Kapitel 13
Er hatte Granger um ein paar Minuten Ruhe gebeten und sie war nur allzu bereit gewesen, ihm diese Ruhepause zu gewähren. Er musste wohl völlig fertig aussehen.
Ja, sie hatte Snape tatsächlich angestrengt, die zunächst vergebliche Suche nach einer Unterkunft in Newtonmore. Es schien sich laut Beschilderung bei diesem Ort um ein Wanderparadies für Muggletouristen zu handeln. In drei Gasthäusern war es unmöglich gewesen, auch nur ein Zimmer zu bekommen. Im vierten hatten sie dann sogar zwei Zimmer kriegen können. Zwei, die auch noch direkt nebeneinander lagen.
Ein Blick hinein hatte Snape genügt um zu erfahren, warum es ausgerechnet hier möglich war, zu übernachten. Die Zimmer waren schäbig, verwohnt und dreckig.
Nein, er hatte sich nicht augenblicklich auf das durchgelegene Bett fallen lassen.
Er hatte seine Truhe geöffnet und das Denkarium auf den Tisch gestellt, um es dann zunächst regungslos zu betrachten. Nichts wünschte er sich sehnlicher, als dieser ganzen Geschichte entfliehen zu können. Er wollte nicht erneut Zeuge von Voldemorts grenzenloser Gewaltbereitschaft werden.
Frieden und Ruhe, war das zu viel verlangt?
Er hatte sich doch schon am Ziel seiner Träume gesehen. Er war bei ihr gewesen. Und Lily hatte ihn in die Welt zurück gestoßen, die ihm so verhasst war.
Der er verhasst war.
Das Erbe Voldemorts.
Er musste wissen, ob er hier an der richtigen Stelle suchte.
Es war naheliegend zweifellos. Doch er wusste sehr genau, dass die naheliegenste Lösung nicht immer die richtige war.
Er musste es finden. Und dann würde es enden.
Alles würde enden.
Und so war er in die Erinnerungen eingetaucht.
Erneut fand er sich auf der toten Lichtung wieder. Er kannte sie viel zu gut.
Die junge Frau stand zitternd vor Voldemort. Ihr Vater lag tot zu seinen Füßen.
„Zeugen sind gefährlich, meine Liebe."
Flüsterte er ihr entgegen, dann packte er sie am Arm. Sie schien unfähig weitere Gegenwehr zu leisten.
Sie liefen zur Festung. Snape folgte ihnen in die obere Etage mit den Wohnräumen, wo sie eines eines der Schlafzimmer betraten.
„Hier wirst du mein Kind zur Welt bringen."
Mit diesen Worten stieß er sie auf das Bett.
„Dir wird nichts geschehen, bis ich meinen Erben in den Händen halte.
Verschwende keinerlei Gedanken an eine Flucht. Das ist mein Reich, es unterliegt meinen Regeln.
Meine Anhänger gelangen nur auf meinen Ruf hin zu dieser Festung.
Und niemand, der nicht das Mal trägt, kann es aus eigener Kraft verlassen.
Solltest du es dennoch versuchen, zu Fuß, denn deine magischen Kräfte sind hier unwirksam, so werde ich dich finden.
Und du wirst es bereuen fortgelaufen zu sein."
Bei diesen Worten schloss sich die Hand, die immer noch um ihren Arm lag, so fest zusammen, dass die Frau einen kleinen Schmerzenslaut von sich gab.
„Einen Crutio brauchst du nicht zu fürchten. Niemals würde ich meinem Kind schaden.
Aber für den Fall, dass du ungehorsam bist, wird es mir eine Freude sein, dir einen Finger nach dem anderen zu brechen.
Hast du mich verstanden?"
Sie nickte stumm.
Voldemort ließ Ihren Arm los und ging in Richtung der Ausgangstür.
Als er sie erreicht hatte, drehte er sich noch einmal zu ihr um.
„Erwarte mich morgen wieder.
Wir wollen doch ganz sicher gehen, dass ich dich nicht umsonst verschont habe."
Die Umgebung verschwamm, veränderte sich.
Snape brauchte nur einen Wimpernschlag und er erkannte, was sich nun vor seinen Augen abspielte.
Er sah sich selbst in Malfoys Anwesen, gerade hatte er aus Hogwarts fliehen müssen.
Die Wut Voldemorts über das Versagen so vieler Todesser, hatte sich auf ihn entladen. Er hörte seine eigenen, längst vergangenen Schreie in einem verzerrenden Echo von den Wänden der Eingangshalle wiederhallen.
Voldemort war außer sich. Die Schreie wurden zunächst leiser, dann wandelten sie sich in ein klägliches Wimmern. Schließlich verstummten auch diese Laute.
Nur das Zittern seines gekrümmten Körpers zeugte noch davon, dass er nicht schon hier gestorben war - auf dem Fußboden, umringt von Todessern. Alle mit dem Bewusstsein, dass es einen jeden von ihnen hätte treffen können.
Schließlich ein Schwenk von Voldemorts Zauberstab und es war vorbei.
Snape blieb am Boden, er rührte sich nicht.
„Einzig unser bevorstehender Kampf hindert mich daran, einen jeden von euch zu bestrafen.
Ihr habt versagt."
Spie Voldemort seinen Anhängern mit bebender Stimme entgegen.
Dann blickte er in die Gesichter seiner Gefolgsleute.
Sein Blick blieb an einem haften.
„Thorfinn, auf ein Wort."
Flüsterte er drohend.
Der Angesprochene folgte Voldemort in den angrenzenden Salon.
„Thorfinn, auch du hast mich enttäuscht, auch dir ist Potter entkommen."
Der blonde Todesser fiel auf die Knie.
„Meister, ich wünschte ich könnte es ungeschehen machen, ich schwöre Euch, ich würde alles dafür geben…"
Voldemort unterbrach ihn, berührte sanft das Gesicht des Mannes.
„Du bist treu, Thorfinn, du bist es immer gewesen.
Anders als Malfoy, Dolohow, Nott und all die anderen. Dir geht es nicht um Macht oder Reichtum.
Ich vergebe dir.
Wenn wir den Sieg errungen haben, sollst du den Lohn für deine Treue erhalten.
Geh dann zum Anwesen meiner dreckigen Vorfahren."
Thorfinn Rowle blickte sichtlich verwirrt zu Voldemort auf.
„Erinnerst du dich an unser letztes Treffen? Das privater Natur, meine ich."
Ein Nicken war die einzige Reaktion.
„Damals hattest du ein Schlammblut dabei.
Das sollten wir wiederholen."
Stolz und Freude zeichnete sich in das Gesicht von Rowle.
Er wollte schon zu sprechen ansetzten, wurde jedoch von weiteren Worten Voldemorts unterbrochen.
„Du wirst dich in der Schlacht zurückhalten."
Nun trat Entsetzen in das Gesicht des Todessers.
„Meister, ich werde…"
Voldemort unterbrach ihn mit einer harschen Handbewegung.
„Halt dich zurück."
Er trat einen Schritt zurück.
„Geh zu den anderen. Wartet auf mich."
Damit wandte Voldemort sich ab, sein Blick fiel in einen Spiegel.
Als die Schritte von Rowle verklungen waren tat er einen tiefen Atemzug.
„Das Denkarium führt zu meinem Erben.
Ich habe in der Festung alle Vorbereitungen getroffen, Zauber versorgen die Frau mit allem Nötigen. Nimm dich dem Kind an, Thorfinn.
Sorge dafür, dass es in Sicherheit ist, für den Fall, dass ich es nicht tun kann."
Snape tauchte wieder in das Hier und Jetzt ein.
Es war unmittelbar vor der Schlacht gewesen, das Gespräch von Voldemort und Rowle.
Und es hatte lange gedauert, ehe sie das Zeichen zum Aufbruch von Voldemort erhalten hatten. In dieser Zeit war er zweifellos zum Anwesen der Riddles apperiert und hatte dort das Denkarium mit den notwendigen Erinnerungen gefüllt und den Bann errichtet.
Thorfinn Rowle.
Snape hatte nie bemerkt, dass er einen Sonderstatus bei Voldemort genoss.
Doch zweifellos war es so gewesen.
Ein Treffen zwischen den beiden, ein Schlammblut. Er weigerte sich diesen Gedanken auch nur im Mindesten weiter zu verfolgen.
Thorfinn Rowle.
Snape stand auf, zögerte nur noch einen winzigen Moment, dann verließ er das Zimmer und klopfte nebenan, an der Tür von Granger.
Ihre Augenbrauen zogen sich zusammen, als sie aus der nur einen Spalt breit geöffneten Tür schaute und ihr Blick auf ihn fiel.
„Sie sehen nicht so aus, als hätten Sie sich erholt."
Stellte sie kritisch fest.
„Ich muss mit Ihnen sprechen."
Sagte er schlicht.
Sie trat beiseite und gab den Weg frei in ihr Zimmer, das dem seinem wie ein Ei dem anderen glich.
„Miss Granger, kennen Sie einen Todesser namens Thorfinn Rowle?"
Sie nickte sofort.
„Ja, er war damals in der Mysteriumsabteilung. Und nach dem Angriff auf die Hochzeit von Bill und Fleur Weasley habe ich ihn gesehen. Er griff uns gemeinsam mit anderen Todessern in einem Café an.
Ich werde den Namen nie vergessen.
In eben diesem Café hing ein Verhandungsfoto von ihm, Ron hatte es entdeckt."
Snape presste die Lippen aufeinander.
„Und, Miss Granger, wissen Sie was nach der Schlacht mit ihm geschehen ist? Lebt er? Wurde er gefangen genommen?"
Sie schüttelte den Kopf.
„Nein.
Er wird noch immer gesucht."
Snape fuhr sich mit den Händen in einer müden Geste über das Gesicht. Fast erschien es ihm, als würden mit jedem Mal, dass er ihre Hilfe akzeptiere und als sinnvoll betrachtete, neue Hürden gebaut.
„Das Denkarium war für ihn bestimmt. Er lebt, er ist auf der Flucht.
Das ist der Moment in dem sich unsere Wege trennen, Sie werden nach Hogwarts zurückkehren."
Sie schüttelte den Kopf, doch er wollte ihre Widerworte nicht zulassen.
„Ich werde darüber nicht mit Ihnen diskutieren, Miss Granger. Nicht schon wieder.
Sie haben meinen Bedingungen zugestimmt und ich erwarte, dass Sie sich Ihnen auch beugen.
Ich habe Ihnen heute Morgen bereits erklärt, dass es für Sie ohnehin schon gefährlich genug ist, mich zu begleiten. Ich hatte gehofft, Sie würden begreifen, dass es besser ist zurück zu bleiben.
Doch ich werde auf keinen Fall zulassen, dass Sie vielleicht, ohne auch nur die geringste Verteidigungsmöglichkeit zu haben, in die Arme eines Todessers laufen. "
Grangers Stimme war kalt, als sie ihn unterbrach.
„Und Sie meinen, Sie haben einem Todesser momentan so viel entgegen zu setzen? Ich bezweifele es.
Sie sprachen von einem Fußmarsch der mehrere Tagen dauern wird, von einer Ausrüstung, die Sie werden tragen müssen.
Ich glaube nicht, dass Sie überhaupt auf einen Todesser treffen können. Sie werden zusammenbrechen, ohne das es irgendjemand mitbekommt, ohne das Ihnen jemand helfen kann."
„Es wird mir nicht besser gehen, wenn ich zusätzlich noch auf Sie aufpassen muss.
Sie sind nicht mehr als eine zusätzliche Last."
Entgegnete er scharf.
„Kaum fünf Kilometer entfernt von hier beginnt das "Reich von Voldemort". So nannte er es gern.
Es ist durch den Zauber von ihm und seinen engsten Vertrauten entstanden. Nur wer Träger des dunklen Mals ist, kann sich dort auf seine Sinne verlassen.
Die Banne täuschen und verwirren.
Ohne meine Hilfe wüssten Sie nicht, wo Norden und Süden ist. Sie könnten nicht einmal zehn Schritt geradeaus gehen. Sie wären sich vielleicht noch sicher, es getan zu haben und tatsächlich wären Sie im Kreis gegangen.
Die Gegend ist tot.
Es gibt dort keine Tiere, nichts essbares, absolut nichts.
Das Gepäck ist mir dann das kleinere zu wählende Übel."
Sie schaute ihn nur an.
Es vergingen Sekunden ehe sie erneute zu sprechen begann.
„Aber das Denkarium haben doch nun Sie…"
Er quittierte Ihre Worte mit einem Schnauben.
„Glauben Sie der Mann wäre dumm? Ich bin eben Zeuge von Andeutungen geworden.
Nach dem Tod von Voldemort muss er zweifellos wissen, dass es etwas zu finden gibt. Und es ist nur eine Frage der Zeit bis er auch ohne Denkarium hier danach zu suchen beginnt.
Das ist die Gegend, in der Voldemort seine rituellen Treffen abgehalten hat. Schon immer, auch lange bevor er sich ein Gebiet durch Banne abgesteckt hat.
Glauben Sie mir, ein jeder der vermutet, dass es noch irgendetwas zu finden gibt, wird hier mit der Suche beginnen."
Snape hätte am liebsten aufgeschrien, als sie ihm noch einmal widersprach.
„Aber er wird gesucht.
Zauber von gesuchten Todessern werden registriert. Man wird ihn finden sobald er Magie einsetzt…"
Snape schrie nun wirklich.
„Das Ministerium überwacht auch das Anwesen der Riddles, haben Sie das denn schon wieder vergessen?
Zeigt das nicht, wie zuverlässig diese Zauber wirken?
Voldemort hat bestimmt, dass sein Erbe durch Rowle gefunden werden soll. Meinen Sie nicht, dass er ihm dann auch gewisse Fähigkeiten zugetraut hat? Und meinen Sie, er lässt sich tatsächlich von einem Bann davon abhalten, seine ihm übertragene Aufgabe zu erfüllen?
Und nicht zuletzt: Ist er erst im Reich Voldemorts, kann ihn so schnell niemand aufspüren.
Die Diskussion ist beendet."
„Lassen Sie sich doch wenigstens vom Orden helfen."
Er schnaubte verächtlich.
„Es wird mir sehr helfen, auf mehr als einen verwirrten und hilflosen Magier aufzupassen. Sehr gute Idee, Granger."
Sie stand stumm vor ihm und für einen Moment glaubte er tatsächlich, es sei alles gesagt worden.
Für einen Augenblick.
„Ich werde Sie nicht allein gehen lassen."
Sagte sie dann fest.
Er überwand den kurzen Abstand zwischen ihnen mit schnellen Schritten. Drohend baute er sich vor ihr auf.
Die Geste schien ihre Wirkung nicht zu verfehlen, Hermine zuckte sichtlich zusammen.
„Ich sagte die Diskussion ist beendet."
Wieder schüttelte sie den Kopf.
„Granger, ich zweifle an Ihrem Verstand.
Es ist traurig, dass ich für Sie erkennen muss, dass Sie den Krieg nicht überlebt haben um dann dabei zu sterben, Ihr Gutmenschentum unter Beweis zu stellen."
„Ich bin kein Gutmensch."
Er setzte ein schiefes Grinsen auf.
„Ach nein? Das wäre mir neu.
Nichts ist Ihnen wichtiger als Ihren unglaublichen Heldenmut unter Beweis zu stellen.
Es gibt von mir keine Hauspunkte mehr zu gewinnen."
Dann fügte er sarkastisch hinzu
„Aber warten Sie, vielleicht reicht Ihnen ja das:
Ich lobe Sie für Ihre Tapferkeit. Sie sind ein wahrer Gryffindor. Mutig, edel, gut.
Sie sind ein Gutmensch! Und süchtig nach Anerkennung."
Ihre Wangen waren gerötet.
Entgegen seiner Erwartung war ihre Stimme ob dieser Provokation aber vollkommen emotionslos.
„Ein Gutmensch, ja? Ein Gutmensch."
Sie sah ihm fest in die Augen.
„Sie wissen doch gar nichts von mir.
Der Gutmensch ist so gut, dass er es nicht für nötig hielt, in der heulenden Hütte zu überprüfen ob sie tatsächlich tot sind. Denn dem Gutmenschen war das vollkommen egal."
Und nun begann ihre Stimme doch zu beben.
„Es war mir egal. Ich war schockiert von dem vielen Blut. Ich war schockiert von der Brutalität Voldemorts. Aber das Sie tot waren… Es tat mir nicht leid.
Sie waren für mich der Mörder Dumbledores.
Der Verräter."
Snape nutzte ihre Pause, in der sie nach den richtigen Worten zu suchen schien.
„Granger, es herrscht Krieg.
Es wurden so unglaublich viele Menschen getötet. Nicht aus Versehen, sondern einzig und allein in der Absicht zu töten."
Sie ging einfach über seine Worte hinweg.
„Ich hatte viel Zeit zum Nachdenken.
Gerade in den letzten Tagen wenn Sie – in Ihrer unglaublichen Selbstständigkeit –mal wieder bewusstlos waren.
Es tat mir nicht leid.
Harry hatte Voldemort während des letzten Duells die Wahrheit erklärt. Die Wortfetzen die ein jeder in der Halle davon auffing reichten um zu erklären, dass sie eben kein Verräter waren."
Ihre Hände legten sich vor ihr Gesicht. Snape schien es fast, als könnte er beobachten, wie sie sich die Szene vor ihrem inneren Auge aufrief.
„Sie starben als Held, als mutiger Mann. Und wir hatten Sie liegen lassen, in ihrem Blut.
Doch wissen Sie was?
Auf einmal tat es mir leid. Doch zunächst war es für uns alle wichtig zur Ruhe zu kommen. Harry erklärte uns noch kurz einige Details, all das war mir wichtiger, als der tote Mann in der heulenden Hütte.
Alle Leichen waren in der Halle aufgebahrt worden. Und Sie hat man vergessen!"
Sie nahm die Hände von ihrem Gesicht und er erkannte, dass ihr Tränen über die Wangen liefen.
„Nachdem Harry gesagt hatte, er wolle ein wenig Ruhe, bin ich zu Poppy um die Verletzten zu behandeln.
Doch Harry hatte sie nicht vergessen. Er nicht!
Statt sich hinzulegen, lief er in die Hütte. Und stellte fest, dass Sie noch lebten.
Und wissen Sie was? Meine größte Angst war nun plötzlich, dass Sie doch noch sterben würden, denn dann wäre ich daran mit Schuld."
Snape atmete tief ein.
„Ist Ihre Selbstgeißelung beendet, Granger?
Was glauben Sie hätte Potter gesagt, wenn Sie mitten in der Schlacht Widerbelebungsmaßnahmen an mir durchgeführt hätten? An dem Verräter der ich eben in Ihren Augen noch immer war.
Und dann gab es nun einmal wichtigeres zu tun…"
Sie schrie ihn an
„Sie verstehen es nicht!
Das könnte ich mir vielleicht noch verzeihen, ich bin schließlich nicht dumm.
Aber auch nachdem ich wusste, dass Sie eben nicht der böse Mörder und Verräter waren, fiel es mir nicht ein, Ihnen wenigstens ein kleines bisschen Würde und Ehre zuteilwerden zu lassen.
Schlimmer noch…"
Sie schien mit sich selbst zu kämpfen
„Schlimmer noch.
Ich bereute mein Handeln erst, als ich fürchten musste, dass ich mit den Konsequenzen würde leben müssen. Erst als ich eine Verantwortung erkannte. Und in diesem Moment galt mein Mitleid vor allem mir.
Ich fragte mich tatsächlich, wie ich mit dieser Schuld würde leben können.
Aber ich bereute noch immer nicht Ihren Tod!"
Stille.
Es geschah nicht oft, dass Severus Snape nicht wusste, was er entgegnen sollte.
Er empfand ob ihrer Äußerungen keine Wut, keine Enttäuschung. In seinem Leben war er so vielen Menschen gleichgültig gewesen. Keiner hatte eher als Potter daran gedacht in aus der Hütte zu holen.
Auch nicht Minerva, Filius oder Horace.
Er würde Granger keinen Vorwurf daraus machen.
Es hatte wichtigere Dinge gegeben als die Versorgung seiner Leiche. Sie hatte an diesem Tag und in den Monaten zuvor sicher viel erlebt und gesehen, dass es zu verarbeiten gab.
Aber tatsächlich war es so, dass er ihre Gefühle, ihre Schuld nachvollziehen konnte.
Nein, er würde ihr keinen Vorwurf machen, auch nicht bei sich, im Stillen.
Aber das es Granger tatsächlich zusetzte, mit ihren hohen Ansprüchen an sich selbst, konnte er nachvollziehen.
Schließlich sprach sie erneut.
„Ich habe Sie sterben lassen."
Ob ihrer Theatralik entfuhr ihm nun doch wieder ein gehässiges Schnauben.
„Ich lebe Granger.
Und ich würde es Ihnen auch nicht übel nehmen, wenn ich gestorben wäre. Sie haben diese Schlange nicht auf mich gehetzt. Sie haben getan, was zu tun war."
Erstaunt erkannte er, wie viel Kälte sie in ihre Stimme legen konnte.
„Dass Sie den Tod mit offenen Armen empfangen hätten, erklärten Sie bereits.
Es ist daher nur ein geringer Trost, dass Sie mir nichts vorzuwerfen haben. Aber vielleicht sollten wir mal die gleiche Messlatte anlegen.
Was haben Sie denn schon alles getan, was zu tun war?
Wollen Sie mir sagen, dass Sie den Tod Dumbledores nicht bereuen?"
Seine Antwort glich eher dem wütenden Bellen eines Hundes.
„Er starb durch meine Hand, das können Sie so nicht vergleichen!"
Ihre Hand tat eine wegwerfende Bewegung.
„Dumbledore bestand darauf, aber bitte. Nehmen wir ein anderes Beispiel.
Bereuen Sie den Tod von Lilly Potter?"
Er wandte sich zum Gehen ab, doch sie fragte erneut, lauter und fordernder.
„Bereuen Sie es?
Sie haben den Zauber doch nicht gesprochen."
Er verharrte, den Rücken zu ihr gewandt.
„Soll ich Ihnen tatsächlich beim bewältigen Ihrer Minderwertigkeitskomplexe helfen?
Überlegen Sie einmal, ob Sie Ihr Handeln mit dem eines verräterischen Todessers vergleichen wollen."
„Nein, das will ich nicht. Aber versuchen Sie doch mich zu verstehen.
Ich kann Sie nicht allein gehen lassen. Ich bin mir sicher, dass Sie es nicht schaffen werden, ich weiß es.
Zwingen sie mich nicht, Sie noch einmal im Stich zu lassen.
Ich bereue es.
Helfen Sie mir es wieder gut zu machen."
