Liebe Leser des Sprengkommandos!
Fünf Reviews! Ich fühle mich geehrt und verneige mich vor den Verfassern. Euch meinen herzlichsten Dank! Im einzelnen waren das:
Queen Jane: Du hast so recht: Im Schnee einschlafen ist überhaupt nicht gut! Und wird auch böse enden (aber pst! das ist – noch - ein Geheimnis!)
Snape hat die Explosion nicht bewusst herbeigeführt, nein, nein. Dennoch, seine Gründe warum er sich verhält, wie er sich verhält, wird er bald offenlegen. Aber noch nicht heute!
soror noctis: Ja, unser finsterer Kerkermeister! Als Wonneproppen wollen wir ihn doch alle nicht sehen! Er wird bleiben, wie er nun mal ist. Aber bemühen darf er sich doch, oder?
Dragonix712: Das ungerechte Leben! Ja, bis jetzt ist es ungerecht. Und wird immer ungerechter. Aber wir haben hier eine Geschichte mit Happy End! Da ändert sich alles noch!
MarquisdeMalfoy: Lob aus dem Mund (bzw. den Fingern) eines Deutschlehrers! Das sind Komplimente! Herzlichen Danke! Ja, es sind noch einige Kapitel, also, viel Spaß dir!
Miss Haleluia: Danke für dein Lob, danke, dass du Freude beim Lesen hast. Genau das soll die Geschichte nämlich: unterhalten!
Euch anderen (teilweise durchaus internationalen) Lesern sei für eure Lesertreue gedankt!
Viel Spaß heute mit dem neuen Kapitel!
Eure Feuerbohne
12. Mordgelüste
Dienstag:
„Hier hab ich einen neuen Stapel", Snape reichte mir die Blätter.
„Wo finden Sie die denn immer?", fragte ich und sah sie flüchtig durch: neue Berechnungen.
„Pflücken Sie die von Bäumen?"
Snape grinste, „Dumbledore bringt sie. Aber diesmal hat er dazu gesagt, dass es der letzte ist."
Ich nickte, hob die Blätter hoch: „Und danach? Ende der Kerkerhaft?"
„Hätten Sie das gerne?"
„Sie sollen nicht mit einer Gegenfrage antworten", ich schüttelte den Kopf, „ich hab zuerst gefragt."
„Ich könnte Ihre Hilfe brauchen", begann er zögerlich.
„Wenn Ihre Anfrage auf Trankbrauerei hinausläuft, dann tun Sie sich mit mir keinen Gefallen."
„Warum?"
„Ich habe in meinem Leben noch keinen Trank gebraut."
Sein Blick war Verwunderung pur. „An welcher Schule waren Sie denn?"
Ja, klar. Es gibt in ganz Europa keine Schule für Hexen und Zauberer, an der NICHT Zaubertränke unterrichtet wird.
Ich konnte sehen, wie es hinter seiner Stirn arbeitete und er sich fragte, ob ich aus dem fernen Ausland käme.
„Ich bin aus England", klärte ich ihn auf „und hab das Land noch nie verlassen, außer zum Urlaub machen. Da war ich einmal auf den Kanaren und einmal in Italien."
Jetzt war sein Blick völlig ratlos.
„Ich war nie auf einer Zaubererschule", klärte ich ihn auf und erzählte flugs von meiner Schulkarriere.
„Aber Sie können kochen?", fragte er.
„Was hat denn das mit Zaubertränken zu tun?"
„Schnippeln und quetschen nach Rezept", sagte er, „mehr ist das nicht."
Vielleicht probier ichs ja mal!
„Morgen bin ich nicht da", sagte er.
Huch, es war noch nicht zehn Uhr. Was war denn jetzt los? Verwundert sah ich ihn an.
„Sie sehen müde aus."
'Ich sehe heute nicht müder aus als Gestern und Vorgestern. Ehrlich.'
„Ich bin müde."
„Dann machen wir Schluss für heute."
'????'
„Soll ich diese Sachen mitnehmen und morgen weitermachen?", fragte ich und schwenkte die Papiere.
„Wenn Sie wollen."
Ja, ich wollte. Sehr sogar. Ich liebe Mathematik, ehrlich. Aber wenn ich wochenlang immer wieder ähnliche Berechnungen machen darf, dann wird das doch irgendwann einmal langweilig.
Diesen Punkt hatte ich bereits vor einiger Zeit erreicht, ihn aber nicht weiter beachtet. Als Snape jetzt sagte, dass ein Ende in Sicht sei, wollte ich keine Verzögerung mehr haben. Ich wollte es ein für allemal hinter mich bringen.
Also her mit dem Zeug und noch einmal tüchtig hineingekniet!
Dass seine Stimme alles andere als begeistert geklungen hatte, fällt mir erst jetzt auf, beim aufschreiben.
„Gute Nacht", sagte er, als ich das Büro verließ.
„Viel Spaß morgen", erwiderte ich und wunderte mich über sein Schnauben.
Aber da war ich schon ums Eck.
Der Mittwoch brachte jede Menge Schnee.
Dafür war es nicht mehr so kalt, wie die Tage zuvor.
Dennoch, ich rutschte aus und stürzte beinahe, als ich von meinem Hochsitz herunter krabbelte.
Heute fühlte ich mich nicht so gut wie sonst nach dem Nickerchen. Das trübe Wetter schien mir zuzusetzen.
Seit Tagen hatte sich die Sonne nicht mehr gezeigt. Und ich liebte es so sehr, sie auf meinem Gesicht zu spüren.
Ungelenk und mühsam stakste ich in den Nachmittag.
Als mein Klassenzimmer sich endlich geleert hatte, blieb ich und machte mich an meine selbst verordneten Hausaufgaben. Ich sah erst auf, als mein Magen nach Nahrung verlangte.
Huch, heute hatte ich ja frei und konnte in der Großen Halle essen! Das war schon sehr lange nicht mehr vorgekommen! Ich machte mich auf den Weg.
Es war – ganz nett. Ja, ehrlich. Dumbledore war da und nickte mir zu. McGonagall, Flitwick und Slughorn übersahen mich. Hagrid winkte, er ist ein wirklich netter Kerl.
Keine giftigen Blicke, kein peinliches Schweigen, kein Getuschel hinter meinem Rücken. Es war wirklich nicht so unangenehm, wie befürchtet.
Nur meine Stimmung war ein wenig gedrückt. Deshalb war ich froh, als ich nach dem Essen in mein Klassenzimmer zurück konnte.
Und da saß ich, bis ich gegen zehn Uhr fertig war. Ich konnte es kaum glauben und prüfte alle Blätter ein zweites Mal: Ich war fertig.
An zwei Tagen hintereinander vor Mitternacht ins Bett? Wo gab es denn das?
Sorgfältig ordnete ich alle Blätter aufeinander, schob sie auf meinen Arm, schnappte mein Tagebuch, das ich stets mit mir herumschleppte, löschte das Licht und machte mich auf den Weg in den Turm.
Ich würde jetzt gleich sämtliche Gryffindors mit meinem Erscheinen schockieren.
Das war mir schon gestern gelungen, als ich gegen halb elf durch das Portraitloch in den Gemeinschaftsraum gestiegen war. Um diese Zeit herrscht da nämlich noch Hochbetrieb.
Die Überraschung gelang mir auch heute und ich hatte die Ehre, zu den Klängen peinlichen Schweigens den Raum Richtung Treppe zu durchqueren.
Kaum dort angelangt, begann verhaltenes Gezischel.
„Was macht die heute schon wieder so früh hier?"
Der Schlafsaal war noch ganz leer. Ich verstaute die Blätter im Schrank, warf meine Aufzeichnungen aufs Bett und mich gleich hinterher. Vorhänge zu.
So, jetzt hatte ich ein klitzekleines bisschen Privatsphäre. Ich zückte meinen Stift, schlug mein Tagbuch auf und begann mit meinen Aufzeichnungen.
„Professor Spottiswood?"
Ich hob den Kopf, hatte da jemand gerufen?
„Professor?"
Ich lugte durch den Vorhang. Hermine Granger stand davor.
„Sie, Sie haben Besuch. Unten."
Ich muss so erstaunt ausgesehen haben, dass sie errötend hinzusetzte:
„Ich weiß nicht, wer es ist. Ihr Besuch steht draußen, im Korridor vor dem Bild. Er hat Neville beauftragt Sie zu holen. Aber Sie wissen ja, die Jungs können hier nicht rein!"
„Danke", sagte ich und lief zur Treppe.
Wer sollte mich besuchen? Noch dazu in der Nacht?
Im Gemeinschaftsraum war es völlig still, obwohl absolut jeder Sitzplatz besetzt war.
Mit wachsender Begeisterung und leicht zähneknirschend durchquerte ich ihn ein zweites Mal an diesem Abend.
Dieser Besuch musste einen sehr guten Grund haben, wenn er mich durch diese lauernde Stille jagte!
Mindestens vierzig Augenpaare folgten mir, als ich durch das Portraitloch stieg.
„Guten Abend", sagte Snape.
Ich hätte es wissen MÜSSEN!
Aus dem Gemeinschaftsraum drang nur Schweigen.
Snape mochte der Annahme sein, dass er bereits leer war. Ich aber wusste es besser, konnte die Schüler mit ihren zum Eingang hin gespitzten Ohren förmlich sehen.
„Ich wollte die Berechnungen holen", sagte er, als ich schwieg.
WIE BITTE? Er wollte die Berechnungen holen? ER WOLLTE BLOSS DIE BLÖDEN PAPIERE HABEN? War das die Möglichkeit? Er kam zum Gryffindor-Gemeinschaftsraum, in dem sämtliche Schüler versammelt waren, ließ mich aus dem Bett holen, weil er die Blätter haben wollte?
Ich kniff die Augen einen Moment zusammen, holte tief Luft.
Spontan wollte ich lauthals losschreien: „Was bilden Sie sich eigentlich ein? Mitten in der Nacht aufzukreuzen! Geht's Ihnen noch gut?", aber ich ließ es, weil ich mir lebhaft vorzustellen vermochte, was für ein gefundenes Fressen das für die Lauscher hinter mir war.
„Einen Moment", flüsterte ich, machte kehrt und kletterte wieder in den Gemeinschaftsraum, ging eiligen Schrittes hindurch, unter den stummen Blicken meines Publikums, stach die Treppen hoch, rannte in den Schlafsaal und riss die Papiere aus dem Schrank.
„Hier", ich knallte sie ihm in die Hand, schenkte ihm einen finsteren Blick, machte kehrt und stürmte ein fünftes Mal durch den Gemeinschaftsraum, in dem es immer noch auffällig ruhig war.
Am liebsten hätte ich gebrüllt vor Zorn.
So bloßgestellt hatte ich mich schon lange nicht mehr gefühlt! Wie konnte er nur!
In dieser Nacht hatte ich Mordgelüste!
Donnerstag:
Schon wieder so ein feuchter, trüber Tag!
Meine Laune besserte sich nur wenig, als ich nach draußen sah. Es schneite wässrige Schneeflocken.
'Sieh das Positive dran', mahnte ich mich, 'dafür ist es nicht so kalt.'
Meine Schüler aus Gryffindor grinsten heute wissend, als sie mein Klassenzimmer betraten.
'He, ihr wisst gar nichts! Gar, gar nichts!'
Aus lauter Ärger gab ich ihnen einen dreiseitigen Aufsatz als Hausaufgabe auf: 'Grundlage menschlicher Bedürfnisse: Diskretion und Zurückhaltung'.
Sollten sie selber sehen, wie sie damit zurecht kommen würden.
Gegen Mittag packte ich mich wieder gründlich ein und machte mich auf den Weg zu meinem alltäglichen Winterschläfchen.
Die Bank im Hochsitz war voller Schneematsch.
Sorgfältig wischte ich ihn weg. Jetzt war das Holz nur noch feucht. Aber das war unangenehm genug. Ich würde einen klammen Po bekommen.
Aber was half es, die Müdigkeit zwang mich auf meinen Stammplatz. Ich ruckte noch ein, zweimal herum, dann war ich eingeschlafen.
Jetzt muss ich meinen kleinen, giftgrünen und potthässlilchen Wecker einmal richtig loben: Er versieht seinen Dienst mit äußerster Zuverlässigkeit. Dabei wird seine Aufgabe immer schwieriger. Ich merke das daran, weil er immer ein wenig lauter und heftiger ist als am Vortag, wenn er mich endlich wach bekommen hat.
Hatte es anfangs gereicht, dass er anhaltend klingelte, so hüpfte er in letzter Zeit in meiner Tasche herum, quietschte, schrillte und tutete. Heute hat er mich sogar gezwickt!
Ja, er hatte immer noch eine Steigerung für mich parat! Aber er bekam mich immer wieder wach.
Anhand seiner sich verstärkenden Bemühungen merkte ich, dass sich mein Schlaf veränderte. Er wurde immer ohnmachtsähnlicher.
Ob ich deswegen mal zum Heiler soll? Zu Madam Pomfrey?
Die Stelle am Arm, in die mich der Wecker gekniffen hatte, zwickte noch immer, als ich mein Klassenzimmer erreicht hatte.
Ein Teil der Schüler war bereits da und lungerte auf den Tischen herum.
Es waren heute die Fünftklässler, die das zweifelhafte Vergnügen hatten, meinen lahmen Nachmittagsunterricht zu genießen.
Langsam füllte sich der Raum und als es gongte, wollte ich mit der Stunde beginnen.
In diesem Moment wurde die Türe zum Klassenraum aufgerissen.
Ein Siebtklässler aus Slytherin stand da, grinste und hielt mir einen Zettel hin:
„Hier", sagte er, „von Professor Snape."
Augenblicklich brach Schweigen aus und alle starrten zu mir.
Ich stöhnte innerlich. Musste das jetzt wirklich sein?
„Danke", sagte ich und schloss die Türe hastig. Jetzt musste ich wenigstens das süffisante Lächeln dieses Schülers nicht mehr sehen.
'Snape, warum tust du mir das an?', fragte ich mich, als ich den Zettel auffaltete.
'Fünf Uhr, S. S' ., mehr stand da nicht.
DESWEGEN schickte er mir einen grinsenden Schüler auf den Hals?
DESWEGEN stand ich jetzt einer feixenden Klasse gegenüber?
Weil er mich an etwas erinnerte, das ohnedies ausgemacht war?
Zorn kochte in mir hoch.
„Tut mir leid", sagte ich und beherrschte mich nur mühsam, „aber der Unterricht ist für heute Nachmittag abgesagt."
So, das hatte er jetzt davon. Ich schickte meine Schüler weg und verpasste ihnen und mir ein paar freie Stunden.
Ich wusste inzwischen, wann Snape unterrichtete und wann nicht.
Und genau diesen freien Nachmittag heute würde ich ihm versauen!!!
Da ich schon wieder wohlige Visionen davon habe, wie ich Snape den Hals umdrehe, schnappe ich mir zur Beruhigung erst einmal mein Tagebuch. Das sollte den größten Zorn abfangen!
Aber später werde ich zu ihm gehen und zur Minna machen.
Und danach habe ich immer noch einen freien Nachmittag und Abend! Und morgen will ich am Abend wieder frei und das ganze Wochenende!
Und wenn irgend jemand, aber ganze speziell dieser Herr auf die Idee kommen sollte, dass das aus irgendeinem Grund nicht möglich sein sollte, dann wird er aushalten müssen, was auch immer dann passiert!
UND ER KANN MIR MIT SEINEN BLÖDEN TRÄNKEN GESTOHLEN BLEIBEN, denn um die geht es ihm ja wohl!
Oder weiß er noch nicht, dass ich mit den Berechnungen bereits fertig bin?
Ist er nicht einmal in der Lage, selber in die Papiere zu sehen, um das festzustellen?
Ich weiß, er will mich in seinem Kerker sitzen haben, damit ich weiter und weiter arbeite und er mich weiter und weiter anstarren kann.
Aber jetzt hat er den Bogen überspannt. Ich will nicht länger irgendwelchem Gespött ausgesetzt sein. Ich will meine Ruhe.
Nein, ich will nicht nur meine Ruhe, ich will weg.
Mehr als acht Wochen hab ich jetzt hart gearbeitet. Jetzt muss mal Schluss sein. Ende oder zumindest Pause. Lange Pause.
UND ES MUSS AUFHÖREN, DASS ICH STÄNDIG UND IMMER BLOSSGESTELLT WERDE!
So, jetzt bin ich in der richtigen Stimmung. Auf zu Snape!
