12. Kapitel: Der Halloweenball (2)


Kurze Zeit zuvor sah James im Büro des Direktors Herry mit finsteren Blicken hinterher, während dieser das Büro verließ. Als er außer Sicht war, blickte er erneut zum Direktor, der seltsamerweise amüsiert schien.

„Professor, ich würde Sie gerne etwas fragen bezüglich des Balls."

„Ich höre Ihnen zu, Mr Potter."

„Ich wollte wissen, ob man jedes Mädchen einladen darf, einen zum Ball zu begleiten."

„Ja, jedes Mädchen, das sich in Hogwarts befindet."

„Also alle Mädchen, die sich innerhalb des Schulgeländes befinden?"

„Ja, Mr Potter", meinte Dumbledore noch immer recht amüsiert.

„Danke."

James verließ das Büro etwa zehn Minuten, nachdem Herry es verlassen hatte und etwas irritierte ihn: Warum hatte Dumbledore Herry bei seinem Vornamen genannt und ihn bei seinem Familiennamen? Das war doch seltsam…

Er ging in den Gemeinschaftsraum zurück und sah Sirius und Remus, die dabei waren, ihre Hausaufgaben zu machen, während Peter aus dem Fenster sah.

James warf einen Blick auf die Karte des Rumtreibers und betrachtete sie einen Moment lang. Er sah Herry und Malfoy, wie sie den Gemeinschaftsraum der Slytherins verließen und ihn überkam die Lust, den beiden einen kleinen Streich zu spielen.

„Sagt mal, Jungs, wärt ihr dabei, Malfoy und Praott eine Lektion zu erteilen?"

„Klar, Mann! Ich bin dabei", erwiderte Sirius sogleich und auch Peter stimmte zu.

„Remus?"

„Oh! Na schön, ich nehme an, dass der Aufsatz genauso gut warten kann. Ich komm auch mit."

Die Rumtreiber verließen also den Gemeinschaftsraum und folgten unter James' Tarnumhang den kleinen Punkten auf der Karte des Rumtreibers, die Praott und Malfoy anzeigten.

Sie kamen an einem kleinen Gang an, der eine L-Form hatte. Praott und Malfoy waren in einer Sackgasse – welch bessere Gelegenheit konnten sie haben, um ihnen einen Streich zu spielen?

Doch was dann passierte war ganz und gar nicht vorgesehen gewesen… sie wurden Zeugen von einem Streit zwischen Malfoy und Praott.

„Weißt du was, ich mag dich, Herry. Nur ich hab dir gesagt, dass du dich Narzissa nicht mehr nähern sollst und hast du auf mich gehört? Nein, nicht dass ich wüsste. Also werde ich dir eine Lektion erteilen müssen: Man rührt nichts an, was einem Malfoy gehört!"

Damit zückte Malfoy seinen Zauberstab. „Expelliarmus."

Der Spruch blieb wirkungslos. Herry war in der Sackgasse eingeschlossen und die Rumtreiber befanden sich genau vor der Ecke des Ganges.

„Weißt du was, Malfoy, ich mag dich auch", log Harry. „Doch du solltest eines wissen: Hier machst nicht du das Gesetz… weder du noch irgendjemand anderes. Expelliarmus."

Der Spruch traf Malfoy hart und er flog geradezu bis zum anderen Ende des Korridors, wo er gegen die Mauer geschleudert wurde. Er lag den Rumtreibern zu Füßen, die er natürlich nicht sehen konnte und die ein paar Schritte zurückwichen.

Malfoy erhob sich wieder, er tobte und hatte noch immer seinen Zauberstab fest in der Hand.

Crucio", rief er erbost.

„Also wirklich, Malfoy, du enttäuschst mich!" sagte Harry als ob der Spruch ihm nichts anhätte. „Weißt du, du beherrschst die Unverzeihlichen Flüche wirklich nicht die Spur. Wenn du einen sprechen willst, dann musst du es von ganzem Herzen wollen. Nur du, Malfoy, bist absolut schlecht in Zauberkunst, das musst du wohl zugeben. Mein Schutzschild hat deinen Fluch mit einer Leichtigkeit abgewehrt!"

„Ein Schutzschild kann keine Unverzeihlichen Flüche abwehren!"

„Natürlich, doch nur, wenn sie wirklich schwach sind und rat mal was… du bist schwach."

„Wie kannst du es wagen!"

„Ich hab das hier nicht angefangen, stell dir vor. Ich verteidige mich lediglich. Ich greife nie an. Eine Art Verhaltensregel, wenn du so willst."

Expelliarmus", versuchte Malfoy es erneut.

Harry hatte seinen Schild nicht erneuert und sein Zauberstab entwischte seinen Fingern.

„Und jetzt? Was machst du jetzt? Ich habe deinen Zauberstab und ohne ihn kann ein Zauberer nichts bewirken."

„Hör auf zu reden, das steht dir nicht. Du hast dich übrigens nicht richtig darauf konzentriert, was du machst. Wingardium Leviosa."

Malfoy erhob sich in die Luft. Er war so überrascht, dass er Harrys Zauberstab fallen ließ.

Accio Zauberstab." Harrys Zauberstab flog direkt in seine ausgestreckte Hand. „Siehst du, Malfoy? Das nächste Mal solltest du dich besser nicht mit mir anlegen, denn du findest nichts als Ärger. Ist das klar?"

„Ja", erwiderte Malfoy noch immer außer sich vor Zorn.

„Gut. Expelliarmus." Malfoy flog gegen die nächste Wand gegen die Sackgasse und sank bewusstlos nieder.

Harry ging nachsehen, ob alles in Ordnung war. Malfoy hatte nichts gebrochen, nur ein paar blaue Flecken.

„Oh, ich hab den kleinen Prinz verletzt…"

Peter lachte bei dieser Bemerkung und drei finstere Augenpaare sahen ihn an. Harry hatte den Lärm gehört und sah sich um, doch er erkannte nichts. Er lächelte.

Er tat, als ob er die Sackgasse verlassen wollte, doch auf Höhe der Rumtreiber hielt er an. Er schloss die Augen und spürte ein leichtes Atmen, das vergeblich versucht wurde zurückzuhalten.

„Pettigrew sollte ein wenig diskreter sein. Man hört euch bis zum anderen Ende des Ganges. Ich hoffe, dass ihr euch gut amüsiert habt."

Es kam keine Antwort. Harry setzte seinen Weg grinsend fort.

James zog den Umhang von ihnen und sah Sirius an, der sehr überrascht schien. Remus war wie immer ruhig, doch etwas in seinen Augen verriet sein Erstaunen. Was Peter betraf, der hatte vor Angst weit aufgerissene Augen.

„Okay. Wir sollten wirklich so langsam etwas über diesen Jungen herausfinden, denn er beginnt allmählich, mich so richtig zu verärgern. Woher hat er gewusst, dass wir da sind?"

„James, wir waren nicht gerade sehr leise", merkte Remus an. „Oder vielleicht hat er überentwickelte Sinne, so wie ich?"

„Und wie sollte das möglich sein? Du bist ein Werwolf, er nicht", erwiderte Sirius.

„Da hast du Recht. Jedenfalls hat er Malfoy ganz schön fertig gemacht", meinte Remus.

„Ja. Das ist der positive Punkt daran. Er wird von den Slytherins auch nicht gerade mit offenen Armen empfangen, jedenfalls nicht von Malfoy. Er muss sich wohl an Narzissa rangemacht haben, wenn ich das richtig verstanden habe", sagte James.

„Was mich am meisten überrascht hat war, dass er Malfoy ohne Zauberstab hat fliegen lassen", mischte sich Sirius wieder mit ein. „Obwohl uns erzählt wurde, dass Zauberei ohne Zauberstab sehr schwierig ist. Aber bei ihm hat es ausgesehen, als ob es ganz einfach wäre."

„Ich weiß nicht, Sirius. Ich denke, dass er so etwas sehr gut verbergen kann. Ich weiß, dass Malfoy hart trainieren musste, um Todesser zu werden, also müsste er einen mächtigen Cruciatus-Fluch zustande bringen können. Aber Praotts Schutzschild hat ihn abgeblockt. Ich hab es dir doch gesagt, James, er zeigt seine wahre Macht nicht", meinte Remus.

„Und wie kommt es, wenn der Schild so mächtig war, dass wir ihn nicht gesehen haben!"

„Weil in einem solchen Fall der Schild unsichtbar wird, was bedeutet, dass ihn der Schild nicht nur ganz beschützt, sondern zudem noch sehr mächtig ist."

„Ich denke, dass die Bibliothek meiner Eltern uns während der Ferien nützlich sein kann!", fiel James ein. „Ich schlage vor, dass wir vor Weihnachten, oder vielmehr vor meiner Weihnachtsfete, ein wenig Flüche und Gegenflüche üben. Denn ich habe keine Lust, so wie Malfoy zu enden."

„Ich auch nicht", erwiderte Sirius. „Aber es ist lustig, Malfoy am Boden zu sehen."

Die Rumtreiber kehrten damit in ihren Gemeinschaftsraum zurück, gerade vor Bettruhe und Lily bedachte sie mit einem finsteren Blick, worauf sie keineswegs achteten.


Harry seinerseits zog sich ebenfalls in seinen Gemeinschaftsraum zurück.

„Harry? Wo ist Malfoy?" wollte Snape wissen.

„In einem Korridor. Der Arme ist versehentlich gegen eine Mauer geflogen…"

„Hast du was?"

„Nein", log Harry.

„Gut. Ich wusste, dass du es magst, dich in Schwierigkeiten zu bringen, aber ich muss zugeben, dass du mich hier doch ein wenig überrascht hast."

„So wie du redest könnte man meinen, ich wäre total anormal!"

„Nein, das denke ich nicht, ehrlich. Ich denke, dass du jemand sehr Nettes bist, Herry. Und du solltest wissen, dass ich das noch nie zu jemandem gesagt habe. Weißt du, wenn ich mit Malfoy und seiner Bande von Todessern abhänge, dann ist das, im Gegensatz zu anderen, nur, damit ich mich gegen die Rumtreiber wehren kann. Denn im Duellieren bin ich nicht gerade sehr gut, also… na ja, so bin ich beschützter, wenn du verstehst…"

„Willst du, dass ich mit dir übe, Severus? Ich könnte versuchen, dir beizubringen, dich im Duell zu verteidigen."

„Das… das würdest du für mich tun? Warum?"

„Weil ich glaube, dass du wirklich mächtig bist, Severus, aber dass niemand dir eine Chance gibt. Du wärst sicherlich ein ganz exzellenter Duellant."

„Danke, Herry! So, das ist zu viel Sentimentalität für mich an einem Abend, ich werde in den Schlafsaal gehen."

„Es ist erst neun Uhr!"

„Ich habe nicht gesagt, dass ich schlafen werde!"

„Oh! In dem Fall ändert das natürlich alles! Ich werde ein wenig in den Korridoren rumspazieren. Also werde ich wohl ein bisschen spät kommen."

„Okay, pass auf, dass du unserem Haus nicht zu viele Punkte kostest."

„Oh Severus, man sprichst genauso wie Evans!"

Diese Bemerkung schien Severus ein wenig zu schockieren. Er drehte sich um und zog sich direkt in seinen Schlafsaal zurück.

Harry holte den Tarnumhang, ebenso wie die Karte des Rumtreibers und zog sich in ein leeres Klassenzimmer zurück. Er verwandelte einen Tisch in Moony und erzählte ihm all seine Probleme, so wie er es bisher immer gehandhabt hatte.

Doch das beruhigte ihn nicht im Mindesten. Im Gegenteil, ihm wurden seine eigenen Probleme nur noch mehr bewusst. Wie sollte er den Rest des Jahres bei den Slytherins überstehen! Wie sollte das möglich sein, ohne sich eines Tages in einem dunklen Korridor eingeengt von Todessern wieder zu finden?

Malfoy hatte den Cruciatus-Fluch auf ihn angewendet. Zwar hatte sein Schutzschild einen Teil des Fluches aufgehalten, aber obwohl er es nicht gezeigt hatte, hatte ihn dennoch ein Teil des Spruches erreicht.

Zu seinem Glück hatte Snape ihn in seiner Zeit gegen schmerzvolle Flüche abgehärtet und Snapes Flüche waren sehr viel mächtiger gewesen.

Malfoys Zauber hatte ihm dennoch ins Gedächtnis zurückgerufen, warum er hier war: Er musste einen Todesser aufhalten, doch wo sollte er ihn finden? Er war sich sicher, dass er ihn bei Voldemort finden konnte, das war klar. Doch warum hatte Voldemort noch nichts weiter unternommen? Harry war sich sicher, dass er zu dieser Zeit eigentlich aktiv sein sollte, doch es hatte nur eine einzige Schlacht gegeben, seit er hier angekommen war.

Worauf wartete er? Auf neue Todesser? Dabei musste er doch genügend haben! Vielleicht suchte er andere neue Verbündete? Ja, das musste es sein! Er musste auf der Suche nach Verbündeten sein, wie Riesen oder Dementoren. Wie konnte man gegen Riesen kämpfen? Eine einzige Person konnte ihm diese Frage beantworten und das war Hagrid.

Er verabschiedete sich von Moony und verwandelte ihn in einen Tisch zurück.

Anschließend bedeckte er sich mit dem Tarnumhang und machte sich auf den Weg zu Hagrids Hütte. Dort angekommen nahm er den Umhang ab und klopfte daraufhin an die Tür. Er wartete, doch niemand antwortete.

Wo konnte Hagrid sein? Vor allem zu der Uhrzeit? Sicherlich im Wald… Mit dem Gedanken betrat Harry den Verbotenen Wald.

Zuerst ging er bei den Einhörnern nachschauen. Bei ihnen war alles in Ordnung. Er spielte erneut mit den Fohlen und rannte mit dem Leithengst um die Wette, doch immer in seiner Menschengestalt. Bei den Einhörnern war er immer glücklich, sie ließen ihn all seine Probleme vergessen. Sie mussten wohl etwas magisches an sich haben.

Doch er stolperte über eine Wurzel und verstauchte sich den Knöchel. Er kam nur sehr schwer wieder auf die Beine.

Der Leithengst kam auf ihn zu und Harry hielt sich an ihm fest, um vorwärts zu kommen. Er würde es nie wagen, auf ihn aufzusteigen, das war ein Sakrileg und er wusste das.

Das Einhorn half ihm, bis eine Stimme ihn überraschte: „Was machst du da!"

„Ähm… Hagrid?"

„Ja? Oh, aber – das is ein Einhorn! Warum akzeptiert es dich?"

„Ich weiß nicht, aber er ist schön, nicht wahr? Das ist der Leithengst der Herde."

„Du hast dich mit dem Leithengst angefreundet! Du musst 'ne reine Seele haben!"

„Vielleicht. Jedenfalls bin ich beim Laufen gestolpert und hab mir, glaube ich, den Knöchel verstaucht. Könntest du mir bitte helfen?"

„'türlich."

Hagrid stützte Herry mit seinen kräftigen Armen und dieser streichelte das Einhorn, um ihm zu danken. Es bäumte sich als Abschiedsgruß auf und galoppierte zu seiner Herde zurück.

„Weißte, die Einhörner akzeptieren nich viele Jungs. Normalerweise ziehen sie Mädchen vor. Du musst was Besonderes an dir haben."

„Ich wollte mit dir reden, Hagrid, wegen… wegen der Riesen."

„Warum willste da mit mir reden!"

„Ich weiß, dass du ein Halbriese bist."

„Du – woher willste das wissen!"

„Ich weiß vieles, Hagrid und ich kann dir nichts darüber sagen."

„Wie du meinst. Was willste wissen?"

„Ihre Schwächen, Hagrid. Wie kann man sie töten?"

„Warum willst du sie töten!"

„Weil sie sich mit Voldemort verbünden werden, wenn das nicht schon längst geschehen ist."

„Du hast wirklich was Besonderes an dir, Herry. Ich wird's dir sagen. Da, gleich sind wir bei meiner Hütte. Danach gehste aber zum Krankenflügel, versprich's mir!"

„Versprochen", meinte Harry mit einem breiten Grinsen.

„'kay." Er legte Harry auf sein Bett und suchte anschließend eine Teekanne und zwei Tassen.

„Ich weiß, dass es schwer sein muss darüber zu sprechen, vor allem für dich, aber ich muss es wissen, falls sie irgendwann einmal Hogwarts angreifen sollten."

„Warum sollten sie Hogwarts angreifen? Dumbledore ist da, da würden sie's nich wagen."

„Sei da nicht so sicher, Hagrid. Ich spüre, dass der Krieg nahe ist und dass er lange andauern wird."

„Wie kannste bei deinem Alter so… weiß nich, wie ich's sagen soll…"

„So reif sein? Ist es das, was du sagen wolltest?"

„Ja, vielleicht."

„Aber Hagrid, ich habe auch das durchlebt, was du erlebt hast: von allen zurückgestoßen, weil sie glauben, dass man ein Monster ist. Ich mag dich so wie du bist, Hagrid, versuche nie, das zu verändern."

„Wie… wie willste so was wissen, wenn du mich gerade mal einen Monat kennst!"

„Reden wir lieber darüber, weshalb ich hier bin."

„'kay. Riesen sind praktisch unverwundbar, außer man kennt eine bestimmte Stelle: Knapp über der Nase zwischen den Augenbrauen. Genau der Ort, der bei den Menschen solide ist, ist bei den Riesen ein kleines Loch. Wenn du einen mächtigen Zauber auf diesen Punkt anwendest, fällt der Riese tot um. Nur wenige Menschen wissen es. Die Riesen wären schön dumm, es rumzuposaunen."

„Danke, Hagrid. Meinem Knöchel geht es auch schon viel besser. Ich geh dann besser mal zu Madam Pomfrey."

„Willst du, dass ich dich begleite?"

Harry stand auf, doch sein Knöchel tat ihm noch immer weh und er wäre beinahe gestürzt.

„Vielleicht wäre das eine gute Idee, danke Hagrid."

„Ich danke dir, kleiner Slytherin, dass du mir so sehr vertraust. Außer Dumbledore tut das niemand."

„Kein anderer kommt dich ab und zu besuchen?"

„Oh, doch. Lily kommt von Zeit zu Zeit vorbei, um sich mit mir zu unterhalten. Sie ist wirklich sehr nett."

„Ich weiß… also, auf zum Krankenflügel."

Als sie die Eingangshalle erreicht hatten, stießen sie auf McGonagall.

„Mr Praott, was machen Sie außerhalb Ihres Schlafsaals! Es herrscht Bettruhe seit gut einer halben Stunde! Zehn Punkte Abzug für Slytherin!"

„Professor, ich bring Herry innen Krankenflügel. Hat sich den Knöchel verstaucht."

„Nun gut, Hagrid. Doch Mr Praott, ich bin ehrlich enttäuscht von einem meiner besten Schüler!"

McGonagall ging damit davon und Hagrid sah Herry an.

„Das ist das erste Mal, dass McGonagall einen Slytherin so sehr achtet. Wenn ich sag, dass du besonders bist, dann bin ich jetzt überzeugt davon."

„Danke, Hagrid. – Wenn wir zur Pomfrey gehen, dann bringt sie mich um. Ich gehe zu oft zu ihr, meiner Meinung nach."

Hagrid trug Herry in seinen Armen zum Krankenflügel.

Als Madam Pomfrey sie ankommen sah, seufzte sie.

„Mr Praott, also ehrlich… ich glaube so langsam, dass Sie gerne hierher kommen. In einem einzigen Monat ist das schon das zweite Mal! Haben Sie vor, hier öfter vorbeizuschauen?"

„Vielleicht sollte ich ein Abonnement aufgeben?"

„Ich meine es vollkommen ernst! – Legen Sie ihn da hin, Hagrid. Vielen Dank. Was haben Sie diesmal!"

„Oh, nichts Schlimmes, nur eine kleine Verstauchung. Ich bin gestolpert, das ist alles."

„Eine Verstauchung! Machen Sie Scherze! Ihr Knöchel ist gebrochen! Tut er Ihnen denn nicht weh!"

„Doch, schon ein wenig. So wie es halt jedem anderen weh tun würde."

„Nun, jeder andere wäre hier weinend hereingekommen. Ich habe den Eindruck, dass Sie Schmerz viel besser aushalten als andere."

„Vielleicht…" Harry war in Gedanken versunken. Als er sich den Arm gebrochen hatte, war der Schmerz wirklich stark gewesen, ganz zu schweigen von der Nacht, die darauf gefolgt war. Doch jetzt hatte er nicht halb so starke Schmerzen. Sein Knöchel tat ihm weh, das stimmte, aber eher, als hätte er sich vertreten.

„Nun, ich werde das also wieder in Ordnung bringen. Trinken Sie das und Sie können in zwei bis drei Tagen von hier verschwinden."

„Zwei oder drei Tage! Sie scherzen, nicht wahr? Ich werde hier ganz sicher nicht zwei bis drei Tage bleiben. Ich gehe morgen wieder."

„Das kommt leider nicht in Frage, Mr Praott!"

Harry schmollte. Morgen war Hogsmeade-Tag und den würde er um nichts auf der Welt verpassen. Er würde gehen, das stand für ihn fest!

Am nächsten Tag stellte er klar, dass alles wieder gut ging. Sein Knöchel schmerzte kaum noch und er versuchte sogar aufzutreten.

Es tat zwar noch ein wenig weh, doch der Schmerz war nichts im Vergleich zu seiner Lust, wieder einmal herauszukommen.

„Was machen Sie denn da? Ihr Knöchel ist noch nicht ganz verheilt. Legen Sie sich sofort wieder hin!"

„Es geht mir hervorragend. Ich bin vollkommen genesen und ich werde in die Große Halle zum Frühstücken gehen."

„Das ist außer Frage. Sie werden sich sofort wieder hinlegen. Das ist ein Befehl."

„Aber… ich bitte Sie…"

„Nein, zurück ins Bett!"

Harry seufzte resignierend auf und legte sich wieder zurück in das Krankenbett. Madam Pomfrey würde sich wohl niemals ändern, eine wahre Gefängniswächterin – auch wenn das Gefängnis ein Krankenflügel war.

Die Stunde des Ausflugs nach Hogsmeade kam und Harry zog sich schnell an, um sich heimlich aus dem Krankenflügel zu stehlen.

Es gelang ihm, sich wegzuschleichen und er erreichte die Kutschen, die sie nach Hogsmeade bringen würden.

„Ihre Autorisation für den Besuch in Hogsmeade, Mr Praott?", fragte sein Pflege magischer Geschöpfe Lehrer.

„Ich… ich hab keine…"

„Ich verbürge mich für Mr Praott", meinte Dumbledore, der gerade die Treppen herunterkam. Natürlich sah jeder erst Dumbledore, dann Herry seltsam an. Wie konnte ein Schüler die Garantie von Dumbledore haben!

„Danke Professor."

„Kein Problem, Mr Praott. Madam Pomfrey hat Sie also gehen lassen, wie ich sehe?"

„Ähm… ich werde sie noch einmal aufsuchen, wenn ich zurück bin", sagte Harry schnell, wobei er in eine Kutsche kletterte. Er sah nicht Dumbledores kleines schelmisches Grinsen.

Er bestieg die erste Kutsche und bereute es sofort. Er befand sich Auge in Auge mit Malfoy, Crabbe, Goyle und Severus.

„Herry, was verschafft uns die Ehre, dich bei uns begrüßen zu dürfen?"

„Die anderen Kutschen sind voll, Lucius", meinte Harry, wobei er ihn mit einem drohenden Blick maß.

„Komm schon, ich hab schon vergessen, was in diesem Korridor passiert ist. Immerhin bist du es wirklich würdig, dich zu uns zu zählen. Du hast mich ehrlich beeindruckt. Der Dunkle Lord zieht viele Leute wie uns zusammen. Was hältst du davon, einen Abend mit uns zu einer Versammlung zu gehen?"

„Wann", fragte Harry mit seiner üblichen Maske der Ausdruckslosigkeit, um seinen tiefen Ekel nicht zu zeigen.

„Nach Weihnachten, wenn wir wieder in der Schule sind…"

„Okay."

„Ich wusste, dass du einverstanden sein würdest", meinte Lucius erfreut. „Gehst du dir deinen Festumhang für den Ball besorgen?", wechselte er dann das Thema.

„Das war meine Absicht, ja."

„Ich kann dir eine schöne Boutique zeigen. Die hat wirklich Stil."

„Einverstanden", erwiderte Harry, den der Gedanke nicht gerade fröhlich stimmte, einen ganzen Nachmittag mit ihnen verbringen zu müssen.

Als sie das Dorf erreicht hatten, erkannte Harry viele Läden wieder, die sich nicht allzu sehr verändert hatten. Einzig die Ladenbesitzer schienen gewechselt zu haben.

Malfoy führte sie in eine eher finstere Seitenstraße, was Harry nicht erstaunte – es war schließlich Malfoy.

Das Geschäft selbst schien ebenfalls finsterer Natur, doch als sie erst einmal drinnen waren, war es wirklich bezaubernd. Der Laden, der von Außen einen eher ärmlichen Eindruck machte, war im Inneren prächtig ausgestattet. Im Untergeschoss konnte man alle möglichen Arten von Roben und Umhängen sehen, die einen schöner als die anderen. Im hinteren Teil des Ladens waren allerlei Accessoires. Malfoy jedoch stieg hoch in den ersten Stock, nachdem er den Ladenbesitzer mit einem kurzen Kopfnicken gegrüßt hatte.

Er wählte eine grün-silberne Robe aus, die Farben der Slytherins – Harry hätte es sich denken können!
Er selbst wusste nicht genau, was er nehmen sollte. Die schönsten Umhänge waren die rot-goldenen, doch er konnte diese Farben schlecht nehmen. Malfoy hätte das sehr schlecht aufgenommen. Auch wenn Harry ihn besiegen konnte, wollte er ihn lieber nicht zu sehr provozieren.

Er wählte also stattdessen einen grün-blauen Umhang – eine sehr hübsche Farbkombination, die mit seinen eigenen Augen und mit denen Lilys harmonierte.

Snape las währenddessen ein Buch. Er wollte sich keine neue Robe kaufen, da er ja nicht zum Ball gehen wollte.

Nachdem sie die Umhänge bezahlt hatten, schlug Malfoy vor, in den Drei Besen etwas trinken zu gehen, doch Snape lehnte den Vorschlag ab. Er musste erst noch in einen Laden gehen und würde sie später wieder treffen.

Harry hatte keine Lust, nur zusammen mit Malfoy und seinen zwei Bodyguards zu bleiben und sobald Snape gegangen war, erzählte er den anderen, dass er Severus nachgehen würde und sie beide später zu ihnen stießen würden. Malfoy sah ihn mit einem seltsamen Blick an, nickte dann aber.

Harry rannte also Severus hinterher, den er vor den Rumtreibern fand.

„Na, Schniefelus? Ganz alleine? Kein Praott!"

„Was wollt ihr?"

„Oh, nichts Besonderes. Aber weißt du was – ist lange her, dass wir uns gesehen haben…"

Harry kochte innerlich vor Wut. Hatte sein Vater denn gar nichts verstanden? Würde er es überhaupt eines Tages tun? Er hatte sicherlich keine Ahnung, wie es war, vor allen gedemütigt zu werden.

Harry war in der Ecke einer Straße versteckt und sah zu, was sich da vor seinen Augen abspielte. Würde James weitergehen, als nur große Worte zu spucken? Harrys Vorstellung von seinem Vater hatte sich in kürzester Zeit sehr geändert. Für ihn war James damals immer eine Art Held gewesen, doch nun erkannte Harry, dass er in Wirklichkeit nichts weiter war als ein Malfoy, der genug Mut besaß, um in Gryffindor gelandet zu sein. Wie hatte Lily nur einen solchen Mann heiraten können! Diese Frage kam immer wieder in sein Gedächtnis zurück.

„Also, Snape, wie geht's dir seit Anfang des Jahres? Hast einen schönen Beschützer gefunden, was? Aber ich sehe ihn hier nirgends… Ich glaube, wir werden uns gut amüsieren." James hatte seinen Zauberstab in der Hand, ebenso wie Severus. Die Spannung war fast sichtbar, doch James schien zu zögern. Harry glaubte, dass er nichts weiter tun würde und atmete schon erleichtert aus.

Expelliarmus", rief James da. Severus wurde ein paar Meter nach hinten geschmissen und sein Zauberstab flog auf direktem Weg in James' ausgestreckte Hand.

Harry spürte Wut in sich hochsteigen. Sollte er seine Macht vor allen offen zeigen? Er hatte es schon vor Malfoy und den Rumtreibern getan, er sollte nicht noch weiter gehen. Harry fasste einen Entschluss.

Vires Vallum", murmelte er, womit er Snape komplett schützte. Letzterer spürte eine Veränderung. Er fühlte sich sicher… und grinste.

„Was bringt dich so zum Lachen, Schniefelus? Glaubst du, du wärst stärker als ich? Das werden wir ja sehen. Impedimenta." Doch der Spruch wurde abgeblockt. James sah Severus das erste Mal ernst an.

„Was denn, Potter? Dein Spruch ist nun wirklich nicht sehr mächtig, wie ich sehe!"

„Das glaubst auch bloß du. Stupor."

„Nein, Potter. Immer noch nichts. Die Fesseln haben sich in Luft aufgelöst, kaum haben sie Severus berührt."

Harry hatte beschlossen, mit seinem Spiel aufzuhören und aus seinem Versteck zu treten. Er näherte sich Severus und ließ James dabei nicht aus den Augen. Sein Blick war so kühl, dass James sich nicht mehr so sicher fühlte.

Wie kann man nur als Junge so angsteinflößend sein? Diese Art, mit der er mich anschaut – ich fühle mich ihm gegenüber immer so dumm und dieses Gefühl hasse ich. Ich verstehe jetzt, warum ich Severus gerade nichts habe anhaben können.'

„Potter, weißt du was? Du enttäuschst mich ehrlich. Ich habe geglaubt, dass du manche Dinge verstehen würdest, aber offensichtlich ist dies nicht der Fall. Weißt du, an wen du mich erinnerst? Ein Mann, der sein Gesetz jedem aufzwingen will, ein Mann, der tötet, um seine Ideen allen aufzuzwingen, weißt du, von wem ich spreche? Nur, dass du nicht tötest, nein, ich glaube was du machst ist fast schlimmer. Du willst deine Gegner lächerlich machen. Aber Potter, was wäre, wenn man es mit dir täte? Wenn ich mich mit dir etwas amüsieren würde, Potter? Was würdest du davon halten?"

„Ich denke, dass du mich nicht lächerlich machen könntest."

„Ach ja? Vielleicht hast du Recht, ich würde mich nie auf dein Niveau herablassen. – Nun, ich sehe, dass du nichts weiter zu sagen hast. Ich werde also mit Severus gehen. Deine Gesellschaft ist für mich unerträglich auf Dauer."
Harry fühlte sich schlecht, sehr schlecht. Wir hatte er das nur zu seinem Vater sagen können? Er war unglücklich, er spürte Tränen in ihm aufsteigen.

„Ich lass dich hier alleine, Severus. Ich will dich diese Woche sehen, um dich trainieren zu können, einverstanden?"

„Danke, Herry. Ich hatte das Privileg, in Potters Augen Erbitterung sehen zu können, als seine Sprüche an mir abgeprallt sind. Vielen Dank."

„War mir ein Vergnügen."

„Warum hängst du eigentlich mit den Todessern ab, wo du doch den Dunklen Lord nicht magst?"

„Das werde ich dir sicherlich später mal erzählen..."

Harry rannte bis zur Heulenden Hütte. Er wusste, dass niemand hier herkommen würde. Dieser Ort war zu dieser Zeit sogar noch mehr gefürchtet. Er hielt vor der Hütte an, setzte sich gegen die Mauer gelehnt hin und ließ die Tränen fließen. Seine Tränen, die er nur mit sehr viel Mühe bis hierhin zurückgehalten hatte – Schamestränen.

Er schämte sich, James Potters Sohn zu sein, er schämte sich für seinen eigenen Vater.

Seine Scham verwandelte sich bald in Zorn. Um sich abzureagieren, verwandelte er sich und rannte in den nahen Wald. Als er sich wieder halbwegs beruhigt hatte und wieder zurückkam, war die Heulende Hütte nicht mehr verwaist. Die Rumtreiber waren dort und schienen außer sich vor Wut – besonders James.

Der Löwe näherte sich den Rumtreibern. Zunächst waren alle überrascht, doch der Mutigste der vieren näherte sich dem Löwen und streichelte ihn. Diese Person war niemand anderes als James.

„Wie geht's dir, mein Freund?" Der Löwe sah James mit einem bitteren Ausdruck an.

„Bist du wohl auch sauer auf mich oder was? Ich versteh's einfach nicht, was ist nur mit allen los? Wir machen doch nichts anderes als sonst auch, oder Sirius? – Warum wendet sich plötzlich jeder gegen mich!"

„Darum geht es doch nicht James", meinte Remus, wobei er den Löwen seinerseits streichelte. „Ich glaube nur, dass Praott irgendwie schon Recht hat. Ich denke, dass es, als wir noch kleiner waren, einfach nur kindisch war, aber man muss auch mal erwachsen werden. Und ich glaube, dass der einzige, der erwachsen geworden ist – der einzige in unserem Alter, mein ich – Praott ist. Ich weiß nicht, was diesem Jungen widerfahren ist, aber ich denke, dass sein Leben nicht ein einziges Zuckerlecken gewesen sein muss."

„Aber wir sprechen doch hier über Schniefelus, den Slytherin, der sicherlich ein Todesser werden wird..." Der Löwe gab bei diesen Worten ein Knurren von sich. Die Rumtreiber sahen ihn verwundert an.

Sirius trat näher heran. „Verstehst du uns?"

Harry überlegte einen Moment. Sollte er ja sagen? Doch in dem Fall wären die Rumtreiber davon überzeugt, dass sie es mit einem Zauberer zu tun hatten und dann würde es nicht mehr lange dauern, bis seine Tarnung auffliegen würde.

Er beschloss, Sirius einfach nur weiterhin anzusehen.

„Ich glaube, dass das einfach nur ein normaler Löwe ist. Er versteht uns offensichtlich nicht, Sirius", meinte James, der nicht ganz überzeugt von seinen eigenen Worten schien.

„Vielleicht", gab Sirius zu, der dem Löwen weiterhin in die Augen sah. „Jedenfalls ist eins klar: Er hat Lilys Augen."

„Lass mal sehen", meinte James, wobei er seinerseits näher trat, was Harry zum Lachen brachte. James kniete sich direkt vor das Gesicht des Löwen, der ihm ins Gesicht blies.

„Vielen Dank auch", lachte James.

Harry hatte den Zorn auf seinen Vater vergessen und beschloss, auf James loszuspringen. James wurde von den Füßen gerissen und Harry leckte ihm Gesicht und Hände ab.

„Ah! James, komm mir ja nicht zu Nahe", sagte Sirius. „Das ist ja eklig!"

Harry wandte sich nun Sirius zu.

„Nein... bleib, wo du bist... bleib stehen... James, halt ihn auf... James..."

Harry nahm ein paar Schritte Anlauf und sprang auf Sirius, der verzweifelt versuchte, sein Gesicht in seinen Händen zu verbergen.

„Nein... Erbarmen! Weißt du, meine Haut ist sehr empfindlich... und..." Er konnte nicht weitersprechen, da Harry es geschafft hatte, seine Hände vom Gesicht zu bringen und nun auch Sirius' Gesicht abschlabberte.

„Ah! Igitt!", schrie Sirius, der sich vor Lachen kaum halten konnte, da Harry beschlossen hatte, ihn mit seiner Schnauze zu kitzeln.

„Eins ist jedenfalls sicher: Dieser Löwe hat euch ganz sicher angenommen", meinte Remus etwas verbittert.

„Dich hat er genauso angenommen, Remus", sagte James.

„Nein, ich glaub nicht. Er muss den Wolf in mir spüren."

Harry wollte Remus ganz sicher nicht in diesem dummen Glauben lassen, weshalb er nun auch auf ihn sprang und ihm wie bei den zwei anderen das Gesicht abwusch, was Remus zum Lachen brachte.

Zum ersten Mal lachte Remus wirklich frei – ein wahrhaft schönes Lachen, wie Harry fand.

„Siehst du!" James grinste triumphierend. „Es ist fast, als hätte er uns verstanden. Kennt ihr eine Formel, um Animagi in Menschen zurückzuverwandeln?"

„Nein, sollten wir wohl mal in der Bibliothek nachschauen."

Harry bekam es mit der Angst zu tun, doch er zeigte es nicht. Wenn er jetzt abhauen würde, dann wären die Rumtreiber sicherlich davon überzeugt, dass sie mit ihrer Theorie Recht hatten.

„Ihr irrt euch sicherlich, Jungs. Wenn er uns verstehen würde, dann wäre er jetzt weggerannt", meinte Sirius.

„Hm... vielleicht. Vielleicht dachte er sich aber auch, dass wir es dann wissen", überlegte Remus.

Sirius brach in ein bellendes Lachen aus. „Ja, klar, Moony! Du und deine Verschwörungstheorien... Okay, wir sollten dann langsam mal zurück gehen, was meint ihr?"

Damit machten sich die Rumtreiber auf den Weg zu den Kutschen, welche die letzten Schüler erwarteten. Harry zog es vor, den Geheimgang zu nehmen, der direkt nach Hogwarts führte.

Als er im Schloss ankam, ging er direkt in den Gemeinschaftsraum, wo er unter anderem Severus antraf, der ihn streng ansah.

„Du bist gar nicht mit uns zurückgekommen?"

„Nein, ich bin direkt hierher zurückgegangen."

„Wo warst du?"

„In einem leeren Klassenzimmer, aber seit wann fragst du mich so aus?"

„Ich frag dich nicht aus, ich informiere mich, das ist alles. - In einer Stunde ist übrigens Abendessen."

„Gut, dann werde ich zuvor noch in den Schlafsaal noch lesen gehen."

Harry ging wie gesagt in seinen Schlafsaal und nahm das Buch mit den Streichen der Rumtreiber heraus.

Er musste immerhin zugeben, dass sie, wenn es um Streiche und Scherze ging, wirklich exzellent waren. Er hatte leider lediglich die Zeit, sich ein paar verschiedene Streiche der Rumtreiber als Erstklässler anzusehen.

Harry war seinem Vater für all die Streiche, die er den Slytherins gespielt hatte, nicht böse. Er war ihm böse, weil er jemanden immer wieder vor allen lächerlich machte…

Nachdem er herzlich über die Photos gelacht hatte, legte er das Heftchen zurück und ging hinunter zum Essen.

Kaum hatte das Essen begonnen, kam Pomfrey in die Große Halle gestürmt und Harry gab sich selbst eine mentale Ohrfeige. Er war nicht in den Krankenflügel zurückgekehrt…

Pomfrey schien ganz und gar nicht gut gelaunt. Harry machte sich in seinem Stuhl möglichst klein, während Dumbledore wie üblich ein breites Grinsen auf dem Gesicht hatte.

„HERRY PRAOTT! Wo ist er? Ich will wissen, wo er ist!"

„Beruhigen Sie sich, Poppy", meinte Dumbledore.

„Wie kann ein Schüler es nur wagen, aus dem Krankenflügel zu fliehen, ohne meine Erlaubnis zu erfragen? Er hat sich immerhin den Knöchel gebrochen, Professor. Und er geht am nächsten Tag einfach - wie ein Dieb schleicht er sich davon! Wo ist er?"

„Ich bin tot", meinte Harry.

„Du hast dir deinen Knöchel gebrochen?", wiederholte Severus. „Du bist aus dem Krankenflügel geflohen?", wollte er noch lauter wissen.

„Du brauchst deswegen nicht gleich so rumzuschreien. Du machst noch auf mich aufmerksam."

„ES IST ZU SPÄT, DICH ZU VERSTECKEN, HERRY! GEH SOFORT ZUM KRANKENFLÜGEL!"

„Ja, schon okay. Ich hab die Botschaft verstanden. Nachdem ich Pomfrey hinter mich gebracht habe, krieg ich auch noch Ärger mit dir, Severus!"

Harry erhob sich und Pomfrey warf ihm einen bösen Blick zu. Alle Schüler in der Großen Halle dagegen lagen vor Lachen auf den Tischen. Nun, nicht alle: Lily schien ebenfalls wütend.

„Kommen Sie endlich, junger Mann. Ab in den Krankenflügel und Sie werden ihn dieses Mal nicht so leicht verlassen", meinte Pomfrey mit drohendem Unterton.

„Ich glaube, ich hab's verstanden", grummelte Herry.

Die zwei Personen verließen die Große Halle und das Gelächter verdoppelte sich. Niemand entkam Pomfrey.

„Nun, Jungs, glücklicherweise habe ich nie versucht, aus dem Krankenflügel zu fliehen", meinte Sirius.

„Ich glaube, dass Praott bekommen hat, was er verdient", erwiderte James.

„Ja, aber er ist ein bisschen verrückt. Er bricht sich den Knöchel und am nächsten Tag bricht er aus. Selbst mit den besten Zaubertränken muss sein Knöchel noch immer weh tun", meinte Remus.

„Vielleicht, aber jetzt weiß ich, was passiert, wenn ich den Krankenflügel einmal zu früh verlassen will", entgegnete James.

Harry hatte also das Glück, im Krankenflügel den kompletten Sonntag eingesperrt zu sein, ebenso wie die Nacht auf den Montag. Madam Pomfrey ließ ihn erst zum Unterricht wieder frei.

Die Stunden vergingen langsam, das erste Halbjahr war nun fast geschafft. Nach dem Ball würde nur noch eine kleine Woche übrig bleiben vor den Ferien – und alle hatten Ferien wirklich nötig.

Der lang ersehnte Samstag kam schließlich und die Feier stand kurz bevor.

James ging mit Galatée auf den Ball. Letztere war als Begleitung akzeptiert worden. Sirius hatte Anne eingeladen, Remus dagegen hatte viele Schwierigkeiten gehabt, Gabrielle zu fragen, doch diese war sehr glücklich gewesen, als er es endlich hinter sich gebracht hatte.

Im Schlafsaal der Jungen redete man über die Mädchen:

„Na, Jungs, habt ihr eure Mädels alle schon gefragt?", wollte Sirius wissen.

„Ja, ich weiß, mit wem ich hingehen werde", meinte James grinsend.

„Ich auch", seufzte Remus.

„Ich auch", antwortete Peter mit einem Lächeln auf dem Gesicht.

„Bei mir ist's geklärt", sagte Alec sehr zufrieden mit sich selbst.

„Bei mir war's eine lange Geschichte", begann Nicolas.

„Erzähl schon", forderte Sirius. „Wir haben noch Zeit, bevor der Ball beginnt."

„Nun ja, ich gehe mit Sophie hin. Das war alles nicht so einfach", erwiderte Nicolas, als er sich an diesen bestimmten Abend erinnerte.

FLASH-BACK

Nicolas war alleine in einem Korridor. Er kam gerade von Sophie, die mit Freuden seine Einladung zum Ball angenommen hatte, als plötzlich Herry vor ihm auftauchte.

„Wir amüsieren uns also mit den Mädchen? Sie sind nichts weiter als ein Spiel, das nur du gewinnen kannst, was? Schämst du dich gar nicht? Weißt du, ich dachte wirklich, dass du… wie soll ich sagen… ein Gryffindor wärst. Ich bin wirklich enttäuscht von den Gryffindors. Die Slytherins sind wirklich besser als ihr."

„Du redest sicherlich von den zukünftigen Todessern? Wie du zum Beispiel!"

„Nein, ich rede nicht von ihnen. Ich rede von meiner lieben Freundin. Man greift meine Freunde niemals an, vor allem nicht Sophie."

„Hör schon auf, man könnte meinen, du liebst sie."

„Und? Wenn das der Fall wäre! Du solltest wissen, Nicolas, dass ich, wenn ich sie mit gebrochenem Herzen vorfinde, dir eines verspreche: Du wirst das nicht überleben. Hast du mich verstanden? Sie liebt dich, das weiß ich und das sieht wohl jeder. Tu ihr nicht weh!"

„Und wenn ich sie nicht liebe, was dann? Verdammte Scheiße, das war doch nur eine Wette, keine Kriegserklärung!"

„Wie du meinst. Es war nur eine Wette. Dann werde ich mit dir eine machen: Ich wette mit dir, dass man dich, wenn du ihr das Herz brichst, oder ihr sonst irgendwie weh tust, in der Großen Halle an eine Mauer gefesselt wieder finden wird – und zwar in deiner Unterhose. Verstanden!"

„Das war ziemlich klar", erwiderte Nicolas, der auf einmal viel weniger selbstsicher wirkte.

„Dann sind wir uns also einig. Es gibt doch nichts Besseres, um eine Wette zu besiegeln, als ein Händedruck, meinst du nicht?"

Die beiden Jungen schüttelten sich also die Hände und Herry ging Richtung Kerker davon.

ENDE FLASH-BACK

„Wow!", sagte Sirius nach einer kurzen bewundernden Stille. „Weißt du was, du solltest es nicht auf die leichte Schulter nehmen, was er zu dir sagt. Er hat Malfoy gegen eine Mauer geschickt, das hättest du sehen sollen, war köstlich! Aber ich hätte nicht mit ihm tauschen wollen."

„Ehrlich? Er hat Malfoy angegriffen?", hakte Alec ungläubig nach.

„Nein", warf Remus ein. „Malfoy hat ihn angegriffen, Praott hat sich lediglich verteidigt."

„Was nichts an dem Ergebnis ändert: Malfoy ist durch die Luft gesegelt", grinste James.


Im Schlafsaal der Mädchen wurde natürlich fleißig über die Jungen getratscht, doch selbstverständlich auch über Kleidung und Outfit:
„Lily, wie kriegst du deine Haare nur immer so schön gelockt hin?", wollte Aline wissen, die kurz vor einem Nervenzusammenbruch stand.

„Warte, ich komm schon. Fraudis. So, du siehst bezaubernd aus."

„Vielen Dank, Lily! - Aber bist du immer noch nicht fertig?"

„Ich wollte gerade unter die Dusche springen, Madam", lachte Lily.

„Dann mal los", erwiderte Gabrielle, die bereits fertig war.

„Wow! Gab, du siehst toll aus!", rief Aline bewundernd aus.

Gabrielle hatte für ihre Robe einen bezaubernden Grünton gewählt. Sie war nur leicht geschminkt, was ihre natürliche Schönheit noch unterstrich. Ihre langen blonden Haare hatte sie leicht hochgesteckt, doch ein paar Strähnen herausgezupft, was ihr zweifelsohne sehr gut stand.

„Okay, Jeanne, komm du auch endlich raus aus dem Bad", rief Gabrielle nun. „Ich weiß, dass du auch schon fertig bist!"

„Schon gut, schon gut, ich bin ja schon da. Also? Kann ich so gehen oder soll ich gleich wieder zurück ins Bad gehen, um mir was anderes anzuziehen?"

„Nein, bleib so, das ist perfekt", meinte Lily.

Jeanne trug einen rot-goldenen Festumhang – die Farben Gryffindors!

„So, Lily, das Bad gehört dir", meinte Anne, die gerade das Badezimmer verließ.

„Du solltest dich lieber auch mal fertig machen", lachte Lily. Anne war noch immer in Unterwäsche. „Aber ich glaube, wenn du so hingehst, dann wird das Sirius auch nichts ausmachen."

„Beeil dich, bevor ich...", drohte Anne Lily und warf einen rumliegenden Hausschuh nach ihr, der jedoch an der Tür zum Bad abprallte, in das sich Lily schnell kichernd zurückgezogen hatte.

„So, Aline, bist du bald fertig?"

„Ja, jetzt, wo meine Frisur passt, muss ich mich nur noch schminken."

Etwa zehn Minuten später kam Lily aus dem Bad mit einer hübschen grünen Robe, die wunderbar zu ihren Augen passte. Jetzt fehlte nur noch die Frisur und die Schminke...

Eine weitere halbe Stunde später waren alle Mädchen schließlich fertig und es war auch höchste Zeit. Die Türflügel zur Großen Halle sollten sich um Punkt 19:00 öffnen und es war bereits fünf vor. Es war also Zeit, hinunterzugehen.

Anne und Gabrielle kamen als erstes im Gemeinschaftsraum an, wo die Jungen bereits auf sie warteten. Sirius klappte der Mund bei Annes Anblick leicht auf, Remus lief dunkelrot an, als er Gabrielle erblickte.

„Wow, Gabrielle... du bist... wunderhübsch!"

„Du auch", erwiderte sie, wobei sie ebenso rot wurde.

„Ähm... Anne... du bist... ein Mädchen!", rief Sirius aus, was die meisten Jungen im Gemeinschaftsraum zum Lachen brachte.

„Wenn du mir so kommst, dann geh ich gleich wieder hoch", erwiderte diese, wobei sie so tat, als würde sie sich schon wieder umdrehen wollen.

„NEIN! Ähm..." Sirius fing sich schnell wieder. „Nein, ich stand nur unter dem Charme einer Göttin."

„Da hast du dich aber gerade noch einmal gefangen, was", grinste Anne.

Die zwei Paare verließen, ebenso wie James und Peter, den Gemeinschaftsraum und trafen auf...

„Praott! Was machst du hier?", fuhr James ihn an.

„Ich warte auf meine Begleitung", erwiderte er, genau in dem Moment, da das Porträt der fetten Dame sich abermals öffnete und Lily erschien.

Harry sog scharf die Luft ein, ebenso wie James...

„Stimmt irgendetwas nicht, Herry?", fragte Lily besorgt.

„Nein, nichts, es ist nur... du bist wirklich hübsch, Lily, ich glaube, einen Engel zu sehen."

„Das ist wirklich nett, dass du das sagst", erwiderte Lily, woraufhin sie ihn auf die Wange küsste.

James entfernte sich von der Gruppe und ging nach draußen, wo ihn die bezaubernde Galatée erwartete.

„WOW, Galatée – bist du das!" James starrte das Mädchen mit weit aufgerissenen Augen an. „Du siehst hübsch aus!"

„Danke schön, aber ich nehme an, dass ich in deinen Augen nicht so hübsch bin wie Lily, was?", erwiderte sie mit einem leichten Grinsen.

„Das ist nicht dasselbe", verteidigte sich James, was Galatée zum Schmunzeln brachte.

Galatées dunkelblaue Robe erinnerte an die Wellen, aus denen sie kam. Sie hatte ihre Haare mit einer Perlenkette zusammengehalten.

James begleitete Galatée vor die Große Halle, um sie den anderen Rumtreibern vorzustellen.

Sirius blieb beim Anblick dieser neuen Schönheit einen Moment lang der Atem weg. Remus dagegen interessierte sich nicht weiter für sie – seine ganze Aufmerksamkeit galt Gabrielle –, während die meisten anderen Jungen sich zu Galatée umdrehten und sie mit offenen Mündern bestaunten.

„Also", flüsterte Galatée in James' Ohr. „Wo ist sie?"

„Siehst du das hübsche Mädchen da drüben in dem grünen Umhang, neben dem Jungen mit dem blau-grünen Festumhang?"

Galatée nickte.

„Nun ja, das ist Lily."

„Du hast einen sehr guten Geschmack, James, aber dieser Junge ist... auch sehr hübsch."

„Findest du?"

„Natürlich, aber... hey, das ist seltsam..."

„Was?", wollte James etwas lauter wissen.

„Nichts, ich werde Dumbledore danach fragen."

„Alles klar bei euch? Wir stören euch hoffentlich nicht zu sehr", unterbrach sie plötzlich Sirius' Stimme.

„Aber nein, Sirius, ihr doch nicht", erwiderte James.

Die Torflügel öffneten sich endlich und zum Vorschein kamen viele kleine Tische für zwei bis vier Personen.

James ließ sich zusammen mit Galatée nieder, Sirius mit Anne und Remus mit Gabrielle.

Sobald alle Paare einen Platz gefunden hatten, konnte das Dinner beginnen.

Die Große Halle war natürlich zu dem Anlass festlich geschmückt worden. Kürbisse standen auf den Tischen und Kerzen, die normalerweise in der Halle schwebten, standen nun in den Kürbissen und erleuchteten diese, was der Halle eine ganz besondere Atmosphäre verlieh.

Während des Essens redete Harry mit Lily über die Ferien, die sie zusammen verbringen würden und Harry beschloss schließlich, damit herauszurücken, was er wirklich dachte.

„Lily, weißt du, ich mag dich wirklich sehr..."

„Herry, was versuchst du mir zu sagen?", fragte diese gleich frei heraus, jedoch auch ein wenig besorgt.

„Nur, dass ich dich mag, Lily."

„Herry? Du..."

„Und zwar wie ein Bruder seine Schwester liebt", unterbrach er sie.

„Oh, ist das wirklich das, was du denkst?", hakte sie den Tränen nahe nach.

„Ja", erwiderte er ein wenig baff.

„Ich hatte so Angst, dass du anders empfindest. Ich fühle genau dasselbe für dich, Herry!"

„Uff, das erleichtert mich wirklich sehr! Ich wollte nur nicht, dass es Missverständnisse zwischen uns gibt, vor allem, wenn wir unsere Ferien zusammen verbringen."

Lily umarmte Herry und lächelte ihn breit an, was vielen Mädchen missfiel. Narzissa jedoch grinste nur in sich hinein.

Der Ball begann schließlich und Harry fühlte sich nicht mehr so gut: Er konnte nicht tanzen!

„Lily, ein letztes Geständnis."

„Was?"

„Ich kann absolut nicht tanzen!"

Lily brach in Lachen aus und führte Harry dann auf die Tanzfläche, um mit ihm einen Rock zu tanzen. Harry trat Lily mindestens vier oder fünf Mal auf die Füße, doch sie lachte und schien sich nichtsdestotrotz prächtig zu amüsieren.

Nach ein paar Tänzen kapitulierte Lily jedoch schließlich und sie setzten sich wieder an ihren Tisch. Harry sah, wie sich Galatée ihm näherte. Kurz darauf forderte sie ihn zum Tanzen auf.

Er warf Lily einen fragenden Blick zu, woraufhin diese ihn anlächelte und ihn regelrecht in Galatées Arme schubste.

„Ich muss Sie vorwarnen, ich kann absolut nicht tanzen."

„Du kannst mich schon dutzen, weißt du!"

„Man kann Nereiden dutzen?"

„Du kennst mich also?"

„Natürlich. Ich habe viel über die Geschichte Hogwarts' gelesen."

„Ich dagegen bin sehr erstaunt, was macht jemand wie du hier?"

„Was willst du damit sagen?", hakte Harry noch immer tanzend nach.

„Was machst du, genauer gesagt, in dieser Zeit?"

„Ähm... woher weißt du das?"

„Ich bin immerhin eine Göttin."

„Eine Mission, mehr kann ich dir nicht sagen."

„Das ist nicht schlimm, ich bin auch auf einer Mission hier, stell dir vor."

„Ah, okay." Diese Galatée verwirrte Harry immer mehr.

„Ich soll dich ablenken, während James Lily zum tanzen einlädt", fuhr sie auf Harrys verwirrten Blick hin in ernstem Ton fort.

Zur Überraschung der Nereide, brach Harry in Lachen aus.

„Er wird sich an ihr nur wieder verbrennen, weißt du!"

„Ich weiß. Aber ich weiß auch, dass du keine Gefahr für ihn darstellst, jedenfalls, wenn es darum geht, Lily zu haben."

„Da hast du richtig geraten. Lily ist für mich eher wie eine Schwester, ich beschütze sie so gut es geht."

„Du hast ein großes Herz für einen Menschen. Kein Wunder, dass die Einhörner dich akzeptieren. Ich respektiere dich selbst auch sehr."

„Ich weiß nicht, was ich gemacht habe, um diese Ehre zu verdienen, aber ich freue mich."

Nach ein paar weiteren Tänzen setzten sie sich wieder an den Tisch, wo Lily immer noch saß. Letztere schien äußerst erzürnt.

„Was ist los, Lily?", wollte Harry sofort besorgt wissen.

„Ach, es ist nur mal wieder Potter, der sich für was Besseres hält und der denkt, dass ich mit ihm tanzen würde. Aber ich will diesen Abend nicht damit zubringen, an ihn zu denken."

Der Ball verlief wirklich gut. Abgesehen von dem Moment, da Peter die ganze Halle zum Lachen brachte.

Er hatte sich mit seinen Füßen dermaßen in seinem blassgelben Umhang verheddert, dass es ihn mitten auf der Tanzfläche hingeschmissen hatte.

James hatte ihm lachend aufgeholfen, während Peter tief rot angelaufen war.

Remus tanzte derweil mit Gabrielle und beide schienen überaus glücklich.

Als der Abend sich langsam dem Ende neigte, tanzen die beiden einen langsamen Tanz, alle beide leicht ineinander verschlungen. Remus hielt die zarte Gestalt des Mädchens, das er liebte, an sich gedrückt und Gabrielle versuchte, sich an Remus zu schmiegen, damit er bloß nicht auf die Idee kam, sie loszulassen.

Plötzlich hielt Remus es nicht länger aus und er näherte sich Gabrielles Ohr: „Ich liebe dich, Gabrielle."

Das Mädchen hob den Kopf und sah Remus in die Augen. Sie sah darin nichts als Aufrichtigkeit.

„Ich... ich... oh, Remus, ich..."

„Das ist nicht schlimm, wenn das nicht auf Gegenseitigkeit beruht, ich verstehe, ehrlich..."

„Ich liebe dich, Remus!", rief sie auf einmal aus.

Remus sah sie einen Augenblick lang an, dann beugte er sich zu ihr hinunter und ihre Lippen berührten sich sacht. Es war ein zarter Kuss, doch er bedeutete ihnen beiden so viel.

Remus war wie im siebten Himmel, ebenso wie Gabrielle.


Bei Sirius verlief es derzeit nicht so gut. Er war schon immer eher der Machotyp gewesen und das kam ihm nun teuer zu stehen. Anne hatte eine seiner Bemerkungen über die Mädchen nicht sehr gut aufgenommen und hatte ihm mitten auf der Tanzfläche eine gescheuert.
Was James anbelangte, der hatte mit Galatée getanzt, was wirklich ein Vergnügen gewesen war, doch als er Herry mit Lily lachen gesehen hatte, war ihm seine gute Laune abhanden gekommen.

Als Harry mit Galatée tanzen gegangen war, hatte er Lily aufgefordert, doch einmal mehr hatte er sich falsch verhalten, indem er Praott kritisiert hatte, sodass auch sie ihm eine Ohrfeige gegeben hatte.

Er hatte langsam genug! Wie hatte Praott es nur geschafft, Lily in so kurzer Zeit für sich zu gewinnen! Sollte er sich etwa dazu herablassen und ihn fragen gehen?

Nein, das würde er niemals wagen. Dennoch liebte er sie doch so sehr! Vielleicht könnte Harry ihm ja tatsächlich weiterhelfen?


Lily und Harry tanzten gerade einen langsamen Walzer, als Harry sah, wie Sophie auf ihn zugerannt kam und sich weinend in seine Arme warf.

Instinktiv fixierte er Nicolas mit seinem kühlen, berechnenden Blick, mit dem er bereits James erfolgreich eingeschüchtert hatte. Nicolas wurde bleich und Sirius, der neben ihm stand, flüsterte ihm ins Ohr: „Ich glaube, dieses Mal bist du wirklich fällig, Kumpel..."

tbc...