Kapitel 14

Gerüchte

Ron wurde vom Geräusch flehenden Wimmerns geweckt. Im Dunkeln hörte er noch einmal genau hin. Da war es schon wieder. „Nein, bitte nicht." Ron seufzte. Harry träumte schon wieder. Er wünschte, sein Freund würde endlich etwas Frieden finden. Er wusste, dass Harry etwas bedrückte, aber bisher hatte Harry noch keinen Hinweis gegeben, was mit ihm nicht stimmte. Zuerst dachte er, es hätte etwas mit Sirius zu tun, aber jetzt war er sich nicht mehr so sicher. Jetzt glaubte Ron, dass es eher wegen Du-weißt-schon-wem war. „Muss sie beschützen", flehte Harry im Schlaf. Obwohl Ron wusste, dass Harry irgendwie auf unerklärliche Weise mit dem Bösen verbunden war, verstand er doch nicht, warum Harry sich selbst so unter Druck setzte. Es war ja nicht so, dass es Harrys Aufgabe war, den Dunklen Lord zu besiegen. Schließlich war er nur ein Kind. Ron wusste, dass Harry sich alles, was Du-weißt-schon-wer tat, sehr zu Herzen nahm und ein erdrückendes Gefühl der Schuld empfand.

Obwohl Ron Verständnis für Harrys Lage hatte, konnte er sie doch nicht ganz nachvollziehen. Er verstand einfach nicht, warum der böse Blödmann so besessen von Harry war und ihn unbedingt umbringen wollte. Am Ende würden Dumbledore und der Orden gewinnen, sie würden Du-weißt-schon-wen erledigen. Ron musste das einfach glauben. Zwar war er unglaublich stolz auf seine Familie, naja, auf alle, bis auf Percy, und darauf, was sie taten, um zu helfen, aber er sorgte sich auch um sie. Sie waren so tief in all das verstrickt und Ron befürchtete, dass nicht alle mit dem Leben davonkommen könnten. Die Gefahr in Kriegszeiten eine solch große Familie zu sein. Ron hörte Harry nach Luft ringen und setzte sich aufrecht hin. „Geht es dir gut?"

„Ja", war Harrys zittrige Antwort und Ron wusste, dass sein Freund log.

Ron hörte, wie sich jemand bewegte und steckte seinen Kopf durch die Vorhänge. Harry hatte seine eigenen Vorhänge zur Seite gezogen und zog seinen Morgenmantel an. Er sah, dass Ron ihn anstarrte. „Ich werde so schnell nicht einschlafen können, ich gehe runter in den Gemeinschaftsraum."

„Möchtest du Gesellschaft?"

„Mir geht es gut, Ron, danke. Ich muss sowieso noch etwas für das Treffen der DA morgen vorbereiten."

„In Ordnung, Harry. Lass es mich wissen, wenn du es dir anders überlegst."

Harry trottete die Treppen des Schlafsaals hinunter in den Gemeinschaftsraum. Das Feuer war gerade erloschen. Er wühlte in der Glut und legte noch einen Holzscheit in den Kamin. Die Alpträume waren seit seinem Gespräch mit Moony wieder schlimmer geworden und Harry war sich sicher, dass sein Unterbewusstsein nur versuchte, die neuen Informationen zu verarbeiten. Er hatte genug davon, Ron ständig zu wecken und war der mitfühlenden Blicke seiner Zimmergenossen überdrüssig. Ron war toll und hatte sich nie beschwert, aber Harry wusste, dass es ihm gegenüber nicht fair war. Außerdem war es nicht Rons Aufgabe, Harry nach seinen Alpträumen Gesellschaft zu leisten. Er hatte schon genug schlaflose Nächte verbracht. Harry machte es sich in seinem Lieblingssessel gemütlich und nahm sich seine Notizen für die DA vor. Er versuchte sich wirklich mit ihnen zu befassen, aber sein Blick wurde von den Flammen angezogen, genauso wie seine Gedanken von dem Alptraum, dem er gerade entkommen war.

Er stand vor Voldemort, bekämpfte ihn, mit allem was er hatte. Voldemort wehrte Harrys Flüche ab, als ob sie nichts weiter als nervige Insekten wären. Er lächelte müde und lachte über Harrys Anstrengungen. Das Lachen ging immer weiter, während Harrys Frustration immer größer wurde. Bald hatte Voldemort einen komischen, kreisrunden Apparat in der Hand und fragte Harry gewandt, ob er Lust hätte, ein kleines Spiel zu spielen. Harry war sofort klar, dass er das nicht wollte, konnte aber nicht anders, streckte sich hinüber und drehte das Rad. Es stoppte auf Nevilles Gesicht. Neville sah Harry entsetzt an, als Voldemort den tödlichen Fluch aussprach. „Findest du Zauberroulette nicht auch fantastisch?" Voldemort zischte, als Harry das Rad erneut drehte. Dieses Mal war es Ron. Hermine. Mrs. Weasley. Bill. Ginny… Einer nach dem anderen starb wegen ihm, aber nichts was er versuchte, half. Er konnte sich selber nicht davon abhalten, das Rad zu drehen. Und die ganze Zeit hallte dieses hinterlistige Lachen nach.

Harry befürchtete, dass das mehr als nur ein Alptraum war. Was, wenn er eine Vorsehung gehabt hatte? Was, wenn Harry ihn am Ende aufhalten könnte? Würde noch irgendjemand übrig sein? Wenn Harry lebte, aber ohne die Menschen, die ihm nahe standen, würde er das überhaupt wollen? War das Siegen? Was, wenn es so enden würde? Voldemort ermordete die Weasleys, Hermine und Moony, aber Harry überlebte und besiegte ihn schließlich? Würde er dann zu den Dursleys zurückgehen, alleine, und den Rest seines Lebens bei ihnen verbringen? Es konnte doch nicht so enden! Es musste einen Weg geben! Es musste einfach.

Harry gefiel der Gedanke nicht, dass er nur ein Werkzeug war, um ein Ziel zu erreichen, egal auf welche Weise. Wer war er? Harry James Potter, das einzige Kind von James und Lily. War das sein Schicksal, der einzige Grund für sein Leben? War das der einzige Grund für seine Existenz? Wenn er starb, starben sie alle. So einfach. Wenn er als Mörder überlebte, könnte er dann danach noch mit sich selbst leben? Harrys Kopf begann zu schmerzen. Er legte ihn in seine Hände und rieb seine Schläfen.

Er hatte nicht gehört, wie Ginny die Treppen nach unten gekommen war, oder wie sie sich neben seinem Sessel auf den Boden kniete. Sie legte ihre Hand auf seine Schulter und er erschrak bei der Berührung.

„Entschuldigung, ich wollte dich nicht erschrecken", murmelte sie.

„Ist schon in Ordnung. Ich bin nur schreckhaft."

„Willst du darüber reden?"

Wollte er darüber reden? Ja, mehr als alles andere. Aber er konnte nicht. Mit Moony zu reden hatte alles nur schlimmer gemacht und er konnte Ginny nicht in so eine Gefahr bringen. Er konnte es ihr auch nicht sagen, ohne auch Ron und Hermine davon zu erzählen und er war noch nicht bereit sein Schicksal öffentlich zu machen. Ron würde komplett in Panik verfallen und Hermine zuerst ganz sprachlos vor Entsetzen werden. Dann würde sie in die Bücherei rennen, entschlossen, irgendwie eine Lösung für alle Probleme zu finden. Hermine könnte es niemals akzeptieren, dass die Bücherei sie enttäuschte. Er schüttelte müde den Kopf. „Es tut mir leid, Ginny, ich kann nicht."

„Du musst auch nicht, Harry, aber es gibt einen großen Unterschied zwischen nicht können und nicht wollen."

Er verstand, worauf sie hinaus wollte, war sich aber absolut sicher, das Richtige zu tun. „Das weiß ich. Ich kann trotzdem nicht."

Ginny nickte, aber Harry wusste, dass sie nicht glücklich war. Er konnte die Sorge in ihren Augen sehen und war gerührt. Moony hatte in einer Sache Recht - er war nicht allein. Ginny, Ron und Hermine machten sich alle Sorgen um ihn. Sie würden da sein, wenn er sie brauchte. Neville und Luna auch. Er hatte wirklich wundervolle Freunde. Er wusste nicht, was er getan hatte, um sie zu verdienen, aber er war wirklich dankbar dafür, dass er sie hatte. Harry rutschte von seinem Sessel und setzte sich neben sie auf den Boden vor dem Feuer. Er lehnte seine Schulter an ihre und sagte: „Trotzdem danke, dass du hier bist. Ich kann dir gar nicht sagen, wie sehr es mir hilft."

„Wir alle wollen für dich da sein, Harry, aber du musst uns an dich heranlassen. Wir können dir nicht helfen, wenn wir nicht wissen, was los ist."

„Ich weiß, dass ich schwierig sein kann. Ich versuche, es nicht zu sein. Es passieren da gewisse Dinge in meinem Leben, die ich im Moment einfach nicht mit dir teilen kann. Ich muss mir erst über einiges klar werden, bevor ich das tun kann."

„Ich hoffe, du teilst sie mit irgendjemandem, Harry. Es hilft nicht, so viel in sich hineinzufressen."

„Du hörst dich an wie Hermine."

„Sie hat ja auch Recht. Sie ist nicht umsonst die schlauste Hexe in ihrem Jahrgang!"

„Ich fresse nichts in mich hinein."

Ginny warf ihm nur einen beleidigten Blick zu und sagte dazu einfach nichts.

„Wirklich nicht!", bestand Harry darauf.

„Harry, du kannst niemandem etwas vormachen, wir können alle sehen, wie betrübt du bist. Du kannst es nicht ganz allein mit der ganzen Welt aufnehmen und deine Gefühle darüber in dir verschließen. Du musst es einfach herauslassen. Schrei, weine, tobe. Aber rede mit jemandem! Wenn du das nicht tust, wirst du wie Snape enden, bitter und feindselig. Allein. Du hast schon mehr durchgemacht, als irgendjemand, den ich kenne und ich wünsche mir nur, dass du uns helfen lässt."

„Ich habe letztens versucht, mit Moony zu reden", flüsterte Harry.

Ginny konnte den Schmerz sehen, der über Harrys Gesicht huschte und wollte verzweifelt versuchen, ihn zu lindern. Aber wie konnte sie das tun, wenn er ihr nicht sagte, was ihn bedrückte? „Es lief nicht gut?"

Harry schüttelte seinen Kopf und wandte seinen Blick ab. „Es ist nicht einfach, mit ihm zu reden."

Ginny grinste ironisch. „Ja, so jemanden kenne ich auch."

Harry verstand ihren Sarkasmus und lächelte widerwillig. „Touché."

„Ich glaube, er hat Probleme damit, anderen Menschen nahe zu sein. Als Werwolf konnte er das bisher wahrscheinlich nicht zulassen. Es ist sicher schwierig für ihn, seine lebenslangen Angewohnheiten zu ändern, selbst, wenn er es will." Ginny wusste wovon sie sprach, auch sie hatte Schwierigkeiten, sich anderen zu öffnen. Nach ihren Erlebnissen in der ersten Klasse, hatte sie jeden, außer ihrer Familie, ausgeschlossen und sie hatte erst im letzten Jahr wieder angefangen, sich anderen zu öffnen. Und deshalb fühlte sie sich jetzt auch besser, stärker.

Harry war still, dachte über ihre Worte nach. Sie ergaben einen Sinn, aber er wusste immer noch nicht, was er deswegen tun sollte.

„Ich glaube, er ist dir sehr ähnlich", redete Ginny weiter. „Du neigst auch dazu, dich zurückzuziehen, wenn jemand versucht, dir nahe zu sein. Ich glaube, manchmal willst du die Menschen an dich heranlassen, weißt aber nicht, wie du damit umgehen sollst. Wenn du dir vielleicht mal vorstellst, wie du dich in einer bestimmten Situation fühlen würdest, könntest du Remus besser verstehen."

„Er stand Sirius nahe, ich weiß, dass sie miteinander geredet haben."

„Du standst Sirius auch nahe und hast auch mit ihm geredet. Vielleicht konnte man sich Sirius einfach nur gut öffnen. Ihr teilt euch diese Beziehung, diese Verbindung, ich bin mir sicher, dass du darauf aufbauen kannst."

Die Wärme des Feuers machte Harry schläfrig, er wusste, dass sie in ihre Zimmer zurückgehen sollten, aber es war so gemütlich und das war nett. Ginnys Worte ergaben viel Sinn und trösteten ihn. Er fühlte sich sehr müde und seine Gedanken wanderten. Vielleicht könnten er und Moony es noch einmal versuchen, vielleicht hatte sie recht und sowohl er, als auch Moony waren reservierter, als gut für sie war. Ginny legte ihren Kopf auf seine Schulter und er genoss die Wärme die sie ausstrahlte. Er legte seinen Kopf auf ihren und schloss die Augen. Ein paar Minuten länger waren bestimmt kein Problem…

Am nächsten Morgen wurden sie von Dean Thomas wütender Stimme geweckt. „Na, sehen die beiden Freunde nicht gemütlich aus?"

Harry blinzelte verwirrt und schaute sich verschlafen im Raum um. Ginny und er saßen immer noch auf dem Boden, eng aneinander gekuschelt. Wir müssen hier unten eingeschlafen sein! Schlagartig wach, und ganz rot trennten sie sich, und Harry fand seine Brille neben sich. Als er klar sehen konnte, schaute er direkt in das aufgebrachte Gesicht von Dean und sah die amüsierten Blicke von Seamus, Neville und Ron, sowie einige andere Gesichter, die schon im Gemeinschaftsraum waren. Hermine lag zusammengerollt auf dem Sofa hinter ihnen und Harry erschrak, als sie sprach. „Ich hatte schon überlegt sie zu wecken, aber sie sahen einfach so niedlich aus, wie sie da so friedlich geschlafen haben."

Harrys Gesicht war jetzt unangenehm warm und er sah Ginny panisch an. Sie schien zumindest einen Teil ihrer Fassung wiedererlangt zu haben, obwohl ihre Wangen immer noch ziemlich rosa waren. „Danke, dass du Rücksicht auf uns genommen hast, Hermine", sagte sie sarkastisch. Das schien das ältere Mädchen nur noch mehr zu amüsieren und Harry konnte sich nicht erinnern, Hermine schon einmal so albern erlebt zu haben! „Ich will doch nur das Beste für dich, Ginny, das weißt du doch", sagte sie lieb. Ginny schaute sie ganz böse an und Harry sprang vom Boden auf. „Ich werde schnell unter die Dusche gehen", sagte er und rannte fast die Treppen nach oben.

„Darüber werden wir später reden, Potter", schallte Rons Stimme nach oben, aber Harry hörte den lachenden Unterton. Harry fluchte leise. Wie hatte das passieren können? Ohne Beweise, dass Harry und Ginny wirklich miteinander gingen, waren die Gerüchte, die Cho Chang in Umlauf gebracht hatte, gerade erst verschwunden. Jetzt würden sie wieder von neuem kursieren. Harry hasste es, im Mittelpunkt zu stehen, ganz egal, worum es ging, aber auf gar keinen Fall wollte er, dass sein Liebesleben, oder besser gesagt sein nicht-vorhandenes Liebesleben, Gesprächsthema war! Er würde später mit Ginny darüber sprechen müssen, im Moment kam er zu spät zum Unterricht.

Dankenswerterweise war Harrys Tag, nach einem schwierigen Start, relativ ruhig, was hauptsächlich daran lag, dass er heute keine Zaubertränke hatte. Unterricht mit Snape war immer quälend und an den meisten Tagen verließ Harry das Klassenzimmer mit Kopfschmerzen, die nichts mit seiner Narbe zu tun hatten. Der Meister der Zaubertränke war immer bereit, sich beim kleinsten Fehler auf ihn zu stürzen und testete jeden Tag Harrys Vorsatz, im Unterricht keinen Mist zu bauen. Er war peinlich genau bei seinen Hausarbeiten und befolgte die Anweisungen genauestens. Selbst Hermine war von seinem Fortschritt beeindruckt. Snape dagegen schien er nur noch wütender zu machen, wenn das überhaupt möglich war. Den bissigen Kommentaren nach zu Folge, war sich Harry sicher, dass Snape gezwungen wurde, ihn in seinem Unterricht zu akzeptieren. Harry fragte sich, wer was über Snape wusste, oder welcher Handel abgeschlossen wurde, damit er diesen Unterricht besuchen konnte. Er nahm an, dass es entweder McGonagall oder Dumbledore selbst gewesen war, aber keiner hatte die Tat bisher zugegeben.

Harry war auch in seinen anderen Klassen recht gut. Er hatte viel zu tun, aber es war zu schaffen und er konnte sowohl das Quidditchtraining dazwischen quetschen, als sich auch noch auf die DA vorbereiten. Er erinnerte sich, wie Sirius ihm gesagt hatte, dass das 6. Jahr das beste von allen war. Zwischen den ZAGs und den UTZe musste man nicht so viel für die Schule tun, man war aber alt genug und hatte genug Rechte, um eine Menge Unfug anstellen zu können.

Seine Beziehung zu Professor Trent war immer noch angespannt, aber nicht schwierig. Sie war zwar kühl und distanziert, behandelte ihn aber im Unterricht wie alle anderen, nicht so wie Snape. Hermine hatte angemerkt, da Harry ihr Wissen über seine Eltern belastete, dass es ihr mit ihm vielleicht genauso ging. Vielleicht waren durch Harry einige schmerzhafte Erinnerungen zurückgekommen, an die sie lieber nicht denken würde und sie versuchte ihn genauso zu meiden, wie er sie. Das leuchtete Harry ein und er hatte kein Problem damit, sich von ihr fernzuhalten. Sie brachte ihnen eine breite Palette von Zaubersprüchen bei, die im Kampf nützlich sein könnten, aber nichts, das Harry dabei helfen könnte, den Großen Fisch zu erledigen. Hermine hasste es, wenn er solche Witze riss, aber Harry fand, dass es so einfacher für ihn war, damit umzugehen. Ihm jedenfalls schien es zu helfen, die Situation etwas aufzulockern.

Tonks half ihm dabei. Es war immer lustig mit ihr und ihre Stunden in Verteidigung ließen ihn immer noch beim Abendessen grinsen. Sie half ihm dabei, seinen Schildzauber zu verbessern, bis er jetzt stark genug war, um mehreren Flüchen hintereinander Stand zu halten. Als Tonks ihm ein Übungsduell mit Malfoy vorgeschlagen hatte, um zu sehen, wie lange er das Schild in einer realen Situation aufrecht halten konnte, war sich Harry nicht so sicher, ob sie nur einen Scherz machte. Sie hatten sich auch an zauberstabloser Magie versucht. Nur ein paar einfache Zauber, aber Harry schaffte es einfach nicht, irgendetwas zu bewegen. Sie fingen jede Stunde mit einigen Versuchen an, aber Harry wurde immer frustrierter und Tonks hatte den Verdacht, dass es Zufall gewesen war, wenn er bisher Magie ohne Zauberstab benutzt hatte. Viele junge Zauberer und Hexen waren dazu in der Lage, wenn sie aufgeregt waren. Vielleicht hatte es bei Harry einfach nur etwas länger angehalten. Es hatte viel in seinem Leben gegeben, wegen dem er hätte aufgeregt sein können. Harry ignorierte diesen Kommentar und versuchte es einfach weiter, aber wenn er nicht gerade einen Dementor dazu brachte, ihn anzugreifen, um zu sehen, ob er es wieder tun könnte, wusste er nicht mehr, was er noch versuchen sollte.

Das erste DA-Treffen war für 7 Uhr diesen Abend angesetzt und Harry war sich nicht sicher, wie viele Leute kommen würden. Fast alle ehemaligen Mitglieder, die immer noch in Hogwarts waren, hatten zugesagt und in den Gemeinschaftsräumen aller Häuser waren Aushänge angebracht worden, falls sich irgendjemand ihnen anschließen wollte. Alle Schüler ab der 4. Klasse durften teilnehmen.

Harry war schon etwas früher im Raum der Wünsche und las sich schnell noch einmal seine Notizen durch. Ron, Hermine und Ginny waren mitgekommen, um ihm Gesellschaft zu leisten und fanden es lustig, wie nervös er zu sein schien. „Du hast das schon früher gemacht", bemitleidete ihn Ron.

„Das wird schon, Harry", beruhigte ihn Hermine. „Du musst einfach wieder in deine Routine zurückfallen. Und wir sind hier, um zu helfen, wenn du uns brauchst."

Die Tür öffnete sich und der Rest der Gryffindors kam herein. Sie alle hatten den Tag über Harrys immer größer werdende Nervosität bemerkt und kamen früher, um ihn zu unterstützen, sogar Dean Thomas, der Ginny immer noch wegen des Zwischenfalls diesen Morgen ganz böse ansah. Ginny störte das aber anscheinend gar nicht. Tatsächlich schien sie seine Anwesenheit noch nicht einmal zu bemerken. Harry hatte Hermine gefragt, warum Dean so sauer auf Ginny war. Schließlich war er derjenige gewesen, der sich von ihr getrennt hatte. Hermine erklärte, dass Dean überzeugt war, der Grund, warum Ginny den ganzen Sommer so abweisend gewesen war, sei, dass Ginny schon mit Harry zusammen gewesen war. Harry wusste nicht, wie Hermine solche Sachen bei anderen immer so schnell erkannte, es aber so lange gedauert hatte, bis sie mit Ron zusammen gekommen war. Er war ihr zwar dankbar, dass sie ihm half, aber manchmal wünschte er sich, sie würde ihm solche Sachen erklären, bevor er sich selbst in Schwierigkeiten brachte.

Ernie MacMillan, Hannah Abbott und Susan Bones kamen als nächstes, dicht gefolgt von Anthony Goldstein, Michael Corner und Cho Chang. Cho lächelte Harry strahlend an, kniff aber ihre Augen zusammen, als sie Ginny neben ihm sitzen sah.

Mit immer neuen Schülern wurde der Raum immer voller und als sie durch die Tür kamen schrieb Professor McGonagall ihre Namen auf. Harry hörte ein tiefes Knurren von Ron und sah auf: Draco Malfoy kam gerade in den Raum stolziert. Crabbe, Goyle und Pansy Parkinson folgten ihm. Das Grinsen verschwand von Malfoys Gesicht, als er erkannte, dass Professor McGonagall da war und auch bleiben würde. „Ja, Mr. Malfoy, ich werde diesen Club betreuen. Jetzt, wo er dieses Jahr ein offizieller Schulclub ist, haben sich einige Dinge geändert."

„Ich wusste, dass Potter nicht selbst lehren würde", sagte Malfoy laut zu seinen Bodyguards. Zumindest dachte Harry, dass sie so aussahen.

„Im Gegenteil, Mr. Malfoy", unterbrach ihn Professor McGonagll. „Mr. Potter ist tatsächlich der Lehrer. Ich bin lediglich hier, um das Lehrerkollegium zu repräsentieren und ihm, wenn nötig, zu helfen."

Harry lächelte und schloss die Tür. Er atmete einmal tief durch und näherte sich dem Podium, das in der Mitte des Raumes aufgebaut worden war. „Allen, die letztes Jahr schon hier waren, willkommen zurück! An unsere neuen Mitglieder: ich freue mich, dass ihr euch uns angeschlossen habt. Wir haben diese Gruppe im letzten Jahr gegründet, um uns besser auf unsere ZAGs vorbereiten zu können. Wie ihr euch sicher erinnern könnt, war das Niveau in Verteidigung im letzten Jahr nicht wirklich angemessen. Obwohl dieser Zustand zwar verbessert wurde, finden wir", Harry nickte in die Richtung von Hermine und Ron, „dass wir uns aufgrund des kommenden Krieges und der Rückkehr Voldemorts, auch weiterhin vorbereiten sollten." Als Harry seinen Namen aussprach, war im ganzen Raum zu hören, wie nach Luft geschnappt wurde, aber er ignorierte sie und machte weiter. „Wir haben gerade am Patronus Zauber gearbeitet, als wir letztes Jahr gezwungen wurden, die Treffen einzustellen, also denke ich, sollten wir da direkt wieder einsteigen. Wie ihr alle wisst, haben die Dementoren Askaban verlassen und es könnte entscheidend sein, den Patronus Zauber zu beherrschen."

„Komm schon, Potter", unterbrach ihn Pansy. „Welcher Schüler wird tatsächlich in der Lage sein, einen Patronus zu rufen?"

„Ich denke, du wirst einige hier in diesem Raum finden. Hermine, warum hilfst du dort drüben nicht denen, die den Zauber schon im letzten Jahr konnten? Diejenigen, die neu sind, oder noch Probleme haben, kommt mit mir und wir fangen hier drüben an."

Als sie anfingen, über die Theorie des Zaubers zu reden, bereitete sich Harry darauf vor, ihnen zu zeigen, wie es gemacht wird. Er schloss die Augen und stellte sich Sirius vor, der ihm beim Verlassen der Heulenden Hütte sagte, er könne bei ihm leben und die Dursleys für immer verlassen. Er versuchte sich auf die Freude zu konzentrieren, die er in diesem Moment verspürt hatte, aber seine Gedanken kamen immer wieder zurück zum Schleier und zu der Tatsache, dass er dieses Leben niemals haben würde. Er ließ die Gedanken los und lächelte die erwartungsvollen Schüler verlegen an. Dann dachte er ans Fliegen, wie er hoch über dem Quidditchfeld schwebte, um den Quidditchpokal zu gewinnen.

Aber als er die Worte ‚Expecto Patronum' brüllte, wandten sich seine Gedanken an die Tatsache, dass es Sirius gewesen war, der ihm seinen Feuerblitz gegeben hatte und der Verlust überwältigte ein weiteres Mal seine Gedanken. Sein Patronus wurde schnell zu unförmigen Rauch und verschwand. Harry fühlte eine dünne Schicht Schweiß auf seiner Stirn. Warum ging es nicht mehr? Er schien sich nicht länger als einen Augenblick auf etwas Glückliches konzentrieren zu können. Wie bemitleidenswert war das? Leicht panisch schaute Harry zu Ginny und sah, dass sie aufmerksam Hermines Anweisungen zuhörte. Das erinnerte Harry an seine Genesung am Grimmauldplatz und wie Ginny ihn geärgert hatte, weil er es so hochspielte. Das vertraute, berauschende Gefühl in seinem Bauch ließ ihn grinsen und er brüllte schnell ‚Expecto Patronum'.

Krone galoppierte aus seinem Zauberstab und flanierte zum Erstaunen einiger neuer Mitglieder durch den Raum. Für die nächsten Stunden arbeiteten sie alle an ihrem Patronus Zauber. Professor McGonagall war mit dem Niveau des Unterrichts und dem Eifer der Schüler zufrieden. Als sie verkündete, dass es für die Schüler Zeit wäre, in ihre Schlafsäle zurückzukehren, war Harry verblüfft, wie spät es schon war. Die Zeit war einfach verflogen und er fühlte das gleiche Hochgefühl, wie im Jahr davor. Er blieb zurück, um aufzuräumen, und seine Freunde blieben bei ihm.

„Das war eine wirklich gute erste Stunde", schwärmte Hermine.

„Gut gemacht, Harry. Ich wünschte nur, dass ich endlich die Gestalt meines Patronus erkennen könnte."

„Keine Sorge, das kommt schon, Ginny. Selbst der Rauch hilft schon gegen einen Dementor. Ich hatte heute anfangs auch Probleme und ich dachte schon, Malfoys Gesicht würde platzen vor Grinsen, so hat er sich gefreut."

„Du hast es dann aber geschafft! Ich habe doch Krone aus dem Augenwinkel heraus gesehen?", wollte Hermine wissen.

„Ja. Malfoy war danach ziemlich beleidigt."

„Was wollte der eigentlich hier", fragte Ron wütend. „Wahrscheinlich berichtet er seinem Vater, was hier los ist. Ich bin mir sicher, er ist hier, um zu spionieren!"

„Wahrscheinlich wollte er nur Ärger machen und das konnte er dann nicht, weil McGonagall hier war. Er kommt bestimmt nicht wieder."

„Werden wir mit dem Patronus Zauber weitermachen, Harry? Ich will wirklich, dass meiner Gestalt annimmt", fragte Ginny.

„Das schaffst du schon, Ginny, keine Angst", ermutigte sie Ron. „Es ist ja nicht so, dass du in Hogsmeade auf einen Dementor triffst."

Sie kehrten zusammen zum Gemeinschaftsraum zurück und zogen sich für die Nacht zurück. Als sich Ron und Harry ihre Schlafanzüge anzogen, lehnte sich Ron mit einem Grinsen zu ihm hinüber. „Ich hoffe, du planst heute tatsächlich in deinem eigenen Bett zu schlafen, Harry."

Harry funkelte Ron böse an. „Hau ab!" Als er sich in sein Bett legte, ließ ihn Rons Kichern grinsen. Wenigstens hat er nicht versucht, mir eine zu knallen!