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„Da kommen noch mehr!"

Mein Kopf fliegt hoch. Noch mehr? Aber ja, da kommen sie. Ich habe ziemlich lange mit (oder gegen) die Urgals gekämpft. Diese Orks sind kein Bisschen zahmer.

Die Urgals waren zwar anfangs äußerst blutrünstig, aber durchaus bereit für eine Änderung.

Die Orks sind blutrünstige Bestien. Die Warge ebenso.

Ich habe schon in vielen Schlachten gestanden, aber noch keine davon war derart unausgeglichen wie diese hier. Es steht so ungefähr… Moment, ich schätze das mal kurz ab… so in Etwa… ich glaube sieben… gegen ein paar hundert. Hey, das klingt doch ziemlich fair! Die meisten von uns haben noch nie vorher jemanden getötet. Kein Problem. Hey, die Kerle würden jeden von uns am liebsten zum Abendessen einladen. Als Hauptgericht. Alles gut.

Ich springe hektisch zur Seite und entgehe der Kopflosigkeit nur um wenige Millimeter. So schnell ich kann, wirble ich herum und schlage Brisingr in den Hals meines Gegenübers.
Ich befinde mich in einem immer enger werdenden Kreis aus Orks, zum Glück ohne Warge, die nach meinem Blut gieren.

Normalerweise würde ich hierbei relativ gelassen bleiben. Wieso also nicht? Weil meine Schutzzauber komplett ausgeschöpft sind.
Ich habe kurz nach Beginn des Kampfes einige von ihnen über meine Kameraden gelegt. Sie sind ziemlich gut darin, Treffern zu entgehen, aber die Bogenschützen der Orks halten uns schon ganz schön bei Laune. Inzwischen sind die Zauber wirkungslos und man kann deutlich sagen, dass wir den Kürzeren ziehen.

Ein plötzliches Geräusch lässt mich entsetzt herumwirbeln. Einer der Orks steht mit erhobener Keule vor mir. Ich kann ihn nicht rechtzeitig aufhalten. Ich setze zu einem Zauber an, aber meine Stimme versagt.

Der Ork erstarrt. Ein Pfeil steckt in seinem Nacken. Ich kann sehen, wie Legolas seinen Bogen fallen lässt und zu seinen Dolchen greift. Der Elb wirkt schon ziemlich fertig. Er hat Blutspuren überall auf seiner Kleidung.

Vermutlich sehe ich nicht besser aus.

Ein Schild käme mir jetzt sehr gelegen.

Ein Aufschrei dringt zu mir durch. Zu hell für eine der Bestien!

„Rin!"

Augenblicklich kämpfen wir uns auf ihn zu. Rin muss einem der Schützen zu sehr ins Auge gefallen sein. Ein Pfeil steckt in seiner Brust, viel zu zentral… Percy ist der erste, der ihn erreicht. Der Sohn des Meeresgottes fällt neben unserem jungen Freund auf die Knie und sucht nach einem Puls.

Eine Bewegung sticht mir ins Auge. Im Gebüsch zieht ein Ork einen Pfeil aus dem Köcher und legt ihn viel zu gelassen auf die Sehne. Er weiß, dass er treffen wird.

„Achtung!" Auch Chase und Legolas haben es bemerkt. Percy folgt den Blicken und erstarrt. Der Ork grinst und lässt die Sehne los.

Eine Wand aus roter Energie zerschmettert den Pfeil in der Luft. Ich sehe genauer hin – keine Wand.
Nur ein unglaublich breiter Energiestrahl. Nicht nur der Pfeil, sondern auch der Schütze wird davon erreicht. Der Ork stößt ein markerschütterndes Heulen aus. Die Wucht der optischen Strahlen zerfetzen seinen Körper zu Staub.

„Eragon!" Scott wirbelt zu mir herum. „Ein Heilzauber! Sofort!"

Ich hechte durch die wenigen Orks, die sich bereits wieder gefangen haben hindurch. Die meisten von ihnen geraten langsam aber sicher in Panik. Dass wir keine gewöhnlichen Gegner sind, scheinen sie nicht übersehen zu können.

Ich schlage die letzten Gegner zur Seite und sinke neben Rin auf die Knie. Der Junge stöhnt leise. Percy hat den Pfeil bereits aus seinem Körper entfernt und versucht, den Blutfluss zu stoppen.
Eine Hand legt sich auf meine Schulter. Scott hatte sich scheinbar kurz zurückziehen können. „Schaffst du das?"
Ich mustere die Wunde genauestens. „Ich kann sie schließen, aber damit hört es auch schon auf. An dem Pfeil war Gift."
Scott runzelt besorgt die Stirn.
Ich werfe einen kurzen Blick zu den noch kämpfenden und sehe dann beide Jungen an. „Haltet mir den Rücken frei."
Percy nickt und steht auf. „Ich hab noch ein paar Tricks auf Lager. Vielleicht wäre jetzt der richtige Zeitpunkt für ein Ablenkungsmanöver."
Scott stellt keine Fragen. „Sieh nur zu, dass keiner der anderen in der Schusslinie steht!"
„Klar! Weiß aber nicht, wie lange ich das durchhalten kann..."

Percy stürzt wieder auf die Orks zu, jetzt umhüllt von einem Tornado. Er springt mitten in ihre Reihen und schlägt wie ein Irrer um sich.
Es ist eventuell nicht die klügste Lösung. Aber es reicht fürs Erste.

Das Gift in Rins Wunde verhindert eine vollständige Heilung. Ich verhindere die Verbreitung der Substanz in seinem Blut und sehe Scott an. „Mehr kann ich nicht tun."
Er nickt. „Bleib bei ihm."

Trotz meiner Erschöpfung erstelle ich einen magischen Schutzwall um uns herum.

Jetzt steht es also Fünf gegen etwa 200. So langsam scheinen wir es in den Griff zu kriegen.

Legolas Art zu kämpfen kommt einem Tanz gleich. Er bewegt sich grazil und unhaltbar zwischen Orks hindurch, die unter seinen Klingen fallen wie Blätter. Nach jahrtausendelanger Übung schien ihm der Kampf deutlich weniger abzuverlangen als den Anderen. Trotzdem scheint er sich in einer recht verzwickten Lage zu befinden. Die Orks um ihn herum brüllen irgendwelche Worte in einer seltsamen Sprache. Ihre Worte klingen hart. Wann immer eines dieser Wörter an die Ohren des Elben gelangt, scheint er Schmerzen zu haben.

Er wird von Chase unterstützt. Der Junge hat einen leuchtenden Stab in der Hand und wirkt schon relativ erschöpft, kämpft aber trotzdem wie ein Verrückter.
Die beiden arbeiten recht gut zusammen, decken sich gegenseitig.

Wieder ein Schrei, der von einem von uns stammen muss!
Aus dem Augenwinkel sehe ich ein rotes Licht. Sekundenbruchteile später stürzen Scott und Percy mit einem blutenden Carter zwischen sich zu uns.

„Legt ihn hier her!", weise ich sie scharf an.

Auch Legolas und Chase ziehen sich jetzt zu uns zurück.

„Das sind zu viele!", ruft Chase panisch. „Wir brauchen irgendetwas, um die für einen noch so kurzen Moment aus der Bahn zu werfen!"

Er hat Recht. Eine Verwirrung auszulösen könnte uns einen riesigen Vorteil verschaffen. Anscheinend sehen das alle so.
Scott sieht wieder zu Percy. „Du sagtest, du hast noch einen solchen Trick drauf! Jetzt wäre ein guter Moment!"

Percy nickt. „Danach bin ich aber auf jeden Fall raus. Ich zeige euch, warum man Poseidon den Weltenrüttler nennt!"

Er schließt die Augen und konzentriert sich. Ein paar schreckliche Sekunden passiert nichts. Dann bebt die Erde.

Risse ziehen sich durch den Boden und verschlingen einige unglückliche Orks, die zur falschen Zeit am falschen Ort waren. Der Rest weicht zutiefst verstört zurück.

Percy stößt einen erstickten Laut aus und sinkt zu Boden. Das Beben verebbt.

Ehe die Orks sich wieder fangen können, schleudert Chase einen seiner leuchtenden Energiebälle auf sie. Er wird im Flug größer und mäht eine nicht zu verachtende Spalte in ihre Reihen.

Augenblicklich folgt auch Scotts Energiestrahl, mit dem selben Ergebnis.

Legolas springt wieder vor, jetzt mit neuem Elan, und dem Wunsch, zu töten.

Ich vergleiche kurz den aktuellen Stand der Dinge. Es wird Zeit, das hier zu Ende zu bringen! Ich erstelle die stärksten Schutzzauber die mir bekannt sind um die Verletzten herum und hole mein Schwert wieder hervor. Die Schlacht ruft.

Ein paar der wenigen noch lebenden Orks rennen auf mich zu. Ich entschließe mich, kurzen Prozess zu machen. Ich greife in die Energie meiner Umgebung und rufe den Namen meines Schwertes. „Brisingr!"

Mit einem Schlag wird die Klinge von Flammen umhüllt. Die Orks zucken zurück, aber ich lasse sie nicht entkommen. Meine Klinge schlägt durch ihre Schilder, durch ihre Rüstungen und bringt jedem einzelnen den Tod.

Meine Kameraden sind nicht weniger aktiv.

Einmal meinte ich, Scott ebenfalls schreien zu hören, aber die roten Blitze schlagen immer noch regelmäßig ein.

Irgendwie hat sich die Zahl unserer Gegner auf etwa 15 bis 20 reduziert.

Als Chase ein weiteres Kraftfeld zu verkleinern beginnt, brüllt einer von ihnen den anderen etwas zu. Der Befehl zum Rückzug! Ich setze dazu an, sie zu verfolgen, werde aber von Scott zurückgerufen. „Das ist es nicht wert."

Ich sehe die anderen an und suche nach Verletzungen.

Jeder von uns hat mindesten eine halbe Millionen Schrammen und kleinere Verletzungen. Legolas Tunika ist an der Seite blutig, wohl von einem Schwerthieb. Chase humpelt ziemlich stark, ich erinnere mich vage daran, dass einer der Orks ihm eine Keule in die Hüfte geschlagen hat.
Scott hatte weniger Glück. Einer der Warge hat ihn von hinten angesprungen. Seine Reaktion war gerade noch schnell genug, um dafür zu sorgen, dass sich die Bestie lediglich in seiner Schulter verbissen hatte. Schmerzhaft schien es trotzdem zu sein.

Einen Moment war es still, dann sagte Scott leise: „Wir sollten uns um unsere Wunden kümmern und uns ausruhen. Der nächste Angriff kommt bestimmt."