A/N: Ich glaube, im Folgenden benehmen sich einige sonst eher positiven Charaktere ziemlich OOC. Erklären kann ich es nur damit: Sie sind wütend. Sie sind verzweifelt. Sie haben nichts mehr zu verlieren und eine große Menge Hass.

A/N2: Schullatein ist bei mir inzwischen ein paar Jahre her... Also meine Garantie darauf, dass die Spruchfetzen nicht allzuviel Sinn ergeben. -g-

(Disclaimer und Beta wie immer: siehe Anfang)

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12.

"Es geht los." Dracos Stimme zitterte.

Harry warf dem blassen jungen Mann neben sich einen besorgten Blick zu. Es war das erste Mal seit drei Monaten, dass Draco ihre Gemächer verlassen durfte. Zwar hatte er seine Tage damit verbracht, Bücher mit alten Flüchen und modernen Illusionszaubern zu wälzen und seine Magie zu üben; doch er war, mangels Bewegung, in keinem besonders guten körperlichen Zustand. Zudem musste er auch heute seine Rolle als Harrys Sklave spielen. Er trug im Gegensatz zu Harry keine Todesserrobe, behängt mit dutzendweise statischen Abwehrzaubern, sondern eine enge Lederhose, ein durchsichtiges Netzhemd und ein Halsband.

Harry und er hatten alle Schutzzauber, die sie kannten, in dieses Halsband gewoben; dennoch fühlte sich Draco in der entwürdigend freizügigen Kleidung bemerkenswert schutzlos.

Zitternd blickte er auf das Schlachtfeld.

Zu seiner Rechten und Linken standen Schulter an Schulter die Todesser und Voldemorts übrige Alliierte. Auf der anderen Seite des Feldes stand eng aneinandergedrückt ein bunter Haufen von scheinbar wahllos zusammen gewürfelten Kreaturen. Menschen, Zentauren und sogar Hauselfen sahen ihnen mit leeren, schicksalsergebenen Blicken entgegen.

Er erkannte einige Zauberer in der traditionellen Kleidung des Phönixordens, sowie einige in der Kluft der Auroren. Zu seinem Entsetzen trugen gut die Hälfte ihrer Gegner die Schulroben von Hogwarts.

"Sie haben schon nur noch so wenige Kämpfer übrig, dass sie die Kinder und Hauselfen mit in die Schlacht schicken." Er wechselte einen traurigen Blick mit Harry.

Der Schwarzhaarige seufzte.

"Fawkes sagt, sie haben keine Hoffnung, zu gewinnen. Jetzt erst verstehe ich, was er damit meinte..."

Die erschreckend kleine Gruppe der Kämpfer des Lichts, die sich vor den altehrwürdigen Toren der Zaubererschule versammelt hatte, wirkte im Angesicht der wohl- organisierten, in einschüchternden Doppelreihen aufgestellten Todesser geradezu erbärmlich.

Jetzt trat Voldemort vor.

"Händigt mir die Schule freiwillig aus, dann ist es für euch alle schneller vorbei!" Er grinste hämisch und es konnte keinen Zweifel geben, dass er auch bei einer Kapitulation nicht darauf verzichten würde, seine Opfer vor ihrem Tod leiden zu lassen.

Minerva McGonagall trat vor.

"Wir verhandeln nicht mit skrupellosen Mördern! Lass die Spielchen und mach dich bereit zu sterben, V- Voldemort!"

Eins musste Harry seiner ehemaligen Hauslehrerin lassen: Selbst als ihre Stimme zitterte, zeigte ihre aufrechte Haltung nichts als gerechten Zorn und die Bereitschaft, kämpfend unterzugehen.

Voldemort war nicht beeindruckt. Er lachte.

"Sag, Schulleiterin, ist das alles, was von eurem erbärmlichen Widerstand übrig ist? Da wird sich mein Feldmarschall ja geradezu langweilen!"

Er warf einen bezeichnenden Blick zu Harry. Dieser ließ sich auf die Farce ein und zog Draco am Halsband zu sich heran. "Keine Sorge, mein Lord. Ich werde mich schon zu beschäftigen wissen."

Ohne weitere große Worte küsste er Draco hart auf den Mund.

Es war ihr letzter Kuss vor der Schlacht. Niemand konnte ahnen, dass er für die beiden jungen Männer absolut nichts mit Dominanz oder Lust zu tun hatte. Es war ein verzweifelter Versuch, den anderen zu spüren, bevor man vielleicht für immer voneinander getrennt wurde.

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Ron wandte niedergeschlagen den Blick ab.

Diese ...Person, die aussah wie Harry, hatte mit seinem alten Schulfreund aber auch gar nichts mehr gemeinsam. Irgendwie hatte er in einem Winkel seines Hirns immer noch darauf gehofft, dass Harry die Dursleys eher aus Versehen ermordet hatte und eigentlich auf ihrer Seite war.

Doch wie er nun seinen persönlichen Erzfeind aus Schultagen in dieser herablassenden und entwürdigenden Art küsste, da verstand Ron auf einmal, dass von dem alten Harry Potter nichts mehr übrig war.

Dieser Mann, der es fertig brachte, dass Ron sogar Draco Malfoy bemitleidete, hatte ungezählte Morde begangen. Er führte Voldemorts Truppen von einem blutigen Gemetzel ins nächste. Er kannte keine Freunde mehr. Er war hartherzig und kalt... und er würde vermutlich der Grund dafür sein, dass keiner von ihnen den heutigen Tag überlebte.

Ron hoffte nur noch, dass es ein schneller Tod sein würde.

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"Avada Kedavra!"

Mit einer unnötig großen Geste schickte Harry einen weiteren Auror zu Boden. Seine Illusion funktionierte so tadellos wie eh und je. McNair warf ihm von der Seite einen triumphierenden Blick zu und stürzte sich vorwärts ins dichteste Getümmel.

"Jetzt, Draco", flüsterte Harry dem dicht neben ihm stehenden Blonden zu.

Während um sie her die Schlacht tobte, zogen sich die beiden verurteilten Schwarzmagier an den Rand des Getümmels, in Richtung des Verbotenen Waldes zurück. Dort begannen sie mit der Rezitation eines komplexen Zaubers, den seit Jahrzehnten niemand mehr gewirkt hatte. Er erforderte zwei Zauberer, welche die Formel in absoluter Harmonie miteinander sprachen. Ein Missklang, ein einziger Hauch von Misstrauen zwischen den Beiden und der Zauber würde scheitern.

Draco schloss die Augen in Konzentration. Harry perlte der Schweiß von der Stirn, doch er zwang sich, weiter das Schachtfeld im Auge zu behalten. Wenn Voldemort zu früh erkannte, was er plante, dann war alles umsonst.

"... noctem aeternam..."

Im Moment war Voldemort vollkommen damit zufrieden, sich eine Bahn durch seine Gegner zu schneiden. Grüne Blitze zuckten um ihn herum, Leichen säumten seinen Weg.

Vor Harrys Augen starben wie jeden Tag so viele Unbekannte... doch diesmal waren auch bekannte Gesichter dabei. Ron. Professor Sprout. Firenze.

"... vindicate et ..."

Tränen liefen ihm über die Wangen, während er das schreckliche Morden beobachtete, doch er konnte nichts tun. Der Zauber verlangte all seine Aufmerksamkeit.

"... adesse et numquam..."

Draco hatte den Fluch vor einem Monat entdeckt und seitdem hatten sie Tag und Nacht daran geübt. Gestern Morgen waren sie endlich soweit gewesen, dass er ihnen das erste Mal gelungen war.

So viele von Harrys ehemaligen Freunden waren schon gefallen. Luna. Dumbledore. Ginny. Shacklebolt. Hagrid.

Auch wenn sie ihn verraten hatten, so empfand er doch keine Genugtuung dabei, wenn um ihn her Menschen starben, die ihn während seiner Schuljahre begleitet hatten, mit denen er gestritten, geweint und gelacht hatte.

"... liberare non potest..."

Heute würde er alledem ein Ende setzen. Die Muggel würden nie wissen, was geschehen war; die Zaubererwelt würde es vermutlich erst in einigen Wochen merken, wenn sich die Ersten aus ihren Verstecken trauten.

Im Lauf der letzten drei Monate waren immer mehr Zauberer aus England ausgewandert, um sich vor Voldemort und seiner Rechten Hand in Sicherheit zu bringen. Nur die wenigen tapferen Seelen, die heute zum Kampf erschienen waren, hielten noch immer die Stellung. Harry hoffte, dass am Ende des Tages noch Angehörige dieser Gruppe übrig sein würden.

"...et perire."

Er sah Draco an. Der Blonde fing seinen Blick und hielt ihn. Ihre Hände waren ineinander verschränkt, die Schlacht um sie herum vergessen, als beide Zauberer die Magie um sich fühlten, welche sie heraufbeschworen hatten.

"Du musst das Ziel aktivieren."

"Ich weiß. Heute werde ich wirklich zum Massenmörder."

"Es gibt keinen anderen Weg. Leb wohl..."

"Du auch..."

Harry löste seine Hände von Dracos und hielt seinem einzigen menschlichen Freund seinen linken Arm entgegen. Das schwarze Mal schimmerte kalt und unheilbringend auf der blassen Haut.

Draco streckte seine Hand aus. Die Magie zog sich zwischen ihren Händen zusammen. Gleich...

"POTTER!"

Harry und Draco fuhren herum, Zauberstäbe erhoben.

Alastor Moody und Minerva McGonagall standen ihnen gegenüber, blutbesudelt und mit Wahnsinn im Blick. Es zerriss Harry das Herz, doch gleichzeitig wusste er auch, dass der Zauber jetzt auf sein Ziel gebunden werden musste. Sonst wäre alles umsonst, alles...

"Potter, wie konnten Sie nur! Wie konnten Sie uns das antun!" McGonagall war genauso mutlos wie alle anderen, doch in den Tiefen ihrer Augen leuchtete noch immer ein Feuer, das, wenn nicht Gerechtigkeit, dann zumindest Rache verlangte.

Harry sah sie gequält an. "Ich bin nicht derjenige, der hier irgendwen verraten hat. Und ich muss jetzt Voldemort erledigen, also bitte, Professor, geben Sie mir nur noch eine Minute, dann können Sie von mir aus- " Weiter kam er nicht, denn Moody schnitt ihm das Wort ab.

"Caedus!"

Dracos Zauberstab senkte sich, noch ehe Harry seinen erhoben hatte. "Protego!"

Kurz danach trafHarrys Fluch McGonagall und schickte sie zu Boden.

Moody kniff zornig die Augen zusammen. "Malfoy! Wieso beschützt du einen Todesser, der dich misshandelt?"

"Er misshandelt mich nicht- und er wird Voldemort besiegen."

"Soso, die Rechte Hand will also die ganze Macht für sich haben. Potter, ich wusste ja gar nicht, wie ehrgeizig du bist. Avada Kedavra!"

Harry sprang zur Seite und riss Draco mit sich. Der Todesfluch zischte scharf an seinem rechten Ohr vorbei. Mit einer geschmeidigen Rolle stand er wieder auf den Beinen. Schnell wandte er sich wieder seinem Gegner zu, der gerade einen weiteren Fluch sprach.

Harry konterte, während Draco aufstand. Moody eröffnete ein wahres Maschinengewehrfeuer an Flüchen und alles, was Harry tun konnte, war reagieren. Endlich fand er mit Dracos Hilfe eine Lücke in der Verteidigung des alten Auroren. Noch immer schimmerte der unfertige Zauber zwischen den beiden Azkaban- Flüchtlingen.

"Sa-"

"Avada Kedavra!" Im Reflex hatte Harry seinen Stupor wie immer als Todesfluch maskiert. Doch während Moody stürzte, erklang in Harrys Rücken eine andere Stimme.

"Sectumsempra!"

"AAAaaaah!"

Ungläubig beobachtete Harry, wie Draco neben ihm zusammenbrach. Eine weite blutige Wunde klaffte über seiner Brust. Sie reichte von der linken Schulter bis zur rechten Hüfte. Blut quoll in einem roten Schwall aus Draco und sickerte in den Boden der Felder von Hogwarts.

Sie hatten sich voll auf Moody konzentriert und McGonagall aus den Augen gelassen. Die korrekte alte Lehrerin hatte einen der bösartigsten Flüche (nach den Unverzeihlichen) von hinten auf Harry gerichtet. Draco war im letzten Moment dazwischen getreten.

"Expelliarmus!", warf Harry der alten Frau mit solcher Kraft entgegen, dass ihr Zauberstab zerbarst und sie von den Beinen gerissen wurde. Sie kam mehrere Meter weiter zu liegen.

Harry kniete sich nieder und zog den blutenden Draco in seine Arme.

In diesem Moment wurde Harry klar, was er sich die ganze Zeit über nicht eingestanden hatte:

Er mochte Draco nicht auf dieselbe Art geliebt haben wie dieser ihn; doch auf seine ganz eigene Art hatte er Dracos Liebe erwidert.

Denn wie könnte dieser Moment sonst so schmerzhaft sein?

"DRAAACOOOOOOOOOOOO, NEIIIIIIIIIIIIIIIIIIN!!!!!!!!!!!!!!!!"

"Harry...", flüsterte Draco schwach. "Der Zauber..." Matt hob er die Hand.

"Draco! Ich sollte heute sterben, nicht du!", weinte Harry verzweifelt. "Du solltest leben..."

Draco lächelte. "Wie könnte ich ohne dich weiterleben?"

Harry schluchzte. Seine heißen Tränen fielen auf Dracos zerfetzten Oberkörper. Keiner von Beiden bemerkte, wie sich die Wunde unter den Tränen langsam schloss.

Doch welchen Unterschied machte es auch? Draco hatte bereits zu viel Blut verloren. Es gab keine Hoffnung.

"Draco... wenn nicht für dich, für wen soll ich die Zaubererwelt denn dann retten?"

"Für dich selbst..." Dracos Stimme wurde immer schwächer.

Harry lachte bitter auf. "Mich?"

"Harry, auch wenn du sterben willst, du hattest so lange vor" -hust, hust- "chrm. - Voldemort zu vernichten- das darfst du nicht meinetwegen hhhhha"- ein Keuchen -" ..nicht meinetwegen aufgeben. Es ist doch alles, was noch bleibt."

Die beiden sahen sich einen langen Moment an. Dann streckte Harry seinen Arm aus.

"Ich liebe dich, Draco."

Draco lächelte ihn wieder an, doch diesmal sprach Schmerz aus seinem Blick. "Es ist nicht nett, einen Sterbenden anzulügen", brachte er heraus, bevor er sich zur Seite drehte und einen Blutklumpen ins Gras spuckte.

"Nein, du verstehst nicht... Ich habe mich immer dagegen gesperrt, aber heute habe ich es begriffen. Nicht Fawkes war in den drei schlimmsten Monaten meines Lebens für mich da, sondern du, Draco! Glaubst du denn, das alles sei bedeutungslos gewesen? Glaubst du, ich hätte mit dir das Bett teilen können, wenn ich mich nicht zu dir hingezogen gefühlt hätte?"

"Hingezogen..."

"Glaubst du, wir könnten diesen Zauber auch nur versuchen, wenn du nicht mein absolutes Vertrauen hättest? Ich liebe dich, Draco. Ich liebe dich."

Harry legte seinen Kopf auf Dracos makellose, weiße Brust und weinte.

"Dann beweise es mir... Zeig mir den Zauber, den unsere Liebe gewirkt hat... Das ist meine letzte Bitte..."

Harry ließ zu, dass Draco seinen Arm ergriff. Heißer Schmerz schoss durch den Arm und er versank in Dunkelheit.

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Neville war von einem der ersten Avadas getroffen worden, die Harry geschickt hatte. Er war mehr als überrascht, als er nach einem kurzen Blackout am Rand des Schlachtfeldes wieder zu Bewusstsein kam. Er hätte tot sein müssen.

Verwirrt wollte er sich aufrichten und merkte, dass er es nicht konnte. Panische Angst überkam ihn bei dem Gedanken, dass Potter den Avada irgendwie verhauen hatte und er jetzt gelähmt, aber nicht ganz tot war und für den Rest seines Lebens so bleiben würde.

Doch dann merkte er, dass seine Beine und Arme durchaus nicht gefühllos waren, sondern lediglich in ihrer Beweglichkeit eingeschränkt. Er kannte dieses Gefühl nur zu gut, denn er hatte es schon im ersten Schuljahr ausgiebig genießen dürfen. Es war die Ganzkörperklammer.

Während er noch verwirrt versuchte zu verstehen, wie ein deutlicher grüner Avada, der präzise auf ihn zugerast war, sich auf einmal in einen Petrificus verwandeln konnte, hörte er plötzlich Stimmen.

"Ich bin nicht derjenige, der hier irgendwen verraten hat. Und ich muss jetzt Voldemort erledigen, also bitte, Professor, geben Sie mir nur noch eine Minute, dann können Sie von mir aus- "

"Caedus!"

Mit steigender Verwirrung lauschte Neville dem sich nun entspannenden Duell.

Er bekam mit, wie McGonagall nach einem Avada benommen wieder aufstand und von einem Expelliarmus erneut gefällt wurde. Er wurde Zeuge der letzten Worte zwischen Malfoy und Potter.

Und er begann zu verstehen, dass sie alle einen schrecklichen Fehler gemacht hatten.

Im selben Moment hörte er die Schreie.

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Voldemort leckte sich das Blut von seinem Kurzschwert. In der Schlacht konnte er aus Zeitgründen keinen Cruciatus verwenden, doch ein einfacher Avada war ihm nicht genug. Er wollte seine Opfer leiden lassen.

Der Orden und die paar Auroren waren keine ernsthaften Gegner für seine Todesser. Selbst wenn er und Potter im Schloss geblieben wären, hätten sie diese Schlacht gewinnen müssen. Es war geradezu armselig, wie wenig Widerstand es noch gab.

Also wollte er die Schlacht genießen, solange sie noch dauerte. Die schmerzhaftesten Flüche, die er kannte, zusammen mit seinem magischen Kurzschwert, hinterließen eine Spur von sich windenden und in den letzten Zügen schreienden Zauberern und anderen Kreaturen auf seinem Weg.

Niemand kam auch nur annähernd an seine Kraft heran, niemand konnte ihm etwas anhaben. Nur Potter wäre dazu stark genug gewesen. Doch der war mit seinem Spielzeug beschäftigt und schien das Interesse an der Schlacht beinahe gänzlich verloren zu haben, dachte Voldemort mit einem bösen Grinsen.

Das Grinsen verging ihm abrupt, als er einen scharfen Schmerz in seinem ganzen Körper spürte.

Mit weit aufgerissenen Augen musste er zusehen, wie um ihn herum ein Todesser nach dem anderen schreiend seinen linken Arm umklammerte und in unverkennbaren Todesqualen auf den blutgetränkten Rasen stürzte.

Er spürte eine ungeheure Welle von Magie, die über ihn hinwegspülte und seine Todesser reihenweise fällte. Mechanisch drehte er sich zur Quelle des Magieschubs um. Seine Bewegungen waren langsam wie die eines alten Mannes.

Dort, keine dreihundert Meter von ihm entfernt, lag der Malfoy-Junge. Über ihm war Potter zusammengebrochen. Sein schwarzes Haar verdeckte das Gesicht, doch Voldemort sah die Hand, welche Malfoy auf Potters Mal gepresst hatte.

Es konnte keinen Zweifel geben, wer für dieses Desaster verantwortlich war.

"POTTER, DU ELENDER VERRÄTER!!!!!!!!!!!!!!!"

Mit diesen Worten brauchte Voldemort seine letzte Kraft auf. Sein Blick wurde stumpf, er sah, wie der kalte Boden auf ihn zuraste.

Dann sah er nichts mehr.

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Hermione kam langsam auf die Füße.

Sie war von einem Querschläger erwischt worden- sie wusste nicht einmal, was für ein Fluch es eigentlich gewesen war- und hatte kurz das Bewusstsein verloren.

Das allein hätte in jeder anderen Schlacht schon ihr sicheres Ende bedeutet.

Nicht so in dieser.

Wie schon einmal kam sie in dieser Welt wieder zu Bewusstsein, obwohl sie sich sicher gewesen war, sie heute für immer zu verlassen.

Um sie herum schrieen die Todesser. Sie wusste nicht, was passiert war, doch es war offensichtlich, dass die schwarzgewandeten Gestalten im Sterben lagen. Während sie sich umsah, verstummten die Schreie nacheinander.

Eine unnatürliche Ruhe breitete sich aus.

Alle unmarkierten Anhänger des Dunklen Lords hatten das Weite gesucht, kaum dass der erste Todesser unter dem Einfluss dieser unbekannten Magie gefallen war. Nun standen die wenigen Überlebenden der Seite des Lichts auf einem Schlachtfeld voller lebloser Körper.

Sie hatten gesiegt. Doch niemand begriff, warum.

Langsam bewegte sich Hermione auf die Mitte des Schlachtfeldes zu, wo sich Voldemort noch immer im Todeskampf befand. Er schien bewusstlos, doch sein Körper bäumte sich weiter auf, zuckte und schlug um sich.

Zusammen mit ein paar anderen Zauberern sah Hermione mit morbider Faszination zu, wie der Dunkle Lord einen aussichtslosen Kampf gegen seinen eigenen Tod führte.

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Neville wünschte, er könnte sich bewegen, könnte zu Harry gehen und ihm sagen, dass es ihm leid tat. Könnte zu dem Mann gehen, der sein Freund gewesen war, und der sich heute geopfert hatte, um diejenigen zu retten, die ihn verraten hatten. Könnte in diesen letzten Minuten für ihn da sein.

Er hatte gehört, wie der Junge-der-lebt zusammengebrochen war, nur um anschließend in heftige Zuckungen zu verfallen.

Dann begann Harry zu murmeln.

Neville hörte zu. Er wusste, dass er bis zum Ende seines Lebens kein Wort vergessen würde.

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"Potter! Was ist das für ein Fluch?"

"Es ist der Spruch, der dein Leben beendet, Tom", antwortete die müde Stimme des Jungen.

"Was hast du getan!"

"Ich habe mit Draco ein Netz gewoben, das magische Energie von einem Ziel abzieht. Das Ziel war dein Mal. Darüber habe ich all deine Anhänger erreicht... Siehst du, du hättest es mir doch besser nicht gegeben. Naja, hinterher ist man immer klüger."

Voldemort war sich sicher, wenn eine körperlose geistige Präsenz böse grinsen könnte, dann hätte Potter das in diesem Moment getan.

"Wieso bist du in meinem Kopf?"

Echte Verblüffung. "Aber da war ich doch schon immer!"

"Immer?!"

"DU hast mir diese Narbe verpasst! Sag mir nicht, du hast vergessen, was du in meinem fünften Schuljahr damit angestellt hast?"

"Hast du mich die ganze Zeit über ausspioniert?"

"Was denn sonst? Nicht, dass ich eine Wahl gehabt hätte..."

"Das kann nicht sein! Ich hätte es gemerkt!!!"

"Draco war ein guter Lehrer in Okklumentik..."

"Malfoy? Dein LEHRER?"

"Du hast keine Ahnung, wieviel ich diesen Sommer über Schauspielerei und die Kunst der Suggestion gelernt habe, Tom."

"Es war alles gespielt? ...Dann hast du all diese Leute umgebracht, nur um dich zu verstellen? -Wie ungewohnt skrupellos für einen Gryffindor."

Wenn Potter ihn schon in diese Situation bringen musste, dann sollte er zumindest auch darunter leiden. Doch entgegen seiner Erwartung schien die geistige Präsenz des anderen beinahe fröhlich, als Potter ihm antwortete.

"Tom, ich habe heute, wenn alles gut gegangen ist, deine sämtlichen Anhänger ermordet, indem ich ihnen ihre magische Lebensenergie abgezogen habe. Doch die Massen von Toten, die ich angeblich verschuldet habe, gibt es nicht. In deinen Diensten habe ich nur dreimal gemordet.

Das erste war meine Initiation; der Mann war ein Gefangener und wäre ohnehin gestorben.

Das zweite war Wurmschwanz. Ja, ich weiß: ich hatte gesagt es war Lestrange... ich bin nicht traurig darüber, dass du ihn daraufhin auch umgebracht hast.

Das Dritte war bei dem Angriff auf Hogsmeade. Ein kleiner Teufel hat versucht, seinen Klassenkameraden zu ermorden. Ich habe geblockt. Der Fluch kostete ihn sein Leben, als er zurückprallte. Es war mehr oder weniger ein Unfall, sagt Draco."

"Nein... Alle haben gesehen, wie du den Avada gesprochen hast..." Verwirrung.

"Der Schein kann trügen, alter Mann."

"..."

Die Unterhaltung brach ab, als beide Zauberer spürten, wie ihre Energiereserven langsam aber sicher zur Neige gingen.

Plötzlich strahlte Potter eine sonderbare Entschlossenheit aus, so, also habe er gerade eine Entscheidung getroffen.

"Draco wollte nicht, dass ich heute sterbe. Aber wenn es schon sein muss, dann lass uns sehen, dass wir es hinter uns bringen. Ich bin es leid, mit dir zu reden."

"Potter, was hast du v-"

"INCENDIO!"

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Wie Neville am einen Ende, so hatten Hermione und alle anderen Überlebenden, die schon wieder auf den Beinen waren, eine Hälfte des Dialoges am anderen Ende mit wachsendem Entsetzen verfolgt.

Harry war unschuldig!

Als Harry schließlich die letzten Worte sprach, schossen plötzlich Flammen aus den Körpern der zwei mächtigsten Zauberer des Jahrhunderts.

Hermione sah sprachlos zu, wie Voldemort vor ihren Augen zerfiel. Binnen weniger Sekunden war sein lebloser Körper vollständig verbrannt. Es blieb nichts von ihm übrig außer einem kleinen Häufchen Asche, die langsam im Winde verwehte.

Mit Tränen in den Augen sah sie zu der Stelle hinüber, von der ein identisches Rauchwölkchen aufstieg wie hier vor ihr. Dort musste Harry gewesen sein. Harry, den sie unschuldig nach Azkaban geschickt hatten. Harry, der für sie gestorben war.

Verzeih mir, Harry!

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Danke für eure reviews, Ina, Virginia, coco, Giftschnecke, Olaf, cetacea!!!

Ina: Ich finde auch, dass das ein interessantes Paar wäre- vielleicht schreibe ich das irgendwann noch. Als Sequel oder so- das würde dann allerdings unter 'Humor' laufen. : )

Schnecke: Sorry, aber ich hab' extra am Anfang angekündigt, dass es für Harry und Draco kein gemeinsames Happy End geben wird. Das war nicht nur zum Scherz...

Jo, allen ein dickes Sorry- aber es würde echt nicht passen, wenn allesamt einfach so überleben, oder?