AN: Mein Kapitel-"Vorrat" neigt sich dem Ende zu, das hier ist das zweitletzte Kapitel, das ich momentan fertig habe. Danach werden die Kapitel dann (hoffentlich) monatsweise kommen, oder eben dann, wenn ich sie fertig habe.
Ich wünsche euch viel Spaß mit dem Kapitel und würde mich über Reviews freuen!
Danke wie immer an meine wundervolle Beta Anne und meine Schwester fürs Korrekturlesen!
Disclaimer: Harry Potter und seine Charaktere gehören JKR. Diese Geschichte gehört Jewels5. Dies ist eine genehmigte Übersetzung.
Kapitel 14 - „Zwei Schritte nach vorne"
Oder
„Glaube an etwas Höheres"
Das war es.
„Das ist es, Prongs," murmelte Remus ernst, seinem Kumpel auf die Schulter klopfend.
Angespannt nickte James. „Das weiß ich, Moony," fuhr er ihn in einem Unterton an. „Das weiß ich, in Ordnung? Gebt… gebt mir einfach ne Minute, ja?"
„Eine Minute," hauchte Sirius. „Ja. Die hast du. Was auch immer du brauchst. Nimm dir Zeit, Prongs. Lass ihn in Ruhe, Moony."
„Ich hab bloß…"
„Schhhh!" Peter brachte sie zum Schweigen. „Sie werden es hören." Die Rumtreiber - abgesehen von James - warfen misstrauische Blicke über ihre Schultern zu der Ansammlung von Gryffindors, die im Gemeinschaftsraum warteten und zusahen.
James stand ein paar Schritte von den anderen entfernt, sein Rücken ihnen ebenfalls zugewandt, eine Hand auf seine Schläfen gepresst. Er kniff seine geschlossenen Augen zusammen, kaute auf seiner Lippe und konzentrierte sich stark. Er konnte Sirius, Remus und Peter in versucht gedämpften Tönen zanken hören, zwang dann sein Gehirn wieder zurück zu den aktuellen Angelegenheiten. Das war es.
Und dann traf es ihn.
James' Körper entspannte sich sichtbar; seine Schultern fielen zu einer natürlichen Höhe und seine Rücken richtete sich auf. Er atmete tief aus und ein leichtes, selbstzufriedenes Grinsen zupfte an seinen Lippen. Die anderen drei Rumtreiber, die ihre Hälse reckten um eine bessere Sicht zu bekommen, bemerkten es.
„Oh, Merlin sei Dank," sagte Sirius, unhörbar für jeden außer den vier. James achtete nicht auf ihn. Er drehte sich theatralisch um, um nicht nur den Rumtreibern, sondern auch den zwei oder drei Dutzend anderen Gryffindors gegenüberzustehen, von den ein paar James mit Skepsis, andere mit Aufregung ansahen, aber alle mit einer gewissen Erwartung.
Der Quidditchkapitän fuhr mit einer Hand durch sein schon schrecklich unordentliches Haar. Als er die erwartungsvollen Gesichter seiner Hausgenossen bemerkte, schritt James vorwärts, an den Rumtreibern vorbei und nach vorne zu dem Rand der kleinen Menge, die sich im Raum gebildet hatte. Er hielt an, als er ein paar Schritte vom vordersten Gruppenmitglied entfernt war und er begann an der vordersten Reihe entlang zu schreiten, nervös seine Finger knacken lassend.
Das war es.
James blieb ganz plötzlich stehen, ungefähr nach der Hälfte des Weges. Er fuhr wieder herum und ging direkt auf eine Fünftklässlerin zu - eine süße Blondine mit runden Augen und Stupsnase.
„Elaine Peasance," sagte James ernst und mehreren - die Blondine Elaine miteingeschlossen - stockte der Atem. „Elaine Peasance, du warst es."
„Ich - ich…"
James hielt eine Hand hoch und bat die Menge um Ruhe. „Du warst es," wiederholte er. „Und…" Er berührte wieder mit seiner Hand seine Schläfe, als ob ein plötzliches Kopfweh ihn ergriffen hätte. Er zuckte zusammen, kaute auf seiner Lippe, legte den Kopf schief und ging durch eine Reihe ähnlicher Gesten, die keiner um ihn herum wirklich verstand, bis schließlich James Gesicht wieder feierlich wurde. „Zwölf."
Elaine starrte ihn an, von Ehrfurcht erfüllt. „W-w-wie hast du…?" Sie verstummte und begann zu lächeln. Ihren Lockenkopf schüttelnd begann Elaine zu klatschen. Plötzlich war sie nicht mehr alleine, weil der Rest des Gemeinschaftsraumes ebenfalls in Applaus ausbrach. James grinste und verbeugte sich leicht. Er begann sich wieder zu den Rumtreibern umzudrehen, aber eine Stimme hielt ihn auf.
„Das beweist nichts," protestierte Bertram Aubrey, ein Fünftklässler, ungehalten. „Überhaupt nichts. Vielleicht war es Okklumentik… wenn sie an etwas gedacht hat…" Bertram hatte seinen Kopf ziemlich hoch gehalten, bis James den Raum durchquerte und auf ihn zuging. Der jüngerer (und kleinere) Zauberer brach ab und schien beinahe zu schrumpfen, als James sich näherte. James warf ihm in der Zwischenzeit einen sehr, sehr durchdringenden Blick zu, schweigend für fast eine Minute. Dann -
„Daisy Hookum."
Bertram versuchte etwas Fassung zu bewahren, als er schwach nachfragte: „W-was?"
„Daisy Hookum," wiederholte James ziemlich natürlich. „Du hast sie zum nächsten Hogsmead-Wochenende eingeladen, oder?"
„Ich-ich… aber.. wie könntest du das wissen…?" stotterte Bertram. „D-d-d-du kannst unmöglich… keiner war… alleine und…"
James klopfte dem Fünftklässler auf die Schulter. „Kopf hoch, Aubrey. Ich meine, so wie ich es sehe…" Er hielt inne und berührte mit den Zeigefingern seine Stirn und ließ dabei die Worte für ein paar Sekunden wirken, „hat sie Ja gesagt. Und, um die die Wahrheit zu sagen, Kumpel, solltest du dich geehrt fühlen. Ehrlich gesagt hat sie wahrscheinlich nur aus Mitleid zugestimmt, aber, sehen wir den Tatsachen ins Auge…" James lehnte sich vertraulich näher; „Daisy Hookum ist Klassen über dir. Eigentlich… bin ich mir nicht sicher, ob ihr überhaupt auf der selben Schule seid."
Das erntete zustimmendes Gelächter - und dann Applaus - von der Gruppe, Bertram Aubrey wurde rot, beschwerte sich aber nicht weiter. James zwinkerte in der Zwischenzeit Elaine zu und drehte sich dann zu den Rumtreibern um. Peter applaudierte enthusiastisch mit den anderen; Remus versuchte missbilligend zu gucken, grinste aber - teils amüsiert, teils ungläubig, teils erleichtert - und schüttelte seinen Kopf. Sirius, wiederum, strahlte regelrecht, als er sich zu seinem besten Freund bewegte. Als die zwei sich gegenüberstanden, gab Sirius vor, seine Hand zu schütteln, während er sich vorlehnte und flüsterte: „Du bist ein verdammter Glückspilz, James Potter."
James grinste. „Kein Glück, Padfoot. Kein Glück."
Sirius schüttelte bloß seinen Kopf und schob sich an James vorbei zu der plaudernden Schülermenge. „Ladies und Gentlemen, danke, danke, danke. Vielen Dank für eure Zeit, vielen Dank für eure Weigerung, an die besonderen Kräfte meines Kumpels zu glauben und vor allem, vielen Dank für euer Geld und eure Wertgegenstände." Er drehte sich ausgelassen zu einem Tisch an der Seite, auf dem eine beträchtliche Menge Geld gestapelt war - Knuts, Sickel, Galleonen und sogar eine Armbanduhr.
Peter schloss sich Sirius bei der Untersuchung ihres neu erworbenen Reichtums an, während sich Remus zu James auf das nächste Sofa setzte. Die plaudernde Menge zerstreute sich und Remus gluckste fast unwillkürlich.
„Was?" wollte James amüsiert wissen. „Hast du gedacht, dass ich es nicht schaffe?"
„Ich kann nicht glauben, dass du gerade das gesamte Gryffindorhaus davon überzeugt hast, dass du Gedanken lesen kannst, nein," sagte Remus leise, sodass seine Hausgenossen es nicht hören würden. „Ich habe nie gedacht, dass ich das sagen würde, aber du meine Güte, bin ich froh, dass Padfoot darauf bestanden hat, dass wir letzte Nacht in die Küchen schleichen… wenn wir nicht Bertram unter dem Mantel zufällig belauscht hätten…"
„Du hast dir wirklich Gedanken darum gemacht." bemerkte James amüsiert. „Wolltest deinen Freund nicht schlecht da stehen sehen, oder?"
Remus hob seine Augenbrauen. „Sirius hat fünf Galleonen von mir genommen und sie als Wetteinsatz verwendet," merkte er trocken an. „Apropos… hey, Black!" Remus stand von der Couch auf und lief zu der Beute hinüber um zu beanspruchen, was unzweifelhaft ihm gehörte. James blieb alleine zurück, aber nur für einen Moment.
Lily Evans erschien. Nervös und beschäftigt schien sie James gar nicht zu bemerken. Sie ließ sich auf ihre Knie fallen und sah unter das Sofa, über den Bestelltisch, unter die Kissen. James hob eine Augenbraue, ließ sie aber ihre Suche ohne Kommentar fortsetzen. Schließlich stand Lily auf und sah zu James.
„Hast du vielleicht ein Buch gesehen?" erkundigte sie sich.
„Sogar viele in meinem Leben."
„Clever," sagte Lily trocken ihre Arme verschränkend. „Es ist ein Kräuterkundebuch… Ich habe überall danach gesucht und ich kann es nicht finden."
„Hast du es mit Accio versucht?"
„Hab ich," sagte die Vertrauensschülerin. „Aber ich kann mich nicht an den Titel erinnern… es ist irgendetwas langes… Dreizehn Arten Vegetation und andere… ich weiß nicht, irgendwie so etwas. Es hat einen grünen Umschlag und das Bild des Autors ist auf dem Rücken… ein zappliger Zauberer mit Schnauzer…?"
„Hört sich langweilig an," bemerkte James.
„Es ist lan…" begann Lily zu sagen, aber sie fing sich. „Es ist lehrreich."
„Wie ich sagte… hört sich langweilig an. Warum brauchst du das überhaupt? Unsere Hausaufgabe in Kräuterkunde war ein Bild von einem Baum zu zeichnen. Hab ich mal erwähnt, wie sehr ich dieses Fach liebe?"
„Ich… ich hab's ausgeliehen," murmelte Lily und schob sich einen fliegende Ranke, wie sie sie nannte, hinters Ohr. „Also, jemand hat es mir geliehen und ich habe Luke gesagt, dass ich es heute zurückgebe und ich bin spät dran und um Merlins Willen, hast du es gesehen?"
James nickte ernst und Lilys Laune besserte sich sichtlich.
„Wann? Wo?"
„Gerade jetzt," sagte James. Er klopfte sich geheimnisvoll auf die Seite seines Kopfes. „Hier oben."
Lily verdrehte die Augen. „Du kannst vielleicht jeden anderen davon überzeugen, dass du ein Seher oder Gedankenleser oder Medium oder was auch immer bist aber, James, ich hatte zwei Jahre Wahrsagen mit dir: Ich war dabei, als Professor Seastone gesagt hat, dass du die unspirituellste Person wärst, die ihm jemals begegnet wäre. Wo ist das Buch?"
„Ich spüre," beharrte James dickköpfig, „dass es irgendwo in diesem Teil des Gemeinschaftsraumes ist." Er zeigte zu einem anderen Viertel des Raumes und Lily hastete hinüber. James stand auf und folgte ihr. „Professor Seastone ist äußerst zwielichtig: wenn er in die Zukunft sehen kann, warum hat er dann in unserem dritten Jahr nicht das nicht-so-abtrünnige Stinkkügelchen auf sich zufliegen gesehen?"
Lily hielt kurz in ihrer Suche nach dem Buch an. „Du hast ein Stinkkügelchen auf Professor Seastone geworfen? Er ist ungefähr sechsundachtzig Jahre alt!"
„Er hat gesagt, ich wäre die unspirituellste Person, die ihm je begegnet ist!" protestierte James verteidigend. „Kompletter Schwachsinn auch. Ich bin eigentlich sehr spirituell veranlagt."
Lily hob skeptisch eine Augenbraue. „Wirklich?"
„Hast du nicht gesehen, wie ich vor einer Minute das ganze Geld gewonnen habe?"
„Du meinst wohl," sagte die Hexe, die wieder einen Stapel Bücher auf dem Ecktisch betrachtete, „ob ich gesehen habe, wie du Bertram Aubrey verarscht hast?"
„Ist das alles, was du dir von meiner Vorführung behalten hast?"
„Bitte," spottete Lily. „Ich habe den Umhang gesehen - es ist nicht ganz unwahrscheinlich, dass du Aubrey zufällig belauscht hast, als er Daisy Hookum während eurer… nächtlichen Schwabenstreiche eingeladen hat… und ja," unterbrach sie ihn, „ich habe ‚Schwabenstreiche' gesagt."
James grinste. „Und was ist mit den anderen spirituellen Dingen, die ich heute vollbracht habe?"
„Du bist ein einer, der herumschleicht," sagte Lily leichthin. „Ich finde es nicht ungewöhnlich, dass du und deine Freunde Geheimnisse über die halbe Schule wissen."
„In Ordnung," gab der Quidditchkapitän zu und verschränkte seine Arme. „Aber woher würde ich wissen, dass Elaine Peasance ausgewählt wurde um sich für eine Nummer zu entscheiden?"
„Tja…" Lily hatte einen Stapel fertig durchsucht und fuhr mit dem nächsten fort, „es wäre leicht genug für Sirius oder Remus oder Peter, einen schnellen ‚Protego' zu zaubern, damit sie nicht von Adam McKinnons ‚Muffliato' beeinflusst sind und so könnten sie hören, wie Elaine ausgesucht wird und… tja, nach all den seltsamen Dingen, die ihr schon gedreht habt, wäre ich nicht überrascht, wenn sie ein Mittel hätten, um dir Bescheid zu sagen." Lily hielt inne. „Eigentlich ist das Einzige, was ich noch nicht ganz herausgefunden habe, wie du wusstest, dass Daisy Hookum die Nummer Zwölf ausgesucht hat."
„Willst du es wissen?" fragte James verschwörerisch und sie antwortete mit einem halben Achselzucken und einem halben Nicken. Er lehnte sich näher und murmelte: „Ich kann Gedanken lesen."
Lily legte ihren Kopf schief. „Was denke ich gerade jetzt?"
James machte so, als ob er sich konzentrierte und dann sah er Lily gespielt empört an. „Zu schmutzig um es laut zu sagen!"
Sie unterdrückte ihr Lachen. „Idiot. Ich habe gedacht: Sag mir, wo mein verdammtes Buch ist."
„Meinst du nicht Prinz Charmings verdammtes Buch?"
„Potter."
„Da drüben irgendwo." Er zeigte zu einem anderen Tisch in der Gegend und Lily rauschte hinüber. Er blieb ihr wieder auf den Fersen.
„Warum denn die Eile, Keks? Hast du Angst, dass Prinz Charming jemand anderen finden wird, dem er langweilige Bücher ausleihen kann?"
„Ich bin spät dran, das ist alles," antwortete Lily wegwerfend. „Ich habe Luke gesagt, dass ich ihn um sechs Uhr treffe."
James warf einen Blick auf die Standuhr am anderen Ende des Raumes. „Du hast eineinhalb Minuten, bis du unehrlich bist."
„Und man braucht fünf Minuten bis zur Bibliothek," schloss Lily, die die Einbände eines weiteren Bücherstapels überflog. „Ich will Luke nicht warten lassen. Er hat weiß Gott genug am Hals… und er ist immer extrem pünktlich."
„Was für ein Antörner," murmelte James höhnisch. Lily warf ihm einen warnenden Blick zu. „Ich schätze," fuhr er nach ein paar Sekunden fort, „ich schätze, die wahre Frage ist: warum bist du heute Abend spät dran? Hat dich etwas abgelenkt?" Er lehnte sich gegen die Wand mit den Händen in den Taschen und einem leicht anzüglichen Lächeln auf den Lippen.
„Ja," sie begann durch ein paar vereinzelte Bücher zu schauen. „Aber nicht du und deine kleine ‚Seher'-Vorführung. Donna und Marlene waren am Zanken… rate mal, wer den Streit schlichten durfte."
James nickte. „Ich dachte, dass ich in letzter Zeit eine Zunahme in kalten Blicken bemerkt hätte."
„Es ist lächerlich," seufzte Lily. „Jeder in meinem Schlafsaal ist gerade miteinander verstritten. Marlene ist wütend auf Donna, weil Donna sie über Miles' Kuss… oder Nicht-Kuss angelogen hat - und Marlene ist wütend auf Carlotta, weil die Miles wirklich geküsst hat und Mary ist wütend auf Carlotta, weil sie ein Flittchen ist und Carlotta ist wütend auf Mary, weil die denkt, sie wäre ein Flittchen und Donna… tja, Donna ist immer wütend." Der Rotschopf hielt plötzlich inne, als ob sie sich unsicher wäre, warum sie James das alles erzählte.
„Das würde nie in einem Jungs-Schlafsaal passieren," bemerkte er. „Wir haben eine viel gesündere Art und Weise, wie wir mit unseren Problemen umgehen."
„Physische Gewalt?"
„Absolut."
„Potter."
„Ja?"
„Wo ist mein Buch?"
James grinste. „Woher soll ich das wissen? Es ist ja nicht so, als ob ich ein Seher wäre." Er drehte sich um und ging auf die anderen Rumtreiber zu.
„James Potter, du bist ein Idiot."
(Krank)
Eines Freitagnachmittags mitten im Januar, zog Peter den metaphorisch Kürzeren und war so designiert worden, die Kräuterkundebücher und Utensilien seiner Freunde hoch zum Schlafsaal zu tragen, während James und Sirius einen sehr bleichen Remus zur Krankenstation eskortierten.
„Wenn irgendjemand fragt," fing Remus an, der in sich zusammengesackt war, als ob er sich kaum auf den Füßen halten könne, „ich gehe über das Wochenende heim, weil…"
„Deine Mum krank ist," wusste James. „Ja, wir wissen es. Sie ist wieder krank und die Heiler denken, dass es dieses Mal ernster ist. Wir kennen die Geschichte."
„Übertreib es nicht," beauftragte Remus sie verärgert (er hatte immer eine sehr schlechte Laune vor seinem „Verschwinden"), „dann wird es offensichtlich."
„Moony," tadelte ein träger Sirius, „es ist nicht so, als ob James und ich allein dafür verantwortlich sind, dein Alibi zu verbreiten. Die Lehrer sagen dasselbe, wenn jemand fragt. Du musst dir nicht so viele Sorgen machen."
„Du hast leicht reden," grummelte Remus. Sie hatten die Türen zum Krankenflügel erreicht und er stellte sicher, dass sie wirklich alleine waren. Er musste sich um nichts Sorgen machen. Um kurz vor fünf waren die meisten Schüler noch im Unterricht. Eigentlich wären das auch die vier Rumtreiber, wenn sie sich dafür entschieden hätten. „Seid vorsichtig heute Nacht, in Ordnung? Januar ist hart."
„Jeder Monat ist hart," erinnerte James ihn. „Wir werden da sein, kurz nachdem es dunkel wird, ja?"
Remus nickte. „Und da ich ja morgen nicht fit genug sein werde, um hinzugehen, viel Glück beim Spiel gegen Ravenclaw."
„Das Spiel ist doch erst um ein Uhr," sagte James.
„Wir kommen doch noch vorher vorbei, wenn du wach bist," schloss Sirius.
„Aber ihr werdet bestimmt schlafen wollen," protestierte Remus in einem vorsichtigen Flüsterton. „Ich fühle mich auch so schlecht genug, dass ihr die ganze Nacht vor dem Spiel am nächsten Tag auf seid… ihr solltet zumindest ein paar Stunden Schlaf kriegen."
„Unsinn," sagte James. „Wir haben die ganze Woche vorsorglich in Verwandlung geschlafen. Mach dir keine Sorgen und sei kein Mädchen."
„Holloway wartet," stimmte Sirius zu. „Los, Lupin."
„Ihr seid beide grottige Freunde," informierte sie Remus missgelaunt. „Genau wie Peter, auch wenn er nicht hier ist."
„Ja, wissen wir," sagte Sirius. „Los."stand
Ihr Freund fügte sich widerwillig und schlurfte wie ein verletzter Hund in den Krankenflügel. Als er weg war, drehte sich Padfoot zu Prongs um.
„Und was jetzt? Abendessen gibt es frühestens in zwanzig Minuten…"
„Ich weiß nicht," gab James zu. „Wir könnten den Slytherin Gemeinschaftsraum überfluten. Das will ich schon seit Wochen machen."
Sirius grinste schief. „Weißt du, deshalb sind wir Freunde."
Die Jungen bewegten sich von der Krankenstation weg und James zog das gefaltete Pergament, das die Karte des Rumtreibers war, aus seiner Tasche. „Ich schwöre feierlich, dass ich ein Tunichtgut bin," verkündete der Zauberer, tippte mit seinem Zauberstab auf die Karte und plötzlich floss Tinte über die Seite. „Vierter Stock, vierter Stock," murmelte James, der ihre Position schnell fand. Wenn man so etwas Raffiniertes wie die Überflutung des Slytherin-Gemeinschaftsraum begann, sollte man wissen, wer in der Nähe war und wo man ein glaubhaftes Alibi haben könnte. „Seltsam," bemerkte James, als er einen Blick auf ihre Umgebung warf, die auf der Karte gezeigt wurde.
„Was ist?" fragte Sirius.
„Wir sind nicht die Einzigen, die Kräuterkunde schwänzen," sagte James ihm. „Schau mal." Sirius schaute.
„Was macht Schniefelus nur einen Stock unter uns?" wollte er misstrauisch wissen. „Du denkst nicht, dass er gehört hat…"
„Er war nicht in unserem Stock," unterbrach James zuversichtlich, seinen Kopf schüttelnd. „Er kann das nicht mitbekommen haben. Aber ich würde ihm durchaus zutrauen, dass er uns gefolgt ist."
Sirius zögerte. „Weißt du, es scheint, als wäre es unhöflich, wenn wir wissen, dass er in der Nähe ist und wir ihm keinen Besuch abstatten."
„Wo sind unsere Manieren?" stimmte James ernst zu.
„Hast du den Umhang?" fragte Padfoot, was den anderen lachen ließ.
„Was für eine Frage."
Ein paar Minuten später steckte James seinen silbernen Tarnumhang wieder zurück in die Innentaschen seines Umhangs, während Sirius um die Ecke nach Snape schielte, der auf einer einsamen Bank an der Seite des Korridors des dritten Stocks saß und tief in Gedanken schien.
„Was macht der?" fragte sich der Rumtreiber verwundert.
„Keine Ahnung," sagte James, im selben Ton seines Freundes, als er die Szene überblickte. „Unsere Ermordung planen, vielleicht?"
„Frage mich, warum er Kräuterkunde blaumacht," murmelte Sirius.
„Es ist Kräuterkunde," bemerkte James. „Braucht man einen Grund?"
„Da hast du auch wieder Recht," Sirius zog seinen Zauberstab. „Was schätzt du, hm? Hast du kürzlich von irgendwelchen neuen Sprüchen gelesen?"
„Nein," sagte James und Sirius blickte finster.
„Prongs," sagte er, „was verdammt noch mal nützt deine ständige Leserei, wenn du nichts vorzuweisen hast, wenn es darauf ankommt?"
„Ich hab mich auf das Quidditchspiel vorbereitet," verteidigte sich James. „Ich hab nicht viel Zeit zum Lesen gehabt. Nimm einfach einen deiner Lieblingssprüche."
Sirius verzog das Gesicht. Er machte seinen Zauberstab bereit und sah aus, als ob er loslegen wollte, zögerte aber.
„Worauf wartest du?" fragte James und Sirius sah seinen Freund besorgt an.
„Etwas ist falsch," sagte er. „Es funktioniert nicht."
„Dein Zauberstab?"
„Nein… das hier. Es funktioniert nicht."
James hob seine Augenbrauen. „Worüber redest du, Padfoot?"
„Ich fühle mich nicht danach," sagte Sirius. „Ich will Snape nicht verhexen. Hier… mach du es."
Traurig schüttelte James seinen Kopf. „Ich will es auch nicht machen," gab er zu. „Das ist komisch. Was ist los mit uns?"
„Werden wir alt?"
„Wir sind erst sechzehn."
„Bald siebzehn."
„Der Unterschied ist unerheblich."
„Ist er das? Ist der das? Warum haben wir dann um Dumbledores Willen keine Energie das zu tun, was wir am besten können?"
„Und seit wann benutzen wir ‚Dumbledore' als Fluch?"
„Genau! Bei Gott, Prongs, was passiert mit uns?"
James verschränkte seine Arme. „Tja, ich weiß, was mit dir passiert ist," sagte er, woraufhin ihn Sirius neugierig anblickte. „Elterliche Aufsicht."
Sirius runzelte die Stirn. „Das müsste dann aber eine unglaubliche Sicht sein, da meine Eltern in London leben, Prongs."
„Tja, sie ist jetzt nicht genau elterlich," gab James zu. „Eher eine Aufsicht durch Erwachsene, schätze ich. Es ist Professor Black, der sich auf dich ausgewirkt hat. Du suchst Ärger nicht mehr so wie früher."
„Schwachsinn," widersprach Sirius bockig. „Wenn überhaupt, bist du es… du und deine vierundsiebzig Mal nachsitzen. Du willst keinen Ärger bekommen und ich verzichte aus Höflichkeit."
„Schwachsinn," wiederholte James. Die zwei Jungen standen für ein paar Sekunden in kurzzeitigem Patt und sahen sich misstrauisch an.
„Vielleicht sind wir reifer geworden," schlug Sirius schließlich vor. „Vielleicht ist das das, was sie immer ‚Selbstbeherrschung' nennen."
„Sei nicht blöd. Es ist nur Selbstbeherrschung, wenn du etwas tun willst und es nicht tust. Wir wollten nicht. Wir sind nicht reif… wir sind bloß alt."
Sirius hübsches Gesicht verzog sich in ein etwas kindliches Stirnrunzeln. „Das ist traurig," beobachtete er. James nickte.
„Küche?"
„Ja, bitte."
Sie wollte gerade in diese Richtung gehen, als es offensichtlich wurde, dass keiner von ihnen Snape auf seiner Bank viel Aufmerksamkeit geschenkt hatte. Er hatte seinen Platz verlassen und war bei den zwei Rumtreibern, bevor es einer bemerkt hatte.
„Was macht ihr hier?" wollte der Slytherin giftig wissen.
Sirius hielt seine Überraschung überspielend seinen Kopf hoch und antwortete: „Selbe Frage, Schniefelus."
„Ich habe einen Schein von Heiler Holloway," sagte Snape kalt. Dann breitete sich etwas wie Heiterkeit über seine dünnen Lippen und seine Augen aus. „Ich bin Vertrauensschüler. Ich könnte Punkte abziehen."
„Würdest du dich dann wichtig fühlen?" fragte James. Seine haselnussbraunen Augen bohrten sich in Snapes schwarze und forderten ihn heraus, die Drohung wahrzumachen. Snape riss sich zuerst los.
„Ihr seid meine Zeit nicht wert," spuckte er.
James grinste. „Richtig. Natürlich." Der Quidditchkapitän konnte instinktiv erkennen, dass die Hand seines Freundes begann zu zucken und James stupste Sirius' Arm an. „Lass uns gehen, ja?"
„Deine Entscheidung, alter Mann," antwortete Sirius locker. Mit etwas zwischen einem Grinsen und einem wütenden Blick ging er schnell an Snape vorbei, dicht gefolgt von James. „Ist das das, was sie ‚Selbstbeherrschung' nennen?" wollte Sirius nebenbei wissen, als sie davongingen.
„Keine Ahnung. Es kommt darauf an. Wie sehr wolltest du es?"
Sirius kam nie mehr dazu, diese Frage zu beantworten. Das Geräusch einer sich entzündenden Flamme kam von irgendwo hinter ihnen, aber als James herumfuhr um zu sehen, was passiert war, flog Sirius nach vorne, schlug etwas weiter auf dem Boden auf und rutschte ein Stück. Bevor James auch nur seinen Zauberstab ziehen konnte, fühlte er, wie sein Körper steif wurde und von einer unsichtbaren Kraft in die Luft gerissen wurde. Er war viel zu vertraut mit dem Levicorpus-Fluch um verwirrt zu sein, als er mit dem Kopf nach unten an seinen Knöcheln hing.
Snapes Zauberstab war direkt auf ihn gerichtet und veranlasste dies, aber er - so schnell der Slytherin auch war - reagierte nicht schnell genug, als James seinen eigenen Zauberstab zog. Immer noch mit dem Kopf nach unten, feuerte er einen Fluch auf Snape, der von dem Strahl des blauen Lichtes am Arm getroffen wurde. James fiel wie ein Sack zu Boden und er hörte etwas krachen, als Schmerz sein Bein durchzuckte. Dennoch erholte sich Snape schnell und ließ dem Gryffindor keine Zeit, seine Wunden zu versorgen. Bevor Snape wieder aufrecht aufrecht stand, schoss James einen wortlosen Entwaffnungszauber auf seinen Gegner, diesen wieder plättend und seinen Zauberstaub wegrollen wegrollen lassend.
James keuchte vor Schmerz und versuchte sein schlappes Bein zu strecken. Er packte sein Schienbein, fand die Quelle des Schmerzes und stach sie mit seinem Zauberstab. Ein weiteres Knacken und das Pochen wurde weniger ohne zu verschwinden. James atmete wieder, als eine unsichtbare Kraft ihn auf seinen Rücken schob und den Zauberstab aus seinem Griff zog.
Snape hatte sich schneller erholt, als er gedacht hatte.
Der Slytherin stand mit seinem Zauberstab bereit und näherte sich James. Der Gryffindor erwartete sein Schicksal mit entschlossenem Gesicht und starren Kiefer. Snape kam sehr nah und obwohl seine Augen auf James fixiert waren, sagte er nichts. Das allein war schon ungewöhnlich - kein Hohn, kein Spott oder Siegesverkündung. Nicht einmal eine Beleidigung?
Snape fuhr fort, sich James zu näher (der ruhig war, aber der sich jetzt auf seine Ellenbogen aufgestützt hatte) und je näher er kam, desto klarer wurde James Sicht. Snapes Gesichtsausdruck war schwer zu lesen. Seine Augen waren weder gehässig noch zufrieden oder irgendwie, wie sie sein sollten… er starrte James an, aber schien ihn gar nicht zu sehen. Aber als er sehr nah war, den Zauberstab immer noch auf James gerichtet, zögerte Snape.
James verschwendete keine Zeit darauf, herauszufinden, warum. Er verpasste Snapes Kniescheibe einen Tritt, was den Slytherin rückwärts stolpern ließ. James hatte gerade genug Zeit auf die Füße zu kommen (sein schwaches Knie pochte) und nach Snapes Zauberstabarm zu greifen. Er packte das Handgelenk des Slytherins und entriss ihm einen Moment später seine Waffe. Sie fiel klappernd zu Boden und rollte auf die Wand zu, aber James bemerkte es nicht. Plötzlich war die Welt sehr leise und James bemerkte kaum irgendwas.
Ihm war vage bewusst, dass sein Bein wehtat, dass Snape ihn angegriffen hatte und dass Snape ohnmächtig irgendwo in der Nähe lag. Dann wurde ihm ein neuer Schmerz bewusst, in seinen Fingerknöcheln und dann im Rest seiner rechten Hand. Er verstand warum, als das Bild vor ihm schärfer wurde. Snapes Körper verdrehte sich, als er auf den Kontakt mit James' Faust und seiner Wange reagierte. Er fiel nach hinten und rutschte über den Steinboden.
James packte den Zauberstab seines Gegners und seinen eigenen und richtete beide auf Snape, bevor der Slytherin sich von dem Schlag erholen konnte.
„Was zur Hölle ist dein Problem?" schrie James. Durch seine Adern pumpte Wut und Adrenalin und warum war Sirius nicht wach?
Snape sagte nichts. Er fuhr ein wenig zusammen von dem Schmerz in seinem Gesicht, aber blieb sonst ausdruckslos. Seine Augen waren abwesend, fast apathisch, was James bloß wütender machte. Er wollte nichts mehr, als jede Verhexung, an die er sich erinnern konnte, über Snape niederregnen zu lassen, ihn durch den Korridor zu schleudern, so dass er auf dem Boden aufschlug wie eine Puppe - wie Sirius.
Und doch…
James' Arm bog sich zurück und mit all seiner Kraft warf er Snapes Zauberstab so weit, wie er bloß konnte. Er traf die Wand und prallte über den Boden rollend zurück, bis er eine andere Wand traf. Ohne einen Blick zu Snape machte James auf seinem Absatz kehrt und joggte zunächst, sprintete dann an Sirius' Seite. Der andere Rumtreiber kam gerade zu sich.
„Mir gehts gut," murmelte Padfoot, bevor James fragen konnte. Er rieb seinen Hinterkopf.
„Krankenflügel?"
Sirius schüttelte den Kopf. „Ich hatte schon Schlimmeres. Ich hab auch schon Schlimmeres wieder gerichtet. Lass mich kurz meine Beine fertigmachen, dann kann ich den Rest im Schlafsaal machen. Wo ist Snape?"
„Das ist egal," sagte James schnell. Sirius brachte seine geprellten Beine in ungefähr zehn Sekunden in Ordnung und dann half James seinem Freund auf die Füße. Sie begannen in Richtung Gryffindorturm zu laufen und James warf einen Blick über seine Schulter nach da, wo Snape gefallen war, aber er war weg.
„Aber warum würde Schniefelus zögern?" fragte sich Sirius laut fast eine halbe Stunde später, als James die Details des Kampfes Peter und ihm im Jungen-Schlafsaal mitgeteilt hatte. Sie saßen auf Remus Bett, die Karte des Rumtreibers zwischen ihnen ausgebreitet.
„Keine Ahnung," gab James zu.
„Vielleicht hat er versucht, sich etwas richtig Schmerzhaftes auszudenken," schlug Peter vor.
„Vielleicht hat all der Schmalz endlich angefangen, sein Gehirn zu beeinflussen," schlug Sirius vor. James schüttelte seinen Kopf.
„Nein, es war… seltsam," sagte er nachdenklich. „Er hat definitiv gezögert… als ob er nicht sicher war, ob er wirklich tun wollte, was er kurz davor war zu tun. Er hat eine ganz ausdruckslose Miene bekommen… ich denke nicht, dass er auf mich geachtet hat."
„Schniefelus achtet immer auf dich," bemerkte Sirius. „Richtig gruselig eigentlich. Es ist wie eine Art Besessenheit, wenn du mich fragst. Die einzige Person, bei der er ebenso fanatisch ist, ist…"
„Ich weiß, was ich gesehen habe," unterbrach James. „Ich kann es nicht erklären, aber ich weiß, was ich gesehen habe." Ein Moment der Stille legte sich über die drei Jungs und dann sprach James wieder: „Jedenfalls sollten wir uns besser um die Karte kümmern. Dieser Flügel hier spielt verrückt, ja?" Er zeigte auf einen Teil der Karte.
„Ja, Peter hat Kürbissaft verschüttet und jetzt verschwinden Leute, wenn sie auf diese Seite des Schlosses gehen."
„Sorry."
„Keine Sorge, Wormtail," sagte James. Er zog seinen Zauberstab: „Wir mussten sowieso den neuen Durchgang ergänzen. Also… sollen wir?"
(Der Kater)
Poch.
Poch.
Poch.
Er öffnete seine Augen nicht direkt, sondern entschloss sich, liegen zu blieben, Augen fest verschlossen, während er atmete und seinem eigenen Herzschlag zuhörte. Langsam begannen die Dinge in seinem Kopf klarer zu werden - ihm wurden die sauberen, kühlen Laken und das weiche Bett bewusst, in dem er lag. Er war im Krankenflügel.
Er war am Leben.
Nichts war schief gegangen.
Alles würde gut werden.
Die ersten Momente des Erwachens waren immer die Schlimmsten - die ersten paar Sekunden nach einer Nacht, wenn er sich an kaum etwas erinnern konnte… wenn er sich über nichts sicher sein konnte… wenn er nicht wusste, was er sehen würde, wenn er die Augen öffnete. Ein kurzer Schrecken packte seinen Magen, als er versuchte, sich zu erinnern…
Er öffnete die Augen.
„Und er ist wach," verkündete Sirius Blacks Stimme. Remus fand genug Kraft um sich umzuschauen und entdeckte den Sprecher, Sirius selbst, neben seinem Bett auf einem Hocker sitzend. James saß Sirius gegenüber - zu Remus Rechten - und Peter saß zu seinen Füßen. Vorhänge umschloss sie alle, ohne Zweifel dank Heiler Holloway. Sirius' Ausruf veranlasste die anderen zwei Rumtreiber sich umzudrehen um des Dritten Aussage zu überprüfen.
„Guten Morgen, Moony," sagte James fröhlich. „Gut geschlafen?"
Remus räusperte sich. „Lustig," krächzte er sarkastisch. „Wie viel Uhr ist es?"
„Oh, viertel vor zehn oder so," schätze Sirius. „Wir haben erwartet, dass du mindestens noch eine halbe Stunde schläfst…"
„Tja…" begann Remus. „Ich-ich-ich…" Aber er stoppte. Ein Kloß formte sich in seiner Kehle und griff automatisch nach dem Eimer, den Heiler Holloway auf dem Nachtisch gelassen hatte und übergab sich dort hinein.
Eine Minute später war er fertig und legte sich keuchend und kalten Schweiß von der Stirn wischend wieder zurück ins Bett. Sirius ließ mit seinem Zauberstab den Inhalt des Eimers verschwinden.
„Das müssen die Reste der Ratte gewesen sein," überlegte er nebenbei, was Remus' Augen groß werden ließ.
„Ihr habt mich eine Ratte essen lassen?" wollte er wissen.
„Um ehrlich zu sein," schob James ein, „dachten wir, dass es Wormtail sei."
„Tja, danke," sagte Peter sarkastisch.
„Tja, du hast alles draußen, Moony," fuhr Sirius fröhlich fort. „Das ist das Wichtigste. Ich bin mir sicher, dass du jetzt keine Krankheiten davon kriegst. Also…" Er schaute erwartungsvoll in die Runde. „wer hat Lust auf Frühstück?"
„Sag nicht mal das Wort," stöhnte Remus. James reichte dem Patient eine grün gefärbte Flasche von dem nächsten Tisch.
„Holloway hat das für dich da gelassen. Es sollte gegen die Übelkeit helfen."
Remus nahm den erwähnten Trank und als er nicht mehr wegen dem sauren Geschmack sein Gesicht verzog, fügte er hinzu: „Weiß Holloway, dass ihr hier seid?"
„Natürlich," sagte Peter. „Er ist jetzt in seinem Büro." Remus schien nicht zufrieden. „Ich weiß nicht, warum es schlimm wäre, wenn er wüsste, dass wir das über dich wissen… solange er nicht weiß, was wir deswegen getan haben."
„Ich stimme zu," stimmte Sirius zu. „Jetzt… Frühstück."
„Sei geduldig," befahl James. „Es dauerte eine Minute, bis Moony die Auswirkungen des Tranks spürt." So ungern er es auch zugab, Remus hatte tatsächlich bemerkt, dass Holloways Medizin ziemlich schnell seine Wirkung zeigte. Er setze sich im Bett etwas gerader auf.
„Also… letzte Nacht," begann er.
„Ich fand's gut," sagte James. „War es auch gut für dich?"
„Haha," sagte Remus trocken. „Aber… es ist alles gut gelaufen, oder? Es ist immer noch ein bisschen schwammig."
„Abgesehen von der Ratte," sagte Sirius. „Mach dir keine Gedanken, Moony. Alles ist… eigentlich mehr als gut gelaufen."
„Wir reden später darüber," fuhr James schnell fort. „Holloway könnte jede Minute kommen."
„Ja, Mama," zog ihn Sirius auf, aber er hörte trotzdem auf. „Also - ist dein Magen wieder in Ordnung, Moony? Gut." Er lächelte und hob eine braune Papiertüte vom Boden auf und legte sie auf den Rand von Remus' Bett. „Frühstückszeit."
„Ich denke wirklich nicht, dass das eine gute Idee ist," murmelte Remus und umklammerte seinen Bauch.
„Der Trank," erinnerte James ihn und hob ebenfalls eine Papiertüte auf die andere Seite des Bettes. „Und sowieso willst du doch nicht, dass das letzte, was du gegessen hast, eine Ratte ist, oder?"
Sirius war dabei, seine Tüte zu durchsuchen. „In Ordnung, ich habe Eier, Schinken, Würste und Pfannkuchen…"
„Meins," erklärte Peter und Sirius reichte seinem Freund etwas, was ein in einer Stoffserviette eingewickelter Teller zu sein schien.
„Das hier," warf James ein, der ein ähnlich verpacktes Menü herauszog und durch eine Öffnung in der Nähe des Knotens der Serviette lugte, „hat Crepes, Würstchen, Räucherhering, Leberwurst, Eier, Schinken,… viel, viel, viel zu viel Essen. Das muss deins sein, Black."
„Sie haben doch nicht das pain du chocolat vergessen, oder?" fragte Sirius besorgt.
James überreichte ihm den Teller. „Nein, es ist dabei, du Idiot." Der Quidditchkapitän nahm einen weiteren Teller aus seiner Tasche und überprüfte den Inhalt. „Toast, ein Ei, Früchte, Würstchen,… Moonys, glaube ich." Er stellte ihn auf den Nachtschrank. „Hast du meinen, Sirius?"
„Genau hier," antwortete Sirius und reichte einen vierten eingewickelten Teller weiter. „Und du hast die extra Kartoffeln."
„Und du hast das Salz, den Pfeffer und die Butter?"
„Das ist richtig."
„Wer hat die Marmelade?" wollte Peter wissen.
„Die ist hier."
Sirius zog seinen Zauberstab und schwang ihn ein paar Mal. Die Salz- und Pfefferstreuer flogen aus der Papiertüte und schwebten irgendwo zwischen den Jungs über dem Bett. Sie blieben da, selbst als Sirius seinen Zauberstab zurück in seine Umhangtasche gesteckt hatte.
„Oi," sagte James, der zwei lange zylindrische Behälter aus der Tasche zog. „Letzte Frage: Kaffee oder Tee, Moony?"
Remus blickte auf seine Freunde. „Wisst ihr, ihr seid Idioten," informierte er sie. „Bringt das ganze Essen hierher - Holloway hat Frühstück für mich. Gesund, nahrhaft… die Art von Essen, die ich zu mir nehmen sollte…"
„Gern geschehen, Moony," unterbrach James. „Jetzt, Kaffee oder Tee?"
„Und ich habe Butterbier für später," fügte Peter hinzu.
„Oh," sagte Sirius, „und beinahe hätte ich vergessen - Schokolade." Er legte die Tafel auf den Nachttisch. Remus betrachtete sie alle und seufzte dann.
„Wisst ihr, ihr seid gar nicht so schlecht, so als Freunde."
„Wissen wir.", sagte Sirius.
Remus nickte. „Tee, Prongs."
„Sofort, Moony."
Die Momente des Erwachens nach einem Vollmond waren, für Remus Lupin, die schlimmsten. Die Wahrheit war, dass er ein Werwolf war… seit mehr als zehn Jahren war er das und seit mehr als zehn Jahren fürchtete er nichts anderes mehr als diese ersten Momente nach der ganzen Sache… Die Unsicherheit, die Schmerzen… Und für etwas weniger als zehn Jahre hatte Remus J. Lupin all das allein machen müssen.
Jetzt hatte er Frühstück.
(Glück gehabt)
Während Remus ein Schläfchen hielt, Sirius sich für das Quidditchspiel vorbereitete und Peter letzteren bewunderte, brach James zum Quidditchfeld auf. Mehr als eine Stunde zu früh, war er sogar vor dem Ravenclaw-Kapitän da und er bemerkte, wie er das stille Feld genoss. Wenn sie dieses Spiel gewannen, würde er noch lange bis in die Nacht mit Leuten umgeben sein - eine angenehme Aussicht, aber eine, die James versuchte, jetzt mit ein wenig gesunder Isolation zu balancieren. Wenn sie verlieren würden… naja, um die Wahrheit zu sagen, dachte er nie über die, „wenn sie verlieren würden"-Möglichkeit vor einem Spiel nach. Das brachte Pech und deprimierte ihn.
Das Feld war vom Schnee geräumt worden, aber der kalte Wind blieb und James hätte es nicht geändert, wenn er es gekonnt hätte. Quidditch im Januar war auf seine eigene besondere Art ein Hoch. Er setzte sich ins nasse Gras. Die Standard Luckys aus seiner Tasche und den Zauberstab aus seinem Gürtel ziehend, zündete er sich eine Zigarette an und lehnte sich zurück. Sein Haar wurde im Gras nass, aber nachdem er den ersten richtigen Zug genommen hatte, bemerkte er fast nichts anderes.
Durch den Wind, der durch die Zuschauertribünen zog, den silbernen Himmel über ihm und den unverwechselbaren Geruch von Quidditch war es genau wieder wie seine erste Zigarette. Als er ausatmete, fühlte er sich benommen. Der verschlungen wirbelnde weiße Rauch, den er ausatmete, verschmolz mit dem wolkigen Himmel und James wurde ruhig. Als die Zigarette zu seinen Lippen zurückkehrte, schien es, als ob die einzige Farbe - abgesehen von grau - in dieser Welt die orange Glut am Ende des Lichtes wäre, sie wurde schwarz, als er wieder inhalierte. Dann -
„Potter?" rieft eine weit entfernte Stimme, die über das Feld echote und James sich plötzlich aufsetzen ließ.Er sah sich nach seinem Begleiter um, bis er schließlich so weit weg eine winzige Figur auf der Gryffindortribüne entdeckte. James blinzelte um eine bessere Sicht zu bekommen - Sehvermögen war noch nie seine Stärke gewesen.
„Marlene?" rief er zurück, als er die blonde Person erkannte.
„Was machst du hier?" schrie Marlene Price und sogar auf diese Entfernung konnte James sehen, wie sie in der Kälte zitterte.
„Rauchen! Was machst du?"
Sie antwortete nicht direkt und James dachte, dass sie ihn vielleicht nicht gehört hatte, bis sie mit irgendwie weniger Selbstsicherheit antwortete: „Ich weiß es wirklich nicht!"
James dachte einen Moment nach. Lily fiel ihm kurz ein. „Naja, komm runter… du erfrierst da oben! Hier unten ist es viel wärmer!"
Das war es auch, wie Marlene bemerkte, als sie ankam und sich neben ihm ins Gras setzte. „Meine Jeans wird nass," fügte sie leicht besorgt hinzu.
„Du bist eine Hexe," erinnerte James sie. „Ich bin mir sicher, du findest eine Lösung."
Marlene lachte. „Richtig." Eine peinliche Pause, dann… „Also… hast du das von Alexa Kyle gehört? Es ist traurig, oder?"
„Ja," stimmte James zu und nickte während er einen weiteren Zug nahm. „Ihre Eltern waren aber nicht die Ersten… und sie werden nicht die letzten sein, schätze ich…"
„Auf diesen frohen Gedanken…"
„Du hast mit dem Thema angefangen…"
„Da hast du Recht." Marlenes Augen wanderten zur Zigarette.
„Oh, sorry," James zog die Packung raus und hielt es ihr hin. „Willst du…?"
„Oh, nein," sagte Marlene schnell. „Nein, ich rauche nicht. Ich war nur… Ich meine, ich wusste nicht, dass du rauchst. Ich dachte, alle Raucher hätten gelbe Zähne und schlechte Haut."
„Ein weiterer Vorteil von Magie," James zuckte die Achseln. Der Pack Zigaretten kehrte zu seiner Tasche zurück. „Also, warum bist du so früh hier draußen? Du musst kalt haben."
„Donna hat unseren Schlafsaal mit ihrer Spielvorbereitung dominiert," erklärte Marlene und zog ihren Schal etwas enger. „Ich hab im Moment die Nase etwas voll von ihr."
James nickte und drehte wieder seinen Kopf um auszuatmen. „Ja, ich hab davon gehört." Unsicher, ob er wirklich so eine Unterhaltung führen wollte, fügte er trotzdem hinzu: „Wie hältst du dich dann im Moment?""
„Wirklich?" fragte Marlene überrascht. „Du willst nicht wirklich von meinen pubertären Jungsproblemen hören, oder?"
„Nein," stimmte der andere zu. „Aber, du weißt schon… ich dachte, ich wäre höflich."
„Tja, ich werde dich nicht mit der Unterhaltung langweilen," versicherte Marlene ihm.
Fünf Minuten später war James' Zigarette weg, aber Marlene nicht. „Und das Schlimmste ist," schluchzte sie in seine steife Schulter, „dass ich ihn vermisse. Ich vermisse diesen betrügenden, dreckigen Idioten und ich kann nicht anders!"
„Äh…"
„Ich kenne die Regeln!" fuhr die Blonde tränenschwer fort. „Es ist so blöd! Er hat mich betrogen! Er hat sich an meine… Mitbewohnerin rangemacht. Und hat dann mit… meiner anderen Mitbewohnerin rumgemacht! Ein Mädchen soll mit Kerlen, die so was tun, Schluss machen! Aber… ich kann nicht anders. Miles und ich waren drei Jahre zusammen und obwohl er manchmal ein komplettes Arschloch war, war er die meiste Zeit ziemlich süß. Ich habe ihn ziemlich geliebt. Er hat mich zum Lachen gebracht und er war immer da… tja, nicht immer, aber… wenn es darauf ankam. Er hat Dinge über mich gewusst, die sonst keiner wusste. Wir haben gemeinsam viel durchgemacht und jetzt ist es einfach… zu Ende. Und ich habe niemanden." Sie schloss mit einem Schniefen und James klopfte ihr ungelenk auf die Schulter.
„Komm schon, Marlene," versuchte er sie zu trösten. „Du hast Leute. Was ist mit Evans? Und Mary Macdonald?"
„Ja, die sind super," murmelte Marlene trocken. „Aber ihnen war Miles immer egal. Vielleicht hatten sie Recht, aber es ist nicht gerade hilfreich, wenn ich will, dass es jemand aus meiner Perspektive sieht. Jedenfalls sind alle meine Freundinnen für Selbstbewusstsein, den Kerl fallenlassen und darüber hinwegkommen… ich will noch nicht darüber hinwegkommen. Ich will mich darin wälzen."
James musste ein wenig lachen und Marlene tat es ihm nach. „Ich bin erbärmlich, oder?"
„Ja, aber… egal. Jeder ist erbärmlich."
Mit etwas zwischen einem Lachen und einem Husten sagte Marlene: „Das ist nicht gerade ermutigend, oder?"
„Schätze nicht. Was ist mit McKinnon? Du hast ihn, oder?"
Marlene zuckte die Achseln. „Ich kann… Ich kann mit ihm nicht darüber reden."
„Warum nicht? Seid ihr keine Freunde?"
„Er ist ein Kerl." James warf ihr einen Blick zu. „Es ist etwas anderes mit Adam," versuchte die verzweifelte Hexe zu erklären. „Ich weiß nicht, er ist Adam. Ich habe vorher immer solche Sachen mit ihm besprochen und er war immer wundervoll."
„Was ist dann das Problem?"
„Ich weiß nicht. Er… er ist einfach Adam, das ist alles."
„Marlene," begann James streng. „Du weichst der Antwort aus."
„Tue ich das?"
„Ja."
„Tue ich das?"
„Ja."
„Ich tue es, oder?"
„Ja."
Über das leere Feld blickend atmete Marlene aus. Sie konnte ihren Atem sehen. „Wenn ich mit Adam darüber reden würde," begann sie unsicher, „würde ich mich so fühlen, als ob er dächte, ‚Ich hab's dir ja gesagt'. Ich will nicht, dass er sieht, dass ich… dass ich als Freundin komplett versagt habe… dass Miles jemand besseren gefunden hat." Sie drehte ihre aufrichtigen blauen Augen wieder zu James. „Warum ist das so?"
James zuckte die Achseln. „Warum zur Hölle sollte ich das wissen?"
„Da hast du Recht," Marlene runzelte die Stirn. „Tut mir leid, dass ich so rede. Ich weiß, dass du den ganzen Kram nicht hören wolltest."
„Wollte ich nicht, aber… bitte schön." Er lächelte sie irgendwie an.
Marlene stand auf. „Ich lass ich dich mal fertig für's Spiel machen. Viel Glück." Sie begann zu gehen, aber James stoppte sie.
„Du hast nicht vollkommen als Freundin versagt."
Die Blonde verkreuzte ihre Arme. „Ich war nicht wirklich erfolgreich, oder?"
„Ich weiß nicht, aber du solltest wissen: Ich hab vor ein paar Tagen mit dem Ravenclaw Quidditchkapitän gesprochen… ich schätze, sie lassen im Spiel heute ihren Ersatz-Hüter spielen. Simpson spielt normalerweise und er… äh… war im Training etwas abgelenkt. Der Kapitän schätzt, er hätte nicht genug Konzentration um zu spielen."
Marlene sah James seltsam an. „Wirklich?"
„Wirklich."
Sie lächelte. „Danke."
„Gern geschehen."
Marlene kehrte zum Schloss zurück und James legte sich zurück, zog seine Luckys heraus und steckte sich eine weitere Zigarette an und obwohl er es vor Gericht geleugnet hätte, fühlte sich James besser, bevor er überhaupt den ersten Zug nahm.
(Donna-Drama)
„Es ist heute eiskalt," bemerkte der Hufflepuff Liam Lyle etwas später unnötigerweise vom Kommentatorstand auf dem Quidditchfeld. Die Tribünen waren trotzdem voll besetzt. „Wir werden jedoch in ein paar Minuten die Teams von Gryffindor und Ravenclaws sehen und hoffentlich können sie es schnell machen. Wenn Ravenclaw verliert, scheiden sie im Wettbewerb um den Pokal aus - wie ihr euch erinnern könnt, haben sie im November gegen Slytherin verloren. Gryffindor ist unbesiegt, seitdem Sucher Ricki Nivens gegen Hufflepuff den Schnatz in nie dagewesenen fünf Minuten gefangen hat, was, wie jeder weiß, mehr eine Sache von Glück als… jedenfalls hat der Ravenclaw-Kapitän und Jäger Malcolm Davies einige Veränderungen bei der Aufstellung gemacht…"
Der Gryffindor war typischerweise angespannt. James stand nah am am Ausgang, blickte auf das gefüllte Stadium und genoss das nervöse Gefühl in seinem Bauch. Es war seltsam daran zu denken, dass es ihn früher gestört hatte… jetzt war es aufregend, die Erwartung, die Anspannung, der Gedanke, dass er sehr bald fliegen würde…
Sirius lag auf einer Bank, warf immer wieder eine Quaffel in die Luft und fing sie wieder, entweder um Stress abzubauen oder aus Langeweile. Adam McKinnon machte den zwei Treibern, Michael Mitchum und Damacus Weasley Dehnübungen vor und Ricki Nivens saß neben Sirius und beobachtete angespannt die steigende und fallende Quaffel. Donna stand in der Zwischenzeit in einer Ecke, Züge vor sich hinmurmelnd und die Stirn runzelnd.
„Scheiße!" fluchte sie ziemlich plötzlich, woraufhin Damacus, mitten in einer Dehnübung, umkippte.
„Scheiße, Shacklebolt," sagte Sirius.
„Merlin, Shack!" sagte Ricki.
„Au," sagte Damacus.
„Sorry," murmelte Donna knapp. „Ich kann mich nicht an den neusten Zug erinnern."
„Tja, er endet nicht damit, dass du Weasley umbringst," fuhr Sirius sie an. „Wirklich, Shack, wenn du Frauenprobleme hast, solltest du vielleicht aussetzen…"
„Oh, zieh Leine, du großer Idiot, ich…"
„Shack," unterbrach James und sie gab nach. Der Kapitän warf Sirius einen warnenden Blick zu. Sein Freund zuckte die Achseln und kehrte zum Quaffelwerfen zurück. „Shack, kann ich kurz mit dir reden?"
Donna verdrehte die Augen. „Also ehrlich, Potter, es ist…"
„Shack." Widerwillig folgte sie ihm aus dem Umkleideraum. „Um Merlins Willen, du machst aus einer Fliege einen Elefanten."
„Es geht nicht um das Fluchen," sagte James, als sie alleine waren. „Ich will sichergehen, dass du nicht schlecht spielst." Er war überrascht, als Donna wirklich ein bisschen verletzt aussah.
„Wie meinst du das?"
„Ich meine," beharrte er, „dass ich weiß, dass du im Moment mitten in einer Art komplizierten, seltsamen, leicht irrelevanten Schlafsaaldrama bist und ich habe bemerkt, dass du im Training nicht ganz dabei bist… du bist normalerweise die Erste, die sich einen Zug merken kann und du vergisst die neuen seit Wochen."
„Warum hast du nicht schon früher was gesagt?" wollte Donna wissen, die Verzweiflung in ihren bernsteinfarbenen Augen vermischte sich nun mit ihrer Standardverärgerung.
„Weil du normalerweise besser bist, wenn ich nicht kritisiere," sagte James. „Du bemerkst normalerweise, wenn deine Arbeit nicht perfekt ist und arbeitest härter um dich zu verbessern. Ist das hier irgendwie anders?"
Donna blickte ihn finster an. „Du machst das bloß, weil ich ein Mädchen bin."
„Bitte," spottete der andere, „ich habe gesehen, wie jeder Kerl da drin…" Er stieß seinen Daumen in Richtung des Umkleideraums, „sich mädchenhafter verhalten hat als du. Das hat damit nichts zu tun. Das hat nur damit zu tun, dass ich wegen dem Krach der Gryffindorsechstklässlerinnen bereits durch zwei emotionsgeladene Gespräche musste und deswegen kein Quidditchspiel verlieren werde."
„Ich werde mich nicht bei dir ausheulen," informierte Donna ihn kühl.
„Verdammt nochmal, das hoffe ich nicht," James verschränkte seine Arme. „Was ich versuche zu sagen ist, dass du ein Ventil für all dieses verrückte Melodrama brauchst… normalerweise würde ich Quidditch vorschlagen, aber das funktioniert eindeutig nicht. Nun, ich sehe, dass du - zumindest theoretisch - ein Mensch bist und du wahrscheinlich - naja, vielleicht -" er zuckte beinahe zusammen, „Gefühle hast…" Donna sah ihn finster an… „aber auf dem Feld zählen deine Gefühle nicht. Weißt du, was zählt? Gewinnen. Das ist das Wichtigste."
„Solltest du mir nicht sagen, dass das nicht das Wichtigste ist?"
James verstand kein Wort. „Warum zur Hölle würde ich das sagen? Es ist ein Spiel. Der ganze Sinn dabei ist zu gewinnen…" Ehrlich, er fing an, sich Sorgen über ihre Gesundheit zu machen…
„Tja, ich weiß das," beharrte Donna. „Mir geht's gut, Potter."
„Gut. Und, Shack,… find, find einfach einen Weg, wie du den ganzen Müll, der dich runterzieht rauslassen kannst. Es ist nicht gesund, das mit sich rumzuschleppen, ja? Such dir ein Ventil. Nur… friss deine Gefühle nicht in dich rein, weil ich dich in Form brauche."
„Tja, offensichtlich." Sie sah ihn neugierig an. „Warte kurz… du schreist mich nicht an. Du gibst mir einen Ratschlag."
„Tja, offensichtlich."
Sie runzelte die Stirn. James seufzte.
„Muss ich dich anschreien?"
„Es könnte helfen."
„Shack, wenn du dich verdammt noch mal nicht auf's Spiel konzentrierst, bist du schneller aus der Mannschaft draußen, als du ‚Persönliches Foul' sagen kannst! Ist das klar? Denn ich habe zwei Ersatzjäger, die deinen Job wahrscheinlich besser machen könnten und ich müsste mich nicht mit deren dummen Zickenkrieg rumschlagen! In Ordnung?"
„In Ordnung, Potter."
In dem Moment erschien Adam McKinnons Kopf in der sich öffnenden Tür. „Sie rufen Ravenclaw auf und gleich sind wir an der Reihe." sagte er. James und Donna folgten ihm nach drinnen, sammelten ihre Besen auf und stellten sich auf ihre üblichen Plätze in der Aufstellung. Donna sah entschlossen aus und James unterdrückte ein Grinsen.
„Und Chaudry," beendete Liam Lyle die Ankündigung. „Und nun, die Gryffindormannschaft: McKinnon!" Adam raste aus der Tür. „Mitchum! Weasley!" Die zwei Treiber verschwanden. „Shacklebolt!" Donna war weg. „Black!", dann Sirius.
James drehte sich zu Ricki um. „Fang mir einen Schnatz, ja, Nivens?"
„Potter!"
Er hob in mitten des Jubels des Publikums.
„Und Nivens!"
Nach seiner ersten Flugrunde landete James in der Mitte des Feldes, während der Rest seines Teams sich in der Luft versammelte. Der Ravenclaw-Kapitän, Malcolm Davies, hatte das bereits auch getan und Madam Hooch näherte sich dem Paar.
Hooch durchlief die üblichen Anweisungen - ein sauberes, ehrliches Spiel, keine Fouls, Fairness… Dann sollten die zwei Kapitäne die Hände schütteln.
„Bereit zu verlieren, Potter?" fragte Malcolm grinsend.
James hob seine Augenbrauen und als er Malcolms Hand packte, antwortete er, als ob er etwas verwirrt von der Frage war: „Ich bin nie bereit zu verlieren, Davies."
„In Ordnung!" tönte Liam Lyles magisch verstärkte Stimme, „das sollte ein interessantes Spiel werden!"
(Das innere Auge)
„Für die von euch, die noch hier sind," leierte Liam Lyle, der sichtbar wünschte, dass er nicht zu diesen gehörte, „der Spielstand ist 320 zu 290 für Gryffindor… es ist jetzt fünf Uhr siebenunddreißig und ich hasse diese Sucher offiziell."
James forderte müde eine Auszeit und die zwei Mannschaften flogen zu den gegenüberliegenden Enden des Feldes. Als sie auf dem Boden waren, starrte fast das gesamte Team Ricki Nivens böse an.
„Kumpel," sagte Sirius zu James, obwohl er direkt Ricki ansah, „haben wir uns vielleicht einen blinden Sucher ausgesucht?"
„Konzentrier dich auf deinen Teil des Spiels," sagte James. „Ich habe doppelt so viele Punkte gemacht wie du. Du auch, Shack. McKinnon, die Tatsache, dass die neunundzwanzig Mal getroffen haben, sollte dir peinlich sein."
„Was macht das schon?" grummelte Adam. „Zu diesem Zeitpunkt geht es nur um den Schnatz. Wir werden keine hundertfünfzig Punkte Vorsprung kriegen und um Merlins Willen, es waren mehr als fünf Stunden."
„McKinnon, du rennst Sprints im Training, wenn sie wieder einen Ring treffen," fuhr James ihn an. „Damacus, nettes Treiben… Mitchum, pass auf Fouls auf. Noch dreimal und dann schicken sie dich vom Feld runter."
„Ja, Potter."
„Zehn Sekunden," erinnerte Madam Hoch sie.
James drehte sich zu Ricki um. „Finde den verdammten Schnatz."
„Ich versuch's."
Das ganze Team stöhnte in dem Wissen, was jetzt kommen würde. „Wie bitte?" fragte James mit gefährlich tiefer Stimme.
„Ich meine," krächzte Ricki, der bleich wurde, „ich meine… ja, Potter."
„Besser." James wandte sich an das ganze Team. „Es geht nie nur um den Schnatz. Verstanden?"
„Ja, Potter." sagten sie im Chor.
Die Mannschaft bestieg wieder ihre Besen. „Weißt du, Prongs," sagte Sirius, „das war irgendwie heiß."
„Nicht in der Stimmung, Sirius."
Und sie waren wieder in der Luft.
Ein Ravenclaw Jäger war im Besitz der Quaffel, aber ein schneller Klatscher von Damacus Weasley befreite sie für James' Übernahme einen Moment später. Ein Ravenclaw Treiber übernahm jedoch sehr schnell die Kontrolle über den Klatscher und ließ ihn auf James zu schleudern. Er duckte sich und der andere Treiber pfefferte den Klatscher auf ihn zurück. Die Klatscher tanzten zwischen den zwei Treiber mit James in der Mitte, weshalb er schnell die Quaffel durch einen Pass an Donna los wurde.
Donna düste los in Richtung Ravenclaw Ring, passte zu Sirius, der zurück passte und nach vorne raste, sich somit für einen Pass freiflog. Donna warf ihm die Quaffel und er zielte einen Wurf in den linken Ring; der Ravenclaw Hüter fing ihn ab und passte die Quaffel zu einem von seinen Mitspielern. James fluchte und zog sich in die Verteidigung zurück.
Es wurde jetzt ziemlich dunkel. Während die Minuten verflogen, konnte man beobachten, wie Professor McGonagall goldene Lichter in die Luft schweben ließ, die das ganze Feld in ein warmes orangenes Licht tauchten. So kam es, dass als James gerade seinen achtzehnten Ring der Nacht geworfen hatte, etwas Glänzendes im Schein der Lichter in sein Auge fiel. Einer der Sucher bemerkte es auch - der Ravenclaw Sucher.
Anna Cho raste auf den Schnatz zu, der in der Nähe der Hufflepuff-Tribüne herumschwirrte und James schaute sich wie wild nach seinem eigenen Sucher um. Ricki hatte ihn auch gerade entdeckt und war ein paar Sekunden später auch an seiner Verfolgung, aber er war am anderen Ende des Felds. Anna Cho hatte einen ziemlichen Vorsprung.
Ravenclaw war im Quaffle-Besitz.
Ricki verringerte seinen Abstand zu Anna, aber nicht schnell genug. Sie war immer noch mehrere Besenlängen vor ihm und selbst sie war mehrere Besenlängen vom Schnatz weg. Michael Mitchum zielte einen Klatscher auf den Ravenclaw Sucher, aber er traf jedoch beinahe Ricki und James rief sofort seine Treiber zurück.
Er ließ seine Augen über das Stadium schweifen auf der Suche nach etwas, was ihn retten würde… etwas, das Ricki beim Aufholen helfen würde… etwas, dass ihm helfen würde, rechtzeitig zu, Schnatz zu kommen.
Malcolm Davies von Ravenclaw hielt die Qualle in der Ravenclaw Hälfte des Feldes, er kam nicht gut voran, da Sirius und Donna eine enge Verteidigung machten. Die anderen zwei Ravenclaws hatten das Spiel komplett vergessen und konzentrierten sich nur noch auf Annas und Nickis Verfolgung des Schmatzes.
James blickte zurück auf seinen eigenen Hüter; Adam sah aus, als wäre er für ungefähr alles bereit. Der Quidditch-Kapitän runzelte die Stirn und versuchte hastig die Puzzleteile in seinem Kopf zusammenzusetzen…
Dann fiel es ihm ein.
James raste auf Damacus Weasley zu, den nächsten Treiber.
„Ich kann sie nicht treffen," sagte Damacus in dem Moment, als James ankam. „Sie fliegen zu nah aneinander."
„Ich weiß," sagte James schnell, der in der Luft neben dem Drittklässler schwebte. „Ich weiß, hör einfach zu. Ich will, dass du und Mitchum jeden Klatscher, den ihr in die Hände bekommt, auf Malcolm zielt."
„Den… Jäger?" fragte Damacus ungläubig.
„Ja."
„Shack und Sirius verteidigen ziemlich gut."
„Sie werden sich verziehen… Aber… ihr wisst schon… verletzt Davies nicht, lasst ihn einfach nur nicht treffen und lasst es gut aussehen. Klar?"
Verwirrt nickte Damacus.
„Gut. Sag Mitchum Bescheid."
Der Treiber gehorchte hastig. James raste zurück zur Ravenclawseite. Ricki war nun auf der Höhe des Ende von Annas Besen, als sie das Stadium zum zweiten Mal umrundeten. Sie kam sogar noch näher zum Schnatz. Das ganze Stadium, Kommentator Liam Lyle muteinbezogen, waren auf die zwei Sucher fixiert.
In Rufdistanz zu Sirius und Donna, die erfolgreich Malcolm Davies' Versuche ohne Hilfe Fortschritte nach vorne machen, vereitelten - brachte James seinen Besen zum Stehen, formte mit seinen Händen einen Trichter um den Mund und bellte: „Giftzahn Sieben!"
Beide Jäger hörten ihn und beide sandten ihm verwirrte Blicke.
„Macht es!" rief James bedeutungsschwer. Sirius brach zuerst ab und Donna folgte ihm verbittert zu den Gryffindorständen zurückdüsend. Jedoch flog Donna, unzufrieden mit den Anweisungen, direkt zu James.
„Warum machen wir Giftzahn Sieben?" wollte sie wissen, während Malcolm um die Slytherin-Tribüne herum schwang und sich über das Feld in Richtung der Gryffindorringe bewegte. „Sirius und ich haben ihn perfekt aufgehalten und…"
„Mach es einfach," fuhr James sie an. Bevor sie antworten konnte, flog er los um sich selbst Malcolm Davies entgegenzustellen. Donna folgte seinen Anweisungen und kehrte mit Sirius in ihre Feldhälfte zurück und nahm ihre Position für den bestimmten Zug ein.
James flog mit voller Geschwindigkeit auf Davies zu, aber bevor die zwei wirklich eine Kollision riskierten, brach Letzter seitlich aus um einem Klatscher auszuweichen. Michael Mitchum hatte einen auf - oder neben - ihn gezielt und Davies wechselte schnell die Richtung um den Ball und den Gryffindorkapitän zu vermeiden. James verfolgte ihn, als Damacus den Klatscher nach einer Sekunde wieder holte und ihn zu Davies zurückschlug, bevor er den anderen Klatscher daran hinderte in Donna zu krachen und ihn ebenfalls zu Ravenclaw umleitete.
„Die Gryffindortreiber," verkündete Liam Lyle zu den jetzt aufmerksamen Zuschauern, „schlagen ziemlich hart auf Jäger Davies… nicht wirklich sicher, warum… Cho und Nivens sind noch immer in der Verfolgung des Schmatzes, Cho hat dort einen guten Vorsprung… Guter Merlin, das war knapp für Davies! Davies lässt beinahe die Quaffel fallen…"
James und Malcolm flogen parallel auf die Gryffindorringe zu, Klatscher flogen ihnen immer noch von den Gryffindortreibern zu.
„Mich vom Punkten abzuhalten wird Annie nicht davon abhalten, den Schnatz zu fangen!" rief Malcolm grinsend.
„Oh, Davies!" rief James zurück. „Als ein Jäger solltest du besser als sonst jemand wissen, dass es im Quidditch nie nur um den Schnatz geht."
Davies sah ein wenig verwirrt aus, aber fuhr fort mit der Quaffel unter dem Arm nach vorn zu preschen, mit nur wenig Widerstand von James. Die Klatscher waren eine andere Geschichte, er schlängelte sich geschickt hindurch, aber sein Gesichtsausdruck zeigte, dass es ziemlich viel Konzentration benötigte um dem Bombardement zu entkommen, das seine eigenen Treiber kaum versuchten zu verhindern.
Dann passierte etwas. Während er Kopf an Kopf neben Davies flog, kam der Gryffindor ziemlich nah an den Ravenclaw - vielleicht gefährlich nah. Als Malcolm über seine Schultern in die Richtung seines Rivalen guckte, blickte James auf und sah einen weiteren Klatscher, der in Richtung Malcolm flog. In weniger als einer Sekunde bemerkte James die Flugbahn des Balls und Malcolms Unwissenheit von dem sich nähernden Ball und - wie üblich - handelte James ohne zu Denken. Er tauchte mit seinem Nimbus unter, rollte sich unter Davies hindurch und tauchte gerade wieder parallel neben dem Ravenclaw hoch, aber neben seiner anderen Schulter.
Dann -
„Verdammt noch mal!" fluchte Liam Lyle und es gab ein kollektives Keuchen, als alle den Grund dafür sahen. „Potter wurde von einem Klatscher getroffen - von seinem eigenen Mannschaftskameraden, wenn ich mich nicht irre und meine Güte es sieht aus, als ob sein Arm getroffen wurde…verdammt, das muss gebrochen sein… und guter Gott, was ist mit den Gryffindortreibern los? Noch ein Klatscher… er trifft Davies… nein, bloß seinen Besen… Davies dreht sich unkontrolliert und… noch ein Klatscher! Noch mehr davon und Davies ist in ernsthaften Schwierigkeiten… ich bin mir nicht sicher, was die Gryffindortreiber da treiben, aber… aber… warte… was… was ist gerade passiert? Ich denke…"
James packte nach Luft schnappend seinen brennenden Arm und schaffte es gerade so, auf seinem Besen zu bleiben, der jetzt natürlich ein Stück weit zurückgeprallt war, trotzdem schaffte er es, die zwei Sucher ausfindig zu machen und merke, wie er trotz allem grinste.
„Ich weiß wirklich nicht, was gerade passiert ist," fuhr Liam fort; „Anna Cho hat… ihren Vorsprung verloren und… Nivens hat… was?"
Was gerade passiert war, war dies: Die Ravenclaw-Sucherin Anna Cho, deren Fingerspitzen nur wenige Zentimeter vom Schnatz entfernt waren, hatte gegen die grundlegende Regel für alle Schnatz-entdeckenden Sucher verstoßen - sie hatte dem Kommentator zugehört. Für den Bruchteil einer Sekunde, als sie so nah am Schnatz war, dass sie beinahe seine fedrigen Flügel fühlen konnte, erlaubte sich Anna einen kurzen genießerischen Moment, in dem sie ihre Ohren wieder durchlässig machte und Liam Lyles Kommentar zuhörte um seine Stimme zu hören, wenn er verkündete, dass sie, Anna Cho, den Schnatz gefangen hatte. Was sie stattdessen hörte, war: „Davies ist in ernsthaften Schwierigkeiten!"
Dann verwandelte sich ihr einziger genießerischer Moment in mehrere hektischen Sekunden, in denen sich ihre Augen vom Schnatz abwandten, ihre Konzentration sich vom Spiel löste und beides auf sich auf den unglücklichen Malcolm Davies richtete, der gerade seinen Besen nach seinem Kontakt mit dem Klatscher richtete.
Ricki Nivens bemerkte in der Zwischenzeit die Unaufmerksamkeit seiner Gegenspielerin und lehnte sich mit aller Kraft auf seinem Besen nach vorne, ihn nur ein kleines bisschen schneller drückend und seine Hand ausstreckend, bis die kleinen ledigen Flügel gegen seine Finger strichen und er seine Hand um den goldenen Schnatz schloss.
„Anna Cho hat… ihren Vorsprung verloren und… Nivens hat… was? Nivens hat den Schnatz gefangen!" rief Liam Lyle, unglaublich verwirrt. „Ricki Nivens hat den Schnatz gefangen! Gryffindor hat das Spiel gewonnen!"
(Danach)
„Und schließlich," verkündete ein ziemlich betrunkener Sirius Black zu einer großen Gruppe Zuschauer im Gemeinschaftsraum ein paar Stunden später, „denke ich, dass wir uns einfach niederknien sollten und den Quidditchkapitän, meinen besten Freund und den hauseigenen Verrückten, James Potter, verehren sollten…"
Die Menge - in unterschiedlichen Stadien von Berauschtheit und Nüchternheit - lachte und klatschte anerkennend.
„Also, stellen wir mal klar," lallte Peter zu seinem Freund, „du hast gedacht, weil Anna Cho und Malcolm Davies miteinander ausgehen, würde sie vom Schnatz abgelenkt werden, wenn sie hört, dass Davies in Schwierigkeiten ist?"
„Ich hatte Recht, oder? Jedenfalls hatte Davies die Quaffel," sagte ein leicht betrunkener James, der gerade eine verdächtig bernsteinfarbene Flüssigkeit von einem Kelch schluckte, die er vernünftigerweise nicht in Frage gestellt hatte, als Sirius sie ihm zehn Minuten zuvor gereicht hatte. „Es ist perfekt legitimierbar."
Peter lachte, nicht weil es lustig war, sondern weil der Feuerwhiskey, den er verzehrt hatte, zu denken schien, dass es lustig war. James ließ ihn zurück und verschwand auf der Suche nach einem anderen Getränk in die Menge, die die Party darstellte. Ein Lied von einer Zaubererband - The Fletchers - füllte den Gryffindorturm mit Gitarrenriffs und rauen Vokalen, die dann in Betracht des Sprechchors, des Geplapper und allgemeinen Lärms der feiernden Gryffindors selbst untergehen musste.
James' Kopf drehte sich, als er einen Tisch erreichte, auf dem Butterbierflaschen und eine Sammlung anderer, unbenannter Getränke aufgereiht waren.
„Eigentlich sollte ich dir nichts geben außer Butterbier," sagte Frank Longbottom, der eine Art Ersatzbarkeeper zu sein. „Aber da du dich gerade aller Logik entzogen hast um dieses Spiel zu gewinne, werde ich für ein paar Minuten ein Auge zudrücken."
James grinste und füllte sich einen Kelch mit einer klaren Substanz, von der er vermutete, dass sie Wodka war. „Hast du's Spiel g'nossen, Frank?" fragte er nach einem großen Schluck. Seine Lippen waren fast taub.
„Sehr sogar," antwortete der Schulsprecher. „Wie geht es deinem Arm?"
„Holl'way hat'n in fast 'ner Minute repariert," antwortete der Kapitän achselzuckend.
Frank grinste, sichtbar amüsiert über den unsicheren Zustand seines Begleiters. James bemerkte es. „Du bist nüchtern," warf er ihm vor. „Stocknüchtern sogar, eigentlich."
„Das stimmt."
„Warum?"
„Ich weiß nicht. Hab mich nicht nach Trinken gefühlt seit…" Der Schulsprecher brach ab. „Einfach nicht in der Stimmung." James folgte Franks wanderndem Blick durch den Gemeinschaftsraum; die Reise endete bei Alice Griffin, die mit einem Butterbier in der Hand mit Sirius lachte und Späße machte. James drehte sich wieder zu Frank.
„Sirius mag sie," sagte er unverblümt.
„Wie sehr?" fragte Frank.
James zuckte die Achseln. „Mehr als das letzte Mädchen, mit dem er ausgegangen ist."
„Wie sehr mag sie ihn?" fragte Frank schwach. James zuckte wieder die Achseln.
„Keine Ahnung. Sie war deine Freundin. Weißt du es nicht?" Er nahm sich einen weiteren Drink.
„Hey, James," sagte eine neue Stimme, Remus Lupins, als der Junge selbst erschien, der müde, aber auch relativ erholt aussah.
„Lupin!" jubelte James, der seinen Freund in eine einarmige Umarmung zog. „Du bist zurück? Wie… wie gehts deiner Mum?"
„Mum gehts gut," sagte Remus. „Pass mit dem Alkohol auf, Potter, ja?"
„‚Türlich."
Remus beäugte die Festlichkeiten um sie herum. „Ich schätze, wir haben gewonnen?"
„Ich habe meinen Arm gebrochen," sagte James stolz. Remus sah Frank an, der nickte.
„Glückwunsch."
„An vier Stellen."
„Was?"
„ich hab ihn an vier Stellen gebrochen, meinen Arm," führt James strahlend weiter aus. „Hat höllisch gebrannt, das hat es."
„Glückwunsch," wiederholte Remus. „Hör zu, ich geh ins Bett. Es war… ziemlich hektisch zuhause. Hab nicht viel Schlaf bekommen."
„Türlich."
„Pass auf, dass Sirius keine mit hochbringt, ja?"
Frank bewegte sich angespannt. James klopfte seinen Mitrumtreiber auf die Schulter. „Das hättest du nicht sagen sollen, Kumpel. Du hast die Situation sehr unangenehm für Frank gemacht. Nicht wahr, Frank?"
„Oh, na ja…"
„Ich habe keine Ahnung, wovon du sprichst, James," seufzte Remus, der James' Hand von seinem Arm löste. „Aber gute Nacht."
„‚Nacht."
Remus verschwand über die Treppe im Jungs-Schlafsaal und James kehrte seine Aufmerksamkeit wieder dem bedrückten Schulsprecher zu. Die Nüchternheit des Moments ließ James die Stirn runzeln. „Du musst trinken, Frank Longbottom."
Frank schnaubte. „Ich weiß nicht, ob das so eine gute…"
„Du musst trinken," wiederholte James laut. Er schnappte sich eine fast volle Flasche Feuerwhiskey und griff dann über den Tisch um Franks Arm zu packen. „Komm schon."
Der Schulsprecher gehorchte zögernd und folgte James durch eine Gruppe kichernder Fünftklässler. „Wohin gehen wir?"
„Irgendwohin an die Luft."
Und so kam es, dass etwa fünfundvierzig Minuten später die zwei Jungs im Astronomieturm saßen, mit dem Rücken am Sims und die nun halb-leere Flasche Feuerwhiskey zwischen ihnen.
James hatte nur ein oder zwei weitere Schlücke genommen und Frank fühlte nun die Auswirkungen von ungefähr einem Drittel der Flasche Feuerwhiskey erheblich. Die zwei saßen dort, lachend und redend oder sonst ziellos in den Nachthimmel starrend, beide immun gegen die kalte Januarluft.
„Die Sache, die ich an dir liebe, Frank Longbottom," lallte James nach einiger Zeit, „ist, dass du so ehrlich bist. Ich… ich vertrau dir einfach. Irgen'was an dir…" James dachte darüber nach. „Vielleicht, weil dein Name Frank is'." Er begann zu lachen und wiederholte durch seinen Schluckauf: „Ich vertrau dir einfach!"
Frank runzelte die Stirn. „Carlotta Meloni hat mich geküsst und ich habe sie zurückgeküsst," sagte er schließlich, sein Kopf rollte in James Richtung um seine Reaktion zu sehen.
James runzelte nachdenklich die Stirn und schüttelte dann die Kopf. „Nope. Ich vertraue dir immer noch."
Der Schulsprecher starrte betrübt über die Ländereien. „Alice nicht."
James verdrehte die Augen. „Wirst du jetzt hier sitzen und über Alice reden? Ich will nichts über Alice hören. Ich mag Alice. Wirklich. Aber ich habe heute zu vielen Problemen von anderen Leuten zugehört und ich bin betrunken und ich werde diesen Feuerwhiskey nicht damit verschwenden, noch mehr Menschen Ratschläge zu geben." James nahm einen großen Schluck aus der Flasche. „Wir reden nicht über Alice."
„Warum verdammt noch mal habe ich Carlotta Meloni geküsst?"
„Verdammte Scheiße, wir reden über Alice."
„Ich habe Alice verdammt noch mal geliebt."
„Nimm dir noch 'nen Schluck."
„Nein."
„Doch."
„Nein. Na ja… in Ordnung." Frank nahm noch einen Schluck. „Die Sache ist…" fuhr er fort, nachdem der Feuerwhiskey genügend in seiner Kehle gebrannt hatte. „Ich habe Alice geliebt."
„Hast du bereits gesagt."
„Und ich habe Carlotta nicht geliebt!" erkannte er, bevor er fortfuhr: „Ich habe nicht mal so sehr für Carlotta geschwärmt. Carlotta ist…"
„Heiß."
„Genau! Sie ist heiß, richtig? Sie ist wirklich, wirklich, wirklich, wirklich, wirklich…"
„Frank."
„Wirklich gutaussehend! Und ich war gerade zum Schulsprecher ernannt worden und… ich weiß nicht… wir waren einfach da, am Trinken und ich… sie mochte mich. Carlotta Meloni stand auf mich… es war…"
„Unmöglich!"
„Schmeichelnd. Und verwirrend. Und ich war ein wenig betrunken." Er nahm noch einen Schluck. „Ich wünschte, die Nacht wäre niemals passiert."
„Ich auch," grummelte James. „Dann würde ich nicht einen perfekt guten Rausch auf deine Ex-Freundin verschwenden."
„Ich liebe sie immer noch," sagte Frank ausdruckslos, James ignorierend, der finster blickte.
„Warum bist du dann verdammt noch mal mit mir hier oben, während mein bester Freund sie im Gemeinschaftsraum anbaggert?"
„Is' offensichtlich, nicht? Ich hab meine Chance verpasst."
James nahm die Flasche aus Franks Fingern und nahm selbst einen Schluck. „ich denke, du wirst herausfinden," sagte er, „dass Mädels mit ein wenig Zeit und einer wahnsinnig großen Anzahl von Ergebenheitssymbolen Vergebung schenken können."
„Ich verdien keine Vergebung."
„Nein," stimmte James zu. „Aber wer zur Hölle tut das?" Frank gluckste und lehnte seinen Kopf zurück. Die zwei Gryffindors saßen eine Weile still da, bis James wieder anfing: „Weißt du, was ich denke?" Ihn traf jedoch mehr Stille und ein Blick auf den Schulsprecher zeigte ihm, dass Frank eingeschlafen war. James verdrehte seine Augen und murmelte: „Anfänger."
Der Quidditchkapitän zog gerade eine Zigarette aus seiner Tasche und fragte sich, wie er Frank wieder zum Bewusstsein kriegen konnte, als ein Geräusch, das vage einem Quietschen ähnelte seine Aufmerksamkeit zur im Schatten liegenden Tür auf der anderen Seite des Turmes lenkte. „Wer ist dort?" wollte James dramatisch wissen. Ein unscheinbar aussehender Hufflepuff, an dessen Name er sich nicht ganz erinnern konnte, erschien leicht nervös und mit großen Augen.
„Sorry," begann der Hufflepuff (selbst das wusste James nur wegen des Umhangs). „Ich gehe einfach…"
Als der Junge - ein Fünft- oder Sechstklässler nach dem Aussehen her - sich umdrehte zum Gehen, rief James ihn zurück. „Du musst nicht gehen," sagte er trocken. „Es ist nicht so, als ob ich dich verhexen würde." Der andere Zauberer sah ihn zweifelnd an, deshalb stand James auf um ihn zu beruhigen, näherte sich dem Zauberer und streckte ihm die Hand hin. „Ich bin James… James Potter. Ich denke nicht, dass wir uns schon kennen."
„Reginald Cattermole," antwortete der andere und nahm die angebotene Hand. „Und wir kennen uns. Du hast mich früher verhext."
„Oh." James biss sich peinlich berührt auf die Lippe. „Ironisch. Sorry." Reginald sah aus, als ob er gehen wollte. „Hör zu, es tut mir leid." fügte James aufrichtig hinzu. „Ich hatte irgendwie so eine Phase in der vierten…"
„Es war in der Fünften."
„Es war eine lange Phase." Reginald blieb still. „Hör zu," fing James wieder von Neuem an, „Wirklich, ich habe keine Entschuldigung. Ich bin bloß irgendwie ein Arschloch. Es ist meine Sache. Hier… ich mach's wieder gut. Kippe?"
Reginald beäugte die angebotene Zigarette und schüttelte seinen Kopf.
„Was machst du überhaupt hier oben, Reginald Cattermole?"
„Im Gemeinschaftsraum war es laut. Ich wollte die Zauberkunsthausaufgaben üben."
James nickte desinteressiert. „Sicher, dass du keine Zigarette willst?" Reginald war sich sicher. „Einen Drink dann?" James hielt ihm die Flasche hin und Reginald beäugte den Gegenstand misstrauisch. „Nein, es ist in Ordnung," garantierte James. „Schau, guck, ich nehm' sogar einen Schluck." Er machte dies.
„Was ist das?" fragte Reginald, als James spürte, wie die Flüssigkeit in seiner Kehle brannte.
„Feuerwhiskey."
Die Augen des Hufflepuffs wurden weit. „Und was ist mit ihm passiert?" Er zeigte auf die Überbleibsel von Frank Longbottom.
„Oh, vergiss ihn, er ist tot," sagte James locker. „Willst du jetzt nen Schluck? Du weißt, dass du das willst, Cat."
„Es ist Reginald."
„Ja, aber ich werde dich nicht so nennen." James hielt ihm wieder die Flasche hin.
„Aber du hast nicht mehr genug zum Trinken, wenn ich davon trinke…"
„Das ist eine halbe Flasche und ich hatte schon mehr als genug."
Reginald runzelte die Stirn, nervös, das zu sagen, was ihm wirklich bei dem Angebot Probleme machte. „Ich bin nicht siebzehn," gab er zu,
James grinste nur noch breiter. „Ich auch nicht," antwortete er selbstsicher. Er hielt die Flasche ein wenig näher an seinen Begleiter. „Also, was sagst du? Lässt du mich meine vorherigen Sünden wieder gutmachen? Fügst du dich der Diskretion? Drehst du eine kleine Runde durch die etwas-weniger-ruhige-Seite?"
„Du bist spitze," bemerkte James begeistert, während er sich über die Steinmauer lehnte, die einen Blick auf die Ländereien ermöglichte und seinen Kopf ungläubig schüttelte. „Du bist überhaupt nicht ätzend, Reg Cattermole, vor allem, wenn man bedenkt, dass du ein Hufflepuff bist!"
Reginald, der kleiner und unerfahrener in Bezug auf Alkohol war als sein Schirmherr, fand das besonders witzig. Er kippte vor Lachen nach vorne. „Ich-bin-spitze!" kicherte er. „Es stimmt! Und ich bin - ich bin - ich bin…"
„Was bist du, Cat?" unterbrach ein lallender James.
„Ein Hufflepuff."
Und sie lachten beide darüber.
„Ich kann nicht glauben," fuhr James gerade gegenwärtig fort. „dass ich bis heute noch nie mit dir gesprochen habe. Es ist wirklich… wirklich… wirklich unglaublich. Weil du spitze bist."
Reginald schnaubte. „D-d-d-du und ich existieren nicht mal auf dem… auf dem selben…" (er versuchte, sich an das Wort zu erinnern): „Planeten."
James schlang einen Arm um die Schulter seines neuen Freundes. „Jetzt aber, das ist nicht wahr, Cat. Offensichtlich existieren wir auf dem selben… auf dem selben Dings. Nimm noch nen Schluck." Die Flasche vom Gryffindor nehmend, tat Reginald das. James spielte mit der unangezündeten Zigarette zwischen seinen Fingern.
„Rauchst du die, oder nicht?" wollte der Hufflepuff wissen, nachdem er sich von seinem letzen Schluck erholt hatte. „Du hast sie schon e-e-ewig in der Hand." Er warf James einen bedeutungsvollen Blick zu. James zuckte nur die Schulter.
„Hab mich noch nicht entschieden."
„Tatsache ist," fuhr der Hufflepuff fort, „wenn du n-nüchtern bist - werde ich nicht mehr spitze sein. Du wirst m-m-mich wieder… du weißt schon… ign-ign-ignorieren." Er lachte bei dem Gedanken in sich hinein. James schüttelte seinen Kopf, die Zigarette noch immer ignorierend.
„Quatsch, Cat, so bin ich nicht."
„Nein?"
„Nein. Ich ziehe vor, andere Probleme zu haben. Mir isses eigentlich scheiß egal, was and're von mir denken."
„Niemand?" Reginald nahm einen weiteren Schluck von der Flasche. „Dir is' es egal, was jeder von dir denkt?"
James begann seinen Kopf zu schütteln, stoppte aber. Er hätte es nie nüchtern gesagt, aber: „Vielleicht eine Person. Eine oder zwei Personen."
„Tja, da hast du's. Oder da hab ich's. Oder haben wir's beide?"
„Du hast es noch nicht."
„Oh, trotzdem." Ein weiterer Schluck folgte. James runzelte die Stirn.
„Es ist nicht so, weißt du. Zwei Menschen in der ganzen Welt… sie sind die einzigen, die wichtig sind. Und weißt du… es ist nicht - es ist nicht wichtig für sie, von wem ich denke, dass er spitze ist."
„Warum das?" lallte Reginald, der mit blutunterlaufenen Augen in die Nacht blickte. James fühlte einen ernüchternden Schauer über sich laufen, als ihm die Antwort einfiel.
„Weil einer von ihnen mich mögen wird, egal was und der andere mich nicht mögen wird, egal was." Reg trug einen sehr ernsten Gesichtsausdruck vermischt mit einem betrunkenen Schmollen. James fuhr fort, die Zigarette in seiner Hand zu beobachten. „Glaubst du an Ehrlichkeit, Cat?"
„Ja."
„Wirklich? Warum?"
Reginald runzelte seine Stirn. „Was war wieder die Frage? Es ist schwammig."
James schüttelte den Kopf. „Egal. Trink aus, Cat. Morgen sterben wir."
Reginald gehorchte bereitwillig und nahm einen langen, tiefen Schluck aus der Flasche. Sie war nun fast leer, wie der Hufflepuff einen Moment später beklagte.
„Is okay," sagte James. „Du bist auch so schon ziemlich voll." Reginald nickte, ihm war bewusst, dass es stimmte. „Also… Cat… du… du weißt schon… hasst mich nicht, weil ich ein wenig ein Arschloch zu dir war?"
Reginald zuckte die Achseln. „Nicht wirklich. Ich hab nie w-w-wirklich darüber nachgedacht. Hasst du mich? Ich meine - dich? Ich meine… hasst du dich?" Er runzelte die Stirn. „Das macht nicht wirklich Sinn, oder?"
„Ich weiß nich'" gab James zu, der über die Ländereien starrte; er begann zu fühlen, wie der kalte Wind in sein Gesicht biss und fragte sich, ob das ein Zeichen dafür war, dass der Rausch dahin schwand. „Ich sage nicht, dass ich stolz auf alles bin, was ich getan hab, aber wenn ich es nicht getan hätte, wäre ich nicht, wer ich bin und ich mag nicht nicht, wer ich bin… die meiste Zeit bin ich ziemlich spitze. Und, weißt du, ja, viel Müll ist passiert, aber viel Gutes ist auch passiert und ich weiß nicht, ob ich das Gute auch ohne den Müll hätte haben können… aber gleichzeitig werde ich den Müll nie hinter mir lassen können… wie dich. Du hättest für dein Leben gezeichnet sein können, Reginald Wasauchimmer und ich hätte es nie gewusst… ich meine, ich könnte es jetzt wissen, aber sonst nicht. Aber was ist mit Peter? Peter ist ziemlich unschuldig… aber ohne Sirius und mich, schätze ich, wäre er ein Boxsack für ein paar Slytherins. Also vielleicht ist es eine gute Sache, dass Pete mit uns rumhängt… aber vielleicht ist es ein Fehler. Vielleicht helfen wir Moony gar nicht… vielleicht ist es egoistisch. Vielleicht haben wir das alles für uns getan und nicht für Moony… und wie sollen wir das überhaupt wissen? Ich meine, der Grund, warum wir daran gedacht haben, war er, aber wir waren dreizehn und nur Merlin weiß, was wir in der Zeit wirklich gemeint haben, richtig? Ich schätze nicht, dass wir das je sicher wussten. Ich weiß nicht - manchmal denke ich, dass Evans Recht hat… es ist alles ein Fehler und ich sollte alles zurücknehmen… du und Snape und all diese blöden Viertklässler, aber… ich weiß nich', ich schätze, Snape verdient es. Er ist ein Widerling. Ich vertraue ihm nicht. Ich vertraue ihm überhaupt nicht und irgendeiner muss etwas sagen oder jemand wird noch in Schwierigkeiten kommen. Und alles wird meine Schuld sein." James drehte sich zu Reginald um. „Verstehst du, was ich sage?"
Reg blinzelte. „Was ist ein Moony?"
James seufzte. „Egal."
Finster blickend fuhr Reginald fort: „Es geht um ein Mädchen, oder?"
„Was?"
„Ein Mädchen. Es geht um ein Mädchen, oder? Es geht immer um ein Mädchen."
„Was geht immer um ein Mädchen?"
„D-d-dramatische Reden, die keinen Sinn machen." Er sah die Flasche an. „Ist's dir recht, wenn ich die leer trinke?"
James war sehr still. „Du hast Recht." sagte er schließlich. „Es geht um ein Mädchen."
„Ich wusste es. Ist's dir Recht, wenn ich die leer trinke?"
„Aber was bedeutet das?"
„Es bedeutet," grummelte Reginald, „dass du losgehst und ihr sagst, was dein Herz bewegt und ist's dir Recht, wenn ich die leer trinke?"
„Ja," sagte James abgelenkt, der sich gerade wieder sehr nüchtern fühlte. „Ja, mach nur, sie gehört dir. Achte darauf, dass du ein wenig Wasser trinkst, bevor du ins Bett gehst. Ich denke, du hast Recht. Ich denke, ich… ich denke, ich muss gehen."
„Aber ich will nich' heeeeimgehen," murmelte Frank Longbottom im Schlaf, während er noch immer an der Wand zusammengesunken lag.
James sah mitleidig auf den Schulsprecher hinunter. „Aber zuerst bringe ich ihn in seinen Schlafsaal…"
Reginald lachte nur.
Der Gryffindor warf einen letzten Blick auf die unangezündete Zigarette in seiner Hand. Dann öffnete er seine Finger und sah zu, wie sie nach unten glitt und in der schneegedämpften Dunkelheit verschwand.
(Momente des Erwachens)
Mit Frank sicher in seinem Bett, kehrte James zur Party zurück, ein Kelch Wasser in seiner Hand, während er durch die Menge schlenderte. Sirius und Alice saßen immer noch redend am Feuer und Peter plauderte mit einer Fünftklässlerin namens Pennie. Die eine bestimmte Person, mit der er sprechen wollte, war jedoch nirgends zu sehen.
James erkannte, dass sie zu Bett gegangen sein musste und hatte sich fast dazu entschieden in seinen eigenen Schlafsaal zurückzukehren, da die Nacht nun mit größerer Wahrscheinlichkeit ein Misserfolg war. Jedoch entschloss er sich stattdessen - ziemlich unerklärbar - dafür, einen Gang durch die Flure zu machen… vielleicht um etwas nicht so süßes Essen aus den Küchen zu holen. Er schlüpfte unbemerkt durch das Porträtloch.
Und da war sie.
James würde schwören, dass er nicht an Schicksal glaubte, aber da war sie und Schicksal schien nun nur schwierig zu leugnen zu sein. Lily Evans stand draußen vor dem Gemeinschaftsraum, nicht weit von dem Porträt der Fetten Dame entfernt, Getränk in der Hand und einen abwesenden Blick auf ihrem verträumten Gesicht. Sie hatte eine scharlachrote Decke um ihre Schultern geschlungen - Schutz vor den zugigen Gängen - und sie zupfte alle paar Sekunden daran, wie ein notorisches Zucken. Die Fackeln gaben ihrer bleichen Haut einen goldenen Schein, glitzerten in ihren Augen und hoben jede Strähne ihres roten Haares hervor. Als sie unbewusst auf ihrer Lippe kaute, vergass und erinnerte James sich, warum er hier war. Er glaubte nicht an das Schicksal, aber was für ein Zufall.
„Hi." Seine Stimme hörte sich für ihn seltsam an, aber als Lily ruhig hinüberblickte, bemerkte sie nichts.
„Hallo," antwortete sie, als James sich mit den Händen in den Taschen näherte. „Was bringt dich von den Feierlichkeiten weg?"
„Einfach - ne Pause machen," antwortete er, ihre Haltung nachahmend. Er war kurz davor, ihre Frage zu wiederholen, als ihre Stimme ihn davon abhielt.
„Das war mal ein Trick," sagte sie. „Während dem Spiel… die Tatsache auszunutzen, dass Malcolm Davies und Anna Cho zusammen sind, um sie davon abzulenken, den Schnatz zu fangen… Liam Lyle dazu zu kriegen, über Malcolm zu reden, in dem alle Klatscher auf ihn gerichtet sind…"
„Er hatte die Quaffel," erinnerte James sie, leicht verteidigend. „Und sie haben ihn nicht wirklich getroffen."
„Nein," stimmte Lily zu und warf einen Blick auf seinen geheilten Arm. „Haben sie nicht, oder?"
Nach einem kurzen Moment Stille fragte James: „Also hast du irgendwann Prinz Charmings Buch gefunden?"
Lily verdrehte ihre Augen. „Ja. Nicht dank dir."
„Das innere Auge war vernebelt."
„Tatsächlich?"
„Ja."
„Tja, dann…" Sie lächelte, irgendwie teuflisch. „Du könntest dich dafür interessieren, dass ich es herausgefunden habe, du großer, mächtiger Schwindler." James hob seine Augenbrauen. „Ich weiß, wie du auf Elaine Peasance Nummer gekommen bist… und du bist kein Seher. Es war das Quidditchspiel, das mich inspiriert hat," fuhr Lily weiter fort, offensichtlich sehr zufrieden mit sich. „Du wusstest, dass Malcolm Davies und Anna Cho miteinander ausgehen, also hast du das Spiel so manipuliert, dass Liam Lyle die Aufmerksamkeit auf Malcolm lenken und unser Sucher den Schnatz fangen würde, richtig? Tja, du wirst nie erraten, was ich heute morgen gehört habe… Elaine Peasance hat sich seit Wochen heimlich mit Kellen Burgess, dem Slytherin Sucher, getroffen."
James, der zu grinsen begann, versuchte unschuldig zu gucken. „Und?"
„Und," beharrte Lily. „Kellen Burgess' Trikotnummer ist die zwölf." Sie verschränkte ihre Arme und lehnte eine Schulter gegen die Wand, sodass ihr Kinn gerade parallel zu James' Schulter war. „Ich wette, du hast sie auf dieser Karte von dir entdeckt, wie sie gerade in einer Abstellkammer geknutscht haben und so konntest du die Zahl erraten, die sie gewählt hatte." Lily grinste. „Liege ich falsch?"
„Natürlich liegst du falsch," antwortete James, der ihre Haltung spiegelte. „Ich bin ein Seher." Lily lachte und er lachte mit. „Was machst du überhaupt hier draußen?" fragte er, als sie sich beruhigt hatte.
„Ich warte auf Luke," antwortete sie beiläufig. „Er ist wirklich spät dran… es ist seltsam. Er ist nie zu spät."
„Das habe ich gehört," murmelte der Quidditchkapitän.
„Er hat im Moment den Kopf ziemlich voll," verteidigte Lily ihren Freund sanft und ernst. „Seine Familie…. sein Bruder… es ist alles so verrückt. Ich habe so schrecklich Mitleid mit ihm… ich wünschte, ich wüsste, was ich sagen soll… es ist einfach unbehaglich und ich… ich weiß nicht, wie ich damit umgehen kann, weißt du?" Sie seufzte. „Ich weiß nicht… ich fühle mich, als ob… als ob ich irgendwie eine schlechte Freundin bin… und es ist alles so kompliziert. Ich weiß nicht, wie ich die Dinge reparieren kann und es ist… frustrierend. Frustrierend und kompliziert und um die Wahrheit zu sagen, habe ich irgendwie Angst vor kompliziert?"
Und nichts hatte sich verändert. Sie war immer noch zu gut um in Worte zu fassen und er war immer noch hilflos. Er hatte immer gewusst, dass er keine Chance hatte und das hatte sich auch nicht verändert. Er hatte immer gewusst, dass es einen Luke gab und er hatte immer gewusst, dass sie das, was er sagen wollte, nur verwirren würde. Nichts hatte sich verändert, außer vielleicht einem Faktor.
„James?"
„Sorry," sagte James schnell. „Ich… ich bin kurz eingenickt."
„Wow, danke."
„Nein, nicht - nicht wegen dir, ich… hab mich nur für ne Sekunde in meinen eigenen Kopf verrannt."
Lily lachte. „Stimmt etwas nicht?"
Es sollte nicht Luke sein. Es sollte James sein, nicht Luke. Es war so falsch, aber sie konnte es nicht sehen und es war komplett, komplett ätzend. Aber sie hatte Angst vor kompliziert und vielleicht hatte das Vorrang vor dem, was James wollte, wie verzweifelt er es auch wollte. Also, wieder einmal, hatte James eine Möglichkeit - eine Möglichkeit zu lügen und er nahm sie.
„Nein," sagte er. „Alles… alles ist gut." Und weil sie nicht gerade überzeugt aussah: „Hurra, der Pokal gehört bald den Löwen!"
„Das ist Enthusiasmus," beobachtete sie sarkastisch. „Bist du dir sicher?"
„Ganz sicher."
„In Ordnung." Sie hob einen skeptische Augenbraue, aber stellte keine weiteren Fragen. „Ich schätze nicht, dass du weißt, wie spät es ist?" Er wusste es. „Luke ist wirklich spät dran… vielleicht lauf ich noch beim Ravenclaw-Gemeinschaftsraum vorbei." Der Rotschopf hielt inne. „Außer natürlich, du hast diese Karte von dir dabei?"
James konnte spüren, wie sich die Rumtreiberkarte in die Tasche seines Quidditchumhangs brannte. „Oh, sorry, nein…"
Denn schließlich war er ja kein Heiliger.
„Natürlich, ist in Ordnung," Sie begann zu gehen, aber hielt etwas weiter weg an und drehte sich zu James um. „Was du heute getan hast," begann sie unsicher, „war ein bisschen blöd… ich bin mir auch nicht sicher, ob es ganz fair war…"
„Um Merlins Willen, er hatte die Quaff…"
„Aber," sprach Lily laut über ihn hinweg, „ich denke, die andere Sache, die du heute getan hast, war wirklich… nobel."
„Äh… welche andere Sache?"
„Den Klatscher, den du genommen hast," erklärte sie. „Er hätte Malcolm ziemlich hart getroffen und wenn er es getan hätte, hätte Liam Lyle darüber geschrien und Anna Cho wäre sehr abgelenkt gewesen und Ricki Nivens hätte den Schnatz fangen können. Aber du warst derjenige, der deinen Treibern gesagt hatte, dass sie um Malcolm herum zielen sollen und du hast dich schuldig gefühlt, also hast du den Klatscher für ihn genommen." Ihre Augen waren nun auf ihn fixiert. „Liege ich falsch?"
James nahm sich viel Zeit um zu antworten, schließlich brach er den Blickkontakt und murmelte leicht. „'Türlich liegst du falsch. Ich habe den Klatscher nicht mal gesehen. Wirklich. Malcolm Davies hatte einfach Glück, das ist alles." Als er wieder aufsah, lächelte Lily leicht.
„Ich wusste, ich hatte Recht," sagte sie, bevor sie sich umdrehte und sich wieder durch den Korridor zurückzog „Gute Nacht, Potter."
Nacht, Keks.
„Tschüss, Evans."
(Wach)
Es war dunkel, als Remus Lupin aus seinen Träumen gerissen wurde. Jemand hantierte mit etwas im Schlafsaal und ein Blick auf seinen Wecker sagte dem Rumtreiber, dass es erst ein paar Minuten nach Mitternacht war. Die Bettvorhänge auseinander schiebend äugte Remus in den dunkeln Schlafsaal auf der Suche nach demjenigen, der ihn geweckt hatte. Er entdeckte James, der neben dem Tisch stand.
„Prongs?" krächzte Remus. „Was ist los? Suchst du nach etwas?"
„Äh - nein," sagte James. „Ich meine… ich habe es gefunden. Leg dich wieder schlafen."
Sehr mysteriös ließ James etwas in den halb vollen Mülleimer fallen und drehte sich in Richtung Tür. „Sorry, dass ich dich geweckt habe. Nacht, Moony."
„Nacht, Prongs," antwortete Remus verwirrt. Die Tür schloss sich klickend hinter seinem Freund, aber Remus war zu neugierig, um das jetzt zu vergessen. Er kletterte aus dem Bett und durchquerte den Schlafsaal. Der Schein des abnehmenden Mondes reichte um den Inhalt des Mülleimers zu erhellen.
Trotz des harschen Erwachens, trotz der Höllenwoche und trotz seines übelerregenden Morgens lächelte Remus. Im Eimer, auf Papier und Apfelkernen und leeren Tintenfässern lag ein halb voller Pack Zigaretten.
