Erebor 3022: Cursebearer – Die letzten Schatten Morguls
Von summerald – übersetzt aus dem Englischen von jessie152
Disclaimer: ''Der Hobbit'' und ''Der Herr der Ringe'' als auch sämtliche Figuren darin sind Eigentum von Tolkien Estate und Wingnut Films. Diese Geschichten dienen ausschließlich der Unterhaltung und weder der Autor noch der Übersetzer profitieren in irgend einer Weise davon oder erheben irgendwelche Ansprüche auf ''Der Hobbit'' oder ''Der Herr der Ringe''.
Kapitel 14
Kíli schwankte, durch das Fieber fühlte er sich durchgefroren und wackelig.
''Seid vorsichtig,'' hörte er Nÿr's Stimme, dann fühlte er ihren Arm um seine Taille, und sie stützte ihn, bis er sich wieder gefangen hatte. Trotz eines dumpfen Kopfschmerzes ertappte er sich dabei, dass er schon wieder über ihr Ohr nachdachte…
''Halt still,'' sagte er.
Sie sah ihn irritiert an. ''Was…?''
''Einfach nur…'' er beugte sich näher zu ihr. ''Still.'' Er konnte ihr Haar riechen, frisch gewaschen und so wohlriechend wie Balsa. Er spürte, wie sie ganz leicht zitterte und lehnte sich dann das letzte kleine Stück, dass sie noch trennte, zu ihr. Er küsste sie sanft auf die Stirn, schloss die Augen und genoss ihren Duft. Es half ihm, seinen schmerzenden Kopf klar zu kriegen.
''Ich kann mich nicht dagegen wehren,'' flüsterte er. ''Will ich auch gar nicht.''
Sie wich nicht zurück, sie hob ihre Hand und legte sie auf seine Brust. Er dachte, dass sie einlenken würde, doch ihr Gesicht war wie versteinert.
Das war alles mehr, als sie verkraften konnte, wurde Kíli klar. ''Ich bin nur ein einfacher Kerl aus den Ered Luin,'' flüsterte er, und versuchte, sie damit zu beruhigen.
Sie sah ihn zweifelnd an.
Beinahe verlor er wieder das Gleichgewicht. ''Nÿr, ich will, dass das funktioniert…'' er stockte. ''Ich wünsche mir so sehr, dass es funktioniert.'' Seine Stimme schien alle Kraft zu verlieren. ''Wenn Du denkst, dass Du mich wieder lieben kannst.''
Sie blinzelte. ''Wie könnte ich Euch nicht lieben?'' Sie sah aus, als wollte sie noch mehr sagen, statt dessen brachte eine ihrer Schultern unter seinen Arm und half ihm, etwas gerader zu stehen. Er streckte sein schlimmes Bein und probierte, ob es ihn tragen würde.
''Mahal,'' er ließ seinen Atem entweichen. ''Die Narbe brennt wie Feuer…'' Er verzog das Gesicht.
Sie stand fest und stützte ihn, bis der Schmerz nachließ.
Einen Moment später konnte Kíli alleine stehen. Sie schätzte ab, ob er das Gleichgewicht würde halten können, und trat dann einen Schritt zurück.
''Siehst Du?'' Er brachte ein gequältes Lächeln zustande. ''Wir sind gut zusammen.''
Sie sah ihn mit großen Augen an. ''Kíli,'' ihre Stimme war leise. ''In der Minute, in der der Rat das über mich herausfindet…''
''Nein,'' er wollte sie wieder an sich ziehen. ''Mein Bruder ist derjenige, der zählt, und meinen Bruder würde das nicht kümmern.
''Doch der Hof… die Ratsmitglieder!'' Sie machte einen weiteren Schritt rückwärts.
''Glaub' mir, die wissen das mit dem Elbenmädchen. Im Vergleich dazu verblasst ganz sicher jegliches Gerücht über einen Menschen.''
''Ich bin niemand, Kíli.'' Sie schüttelte den Kopf und streckte hilflos und verwirrt die Hände von sich. ''Ich bin eine Waise ohne jegliche Familie. Ich habe keinerlei Recht zu erwarten…''
''Nÿr, Du hörst, wie die Raben sprechen, ich habe gerade gesehen, wie Du es getan hast.'' Kíli trat vor, um die sich vergrößernde Distanz zwischen ihnen zu überwinden.
''So? Das ist doch nichts… Ich war immer in der Lage…''
Er streckte seine Arme aus und ergriff ihre Hände um sie in ihrer aufkeimenden Panik zu beruhigen. ''Das ist einfach alles, Liebste,'' sagte er leise. ''Es ist der Beweis, dass Du das Blut Durins in Deinen Adern hast.''
Sie starrte ihn an.
''Ich weiß nicht wie,'' sagte er, und unterdrückte ein Lächeln. ''Aber Du entstammst aus Durins Geschlecht, genau wie ich.''
Ihr Gesicht wurde kreidebleich. ''Aber wir… in der Wachstube…''
Ihm wurde klar, dass sie sich jetzt wegen ihrer gemeinsamen Nacht vor dem Feuer sorgte.
Doch Kíli zuckte nur mit den Schultern. ''Rede Dir keine überflüssigen Kummer ein. Wahrscheinlich ist, dass wir mehr als drei Verwandtschaftsgrade auseinander sind. Und mehr brauchen wir nicht. In alten Zeiten haben Cousins dritten und vierten Grades andauernd geheiratet.''
''Wie sollen wir das überhaupt wissen?'' flüsterte sie mit angstgeweiteten Augen.
''An wird es wissen,'' sagte er mit Zuversicht. ''Sie hat alle alten Familienaufzeichnungen. Wir fragen sie einfach… so ganz beiläufig, in einer was-ist-los-bei-den-Raben Art und Weise.''
Sie sah ihn zweifelnd an.
Kíli wurde plötzlich ganz flau im Magen. Er sah auf ihre Hände, die er in seinen hielt, und dann in ihr Gesicht. ''Du willst mich nicht?''
Sie sah erschrocken auf und ihre Antwort war, dass sie ihn wieder zu sich heran zog und ihn ganz fest an sich drückte.
Er hörte, wie sie ganz leise schniefte und er küsste ihr Haar, drückte dann seine Stirn an die Ihre und nahm ihr Gesicht zwischen seine Hände. Sie hatte ein Kämpferherz, aber sie war zu sehr daran gewöhnt, sich hinter ihren Pflichten zu verbergen, und all das musste ihr viel zu schnell gehen und im Grunde unmöglich vorkommen.
''Das hier ist richtig, Nÿr '' sagte er ganz ruhig. ''Ich fühle es tief in meiner Seele. Du hast nicht diese Illusionen über mich wie all jene Hochwohlgeborenen... und bei meiner Ehre, Mädchen, ich würde Dich lieben und beschützen bis zum Ende der Welt.''
''Kíli,'' flüsterte sie. Dann hob sie eine zitternde Hand und berührte seine. Und er spürte, wie sich ihr Atem beruhigte und ihre Furcht langsam verflog.
Dann hörte er ein höfliches Klopfen an der Tür und eine Anfrage der Kammerherren.
''Ich bin auf dem Weg,'' rief Kíli zurück, als sie sich trennten..
Nÿr holte tief Luft. ''Man verlangt nach Dir,'' sagte sie und erinnerte ihn an die bevorstehende Aufgabe.
Und Du brauchst Zeit, um nachzudenken, erkannte er, als ihm klar wurde, wie durcheinander sie von all dem war. Er nahm erneut ihre Hände und drückte sie zur Beruhigung. Es ermutigte ihn, als er fühlte, dass sie seinen Händedruck erwiderte… und es machte sein Herz ein wenig leichter, als er bemerkte, wie sie ihn mit ihren wunderschönen grünen Augen ansah. Aus einem erneuten Impuls heraus küsste er ihre Hand, um zu zeigen, dass er es ernst meinte.
Ihr Blick erhellte sich, und da – die Andeutung eines Lächelns, und ihre Finger berührten zärtlich sein Gesicht.
Es genügte.
Schließlich, trotz des Schüttelfrostes und der Kopfschmerzen, begab sich Kíli zu den Kammerherren für ein schnelles Bad und legte frische, dem Hof angemessene Kleider an. Er schaffte es noch, rasch ein Wort mit Frau An zu wechseln, als sie ihm die Ehre erwies, ihm seinen Reif, der seinen Stand als Prinz königlicher Abstammung repräsentierte, auf den Kopf zu setzen.
Vor der Tür traf er auf eine bereitstehende Eskorte in Form einiger Pagen seines Bruders und einiger Mitglieder der königlichen Wache, und er hoffte, dass er besser aussah, als er sich fühlte. Er verbeugte sich zum Dank vor Frau An und ließ die Eskorte vorausgehen.
Doch bevor sich die Tür hinter ihnen schloss, hörte er die Stimme der Frau seines Bruders, die jemanden bat, sie zum Tee in den Arbeitsraum der Königin zu begleiten – und die Person, die darauf antwortete, war Nÿr.
Fíli saß still, wie in Stein gemeißelt, und sein finsterer Blick schweifte von seinem Platz auf Erebors gewaltigem Thron durch den Saal. Er hasste gerichtliche Verfahren, doch es war eine Pflicht, vor der er sich nicht drücken würde. Er kannte die Gesetze in- und auswendig, aber wäre er nicht als Thronerbe geboren worden, hätte er sie niemals freiwillig studiert.
Gleichwohl wartete er nun auf die Präsentation des Beweises, der der gesamte Hof beiwohnen, und den ein Jeder damit auch akzeptieren konnte. Das Volk Erebors musste Klarheit darüber haben, dass die Schuld von jemandem eindeutig war, bevor er Gerechtigkeit walten lassen konnte. Das war ein entscheidender Bestandteil einer guten Herrschaft.
''Mein Herr!'' rief eine der Wachen, als ein wilder Schwarm von Raben pfeilschnell einem Kader von Wachen in den Thronsaal voraus flog. Die Vögel wirbelten durch die riesige Halle bis Fíli ein Kommando rief, welches sie veranlasste, sich niederzulassen. Sie flatterten und sträubten das Gefieder, während sie sich an allen möglichen Sitzplätzen hoch unter der steinernen Decke niederließen. Die Wachen marschierten in zwei Reihen in den Saal, und eskortierten eine Gruppe von etwa zehn Zwergen, keiner von ihnen war ein Bewohner Erebors. Die Zwerge, die in Gewahrsam genommen worden waren, wurden vorangetrieben und mehrere Säcke mit Beweisen vor dem König auf den Boden gestellt.
Es war der alte Dwalin, der vortrat, um die Wachen zu befehligen. Auf sein Signal hin bot man den weiblichen Mitgliedern der Gruppe Sitzplätze am Rande an, doch sie entschieden sich, bei den Kerlen zu stehen, und blieben.
Fíli erkannte Yngvli, den Händler, und zwei seiner unerträglichen Töchter. Wie ausgesprochen vorhersehbar! Doch er nahm an, dass Yngvli lediglich ein Strohmann war. Er wettete darauf, dass der eigentlich Schuldige einer der anderen war.
Auf ein Nicken trat eine der Wachen vor und verbeugte sich.
''Die Suche der Raben,'' rief er mit lauter Stimme, ''brachte diese Zwerge aus den Grauen Bergen hervor, sie versteckten Vorräte von Rotstaub-Sprengpulver, einem Sprengstoff, der nach unseren Gesetzen innerhalb von Erebor ausdrücklich verboten ist. Diese Zehn,'' er zeigte auf die Gruppe,'' haben Rückstände davon an ihren Händen und geben zu, wissentlich damit hantiert zu haben''
Fíli nickte. Mit seiner Thorin-Stimme, wie er sie insgeheim nannte, rief er der versammelten Menge zu:
''Zweifelt irgendjemand der Anwesenden dieses, unser Gesetz, an?''
Es war die Gelegenheit, zu widersprechen. Niemand tat es.
''Was ist die Strafe für dieses Verbrechen?'' fragte Fíli.
Einer der Ratssekretäre trat vor. ''Mein Herr, wenn ich höflichst fortfahren darf, in Sachen des Besitzes von verbotenem Sprengstoff ist eine Strafe von 50.000 Goldmünzen von je einer Unze zu zahlen.''
Fíli nickte. ''Irgendjemand, der dieses Urteil anficht?''
Erneut meldete sich niemand zu Wort.
Fíli hob eine Hand, um sein Urteil zu verkünden. ''Die Strafe ist eine Summe von 50.000 Goldmünzen zu je einer Unze.'' Der alte Glóin ließ deutlich erkennen, dass er bereit war, die Zahlung auf der Stelle zu kassieren.
Der Trupp aus den Grauen Bergen blieb stoisch.
Das sollten sie sein, sagte sich Fíli. Es war ein ziemlich mildes Urteil, und mit Yngvlis Vermögen in der Hinterhand konnten sie sich das gut leisten. Aber ich bin noch nicht fertig, er sah mit stechendem Blick in die Runde.
Neben dem aufgebahrten Leichnam der gefallenen Königlichen Wache standen zwei Zwerge in traditionellen Trauergewändern und ließen erkennen, dass sie den Wunsch hatten, zu sprechen.
Fíli nickte ihnen zu. ''Sprecht, Söhne des Hoskel.''
Beide verbeugten sich respektvoll, dann räusperte sich der Größere der beiden. ''Wir respektieren die Strafe, Mein König, doch wir ersuchen das Gericht: Gilt es hier nicht ein viel größeres Verbrechen zu verurteilen? Unser Vater,'' der Zwerg musste sich unterbrechen als seine Stimmer vor Trauer versagte. Er deutete mit der Hand auf seinen gefallenen Vater. ''Unser Vater liegt hier, tot, Opfer eines Steinschlages, mit Absicht ausgelöst von diesem… diesem…,'' er blickte angewidert auf den Haufen aus den Grauen Bergen, ''…Gesindel! Wir ersuchen das Gericht, diese Verbrecher wegen Mordes zu belangen.''
Fíli hob erneut eine Hand. ''Das Gericht stimmt zu. Wir werden über Euer Ersuchen entscheiden.'' Er sah seine Wachen an. ''Ruft Prinz Kíli, Anführer der Wache Erebors, und den Bogenschützen Skirfir der zweiten Abteilung, als Zeugen. Ruft ebenso den Herrn Rathsvith aus den Grauen Bergen, König der Ered Mithrin.''
Die Wachen salutierten und Bedienstete des Hofes hasteten davon. Ein Raunen von Spekulationen ging durch die Reihen der Anwesenden.
Nach mehreren Beratungen, die deutlich länger als gewöhnlich dauerten , trat einer der Bediensteten vor und verbeugte sich.
''Es wird berichtet, dass Herr Rathsvith leidend ist,'' verkündete er. ''Man wird ihn herunterbringen, doch es wurde gesagt, dass nun sein Cousin Herr Aurvang für ihn sprechen wird.
Fíli verzog keine Mine, er ahnte ziemlich genau, wo sie diesen Herrn Aurvang finden würden. ''Lasst ihn vortreten.''
Fíli sah, dass seine Vermutung völlig richtig war, als einer der wuchtigeren Zwerge aus der Gruppe aus den Grauen Bergen aus seinem Versteck hinter den anderen hervorgebracht wurde.
In diesem Moment eskortierte die Wache zwei Neuankömmlinge durch einen Seiteneingang: Erstens Prinz Kíli, gekleidet in seinen höfischen Gewändern und dem standesgemäßen Reif auf seinem Kopf. Er hinkte leicht und sah erschreckend bleich aus, doch niemand außer einigen wenigen Eingeweihten hatte einen Grund, es etwas anderem als einer geringfügigen Verletzung am Bein zuzuschreiben. Hinter ihm kam als Zweiter ein jüngerer Zwerg in einer einfachen Uniform eines Bogenschützen, er ging an Krücken und ein Bein war dick verbunden und geschient.
Eine steinerne Bank wurde gebracht, damit sich der junge Bogenschütze setzen konnte. Fíli war damit mehr als einverstanden, war es doch eine völlig glaubhafte Entschuldigung für seinen Bruder, sich ebenfalls zu setzen. Fíli konnte sehen, dass keiner der Beiden auf den Beinen sein sollte. Er schwor sich, die Angelegenheit zügig voranzutreiben, damit sie beide wieder zurück in ihren Betten gebracht werden konnten.
Dann wurde Herr Rathsvith auf einer Trage in den Saal gebracht, er machte den Eindruck, als sei er absolut besinnungslos.
Fíli winkte den obersten Hofarzt herbei, zu Hilfe zu eilen.
Dann begann die eindringliche Befragung. Zu erst forderte er Prinz Kíli auf, seinen Bericht über den Steinschlag abzugeben. Kíli umriss das Wesentliche und übergab dann das Wort an Skirfir, den einzigen Überlebenden des Vorfalles, der gesund genug war, um zu erscheinen, und der auch der einzige Zeuge war, der die Betreffenden am Ausgangsort des Steinschlages auf dem Berg gesehen hatte.
Skirfir konnte auf drei Zwerge in der Schar aus den grauen Bergen zeigen. ''Diese drei, Mein Herr.'' sagte Skirfir, und deutete auf Aurvang und zwei andere. ''Ohne Zweifel.''
Skirfir wurde entlassen, damit er rasch wieder in die Krankenhalle zurückkehren konnte. Kíli blieb.
''Mein Herr,'' rief der Hofarzt, und bat um die Erlaubnis, zu sprechen.
Fíli nickte.
''Der König der Ered Mithrin wurde vergiftet.'' Der Hofarzt berührte die Lippen des bewusstlosen Königs, dann hielt er einen Finger hoch, er war violett verfärbt. ''Omrid-Trank.''
Die anwesende Menge, die den Geschehnissen folgte reagierte schockiert, in gedämpften Ton wurden Spekulationen ausgetauscht. Der Omrid-Trank, in geeigneter Dosis verabreicht, konnte absolut tödlich sein - und nur der niederträchtigste Verräter würde es wagen, ihn zu verwenden…
Hoch über ihren Köpfen flogen die Raben in heller Aufregung umher.
Einer flog zum Thron herab und schrie seinen Ärger heraus.
Fíli sprang auf und verließ den Podest, auf dem der Thron stand und schritt an die Seite des Königs der Ered Mithrin, um die Sache persönlich in Augenschein zu nehmen. Königsmord war ein Verbrechen, das alle sieben Königreiche äußerst ernst nahmen. Das mussten sie. Und nun wurde das Leben eines anderen Königs, der sich zu Besuch aufhielt, bedroht? Innerhalb Erebors? Untragbar!
Repräsentanten der anderen Königreiche traten vor, um sich ebenfalls mit eigenen Augen zu überzeugen. Die Gesichter der Umstehenden waren starr vor Schreck.
Fíli befahl, dass der König der Ered Mithrin, immerhin sein persönlicher Gast, in die Krankenhalle gebracht wurde, wo man sich seiner annehmen sollte. Außerdem, dass Wachen aufgestellt werden sollten, um seine Sicherheit zu gewährleisten. Zwei Berater aus den Eisenbergen begleiteten sie.
Dann sprach er leise mit dem alten Jothro aus den Eisenbergen, um sich mit ihm eingehend zu beraten, welches Verbrechen in diesem Fall vorrangig zu verurteilen wäre, als unter den drei Mädchen in der Gruppe aus den Grauen Bergen ein Streit ausbrach. Offensichtlich beschuldigte eine die beiden anderen, in der Hoffnung, selbst als unschuldig betrachtet zu werden.
Die Königliche Wache trennte die drei und entdeckten mehrere Fläschchen des giftigen Trankes in der Rocktasche von Yngvlis jüngerer Tochter. Sie kreischte, sie sei unschuldig und rief Aurvang um Hilfe.
Und das war der Moment, in dem Aurvang die Angelegenheiten vereinfachte, indem er sein Schwert zog, und den König von Erebor in seinen eigenen Hallen bedrohte.
Er baute sich vor Fíli auf, sein zweischneidiges Breitschwert in den Händen. ''Verflucht sei das Haus Durins,'' brüllte er. ''Verschwörer!'' Er fügte noch einen hässlichen Fluch auf Khuzdul hinzu , der mehr Ork-artig klang als nach Zwerg.
Fíli trat vom alten Jothro zurück und begrüßte tatsächlich die Herausforderung eines Kampfes. Das war endlich ein Verbrechen, was er ohne große Überlegungen bestrafen konnte.
''Ich verlange nach Eurem Blut,'' knurrte Aurvang. ''Und dem Blut all Eurer Kinder!''
Die Königlichen Wachen sahen erst Kíli an, dann Dwalin. Beide sahen finster drein, rührten sich aber nicht. Die Wachen blieben daraufhin ruhig stehen.
Der König konnte seine eigene Schlacht schlagen.
Fíli nahm zwei Schritt Abstand zu allen anderen, für einen Kampf benötigte er Raum. ''Aus welchem Grund? Was hat das Haus Durins Dir angetan?''
Aurvangs Hände schlossen sich fester um den Griff seines Schwertes. ''Ihr habt Gondor im Krieg unterstützt. Ihr unterstützt es immer noch.''
Fíli machte drei weitere Schritte. ''Und Ihr habt Mordor unterstützt, nicht wahr? Ihr mögt es nicht, dass sich die Welt verändert hat, Aurvang. Doch das hat sie.''
''Hat sie das? Wir Zehn,'' er deutete mit einer ruckartigen Kopfbewegung auf die anderen, ''haben es geschafft, das Abkommen mit Gondor zu verhindern.'' Er schnaubte vor Wut und fletschte die Zähne wie ein Ork. ''Ich sage es Euch: Mordors Legionen werden sich wieder erheben.''
Fíli verlangsamte seine Schritte. ''Und das Haus Durins wir ihnen immer standhaft entgegentreten.''
Aurvang lachte bloß und machte einen Schritt auf den König zu. ''Dann werdet ihr dafür bezahlen.''
''Die Strafe dafür, Aurvang,'' rief Fíli mit lauter Stimme, damit ihn jeder hören konnte, ''eine Klinge gegen den König innerhalb Erebors zu ziehen, ist der Tod!''
Aurvang gab einen verächtlichen Laut von sich. ''Ihr steht hier ohne jegliche Waffen.''
Fíli, Sohn aus Durins Geschlecht und König unter dem Berge, zog seine Doppelschwerter mit einem metallischen Klirren aus ihrer verborgenen Scheide.
''Niemals,'' sagte er, und hielt die beiden Klingen in Bereitschaft.
Aurvang schäumte und hob sein Breitschwert, um zuzuschlagen, sein Gesicht war rot vor Wut.
Fíli, König von Erebor parierte mit Leichtigkeit sieben Schwerthiebe von Aurvang, der sich ganz offensichtlich seines Angriffes sehr sicher fühlte. Allerdings war es für alle Umstehenden klar zu erkennen, dass der Anführer der Steinfüße einem Sohn aus Durins Geschlecht nicht das Wasser reichen konnte. Wie ein Schwertmeister seinen Schüler ließ er das Großmaul seine Kräfte erproben.
Der jedoch meinte es durchaus ernst. Er hob sein Schwert für einen achten Schlag, eine Rückhand. ''Ich schlag' Euch den Kopf ab!'' verkündete Aurvang mit hasserfüllter Stimme, als er zum Angriff ausholte, Fíli trat einfach zurück und der Steinfuß verlor das Gleichgewicht, als sein wuchtiger Hieb ins Leere ging und der Schwung ihn beinahe vornüber riss. Er konnte sich gerade noch fangen, sein Gesicht war wutverzerrt. ''Und dann,'' brüllte er,'' verlange ich die Köpfe Eurer gesamten verfluchten Sippe!''
Am Rande des Geschehens zogen sowohl Kíli als auch Dwalin zweifelnd ihre Augenbrauen hoch.
Fíli entschied eindeutig, dass er genug hatte, nutzte den Vorteil und die Bresche, die ihm Aurvang bot, für eine Folge von unerbittlichen, rasch aufeinander folgenden Abwärtshieben mit beiden Schwertern. Aurvang hatte Mühe, sie zu parieren, und trat dabei so schnell rückwärts, dass er um ein Haar über seine eigenen Füße stolperte. Das Klirren der Schwerter schallte hell und in schneller Abfolge durch die Königliche Halle, bis Fíli Aurvang das Schwert mit einem blitzschnellen seitlichen Hieb aus der Hand schlug, und die Klinge in hohem Bogen durch die Luft segelte. Den Zuschauern verschlug es hörbar den Atem, dann standen sie starr und totenstill, als das Schwert auf den Boden krachte und mit einem metallischen Scheppern quer durch die halbe Halle schlitterte.
Aurvang machte noch zwei Schritte rückwärts, schüttelte seine leere Schwerthand, keuchte und rang nach Atem.
Fíli rückte mit festen Schritten vorwärts, die Schwerter bereit und der Ausdruck auf seinem Gesicht war hart wie Stein.
Aurvang duckte sich und gab ein gefährliches Grollen von sich, dann war plötzlich eine kleine Kampfaxt in seiner Hand und er war erneut zum Angriff bereit.
Fíli gab ihm keine Chance – seine Augen blitzten bei dieser letzten Beleidigung, und seine Doppelklingen wirbelten mühelos in drei schnellen Schwüngen: der erste schlug Aurvang die erhobene Waffe aus der Hand, Blut spritzte durch die Luft. Der Zweite traf ihn mit der flachen Seite einer Klinge von oben auf den Kopf. Der Kopf des Steinfußes flog nach links unten. Fíli wirbelte herum und führte sein anderes Schwert mit einem wuchtigen Schwung in Richtung der Rückseite von Aurvangs ungeschütztem Hals.
Es traf mit großer Genauigkeit und einem deutlich hörbaren Geräusch genau das untere Ende des Halses, gleich über den Schultern.
Aurvang sackte zusammen und fiel auf die Knie, dann seitwärts, wie eine leblose Puppe und blieb auf der Seite liegen.
Einen Moment später rollte Fíli den Verräter mit dem Stiefel gegen dessen Schulter auf den Rücken. Der Hals hatte einen deutlich unnatürlichen Winkel.
Aurvang lag, tot… die Axt Hand völlig zertrümmert, und eine kleine Blutlache sickerte aus der klaffenden Wunde, wo Der König säuberlich das Rückenmark durchtrennt hatte.
Fíli bohrte seinen Blick in die Augen der restlichen Leute aus dem Haufen aus den Grauen Bergen, seine blauen Augen waren stahlhart.
''Sonst noch jemand?'' fragte er, und konnte seine Rage kaum zurückhalten.
Ausnahmslos alle, die in der Halle versammelt waren gaben nicht einen Ton von sich. Die Leute aus den Grauen Bergen standen regungslos.
Schuldig! Die ganze Bande!
''Nun hört mein Urteil,'' sagte e zu ihnen. ''Ihr seid auf ewig aus dem Berg und den Ländern Erebors verbannt,'' Filis Wut und Abscheu ließen ihn mehr wie seinen Onkel Thorin klingen als ihm bewusst war. ''Per Erlass!'' Er hatte genug von dem, was Recht und Gesetz war, und als König er konnte anordnen, was immer er wollte. Er drehte sich um, stelzte, immer noch vor Wut kochend, zurück zu seinem Thron, und warf seine Schwerter einem Pagen zu, damit dieser sie säuberte.
''Der Wache von Erebor sei verkündet, dass ein jeder von diesen Verurteilten, der in unsere Länder zurückkehrt, augenblicklich hinzurichten ist,'' befahl er. Er wandte sich wieder den verbleibenden neun Verbrechern zu. ''Alle Rechte und Begünstigungen sind hiermit widerrufen. Ihr habt eine Stunde, um zu verschwinden.''
''Mein Herr,'' verlangte jemand, eindeutig eine weibliche Stimme. Es war Yngvlis ältere Tochter. Sie drängelte sich durch die anderen und eilte nach vorne, nur zögerlich unterstützt von Yngvli selbst.
''Was ist mit mir?'' rief sie. ''Ich bin unschuldig, und ich habe einen Heiratsantrag an den Rat gerichtet, der Euch nun seit über einer Woche vorliegt.'' Sie hob ihre Röcke und lief auf den König zu. Es war klar, was ihre Absicht war.
Einen Moment später hatte Fíli ein gefährlich aussehendes langes Messer in der Hand, welches er in schierer Wut gezogen hatte. Er hatte endgültig die Nase voll von diesen Idioten.
Die Dame hielt inne, als ob ihr plötzlich bewusst geworden war, dass ihr eigener Hals auf dem Spiel stand.
''Ihr seid keine Unschuldige,'' knurrte er und hatte seien Zorn kaum unter Kontrolle. Seine Stimme wurde lauter. ''Ihr gehört zu einem Abschaum , der heute das Leben von zwei Königen bedroht hat.'' Er machte eine Pause. Es gab erschrockenes Geflüster in der umstehenden Menge, aber niemand hätte mit ihr tauschen mögen, nicht jetzt. Sie war eine Verbrecherin und Manipulantin und eines Platzes unter wahren Zwergen nicht würdig.
''Euer Antrag,'' fuhr er fort, und betete es ihr nochmal vor, ''ist ein widerrufenes Recht und Privileg, enthalten in der Kategorie alle.'' Er durchbohrte sie fast mit seinem wütenden Blick. Es kümmerte ihn wenig, dass seine Antwort sie als Schwachkopf abstempelte, er war nicht in der Stimmung, sich einem mit solchen Narren abzugeben.
Damit winkte er Kíli und stampfte durch die Tür zu den Königlichen Gemächern aus der Halle. Er überließ der Königlichen Wache, seine Anordnung auszuführen, die Bande vor die Tür zu setzen und dafür zu sorgen, dass sie Erebor verließen. Er wusste, dass sie ihnen folgen und über jede ihrer Bewegungen Bericht erstatten würden. Er wusste ebenfalls, dass Glóin sicherstellen würde, dass Yngvli die 50.000 Goldmünzen zahlte, bevor er ging.
Doch dann blieb er unmittelbar am Anfang des privaten Durchganges stehen, steckte das lange Messer wieder in die Scheide und wartete, dass ihn sein Bruder einholte.
Sein durchdringender Blick war unnachgiebig genug, dass die Wachen, die ihn eskortierten einen Schritt zurück machten, und auch seinen Pagen jagte er einen ordentlichen Schrecken ein. Sie machten, dass sie weg kamen.
Kíli hinkte neben ihn und Fíli legte einen Arm um seinen Bruder, um ihm weiter zu helfen. ''Es geht mir gut,'' beharrte Kíli leise.
''Du hast geschwankt, wo Du da gesessen hast,'' grummelte Fíli. ''Ich konnte es aus dem Augenwinkel sehen. Verflucht ablenkend!''
Und gemeinsam gingen sie schweigend den Weg zurück in die Königlichen Gemächer.
..
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Fußnote: omrid = Tod (in Khuzdul)
A/N: Vielen Dank fürs Lesen, und wenn es gefallen hat wäre ein Feedback wirklich nett. Bis zum nächsten Mal, Jessie & Summer, und wie immer ein dickes Dankeschön an Tallboy.
