Kapitel 13 - Ein Abend der Eingeständnisse - Teil 1
Padmé fühlte sich nicht wohl, das sah Obi-Wan ganz klar. Sie versuchte ihre Haltung zu bewahren, aber die kleine Falte zwischen ihren Brauen wurde tiefer und tiefer um so länger der Abend andauerte.
Gerade kaute sie auf ihren Bohnen herum als hätte sie Steine im Mund und warf immer mal wieder Blicke in seine und Satines Richtung.
Satine sagte etwas, doch er konnte seinen Blick nicht ganz von Padmé abwenden. Sie war heute besonders schön. Sie trug eines der Kleider das er ihr nach der Hochzeit gekauft hatte.
Sie hatte eine ganz neue Garderobe von ihm bekommen. Kleider in taubenblau, malvenfarben, veilchenblau. Heute trug sie eines in einem warmen Lila, aus Seide das mit Spitze abgesetzt war.
Ihre Locken waren aufgesteckt und einige sehr widerspenstige Strähnen hatten sich gelöst und fielen auf ihre Schultern. Es war diese Schulter auf die er vor ihrem Aufbruch einen Kuss gepresst hatte und sie hatte es lächelnd hingenommen, so wie sie alle seine Zärtlichkeiten hinnahm.
Sie war eine gute Frau. Sie war ihm eine gute Frau. Es war alles wie sie es besprochen hatten.
Seit nunmehr drei Wochen waren sie verheiratet und er schob es auf sie zu verlassen um einen Posten auf einem Schiff anzunehmen. Jede Nacht kam er zu ihr und jede Nacht hieß sie ihn auf ihre Art willkommen. Er brauchte einen Erben, natürlich. Wie sonst sollte sie sein Kind bekommen wenn er ihr nicht bei schlief?
Das er es auch gerne tat war doch kein Frevel oder? Schließlich waren sie Mann und Frau. Auch wenn sie sich auf ein freundschaftliches Arrangement geeinigt hatten schadete es ja nicht das sie dieser Pflicht gerne nachkamen. Umso schneller wäre sie natürlich auch mit Kind.
Doch was wäre dann? Was käme nach dem Kind?
Obi-Wan hatte schon vor einiger Zeit festgestellt das er sich in seine Ehefrau verliebt hatte. Das er mehr für sie empfand als das wie sie im vor hinein festgelegt hatten.
Sobald sie ein Kind unter dem Herzen trüge würde er sie natürlich in Ruhe lassen, so gehörte es sich. Er würde in seinem Schlafzimmer schlafen und sie in ihrem. Es wäre eine Qual für ihn ihr nicht Nahe sein zu können, doch er würde es aushalten.
Wenn er ganz ehrlich war hoffte er das eine Empfängnis noch etwas auf sich warten ließe. Und wie konnte er diesen Gedanken nur haben? Schließlich war dies der alleinige Grund seiner Hochzeit gewesen...
"Sie beobachtet dich, Ben." sagte Satine nun belustigt und funkelte ihn amüsiert aus ihren blauen Saphir-Augen an. "Sagtest du nicht es sei eine Vernunft-Ehe?"
Er blinzelte sie an, wandte sich dann wieder seiner Mahlzeit zu. Auch seine Bohnen fühlten sich auf einmal wie Steine in seinem Mund an.
"Ja, tatsächlich ist es das."
Sie bog eine perfekte blonde Braue in ihre Stirn, als glaube sie kein Wort.
Zurecht, dachte er und hielt dann inne bei diesem Gedanken.
"Wenn ich es nicht besser wüsste würde ich sagen das sie eifersüchtig ist..."
Satine schürzte die Lippen und Obi-Wans Blick glitt hinüber zu Padmé, die gerade sehr gezielt in die andere Richtung sah. Sie wirkte angespannt, ungehalten, verärgert.
Oh, sie war die perfekte Gesprächspartnerin für Herzog Palpatine, mit dem sie sich nun schon seit einiger Zeit unterhielt, doch er konnte sehen was darunter lag.
Die Blicke die sie ihm zuwarf zeugten nicht gerade von Wohlwollen.
Konnte Satine recht haben? War sie tatsächlich eifersüchtig?
Er wagte sich nicht zu hoffen.
Die Tür war abgeschlossen. Obi-Wan runzelte in der Dunkelheit die Stirn und versuchte es erneut. Für einen Moment stand er unschlüssig in dem engen Gang. Dann klopfte er.
Nichts passierte auf der anderen Seite.
"Padmé?"
Eisiges Schweigen.
"Werte Ehefrau?"
Nach einem kurzen Moment wurde schließlich die Tür aufgerissen und zwei vor Wut brennende Augen blickten ihn durch die Dunkelheit hinweg aus Padmés Gesicht heraus an.
"Sir?" Ihre Stimme war kalt und kurz angebunden.
"Madame," begann er und sie verengte ihre Augen. "Wollt ihr euren Ehemann heute Nacht nicht einlassen?"
"Ganz sicher werdet ihr heute Nacht nicht in meinem Schlafzimmer schlafen, Sir!" versicherte sie ihm giftig.
Er wusste nicht ob er belustigt oder erbost über ihre Heftigkeit sein sollte. Seit dem sie von der Gesellschaft aufgebrochen waren hatte sie ihn mehr oder weniger ignoriert oder aber wütende Blicke in seine Richtung geschossen.
Nach ihrer Ankunft auf Thython Hall war sie ohne eine Gruß in ihre Gemächer verschwunden.
"Und warum wenn ich fragen darf bleibt mir eure Gesellschaft verwehrt?"
Für einen Moment dachte er sie würde ihm nicht antworten und statt dessen die Tür vor der Nase zuschlagen, doch nachdem sie noch einen Schritt auf ihn zugemacht hatte und in sein Gesicht aufsah, sagte sie: "Ich bin kein Ersatz für eure Mätresse, Sir."
Bei Gott, sie war tatsächlich eifersüchtig. Ihn durchfuhr Erleichterung und Verwunderung. Freude und Erregung.
Vorsicht, Kenobi, warnte eine innere Stimme, sonst beißt sie dir den Kopf ab.
"Werte Ehefrau," begann er und versuchte dem Grinsen auf seinem Mund entgegen zu arbeiten. "Wie kommt ihr nur darauf?"
"Tut ja nicht so, Sir. Ich habe euch beide beobachtet. Mir sind die Blicke die ihr euch zugeworfen habt durchaus aufgefallen. Und nur weil der Herzog sich blind stellt heißt das nicht das ich das ebenfalls tun werde."
Sie schlang ihre Stola fest um ihr dünnes Nachthemd und verschränkte ihre Arme.
"Ihr werdet also heute Nacht in eurem eigenen Bett schlafen müssen. Ich lasse mir sicherlich keine Hörner aufsetzen."
Damit drehte sie sich herum und ließ ihn stehen. Wutentbrannt ging sie zu ihrem Schminktisch, ließ sich auf die Bank fallen und begann mit energischen Bewegungen ihre Locken zu kämmen. Nun, es wirkte mehr wie malträtieren. Sie verzog das Gesicht als müsse sie dabei Zitronen essen.
Langsam durchquerte er ihr Schlafzimmer und trat neben sie an den Tisch.
"Ihr wusstet auf was ihr euch einlasst als ihr mich geheiratet habt." erinnerte er sie und ihr Blick im Spiegel war wie ein Stich.
"Ja, das wusste ich. Aber ich dachte wir würden einander zumindest mit Respekt behandeln. Heute Abend wart ihr respektlos, Sir. Dieser Dame direkt unter meiner Nase schöne Augen zu machen! Welche Schmach! Zumal alle Welt weiß wie ihr zueinander steht! Bei unserem ersten Gespräch sagtet ihr das ihr keiner anderen Frau mehr beilie-"
Padmé war nun aufgefallen was sie beinahe gesagt hatte und schloss errötend den Mund und starrte wieder auf ihr Haar. Obi-Wan spürte wie ein verräterische Wärme in ihm aufstieg bei ihrem Anblick.
"Madame, ist es das was ihr wollt?" Sie schnaufte und drehte sich zu ihm, das Haar flog nur so um ihren Kopf.
"Ich verbitte es mir das sie euch... hungrig macht und ihr dann nach Haus kommt damit ihr euch hier sättigen könnt, Sir."
"Das ist nur fair." sagte Obi-Wan und nahm ihr den Kamm aus der Hand und trat hinter sie. Er begann vorsichtig ihr Haar zu kämmen, wie er es in den letzten Wochen oftmals für sie getan hatte. Ihre dunklen Augen beobachteten seine Bewegungen.
Für einige Zeit kämmte er sie lediglich, als er fertig war ließ er seine Hände durch ihre lange Mähne gleiten, von der Stirn hinab zu den Spitzen. Ihr wohliges Seufzen brachte ihn zum Lächeln. Die kleine Falte zwischen ihren Brauen jedoch war immer noch da.
"Doch ich kann euch versichern das es nicht Satine war die meinen Appetit geweckt hat."
Padmé öffnete langsam die Augen. Sie schien nachdenklich. Wahrscheinlich dachte sie gerade an all die anderen Frauen mit denen er während der Gesellschaft geredet hatte.
"Eine sehr hübsche junge Dame." begann er und presste seine Fingerspitzen in Kreisen auf ihre Kopfhaut. "Jünger als ich, von sehr anmutiger Gestalt, mit den schönsten kastanienbraunen Locken und blitzenden, geheimnisvollen Augen. Eine sehr, sehr liebliche, aber bestimmt auch sehr kratzbürstige Frau."
Seine Hände hatten inne gehalten und Padmé sah ihn nun unumwunden und erstaunt an. Ihre Brust hob und senkte sich unregelmäßig, als bekäme sie nicht genug Luft.
"Doch sie war zu sehr damit beschäftigt eifersüchtig auf eine andere Frau zu sein, als das sie bemerkt hätte wie oft ich nur sie angesehen habe."
Vorsichtig ließ er von ihr ab und trat einen Schritt zurück. Padmé erschien unsicher zu sein was jetzt käme. Einige Male bewegte sie den Mund, als wolle sie etwas sagen, doch letztendlich schwieg sie.
Was dachte sie darüber? Er konnte es nicht sagen. Sie wirkte perplex und verwirrt.
"Natürlich aber seit ihr meine Ehefrau. Wenn ihr euer Bett also einmal nicht mit mir teilen wollt so ist dies euer gutes Recht. Ich würde euch nie zwingen." Er nickte ihr im Spiegel zu. "Ich wünsche euch eine gute Nacht, Miss Padmé."
Wieder in seinem eigenen Schlafzimmer fiel ihm das erste Mal auf wie groß und einsam es wirkte. Vielleicht... Vielleicht sollte er noch einen Brandy trinken bevor er schlafen ging. Besonders einladend wirkte sein Bett gerade sowieso nicht.
