Ewiger Dank geht an Bee.

Die junge Verwandlungsmeisterin starrte Severus völlig ungläubig an. Sie sprachen tatsächlich miteinander. Nein, nun, sie stritten. Oder kabbelten sich oder was auch immer das Wort dafür war, was sie taten – möglicherweise über die feineren Punkte von Lehrern und Geschehnissen, die in Die Geschichte von Hogwarts erwähnt wurden, diskutieren. Und Hermione war erstaunt, dass sein Wissen ihrem beinahe gleich kam. Er saß einfach da und redete, zwischendurch aß er ein wenig, trank zwei Gläser Kürbissaft und sie fühlte, dass er sich vollkommen auf sie konzentrierte, seine Augen verließen sie nie für lange Zeit und es schien, als sei er ein völlig anderer Mensch.

Severus hatte immer gewusst, dass sie belesen war, aber ihre Augen leuchteten in dem Moment auf, in dem sie begriff, dass er eine normale Diskussion wollte. Und sie, irgendwo in ihrem Kopf – ein kleiner Einblick in ihre Gedanken sagte ihm das – dachte, dass sie dieses Gespräch gut nutzen könnte, um mehr über ihn herauszufinden, und zu erfahren, welchen Typ Frau er bevorzugte. Sie hatte keine Okklumentik Schilde und tief in seinem Inneren wusste Severus, dass er nicht ohne ihre Erlaubnis, in ihre Gedanken eindringen sollte, aber sie war nach einigen Minuten so lebhaft und sie hatte sich so sichtlich entspannt, dass er es nicht lassen konnte. Er zog sich jedoch zurück und konzentrierte sich einzig auf das, was sie sagte. Er hasste es, es sich selbst einzugestehen, aber sie machte es ihm nicht leicht.

Ihre Wangen waren leicht gerötet und Severus hatte nie zuvor bemerkt, wie oft sie ihre Hände benutzte, während sie sprach.

„Wären die Koboldkriege nicht gewesen, Professor Snape, würden sie vielleicht sogar heutzutage hier unterrichten", führte sie an.

„Nein, würden sie nicht", antwortete er schnell. „Sie würden immer noch hinter ihren Tischen sitzen und ihre Münzen zählen".

„Das wissen Sie nicht. Wenn es eine bessere Verbindung zwischen Zauberern und Kobolden gegeben hätte, würde es mehr geben, als Filius, mit seinem bisschen an Koboldblut. Und er ist ein guter Lehrer".

„Natürlich ist er das. Aber darum geht es nicht. Sie sind nicht zum Unterrichten gemacht. Ich weiß, dass Sie schon näher mit Kobolden in Konflikt geraten sind. Sie sind nicht geduldig genug, um zu unterrichten".

Hermione schnaubte. „Geduldig?".

„Ja, sie sind nicht für den Unterricht gemacht. Sie wollen nicht unterrichten. Und sie spielen, dass können Sie nicht bestreiten, eine sehr wichtige Rolle in unserem Leben".

„Aber selbst wenn sie wollten, wäre es ihnen gestattet, zu unterrichten?", fragte sie neugierig, wollte seine Meinung hören und ignorierte völlig, dass er über ihren Einbruch bei Gringotts zu wissen schien.

Severus zuckte leicht die Schultern. „Ich glaube nicht, dass Minerva es verbieten würde". Er sah für einen Moment in ihre Augen. „Es unterrichtet immer noch ein Zentaur hier", fügte er weich hinzu.

„Zu schade, dass er keine Vorhersagen macht", murmelte sie.

Snape zog einen Mundwinkel hoch. „Sie glauben immer noch, dass es eine echte Prophezeiung war?", er biss in den sauren Apfel. Falls, und nur falls, es eine echte Prophezeiung war, musste er sicher stellen, dass sie es auch wusste. Nicht, dass er mit ihr zusammen sein wollte, aber das war nur fair. Und immerhin hatte sie von ihm geträumt. Und von einem Baby. Mit dem Namen Quintus. Dem Namen seines Großvaters. Das war ein wenig merkwürdig.

„Minerva hat versucht, mich zu überzeugen. Und Ihre Großmutter. Und sie ist bekannt dafür, einige Dinge zu wissen. Ich wollte Harry fragen, aber ...", ihre Stimme verlor sich und ihre Augen verloren etwas von ihrem Glanz.

Severus sah sie an und sie errichtete sofort ihre Okklumentik Schilde. Er wusste, dass sie das tun würde und versuchte nicht einmal, ihre Gedanken zu lesen.

„Was war mit Potter?", fragte er, beinahe mitfühlend.

„Nichts", sie schüttelte ihren Kopf. „Es ist nur, dass ...", sie stoppte wieder.

„Hören Sie zu, nichts wird meine Meinung über Potter verbessern oder verschlechtern. Vor allem nicht, seit dem Fall von ihm-der-nicht-genannt-werden-darf", er senkte seine Augenbrauen und runzelte die Stirn. „Er ist überall".

„Er … äh, ich weiß nicht, er mag es, dass er geliebt wird, Professor Snape. Er musste so lange ohne Liebe auskommen".

„Er glaubt wirklich, er wird geliebt?".

„Ich denke, er sieht es so", Hermione runzelte ebenfalls die Stirn.

„Und Sie?".

„Was meinen Sie?".

„Wie sehen Sie es?", fragte er neugierig und klopfte leicht auf den Tisch, woraufhin ein Apfel erschien. Er war nicht sicher, wieso er fragte. Aber er wollte nicht, dass sie traurig war. So einfach, vermutlich. Und sie hatte gerade ihre beiden besten Freunde verloren – eine Familie, beinahe, auch wenn Molly sie verteidigt hatte. Er sah auf den Granny Smith Apfel, grunzte fast unhörbar und schnitt ihn mit einem Messer, das er aus den Falten seiner Roben zog. „Ich weiß nicht, wieso sie immer nur den Apfel bringen. Das machen sie, seit ich hier bin. Denken die wirklich, ich würde einfach hinein beißen?".

Hermione blinzelte. Severus Snape, der akribisch einen Apfel schnitt. Äpfel essen? Seit er hier angefangen hatte? Als Schüler? Er schnitt ihn in Achtel und spießte ein Stück auf das Messer und bot es Hermione an.

„Schließen Sie ihren Mund. Ich esse Äpfel" sagte er gedehnt und grinste, als sie ihren Mund zuschnappen ließ, den Apfel anmutig von der Messerspitze nahm und hinein biss.

„Und?", fragte Severus.

„Und was?", fragte Hermione, die nicht verstand.

„Glauben Sie, Potter wird geliebt?".

Sie schüttelte den Kopf nach kurzem Zögern. „Er wird bewundert. Aber ehrlich gesagt, ich denke nicht, dass jemand ihn wirklich kennt", sagte sie in ihrer gewohnten, analysierenden Stimme, und fügte dann, kaum lauter als ein Flüstern, hinzu: „nicht einmal ich".

Severus aß ein weiteres Stück Apfel und gab ihr auch eins, diesmal ohne das Messer. Sie nahm es, dankbar, dass ihre Hände etwas zu tun hatten, selbst wenn es nur das Halten eines Apfelstückes war.

„Manchmal, entfernen sich Freunde voneinander", antwortete er nachdenklich. „Sie haben unterschiedliche Wege eingeschlagen. Scheint unaufhaltsam zu sein".

Hermione war kurz sprachlos und nickte dann langsam. „Also hat meine Großmutter es Ihnen gesagt?".

Severus erkannte schnell den einfachen Ausweg, den Oma Lux ihm verschaffte, wenn auch unwissentlich. „Ja".

Sie kaute auf ihrer Unterlippe und er war erstaunt, wie schnell ihre Augen wieder so traurig wurden. „Es ist normal, Hermione".

Er sah sie an, nach seinem verbalen Ausrutscher, aber sie schien ziemlich weit weg. Severus war unsicher, ob sie ihn überhaupt gehört hatte. Er riss seinen Blick von ihr los, ließ ihn durch den Raum schweifen und versteifte sich. Hermione bemerkte er sofort, da ihre Augen immer noch auf ihm ruhten.

„Professor Snape?", fragte sie besorgt. „Sind Sie in Ordnung?".

Er stöhnte und sie sah den Grund dafür, als sie seinem Blick folgte und Minerva sah, ein Grinsen auf ihrem Gesicht, die auf sie zuging.

„Ist sie … oh mein Gott, sie ist es, nicht wahr?", sie sah ihn und bemerkte den verständnislosen Ausdruck auf seinem Gesicht und fügte in gedämpfter, angespannter Stimme hinzu. „Minerva ist die Frau in der Prophezeiung. Sie ist ziemlich unerträglich und Dumbledore ...".

Severus sah aus, als hätte ihm jemand mitten ins Gesicht geschlagen und Hermione wäre schockiert gewesen, so viele Gesichtsausdrücke von ihm in einer so kurzen Zeit zu sehen, wenn sie nicht gerade, diese interessante Offenbarung gehabt hätte. „Ticken Sie nicht ganz richtig, Sie dummes Mädchen?", spie er. „Minerva? Sie könnte meine Mutter sein!".

„Aber ...", begann Hermione. „Es macht soviel Sinn".

Severus stöhnte, schüttelte leicht seinen Kopf und ließ sein Gesicht wieder in die übliche Maske fallen. „Und dabei war ich beinahe davon überzeugt, dass Sie wirklich klug wären", höhnte er. „Dummes Mädchen", murmelte er, stand schnell auf und eilte aus der Großen Halle und mit wehenden Roben an Minerva vorbei.

Er stürmte in seine Räume und machte sich nicht die Mühe, die Tür zu schützen, sondern schlug sie einfach zu. „Oma Lux?", rief er.

„Da bist du ja, mein Junge", antwortete sie sanft, legte das Strickzeug beiseite, mit dem sie sich die Zeit vertrieben hatte und legte es vorsichtig auf den kleinen Beistelltisch, blieb aber in ihrem Plüschsessel sitzen.

„Was zum Styx hast du Hermione erzählt?".

„Was meinst du?", fragte sie, ihr Gesichtsausdruck verdutzt. „Ich habe ihr nur erzählt, wer ich bin, sie gefragt, was sie von der Prophezeiung hält und vielleicht eine klitzekleine Bemerkung darüber gemacht, dass sie die Frau in ihr sein könnte", sie zuckte mit den Schultern.

„Das ging nach hinten los". Severus stand nah an dem Portrait, seine Nase berührte es fast. „Sie denkt, es ist Minerva".

Lux fing an zu kichern, dann wurde das Kichern zu einem ausgewachsenen Lachanfall. „Minerva", keuchte sie. „Minerva? Du und Minerva?".

Er rollte mit den Augen und schlug mit der Faust gegen die Wand neben dem Portrait. Lux hörte sofort auf zu lachen und sah ihn mahnend an. „Du magst diesen Gedanken nicht, oder?".

Er sah sie an und verschwand dann aus seinen Räumen. Er brauchte etwas, um seine Gedanken mit etwas anderem zu beschäftigen, als mit Hermione Granger und dieser verdammten Prophezeiung.

„Wohin ist er so plötzlich verschwunden?", fragte Minerva, sobald sie Hermione am Lehrertisch erreicht hatte.

Die jüngere Frau vergrub ihr Gesicht in den Händen und seufzte leise. „Ich habe erwähnt, dass Sie die Frau aus der Prophezeiung sein könnten".

Minerva gluckste. „Das ist unmöglich, meine Liebe. Ich bin sicherlich nicht die Frau aus der Prophezeiung".

„Aber es macht Sinn, Minerva. Wirklich. Er findet Sie unerträglich. Und Sie wurden verlassen".

Minerva hob ihre Augenbrauen in gefährliche Höhen. „Hermione, ich versichere Ihnen, dass ich nicht die Frau in der Prophezeiung bin. Ich kenne Severus, seit er ein Baby war. Ein Neugeborenes, fast. Und ich und Severus, meine Liebe, der Gedanke allein ist lächerlich".

„Aber ...".

„Sie haben noch nicht herausgefunden, wer es sonst sein könnte?", fragte Minerva sanft.

Hermione schüttelte ein wenig traurig den Kopf, hielt in aber weiter in ihren Händen und sah die Schulleiterin nicht an. „Seine Großmutter dachte, ich könnte es sein", murmelte sie gegen ihre Hanflächen.

„Sprechen Sie lauter, meine Liebe".

„Seine Großmutter, ich bin sicher, Sie wissen bereits, dass sie mit mir gesprochen hat, sie denkt, ich könnte es sein".

„Lux hat Ihnen das gesagt?".

„Sie kennen sie?".

„Ja, das tue ich", lachte Minerva. „Ihr Mann war ein Freund unserer Familie".

Hermione nickte leichte, aber Minerva war schneller und sprach. „Also, warum sollte Sie es nicht sein, Hermione?".

„Ich? Severus? Er und ich? Seien Sie nicht lächerlich".

„Molly hat mich gerade eben gefloht", sagte Minerva mürrisch. „Ich weiß, was passiert ist".

„Was hat das damit zu tun? Sie sind nicht mehr meine Freunde, sie haben mich vergessen, aber das ist ...". Plötzlich dämmerte es ihr. „Oje!", stöhnte sie. „Verlassen".

„Endlich", seufzte Minerva.

Hermione erbleichte, dann klappte ihr der Mund auf. „Ich bin … oh, Merlin. Oh Gott. Oje. Ich bin es". Sie stand so abrupt auf, dass ihr schwerer Stuhl klappernd auf den Boden krachte und floh aus der Großen Halle durch eine Hintertür.

Vielen, vielen Dank für all eure lieben Reviews. Diesmal hab ich das Reimen auch weggelassen, vielleicht motiviert euch das noch ein bisschen mehr! Ach ja, der erste Reviewer bekommt eine Widmung im nächsten Kapitel ;).