Legende:
»Gerede«
/Gedanken/
::Parsel::
((AdA: Meine Kommentare))
ンンン±Bestimmter Zeit- und Ortswechsel±ンンン
°Phönixgeschwafel°
Neugier killt die Schlange
Tom trat zufrieden aus dem Raum, in dem die Verhandlungen abgeschlossen worden waren. An der gegenüberliegenden Wand standen seine Todesser. Sie sahen ihm neugierig entgegen. Nicht viel anders sahen die Vampire aus, die vor dem Verhandlungsraum hatten warten müssen. Es waren nur die Oberhäupter anwesend gewesen.
»Und?«, fragte Harry ungeduldig. Bei seiner Neugierde vergaß er das Formelle, weshalb er schief von seinen Kollegen angesehen wurde. Zu deren Erstaunen jedoch grinste der Dunkle Lord breit, anstatt den Jüngsten in der Runde zu maßregeln.
»Jedes, absolut jedes, Oberhaupt hat den Vertrag unterschrieben«, lächelte Tom zufrieden.
Die Todesser grinsten nun auch breit, denn so ein Ergebnis hatten sie nicht erwartet. Sicher, einige hatten sie schon vermutet, aber alle waren für sie nur Wunschdenken gewesen.
»Lord Voldemort«, machte Lord Deneuve auf sich aufmerksam, welcher leicht schräg hinter Tom stand. Dieser drehte sich nun um. »Ich erwarte dann Ihre Nachricht, sollten Sie unsere Hilfe benötigen. Ich habe die besten Verbindungen zu den anderen Oberhäuptern. Für mich ist es am leichtesten.«
»Ich verstehe«, nickte Tom. »Haben Sie etwas dagegen, wenn ich mit meinen Todessern abreise?«
»Natürlich nicht«, schüttelte der Vampir seinen Kopf und winkte einen seiner Leute zu sich. Er sagte auf Französisch zu dem Mann, dass dieser sie auf ihre Zimmer begleiten und anschließend ihnen den Portschlüssel geben sollte. Der Mann nickte, sah die Zauberer auffordernd an und ging dann den Gang entlang. Tom und seine Untergebenen folgten ihm.
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Als die Magier wieder in Toms Manor waren, sah der Dunkle Lord sie scharf an. »Ich erwarte, dass ihr nicht über die Verhandlung sprecht. Ich werde es nur dem Inneren Kreis sagen, es soll nichts an Dumbledore dringen. Wenn es passiert, weiß ich, wer es gewesen sein könnte.«
Tom sah jeden bedeutungsvoll an, bevor er sie mit einem Handwink entließ. Nur Harry blieb. Er lächelte seinen Geliebten an, schritt auf ihn zu und schlang seine Arme um dessen Nacken.
»Ich bin immer noch verblüfft darüber, dass du jetzt wirklich alle Vampire hinter dir hast.«
»Nun«, sagte Tom und legte seine eigenen Arme um Harrys Hüfte, an der er ihn näher an sich zog. »Ich bin selbst im Unklaren darüber, was genau sie dazu bewogen hat, den Vertrag zu unterschreiben. Ich denke, es war von allen Punkten etwas. Aber ich will mich nicht darüber beschweren. Trotzdem bin ich froh, wieder hier zu sein.«
Er beugte sich leicht runter und fing Harrys Lippen zu einem sanften Kuss ein, der jedoch schon bald leidenschaftlicher wurde. Der Nymph erwiderte recht bald, löste sich aber, als es sich zu mehr entwickeln schien, dann leicht von Tom. Er legte seinen Kopf auf die muskulöse Brust seines Freundes und versuchte, seine Atmung wieder zu regeln.
Tom hingegen seufzte lautlos, stützte sein Kinn aber dann auf Harrys Kopf ab. Er akzeptierte, dass Harry warten wollte. Auch wenn es ihn in solchen Momenten etwas auf den Keks ging. Doch was tat man nicht alles für denjenigen, den man liebte?
»Ich bin müde, Tom. Gehen wir schlafen?«
Der Ältere sah aus dem Fenster, wo gerade die Sonne aufging, nickte aber dann. Er selbst könnte ebenfalls eine Mütze voll Schlaf gut vertragen.
Sie lösten die Umarmung, doch ihre Hände blieben ineinander verschränkt, während sie aus Toms Arbeitszimmer traten und durch die Gänge liefen. Als sie in Toms Schlafzimmer ankamen, vergrößerten sie nur noch ihre Koffer, ehe sie sich bettfertig machten und, eng aneinander gekuschelt, einschliefen.
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Am nächsten Morgen, nach dem Frühstück, reisten die beiden auch schon wieder nach Hogwarts, denn heute war wieder Unterricht. Harry ging, nach einem langen Abschiedskuss, wieder in seinen Schlafsaal. Da es noch sehr früh war, begegnete er im Gemeinschaftsraum niemand, was auch gut so war. Er hatte absolut keine Lust Bellatrix zu begegnen.
In seinem Schlafsaal war nur Severus Snape schon wach, doch dieser setzte sich auch erst auf. Müde sah er dem schwarzhaarigen Nymph entgegen, welcher ihn allerdings nicht beachtete und zuerst seinen Koffer auspackte.
»Wo bist du gewesen?«, gähnte Severus. »Black war bei Professor Slughorn, aber er hat nur etwas von privat geredet.«
»Es war etwas familiäres«, bestätigte Harry wage, nachdem er dem Snape einen kurzen Blick zugeworfen hatte. »Redest du von Bellatrix?«
»Von wem sonst?«, schnaubte Severus und Harry gab ihm im Stillen Recht. Nur die Schwarzhaarige schien so neugierig zu sein, Narzissa war da viel umgänglicher. Und Sirius konnte er ja wohl ausschließen.
»Ist irgendwas wichtiges passiert, als ich weg war?«, erkundigte sich Harry und verstaute seinen ausgeräumten Koffer, sah man mal von seinen wichtigsten, persönlichen Dingen ab, unter seinem Bett.
»Nein, nicht, dass ich wüsste«, schüttelte Severus seinen Kopf und stand auf, ehe er ins Bad schlürfte. Harry sah ihm nach, bevor er leise seufzte, seine gepackte Schultasche nahm und sich in den Gemeinschaftsraum begab, wo er sich in einen Sessel vor dem entflammten Kamin setzte. Er hatte sich dazu entschlossen vor Bellatrix nicht weg zu laufen. So weit kam es ja noch. Nein, er würde sich ihr stellen, wie ein Mann.
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»Shorai!«
Harry schreckte auf und sah sich verpeilt um. Vor ihm stand eine erzürnte Bellatrix, die ihre Hände in ihre Hüfte gestemmt hatte. Sie sah wie ein Racheengel aus. Oder wie Molly Weasley. Wann war sie gekommen? Anscheinend war er eingenickt.
»Ja, Black?«, murmelte Harry und rieb sich über seine Augen.
»Wo warst du?!«, keifte Bellatrix wütend.
»Was interessiert es dich an?«
»Das kann dir doch egal sein! Wo warst du?«, wiederholte sich die Schwarzhaarige.
Harry grinste verschmitzt. »Du hast dir doch nicht etwa Sorgen gemacht, oder liebe Bellatrix?«
Bellatrix schnappte empört nach Luft. »Natürlich nicht!«
»Und was soll dann der Mist?«, verdrehte Harry seine Augen.
»Man darf doch wohl erfahren, wo sein Hausmitglied zwei Tage ist, oder?«
»Ich bin mir sicher, dass du bei jemand anderem nicht so aus rastest.« Harry runzelte seine Stirn. »Was bringt es dir, wenn ich mit dir und deiner Schwester rumhänge? Das interessiert mich ohnehin schon, seit du mir gesagt hast, dass sonst niemand aus unserem Jahrgang das Privileg hat, sich mit euch blicken zu lassen.«
Bellatrix schwieg. Lucius, welcher mit seinem Anhang auf sie zu kam und Harry vermutlich gehört hatte, warf der Black einen warnenden Blick zu.
»Warum sollen wir es ihm nicht erzählen? Ist doch egal«, vernahm Harry Narzissas Stimme, welche auf einem Sofa saß und in die Flammen starrte. Der Nymph hatte sie gar nicht bemerkt.
»Ich stimme Narzissa da zu«, nickte Harry. Natürlich wusste er, was der ganze Aufstand sollte, aber wenn sie ihm ihre Vermutungen mitteilten, konnte er irgendwas sagen, was sie dazu brachte, ihn in Ruhe zu lassen. Eine herrliche Vorstellung.
»Zissa!«, rief Bellatrix entrüstet aus.
»Was?«, murrte Narzissa. »Das ist doch alles lächerlich.«
»Narzissa«, sagte Lucius warnend.
Die Blonde schnaubte und sah Harry durchdringend an. »Zeig mir mal bitte deinen linken Unterarm, Shorai.«
Harry war leicht verblüfft von der Direktheit. Doch er lehnte sich, innerlich die Hände reibend, zurück und lächelte leicht. »Ihr denkt also, ich bin ein Todesser?« Obwohl er nur Narzissa ansah, spürte er, wie sich die Schüler um ihn herum anspannten.
»Wir sind uns nicht sicher«, antwortete Narzissa ruhig. »Du kannst uns ja zeigen, dass wir falsch liegen. Das tun wir doch, nicht wahr?«
Harrys Lächeln wurde eine Spur breiter, obwohl er sich wunderte, dass nun anscheinend auch die Jungs in dieser Gruppe von ihm als Todesser dachten. Das letzte Mal war es nicht so gewesen, wenn er sich recht erinnerte. Aber vermutlich hatten sie noch einmal darüber gesprochen. »Ich bin ein Schüler. Das spricht doch schon für sich.«
»Also hast du kein...«, Rabastan sah sich verstohlen in dem fast leeren Gemeinschaftsraum um, »...Tattoo?«
Harry wandte seine Augen von dem blonden Mädchen ab und sah auf. Nun grinste er amüsiert. »Oh doch, ich hab ein Tattoo. Eigentlich sogar zwei.«
»Wo?«, fragte Bellatrix scharf.
»Frag lieb und ich sag's dir, meine Teuerste«, grinste Harry charmant.
»Harry«, sagte Narzissa mit ihrer sanften Stimme. »Bitte sag es uns, es ist wichtig.«
»Ist es das?«, wunderte sich Harry.
»Ja, ist es«, knurrte Lucius ungeduldig.
Der Nymph sah trocken zu ihm auf und erhob sich schließlich. »So nicht, Malfoy. Schon mal davon gehört, dass eine sanfte Zunge Knochen zerbrechen kann?«
»Bitte?«, fragte dieser nach ein paar Sekunden und hob seine Augenbrauen.
Harry sah ihn nur an, ehe er seine Schultasche vom Boden aufhob und zum Ausgang schritt. Ohne aufgehalten zu werden, trat es aus dem Gemeinschaftsraum und begab sich in die Große Halle.
»Was hat er damit gemeint?«, fragte Walden McNair mit gerunzelter Stirn.
»Dass man mit geduldigen Worten selbst mächtige Leute umstimmen kann«, erwiderte Narzissa und verdrehte genervt ihre Augen. »Noch nie davon gehört, McNair?«
»Also bezeichnet er sich selbst als mächtig?«, wollte nun Stephan Jugson wissen.
»Woher soll ich das wissen?«, erwiderte Narzissa ruhig und stand auf. Sie nahm ihre Tasche von dem Sitz neben ihr und hängte sie sich um die Schulter. »Bella, gehen wir?«
»Sicher«, nickte diese und folgte ihr, nach einem Blick auf die Jungen.
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Als Harry in der fast leeren Großen Halle angekommen war, hörte er schon nach einigen Sekunden eine beinahe kreischende Stimme, die seinen Namen rief. Verwirrt wandte er seinen Kopf zum Gryffindortisch, wo Lily gerade aufsprang und auf ihn zu flitzte.
»Harry!«, wiederholte sie, als sie vor ihm stand. »Wo warst du? Ihm hab mir Sorgen gemacht! Die Lehrer wollten mir nicht sagen, wo du bist.«
Harry sah über die Schulter seiner Mutter. Nur Remus saß schon, von den Sechstklässlern, am Gryffindortisch und lächelte ihn an. »Es war etwas Privates.« Während er dies sagte, besah er sich auch noch die anderen Haustische. Da es noch sehr früh war, waren nur wenige Schüler anwesend. Nur der Lehrertisch war beinahe ganz besetzt, nur Slughorn fehlte. Auch Tom und Abraxas waren da, wobei ersterer ihn und Lily mit Argusaugen beobachtete. Harry lächelte ihm beruhigend zu. Lily folgte seinem Blick.
»Ihr steht euch sehr nahe, nicht wahr? Du und Professor Aenigma. Ich hab euch letztens gesehen, als er dich so überschwänglich begrüßt hat.«
Harry sah wieder zu ihr und lächelte leicht. »Ja. Er ist mir sehr wichtig.«
Lily kicherte leise. »Es kam mir eher so vor, als wärst du genervt gewesen.«
»Mehr oder weniger hat das auch gestimmt«, lachte Harry leicht.
»Willst du dich zu Remus und mir setzen?«, fragte Lily nach ein paar Sekunden und deutete hinter sich.
»Nein, lieber nicht«, antwortete der Schwarzhaarige zögernd.
»Warum?« In Lilys Stimme schwang Enttäuschung mit. Harry wusste jetzt schon, dass er diesen Ton hasste.
»Shorai!«
Seufzend drehte sich Harry um. »Ja, Black?«
»Ich möchte nur anmerken, dass unser Gespräch noch nicht vorbei ist«, sagte Bellatrix und warf einen Blick auf die rothaarige Gryffindor. »Wobei ich denke, dass wir noch einige weitere Punkte besprechen müssen.«
Harry runzelte seine Stirn. »Ich entscheide selbst, mit wem ich mich abgebe, falls du das meinst. Weder du, noch Malfoy werden mich davon abhalten können, Black.« Der Nymph sah zu Narzissa, welche hinter Bellatrix stand und ein Lächeln andeutete, was ihn etwas irritierte.
»Das werden wir sehen«, schnaubte Bellatrix und ging, gefolgt von ihrer Schwester, zu ihrem Haustisch. Harry sah ihr ein paar Sekunden hinterher, ehe er sich wieder zu seiner Mutter umdrehte.
»Ich gehe dann auch mal an meinen Haustisch, Lily.«
»Wirst du auf sie hören?«, erkundigte sich die Rothaarige zögerlich.
»Bitte?«
»Ich meine, sie hat eindeutig etwas dagegen, dass du mit mir redest.«
»Und du glaubst, das würde mich stören?«, grinste Harry leicht, drehte sich um und schritt zu seinem Haustisch. Lily lächelte und tat es ihm gleich, nur ging sie in die entgegengesetzte Richtung.
Harry setzte sich neben Narzissa und somit schräg gegenüber von Bellatrix. Diese sah auf und starrte ihn an.
»Was ist?«, fragte Harry nach ein paar Minuten, in denen sie das Starren nicht eingestellt hatte.
»Es wundert mich ein bisschen, dass du dich zu uns setzt. Ich hatte den Eindruck, als wärst du sauer. Wenigstens etwas.«
»Ich bin nicht sauer, eher etwas genervt. Ich finde es witzig, dass ihr glaubt, ich sei ein Todesser. Mich stört es nur, dass du mir den Kontakt zu Lily verbieten willst. Auf so etwas habe ich noch nie gut reagiert.« Harry nahm einen Schluck seines Kaffees. »Abgesehen davon... Du sprichst von 'uns'. Wer sagt, dass ich nicht nur wegen Narzissa da bin.«
»Bist du es denn?«, hob Bellatrix eine Augenbraue. Harry erkannte aus dem Augenwinkel, dass Narzissa leicht rot wurde. Komisch. Er hatte angenommen, sie könnte gar nichts aus der Ruhe bringen. Im Gegensatz zu ihrer Schwester war sie sehr... beherrscht und ständig... nun... ruhig.
»Wer weiß, wer weiß...«, sagte Harry geheimnisvoll und grinste. Er wollte sich schon nach Erdbeeren umsehen, als ihm einfiel, dass er dafür am falschen Tisch saß. Seufzend beschloss er, gleich nach dem Frühstück den Hauselfen einen Besuch abzustatten. Zum Gryffindortisch wollte er nicht gehen, da er etwas Angst hatte, dass jeden Moment sein Vater durch die Tür spazieren könnte. Er wollte sein, ohnehin schon angeknackstes, Glück bei seinem Vater nicht verscherzen.
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Harry seufzte erleichtert, als er aus der Küche trat. In seinen Händen hielt er Unmengen von Erdbeeren, die ihm die Hauselfen praktisch hinterher geworfen hatten. Nachdem er sein Anliegen erklärt hatte, waren sie schon fast besessen von dem Gedanken gewesen, ihm gleich etwas zu geben. Gut, dass er das nicht jeden Morgen durchmachen musste, um an diese leckeren Früchte zu kommen. Immerhin hatten die kleinen, arbeitssüchtigen Wesen ihm hoch und heilig versprochen, jeden Morgen eine Schale mit Erdbeeren an seinen Platz zu legen. Wobei es ihm schleierhaft war, dass sie anscheinend wussten, wo genau er saß.
Seine Erdbeeren verdrückend stapfte Harry die Korridore entlang, Richtung Geschichtsklassenzimmer. Als er dort war, konnte er schon die Schüler ausmachen, die vor dem Klassenzimmer standen. Sie hatten mit den Hufflepuffs, was er selbst für eine bescheuerte Idee hielt. Die Slytherins machten mit Vorliebe Schüler des Dachshauses fertig und Professor Binns war viel zu sehr mit seiner trockenen Vorlesung beschäftigt, als dass er die Sticheleien bemerken würde.
Harry trat zu Bellatrix und Narzissa, wobei erstere eine schwarze Eule auf ihrer Schulter hatte und ihm genervt entgegen sah. Die Blonde sah eher so aus, als würde sie sich köstlich amüsieren.
»Warum bringst du deine Eule mit in den Unterricht, Black?«
Bellatrix sah ihn genervt an. »Sie ist nicht für mich oder gar meine Eule. Dieses Drecksvieh sucht dich.«
»Tatsächlich?«, gab Harry verwirrt von sich und hielt der Eule seinen Arm hing. Sie sprang auf ihn und hüpfte dann auf diesem entlang zu seiner Schulter.
»Ja, tatsächlich«, erwiderte Bellatrix murrend.
»Sie ist angefressen, weil die Eule nach ihr gepickt hat, als sie ihr den Brief abnehmen wollte«, erklärte Narzissa auf Harrys irritierten Blick hin. Er nickte verstehend und sah dann zu der Eule.
»Wer hat dich denn geschickt, hm? Ich kenne doch gar niemand, der eine schwarze Eule besitzt«, lächelte der Nymph die Eule sanft an, welche leise schuschute und ihm dann ihr Bein hin hielt. Eigentlich kannte er ja nicht einmal jemanden aus dieser Zeit, sah man mal von seinen Nachbarn – die gewiss keine Post mit Eulen verschickten und den Weasleys, die aber bestimmt schon Errol besaßen – ab.
Als Harry das Papier entfalten wollte, schwang die Tür zum Klassenzimmer auf. Er entschied sich, den Brief zu lesen, während Binns seine Vorlesung hielt und ging hinein. Drinnen öffnete er das Fenster und ließ die Eule rausfliegen, bevor er es wieder schloss. Dabei ignorierte er die verwirrten Blicke seiner Mitschüler. Da es nur Tische mit zwei Plätzen gab, setzte er sich auf den leeren neben Severus, welcher ihm gar nicht erst Beachtung schenkte. Doch das war Harry nur Recht. Als Binns den Unterricht begann, entfaltete er seinen Brief, achtete darauf, dass ihm niemand über die Schultern sehen konnte und fing an zu lesen.
Hey Dieb,
na, wie geht's? Um ehrlich zu sein habe ich nicht genau gewusst, wie ich dich nennen soll, aber da wir uns ja ohnehin schon mal gesehen, miteinander gesprochen und uns geduzt haben, hab ich mich dazu entschlossen, dich so anzusprechen. Ob es dir passt oder nicht, ist mir ziemlich egal. Jedenfalls will ich nicht um den heißen Brei herum schreiben. Ich will mich mit dir treffen. Ich habe von den Verhandlungen gehört. Und, dass du dabei warst. Jetzt bin ich neugierig. Heute Abend, um zweiundzwanzig Uhr am Rand des Verbotenen Waldes. Du solltest kommen. Ich weiß, dass du das Buch gestohlen hast. Es hält mich nur die Bedeutung des Tattoos auf deinem Rücken ab, dich zu töten. Wenn du nicht kommst, überlege ich es mir vielleicht anders. Ich bin mir nicht zu schade für Erpressung. Deine Nachbarn dürften Ansporn genug sein.
Bis dann,
das blauhaarige Mädchen aus dem Zug
Harry faltete den Brief zusammen und verstaute ihn in seiner Hosentasche.
/Verdammt./
[b]±ンンン±Abends, um zweiundzwanzig Uhr, am Rand des Verbotenen Waldes±ンンン±[/b]
Pünktlich, angespannt und nach dem Zauberstab, der an seinem Arm befestigt war, tastend, stand Harry nun von der Dunkelheit verschluckt am Verbotenen Wald. Er hatte Tom nichts von dem Brief oder dem Mädchen erzählt. Er war sich selbst nicht sicher, ob das so klug gewesen war. Niemand wusste, wo er war, sollte etwas passieren. Allerdings war er sein ganzes Leben ganz gut alleine ausgekommen und ein weiterer Abend würde er auch noch überleben. Ganz sicher.
»Guten Abend, Kaito.«
Harry erschrak und wirbelte herum. Durch das schwache Licht, das aus Hagrids Hütte zu ihnen schien, konnte er die zierliche Gestalt des blauhaarigen Mädchens ausmachen. Die lilafarbenen Augen waren natürlich auf ihn geheftet, was ziemlich unangenehm war. Da es am heutigen Abend ziemlich kalt war, hatte das Mädchen einen Mantel an, sowie Harry selbst. Ihre Kätzchen waren nicht dabei, was ihn auch nicht wunderte.
»Ich erinnere mich daran, dir meinen Namen genannt zu haben. Damals, im Zug.«
»Oh, ich auch. Harry, nicht wahr?«
»Genau.«
»Wenn es dir nichts ausmacht, werde ich dich trotzdem Kaito nennen. Ich finde, das trifft ganz gut auf dich zu.«
»Phantom-Dieb? Du hast doch gewusst, dass ich das Buch gestohlen hab. Vermutlich waren es deine Katzen, die sich an meiner Hauselfe vorbei geschlichen und das Buch aus meiner Wohnung gebracht haben. Liege ich da richtig?«
»Ja, gar nicht mal so schlecht«, gestand das Mädchen ein und drehte sich dann zum See. »Lust auf einen Spaziergang?«
»Moment«, sagte Harry mit einem abgehackten, humorlosen Lachen. »Du erpresst mich damit, meine Nachbarn zu töten und fragst mich dann, ob ich Lust auf einen Spaziergang habe? Wo ist da die Logik? Spuck's doch gleich aus, was du wissen willst. Ich bin doch wegen den Verhandlungen hier, oder?«
»Das Gespräch könnte länger dauern und da es mir langsam kalt wird, bevorzuge ich es, mich zu bewegen«, sagte die Blauhaarige kühl und lief einfach los. Harry legte seinen Kopf in den Nacken und atmete tief ein, bevor er dem Mädchen, Roxane, erinnerte er sich, folgte.
»Woher wusstest du, dass ich das Buch gestohlen habe?«, fragte Harry, als er sie eingeholt hatte.
»Es liegen mehrere Zauber auf dem Buch. Einer zeigt mir, genau zu dem Zeitpunkt, in welchem das Buch geöffnet wird, den Aufenthaltsort, wo es passiert. Ein anderer ist, wie du dir sicher denken kannst, der Auslöser für das Zeichen auf deinem Rücken.«
»Geht das irgendwann wieder weg?«, brummte Harry missmutig.
»Nein«, grinste Roxane schadenfroh. Dann runzelte sie die Stirn und sah ihn finster an. »Du hast die Schmerzen verdient, ich hoffe, das weißt du. Dieses Buch ist sehr wichtig, es darf niemals in die falschen Hände geraten. Mein Mentor hat nicht ohne Grund Lord Voldemort klar gemacht, dass er ihm nie helfen würde.«
»Dein Mentor? Du meinst sicherlich Quintus Turner, oder?« Roxane nickte. Harry konnte ihr deutlich ansehen, dass sie an dessen Tod schwer zu knabbern hatte. »Nur, damit du es weißt, ich hab ihn nicht getötet. Er war schon tot, als ich gekommen bin.«
»Ich weiß«, gab die Blauhaarige zu und blieb stehen, als sie direkt vor dem See standen. Sie starrte ohne eine emotionale Regung im Gesicht auf die schwarze Wasseroberfläche. »Er hat mich, zwei Tage vor seinem Tod, weggeschickt. Ich sollte ihm etwas besorgen. Jetzt weiß ich, dass ihm bewusst geworden war, dass er in den nächsten Tagen sterben wird. Er hat mir einen Brief hinterlassen.« Harry bemerkte aus den Augenwinkeln, wie sich die zierlichen Hände des Mädchens zu Fäusten ballten.
»Er war so ein hirnloser Bastard. Dadurch, dass er mich schützen wollte, hätten wir fast das Buch verloren.« Sie sah zu dem Nymph auf und starrte ihn grimmig an. »Ich bin dir für deine Neugierde dankbar, Kaito. Wer weiß, was passiert wäre, hättest du Voldemort gleich das Buch gegeben.«
»Ich denke nicht, dass er die magischen Wesen getötet hätte«, runzelte Harry seine Stirn. »Dafür kämpft er zu sehr für ihre Rechte.«
»Ich weiß es nicht«, gestand Roxane und sah wieder zum See. »Und deswegen misstraue ich ihm.« Harry nickte verstehend. Dagegen konnte er nichts sagen, hatte er Tom doch auch so misstraut. Er hatte ja selbst gedacht, dass sein Freund bereit dazu war, die magischen Wesen zu töten, sollten sie sich ihm nicht anschließen. Doch mittlerweile wusste er, dass Tom nicht aus Spaß mordete. Es gab immer einen Grund. Und nur, dass die Wesen sich aus dem Krieg raus hielten, war nicht einmal Tom Grund genug.
»Du bist einer seiner Todesser, nicht wahr?«
»Es würde nichts bringen, es abzustreiten, oder?«, stellte Harry eine Gegenfrage.
»Natürlich nicht. Ich weiß ja, dass du bei den Verhandlungen dabei warst. Du sollst übrigens eine gute Arbeit beim Dolmetschen gemacht haben. Sagen zumindest meine Quellen.«
»Danke. Mich würde nur interessieren, wer deine Quellen sind.«
Roxane warf dem jungen Mann neben ihr einen amüsierten Blick zu. »Du glaubst doch nicht im Ernst, dass ich dir das wirklich sage, oder etwa doch?«
»Ein Versuch war es wert«, zuckte Harry mit seinen Schultern. Eine Weile war es still, ehe der Nymph weiter sprach: »Du bist gerade vollkommen anders als im Zug. Weniger... nervig.«
Roxane lachte amüsiert auf. »Ich war der Ansicht, dass du einem naiven, kindlichen Mädchen mehr verraten würdest, als jemanden wie... nun... mir.«
»Stimmt«, nickte Harry. »Du wirkst ziemlich gerissen.«
»Ich sehe das als Kompliment an.«
»Wie du willst.« Harry sah zu dem zunehmenden Viertelmond empor. »Du wolltest über die Verhandlungen reden. Was genau willst du wissen?«
»Du scheinst nicht besonders viel Wert auf meine Anwesenheit zu legen, Kaito.«
»Du hast mich mit der Erpressung, meine Nachbarn umzulegen, hier her zitiert«, erinnerte Harry sie. »Natürlich lege ich nicht besonders viel Wert auf deine Anwesenheit. Ganz abgesehen davon, dass ich das Gefühl habe, verdammt unwissend zu sein. Ich weiß vieles nicht über dich, was du über mich weißt. Warum besitzt du das Buch, für was genau ist es, wie bist du auf das Hogwartsgelände gekommen, woher weißt du so viel und weshalb interessiert dich das alles so brennend. Und die wichtigste Frage ist wohl: Wer bist du?«
»Roxane, weißt du doch.«
»Ich kenne deinen Vornamen, aber mehr auch nicht. Aber da ich bezweifle, dass ich auf irgendeine dieser Fragen eine Antwort bekomme, stelle ich sie erst gar nicht.« Harry wandte seinen Blick vom Mond ab und sah auf das Mädchen, das neben ihm stand, runter. »Also, was willst du wissen, Roxane?«
»Wie genau hat Voldemort die Vampire dazu gebracht, den Vertrag zu unterschreiben? Wenn ich mich recht erinnere – und daran hege ich keinen Zweifel –, dann waren sie, seit er auf der Bildfläche erschienen ist, recht misstrauisch.«
»Er hat die Wahrheit gesagt«, erwiderte Harry schlicht. »Dieser Krieg ist nötig, wenn die magischen Wesen nicht weiterhin unterdrückt werden wollen. Ich glaube, der ausschlaggebende Satz, der sie umgestimmt hatte, war der, in dem Voldemort angemerkt hat, dass er im Gegensatz zu ihnen auch etwas gegen die Unterdrückung unternimmt. Ich hatte das Gefühl, als würde das gehörig an ihrem Stolz kratzen.«
Roxane grinste leicht. »Vampire sind in der Tat stolze Wesen. Meistens wird ihr Stolz ihnen zum Verhängnis.« Sie drehte sich um, in Richtung des Verbotenen Waldes. »Aber das ist nicht mein Problem. Die sind viel älter als ich und dementsprechend weise sollten sie eigentlich sein. Man kann mir überhaupt nichts vorwerfen.«
»Warum sollte dir jemand etwas vorwerfen?«, erkundigte sich Harry, während er seine Stirn runzelte.
»Mh... Ich denke, diese Frage gehört zu denen, die ich nicht beantworte«, offenbarte die Blauhaarige und ging auf den Verbotenen Wald zu.
»Das war's?«, fragte Harry überrascht. »Wegen dieser Frage wolltest du mich treffen?«
Roxane stoppte und drehte sich langsam um. Sie schien nachdenklich zu sein. »Jetzt wo du es sagst, ich hab auch noch eine andere Frage, die ich dir gerne stellen würde. Die Vampire waren nicht die einzigen Wesen, denen Voldemort nicht besonders vertrauenswürdig vorkam. Nymphen waren da noch schlimmer. Ist es immer noch. Jeder Nymph in England würde nicht einmal im Traum daran denken, sich Voldemort anzuschließen. Sie sind ein friedliebendes Volk und hassen Krieg. Deshalb stehen sie, wenn überhaupt, eher zu Albus Dumbledore.«
Harry verkrampfte sich leicht. »Was genau willst du mich jetzt fragen, Roxane?« Kam es ihm nur so vor oder schwang in seiner Stimme tatsächlich etwas Unsicherheit mit?
»Warum? Warum bist du Voldemort beigetreten? Du hast nur einen winzigen Anteil von einem Menschen in dir. Ich bin ehrlich verblüfft.«
»Woher weißt du, dass ich ein Nymph bin?«, knirschte Harry mit seinen Zähnen.
»Sagen wir einfach, ich habe einen sechsten Sinn dafür.«
»So? Nun, ich werde dir diese Frage beantworten. Der größte Fehler meines Lebens war Dumbledore zu vertrauen. Ich weiß, vermutlich besser als jeder andere, dass, sollte Dumbledore diesen Krieg gewinnen, die Unterdrückung der magischen Wesen eine neue Bedeutung annimmt. Sie wird größer sein als je zuvor. Wer weiß, vielleicht kommt es auch zum Massenmord. Es werden magische Wesen gejagt werden, ähnlich der Hexenjagd. Und ich werde alles tun, um das zu verhindern.«
»Was macht dich so sicher?«, fragte Roxane nach einigen Sekunden.
Harry lächelte leicht. »Ich werde es dir gleich tun und zu dieser Frage schweigen.«
Roxane nickte nur und wandte sich wieder dem Wald zu. »Man sieht sich, Kaito.«
»Warte«, hielt der junge Mann sie noch einmal auf. »Du hast in dem Brief erwähnt, dass du mich nur nicht zu töten versuchst, weil das Tattoo das Schriftzeichen für Phantom-Dieb darstellt. Ich verstehe es nicht.«
»Ah, ja, das ist in der Tat eine interessante Frage«, grinste Roxane amüsiert. »Aber die werde ich dir jetzt bestimmt noch nicht beantworten. Wir wollen ja nicht, dass du übermütig wirst, nicht wahr?« Sie zwinkerte ihm zu, bevor sie in der Dunkelheit des Waldes verschwand. Harry rümpfte beleidigt seine Nase. Er und übermütig. Pah!
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Harry murmelte das Passwort zu Toms Gemächern, bevor er die Türklinke runter drückte. Er wusste, dass Tom nicht da war, aufgrund eines spontanen Todessertreffens des Inneren Kreises. Deshalb musste er das Passwort sagen, um rein zu kommen. So war es bei jeder Wohnung eines Lehrers. Wenn diese nicht anwesend waren, war die Tür automatisch verschlossen.
Als er an Toms Sofa vorbei lief, schmiss er seinen Mantel über die Lehne und ging zu seiner Schultasche, die neben dem Couchtisch lag. Er zog seine Hausaufgaben raus und legte diese dann auf den Schreibtisch, den Tom sich hergezaubert hatte. Sorgfältig schob er Toms Unterlagen, vermutlich Lehrerzeug, auf die Seite. Dann legte er die unbeschriebene Pergamentrolle auf die frei Stelle und gleich daneben sein Verwandlungsbuch.
Nach einiger Zeit wurde das Feuer im Kamin grün, doch Harry bemerkte es nicht. Ebenso wenig, dass sein Freund aus dem Kamin trat und lächelnd auf ihn zuschritt. Er beugte sich über Harrys Schulter und las, was der Jüngere schrieb. Schlagartig verblasste sein Lächeln.
»Wer ist Roxane?«, fragte er mit einer Stimme, die Marmor schneiden könnte.
Harry schrie auf, sprang von dem Stuhl und wirbelte herum. Als er seinen Freund erkannte, entspannte er sich. »Verdammt, Tom! Ich hab fast einen Herzinfarkt bekommen!«
»Tatsächlich?«, sagte Tom desinteressiert. »Wer ist Roxane, Harry?«
»Hm?«, gab Harry von sich und warf einen Blick auf seine Hausaufgaben. Entsetzt las er den Namen Roxane, welchen er mehrmals geschrieben hatte. Er war so sehr in Gedanken an das Gespräch mit der Blauhaarigen gewesen, dass er lauten Mist zusammengeschrieben hatte.
»Also?«
»Es ist nichts, Tom.«
»Natürlich«, schnaubte dieser und tippte mit seinem Fuß mehrmals auf den Boden. »Und ich trage rote Unterwäsche.«
»Wirklich?«
»Harry!«, zischte Tom drohend.
»Okay, okay«, hob dieser seine Arme. Er wollte Tom nichts von Roxane sagen. Er wusste, dass es falsch wäre. Tom würde das Buch haben wollen, um die magischen Wesen zu kontaktieren. Und, bei Merlin, er wollte nicht noch einmal so ein Tattoo. Außerdem nahm er Roxanes Drohung ernst. Sie wäre sicherlich nicht erfreut, wenn er dem Dunklen Lord persönlich die eigentlich spärlichen Informationen, die er über sie besaß, weiter geben würde.
»Roxane ist eine Freundin aus Japan. Ich hab heute einen Brief von ihr erhalten, an den ich denken musste«, log Harry. Er hasste es, Tom anzulügen. In Gedanken entschuldigte er sich mehrere Male und schwor sich, es wieder gut zu machen.
»Und was stand in diesem Buch, dass du ihren Namen in deinen Hausaufgaben einfließen lässt?«
»Das ist nicht so wichtig, Tom.«
»Doch, das ist es. Los, sag schon!«
Harry runzelte seine Stirn. »Nein. So schon gar nicht.«
Toms Blick wurde finsterer, als er einen Schritt auf den Kleineren zu machte und somit genau vor ihm stand. »Zeig mir den Brief.«
Harry schnaubte wütend. »Ich lasse mir nur ungern etwas befehlen, Tom. Und in diesen Wänden sehe ich mich nicht als einer deiner Todesser, sondern als dein Freund. Ich muss dir nicht alles sagen, tatsächlich gibt es einiges, das du nicht weißt.«
»Sollte ich es denn wissen?«, knurrte Tom.
»Momentan nicht.«
»Fein!« Der Dunkle Lord starrte Harry wütend an, bevor er sich umdrehte und ins Schlafzimmer rauschte. Dort warf er die Tür mit einem lauten Knall ins Schloss. Harry rieb sich sein Nasenbein und seufzte. Das hatte er nicht gewollt. Er beschloss, gleich etwas dagegen zu unternehmen, anstatt, so wie er es im ersten Moment tun wollte, in die andere Richtung abzurauschen.
Sachte klopfte er an die Tür. »Tom?«
::Verschwinde!::, kam die zischelnde Antwort.
/Parsel. Toll. Er ist wirklich wütend/, schoss es Harry durch den Kopf.
»Mach bitte auf, Schatz.«
::Spare dir dein Schatz!::
»Okay«, sagte Harry langsam. »Denk dran, dass ich das nur ungern mache.« Von drinnen kam keine Antwort. Harry seufzte, machte einen Schritt zurück und hob seine Hand. Er winkte in Richtung der Tür. Mit seiner kurzen Bewegung schien sich die Luft im Raum zu bündeln, bevor sie mit einem Schlag gegen die Tür donnerte. Diese konnte dem Druck nicht stand halten und zersprang.
Harry trat über die Überreste in den Raum und erblickte sofort Tom, welcher auf dem Bett lag und verblüfft zu ihm sah, bevor er wieder wütend blickend sein Gesicht im Kissen vergrub.
Innerlich schwer seufzend setzte sich Harry auf das Bett und hob seine Hand. Er streichelte Tom sanft durch dessen schwarze Haarpracht, erhielt aber nur Schweigen und ein halbherziges Kopfschütteln. Doch das hielt ihn nicht davon ab, es ein paar Mal zu wiederholen.
»Tom«, fing er leise, fast flüsternd, an. »Ich würde es dir gerne erzählen. Am liebsten würde ich dir alles erzählen. Wo ich herkomme, wie ich gelebt habe, was mir alles in meinem Leben widerfahren ist. Aber es geht nicht. Jetzt nicht. Es würde sich falsch anfühlen.«
Der Dunkle Lord sagte immer noch nichts, weshalb Harry sich auf das Bett und nah an Tom legte. Er küsste das freie Stückchen Haut von Toms Nacken, an das er kam.
»Du weißt, dass ich dich liebe. Mehr als alles andere. Und ich werde es dir alles erzählen. Aber bitte, zwinge mich nicht es dir jetzt schon zu sagen.« Harry lehnte seine Stirn an Toms Schulter. »Bitte nicht.«
Tom seufzte tief und drehte sich um, damit er Harry in den Arm nehmen konnte. Dieser kuschelte sich sofort erleichterte an die starke Brust.
»Ich will dich zu gar nichts zwingen, Harry«, murmelte Tom. »Es verletzt mich nur, dass du mir anscheinend nicht vertraust.«
»Ich vertraue dir, Tom«, widersprach Harry sofort. »Und wenn es nur um mich ginge, würde ich es dir sagen. Aber es geht nun einmal nicht nur um mich. Es geht um so viele Menschen. Ich habe einfach Angst, alles falsch zu machen. Wieder alles zu versauen, nur wegen eines einzigen Fehlers.«
»Das verstehe ich nicht«, gestand Tom mit gerunzelter Stirn ein.
»Auch so ein Ding, das ich momentan lieber für mich behalten will«, nuschelte der Nymph und drückte sich näher an Tom, aus Angst, gleich wieder weggestoßen zu werden. Doch sein Freund schwieg nur und blieb in dieser Position liegen.
»Okay«, sagte er schließlich. »Ich warte, bis du dazu bereit bist. Nur... Warte nicht zu lange. Ich liebe dich.« Tom schwenkte seinen Zauberstab, worauf sie nur noch in Boxershorts da lagen, und zog den jungen Mann näher an sich.
»Ich dich auch«, murmelte der Jüngere leicht schläfrig und war froh, das aus der Welt geschafft zu haben. Merlin sei Dank hatte er sich gleich darum gekümmert, Tom wieder zu versöhnen. Er wollte gar nicht daran denken, dass er gerade jetzt irgendwo versucht hätte, einzuschlafen ohne Tom an seiner Seite und zu wissen, dass dieser sauer auf ihn war. Lieber kuschelte er sich noch näher an Tom – mittlerweile passte kein Haar mehr zwischen sie – und schlief ein.
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Als Harry am nächsten Morgen aufwachte, war er alleine im Bett. Verschlafen strich er sich über seine Augen und torkelte aus dem Raum, um heraus zu finden, warum Tom nicht neben ihm lag und ihn im Arm hielt. Als er im Wohnzimmer stand, konnte er seinen Freund an dessen Schreibtisch erkennen, wo er gebückt über ein Pergament saß. Harry schlich näher.
»Guten Morgen, Harry«, sagte Tom, ohne aufzublicken. Harry zog einen Schmollmund.
»Ich hab doch gar keine Geräusche gemacht.«
Der Dunkle Lord tippte sich auf die Nase. »Vampirsinne, Harry. Vampirsinne. Du riechst gut.«
»Hmpf, danke«, brummelte Harry und legte seine Arme um Toms Hals, ehe er diesem über die Schultern sah. Empört bemerkte er, dass Tom jedes 'Roxane' vollkommen übermalt und seinen Aufsatz verbessert, sowie fast fertig geschrieben hatte.
»Das darfst du nicht, du bist Lehrer.«
Tom warf Harry einen kurzen Blick zu. »Ich bin Lord Voldemort. Der Dunkle Lord. Der, dessen Name nicht genannt werden darf. Du weißt schon wer. Und so weiter, und so fort. Glaubst du, mich jucken irgendwelche Regeln?«
»Anscheinend nicht.« Harry sah auf Toms Armbanduhr und bemerkte, dass er gehen sollte, wenn er Bellatrix nicht über den Weg laufen wollte. Er hauchte Tom einen Kuss auf dessen Wange und richtete sich auf, ehe er ins Bad huschte.
Nach einiger Zeit kam er mit geputzten Zähnen, nassen Haaren und frisch geduscht wieder raus. Er ging in Toms Schlafzimmer und bemerkte dabei gar nicht, dass dieser ihm hinter her starrte. Das kurze Handtuch, welches sich Harry um die Hüften geschlungen hatte, war aber auch zu aufreizend. Es bedeckte nur das nötigste. Eigentlich bedeckte es zu viel, zumindest war das Toms Meinung.
Als Harry die Tür des Schlafzimmers hinter sich geschlossen hatte, wandte Tom seinen starrenden Blick ab und sah nachdenklich auf die Hausaufgaben. Vielleicht sollte er Harry endlich mal den Tanga geben, den er in dem Muggelkaufhaus ohne dessen Wissen gekauft hatte. Bisher war keine gute Gelegenheit dafür gekommen – Harry schien das gute Stück nicht besonders zu mögen – und deshalb lag es immer noch in seinem Koffer. Langsam sollte er es ihm wirklich geben. Vielleicht lernte er ja, es zu mögen. Tom würde es wirklich begrüßen.
»Ich geh dann«, sagte Harry, welcher gerade aus dem Schlafzimmer trat. Tom sah zu ihm und verdrängte den Tanga aus seinen Gedanken, bevor man ihm diese noch ansehen konnte.
»Okay.«
Der Nymph ging auf den Älteren zu und drückte ihm lächelnd einen Kuss auf die Lippen. »Lieb dich.«
»Ich dich auch, Kleiner.«
Noch ein schneller Kuss und Harry flitzte aus dem Raum. Er musste sich beeilen, wenn er Bellatrix noch aus dem Weg gehen wollte. Und das wollte er definitiv.
Als er im Gemeinschaftsraum war, konnte er gleich erkennen, dass alle Mühen umsonst waren. Bellatrix saß, mit leichten Augenringen, in einem der Sessel am warmen Kamin und klopfte ungeduldig mit ihren Fingern auf die Lehne. Als sie Harry erblickte, sprang sie auf und stand keine Sekunde später gefährlich nah vor dem jungen Mann.
»Wo warst du?«, zischte sie wütend.
Die Augen verdrehend schob Harry sie aus dem Weg. »Geht dich nichts an.«
»Ich bitte dich!«, fauchte die Black erbost. »Ich hab die ganze Nacht kein Auge zu getan, weil ich auf dich warten wollte! Übrigens hat Zabini gesagt, dass du, außer der ersten Nacht, niemals im Schlafsaal warst. Sieht man mal davon ab, dass du immer deine Schulsachen holst. Es geht mich sehr wohl etwas an! Wo steckst du jede verdammte Nacht?! Das ist doch nicht mehr normal!«
Harry blieb stehen und drehte sich mit verengten Augen zu dem Mädchen um. »Zum allerletzten Mal, Black: Es geht dich überhaupt nichts an, wo ich über Nacht bin! Es ist nicht so, als würde Slytherin wegen mir Hauspunkte verlieren, oder? Es ist besser für dich, wenn du es nicht weißt. Sei nicht so neugierig! Du solltest wissen, dass das tödlich enden kann!«
»Drohst du mir, Shorai?«, flüsterte Bellatrix bedrohlich und kam wieder näher.
»Nein, Black«, schüttelte Harry seinen Kopf. »Ich will dich nur warnen. Würde ich nicht wissen, dass dein Vater ihm treu ist, würde ich sagen, er wäre in Gefahr. Eben, weil er Dinge weiß, die er nicht öffentlich machen will.« Bellatrix brauchte nicht fragen, wen er mit 'ihm' und 'er' meinte. Sie wusste es auch so. Schnell sah sie sich im Gemeinschaftsraum um, doch sie waren alleine. Natürlich waren sie alleine. Es war schon seit Stunden, außer Bellatrix, keiner im Gemeinschaftsraum gewesen.
Mit großen Augen sah sie schließlich wieder zu Harry. »Du bist also doch ein Todesser?« Es war nur ein Wispern, doch der junge Mann hatte es verstanden. Er schob seinen Ärmel hoch und zeigte das Tattoo auf seinem Unterarm. Bellatrix runzelte die Stirn. Natürlich wusste sie, wie das Dunkle Mal aussah, und das sah definitiv nicht so aus. Verwirrt sah sie wieder auf. Doch Harry drehte sich um und ging die Treppen zu seinem Schlafsaal hoch. Es war ihm egal, welche Schlüsse Bellatrix daraus zog. Solange sie aufhörte, sich in seine Angelegenheiten einzumischen.
