Secrets Are Walls That Keep Us Alone

Kapitel dreizehn

Niemand konnte behaupten, dass Sirius kein guter Schauspieler war.

Er und James waren durch das Portraitloch geklettert, als die Party in vollem Gange war. Sie wurden in die Mitte der Menge gezogen, die Leute um sie herum schrien und jubelten, drückten ihnen Butterbier und haufenweise andere Süßigkeiten in die Hand, erklärten sie zu ihren Helden. Das gesamte Quidditch-Team war in der Mitte des Gemeinschaftsraumes versammelt, im Zentrum der Aufmerksamkeit.

James genoß die Aufmerksamkeit, so wie immer. Er zerstrubbelte sein Haar, grinste von einem Ohr zum anderen und analysierte mit jedem der zuhören wollte die interessanteren Stellen des Spiels.

Geoffrey Benson wurde auch gebührend gefeiert, und er spielte es noch hoch. Keiner konnte so wirklich verstehen, warum er die Jahre zuvor nie für die Quidditch-Mannschaft ausgewählt worden war.

Sirius grinste und machte mit, obwohl er nicht einmal ansatzweise in Party-Stimmung war. Er nahm das Essen und das Butterbier und gab es bei der ersten Gelegenheit, die sich ergab, an jemand anders weiter. Er half James die Gryffindors noch mehr in Fahrt zu bringen, half ihm die Musik so zu manipulieren, dass sie überall ohrenbetäubend laut zu hören war.

Die dicht gedrängte Menge, die sie umgeben hatte verteilte sich mit der Musik ein bisschen, als einige anfingen zu tanzen. Sirius tanzte mit ein paar Mädchen die ihn aufforderten, doch nach ein paar Minuten löste er sich vorsichtig aus der Menge. Die Luft war heiß und klebrig, erfüllt von ausgelassenen Quidditchfans und Partymenschen und es wurde langsam schwer zu atmen.

Er ging hinüber zum Kamin, wo Remus und Peter saßen und die Party beobachteten.

„Hi Tatze!" quiekte Peter. „Tolles Spiel."

„Ja." Sirius setzte sich neben Remus und beobachtete alle anderen.

„Warum machst du nicht mit?" fragte Remus nach ein paar Minuten.

„Weiss nicht...hab einfach keine Lust."

Sie schauten alle zu, wie James, immer noch breit grinsend, auf Lily Evans zuging. Seine Lippen bewegten sich, er bat sie zu tanzen. Sie schüttelte den Kopf und das Lächeln auf ihrem Gesicht verschwand. James' Lächeln verrutschte ein bisschen, aber er versuchte es aufrecht zu erhalten.

„Komm schon," hörte Sirius ihn sagen. „du weißt, dass du willst."

„Ich würde nicht mal mit dir tanzen, wenn du der letzte Junge auf der Erde wärst. Da würde ich noch eher mit einem Troll ausgehen." Sagte Lily und wendete sich ab.

James' Lächeln verschwand, und er schüttelte den Kopf. Dann entdeckte er die Rumtreiber auf dem Sofa und kam geradewegs auf sie zu.

„Was ist mit euch los, Jungs?" wollte er wissen. „Party! Macht mit!"

Remus und Sirius erhoben sich mit resignierter Miene und folgten James. Peter lief hinter ihnen her, ein bisschen nervös, aber froh darüber, eingeladen zu sein.

Sirius sah sich um und forderte das nächste Mädchen zum tanzen auf. Sie lächelte und nickte, also tanzte er für ein paar Lieder mit ihr.

Es war seltsam, aber irgendwie hatte er das Gefühl, als ob im Moment keiner besonders zufrieden mit ihm war. Das Mädchen, wie auch immer ihr Name war, hatte nichts gegen ihn, das konnte er sehen. Aber die Leute, die sich wirklich für Quidditch interessierten, klopften ihm nur auf den Rücken, weil er dazu gehörte und nicht wegen seiner Leistung. Er war ein Teil der Mannschaft, verdiente ihren Respekt, aber der heutige Sieg hatte nichts mit ihm zu tun.

Irgendwie, gehörte er hier nicht hin. Sonst hatte er das immer, aber heute tat er es einfach nicht. Und plötzlich konnte er es nicht mehr ertragen dort zu sein.

„Es tut mir leid, ich muss mal kurz weg," sagte er zu dem Mädchen, dessen Namen er nicht kannte. Sie sah enttäuscht aus, aber das war ihm egal. Er drehte sich um, drängte sich durch die Menge und kletterte durch das Portraitloch.

Es war schon spät und im Schloss herrschte Dunkelheit, die durch die Korridore kroch wie tausend kleine Spinnen. Jedes noch so kleine Geräusch hallte in der Dunkelheit wieder, als Echo wiederholt von geplagten Stimmen aus einem unsichtbaren Ort. Sirius ging schnell, war jedoch bedacht nur auf den Teppich zu treten, der das Geräusch seiner Schritte dämpfte. Er hatte weder die Karte der Rumtreiber, noch den Tarnumhang. Es kam ihm fast ein bisschen seltsam vor, dass James diese Dinge hatte, wo James doch bekannt war für seine natürliche Begabung unbemerkt durchs Schloss zu schleichen, ob sichtbar oder nicht.

Glücklicherweise, begegnete Sirius niemandem und er floh aus dem großen Eingangstor hinaus in die kalte Nacht.

Er fühlte sich seltsam angespannt, eine unruhige, vibrierende Energie floss durch seine Adern. Er dachte an die Tore, die er reingelassen hatte, an alle vier. Er konnte nicht stillstehen bleiben.

Sirius begann zu rennen, das Quidditchfeld entlang, vor und zurück. Er dachte an jedes dieser Tore, dachte daran, wie er zu langsam gewesen war um den Quaffel zu fangen.

Er brauchte Regeln, entschied er. Etwas, dass eine gewisse Ordnung in diese Dinge brachte. Ein bisschen Kontrolle.

Zehn Mal um das Feld für jedes Tor, das du reingelassen hast, sagte er sich. Es ergab Sinn, in gewissen Weise. Ein Mal für jeden Punkt. Das war fair. Dann musste er sich dafür nicht mehr schuldig fühlen, oder?

Als er lang genug gerannt war um für drei der Tore zu bezahlen, bakam er kaum noch Luft. Er stolperte und blieb stehen, stützte seine Hände auf die Knie, rang nach Atem.

Nein, befahl er sich. Du musst weiter laufen. Er schüttelte seinen Kopf und wankte vorwärts, rannte weiter.

Endlich war er fertig. Er ließ sich am Ende des Feldes auf die Knie fallen und hielt sich die Seite. Du bist armselig, dachte er. Er rechnete im Kopf nach, wie was für eine Strecke er gerannt war. Nach der länge des Quidditch-Feldes dürfen es ungefähr vier Meilen gewesen sein.

Er schwitze, trotz der kalten Luft. Als er wieder zu Atem gekommen war, stand er auf und merkte, dass er nun zitterte.

Die Eingangshalle war auch nicht viel wärmer, als er dort ankam. Trotzdem fühlte er sich besser. Die nervöse Unruhe war verschwunden und seine Muskeln schmerzten von der Erschöpfung eines langen Tages.

Der Gemeinschaftsraum war leer als er eintrat, trotzdem waren noch Reste der Partyausstattung auf dem Boden verteilt.

Er erklomm die Wendeltreppee und schob vorsichtig die Tür zum Schlafsaal auf, versuchte dabei kein Geräusch zu verursachen. Sirius konnte an der Art wie James ausgebreitet auf seinem Bett lag, sehen, dass er schlief, sein Haar zur Hälfte platt und er konnte Peter schnarchen hören. Da er davon ausging, dass Remus ebenfalls schlief, schlich er leise in Richtung Badezimmer um zu duschen.

„Sirius?" fragte eine leise Stimme aus dem Dunkeln und Sirius zuckte vor Schreck zusammen.

Er drehte sich um und sah Remus mit einem Buch auf dem Schoß in seinem Bett sitzen. „Hey, Moony" flüsterte er.

„Wo warst du?" fragte sein Freund und obwohl er nicht anklagend klang, ging Sirius in die Defensive.

„Ich bin nur ein bisschen herumgewandert," sagte er. Dann viel ihm auf, wie viel er in letzter Zeit log, und er entschied, dass dies kein Moment für eine weitere Schwindelei war. „Ich bin Laufen gegangen."

„Warum? Ich dachte du hasst Laufen?"

„Ich hatte einfach viel Energie übrig. Früher habe ich Laufen gehasst. Jetzt nicht mehr." Sirius verlagerte sein Gewicht, er fühlte sich unwohl als Remus ihn ansah. „Auf jeden Fall muss ich jetzt duschen."

„Okay," sagte Remus und hob nahm sein Buch wieder in die Hand.

„Du musst nicht auf mich warten," sate Sirius.

„Weiss ich."

Sirius ging ins Badezimmer und drehte die Dusche an. Er zog seinen Umhang aus und trat unter den heißen Wasserstrahl. Es war zu heiß, wirklich zu heiß, aber er veränderte die Temperatur nicht. Das Brennen des heißen Wassers auf seiner Haut fühlte sich irgendwie gut an.

Als er in den Schlafsaal zurückkehrte, war Remus eingeschlafen. Das Buch lag aufgeschlagen auf seiner Brust und hob und senkte sich bei jedem Atemzug. Sirius musste bei diesem Anblick lächeln.

Er ging zu seinem eigenen Bett, auf der anderen Seite des Schlafsaals, direkt am Fenster und ließ sich darauf fallen, zog seine Decke über sich.

Vollständig erschöpft, sank Sirius augenblicklich in einen tiefen, traumlosen Schlaf.