Kapitel 13 – Layton – Abendessen

Als Hershel allein in seinem neuen Zuhause war, begann er sofort damit, es wohnlicher zu gestalten, indem er seine Koffer auspackte. Er legte seine Kleidung ordentlich in einen Schrank, stellte seine Lieblingsbücher in ein Regal und ein paar Schreibutensilien auf seinen Schreibtisch. Schließlich holte er zwei alte Fotos hervor und stellte sie auf seinen Nachttisch. Das eine zeigte ihn und Claire im College, wie sie lächelnd auf einer Wiese sitzen, das andere ihn, Luke und Emmy, wie sie lachend in seinem Wohnzimmer ein Spiel spielen. Er war sich mittlerweile nicht mehr sicher, welches Bild ihm besser gefiel…

Nachdem alles so weit fertig war, holte er Hermines Willkommensgeschenk hervor, setzte sich auf den Sessel am Fenster und begann zu lesen und zu lesen und zu lesen…

Irgendwann blickte er erschrocken auf seine Uhr und stellte fest, dass er nur noch eine viertel Stunde hatte, um pünktlich zum Abendessen zu erscheinen – etwas, das in einem so großen Schloss nahezu nichts war…

Schnell strich er sich die Jacke glatt und eilte über die langen Flure Hogwarts. Jetzt nur nicht verlaufen, dachte er angespannt. Es wäre doch zu peinlich, wenn er zu spät zu seinem ersten Abendessen hier kommen würde… Doch zum Glück hatte er schon immer einen guten Orientierungssinn besessen und fand ohne Umwege erst die Statue mit den zwei Hexenköpfen und dann schließlich das Lehrerzimmer.

Nervös klopfte er an.

Hermine öffnete die Tür und lachte: „Du brauchst doch nicht zu klopfen!" Freundlich bat sie ihn herein.

Ungefähr zehn Lehrer waren in dem gemütlichen Raum verteilt.

„Also Minerva und Severus kennst du ja schon", meinte Hermine. „Dann stell ich dich mal den anderen vor."

Zuerst lernte er den Professor für Kräuterkunde kennen, Neville Longbottom. „Herzlich Willkommen in Hogwarts", grüßte er äußerst freundlich und schüttelte erfreut seine Hand. Er war ihm von Anfang an sympathisch.

Dann ging es weiter zum Lehrer für Verteidigung gegen die dunklen Künste, zur Lehrerin für Astronomie, zum Lehrer für Zauberkunst und einigen anderen.

„Einige sind noch im Urlaub", erklärte Hermine. „Du wirst sie nach und nach kennen lernen."

Langsam begannen alle im Raum, sich an einen Platz um den langen Tisch in der Mitte zu setzen.

Hershel blieb unschlüssig stehen, da er nicht wusste, ob es eine feste Sitzordnung gab, doch Hermine meinte: „Hier, ich hab dir einen Platz freigelassen" und sie setzten sich. Sie war eine wirklich hilfsbereite und freundliche, junge Frau.

Vor jedem Platz waren ein Teller, Besteck und ein Glas aufgedeckt, doch er konnte weit und breit kein Essen entdecken. Nicht einmal ein Buffet gab es in irgendeiner Ecke. Gespannt wartete er und als alle am Tisch saßen, erschien vor ihnen wie aus dem Nichts die verschiedensten Schüsseln mit Kartoffeln, Nudeln, Frikadellen, Erbsen und Möhren, Hähnchenkeulen – und allem anderen, was das Herz begehrte. Dazu verschiedene Säfte und Wein.

Erst als Hermine neben ihm leise kicherte, fiel ihm auf, dass er mit offenem Mund auf das Spektakel vor sich gestarrt hatte. „Ich hätte mir ja denken können, dass selbst das Essen magisch befördert wird", sagte er dann lachend.

„Erinner mich dran, dass ich dir bei Gelegenheit mal die Küche zeige", erwiderte sie nur und füllte nebenbei ihren Teller.

Er tat es ebenso. Während des Essens herrschte ein angenehmes Stimmengewirr von all den Lehrern, die sich miteinander unterhielten.

„Und?", fragte Hermine irgendwann. „Hast du schon angefangen zu lesen."

Er nickte eifrig. „Ich wäre fast zu spät hierhergekommen, weil ich mich so festgelesen hatte. Stimmt es wirklich, dass Salazar Slytherin keine Muggelgeborenen aufnehmen wollte."

„Ja, das stimmt leider."

„Und das mit dem Monster?"

„Oh, ja, auch das, aber der Basilisk ist mittlerweile getötet worden, also herrscht keine Gefahr."

„Das ist beruhigend zu hören", gab er zu.

„Hast du noch mehr Fragen?"

„Noch eine ganze Menge, aber ich möchte dich nicht vom Essen abhalten."

„Wir können ja nach dem Essen in die Bibliothek gehen, ein paar Geschichtsbücher für dich suchen und danach eine gemütliche Fragerunde starten, oder?"

Er lächelte. „Ja, das wäre schön."

So wurde es dann auch gemacht. Hermine zeigte ihm die Geschichtsabteilung der Bibliothek, er lieh sich schon die ersten Bücher aus, und ging danach mit ihr in sein Quartier, wo sie sich auf sein Sofa setzten.

„Ich befürchte, dass ich dir gar nichts anbieten kann", sagte er dann verlegen.

„Ach, das macht nichts", erwiderte sie unbeeindruckt. Dann schnippte sie mit den Fingern und ein kleines Wesen mit ledriger, grauer Haut und großen Ohren und Augen erschien plötzlich mit einem lauten Knall im Zimmer. „Marthy", sprach Hermine das Wesen an. „Magst du uns ein paar Salzstangen und eine Flasche Wein mit zwei Gläsern bringen?"

„Sehr wohl", sagte das Wesen, verbeugte sich tief und war im nächsten Moment wieder verschwunden.

„Was… was war das?", brachte Hershel schließlich heraus.

„Das war eine Hauselfe", erklärte Hermine. „Sie kochen das Essen und räumen im Schloss auf. In meinem vierten Schuljahr habe ich mal versucht, sie zu befreien, weil sie einem Herrn ihr Leben lang verpflichtet sind zu dienen, aber mittlerweile habe ich festgestellt, dass die meisten von ihnen glücklich sind, jemandem zu dienen, der sich gut um sie kümmert. Weißt du, manche behandeln sie wie Dreck, das mag natürlich keiner, aber wenn jemand freundlich zu ihnen ist, sind sie am glücklichsten, wenn sie sich um diesen jemand kümmern können."

Im nächsten Moment war die Hauselfe plötzlich wieder da und legte eine Packung Salzstangen, eine Flasche Wein und zwei Gläser auf den Tisch vor ihnen.

„Ich danke dir, Marthy", sagte Hermine lächelnd.

Die Hauselfe strahlte zufrieden. „Hat Professor Granger noch einen Wunsch?"

„Nein, danke. Ich wünsche dir eine Gute Nacht."

„Marthy wünscht der Frau Professor auch eine Gute Nacht", sagte die Elfe und war schon wieder verschwunden.

„Hauselfen sind die einzigen, die in Hogwarts apparieren können", erklärte Hermine.

„Oh, interessant", sagte Hershel.

„Oh, Verzeihung, jetzt habe ich das wohl zu früh verraten", meinte Hermine erschrocken. „Das steht nämlich im vierten Kapitel von Geschichte Hogwarts…"

Er lachte über ihren Gesichtsausdruck und war ihr nicht im Geringsten Böse.

Den Rest des Abends verbrachten sie mit einem fröhlichen Frage-Antwort-Spiel oder sie unterhielten sich über ihre persönlichen Interessen. Geburtstag? Lieblingsbuch? Reiseziele? Hobbys? Und so weiter…