JustNiklas: Vielen Dank für die Rückmeldung. Es macht mich einfach unglaublich grlücklich, die Reviews zu lesen, selbst wenn der Inhalt immer wieder fast gleich ist.
Ansonsten: Viel Spaß!
Kapitel 13
Nach einigen Minuten dämmerte mir, was gerade passiert war. Vater hatte mich enterbt! Dafür, dass ich mich mit einem Drachen angefreundet hatte.
Während diese neue Information noch sackte, wurde die Tür aufgerissen und Hilja stürzte herein, mit Tränen im Gesicht.
„Sie haben Ohnezahn!", rief sie mir zu und sackte weinend neben mir zu Boden.
„Das ist nicht mal das Schlimmste ..." Ich versuchte ihr schonend die Neuigkeiten beizubringen.
„Du bist enterbt?!", rief Hilja mit hysterisch klingender Stimme und sah mich völlig entsetzt an. Ich nickte. Ich konnte es selbst noch immer nicht ganz fassen.
„Und jetzt?", fragte sie mit zitternder Stimme.
„Jetzt weiß ich auch nicht mehr weiter", gab ich ehrlich zu und sah sie an. „Tut mir leid ...", fügte ich leise hinzu.
Irgendwann, vermutlich nach mehreren Stunden verließen wir gemeinsam die Große Halle und sahen zu, wie alle kampffähigen Männer und Frauen Waffen zum Dock trugen, während Alte und Kinder zurückblieben und den Vorbereitungen zusahen.
Ohnezahn war auf dem vordersten Schiff angekettet und kämpfte vergeblich gegen seine Felsen. Ich sah wie Vater in unsere Richtung schaute, dann sagte er irgendetwas zu meinem Drachen und die Schiffe liefen aus.
Wir standen stundenlang zusammen auf dem obersten Steg, bis auch das letzte Schiff hinterm Horizont verschwunden war. Hilja weinte immer noch und war einfach völlig fertig. Auch ich war total am Ende.
Irgendwann näherte sich jemand vorsichtig von links.
„Ganz schönes Chaos, hm?", fing Astrid an. „Das muss furchtbar für euch sein. Ich meine … Ihr habt beide alles verloren: Euren Vater, euren Stamm, du Hicks deinen besten Freund ..."
Ich fühlte Wut in mir aufkochen.
„Ja schön, dass wir darüber gesprochen haben ..."
Mir kam plötzlich ein Gedanke.
„Wieso hab ich den Drachen, alt ich ihn fand, nicht einfach umgebracht? Wär für alle Beteiligten besser gewesen ..."
Hilja drehte sich völlig geschockt zu mir um, während Astrid sprach.
„Jap. Der Rest von uns hätt's gemacht. Wieso du nicht? Wieso du nicht?"
Jetzt sah mich auch Hilja neugierig an.
Ich zuckte die Schultern.
„Keine Ahnung. Ich konnte nicht."
„Das ist keine Antwort."
Ich verlor langsam die Geduld. Was genau wollte sie von mir wissen?
„Wieso ist dir das auf einmal alles so wichtig?"
„Weil ich mir merken will, was du jetzt sagst. Jetzt und hier."
„Ach was weiß denn i ..." Ich unterbrach mich selbst, als mir etwas auffiel. „Ich war zu feige, ich war zu schwach. Ich wollte keinn Drachen töten."
„Du hast gerade „wollte" gesagt!"
Stimmt. Wieso eigentlich?
„Achhh … ist doch egal. Ich wollte nicht!" Plötzlich wusste ich meine Antwort auf diese Frage: „Nach 300 Jahren bin ich der erste Wikinger, der sich weigert, Drachen zu töten."
„Und der erste, der auf einem reitet. Also?" Astrid sah mich aufmunternd an. Ich versuchte irgendwie, meine Gedanken auszudrücken.
„Ich wollte ihn nicht umbringen … weil er genauso viel Angst hatte, wie ich. Als ich ihn angesehen habe … da sah ich mich selbst ..."
Ich sah beide Mädchen nacheinander an.
Astrid ergriff wieder das Wort: „Er hat jetzt bestimmt auch wahnsinnig Angst. Was willst du unternehmen?"
Keine Ahnung.
„... Wahrscheinlich irgendwas Dummes ..."
Astrid grinste. „Gut, aber das wäre nichts Neues!"
Plötzlich hatte ich einen Plan.
„Dann irgendwas Verrücktes!"
Ich rannte davon, bereit, meinen Plan umzusetzen.
„DAS wollte ich hören!", hörte ich Astrid sagen, dann liefen beide Mädchen hinter mir her.
Einige Zeit später stand ich mit Hilja vor den Käfigen in der Arena und wartete auf Astrid.
„Wenn du dich fressen lassen willst, solltest du definitiv 'n Gronckel nehmen!", hörte ich plötzlich Fischbeins Stimme.
Als ich mich umdrehte, stand Taffnuss direkt vor mir: „Klug von dir, sich von der tödlichsten Waffe der Welt helfen zu lassen … das bin ich."
„Öh ...", gab ich nur verwirrt von mir.
Als nächstes kam Rotzbakke: „Ich steh auf deinen Plan!"
Welcher Plan? Den hab ich doch noch gar nicht verraten.
„Ich weiß nicht ...", setzte ich an, als mich Raffnuss unterbrach.
„Du hast so'n Knall! Und das ist cool!"
Bevor sie mir noch näher kommen konnte, schob Astrid sie weg.
„Und? Wie sieht dein Plan aus?
Ich lächelte und drehte mich dann wieder zu Hilja um.
„Okay, öffne den ersten Käfig, aber langsam."
Hilja rannte davon und ich stellte mich vor die Türen, hinter denen sich der Riesenhafte Alptraum befand.
Als sich das Tor öffnete, ging ich vorsichtig, aber selbstsicher auf den Drachen zu. Er beruhigte sich augenblicklich und begann mir zu folgen.
Langsam führte ich ihn zu Rotzbakke, der wohl irgendetwas tat, wofür Astrid ihn tadelte.
Ich erreichte Rotzbakke und griff vorsichtig nach seiner Hand.
„Ääähhh … Warte … Was hast du ..."
„Eben noch groß getönt, wie cool der Plan ist. Und jetzt würdest du am liebsten einen Rückzieher machen!", erklang Hiljas lachende Stimme vom Hebel her.
Rotzbakke riss sich zusammen und ließ mich seine Hand dem Drachen auf die Schnauze legen.
Als ich merkte, dass die beiden sich vertrauten, entfernte ich mich einige Schritte und steuerte auf eine herumstehende Kiste zu
„Öh … Wo gehst du hin?", fragte Rotzbakke, merklich angespannt.
„Du brauchst etwas, woran du dich festhalten kannst", erklärte ich und hob einige Seile aus der Kiste.
Hilja hatte in der Zwischenzeit auch die anderen Käfige geöffnet, sodass Drachen und zukünftige Reiter sich kennenlernen konnten.
Nun standen wir gemeinsam vor dem letzten Tor.
„Was meinst du, ist das drin?", fragte Hilja neugierig.
„Definitiv ein Drache. Sollen wir aufmachen?"
Diese Frage war unnötig, denn Hilja lief schon zu dem Hebel, der neben dem Tor angebracht war.
„Willst du es selber versuchen?", fragte ich sie und Hilja nickte.
Sie stellte sich vor das Tor, ähnlich wie ich das einige Minuten zuvor bei dem Alptraum getan hatte.
Das Tor öffnete sich langsam und Hilja spähte hinein.
„Wer bist du denn?", fragte sie leise und machte vorsichtig ein paar Schritte in Richtung des Drachen, der sich völlig verängstigt in die hinterste Ecke drückte.
„Was ist das für ein Drache?", fragte ich.
So einen hatte ich noch nie gesehen. Er war lila und blau und sah aus wie eine Kreuzung aus Zipper und Nadder.
Ich winkte Fischbein herbei, um bei der Identifizierung zu helfen.
„Ganz klar. Das ist ein Krallenkrabbler", gab er nach nur wenigen Sekunden bekannt. „Sie sind sehr friedliebend. Das erklärt, warum er nicht im Training eingesetzt wurde."
„Sie", erklang es aus dem Stall.
„Was?", fragten Fischbein und ich gleichzeitig.
„Sie", wiederholte Hilja. „Der Drache ist ein Weibchen. Und scheint noch dazu ziemlich jung zu sein."
Ich nickte verstehend. „Kannst du sie reiten?"
Hilja lächelte. „Klar doch. Mit dir als Bruder, kein Problem."
Ich grinste zurück und sah den anderen zu, wie sie ihren Drachen näherkamen.
Das ist unglaublich! Wir sind schon beim drittletzten Kapitel!
