Secrets Are Walls That Keep Us Alone

Kapitel vierzehn

Die nächste Woche verlief ereignislos. Das einzig spannende war, dass James aus versehen Sirius' Kessel umstieß und sich der Plappertrank, den er am Brauen war, über Snape ergoß, der am Tisch vor ihnen saß. James und Sirius waren in schallendes Gelächter ausgebrochen als Snape ihnen anstelle von Schimpfwörtern völligen Blödsinn entgegenschrie.

Das folgende Wochenende jedoch, war das erste Hogsmeade-Wochenende des Jahres. Die älteren Schüler redeten über nichts anderes.

Außerdem war am Samstag auch noch Halloween. Besser konnte ein Wochenende gar nicht werden: einen ganze Tag in Hogsmeade und abends zu einem großartigen Fest zurückkehren.

Zumindest war es für alle anderen eine wunderbare Aussicht. Sirius hingegen, erwartete den Tag mit wachsender Sorge und fragte sich, wie zur Hölle er vermeiden könnte Massen an fetttriefendem Essen in sich hineinzuschaufeln.

Samstag Morgen ging Sirius sehr früh Laufen und kehrte zurück, bevor sonst irgendjemand den Gemeinschaftsraum betreten hatte, was, wie er dachte, eine ansehnlich Leistung war, wenn man bedachte, wie schrecklich aufgeregt die Drittklässler waren.

Er duschte und machte seine Hausaufgaben, entschied sich jedoch, seine Freunde noch eine Weile schlafen zu lassen. Sirius fühlte sich schon wieder müde, obwohl der Tag grade erst angefangen hatte. Er spürte ein dumpfes Pochen in der Schläfengegend, das sich im Laufe des Tages bestimmt zu schrecklichen Kopfschmerzen entwickeln würde und alles verschwamm vor seinen, vom vielen Lesen angestrengten, Augen. Es würde ein sehr, sehr langer Tag werden.

Als er es spät genug fand, warf er ein Kissen nach Remus um ihn zu wecken. Dann, nachdem er sich entschieden hatte gar nicht erst mit James zu diskutieren, ging er zu dessen Bett hinüber und versetzte ihm einen Stoß. Er beobachtete amüsiert, wie James versuchte sich aus seinen Laken zu befreien um nicht aus dem Bett zu fallen, und jämmerlich versagte.

„Ich hasse dich," grummelte er vom Fußboden aus.

„Du liebst mich. Wem versuchst du hier was vorzumachen?" Sirius grinste. James zog sich hoch und streckte sich ganz langsam. Plötzlich, ohne Vorwarnung, sprang er auf Sirius zu und warf ihn zu Boden. James versuchte Sirius am Boden festzunageln, doch der andere Junge wehrte sich ziemlich gut.

Sirius hatte es grade geschafft James in etwas, das einem Schwitzkasten ähnelte, festzuhalten, als sich die Tür zum Badezimmer öffnete, Remus herauskam und anfing zu lachen.

„Also wirklich ihr zwei," sagte er mit einem Kopfschütteln. James schubste Sirius, stand rasch auf und rannte ins Badezimmer um es für sich zu beanspruchen.

„Ich hab gewonnen," informierte Sirius Remus.

„Nein, hast du nicht!" rief James durch die Tür.

Sirius zog die Augenbrauen hoch und formte, in Richtung Remus, mit den Lippen ein „Hab ich doch."

Inzwischen war Peter aufgewacht und blinzelte verwirrt in die Runde. Doch Sirius beachtete ihn nicht und begann in seinem Koffer herumzuwühlen.

„Krone," sagte er, als er hörte, dass James in den Schlafsaal zurückkam. „Ich glaube, wir müssen zu Zonko."

„Müssen uns ein paar Sachen holen um Filch mal wieder so richtig einzuheizen," stimmte James zu.

„Oder zumindest Ideen," antwortete Sirius. Sie hatten seit einiger Zeit ihre eigenen Sachen für Streiche hergestellt, doch ein Gang durch einen Scherzartikelladen brachte die Ideen in Schwung.

Sirius zog seinen Mantel aus dem Koffer und zog ihn an.

„Ich bezweifle, dass es kalt genug für einen Mantel ist," sagte Remus, der ihn kritisch betrachtete.

„Vorher war es das." Sirius zuckte die Achseln.

Als sie schließlich hinunter zum Frühstück gingen, war die Große Halle komplett mit Schülern gefüllt, die aufgeregt darauf warteten ins Dorf zu gehen. Sie fanden Plätze nebeneinander, nachdem James ein paar Zweitklässler so verängstigt hatte, dass sie sich verzogen hatten, und setzten sich zum Essen.

James packte sich alles in seiner Reichweite auf den Teller und begann es zu verschlingen. Remus und Peter nahmen sich ebenfalls ihr Essen und begannen es zu verspeisen.

Sirius hingegen, plazierte ein bisschen Essen auf seinem Teller und griff dann nach der Zeitung. Dieser Trick war ihm schließlich letzten Montag eingefallen. Wenn er die Zeitung las, während er ,aß', konnte ihn keiner sehen. Er ließ sein Essen einfach nach und nach verschwinden, so kam er durchs Frühstück.

Heute gab es nichts interessantes in der Zeitung. Ein blöder Artikel über schmelzende Kessel und einer über einen Zauberer, der fliegende Teppiche ins Land geschmuggelt hatte.

Als sie die Eingangshalle betraten, fiel Sirius auf, dass er und seine Freunde ungewöhnlich still waren. Das störte ihn. Sie traten nach draußen, und Sirius grinste. Wer könnte auch sonst vor ihnen nach Hogsmeade laufen, als Snape?

Still und leise, ohne seine Freunde zu alarmieren führte er einen kleinen Zauber aus, der einen Ball aus Matsch formte, dann sprach er einen weiteren Spruch.

Snape wurde nach vorne geschleudert, als der Matschball ihn am Hinterkopf traf und sich über ihm verteilte. Sirius rammte seinen Zauberstab hastig zurück in seinen Umhang, aber nicht bevor James in Gelächter ausbrach und ihm einen wissenden Blick zuwarf. Sirius grinste breit.

Snape erhob sich vom Boden und klopfte seinen Umhang ab. Sein Gesicht lief vor Wut hochrot an, als er sich umdrehte und sah wer ihn angegriffen hatte.

Beim Anblick von Sirius und James riss er seinen Zauberstab aus der Tasche und murmelte wütend einen Spruch. Gleißend violletes Licht schoss aus der Spitze seines Zauberstabs hervor, doch James wehrte es beiläufig mit einem Schlenker seines Zauberstabs ab.

„Netter Versuch, Schniefelus." Sagte er langgezogen. Snape sendete einen Fluch in Richtung Sirius, doch James schlug auch den zur Seite, schickte ihn zurück zu Snape, der sich grade noch ducken konnte.

Sirius packte wieder seinen Zauberstab. „Locomotor mortis!" Snapes Beine schnappten zusammen und er fiel um wie ein gefällter Baum.

Peter ließ ein quiekendes Lachen hören, doch Remus sah nicht sonderlich begeistert aus. Bevor er jedoch etwas sagen konnte, fühlte Sirius seine Beine zu Gummi werden und stürzte zu Boden.

James wirbelte herum, während Snape über seine Schulter blickte. Lily Evans stürmte den Weg entlang auf sie zu, ihren Zauberstab fest umklammert, die Augen funkelnd vor Wut.

„Ihr beide seit die grauenhaftesten, widerwärtigsten –" begann sie, doch James grinste nur aufreizend gelassen und unterbrach sie. „Ah Lily, du weißt doch, dass du mich liebst," sagte er.

„Du bist so ein arroganter Widerling," spuckte sie aus und stolzierte an ihm vorbei, doch James hielt ihren Arm fest.

„Komm schon Lily, das meinst du nicht so."
„Doch, das meine ich genau so!" stellte sie klar. „Lass mich los!"

„Tja, offensichtlich kennst du mich nicht besonders gut, wenn du denkst, dass ich ein Widerling bin. Warum gehst du nicht mit mir aus und lernst mich ein bisschen besser kennen?" fragte James, immer noch lächelnd, obwohl er das ganz ernst gesagt hatte.

„Ich würde nicht mal mit dir ausgehen, wenn du der letzte Mensch auf dem ganzen Planeten wärst!" kreischte sie und entwand ihren Arm seinem Griff. Sie drehte sich auf dem Absatz um und rauschte mit wehendem roten Haar davon.

Sie beobachteten, wie sie Snape von dem Zauber befreite und mit ihm den Weg hinunter verschwand. James starrte ihnen wütend hinterher. Sirius versuchte währenddessen aufzustehen, versagte jedoch wegen dem Wabbelbein-Fluch mit dem Lily ihn getroffen hatte, kläglich.

„Hey," sagte er. „Ich könnte hier ein bisschen Hilfe gebrauchen?"

Remus sprach hastig den Gegenzauber und James zog Sirius wieder auf die Beine.

„Das ist doch gut gelaufen, oder nicht?" sann James nach.

„Du machst auf jeden Fall Fortschritte, Krone," sagte Sirius sarkastisch.

James Laune war, von dem Zusammentreffen mit Lily, eher gedämpft und er schlich den Großteil des Tages trübsinnig herum. Nicht mal bei Zonko zeigt er große Begeisterung, was Sirius überraschte.

Als sie schließlich ins Schloss zurückkehrten, schien seine Laune sich endlich ein bisschen zu bessern.

„Gott sei Dank gibt es heute Abend ein Festessen," sagte James. „Ich bin am verhungern."

„Ja, weil wir heute auch noch nicht genug Süßigkeiten gegessen haben," sagte Remus und verzog das Gesicht. Sie hatten über eine Stunde im Honigtopf verbracht. Sirius hatte es geschafft nichts zu essen, doch etwas kaufen musste er, um nicht verdächtig auszusehen.

„Also, ich hab noch Hunger," sagte Peter.

Ich auch, dachte Sirius. Ich habe solchen Hunger. Ich könnte vermutlich alles auf diesem Fest alleine essen. Er spürte wieder dieses zittrige, nervöse Gefühl in sich aufsteigen und er hasste es.

Die Große Halle sah so aus, wie jedes Halloween. Riesige Kürbislaternen schwebten über den Tischen.

Sie fanden schnell einen Platz und setzten sich. Sie waren ein bisschen zu früh, und mussten ein paar Minuten warten, bis der Rest der Schüler auftauchte.

„Lasst das Fest beginnen," sagte Dumbledore und nahm seinen Platz ein.

Berge von Essen bedeckten die Platten und Teller. Alles war meisterhaft zubereitet, schrecklich apetittlich. Sirius' Magen knurrte laut.

Alle schaufelten sich Essen auf die Teller. Er rutschte unruhig auf seinem Platz umher. Dann merkte er, wie Remus ihn beobachtete, und begann auch seinen Teller zu füllen.

Er stocherte nur in seinem essen herum, doch als er wieder Remus' Blick auf sich spürte, nahm er einen Bissen. Und das war sein Untergang.

Alles war so lecker, und er war einfach so hungrig. Er hatte den ganzen Tag nichts gegessen, und den Tag zuvor auch fast nichts. Und jetzt, nachdem er einen Bissen gegessen hatte, musste er sich einen weiteren in den Mund schieben, und noch einen, und noch einen. Er konnte nicht aufhören. Es war alles zu lecker. Als sich die Platten leerten, hatte Sirius von allem zwei Portionen gegessen, von manchem sogar drei. Sein Bauch fühlte sich unangenehm voll und er spürte Panik in sich aufsteigen.

„Das war ein wunderbares Fest," meinte James als sie die Treppen hinaufstiegen.

„Das war es," stimmte Peter zu und lächelte glücklich.

Sirius kaute auf seiner Lippe herum und konnte die Panik die langsam in seinem Hals hochkroch nicht unterdrücken.

Was mache ich jetzt, was mache ich? Er konnte nicht so vollgestopft ins Bett gehen. Er könnte raus gehen, und die ganze Nacht laufen. Sein Bauch tat jetzt schon weh, er konnte sich kaum vorstellen, wie er sich beim Rennen fühlen würde. Sein Bauch tat schon weh...es fehlte nicht viel...

„Ich muss mal kurz aufs Klo," sagte er plötzlich. „Ich treff euch oben, okay?"
„Klar," sagte James leichthin. Er und die anderen gingen weiter die Treppen hoch, doch Sirius ging schnellen Schrittes den Korridor im dritten Stock entlang.

Das Bad war Gott sei Dank leer, als er es erreichte. Er schloss die Tür hinter sich ab, ging dann zur letzten Kabine und ließ sich vor der Toilette auf die Knie sinken.

Er konzentrierte sich auf das unangenehme Gefühl in seinem Bauch. Der grummelte, aber sonst rührte sich nichts.

Komm schon flehte er verzweifelt. Ohne einen weiteren Gedanken rammte er sich zwei Finger in den Hals.

Daraufhin kam alles hoch. Als es vorbei war, betätigte er die Spülung und setzte sich zurück, lehnte sich nach Atem ringend gegen die Mauer.

Ich kann nicht glauben, dass ich das getan habe, dachte er. Doch der schale Geschmack in seinem Mund und das hohle Gefühl in seinem Magen belehrten ihn eines Besseren. Aber, das war nichts, was normale Menschen tun. Leute mit Problemen machten solche Sachen.

Er stand auf und ging hinüber zum Waschbecken, spülte sich den Mund aus und spritze sich Wasser ins Gesicht. Dann lehnte er sich einfach nur dagegen und starrte in den Spiegel, betrachtete das blasse Gesicht, die Schatten unter den Augen.

Nie wieder, dachte er. „Ich werde das nie wieder tun," sagte er seinem Spiegelbild.

Er hatte immer noch ein schlechtes Gewissen, als er das Badezimmer verließ und in den leeren Korridor trat. Er fühlte sich, als hätte er sich selbst belogen.

„Ich werde es nie wieder tun," schwor er sich. „Nie wieder. Versprochen."