INTERMEZZO AUF DER BRÜCKE (1. Teil)

13:05:23 ARS, Geonosis, Im'Gi-Delta (am Fusse der Im'G'Twe-Hügelkette), Nubian-Jacht, 1418CcT

„Achtung, Besuch auf sechs Uhr", warnte CT-2768/3675 alias Ché inmitten der allgemeinen, letzten Startvorbereitungen über den gesicherten Kanal des Helm-Komlinks. L-Vis' Kopf, sowie die der anderen beiden Klone, fuhren gleichzeitig in Richtung Turbolift herum. „Ich dachte wirklich, wir wären ihn los", bemerkte der Pilot leicht resigniert, während C-3PO zielsicher auf sie zuhielt.

„Träum weiter, Bruder!", meinte Aiwha lakonisch und beugte sich – volle Konzentration heuchelnd – noch etwas mehr über den Schirm der Navigations-Station, während Fourteen ganz plötzlich ein interessantes Detail an der Schubkontrolle entdeckte, zu dessen genauerer Untersuchung er unter die Copiloten-Konsole kriechen musste, und Ché spontan einfiel, dass er sich bis jetzt noch viel zu wenig für die leuchtenden Schalter über seinem Kopf interessiert hatte.

Indessen hatte sich L-Vis fluchtartig zur Notcomscanstation begeben, deren Anzeigen dort ganz dringend seiner vollen Aufmerksamkeit bedurften. Kurzum: Jeder von ihnen versuchte just in diesem Moment wirklich krampfhaft so beschäftigt wie nur irgend möglich auszusehen.

Das hatte seine Gründe: Sie hatten C-3PO für einen guten Teil der Nacht am Hals gehabt und sich endlose Vorträge über allgemeine Verhaltensregeln und die sogenannte Etikette anhören müssen. L-Vis wunderte sich auch jetzt noch, wie eine an sich so auf Logik programmierte künstliche Intelligenz wie dieser Droide, zeitweise derartige Ungereimtheiten von sich hatte geben können. Dies bezog sich insbesondere auf seine Unsitte, sie zu belauschen, indem er sich ungefragt einfach in die Frequenzen, über welche die Klone für gewöhnlich untereinander kommunizierten, einzuklinken pflegte, um das Gehörte dann gnadenlos zu kommentieren, und das, wo er Minuten zuvor noch über Worte wie Pietät, Diskretion und Privatsphäre referiert hatte. Dies hatte die Männer recht schnell dazu veranlasst, auf abhörsichere Kanäle auszuweichen.

Freilich war nicht alles, was der Protokolldroide von sich gegeben hatte, blanker Unsinn gewesen. Das eine oder andere hatte durchaus Hand und Fuss gehabt. Doch die Ausführungen des Droiden waren ineffizient, denn er hatte den lästigen Hang sich zu verzetteln, abzuschweifen, und sich in unwichtigen Nebensächlichkeiten zu verlieren, was die Geduld seines Gegenübers auf eine harte Probe stellte. Dabei hatte man ihm, CT-4955/5339, alias L-Vis, und seinen Klon-Brüdern Geduld eingebläut – Tag für Tag ... Doch es bestand ein wesentlicher Unterschied zwischen Wache schieben, unter Beschuss in einem Schützengraben auszuharren, und sich die Ergüsse dieses Blecheimers anzuhören. Und auch die Gehirnwellen modulierte Paukerei von Taktik-Theorien in den Lern-Sälen auf Kamino war im Gegensatz dazu ein Spaziergang gewesen. L-Vis gehörte zur Infanterie, und somit fürchteten er sich weniger davor, sich einer bewaffneten Auseinandersetzung zu stellen, als schlicht und ergreifend zu Tode gequasselt zu werden. Er und die Seinen waren dazu ausgebildet worden, vor der Schlacht den flammenden Motivationsreden ihrer künftigen Jedi-Generäle zu lauschen und nicht dem Gefasel einer schon recht in die Jahre gekommenen kybernetischen Einheit, die von sich selbst ja sogar zugab, nicht gut im Geschichten erzählen zu sein. L-Vis kannte sich mit Droiden im Allgemeinen nicht sonderlich gut aus – ausser wie man sie plattmachte. Doch um zu bemerken, dass im Verbo-Hirn von diesem Modell hier etwas nicht so ganz rund zu laufen schien, musste man auch kein Fachmann sein.

„Meine Herren ..." der Droide war in der Mitte der Brücke stehen geblieben und sah sich aufmerksam und suchend um. „Oh ... nun ... wie ich sehe, haben die Herren gerade zu tun ...", stellte er schliesslich fest. Er wartete noch eine Weile, ob sich nicht jemand erbarmte und ihm seine Aufmerksamkeit schenken wollte, doch als weiterhin niemand bereit war, sich zu opfern, zog er von dannen.

„General Kenobi hat mir vorhin richtig leid …", begann Fourteen, immer noch auf allen Vieren, nachdem C-3PO achtern in Richtung der kleinen Kombüse verschwunden war.

„Ja, es war nicht zu übersehen, Soldat", schnitt ihm Aiwha missbilligend das Wort ab. Der Gemassregelte verstand den Seitenhieb und behielt den Rest seiner Meinung für sich.

„Ich frage mich, wie Kenobi ihn so schnell wieder abschütteln konnte", sinnierte Ché.

„Vielleicht hat er ihn in die Kombüse geschickt." meinte L-Vis leichthin, während sich Fourteen in seinen Copiloten-Sessel zurücksetzte und das Datapad mit der Startcheckliste wieder zur Hand nahm.

„Interessanter Ansatz ..." kam es mit leisem Spott von Aiwha.

„Ich würd' ihn gerne plattmachen.", meinte Fourteen, welcher von allen vier Klonen die grösste Abneigung gegen C-3PO zu haben schien. „Den Droiden, meine ich ...", fügte er schnell hinzu, als er bemerkte, dass man seine Wortwahl auch hätte missverstehen können.

„Untersteh dich!"

Doch ihr Gespräch verstummte augenblicklich, als sich vom Turbolift her die klackernden Schritte von hochhackigen Schuhen näherten, welche das Eintreffen von Senatorin Amidala auf der Brücke ankündigten.

„Auf nach Coruscant!", freute sich Ché noch, bevor die vier Klone ihre Helme absetzten, stramm standen und beflissen salutierten. Endlich ging es los!