich, dass es auch Auroren gibt, die mit Du-weisst-wem sympathisieren." wandte Remus ein. "Vorsicht ist die Mutter der Porzellankiste."

"Ja, ja!" Sirius mochte es überhaupt nicht, wenn Remus die Stimme der Vernunft gab. Aber natürlich hatte er meistens recht und das wurmte Sirius fast noch mehr.

"Sei einfach vorsichtig, mit dem was du sagst und zu wem du es sagst." versuchte James zu schlichten. "Ja, ja!"

Sie konnten nicht anders und mussten lachen.


Lucius kniete vor seinem Kamin und musste feststellen, dass seine Knie zu schmerzen begannen. Er turtelte gerade mit Narcissa, die immer noch im Black-Haus festsaß und ihre Schwester umsorgte. Er hatte langsam die Nase voll davon, seine Verlobte nur über Flohverbindung zu sprechen, denn Bellatrix hatte sich jeden Besuch verbeten.

Er nahm sich vor, sobald wie möglich diesen Lestrange zu finden und zu Bellatrix zu prügeln. Natürlich konnte Rodolphus nicht mit dem derzeitigen Zustand seiner Frau umgehen, das verstand Lucius, aber ein kleines Geschenk, paar Blumen und ein paar freundliche Worte sollten schon drin sein.

"Ich glaube, wir hören jetzt auf, Schatz." sagte Lucius, "Tun deine Knie auch so weh?" Narcissa lächelte gequält. "Vielleicht können wir uns morgen im Garten treffen." sagte sie, "Ich schicke eine Eule, wenn es klappt. Um die Mittagszeit geruht sie zu schlafen. Ich habe solche Sehnsucht, Lucius."

Er schickte einen Kuss in die Flammen und dann trennten sie die Verbindung.

Er richtete sich auf und schleuderte eine Sammeltasse seiner Mutter in den Kamin. Ein zufriedenstellendes Scheppern besserte seine Laune etwas. Er holte seinen Umhang, um auf den Ländereien nach dem Rechten zu sehen. Seine Pfauenzucht duldete auch keine Unachtsamkeit. Im Gehen murmelte er verschiedene Verwünschungen für Bellatrix, Rodolphus und die Mutter Natur im allgemeinen. Er war fest davon überzeugt, dass Bellatrix endlich 'normal' würde, wenn sie nur endlich ein Kind bekommen würde. Bei Andromeda hatte es ja auch geklappt, sogar völlig ungewollt und noch dazu mit einem Muggel!

Es kostete ihn große Mühe, die Hintertür nicht mit Wucht zuknallen zu lassen, denn ein Disput mit seinem Vater war das Letzte, was er jetzt noch vertragen konnte.


Petunia Evans hatte einen Ferienjob ergattert, ihre kaufmännische Schule hatte ihr ausgezeichnete Referenzschreiben ausgestellt. Nun stand sie aufgeregt im Bürokostüm (das erste ihres Lebens!) im Büro des Direktors und wartete, bis sie eine Aufgabe zugeteilt bekam.

Als sich die Sekretärin endlich ihrer erinnerte, wurde sie in den zweiten Stock begleitet, wo ein weitaus weniger luxuriöses Büro auf sie wartete. Darin standen drei Schreibtische, die schon bessere Tage gesehen hatten, ein paar Aktenschränke und einige wenige Grünpflanzen, die dringender Pflege bedurften.

Petunia erinnerte sich an den Satz 'Lehrjahre sind keine Herrenjahre' und unterdrückte einen enttäuschten Seufzer. Mrs. Prembroke wies ihr den hintersten Schreibtisch zu und machte sie mit den Tücken ihrer Schreibmaschine vertraut. "Sie werden unserem kaufmännischen Assistenten zuarbeiten, Mr. Dursley. Er ist gerade mit seinem Wirtschaftsstudium fertig geworden und kann Hilfe jeder Art gebrauchen. Bis er eintrifft, machen Sie sich ein wenig nützlich und gießen sie die Blumen und wischen sie mal die Schreibtische ab. Viel Freude bei der Arbeit Miss Evans." sagte sie noch mit einem tückischen Unterton und verschwand alsbald wieder in ihrem schönen Direktionsbüro.

Petunia unterdrückte einen weiteren Seufzer und begann die Grünpflanzen zu säubern und zu gießen. Schließlich besorgte sie sich Putzmittel und wienerte das Büro, immer darauf bedacht, dass ihr schönes neues Kostüm keine Flecken abbekam. Gegen neun öffnete sich schwungvoll die Tür und ein junger Mann kam herein. Er war mittelgroß und blond, sein Haar bestand aus wilden Locken. Er schien sich gerade einen Schnauzbart wachsen zu lassen, was ihm eigentlich nicht zum Vorteil gereichte. Seine Augen waren wasserblau und harmonierten deshalb mit seinem Hemd.

An der Tür blieb er wie angewurzelt stehen und schaute sich um. "Wow." sagte er dann. "So schön sah es hier noch nie aus. Kommen Sie jetzt öfter?"

Petunia ließ den Lappen in den Eimer gleiten und versuchte ein verkrampftes Lächeln. "Ich komme jetzt jeden Tag, für drei Wochen." erklärte sie mit ungewöhnlich hoher Stimme. "Ich bin die Aushilfe."

"Mein Name ist Vernon Dursley. Ich bin selbst auch noch nicht lange hier, deshalb werden wir uns zusammen auf die weniger angenehmen Aufgaben konzentrieren müssen." Er machte eine hilflose Geste mit beiden Händen und fügte hinzu: "Das heißt Inventur."

Die nächsten Stunden war Petunia mit dem Klemmbrett unterwegs und begleitete Vernon Dursley durch die verwirrenden Gänge der Bohrmaschinenfabrik Grunnings. Vernon zählte, verzählte sich, zählte wieder und diktierte schließlich die Zahlen für Petunias Klemmbrett.

Es war eine öde Arbeit, aber wenigstens musste sie nicht Maschineschreiben. Das hasste sie nämlich noch mehr. Unterwegs erzählte ihr Vernon Geschichten aus seinem Studium und schließlich lud er sie zum Kaffee ein.

Die Kantine bei Grunnings war voller Mechaniker in Blaumännern, ein paar Mädels aus dem Kontor und in der Ecke am Direktorentisch saßen ein paar Herren in feinem Zwirn.

"Da will ich auch einmal sitzen." sagte Vernon beiläufig. "Und was haben sie so vor?"

"Och, nichts besonders." erklärte Petunia. "Vorerst möchte ich meine Lehre abschließen und eine gute Stelle bekommen. Dann möchte ich mal richtig schön verreisen und schließlich eine Familie, mit Häuschen im Grünen und Kindern. Wirklich, nichts besonderes. Ich kann außergewöhnliche Dinge nämlich nicht leiden. Also so Besonderheiten, Dinge auf die andere so unsäglich stolz sind, dass sie sich für was Besseres halten. Ich kann das nicht richtig erklären..."

Wie auch? Sie konnte diesem netten jungen Mann doch unmöglich erzählen, dass ihre Schwester eine waschechte Hexe war, die mit ihren arroganten Freunden die Atmosphäre zu Hause verpestete? Nein, das behielt sie mal schön unter dem Teppich.

Am Feierabend waren sie bereits für das Wochenende verabredet und die Woche darauf holte Vernon sie zur Arbeit ab und brachte sie auch mit seinem Auto wieder heim. Petunia konnte nicht anders, als das alles großartig zu finden. Natürlich hatte er kleine Eigenarten, aber sie war sich sicher, dass sie ihm das abgewöhnen konnte und sie fand, er passte großartig zu ihr.