Als die drei in Toadstool Keep ankamen, fanden sie alles in totalem Chaos vor.
Die vier Longbottom Hauselfen hatten sich auf dem Rasen vor dem Haus versammelt. Ein ältlicher Elf ging mit auf dem Rücken verschränkten Händen auf und ab und sah wiederholt besorgt zum Haus und zu Severus. Die anderen, die Zwillinge zu sein schienen, saßen im Schneidersitz auf dem Rasen. Eine schluchzte hysterisch, während die andere versuchte, sie zu trösten. Der vierte schnitt ruhig die Büsche und schien von allem gänzlich unberührt.
Severus beschwor inzwischen einen blauen Streifen herauf und versuchte, die Schutzzauber zu entwirren, um ins Haus zu gelangen. Von Zeit zu Zeit schoss er einfach frustriert einen Zauber darauf.
Harry und Draco starrten mit offenen Mündern, unsicher, was genau sie tun sollten. Lucius schätzte schnell die Situation ein und stellte seine Frage an den älteren Hauselfen. „Ich bin Lucius Malfoy. Du scheinst der Majordomus zu sein. Setze mich über die Lage in Kenntnis."
Griswolds Augen wurden größer, wenn das überhaupt möglich war; er hatte offensichtlich von Mr. Malfoy gehört. Sofort erkannte er die Stimme der Autorität und beeilte sich, die Situation zu erklären. „Ich bin Griswold, der Chef-Hauself, Sir. Der Schatten der alten Mistress hat die Belegschaft aus dem Haus geworfen und einige uralte Schutzzauber aufgerufen. Nicht einmal Hauselfen können sie brechen. Nur der wahre Erbe der Longbottom-Linie kann sie aufheben. Sie ist jetzt da drinnen mit Missy Hermione; es gab viel Geschrei. Pippi ...", er zeigte auf die schluchzende Elfe im Gras, „... mag die junge Miss sehr und versuchte, bei ihr zu bleiben, um sie vor dem Ärger der Mistress zu schützen. Mistress schickt Pippi trotzdem raus, mit einem Pullover." Er flüsterte die letzten drei Worte und sagte Pullover, als sei es etwas Widerliches. „Ich versuche, das alles Master Severus zu erklären. Er hört jedoch nicht", schloss der alte Elf und sah mit besorgten Ausdruck zu Severus hinüber.
„Sehr gut, Griswold. Danke. Dein Master wurde gerufen, und ich erwarte, dass er in Kürze hier eintrifft.
„Bis Neville ankommt, um die Schutzzauber aufzuheben, gehe ich hin und versuche, Severus ein wenig zu beruhigen", sagte Lucius. „Normalerweise ist er nicht so unkontrolliert", kommentierte er, während er zusah, wie Severus Confringo auf das Keep warf, nur, um damit die Schutzzauber zu treffen und davon abzuprallen. Der Zauber verpasste Draco und Harry knapp, die auseinanderstoben, um zu vermeiden, getroffen zu werden. Letztlich sprengte er einen Zierstrauch und ließ dabei Zweige, Blätter und kleine, fuchsiafarbene Beeren überallhin fliegen. Dies entlockte dem Elfen, der die Büsche schnitt, einen ärgerlichen Schrei. „Hmmmph ... Offensichtlich der Gartenelf", murmelte Lucius.
„Severus, hör auf, ehe du einem von uns wirklichen Schaden zufügst", rief Lucius. Er schlenderte auf ihn zu, als mache er nur einen gemächlichen Spaziergang im Park.
„Verdammt nochmal, Lucius. Es muss einen Weg geben, diese verflixten Schutzzauber zu brechen!" rief Severus aus.
„Oh, es gibt einen", versicherte ihm Lucius.
„Wunderbar. Dann tue es", forderte Severus.
„Der einzige Weg, diese Zauber zu brechen, ist, auf die Ankunft des Erben zu warten. Potter hat Longbottom hergerufen, und sobald er da ist, werden wir Zugang zum Haus haben."
„Das ist nicht akzeptabel", erklärte Severus.
„Dennoch wirst du es akzeptieren, da du keine andere Wahl hast. Severus, sei vernünftig. Dies sind auf der Blutlinie basierende Schutzzauber, die durch die mütterliche Seite aktiviert wurden. Niemand außer dem Erben wird in der Lage sein, sie zu aufzuheben, weder du noch ich oder gar der erhabene Harry Potter. Keiner von uns hat die richtige Blutlinie, siehst du", erklärte Lucius ruhig.
Severus sah Lucius argwöhnisch an, ehe er sich umdrehte, um die Schutzzauber vorsichtig mit seinem Zauberstab anzustupsen und nach ihrem Ursprung zu tasten. „Mist", erklärte er, als er die Wahrheit von Lucius' Aussage erkannte.
Glücklicherweise kam Neville in dem Moment an. Er warf einen Blick auf Severus und erfasste schnell den Ernst der Lage. Innerhalb weniger Minuten war er dabei, die Schutzzauber aufzuheben. Nach all der geballten Magie, die Severus eingesetzt hatte, war es zuletzt ziemlich einfach. Es erforderte jedoch genau die richtige Kombination von Elementen und Zaubern. Neville sammelte Erde vom Grund des Anwesens und mixte sie mit Wasser aus dem nahegelegenen Bach, der durch das Grundstück floss. Er vermischte sie miteinander, um eine schlammige Fingerfarbe herzustellen, und damit zeichnete er eine Reihe von Symbolen und Runen um den Eingang, während er die passenden Zaubersprüche intonierte. Er schloss das Ritual mit einem kleinen Schnitt in seine Handfläche ab, und nachdem er das Blut auf seine beiden Hände verschmiert hatte, machte er auf jeder Seite der Tür einen Handabdruck.
Die Schutzzauber fielen wie frisch gefallener Schnee.
Als die Tür sich mit Leichtigkeit öffnete, hastete die Gruppe hinein, nur um den Ort in gespenstischer Stille vorzufinden.
„Oh, verdammt! Dies kann nicht gut sein", brummte Severus und machte sich sofort Richtung Treppen auf, dicht gefolgt von Neville, Draco und Harry. Lucius folgte ebenfalls, aber er nahm sich Zeit, ging umher und bewunderte dabei die Architektur des alten Hauses.
Erst als sie den oberen Treppenabsatz erreichten und schon halbwegs den Korridor von Augustas Flügel durchquert hatten, hörten sie einen lauten Ruf von Hermione. „Sag es mir! Verdammt nochmal, Augusta. Sag mir, was es ist!"
Neville erreichte die Räume seiner Oma und öffnete die Tür. Severus traf gleichzeitig ein und schubste ihn zur Seite, um zu Hermione zu gelangen. Sie warf über die Schulter einen Blick auf ihn. Mit einem kleinen Lächeln hielt sie ihre Hand hoch und signalisierte ihm zu warten. Hermione wandte sich wieder Augusta zu, während die anderen sich zu Severus in den Raum schoben.
„Augusta, bitte, ich kann Ihnen gar nicht wagen, wie wichtig dies ist. Ich weiß, es gibt einen Grund, warum Sie Severus für schuldig halten, dass sie glauben, er hat Minerva unter Kontrolle, dass er für Ihren Tod verantwortlich ist, aber er ist es nicht. Ich schwöre Ihnen, er ist es nicht. Ich weiß nicht, wie ich Sie dazu bringen soll, mir zu glauben." Hermione sah verzweifelt zu den anderen. Dann wandte sie sich wieder Augusta zu und fiel auf die Knie, die Hände flehend erhoben. „Ich schwöre einen unbrechbaren Eid, wenn ich Sie damit überzeugen kann. Ich weiß, dass er unschuldig an dem ist, dessen Sie ihn beschuldigen, und ich werde darauf schwören."
„Hermione ... tue es nicht ..." setzte Severus an und reichte nach unten, um sie hochzuziehen.
Neville trat hinzu und zog Severus ein wenig zur Seite, um direkt neben Hermione schlüpfen zu können. Genau gleichzeitig, weil er spürte, was Neville vorhatte, trat Harry an ihre andere Seite. Beide fielen neben ihr auf die Knie.
„Ich werde es auch schwören, Oma. Du hast unrecht wegen Severus. Wenn ein Eid notwendig ist, um dich davon zu überzeugen, schwöre ich ihn freiwillig auch", sagte Neville.
„Das werde ich auch, Mrs Longbottom", sagte Harry.
„Oh um Himmels Willen! Solch alberne, idiotische, Gryffindorische ..." Severus schubste die beiden Jungs beiseite, um in die Hocke zu gehen und seine Arme um Hermione zu legen und sie in eine stehende Position hochzuziehen. „Niemand wird hier heute meinetwegen irgendwelche Eide schwören, meine Liebe", sagte er barsch und drückte sie dicht an sich. „Steht auf, ihr zwei", schnauzte er Neville und Harry an.
Die beiden rappelten sich hoch und sahen Severus verlegen an.
Draco verdrehte die Augen, während er Harrys Hand ergriff und flüsterte, „Bei Merlins Eiern, Harry. Ihr Gryffs seid manchmal so verdammt dramatisch." Dennoch schloss er gleichzeitig seine Finger um Harrys und drückte sie fest.
Hermione drehte sich wieder um, um Augusta anzusehen. Sie stand nun mit dem Rücken gegen Severus' Brust gedrückt. Er weigerte sich, sie loszulassen, und hielt seine Arme fest um ihre Taille gelegt. „Augusta, ich weiß, dass der Grund, warum Sie so misstrauisch gegen Severus sind, etwas mit dem Geheimnis, das Minerva verbirgt, zu tun hat, aber ich weiß nicht genau, was es ist. Sie müssen uns die Wahrheit sagen."
„Sie ist meine beste Freundin, mir näher als meine eigenen Schwestern. Sie fragen mich darum, Dinge zu enthüllen, die sie zerstören könnten", schrie die alte Dame.
„Glauben Sie mir. Ich kenne wirklich diese Art von Freundschaft. Einander näher zu sein, als die Familie ..." Hermione sah mit einem wässrigen Lächeln zu Harry hinüber. „Willens zu sein, ihre Geheimnisse zu schützen, alles zu tun, um sie vor Schaden zu bewahren, sie um jeden Preis zu beschützen, willens zu sein, für sie zu sterben … Wir verstehen das besser als die meisten, weil wir es ebenfalls erlebt haben. Ich weiß nicht, ob Sie jetzt verstehen, wie wirklich schwerwiegend die Lage für Minerva jetzt ist, wenn es nicht schon zu spät ist." Hermione unterdrückte ein Schluchzen, als Tränen ihr Gesicht hinabliefen.
Eine Hand erschien vor ihr und hielt ihr ein tadelloses, weißes Leinentaschentuch hin. Hermione nahm das Tuch aus Lucius' Hand und flüsterte ihren Dank, als sie ihre Tränen wegwischte.
„Augusta, Severus hat die Dinge, die Sie glauben, nicht getan, sondern jemand anders, und er tut es weiter. Wir müssen ihn stoppen, aber wir brauchen Ihre Hilfe. Wir müssen die ganze Wahrheit wissen, um alles herauszufinden. Bitte helfen Sie uns. Ich weiß, Sie lieben Minerva als eine Freundin, wie eine Schwester. Ich liebe sie auch. Sie war meine Lehrerin, meine Mentorin und mein Vorbild. Es brach mir das Herz, als ich dachte, sie hätte sich von mir abgewandt, aber ich weiß, dass noch andere Einflüsse eine Rolle spielten. Bitte, helfen Sie uns, sie zu retten."
Augusta sah zum Fenster hinaus über das Gelände des Keep. Schließlich räusperte sie sich und wischte eine Geisterträne von ihrer Wange, als sie sich umdrehte und begann, ihre Geschichte zu erzählen. „Als Albus Dumbledore starb, wurde Minerva zu seiner Testamentsvollstreckerin gemacht. Es gab bestimmte Dinge, die verteilt wurden, meistenteils Kleinigkeiten, sentimentale Vermächtnisse. Der Großteil seines Vermögens jedoch, und glaubt mir, es war bemerkenswert, wurde einem Mann alleine hinterlassen, Severus Snape."
Sie sah Severus direkt an, der ungläubig zurückstarrte.
„Minerva war wütend. Sie war überzeugt, dass Albus Snape zu Unrecht vertraut hatte und am Ende verraten worden war. Sie schwor, dass Sie von Albus' Geld niemals auch nur einen Knut zu sehen bekämen, Snape. Nur über ihre Leiche, genau das waren ihre Worte. Also veränderte sie das Testament."
„Warten Sie. Sie veränderte das Testament. Hat sie das Geld für sich selbst behalten?" fragte Draco. „Das hört sich nicht nach McGonagall an."
„Sei kein Narr, Junge!" knurrte Augusta. „Minerva McGonagall ist keine Diebin. Sie ließ das Geld dem Orden des Phönix zufließen, um die Kosten für den Krieg zu finanzieren. Es kostet viel Geld, einen Krieg zu führen; frag deinen Vater danach, junger Malfoy. Ich bin sicher, er kennt sich mit den Kosten aus."
Statt beleidigt auszusehen, nickte Lucius nur mit dem Kopf und antwortete, „Wie wirklich wahr, Madam Longbottom. Jedoch werden die Mittel manchmal freiwillig gegeben, und manchmal werden sie mit Zwang genommen. Ich bin sicher, es ist Ihnen klar, dass in Wahrheit nicht nur Gryffindors alles tun würden, um ihre Lieben vor Leid zu schützen und sie um jeden Preis zu beschützen?"
Augusta betrachtete Lucius genau, dann neigte sie den Kopf bestätigend. „Wie wahr, Sir", antwortete sie feierlich. „Wie sehr wahr."
„Auf jeden Fall –", fuhr sie fort, „als der Krieg vorbei war, realisierte Minerva, wem Snapes wahre Loyalität die ganze Zeit gehört hatte. Sie war entsetzt darüber, was sie getan hatte, als ihr klar wurde, dass Albus wirklich gewollt hatte, dass Snape alles bekommt, aber das Geld war weg. Sie hatte keine Möglichkeit, es zurückzuzahlen. Sie wusste, käme es jemals heraus, wäre sie für alle Zeiten ruiniert. Sie würde als Lügnerin und Diebin abgestempelt, von Hogwarts entlassen, von der Direktion, möglicherweise sogar nach Azkaban geschickt. Sie war schuldbeladen, nicht nur des Geldes wegen, sondern deshalb, weil sie Ihnen nicht wie Albus vertraut hatte. Sie schwor, irgendwie einen Weg zu finden, um alles zurückzuzahlen. Ich hätte ihr mit Freuden das Geld gegeben, wenn ich es gehabt hätte, aber Sie alle haben den Zustand von Toadstool Keep gesehen. Ich fürchte, es gibt in der Longbottom-Kasse kein Vermögen mehr."
„Aber Oma, nach dem, was du sagst, war Severus das Opfer bei alldem. Was hat dich ihm gegenüber so misstrauisch gemacht?" fragte Neville.
„Anfang dieses Jahres bemerkte ich einen gewissen Unterschied in Minervas Verhalten, in ihrem Auftreten. Über ihre Schuld hinaus verhielt sie sich seltsam, also begann ich mich zu fragen, was los war. Mir kam in den Sinn, dass Snape vielleicht die Wahrheit entdeckt hatte und sie erpresste. Minervas Benehmen wurde immer unberechenbarer, und später reserviert. Als ich sie das letzte Mal traf, war sie überhaupt nicht sie selbst, und Snape war an diesem Tag auch dort, deshalb war ich sicherer denn je, dass er involviert war. Zwei Tage später war ich tot. Ich war mir sicher, dass er mir ein Gift in den Tee geschmuggelt hatte oder so etwas."
„Was? Ich war nicht in Hogwarts. Wann war das?" forderte Severus.
Hermione antwortete, „Es war im Mai. Erinnere dich, Severus, als wir die Tagebücher durchgesehen haben. Es war Mitte Mai, als Augusta starb."
„Ahhh ... jetzt fällt es mir wieder ein", erinnerte Severus sich mit finsterem Blick. „Ich ging, um wegen meiner Anfrage als Lehrer für Zaubertränke wegen nachzufragen. Ich hatte mich beworben, als Horace unerwartet mitten im Schuljahr aufhörte, aber es war für den Rest des Jahres schon ein Ersatz eingestellt. Als ich später hörte, dass der Ersatz nicht allzu vielversprechend als permanenter Lehrer aussah, brachte ich erneut mein Interesse, zurückzukommen und als Lehrer zu arbeiten, zum Ausdruck. Ich war an diesem Tag dort, um meiner Sache bei Minerva Nachdruck zu verleihen, aber ich wurde informiert, dass dies außer Frage stand. Sie sagte, weder die Eltern noch der Aufsichtsrat würden mich jemals wieder akzeptieren. Mir würde niemals im Umgang mit den Kindern wieder vertraut werden, sagte sie."
Augusta sah verwirrt drein. „Das ist nicht wahr. Das Thema, ob Sie die Zaubertrankstelle wieder übernehmen sollten, wurde nie vor den Aufsichtsrat gebracht. Tatsächlich gab es einige im Rat, von denen ich sicher bin, dass sie den Vorschlag ziemlich begeistert aufgenommen hätten." Sie schaute Lucius deutlich an.
„Also hat Minerva schlichtweg gelogen, oder sie wurde dazu genötigt", folgerte Harry. Seine Augen leuchteten auf wie ein Kandelaber, als ihn die Erkenntnis traf. „Oder sie war es von Anfang an gar nicht."
„Das ist meine Theorie, Harry", stimmte Hermione ihm zu. „Was hier passiert, ist Mad Eye Moody/Barty Crouch gerade noch einmal."
„Verdammt und zugenäht!" rief Neville aus und sprang auf die Füße.
„Erinnerst du dich, als ich dich gefragt habe, ob Minerva sich seltsam verhalten hat, Neville?" fragte Hermione ihn. Auf sein Nicken fuhr sie fort. „Du sagtest, sie war kaum mehr zu sehen, blieb in ihrem Büro und ging kaum jemals mit den Schülern um. Das ist gar nicht typisch für Minerva; es klang wirklich verdächtig für mich. Ich begann mich zu fragen, was die Erklärung dafür sein und wer verantwortlich sein könnte."
„Wer ist dir also als möglicher Verdächtiger in den Sinn gekommen?" fragte Draco.
