Hallo, meine Lieben, da bin ich wieder. Taschentücher gezückt, es geht weiter..
Derek´s und Emily´s Handys piepsten gleichzeitig.
"Von Hotch", sagte Emily. "Wir sollen uns für Samstag Abend nichts vornehmen und uns schick machen. Es gibt eine kleine Feier in Callie´s Wohnung."
Derek nickte, "die sms hab ich auch gekriegt. Denkst Du, sie wollen heiraten, Em?"
"Also, ich würde es tun", antwortete Emily und goss Derek frischen Kaffee ein.
"Was würdest Du tun?" mischte sich Spencer ein und hielt Emily seinen Becher hin.
"Heiraten, Reid."
"Wen denn?" fragte Spencer verständnislos. Zwischenmenschliches war ihm wie immer völlig fremd.
"Hotch und Callie wollen heiraten, nehmen wir an." erklärte Derek, "hast Du die sms nicht gekriegt?"
"Doch, aber es ist doch nur eine kleine Feier? Und es wäre doch auch nicht logisch, ich meine, in Anbetracht der Umstände?"
"Gerade wegen der Umstände, Reid. Es ist wie ein Zeichen, für das Leben und gegen den Tod. Auch wenn der Tod am Ende gewinnt, Reid."
Emily schniefte, "entschuldigung", sie flüchtete auf die Damentoilette. Emily machte die Kabinentür zu. Sie hasste das. Emily Prentiss heulte nicht herum und lies sich auch nicht auf eine Affäre mit einem Kollegen ein. Aber die Emily Prentiss, die da gerade auf dem Klodeckel saß, tat genau das.
"Emily? Bist Du da drin?" Derek klopfte an die Tür.
"Geh weg, das ist die Damentoilette, Morgan."
"Ist mir egal, Emily, lass mich rein."
"Und wenn nicht? Trittst Du die Türe ein?"
Derek lachte kurz, "bei der Türe reicht es, wenn ich sie schief ansehe. Also, was ist jetzt?"
Kurz darauf ertönte ein Klacken. Derek schlüpfte schnell hinein und machte die Tür wieder hinter sich zu.
"Eng hier drin", lies er verlauten.
Emily schneuzte sich. "Ist ja auch kein Gruppenklo, Derek. Was machst Du hier?"
"Ich dachte, Du brauchst mich." antwortete Morgan.
"Ich brauche niemanden, Derek."
"Ach nein? Deswegen sitzt Du auch hier und weinst?"
Derek zog Emily hoch und setzte sich auf den Deckel. Dann plazierte er sie auf seinem Schoß.
"Schon besser," schmunzelte er, "und jetzt lass uns ein bisschen über Dich und mich reden. Was soll das werden, mit uns?"
"Gibt es da denn ein 'uns', Derek?"
"Ich träume nachts von Dir, Emily. Von meinen Affären träume ich nicht. Niemals." Em lächelte kurz.
"Ich träume auch von Dir", gab sie zu und legte die Arme um seinen Nacken. "Alpträume?" grinste Derek und küsste sie.
"Nur wenn ich aufwache und Du nicht mehr da bist." sagte Emily etwas später, als sie wieder Luft holen konnte.
Auch Jess und Dave interpretierten die sms richtig und machten sich auf den Weg zu Hotch und Callie. Hotch öffnete mit sehr besorgter Miene und liess die Beiden herein.
"Dr. Malone ist gerade da, es war ein bisschen viel, gestern. Ich habe frischen Kaffee gemacht, setzt Euch doch bitte."
Dave und Jess sahen sich nur an.
"Hotch? Du kannst jetzt zu ihr." Ike Malone betrat das Wohnzimmer. Hotch nickte.
"Ike, das sind meine Schwägerin Jess und mein Freund Dave Rossi. Bediene Dich bitte am Kaffee." Hotch ging rasch ins Schlafzimmer.
"Ich glaube, ich kann heute nicht mit in den Klettergarten, Aaron." sagte Callie leise, als Hotch sich zu ihr gesetzt hatte.
Er griff nach ihrer Hand. "Das ist nicht so schlimm, mein Liebling. Du sammelst einfach ein wenig Kraft für Samstag, was meinst Du?"
"Ich hab vergessen, welcher Tag heute ist, Aaron."
"Mittwoch, Callie. Heute ist Mittwoch."
Ike unterhielt sich derweil mit Rossi und Jess.
"Und dieser Prof. Dietrich hat das Gleiche gesagt?" fragte Jess.
"Ja, leider. Eigentlich war mir das klar, aber, manchmal erhofft man sich Dinge, die nicht realistisch sind. Ich denke, das ist einer der Gründe, warum Callie und Hotch noch heiraten wollen. Und es ist gut, daß sie das schnell tun wollen."
"Ich werde mal nach ihnen sehen", sagte Jess und ging in die Richtung, in die Hotch verschwunden war. Die Zimmertür war nur angelehnt.
"Hey", sagte Jess und kam herein, "kann ich was für Euch tun? Vielleicht einen Tee für Callie?"
Callie setzte sich mit Hotch´s Hilfe auf und Jess erschrak darüber, wie schlecht die junge Frau im Moment aussah. Callie hatte eine Klappe über dem rechten Auge, Malone hatte erklärt, das wäre wegen der Doppelbilder, die Callie seit heute morgen sah.
"Ich würde gern mit Jess alleine sprechen, Aaron", sagte sie.
"Sicher", Hotch küsste sie auf die Stirn, "aber nicht so lange, Ike hat gesagt, Du brauchst Ruhe."
Hotch ging wieder zu Dave und Ike ins Wohnzimmer.
"Frauengespräche", erklärte er.
"Wie geht es Dir?" wollte Rossi wissen.
"Ich bin gestern aus einem Flugzeug gesprungen, Dave und ich fand es großartig. Kannst Du Dir das vorstellen?"
Dave schaute sehr ungläubig, "aus einem Flugzeug? Aaron, Du solltest mich nicht auf die Schippe nehmen."
"Oh, das tut er nicht", erklärte Ike, "Callie hat ihn dazu überredet. Leider bin ich für so etwas schon ein bisschen zu alt." sagte Ike gespielt bedauernd.
"Ich habe das sicherlich schon gesagt, Callie. Es tut mir so leid für Euch", sagte Jess leise.
"Ich weiß, Jess. Ich wünschte auch, es wäre alles anders. Aber leider ist es das nicht. Ich wollte Dich bitten, für Samstag etwas mit mir zu arrangieren, ich könnte ein bisschen Hilfe brauchen."
"Was soll ich tun, Callie?" "Es soll nur eine kleine Feier werden, ich weis nicht, wie viel ich noch selbst schaffe. Ich glaube, es wird jetzt schnell gehen, Jess."
Jess weinte lautlos und griff nach Callies Hand. "Was soll ich tun?" fragte sie noch einmal.
"Ike hat einen Freund, der Reverend ist, er wird uns trauen. Draussen, auf der Terrasse. Es müsste ein bisschen dekoriert werden und wir bräuchten ein...Worüber haben wir gerade gesprochen?"
"Über Eure Hochzeit am Samstag, Callie." versuchte Jess zu erklären.
"Meine Hochzeit? Aber wen sollte ich denn...Oh Gott, natürlich, Hotch. Ich heirate Hotch am Sonn., nein, am Samstag."
Jess nickte, "das stimmt, Callie. Und Du musst Dich um nichts kümmern, Du musst nur hübsch aussehen, für Hotch. In Ordnung?"
Jess und Dave beschlossen bei Callie zu bleiben, während Hotch Jack und Becca von der Schule abholen wollte um mit ihnen zum Klettergarten zu fahren. Er traf Abby Jensen an der Schule wieder, die ihm den Kindersitz für Becca in die Hand drückte.
"Es ist sehr schade, daß ihre Verlobte nicht hier sein kann", meinte Abby, "ich hätte sie sehr gerne kennengelernt."
"Es geht ihr leider heute nicht gut, Mrs. Jensen. Aber Jack freut sich auf den Ausflug mit Becca, ich wollte ihn nicht enttäuschen. Möchten Sie nicht mitkommen? Dann fühlt sich Becca nicht so allein, schliesslich kennt sie mich nicht. Sicher wäre das kein Problem, wenn Callie hier wäre, aber so?"
Mrs. Jensen nickte, "ich verstehe, was Sie meinen, Mr. Hotchner." Ein sehr fürsorglicher und umsichtiger Mann, dachte Abby und seufzte leise. Sie machte sich Sorgen, um die Zukunft. Einer der Gründe, warum Becca sich so gut mit Jack verstand war, daß sie auch keine Mutter mehr hatte. Abby´s Schwiegertochter war bei Becca´s Geburt gestorben und wenn jetzt auch noch Mark starb, dann war Rebecca Vollwaise. Abby war realistisch genug, um zu wissen, daß auch sie nicht ewig leben würde. Und was wäre dann mit Becca? Abby brach es das Herz, wenn sie sich vorstellte, daß ihre geliebte Enkelin in ein Heim musste. Gestern hatte sie kurz die Hoffnung gehabt, in dem zukünftigen Ehepaar Hotchner vielleicht irgendwann eine Pflegefamilie zu haben, aber ganz offensichtlich war Callie genau so krank wie ihr Sohn Mark.
"Ich hab heute mittag nichts vor, Mr. Hotchner und wenn Sie nicht von mir erwarten, daß ich wie ein Äffchen klettere, dann komme ich gerne mit."
Hotch musste lachen, "Ganz sicher nicht, Mrs. Jensen." Hotch wurde unvermittelt ernst.
"Ich hätte ein Bitte, nur wenn es Ihnen nicht zu viel wird, natürlich."
"Was kann ich denn für Sie tun?"
"Callie und ich werden am Samstag heiraten, im ganz kleinen Kreis. Eigentlich würden wir Jack gerne dabei haben, aber ich mute ihm schon sehr viel zu, mit der ganzen Situation. Er soll nicht..." Hotch konnte nicht mehr weiterreden. Abby fasste Hotch an der Hand,
"Sie wollen nicht, daß er Callie als seine neue Mutter sieht. Ich verstehe Sie sehr gut. Jack kann am Samstag bei Becca übernachten, das ist gar kein Problem."
"Danke", antwortete Hotch leise und setzte schnell für Jack und Becca ein Lächeln auf.
Es dauerte eine Weile, bis Becca Hotch genug Vertrauen entgegen brachte und sich von ihm sichern liess. Aber schliesslich traute sie sich wie Jack an die kindgerechte, kleine Kletterwand. Hotch war ihr zuerst ein bisschen unheimlich gewesen, er schaute immer so ernst, aber wenn er Spass mit Jack machte, sah er plötzlich ganz anders aus.
"Ich kann nicht mehr weiter, Onkel Hotch", sagte Becca und schaute nach unten.
"Schau mal rechts, Becca, da kannst Du Dich festhalten", gab Hotch einen Tip, die Kleine war ein wenig unsicher, aber mit Hotch´s Hilfe und Jack´s Anfeuerungsrufen schaffte sie es bis ganz nach oben. Hotch lies sie die zweieinhalb Meter wieder ganz sachte nach unten. Jack hüpfte begeistert, der Klettergarten war toll. Es gab auch ein großes Holzfort und eine Hängebrücke, ideal zum Toben und Spielen. Becca und Jack hatten sehr viel Spaß.
"Danke, daß Becca mitdurfte", sagte Mrs. Jensen, als sie und Hotch einen Kaffee tranken. "Ich bin für solche Aktivitäten leider schon zu betagt. Mike, mein Sohn, hat Becca immer zu so etwas mitgenommen. Sie ist so still geworden, Mr. Hotchner."
"Kinder sollten das nicht erleben müssen", stimmte Hotch leise zu.
Bei Callie hatte sich derweil ihre Wohnung gefüllt. Jess hatte Dave weggeschickt, um einen Caterer aufzutreiben, der kurzfristig Zeit hatte und dann Garcia angerufen und die erschien mit JJ im Schlepptau. Emily lies sich entschuldigen, sie musste etwas dringendes regeln. Garcia vermutete, daß es mit ihrem Schokohasen zusammen hing, der sich in Bezug auf Emily sehr wortkarg gab. Was Garcia sehr wunderte, aber das würde schon ans Licht kommen, kam es immer.
Die Gästeliste war nicht sehr lang, das Team, Garcia, Will, Jess, Ike Malone und Ken Baker, Callies Verleger aus New York. Garcia würde sich um die Deko kümmern, die restlichen Damen waren für die Salate und den Nachtisch zuständig. Für die Männer wurde einstimmig beschlossen, sie zu 'niederen' Aufgaben heran zu ziehen, wie zusätzliche Tische aufstellen und ein paar Möbel zu verrücken. Es ging Callie besser, als die Frauen da waren, es brachte sie auf andere Gedanken. Es tat gut, sich eine Weile vorzustellen, eine ganz normale Hochzeit zu planen.
"Ich mache auf", bot sich JJ an, als es klingelte.
"Ich hoffe, es sind noch nicht alle guten Job´s weg", grinste Emily, die mit Pizzaschachteln bewaffnet doch noch auftauchte.
"Wir haben noch niemanden, der sich um die Getränke kümmert", sagte Callie und machte eine der Schachteln auf.
"Dann müsstest Du mir aber Rossi borgen, Jess. Das ist doch unser Weinspezialist." Prentiss Grinsen wurde noch ein bisschen breiter und Jess wurde rot, "die BAU ist wie ein Klatschblättchen, jeder weiß alles über jeden. Du kriegst meinen Dave nur ausnahmsweise, Emily."
Hotch und Jack hörten das fröhliche Gelächter der Damen schon an der Haustüre.
"Ich glaube, Callie hat Besuch, Jack." er schloss die Türe auf und Jack stürmte sofort auf Callie zu.
"Ich hab Dich heute vermisst", sagte er und hüpfte zu ihr auf die Couch.
"Ich Dich auch, Großer." Callie umarmte Jack liebevoll.
"Bist Du heute Pirat, Callie?" fragte Jack neugierig und berührte vorsichtig ihre Augenklappe.
"Findest Du, ich seh gefährlich aus, Jack?"
Jack schüttelte den Kopf, "sieht cool aus, Callie. Hi Tante JJ." Jack drückte sich der Reihe nach durch seine Nenn-Tanten und schupperte dann an den Pizzaschachteln.
"Ich habe auch mit extra Käse mitgebracht, Jack", Emily zog den untersten Karton hervor und Jack lachte glücklich.
"Aber erst Händewaschen, Jack", mahnte Hotch und Jack verschwand wie der Blitz ins Bad. "hat sich angehört, als hättet Ihr Spass", meinte Hotch und küsste Callie schnell.
Callie nickte, "es ist alles organisiert für Samstag, Aaron."
"Ja, und deswegen gehen wir jetzt und lassen Euch Turteltäubchen allein. Wir telefonieren, Callie, ok?" sagte Garcia und drückte Callie kurz. Auch JJ und Emily gingen mit Garcia und so waren Hotch und Callie mit Jack und Jess alleine.
"Holt Dave Dich ab?" fragte Hotch harmlos und erntete einen kleinen Knuff von Jess.
"Ja, werter Schwager, Dave holt mich in ein paar Minuten ab." Jess lachte. "Ich hab schon danke gesagt, oder?"
"Das musst Du nicht, Jess. Werdet glücklich, das ist alles, was wichtig ist."
