Mit einem leichten Ruck setzte sich Kasper plötzlich in Bewegung und Amita griff instinktiv nach Dons Arm. Dieser nahm ihre Hand in seine und hielt sie fest. Und so machten sich die drei auf den Weg um das Lager zu erkunden. Sianti war voll in ihrem Element und beanspruchte fast Amitas ganze Aufmerksamkeit für sich. Sie erklärte ihr alles und sagte Don immer wo sie als nächste hinwollte. Dieser spielte ganz brav mit und lenkte Kaspern dahin wo Sianti es verlangte. Nach einer guten dreiviertel Stunde hatten sie das Lager komplett erkundet und machten sich wieder auf den Weg zur Koppel. Dabei kamen sie wieder an den Häusern vorbei wo Esmeralda gerade dabei war Wäsche auf zu hängen. Ihr Blick verfinsterte sich als sie sah wie eng Don und Amita bei einander saßen. Amita blickte zu ihr herüber und ein Schauder durchlief sie bei dem finsteren Blick.

Don spürte den Schauder und fragte: „Ist dir kalt?" Sie schüttelte den Kopf. „Es ist nur... Esmeralda schaut mich an als wollte sie mich umbringen, dabei habe ich ihr nichts getan." Don sah verstohlen in Richtung des Mädchens und wirklich war ihr Gesichtsausdruck zu fürchten. „Dieses sture Mädchen..." murmelte er leise vor sich hin, aber Amita verstand es trotzdem. „Warum ist sie stur?" Noch bevor Don antworten konnte mischte sich Sianti ein. „Weil sie total in Don verknallt ist." rief sie und blickte Amita über die Schulter hinweg an. „Wirklich? Das ist aber interessant. Wäre sie nichts für dich, Don?" Leise flüsterte sie und es klang irgendwie seltsam. „Nein, außerdem würde das definitive in die Kategorie 'Verführung Minderjähriger' fallen." „Was, wie alt ist sie denn?" „Sie ist vor ein paar Wochen erst siebzehn geworden."

„Ok, sie sieht wirklich viel älter aus. Ich hätte sie auf Mitte zwanzig geschätzt. Aber weiß sie auch das du nichts für sie empfindest?" „Ja, ich habe schon ein paar Mal mit ihr darüber gesprochen und hatte gehofft, dass es etwas bringt aber sie ist ziemlich stur." Sianti drehte sich zu Amita um und zog sie zu sich hinunter um ihr etwas ins Ohr zu flüstern, dabei grinste sie Don über Amitas Schulter hinweg an. „Keine Sorge Ami, ich pass auf Don auf damit sie ihn dir nicht wegschnappt." Amita schnappte nach Luft und lief rot an. Das konnte Don zum Glück nicht sehen. Trotzdem war es peinlich und sie konnte ja nicht verhindern, dass Don ihr Luft holen mitbekam. „Ist alles in Ordnung Amita? Was hat Sianti dir gesagt? Du hast doch nicht böses gesagt, Sianti?" fragte er die Kleine und sah sie streng an. „Nein, das habe ich nicht. Ich habe ihr nur etwas versprochen." „Ach ja und was war das?" „Das ist ein Mädchengeheimnis."

„Nun gut, wenn Amita das auch so sieht." Diese hatte in zwischen ihre Stimme wiedergefunden und bestätigte Siantis Behauptung. „Sie hat vollkommen Recht Don, das geht nur uns beide etwas an." „Na gut." Etwas mürrisch lenkte Don Kasper wieder zurück zu der Koppel und ließ Sianti absteigen. Als Amita es ihr gleich tun wollte hinderte er sie daran. „Nicht so schnell, du bleibst noch hier." „Was? Warum denn?" „Na jetzt kommt doch erst die Reitstunde." „Aber ich dachte die hatten wir schon." „Nein das war nur eine Entdeckungstour durch das Lager. Sianti wollte das unbedingt machen. Aber jetzt zeig ich dir wie man ein Pferd reitet. Rückst du bitte auf Siantis Platz vor." Amita tat was Don sagte und spürte wie er wieder zu ihr aufrückte und ihr die Zügel in die Hand drückte. Verwirrt starrte sie auf die Zügel.

„Und was soll ich jetzt damit machen?" „Amita, damit lenkt mal das Pferd." „Ach was, das hätte ich jetzt nicht gedacht." Don musste schmunzeln. „Warum fragst du dann?" „Ich wollte nur wissen ob du das weißt." „Ach so, na dann lass uns mal beginnen. Was machst du damit das Pferd los läuft?" „Hmm... an den Zügeln wackeln?" „Nicht ganz. Leg deine Beine ein Stück zurück dann zeig ich es dir." Amita schon ihre Beine noch ein Stück zurück, obwohl diese Haltung leicht unbequem war. Dann schob Don seine Füße unter die ihren. „So, um das Pferd zu losgehen zu bewegen drücken wir unsere Unterschenkel gegen den Bauch und machen ein Klak Klak mit der Zunge." Amita spürte wie Dons Beine den besagten Druck ausübten und auch das komische Geräusch was er schon vorhin gemacht hatte. Und tatsächlich, Kasper setzte sich ohne weiteres in Bewegung. „Ok soweit alles klar?" Amita nickte.

„Gut, dann wollen wir ihr mal nach rechts lenken. Dafür hältst du die Zügel ebenfalls zur rechten Seite, sodass der linke Zügel am Hals anliegt. Das signalisiert dem Pferd das es dort nicht weiter geht. Gleichzeitig öffnest du damit die linke Seite und es läuft in diese Richtung. Eine zweite Hilfe ist es, wenn du zusätzlich mit deinem Schenkel gegen die linke Seite drückst. Und wenn du in die andere Richtung willst das ganze einfach anders herummachen. Zusätzlich kannst du auch dein Gewicht minimal auf die Seite verlagern wo du hinmöchtest. Je besser Pferd und Reiter auf einander eingestellt sind, braucht man eigentlich gar keine Zügel mehr. Das Pferd sollte dann nur durch die Hilfestellungen der Beine und des Gewichts gelenkt werden." „Kannst du das?" fragte Amita interessiert. „Es wird besser, aber noch beherrsche ich es nicht ganz und ich habe in letzter Zeit auch nur sehr wenig Zeit hier vorbei zu schauen."

„Wann warst du das letzte Mal da?" „Uhh... das ist bestimmt schon über einen Monat her." „Da hattest du aber eine Menge zu tut." „Ja, ein Fall folgte auf den nächsten. Als hätten sich die Bösen gegen uns verschworen. Aber im Moment wartet zum Glück kein neuer Fall auf meinem Schreibtisch und wenn dann weiß ich zum Glück noch von nichts." „Aber Cha... dein Bruder hatte nicht viel Arbeit von euch im letzter Zeit." „Ich weiß, er meinte er braucht mal etwas Ruhe um sich mehr um seine eigentliche Arbeit kümmern zu können. Deshalb habe ich ihn nur gefragt, wenn es unbedingt nötig war. Ein bisschen was schaff ich auch noch ohne ihn." „So hatte ich das auch nicht gemeint." „Weiß ich doch. Wollte dich nur ein bisschen ärgern. Macht es dir nichts aus über ihn zu reden?"

„Ein bisschen schon, aber es ist nicht mehr so schlimm wie gestern. Eigentlich bin ich nur enttäuscht von ihm, nicht verletzt oder so. Vielleicht ist es besser so. Ich weiß es nicht. Ich weiß nicht ob es gut gegangen wäre, wenn wir wirklich den ganzen Tag aufeinander gehockt hätten. Zu Hause möchte ich mich entspannen und abschalten und jemanden haben mit dem ich einfach über Alltägliches sprechen kann, oder der sich meinen Tag anhören kann ohne dabei genervt die Augen zu verdrehen, weil er alles schon weiß." „Dann trauerst du ihm nicht wirklich nach?" „Nein, nicht wirklich. Ich weiß nicht warum aber es ist so." „Dann tut es dir wenigstens nicht so weh. Mein Bruder ist echt ein Idiot." „Warum?" „Weil er eine Frau wie dich nicht würdigt." „Wie mein..." Doch bevor Amita ihre Frage ganz aussprechen konnte macht Kasper einen kleinen Satz und auf einmal hüpfte sie auf und ab. Ängstlich krallte sie ich an der Mähne fest.

„Don was ist denn jetzt los?" „Wir traben. Das ist die nächste Gangart, quasi der zweite Gang, wenn du so willst." „Und wie viel Gänge hat so ein Pferd?" „Man unterscheidet drei Grundgangarten. Schritt, Trab und Galopp." „Ist es auch normal das man dabei so auf und ab hüpft?" „Nein, du sitzt nur zu steif. Warte ich helfe dir." Don legte seine Arme um ihre Taille und zog sie dich an seine Brust. „So und jetzt entspann dich. Lass die Oberschenkel etwas lockerer damit du besser sitzen kannst und dann pass dich den Bewegungen des Pferdes an." Amita versuchte es, aber das war leichter gesagt als getan. Wie sollte sie sich entspannen, wenn ihr ganzer Körper sich Dons unmittelbarer Nähe nur zu deutlich bewusst war. Beruhigend strich er ihr mit einer Hand über die Arme. „Ja es wird besser. Gib mir die Zügel. Und jetzt halt dich an meinem Arm fest. Schließ die Augen und konzentriere dich nur auf die Bewegungen. Spüre das sanfte auf und ab. Es wird dich beruhigen, solange bis du eins mit der Bewegung bist."

Nach ein paar weiteren Minuten hatte Amita den Bogen raus und öffnete die Augen wieder. Als sie noch ein paar weitere Kreise gedreht hatten, lies Don Kasper wieder in den Schritt fallen und hielt schließlich ganz an. „Warum halten wir an?" „Weil es langsam spät wird und ich noch mal bei Dad vorbeischauen wollten." „Wie spät ist es denn eigentlich?" Don sah auf seine Armbanduhr. „Es ist gleich um fünf." „Was? Schon? Man merkt hier gar nicht wie die Zeit vergeht." „Ja das ist wahr." Don schwang sich vom Pferd herunter. „Komm ich helfe dir." Amita schwang das rechte Bein über Kaspers Hals damit Don ihr helfen konnte. Er griff nach ihrer Taille und hob sie vom Pferd. Unwillkürlich hielt er sie noch etwas länger als nötig in seinen Armen. Wieder stieg in Amita dieses warme Gefühl auf, welches sie schon im Schlafzimmer hatte. Doch plötzlich kam Sianti auf sie zu gerannt und unterbrach diesen Moment.

„Seid ihr jetzt fertig? Können wir jetzt was spielen?" „Ja Kleines wir sind fertig, aber wir müssen jetzt nach Hause. Es ist schon spät und ich muss noch zu meinem Dad." Sianti schaute sie traurig an. Don hockte sich neben sie und legte ihr eine Hand auf den Kopf. „Ich verspreche dir das ich so bald wie möglich wiederkomme. OK?" „Aber nur, wenn Ami auch mitkommt." „Ich werde es versuchen. Aber Amita hat auch viel für ihre Arbeit zu tun und auch nicht mehr Zeit als ich. Da wird das etwas schwierig. Aber ich tue mein Bestes. Einverstanden?" Sianti dache kurz nach, dann nickte sie. „Abgemacht!" „Braves Mädchen. Komm Amita wir sagen noch Tschüss und dann fahr ich dich nach Hause." „Gut."