A/N: ein weiteres Kapitel! Das nächste wird allerdings etwas dauern, da ich bis nächste Woche einen Essay für die Uni schreiben muss.. :) Viel Spaß!


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14 Party!

"Let's all celebrate and have a good time!" -- Kool and the Gang

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Hermine stieß einen weiteren erleichterten Seufzer aus. Es war vorbei! Ihre UTZs waren vorbei. Später würde sie mit den anderen nach Hogsmeade gehen um den Abschluss zu feiern. Sie war neunzehn und es war höchste Zeit, dass sie sich mal so richtig gehen ließ. Aber zuerst musste sie noch ein Nickerchen halten, sonst würde sie es nicht mal bis nach Hogsmeade schaffen. Sie zog ihren Unhang aus und kuschelte sich n ihren Bademantel. Alkohol würde niemals so viel Anziehungskraft auf sie ausüben, wie dieses Kleidungsstück es tat. Wenn es möglich war von etwas abhängig zu sein, das man nicht zu sich nehmen konnte, dann war Hermine abhängig vom Kuscheln und der Behaglichkeit, die sie durch den Bademantel erhielt. Sie versuchte einfach nicht daran zu denken, wer ihr den Mantel gegeben hatte.

Professor Snape war seit ihrer Konfrontation in der Bibliothek merklich distanziert. Sie hatte aufgehört sich im Unterricht zu melden und bezweifelte, dass er sie jemals aufrufen würde. Es war einfacher zu versuchen sich seiner Aufmerksamkeit zu entziehen. Solch ein Weg würde vielleicht feige genannt werden, aber sie bevorzugte den Ausdruck ‚bedacht'. Sie würden bald miteinander arbeiten müssen. Sie sah wenig Sinn darin ihn unnötig zu reizen. Professor McGonagall hatte bereits jetzt die Privatzimmer für Hermine bereitgestellt, aber sie fand sich plötzlich unwillig den überfüllten Schlafsaal zu verlassen, bis es wirklich nötig war. Ihre Eltern würden morgen in Hogsmeade ankommen, um an der Abschlusszeremonie am Nachmittag teilzunehmen. Hermine hatte nicht ganz verstanden, wie es eine Feier geben konnte, obwohl sie ihre UTZ Ergebnisse noch nicht erhalten hatten. Das Ende des Jahres Festmahl hatte das Ende des Jahres gefeiert, aber keine formale Abschlusszeremonie. Anscheinend probierte die Schulleiterin etwas Neues aus. Oder, was wahrscheinlicher war, dachte Hermine zynisch, das Ministerium wollte eine weitere Party, denn das war es was dieses Event war. Familienmitglieder und Ministeriumsoffizielle waren zu einem Nachmittagsfest in der Großen Halle eingeladen worden. Es würde vermutlich ein paar Reden geben, aber im Großen und Ganzen würde es wohl Essen und Unterhaltung und Abschiednehmen geben.

Lavender schüttelte Hermine ein paar Stunden später wach, damit sie sich für den Abend fertig machen konnte. Alle zwölf bald-ehemalige-Schüler versammelten sich in der Eingangshalle und quatschten auf dem Weg in den Ort. Hermine fand sich neben Draco Malfoy wieder. Er nannte sie nicht länger Schlammblut. Sie hatte aufgehört ihn Frettchen zu nennen. Sie waren nicht wirklich Freunde, aber ‚Feinde' war auch nicht mehr die richtige Bezeichnung. Er erzählte ihr, dass er vorhatte für das Ministerium zu arbeiten und Hermine hielt einen negativen Kommentar zurück. Es war eine vernünftige Entscheidung, die seiner Familie helfen würde wieder etwas mehr Ansehen zu erlangen. Sie bezweifelte, dass Lucius auch nur einen Tag in seinem Leben ehrlich gearbeitet hatte. Es war ein Schritt in die richtige Richtung für Draco.

In den Drei Besen war es nicht zu überfüllt, wenn man in Betracht zog, dass es ein Freitagabend war. Aber Hermine wurde rasch von George angesprochen, der darauf bestand ihr einen Drink zu zahlen, und dann noch einen. Sie redeten über den Laden und wie gut er lief. Sie vermieden jegliches Erwähnen des Fuchsbaus oder der anderen Jungs. Ron, Harry und Fred waren vielleicht nicht anwesend, aber George und Hermine trösteten sich jedes Mal mit einem ironischen Lächeln, wenn einer der drei einen Kommentar abgegeben hätte.

Es war nach elf Uhr und lange nach Sperrstunde für die Schüler, als die Party sich langsam auflöste. George hatte sich schon vor einer Weile verabschiedet, da er den Laden am Samstag früh öffnen musste.

„Ich bin jetzt ein alter Mann," scherzte er, aber Hermine wusste, dass Freds Tod ihn tatsächlich altern ließ.

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Hermine leerte ihr letztes Glas und machte sich fertig zu gehen. Sie war angenehm berauscht. Das Leben begann ziemlich gemütlich und rosig auszusehen, aber sie war noch nicht betrunken genug, um sich allein auf den Weg zu machen. Sie wandte sich an Cho, die auch wenn sie nicht nüchtern war, doch noch am klarsten von allen schien.

„Bereit für den Rückweg?" fragte Hermine.

„Jepp, klar," hickste Cho und die Mädels zahlten ihre Rechungen.

Als sie in die Straße hinaustraten, dachte Hermine, dass zwei angetrunkene Mädchen vielleicht doch nicht ausreichten. Hätte sie die gesamte Gruppe überreden sollen mit zurückzugehen? Sicherlich würde niemand alle zwanzig von ihnen angreifen. Sie und Cho sahen nicht gerade bedrohlich aus… Hermine keuchte, als eine feste Hand ihren Arm griff.

„Was ist nur mit ‚immer wachsam' passiert, Miss Granger?" flüsterte eine seidige Stimme in ihr Ohr.

Hermine wusste sofort, dass es Professor Snape war. Niemand sonst zitierte Mad-Eye Moody. Sie war verärgert, dass Cho sich als eine so inadäquate Begleitung herausgestellt hatte. Das Mädchen hatte noch nicht einmal bemerkt, dass Hermine nicht mehr neben ihr war.

Die Grangers hatten immer gesagt, dass Magie ja schön und gut war, aber Kampfsport war besser. Sie hatten darauf hingewiesen, dass ein körperlicher Angriff vermutlich das letzte war, das ein Todesser erwartete und Hermine hatte begeistert zugestimmt etwas Neues zu lernen. So hatte sie den Sommer vor dem fünften Jahr mit langen Unterrichtstunden in Selbstverteidigung verbracht. Sie übte die Handgriffe immer noch ab und zu.

Ihre Eltern hatten Recht gehabt. Snape war kein bisschen vorbereitet, als Hermine sich mit einer schellen Gewichtsverlagerung und einer Armbewegung aus seinem Griff befreite und ihn in eine Position der schmerzlichen Untergebenheit brachte. Er stöhnte als sie den Griff um seinen verdrehten Arm verstärkte.

„Was war das mit ‚immer wachsam', Professor Snape?" fragte sie mit zuckersüßer, wenn auch etwas lallender, Stimme.

Sie ließ ihn los und schritt den Hügel hinauf. Er musste nicht mal rennen, um sie einzuholen, da seine Schritte fast doppelt so lang waren wie ihre.

„Professor McGonagall hat gemerkt, dass sie Sie noch nicht gebeten hatte bei der Zeremonie morgen zu sprechen. Sie hat mich geschickt, um es Ihnen zu sagen."

Hermine lachte. „Ganz allein? Ohne einen Wächter, der dafür sorgt, dass Sie mich nicht belästigen?"

Professor Snape schätzte den Scherz überhaupt nicht. Er sah sich um, um sicher zu gehen, dass niemand ihre Anschuldigung gehört hatte. Die Straße war, bis auf die kleine Figur von Miss Chang auf dem Weg vor ihnen, verlassen.

„Miss Granger, ich glaube Sie haben zu viel getrunken."

Hermine lachte wieder, vielleicht war der letzte Drink keine so gute Idee gewesen. Sie schien die Klarheit verloren zu haben, die sie noch hatte, als Professor Snape sie angegriffen hatte. Vielleicht, weil sie sich jetzt sicher fühlte. Niemand wäre blöd genug sich mit einem ehemaligen Todesser anzulegen. Die Welt schien nicht mehr nur rosig zu sein, sondern auch sehr, sehr lustig. Der Gedanke, dass die Schulleiterin dachte sie könne in so kurzer Zeit eine Rede entwerfen, noch dazu in ihrem angetrunkenen Zustand! Der Gedanke, dass Snape bis in den Ort hinunter ging, um die Nachricht zu überbringen, anstatt dass er ihr einfach eine Nachricht schickte! Es war albern und urkomisch. Sie blickte zu ihm auf, was bedeutete, dass sie nicht darauf achtete wo sie hintrat, und stolperte in ein Schlagloch. Der Professor ergriff ihren Arm bevor sie hinfiel.

„Definitiv zu viel, Miss Granger." Er grinste.

Als ob er noch nie zu viel getrunken hätte. Aber wer wusste das schon? Snape hielt sie weiter am Arm, um sicher zu gehen, dass sie nicht wieder stolperte und Hermine lächelte träge zu ihm auf. Es war schön jemanden zu haben, der sie sozusagen nach Hause brachte. Ron hatte sich auf Partys immer um sie gesorgt, auch wenn sein Fanclub seine Aufmerksamkeit forderte.

Aber sie hatte immer aufgehört, bevor sie zu viel gehabt hatte. Ihre Eltern waren schließlich mit ihr dort! Sie konnte sich vor ihnen ja nicht stockbesoffen trinken! Die Lektionen über das, was ihr hätte geschehen können, nachdem sie die beiden nach Australien geschickt hatte, hatten den Sommer über ein ziemlich schlechtes Gewissen hervorgebracht. Nur ihre Eltern konnten es klingen lassen, als hätte sie sich einen Spaß gemacht anstatt die Zauberer- und Muggelwelt vor dem Ruin zu retten. Sie hatte nichts tun wollen, um eine weitere dieser Lektionen hervorzurufen. Außerdem war bei diesen verdammten Veranstaltungen immer die Presse anwesend! Falls die Kimmkorn sie jemals betrunken erspäht hätte, wäre ihr Leben vorbei gewesen. Sie konnte die Schlagzeilen schon sehen. Sie schüttelte sich.

„Man kann nie zu viel von einer guten Sache haben." Jedes Wort war langsam und bestimmt gesprochen, als Hermine sich endlich genug konzentrierte, um dem Mann zu antworten, der sie gerade von einem Baum zu ihrer Linken wegsteuerte.

Snape blickte hoch amüsiert drein. „Und was genau ist diese gute Sache?"

„Odgen's natürlich. Ich liebe George für immer," plapperte sie. „Fantastisches Zeug!" Sie grinste ihn frech an. „Haben Sie noch was, Professor?" Nur Hermine würde sich an offizielle Titel erinnern, wenn sie nicht einmal mehr wusste, wie man lief.

Snape war entsetzt, als sie plötzlich stoppte. Würde er sie tragen müssen? Sie waren schon auf halbem Weg zum Tor, aber er wusste nicht, ob er das schaffen würde. Und was wenn jemand sah, wie er sie schweben ließ? Er fasste sich an die Stirn um die beginnenden Kopfschmerzen aufzuhalten.

„Haben Sie noch mehr Odgen's?" Hermine klang ziemlich hoffnungsvoll. Snape seufzte. Minervas Vorzeigeschülerin hatte gerade eine Frage wiederholt. Sie war definitiv besoffen.

„Und wenn ich's hätte, warum sollte ich es Ihnen geben?"

Er lächelte höhnisch. Sie schmollte. Er lies es klingen, als ob ihr einen Drink aus seinem privaten Vorrat gleichbedeutend mit Verschwendung wäre.

„Spaßverderber!" Sie streckte ihm die Zunge heraus.

„Sie werden es mir morgen danken," versicherte er bevor er leise lachte.

Hermine wurde trotz ihrer benebelten Gedanken etwas bewusst. „Sie sind schrecklich nett heute," sagte sie misstrauisch.

Es war vielleicht nicht das gescheiteste, was sie sagen konnte, nachdem sie ihn beschuldigt hatte eine Spaßbremse zu sein, aber er benahm sich nicht wie sein übliches herablassendes Selbst. Er hatte ihr keine Punkte abgezogen, dass sie betrunken oder nach Sperrstunde draußen war. Natürlich hatten sie die Erlaubnis für den Hogsmeadeausflug bekommen, aber wann hatte ihn das zuvor davon abgehalten? Und warum war er so geduldig, wenn sie nur so langsam vorankam und ihn auch noch als Stütze benötigte?

„Ich schütze nur eine Investition," gab er zurück.

„Investition?" Hermine hielt erneut an und blickte mit großen braunen Augen zu ihm auf. Wieso war sie eine Investition?

„Unser Projekt. Ich habe keine Zeit dafür. Sie, Miss Granger, werden sich ranhalten müssen," antwortete er.

„Der Minister hat uns beiden den Auftrag gegeben. Sie können jetzt keinen Rückzieher machen."

Snape erstarrte und blieb abrupt stehen. Hermine rannte versehentlich in ihn hinein, als der Alkohol sie schließlich in seiner vollen Wirkung traf.

Er seufzte gereizt. „Ich habe Sie zu Besuchen zu ihnen gebracht. Das werde ich auch weiterhin machen. Gerne diskutiere ich die Theorien und Ideen die Sie haben. Ich… ich habe mein eigenes Projekt um das ich mich kümmern muss."

Anstatt zu antworten lehnte sich Hermine gegen ihn und seufzte. Er wäre ein gutes Kissen. Sie hatte kein Wort von dem gehört, was er gesagt hatte. Was er für eine schöne Stimme hatte. Sie könnte ihm ewig zuhören, auch wenn er nur das Telefonbuch vorlas. Sie sollte ihn fragen. „Professor, würden Sie mir das Telefonbuch vorlesen?"

Er schnaubte. „Würde es das Projekt fördern?"

„Welches Projekt?" Sie blickte verträumt zu ihm auf.

„Nein, Miss Granger. Ich werde Ihnen das Telefonbuch nicht vorlesen."

Sie seufzte als ihr Kissen sich wieder in Bewegung setzte und ergriff seinen Arm, um sich ins Gleichgewicht zu bringen. „Dann reden Sie einfach weiter."

Und das tat er. Den ganzen Weg bis zurück zur Eingangshalle.

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