Kapitel 13

Mit der Absicht sich ein paar Stunden schlafen zu legen, ging Lisa auf ihre Gemächer zu. Schließlich würde sie einen Teil der folgenden Nacht nicht schlafend im Bett verbringen können und der Mangel an erholsamen Schlaf in letzter Zeit machte sich langsam aber sicher auch bemerkbar. Ein Gähnen unterdrückend – ein vor sich hingähnender Goa'uld wäre hier wohl unangenehm aufgefallen – betrat Lisa schließlich ihr Quartier und wünschte sich dabei, sie würde über Noels/Kelaks Ausdauer verfügen. Als Tok'ra wurden die beiden nun mal nicht so schnell müde wie sie

„Du kannst gehen. Ich rufe dich, wenn ich dich brauche", wandte sich Lisa an die Sklavin Minar, die allen Anschein nach gerade dabei war, in den Räumen für Ordnung zu sorgen. Einmal mehr musste Lisa feststellen, dass ihr im Gegensatz zu den Goa'uld Arroganz und Herablassung anstelle von freundlichem und höflichem Verhalten gegenüber Dritten nicht wirklich lagen.

Doch auch wenn sie jetzt wusste, dass Minar alles andere als eine bedingungslos ergebene Sklavin der Goa'uld war, wäre es trotzdem möglicherweise lebensgefährlich die Charade vor der Dienerin frühzeitig aufzugeben. Vielleicht brachte ja die folgende Nacht mehr Erkenntnisse über die Motive und Loyalitäten der Sklavin.

Nachdem Minar, die sich wohl über eine Goa'uld, die sich am helllichten Tage für ein Nickerchen hinlegt, gewundert hätte, gegangen war, ließ sich Lisa mit einem erleichterten Seufzer in die weichen Laken auf dem Bett fallen und fiel fast augenblicklich in einen tiefen, traumlosen Schlaf.

Ein paar Stunden später stieg eine sehr viel ausgeruhtere Archäologin aus dem Bett und nahm sich ein paar Früchte aus einer der herumstehenden Obstschalen. Herzhaft in die Frucht beißend, machte sich Lisa Gedanken über den kommenden Abend. Würde es ihnen gelingen zu neuen Erkenntnissen zu gelangen? Dazu würden sie die Verschwörer erst einmal unbemerkt belauschen müssen. Geschweige denn, dass Ort und Zeit auch passen mussten. Doch außer einer direkten Konfrontation mit Minar fiel Lisa im Moment auch keine andere Möglichkeit ein, um die Hintergründe der Verschwörung aufzudecken.

Bis jetzt bestanden die Fakten aus einer Sklavin, deren Eltern ermodert worden waren, geheimen Treffen in dem alten, verlassenen Teil des Palastes und einer höheren Anzahl an Sklavenaufständen in den hiesigen Naquadahminen als gewöhnlich üblich war. Waren das die Anzeichen für das Vorhandensein einer organisierten Untergrundbewegung in den Reihen der Sklaven? Wie weit reichten etwaige Pläne? Konnten diese angesichts der vorhandenen Sicherheitsmaßnahmen und der vielen loyalen Jaffa überhaupt von Erfolg gekrönt sein?

Einige Stunden nachdem die Sonne hinter den Goa'uld-Pyramiden untergegangen war, schlichen Noel/Kelak und Lisa durch die alten Palastanlagen Ras auf denen Baal seine Festung hatte errichten lassen. Dabei versuchten die beiden, dass Kunststück zu vollbringen, sich möglichst unauffällig und leise zu bewegen, aber gleichzeitig für den Fall, dass sie doch wer sah, ganz nach typischen Goa'uld auszusehen (was hieß: wir gehen, wo wir wollen und maße dich nicht an, das in Frage zu stellen, wenn dir dein Leben lieb ist).

Beide hofften, heute Nacht irgendwelche Erfolge erzielen zu können. Die Besprechung mit Jacob/Selmak hatte nicht viel Neues ergeben. Selmaks Besichtigung der Minen war ohne Zwischenfall verlaufen. Auf den ersten Blick lief es in den Naquadahminen nicht anders ab wie in denen auf anderen Goa'uld beherrschten Planeten auch. Was sich alles auf den zweiten Blick entdecken ließ, hatte sich im Rahmen einer offiziellen Besichtigung der Minen nicht herausfinden lassen.

Wesentlich interessanter war da schon Kelaks Bericht gewesen, der den Tag damit verbracht hatte, eine Inspektion der Verteidigungsanlagen vorzunehmen. Der Hohe Rat der Tok'ra würde sich über einen ausführlichen strategischen Bericht darüber freuen können.

Hand in Hand streiften Lisa und Noel/Kelak durch die labyrinthartigen alten Gänge. Nach einigen Stunden erfolgloser Suche wurde die Resignation der Beiden immer größer.

„Was hältst du davon, wenn wir in unser Quartier zurückkehren?", wandte sich Kelak mit einem niedergeschlagenen Ton in der Stimme an Lisa. „Ich denke nicht, dass wir heute Nacht noch was herausfinden werden. Wir können uns in den nächsten beiden Nächten noch einmal auf die Suche machen, aber länger können wir es nicht riskieren, hier zu bleiben."

Lisa, die sich so resigniert durch die erfolglose Suche fühlte, wie Kelak klang, konnte dem nur zustimmen. Doch sie kam nie dazu, dies auch laut zu sagen, denn die Dunkelheit die in den alten Gängen herrschte, wurde jäh von gleißend hellem, blauem Licht durchschnitten.

Noch ehe die Beiden richtig registriert hatten, was vor sich ging, wurden sie auch schon von den Strahlen aus den ZAT-Waffen getroffen.

Einige Zeit später, ob Minuten oder Stunden später konnte Lisa nicht einschätzen, wachte Lisa wieder auf und fühlte sich einfach nur miserabel. In ihrem Kopf pochte es unangenehm und ihre Glieder fühlten sich seltsam schwer an. Still und leise die Erfindung der ZAT-Waffen verfluchend, versuchte sich Lisa unbeholfen aufzurichten. Da fiel auch schon ein Schatten über sie.

Noch ehe Lisa sich richtig schrecken konnte, identifizierte sie den Schatten auch schon als Noel/Kelak. Offensichtlich half ein Symbiont auch dabei die Wirkungen einer ZAT-Waffe schneller zu überwinden.

„Es ist alles in Ordnung. Kein Grund zur Sorge", beschwichtigte sie Noel mit einem seltsam glücklichen Gesichtsaudruck.

Sich an Noel festhalten stand Lisa etwas unsicher auf und musste feststellen, dass sie Beide nicht mehr alleine waren. Einige Jaffa und Sklaven standen in dem Gang und starrten sie an. Außer Minar erkannte Lisa keinen.

Obwohl Lisa sich fast sicher war, dass sie es einem der Anwesenden verdankte, dass sie von einer ZAT-Waffe getroffen worden war, war sie sich nicht ganz sicher, was hier vor sich ging. Noel/Kelak, die vor ihr aufgewacht waren, wussten anscheinend schon mehr über die Vorgänge als sie.

Noch ehe Lisa damit beginnen konnte, Fragen zu stellen, trat ein Jaffa vor.

„Es tut uns leid, dass wir euch betäuben mussten. Aber da wir unsere Annahme, dass ihr von den Tok'ra geschickt worden seid, erst bestätigen mussten, konnten wir kein Risiko eingehen", wandte sich der Jaffa an Lisa.

„Aber wie habt ihr herausgefunden, dass wir keine Goa'uld sind?", fragte Lisa verwundert.

„Ich denke, dass ich diese Frage am besten beantworten kann. Aber dazu ist es auch nötig, die Vorgeschichte zu erzählen", antwortete Minar mit einem freundlichen Lächeln und trat etwas näher.

„Meine Eltern sind so wie viele andere hier auch von den Goa'uld umgebracht worden. Nicht viel später haben mich einige andere Sklaven, die insgeheim gegen die Goa'uld sind, angesprochen um herauszufinden, ob ich ihre Einstellung teile. Doch da wir Sklaven weder über Wissen, Technologien oder sonstige Ressourcen verfügen, konnten wir unter den wachsamen Augen der treuen Jaffa nicht viel ausrichten. Doch das hat sich dann eines Tages geändert."

Lisa lehnte sich leicht gegen Noel/Kelak, der ihre Hand ergriffen hatte und lauschte aufmerksam dem Erzählten.

„Ich war gerade mit meiner Arbeit im Palast fertig geworden, als ich von einem der Jaffa angegriffen wurde. Damals hatte ich noch einen jener untersten Ränge innerhalb der Dienerschaft inne, die von den Jaffa ohne Konsequenzen zu ihrem privaten Vergnügen gequält werden können. Obwohl die meisten Jaffa nur im Auftrag von den Goa'uld oder den Jaffa-Anführern handeln, gibt es hin und wieder doch einige wenige, die so was zu ihrem privaten Vergnügen machen. Doch ich konnte dem Jaffa entkommen und floh in den abgelegenen Teil des Palasts, um mich zu verstecken. Der Jaffa verlor mich aber nicht aus den Augen und verfolgte mich. Als Jaffa verfügte er über eine bessere Ausdauer als ich und er kam langsam aber sicher immer näher. Ich stolperte die Gänge entlang, stützte mich an den Wänden ab und versuchte zu entkommen. Als ich mich wieder einmal an einer der Wände abstützte, ging plötzlich eine geheime Öffnung in der Wand auf und ich stolperte leicht. In diesem Moment stürzte sich der Jaffa auf mich, wir beide taumelten durch die Öffnung in den dahinter gelegenen Raum und dann riss er mich zu Boden. Dabei fiel ein alter Stasisbehälter, der einen Symbionten enthielt, zu Boden und zerbrach. Noch ehe er uns beiden was antun konnte, nahm mich der Symbiont zur Wirtin und konnte den Jaffa töten. Nachdem der Symbiont sich dafür entschuldigt hatte, dass ich ohne meine ausdrückliche Einwilligung zur Wirtin geworden war, berieten wir was wir weiter tun würden. Ich erklärte mich einverstanden, weiterhin Wirtin für meinen Symbionten zu bleiben. Wir beschlossen, vorerst einmal hier zu bleiben und den Sklaven zu helfen. Wir hatten nicht gewusst, wohin wir sonst hätten gehen sollen, da wir nicht die geringste Ahnung hatten, wo sich die anderen Tok'ra aufhielten. Dank dem genetischen Wissen meines Symbiontens konnten wir einiges erreichen. So war es uns möglich innerhalb der Hierarchie der Dienerschaft aufzusteigen um besseren Zugang zu den wichtigeren Teilen des Palast zu erhalten, sowie vorsichtig Zugriff auf einige Computerdateien zu erhalten und was besonders wichtig war, etwas von dem Mittel, das die Anwesenheit eines Symbionten verbirgt, in unsere Hände zu bekommen."

Minar unterbrach ihre ausführliche Erklärung, um tief Luft zu holen. Währenddessen konnte es Lisa fast nicht fassen, was sie da zu hören bekam. Sollte das heißen, dass die Tok'ra Königin, wegen der sie eigentlich auf den Planeten gekommen war, hier vor ihnen stand? Doch noch bevor sie darüber genauer nachdenken konnte, ergriff auch schon Kelak das Wort.

„Während ich wegen dem Mittel, die Anwesenheit eines Symbionten in Minar nicht wahrnehmen konnte, hat sie aber festgestellt, dass du nicht mehr Barin warst und so haben sie und ihre Verbündeten uns im Auge behalten. Ihnen ist der Verdacht gekommen, wir könnten von den Tok'ra geschickt worden sein. Um sicher zu gehen, haben sie uns betäubt, um mit Hilfe eines Goa'uld-Instrumentes einen DNA-Vergleich bei den Symbionten vorzunehmen. Nachdem ich aufgewacht bin, haben sie mir alles erzählt und mir erlaubt, ebenfalls einen DNA-Vergleich vorzunehmen, um mich von der Wahrheit ihrer Worte zu überzeugen. Minars Symbiont ist tatsächlich meine verschollene Schwester."

Lisa war sprachlos. Die Hoffnung das sie die Tok'ra Königin noch finden würden, hatte sie schon längst aufgegeben und nun stand sie plötzlich vor ihr. Obwohl sie hierher gekommen waren, um Tok'ra Königin zu finden, hatte schlussendlich wohl eher diese sie gefunden. Still hörte sie zu wie Minar und Noel/Kelak sich berieten. Minar und einige andere Sklaven würden am nächsten Morgen vorgeben, die angeblichen Goa'uld durch das Stargate zu begleiten. In den Reihen der Tok'ra würden sie dann ihren Kampf gegen die Goa'uld fortsetzten, um so auch dieser Welt eines Tages die Freiheit bringen zu können. Anschließend versprach Lisa den anwesenden Jaffa-Rebellen, dass sie Teal'c von ihnen berichten würde.

Schließlich brach der Morgen heran, und einige Stunden nach dem die Sonne aufgegangen war, schaute Jaffa-Kommandant Serol zufrieden zu, wie die drei Goa'uld in Begleitung einiger Sklaven durch das Stargate schritten. Dankbar das alles reibungslos verlaufen war, wandte sich Serol ab und hoffte, dass sein Name in dem Bericht an Baal lobend erwähnt werden würde. Vielleicht würde er ja eines Tages den Befehl über eine größere Anzahl an Jaffa auf einem bedeutenderem Planeten innehaben.

Die Reaktion der Tok'ra auf die Tatsache, dass sie wieder eine Königin hatten, ließ sich nur als begeistert beschreiben. Selbst als schon die Abendstunden hereinbrachen, wurde in den Tunneln von nichts anderem gesprochen. Doch von diesen Gesprächen bekamen sowohl Lisa als auch Noel/Kelak nichts mit, da sie Hand in Hand auf der Planetenoberfläche den Sonnenuntergang betrachteten. Während die letzten Sonnenstrahlen noch auf die Beiden fielen, nahm Noel/Kelak Lisa sacht in den Arm und küsste sie leidenschaftlich.

Ende