„Toria, Frühstück." Daphne machte sich nicht die Mühe in Astorias Zimmer zu kommen und Astoria selbst war froh drum. Auf das dumme Geschwätz ihrer Schwester hatte sie jetzt wirklich keine Lust. Sie hatte nichts anderes im Kopf als sie aufzuziehen und ihre eigenen Sorgen zu klagen. Daphne ging es im Allgemeinem immer nur um sich selbst. Auch wenn Astoria zu geben musste, im Moment ging es ihr selbst ja nicht anders. Im Moment kümmerte sie sich nur um ihre eigenen Probleme. Vielleicht war das ja auch der Grund, warum die beiden Schwestern nicht wirklich miteinander auskamen.
Sie war schon lange wach. Draußen schneite es in dicken und vor allem dichten Flocken und die ganze Umgebung um das Anwesen der Greengrasses war weiß. Es sah zauberhaft aus, doch der Gedanke an den Abend ließ Astoria nicht wirklich zu, dass sie sich darüber freuen konnte. Stattdessen stand sie auf und ging hinunter ins Frühstückszimmer. Im Kamin prasselte ein warmes Feuer und der Hauself der Familie hatte den Tisch mit feinsten Dingen gedeckt, wie man es nur zu diesen Tagen bekam, selbst im Haus einer reichen Familie. Astorias Vater sass in seinem gewohnten Sessel, den Tagespropheten aufgeschlagen und seinen Blick vertieft. Wahrscheinlich versuchte er gerade, die Stimmen der beiden anderen Frauen aus seinen Gedanken zu drängen. Daphne und ihre Mutter unterhielten sich angeregt über eine Schmuckschatulle, welche ihre Schwester in den Händen hielt. Astoria hob die Augenbrauen.
„Ah, Toria, da bist du ja. Was meinst du passt besser zu Daphnes neuem Kleid?" Astorias Mutter hob zwei Schmuckstücke an, die beide zu protzig aussahen, aber perfekt zu Daphne passen würden. Dennoch schüttelte sie den Kopf. Ihre Schwester hatte ihr nichts über ein neues Kleid gesagt, also konnte sie nicht urteilen.
„Daphnes neues Kleid? Das hast du mir noch gar nicht gezeigt." Astoria versuchte mitzuspielen, ihrer Mutter zu lieben. Doch es klappte nicht. Während Daphne ihr eine Faxe zu warf, schüttelte ihre Mutter enttäuscht den Kopf und legte die Schmuckstücke wieder ab.
„Naja, komm und setz dich. Wir müssen heute noch dein Kleid holen und hoffen, dass es sitzt. Ich find es wirklich unerhört, dass diese McGonagall mir keine Erlaubnis geben wollte, um mit dir zum Schneider zu gehen", begann sie herunter zu leiern, während Astoria sich zweifelnd an den Tisch setzte und sich selbst einen Saft einschenkte.
Sie hatte sie von der Schule holen wollen, um ein Kleid schneidern zu lassen? Das konnte nicht der Ernst ihrer Mutter sein. Obwohl. Doch es konnte. Schließlich gab sie alles für die Hochzeit. Zumindest konnte man ihr nicht vorhalten, dass sie sich Mühe gab für ihre missratene Tochter. Die Gedanken waren trotzig, doch sie schützten sie vor der Betrübnis, die sich darüber hinweg breitmachen wollte.
„Zieh nicht so ein Gesicht, Toria. Es ist wunderschön. Ich wünschte Mutter würde für mich so ein Kleid machen lassen."
Das wiederum konnte sich Astoria nur zu gut vorstellen.
„Keine Sorge Daphne. Wenn sie jemanden für dich ausgesucht haben kriegst du sicher eines."
„Astoria!" Ihr Vater blickte von der Zeitung auf. Seine Worte waren von der nötigen Schärfe geprägt, um Astoria zusammen zucken zu lassen, was ihrer Schwester ein Lachen entlockte. Dafür wurde sie natürlich nicht gerügt. Aber es war ja immer so. Ein kalter Luftzug kam hinein, als sich eines der Fenster mit magischer Hand für drei Eulen öffnete. Astoria musste sich daran erinnern, dass es hier ja nicht wie in Hogwarts war und die Eulen den ganzen Tag kommen konnten. Verwundert war sie dennoch, nicht zuletzt, weil die Eulen auf sie zu flogen, mit dem doch recht großen Paket, welches sie trugen. Dieses landete auf einem der freien Sessel.
„Erwartest du etwas, Schatz?"
Astoria sparte sich die Worte, dass sie wohl weniger der Schatz der Familie war, als Daphne und schüttelte nur den Kopf. Auf dem Paket stand mit eleganter Schrift ihr Name, doch kein Absender. Nur Astoria musste nicht lange überlegen, wem diese Schrift gehören könnte. Sie hatte bereits eine Vermutung.
„Mach es auf!", auch Daphnes Stimme war schon ganz aufgeregt. Sie war aufgestanden und hinter Astoria gekommen, um ihr über die Schulter zu sehen. Astoria musste zugeben, dass ihre Schwester nicht die einzige war, die aufgeregt war. Mit flinken Fingern begann sie die Schachtel zu öffnen, während sie die ungeteilte Aufmerksamkeit der Familie hatte.
Sie musste ebenfalls zugeben, es war einfach ein schönes Gefühl, im Mittelpunkt zu sein. Doch darum ging es im Moment gar nicht. Sie wollte wissen, was in diesem Paket war.
Sie hob den Deckel an und rang fast augenblicklich nach Atem. In der Schachtel befand sich ein Collier aus klaren, glitzernden Diamanten und dunkelblauen Saphiren. Erst im zweiten Augenblick erkannte sie, dass unter dem Schmuck, der zusätzlich aus Ohrringen und Haarschmuck bestand so wie passenden Ringen und Armbändern auch noch ein Kleid lag und es sich dabei nicht nur um die schöne Verzierung rund rum handelte.
„Und du bist sicher, dass er nicht heute um deine Hand anhalten will."
Ihr „Nein" kam nur als heiseres Krächzen aus ihrer Kehle, während sie um Fassung ringen musste. Sollte es wirklich so sein, dass er seine Meinung geändert hatte? Er hatte ihr gesagt, dass es erst nach ihrem Abschluss sein sollte und sie hatten nicht mehr darüber gesprochen. Aber Daphne hatte recht, mit so einem Kleid war es nur zu wahrscheinlich, dass ihre Schonfrist vorbei war. „Zieh es an, los!"
Astoria blinzelte verwundert. Wo war all der Neid ihrer Schwester hin? Konnte es denn wirklich sein, dass sie sich für sie freute. Fast schon in Aufregung sprang sie von ihrem Sitz auf und wollte gerade hinauf in ihr Zimmer rennen, als sie den Blick ihrer Mutter auffing. Sie lächelte. Sie lächelte gutmütig und glücklich und Astoria kamen die Tränen in die Augen. Sie presste die Lippen zusammen, bevor sie sich an ihre Mutter wandte.
„Willst du mir helfen Mutter."
„Sehr gerne."
Draco stand stumm vor dem großen Fenster in seinem Zimmer. Er hatte den Tag mit seinen Eltern verbracht und die Vorbereitungen für das Fest getroffen. Noch war sein Vater der Herr des Manors und noch überlag es ihm als Gastgeber aufzutreten, doch er hatte es sich wohl zur Pflicht gemacht, Draco zu zeigen, was es beinhaltete Herr über das Manor zu sein. Wirklich beeindrucken hatte er seinen Sohn damit nicht können, doch das war auch nicht zu erwarten gewesen. Draco war hier aufgewachsen. Er kannte die Geschichten, er wusste, was vorging. Dies war sein Zuhause. Wieder zumindest. Zu jener Zeit als die Todesser hier gehaust hatte, war es ganz und gar nicht sein zu Hause gewesen. Es war im fremd gewesen. Fremd und schrecklich. Narcissa hatte sich darum gekümmert, dass alles wieder zum alten kam, nach dem der dunkle Lord gefallen war. Doch noch immer haftete dieser dunkle Beigeschmack an allem an. Der Abend war inzwischen schon angebrochen und über den Weg des Manors sah man teils magische Kutschen einfahren, teils Menschen zu Fuß kommen, die appariert hatten. Die Gäste trafen ein. Unter ihnen würde auch Astoria sein. Sie hatten kaum mehr miteinander gesprochen, wenn dann war es rein auf den Unterricht bezogen gewesen. Dieser Abend würde spannend werden.
Die Tür ging auf. Draco wusste, dass es seine Mutter war, die eintrat und sagte nichts dagegen. Er hatte nichts gegen ihre Anwesenheit. Ganz im Gegenteil, sie vertrieb seine Unsicherheit bis zu diesem Punkt.
„Meinst du sie mag es?"
Er war sich nicht sicher, ob sie das Kleid anziehen würde. Er hoffte darauf. Doch genauso gut war möglich, dass sie aus irgendeiner trotzigen Reaktion heraus etwas anderes anzog oder gar nicht erschien.
„Du wirst es sehen, wenn sie es anhat."
Draco schenkte seiner Mutter für diese eher altklugen Worte einen vielsagenden Blick, sie schenkte ihm ein Lächeln.
„Dafür, dass dich dieses Mädchen nicht interessiert, scheint dich diese eher lächerliche Frage sehr zu kümmern", fügte Narcissa an und stellte sich neben ihren Sohn. Draco stieß die Luft aus. Er hatte keine Ahnung, wie er sich heute verhalten sollte und wieder war es Narcissa, die das Wort ergriff.
„Es wäre alles einfacher, wenn du es heute offiziell machen würdest."
„Jetzt vielleicht. Aber die nächsten anderthalb Jahre? Wenn es nicht für mich eine Hölle wird, dann sicher für sie und ich glaube nicht, dass dies unsere Zukunft einfacher machen wird."
Schweigen trat ein, was Draco darauf schloss, dass seine Mutter wohl doch mit ihm übereinkam. Sie hatte sich ausdrücklich dafür ausgesprochen, dass Draco diese Bindung einging, sie drängte ihn zwar dazu, doch es war sachte und sie akzeptierte seine Entscheidungen im Gegensatz zu seinem Vater.
„Komm, lass uns nach Unten gehen. Die Gäste erwarten uns."
Der Winterball auf dem Manor war vergleichsweise klein. Nur die engsten Freunde und stärksten Verbündeten wurden geladen. Man wollte Spaß haben und nicht zwingend Politik betreiben. Was natürlich aber dennoch gemacht wurde.
Draco führte seine Mutter über die grosse Treppe in den Saal hinunter, wo schon einige Gäste inklusive seinem Vater auf sie warteten. Er führte seine Mutter hin zu Lucius, küsste ihre Hand und über gab sie dann ihrem Ehemann. Auch ihre Ehe war arrangiert gewesen, doch die beiden hatten niemals ein Problem damit gehabt. Vielleicht sollte er sich einfach fügen. Draco unterdrückte ein Seufzen. Er wollte sich nicht fügen. Er hatte sich lange genug gefügt. Er wollte selbst entscheiden, was in seinem Leben war. Doch mit der Hochzeit zu Astoria sollte er das letzte Stück Freiheit erlangen.
Der kleine Ballsaal des Manors war gefüllt mit kleinen Tischen an den Seiten, auf welchen wiederum kleine Naschereien standen. Hauselfen servierten unsichtbar, um niemanden zu belästigen mit ihrem Aussehen. Sein Vater hatte kurz sein Gespräch mit einem der Minister unterbrochen, um seine Frau zu empfangen, nur um sich dann wieder zu vertiefen.
„Und euer Sohn. Ich habe gehört er macht sich sehr gut in Hogwarts."
Draco schenkte dem Sprecher ein dankbares Nicken, welches nicht annähernd so dankbar war, wie es den Anschein machte. Er hatte Übung im Umgang mit diesen Leuten. Doch heute war seine Aufmerksamkeit geteilt. Gerade im Moment mit dem Eingang, durch den irgendwann am Abend seine Verlobte eintreten würde.
„Ja, in der Tat. Es war eine exzellente Wahl von ihm gewesen diese Stelle anzunehmen. Ich habe nur das Beste gehört von den anderen Lehrern und auch dem Schulrat."
Im Gegensatz zu Draco, der sich in Zurückhaltung übte, lag ein hinreißendes Lächeln auf Lucius Lippen. Er liebte Gesellschaft und er liebte es umso mehr, dass sein eigenes Ansehen, dank dem Erfolg seines Sohnes wieder gestiegen war. Er hatte wieder einen Platz im Schulrat bekommen und so weiter und so fort. Draco hätte ihn dafür gerne einmal durch den Folterkeller gezogen, doch er musste zugeben, dass sein Vater einmal im Leben zumindest keine Entscheidung über ihn getroffen hatte, die sein Leben noch schrecklicher machte. Zugegebenermaßen wäre das auch schwierig gewesen.
„Es gehen die Gerüchte um, sie hätten ihre Augen in letzter Zeit auf jemand bestimmtest gelegt."
Draco blinzelte kurz. Er lächelte diplomatisch.
„Wie sie sagen, Gerüchte. Mir ist nichts der Art bekannt und ich müsste es wohl wissen", erwiderte Draco und schenkte dabei seinem Vater einen vielsagenden Blick. Dieser zeigte ihm nur sein falsches Lächeln und Draco konnte sich ganz gut vorstellen, woher die Gerüchte kamen.
„Natürlich."
Das Gespräch ging weiter mit Themen über das Ministerium und Arbeiten, die nach dem Krieg anstanden. Sie kamen gerade auf die Arbeiten im Schloss zu sprechen, als sich seine Mutter ihm ins Ohr flüsterte.
„Sieht so aus als würde sie es mögen."
Automatisch ging Dracos Blick zum Eingang hin und es stockte ihm der Atem.
Astoria Greengrass stand mitten im Raum. Das dunkel blaue Kleid schlang sich um ihren zierlichen Körper wie eine Welle aus Wasser. Kleine Brillanten zierten das Kleid in eleganter Art, so dass immer ein Glitzern über ihren Körper ging, wenn sie sich bewegte. Ihre Haare waren zu seidigen Locken zusammengebunden und schwangen sanft mit bei jeder Bewegung. Der Schmuck vollendete nur, was schon da war.
„Oh die Greengrasses sind da. Und ihr seid sicher, dass es nur Gerüchte sind?"
Der Minister hatte sich an seinen Vater gewandt, welcher nun natürlich auch antwortete. Doch Draco hatte noch zu viel damit zu tun, Astoria zu betrachten, als dass er sich hätte wehren können.
„Oh ja, wir sind sicher. Ihr müsste sehen. Draco ist ein junger Lehrer und die Mädchen die er unterrichtet sind manchmal nicht einmal ein Jahr jünger als er. Draco ist daher verpflichtet sich professionell zu verhalten. Worin die Schulleiterin mir übrigens bestätigt hat, dass er exzellent mit der Situation umgeht."
Mit einem Mal wurde Draco klar, warum seine Mutter dieses Kleid ausgewählt hatte. Mochte sein, dass sie akzeptiert hatten, dass er erst zu Astorias Abschluss diese Verlobung offiziell machen würde, doch das hielt sie nicht davon ab, den Weg dahin zu ebenen ohne einen Skandal auszulösen. Der kleine Anlass war perfekt, um die Schülerin für ihn Salon fähig zu machen als Verlobte. Zu einem anderen Zeitpunkt wäre er stinksauer auf seinen Vater gewesen, doch gerade war er anderweitig beschäftigt.
„Komm Draco, lass uns die Greengrasses begrüssen." Narcissa hängte sich wieder seinem Sohn ein und führte ihn zu den Neuankömmlingen.
Draco fasste sich wieder.
„Das war von Anfang an dein Plan, oder?", flüsterte er ihr leise zu, während sie der Familie näher kamen.
„Ist es ein Verbrechen, meinem Sohn seine Verlobte schmackhaft zu machen."
Ein Lächeln stellte sich auf Dracos Gesicht ein, als sie die Greengrasses erreichten. Seine Manieren geboten es ihm, erst Mr. Greengrass zu begrüßen, vor allen anderen.
„Es freut mich euch auf Malfoy Manor willkommen zu heissen. Mein Vater ist zur Zeit noch verhindert, doch ich bin sicher, er findet im Laufe des Abends Zeit für euch und eure liebreizenden Töchter."
Es waren die üblichen Floskeln. Das übliche Gespräch. Eine Begrüßung wie sie für jeden sein könnte. Nicht zwingend für seinen zukünftigen Schwiegervater. William Greengrass nickte anerkennend.
„Ich sehe Mr. Malfoy, sie sind ganz ihres Vaters Sohn. Das ist schön zu sehen und Danke für die Einladung."
Für diese Worte hätte Draco ihn ohne mit der Wimper zu zucken Verfluchen können. Er war nicht seines Vaters Sohn. Er würde es nie mehr sein. Vielleicht war er es mal gewesen, doch nicht mehr. Er wollte es nicht sein. Doch niemand musste das wissen, so blieb sein Ausdruck freundlich und seine Züge unbewegt von der Wut, die er innerlich gerade verspürte. Er musste sich daran erinnern, dass dies alles nur Floskeln waren und auch diese Worte nicht ernst gemeint gewesen waren.
Er wandte sich weiter zu Ms Greengrass. Sachte hob er ihre Hand an und hauchte einen Kuss darauf, wie er es gelernt hatte. Dies war nicht das Gebaren, welches die Kinder in Hogwarts lernten, dies war die Schule des Adels. „Ms Greengrass, es ist mir eine Ehre, dass sie uns mit ihrer liebreizenden Anwesenheit beglücken."
Seine Geste wurde mit einem Nicken und einem Lächeln bekannt. Doch nicht von allen Seiten. Er hatte nicht die Zeit sich wirklich darauf zu konzentrieren, doch er glaubte zu sehen, wie Astoria die Augen rollte. Er kannte ihr benehmen, er kannte ihre Philosophie zu der Sache zumindest in Ansätzen aus Hogwarts, als sie noch beide Schüler gewesen waren und er meinte zu wissen, noch etwas im Hinterkopf zu haben, was Daphne mal erwähnt hatte. Nämlich, dass ihre kleine Schwester die wohl schlechteste Slytherin seit jeher sein musst. Sie konnte Heucheleien nicht leiden. Draco verkniff sich das Lächeln, um es gleich in einer anderen Weise hervorzubringen, als er Daphne begrüßte. „Daphne", er sagte nicht mehr. Er wusste nicht mehr zu sagen und zu tun, als sie sachte auf die Wange zu Küssen. Sie kannten sich zu gut und doch wieder nicht. Es war halt Daphne. Die übertriebene Höflichkeit schien hier zu weit zu gehen. Er überlegte, etwas über ihr Aussehen zu sagen, doch an diesem Abend wäre auch das irgendwie fehl am Platz gewesen. Sein Blick wanderte zu Astoria. Sie sah einfach bezaubernd aus.
Sachte nahm er ihre Hand, während er sie anblickte. Einen Moment war er nicht bewusst, wie viele Leute zu Gegend waren und das mit ansahen. Er hauchte ihr einen fast zärtlichen Kuss auf ihren Handrücken, ohne sie aus den Augen zu lassen und für einen Moment war es, dass er sie einfach nur betrachtete, ohne etwas zu sagen. Doch sein Herz klopfte, dass er meinte, sie müsste seinen Puls selbst in seinen Fingerspitzen fühlen.
„Sie sind heute Abend der Liebreiz in Person, Miss Greengrass."
Er meinte zu sehen, wie sie erblasste, doch es mochte Einbildung sein. Ein Lächeln zog sich nochmals auf seine Lippen, bevor er die Familie an einen der Tische geleitete. Sein Vater würde den Ball bald eröffnen und niemand wollte das verpassen. Während seine Mutter sich mit den Eltern der beiden Mädchen unterhielt, rückte Daphne näher.
„Miss Greengrass? Geht es dir noch gut. Sie ist meine kleine Schwester und nicht zuletzt deine Verlobte", raunte sie aufgebracht. Draco hob beschwichtigend die Hand.
„Daphne sie ist meine Schülerin und nichts ist offiziell."
Schell eilte er sich um einen Stuhl für Ms Greengrass zurechtzurücken, während er sah wie sein Vater sich für seine Rede vorbereitete. Er selbst hatte sie schon gefühlte dreihundert Mal gehört, während sein Vater sie heute Morgen in seinem Zimmer eingeübt hatte und dabei auf und abgegangen war.
Daphne allerdings ließ nicht locker. Als er ihren Stuhl bereit machte, flüsterte sie trotz der aufgebrachten Blicke ihrer Eltern weiter.
„Ach komm schon. Du willst mir sagen, du hast ihr das Kleid einfach so geschenkt und wirst nicht heute Abend um ihre Hand anhalten?"
„Exakt", er ließ sie verdutzt stehen und musste mit bedauern feststellen, dass sich Astoria bereits einfach gesetzt hatte, ohne auf seine Hilfe zu warten. Nun, so kannte er sie. So wandte er sich an alle von ihnen.
„Ihr entschuldigt uns. Es wird sich bestimmt heute Abend noch mehr Gelegenheit ergeben, miteinander zu reden."
Astoria blickte Draco nach, wie er seine Mutter zu Lucius Malfoy zurückführte. Sie wusste nicht warum, doch ihr mulmig zu Mute. Seine Berührung hatte ihre ganze Hand kribbeln lassen. Sie hatte ein flaues Gefühl im Magen und ihr Atem war flach gewesen. Er hatte ihr ein Kompliment gemacht, während er Daphne ausgelassen hatte. Sehr offiziell, aber irgendwie doch persönlich. Etwas was sie nie für möglich empfunden hätte. Es war persönlich, weil das Kleid von ihm kam und weil er es offensichtlich mochte, dass sie es trug. Eine Karte hatte bei dem Kleid gelegen.
Trage es, wenn dir die Zukunft nicht verloren scheint.
Sie lächelte bei dem Gedanken daran. Sie hörte nicht die Rede von Lucius Malfoy. Die Worte interessierten sie nicht. Daphne allerdings fand ihren Weg schnell genug zu ihren Gedanken.
„Er will nicht um deine Hand anhalten? Was soll denn das Theater", ihre Stimme überschlug sich fast vor Empörung und das, obwohl sie flüsterte. Ihr Vater hielt sie zu Stille an und Astoria war ihm dankbar. Genauso wie Draco. Sie konnte sich nicht vorstellen, dass er an diesem Abend ihr einen Antrag machen wollte. Sie wollte es nicht.
Gerade diese Szene zuvor hatte ihr wieder einmal gezeigt, wie sehr sie diese Art von Menschen verachtete. Dieses Getue. Falsche Worte, falsche Zungen. Wie sollte sie jemals auch nur über ein Wort sicher sein, was Draco sagte, wenn er Lügen konnte, als wäre es ein Theaterstück, bei dem alles künstlich war. Und sollte sie ihrem zukünftigen Ehemann nicht vertrauen können? Sie erinnerte sich an das, was Daphne gesagt hatte. Sein ausschweifendes Wochenendleben. Das konnte nur eines bedeuten. Doch sie hatte sich schon mal klar gemacht, dass dies sein gutes Recht war und sie fand nichts darin, was sie stören sollte. Sie waren verlobt, gegen ihrer Willen, nicht offiziell. Nichts hielt ihn zurück. Nichts hielt sie zurück. Abgesehen davon, dass sie noch niemanden gefunden hatte, mit dem sie ein ausschweifendes Leben haben könnte zurzeit. Sie war so sehr auf den Gedanken ihrer Verlobung versessen gewesen, dass sie niemals einen Gedanken an andere Jungen verschwendet hatte. Vielleicht war das ein Fehler.
Sie blickte auf. Die Rede kam zum Ende, das Essen wurde serviert und die ganze Zeit über sinnierte Astoria darüber nach, warum sie sich so hatte gehen und vor allem fixieren lassen hatte. Es war nicht so, dass sie keine Angebote bekommen hätte. Aber auch nicht, dass sie jemals Interesse an auch nur einem diese Jungen gehabt hätte. Langsam verschwanden auf den Tischen die Gedeckte und Schalen und zurückblieben nur die Weingläser. Während dessen ließ Astoria ihren Blick über die Gäste schweifen. Kurz darauf hatte sie unbewusst gefunden, was sie suchte. Draco. Er hatte sich bereits wieder von seinem Platz erhoben, um mit einer jungen Frau zu reden. Sie war gross, mit dunklen Haaren und einem Kleid, das einen zu langen Schlitz besaß. Nicht, dass sie so etwas nicht auch getragen hätte, aber gerade jetzt störte es sie.
„Ah. Da interessiert jemanden das Leben ihres Verlobten wohl doch etwas mehr, als sie zugeben mag."
Astoria verzog das Gesicht über den Worten ihrer Schwester und wandte ihren Blick demonstrativ ab. Zumindest blieb es ihr erspart, sich zu verteidigen. Pansy Parkinson war zu ihnen gekommen und begann, wie ein Wasserfall der Bücher gefressen hatte los zu plappern. Wobei die Kleinere der beiden Greengrass Schwestern nicht umhinkam zu hören, über was sie sprachen. Die Frau bei Draco. „…genau was ich auch dachte. Die Frau ist der Hammer. Eine Karriere als hätte man ihr die Hintertür ins Ministerium geöffnet und sie hätte alles aufschreiben dürfen. Danielle Parker ist die nächste Rita Kimmkorn."
Jetzt wusste Astoria auch, woher ihr das Gesicht bekannt vorkam. Danielle Parker war Reporterin beim Tagespropheten. Vor einem Jahr war ein Foto von ihr drin gewesen und ein Artikel, in dem sie vorgestellt wurde. Außerdem wusste die Klatschwelt einiges über sie. Genug, dass Astoria gerade gewillt gewesen wäre, aufzustehen und sich Draco's ach so tolles Kleid vom Leib zu reissen.
Stattdessen entschuldigte sie sich bei ihren Eltern und verließ den Saal.
Kühle Nachtluft umschlang sie, als sie in den Schneebedecken Garten des Manors kam. Die Wolken hatten sich verzogen, der Mond schien hell über alles und man konnte im reflektierenden Licht fast jede Bank und jeden Brunnen hier draußen erkennen. Tief sog Astoria die Luft ein und es tat gut. Raus aus der Hitze, raus von falschen Worten und stinkender Freundlichkeit. Weg von falschen Versprechungen.
„Enttäuscht?"
Erschrocken fuhr Astoria zusammen. Neben ihr stand Pansy Parkinson. Sie musste ihr gefolgt sein, was nur heißen konnte, dass Daphne auch nicht weit weg war. Doch ihr suchender Blick wurde nicht fündig.
„Keine Sorge, wir sind allein", die Stimme klang fast mitfühlend, doch Astoria vermutete nur weitere falsche Worte.
„Offensichtlich nicht ganz allein", gab sie entsprechend giftig zurück. Sie wollte alleine sein, ihren Kopf leeren, dennoch schüttelte sie den Kopf, als die Slytherin Anbot wieder zu gehen.
„Gut. Dann, was ist es, was dich fliehen lässt?"
Sie bereute im selben Moment, Pansy bleiben zu lassen. Sie wollte sie mit Keifen davon jagen, doch sie tat es nicht. Stattdessen, entrann ihr nur ein leises Seufzen. „Warum bin ich hier Pansy? Es kümmert offensichtlich keinen."
Sie ließ sich gegen die kalte Hausmauer fallen und sah die ehemalige Slytherin an. Vielleicht war es nicht klug gerade mit ihr zu reden. Doch es war bedeutend einfacher mit ihr zu reden, als mit ihren Freunden. Vielleicht gerade weil sie einander nicht wirklich kannten.
„Ich glaube da irrst du dich."
Pansy zog aus einer Kiste ein Kissen hervor, von dem sie offensichtlich genau wusste, dass es dort zu sein hatte, legte es auf den Boden und setzte sich darauf. Sie musste Astorias verwunderten Blick bemerkt haben, denn sie schien sich erklären zu wollen.
„Es ist sonst zu kalt am Boden. Im Sommer kein Problem, aber jetzt." Astoria nickte. Sie wusste von Daphne, dass Pansy Dracos beste Freundin war, auch wenn sie nicht wusste wieso. Aber das war jetzt auch egal.
„Warum irre ich mich? Ich…"
Pansy ließ sie nicht ausreden.
„Hast du ihre Blicke nicht gesehen, als du rein gekommen bist. Du siehst bezaubernd aus in Narcissas Kleid."
Astoria verschluckte sich an der eigenen Luft, die sie atmete und begann zu husten. Narcissas Kleid. Draco Malfoys Mutters Kleid war es, dass sie gerade trug und wahrscheinlich auch noch ihr Schmuck?
„Oh, das hat er dir wohl nicht gesagt."
„Nein." Ihre Stimme war nur ein Krächzen zwischen Luftholen und Husten.
Pansy lächelte.
„Sie mussten einige Änderungen vornehmen, da du kleiner bist als Narcissa. Doch du hast sehr ähnliche Haare wie sie, was Draco übrigens mag an dir. Du musst wissen er liebt seine Mutter wie nichts anderes auf der Welt."
Pansy konnte man beim Reden nicht stoppen. Schon gar nicht, wenn sie das Gefühl hatte das Recht zu haben jemandem etwas mitzuteilen, was er noch nicht wusste. Doch während sie redete, wurde Astoria immer übler zumute. Er hatte ihr das Kleid seiner Mutter geschickt. Er liebte die Haare, die aussahen wie die seiner Mutter. Was für ein ekliger, kleiner Mistfink war er denn eigentlich? Was würde sie noch herausfinden, was sie nicht wissen wollte? Sie wollte nicht wie seine Mutter aussehen. Sie hatte nicht die geringste Lust dazu, dass sie ihn an seine Mutter erinnerte.
„Hörst du mir überhaupt noch zu?"
„Nein", gab Astoria starr zu.
Die junge Parkinson seufzte.
„Ich hab gesagt er mag dich. Ob er will oder nicht."
„Das glaube ich nicht." Damit stand Astoria auf und ließ Pansy alleine auf dem Balkon zurück. Zurück im Saal verschlug es ihr beinahe den Atem so heiß und stickig war es hier drin. Es kam ihr zumindest so vor. Draco war nicht mehr an derselben Stelle wie zuvor, doch es ging nicht lange, da sie ihn gefunden hatte, irgendwo auf der Tanzfläche mit irgendeiner lasziven Frau, die sich zu sehr dabei amüsierte. Sie machte nicht einmal mehr den Umweg zu ihren Eltern. Sie ging hinaus, ließ sich von einem Hauselfen ihren Mantel bringen und verschwand durchs Flohnetz.
