Die Tür des Lofts schloss sich mit einem sanften Schlag und Martha hob die Augen vom Skript, welches sie gerade las. Es war erst elf und sie hatte erwartet, dass ihr Sohn später nach Hause kommen würde, als zu dieser Uhrzeit.
Doch hier war er, seinen Mantel abstreifend, während er auf sie zukam, sein Gesicht müde, seine Schultern herunterhängend. Das genaue Abbild von Niedergeschlagenheit.
„Nun, Liebling. Es sieht so aus, als wäre die Nacht nicht genau in deinem Sinne verlaufen."
Er stieß einen tiefen Seufzer aus und plumpste auf den Stuhl neben ihr, eine Hand halb über sein Gesicht gelegt.
„Nicht ganz, nein."
„Aber, aber, Richard. Was ist passiert? Hat das Mädchen versucht, eines deiner Bücher zu lesen und gemerkt, dass du nicht Shakespeare bist?"
„Oh, sehr lustig, Mutter", sagte er, seine Augen zusammenkneifend, aber Martha konnte eine echte Enttäuschung in seiner Stimme hören, die sie faszinierte. „Nein, um ehrlich zu sein", fuhr er fort, mit einer seltsamen Mischung aus Triumph und Herzschmerz. „Sie liebt meine Bücher."
Hm. Das war interessant.
„Nun, was ist dann schiefgegangen?", fragte die Schauspielerin, ihren Ton leicht haltend und so gleichgültig wie möglich. „Es schien, als wäre sie perfekt für dich."
Ihr Sohn schnaubte, aber seine blauen Augen verloren ihren Fokus, sein Mund verzog sich zu einem kleinen, wehmütigen Lächeln. Wer auch immer diese mysteriöse Frau war, er schien wirklich auf sie abzufahren.
Martha fühlte sich bei diesem Gedanken zu gleichen Teilen begeistert und skeptisch. Richard hatte in der Vergangenheit eher schlecht für sich gewählt.
Sie hatte keine Ahnung, von wem er diesen schrecklichen Geschmack hatte.
„Sie ist ein bisschen...", murmelte er, mehr zu sich selbst als zu ihr. „Nicht perfekt, aber..." Seine Stimme verstummte, sein Gesicht nachdenklich, Dinge erkennend, die sie nicht sehen konnte. Dann schüttelte er den Kopf.
„Ich weiß nicht, Mutter." Er drückte sich seine Handballen in die Augen und stöhnte. Aber es gab keine Möglichkeit, dass Martha das jetzt auf sich beruhen lassen würde.
„Du magst sie", bemerkte sie, ihre Lippen zu einem Lächeln hochgezogen. „Gib es zu, Kiddo."
Er stützte die Ellbogen auf die Kücheninsel, nahm einen langen Atemzug, bevor er sie unsicher anblickte. „Das tue ich. Das tue ich wirklich."
„Oh, deshalb musst du aber nicht so elend aussehen, Richard. Komm. Das ist eine gute Sache! Sag mir, Prinzessin, also wann hast du zuletzt dein Herz entscheiden lassen?", sang sie mit einem vielsagenden Blick.
Das entlockte ihm dann doch endlich ein Lachen.
„Aladdin, wirklich?"
„Manchmal muss man über Broadway-Musicals hinausgehen, um genau den richtigen Song zu finden, Liebling. Außerdem ist Aladdin ein brillanter Film. Einfach gute Musik, clevere Texte-"
„Du weißt, dass du mir das nicht sagen musst, nicht wahr?"
Sie lächelte wissend. „Und du weißt, dass du dich so nicht aus dieser Sache herausreden kannst."
Seine Mundwinkel fielen herunter, aber es war nicht die dramatische Entmutigung von vorhin, eher eine ernstere, verhaltene Sorge.
„Sie hat... Probleme, Mutter."
„So wie du", schoss Martha zurück und hob eine Augenbraue.
Er schnaubte lachend. „Ja. Vermutlich."
„Also, was hält dich wirklich zurück?", fragte sie, weil sie ihren Sohn kannte. Es musste mehr sein als nur „Probleme".
Er rutschte vom Stuhl und für eine Sekunde fragte sich die Schauspielerin, ob das seine Art war, das Ende ihres Gesprächs zu signalisieren, aber er ging nur zu einem Schrank, nahm zwei Gläser heraus und griff unter der Spüle nach einer Flasche Scotch.
Er schenkte ihnen eine kleine Menge ein und legte seine Finger um eines der Gläser.
„Nichts ist besser als Scotch, um seine Sorgen zu ertränken, nicht wahr", kommentierte sie, während sie einen Schluck von ihrem eigenen Drink nahm.
Er lachte trocken. „Darauf trinke ich", sagte er und stieß ihre Gläser zusammen, bevor er seinen Drink herunterkippte.
Martha schaute ihn einen Moment still an. Man konnte ihn nicht weiter drängen, den Rest musste er selbst tun, die bewusste Entscheidung machen, um sich mitzuteilen. Sie hatte das vor langer Zeit gelernt.
Ihr Sohn konnte sehr störrisch sein.
„Sie ist jung", gestand er leise nach einer Weile. „Sie ist... sehr jung."
„Wie jung?"
Er drehte das Glas in seinen Händen. „Vierundzwanzig."
Sie ließ die Informationen einsinken, prüfte ihre möglichen Folgen. Vierundzwanzig war jung, sicher, aber es war auch kein unüberbrückbarer Unterschied - je nach den Personen, die auf beiden Seiten davon standen.
„Und?"
Seine blauen Augen hoben sich ein wenig erschrocken, um ihre zu treffen. „Ist das nicht genug?"
„Genug, um dich vielleicht zweifeln zu lassen", antwortete seine Mutter. „Nicht genug, um dich zu stoppen. Oder liege ich da falsch?"
Er spitzte die Lippen, setzte das Glas ab. „Sie ist - in der Mitte von etwas."
„Du meinst, sie hat einen Freund?"
„Nein!" Er sah sie empört an. „Mutter. Das würde ich nicht tun."
Martha hob die Hände, gleichzeitig als Kapitulation und Entschuldigung. „Es tut mir leid. Es ist nur - was diese Worte in mir hervorgerufen haben. Ich hätte es besser wissen müssen."
Er stieß einen kehligen, verzeihenden Ton aus. „Sie hat nur einige persönliche Sachen zu erledigen und sie hat... sehr deutlich gemacht, dass sie nicht will, dass ich darin verwickelt werde."
„Willst du denn darin verwickelt werden?"
Er zuckte mit den Schultern, etwas von diesem kindlichen, schmollenden Blick kam zurück auf sein Gesicht.
Die Schauspielerin betrachtete ihn. „Wie ist sie so?", fragte sie schließlich neugierig.
Ihr Sohn lächelte, erst zögernd, aber dann mehr und mehr aufrichtiger, während er sprach. „Sie ist... klug. Und sexy. Sie kann auch wirklich lustig sein - du würdest sie mögen. Sie hat einen sehr trockenen Sinn für Humor." Er legte seinen Kopf zurück, nachdenklich dreinblickend. „Sie ist sehr zurückhaltend, aber gleichzeitig ist da - eine Unschuld, eine Offenheit, wenn man sie unvorbereitet erwischt. Es ist schön, wirklich. Sie ist schön."
Nun. Martha presste die Lippen zusammen und musste die überraschend aufkommenden Emotionen herunterschlucken.
„Richard", sagte sie und versuchte, einfühlsam zu sein, wissend, dass sie genauso atemlos klang, wie sie sich fühlte. „Bist du in sie verliebt?"
Er warf ihr ein Blick zu, wie ein ertappter kleiner Junge, den sie schon seit vielen Jahren nicht mehr gesehen hatte - vielleicht nicht mehr, seit er ihr gesagt hatte, dass Meredith schwanger ist.
„Ich weiß es nicht, Mutter", sagte er leise und selbst das war Geständnis genug.
Lanie Parish rührte ihren Cocktail mit dem dazugehörigen bunten Strohhalm, beobachtete den Strudel aus orange-roter Flüssigkeit. Sie hatte einen Sex On The Beach bestellt - wahrscheinlich die einzige Art, wie sie diese Woche welchen bekommen würde - und sie stieß einen kleinen Seufzer aus, als sie aufsah, ihre Augen auf den Eingang der Bar richtete. Immer noch kein Zeichen von ihrer Freundin.
Es war gar nicht Becketts Art, zu spät zu kommen.
Sie nahm einen Schluck von ihrem Drink und schloss die Augen vor Vergnügen, der süße Fruchtgeschmack überdeckte für einen Moment den scharfen Geschmack des Alkohols auf ihrer Zunge.
Perfekt.
„Entschuldige die Verspätung", sagte eine vertraute Stimme und Lanie öffnete ihre Augen, um zu sehen, wie Kate Beckett sich auf die gegenüberliegende Sitzbank schob, ihre Augen müde, ihr Haar zerzaust.
„Langer Tag?"
„Ja. Montgomery erwischte mich noch, als ich gerade gehen wollte, um mein Bewerbung zum Detective zu diskutieren. Ugh. Ich will gar nicht darüber reden."
Ihre Freundin nickte verständnisvoll. „Was willst du trinken?"
Kate biss sich auf die Lippe, nahm die Cocktailkarte und warf einen Blick auf das Glas, das bereits auf dem Tisch stand. „Was trinkst du?"
„Sex On The Beach, Baby. Fühl dich frei, das Gleiche zu bestellen, wenn du es genauso nötig brauchst wie ich."
Kate blieb verdächtig still, ihre Augen wanderten zurück zu der Liste mit den Getränken, ohne auch nur den geringsten Kommentar, und Lanie neigte ihren Kopf, plötzlich interessiert.
„Gibt es da etwas, was du mir nicht erzählst, Freundin?"
Jawohl, das leichte Zusammenpressen ihrer Lippen war das Beckett-Äquivalent zum Erröten. Lanie wusste das.
Gut, gut, gut.
„Ehrlich gesagt, wenn du es kriegst und mich nichts davon wissen lässt, bist du nicht der Freund, von dem ich dachte, dass du es wärst, Kate Beckett. Hast du eine Ahnung, wie lange es her ist, seit ich es das letzte Mal geschafft habe, einen Kerl mit nach Hause zu nehmen? Wenn sie nicht von dem Geruch abgestoßen sind, verstehen sie nicht, warum ich diesen Job überhaupt machen möchte, und wenn ich versuche, es nicht zu erwähnen-"
„Lanie. Es ist vorbei, okay?" Kate unterbrach sie mit einem widerwilligen Gesicht. „Es ist - es war nichts. Sonst hätte ich es dir erzählt."
„Oh, Honey, komm mir nicht damit. Als ob du mir jemals etwas freiwillig erzählen würdest. Aber es ist schon okay, weißt du. Es macht mir nichts aus, dass ich Informationen aus dir herauspressen muss. Also, ich bestelle dir zuerst einen Drink, aber ich sage dir, Beckett: Danach ist es Zeit, sich mitzuteilen. Mach dich bereit."
Lanie konnte einen Blick auf ein Lächeln ihrer Freundin erhaschen, als sie aus der Bank rutschte, und spürte, wie sich die Wärme des Stolzes in ihrer Brust ausbreitete. Kate Beckett lachte nicht annähernd genug, für den Geschmack der jungen Gerichtsmedizinerin.
Oh, das Mädchen wusste, wie man richtig Party machte. Lanie hatte gesehen, wie sie tanzte und flirtete, wie die Männer Kates Beine und ihre rauchigen Augen anschmachteten - aber die Gelegenheiten waren zu dünn gesät und Beckett war immer so ernst bei allem, ihrem Leben, dem Job.
Es tat Lanie weh, zu sehen, wie der Tod ihrer Mutter die Jugend aus ihrer Freundin gesaugt hatte. Nicht, dass sie Kate Beckett gekannt hatte, bevor sie anfing auf dem 12. zu arbeiten, nein, aber dennoch - die Gerichtsmedizinerin wusste es.
Die seltenen Male, wenn Kate sich erlaubte, sich gehen zu lassen, lockerten diese eiserne Kontrolle etwas. Lanie konnte sehen, dass Kate eine Menge mehr war, als der hartnäckige Cop, der auf dem Revier blieb, nachdem alle anderen schon gegangen waren, und sich jeden Tag mit Arbeit zermürbte.
Und sie wünschte, dass sie nicht die einzige war, die hinter den Beckett-Panzer sehen durfte.
Lanie kehrte wenige Augenblicke später mit einem Screwdriver zurück. Kate hatte einmal erwähnt, dass sie eher eine Vorliebe für Wodka hatte, und offensichtlich war die Information abgespeichert worden. Sie lächelte und dankte ihrer Freundin, die Flüssigkeit schwappte ein wenig, als ihre Finger sich um das Glas schlossen.
Lanie setzte sich wieder, hob ihr Glas und eine Augenbraue. „Auf starke, unabhängige Frauen", toastete sie.
Kate schmunzelte. „Auf uns."
Sie nahm einen Schluck vom Cocktail, ließ ihn langsam die Kehle herunterrollen, wohl wissend, dass dies ihr letzter Moment der Ruhe war.
Und in der Tat-
„So, unser geheimnisvoller Mann", begann Lanie mit neugierigem Blick. „Wo bist du ihm begegnet?"
Ha. Interessante Frage.
„In einem schäbigen Club", antwortete Kate wahrheitsgemäß, nur um das Gesicht ihrer Freundin zu sehen. „Wo ich undercover gearbeitet habe."
Lanie sah mehr als ein wenig skeptisch aus. „Mädchen, ich mag diese Geschichte jetzt schon nicht."
Beckett stieß ein kurzes Lachen aus. „Mach dir keine Sorgen. Er ist nicht - er ist ein Schriftsteller. Er war nur dort zu... Forschungszwecken."
„Oh, Honey. Sag mir nicht, du hast ihm diese Entschuldigung abgekauft."
„Na ja, doch. Da es in der Tat so ist, dass ich alle seine Bücher habe-"
Lanie verschluckte sich an ihrem Drink. „Du hast was? Moment mal. Kenne ich den Typ?"
Kate musste lächeln. „Das könnte sein. Es könnte auch sein, dass du gesagt hast, er hätte ein Talent für die Details des Todes-"
„Heilige- du schläfst mit Richard Castle?!" Lanies Stimme erhob sich so weit, dass sie die Aufmerksamkeit der Leute um sie herum erregte. Kate warf ihr einen Blick zu.
„Und ich würde das gerne unter uns behalten", mahnte sie in ruhigem Ton, fühlend, wie sie errötete.
Lanie starrte sie für einen Moment an, ihren Kopf schüttelnd. „Du willst mich doch verarschen."
„Warum?" Kate schlang ihre Hand um ihr Glas. „Kannst wohl nicht glauben, dass ein Kerl wie er sich in jemanden wie mich vergucken könnte?"
„Oh, Honey, bitte. Jeder normale, gesunde Mann würde auf deinen mageren Hintern stehen. Ich kann einfach nicht glauben, dass du es mit-", sie senkte ihre Stimme „-Richard Castle getan hast, und du es nicht für angebracht hältst, mir das zu erzählen."
Beckett schlug die Augen nieder, mit den Achseln zuckend. „Es ist irgendwie... einfach passiert."
„Irgendwie einfach passiert? Kate."
Was sollte sie sonst sagen? Es war der Todestag meiner Mutter und ich brauchte eine Ablenkung?
„O-kay", sagte Lanie angesichts ihres Schweigens. „Und. Wie war es?"
Kate schaute überrascht wieder hoch. „Was?"
„Wie war der-", ihre Freundin senkte absichtlich wieder ihre Stimme, „-Sex? Komm, Freundin, du musst mir hier schon etwas geben. Du kannst nicht einfach sagen, dass du mit Richard Castle geschlafen hast und mich dann hängenlassen. Richard Castle! Ist er nicht dein Lieblingsautor oder so?"
Ja. Beckett seufzte nachgebend. „Es war... gut. Wirklich gut."
Lanie verdrehte die Augen. „Könntest du vielleicht noch weniger spezifisch sein?"
„Nun, was willst du wissen, Lanie?", flüsterte Kate genervt. „Dass seine Hände so talentiert sind, dass ich nicht möchte, dass er sie jemals von mir nimmt? Dass sein Mund - eine neuartige Waffe ist? Dass es der beste Sex war, den ich je hatte?"
Lanie grinste bis über beide Ohren. „So in der Art, ja."
Großartig. Jetzt brannten Becketts Wangen. „Ja, gut. Es war so."
„Warum sprechen wir hier in der Vergangenheitsform? Es scheint mir, als solltest du diesen Kerl festhalten", sagte ihre Freundin mit einem eleganten Anheben ihrer Augenbraue.
Kate nahm einen langen Schluck von ihrem Cocktail, ließ den Wodka seine angenehme Wärme in ihrem Körper ausbreiten.
„Es ist nicht... so. Ich meine, ja, er ist lustig und...", sie legte ihre Stirn in Falten, versuchte, die richtigen Worte zu finden, „ist irgendwie liebenswert - auf seine eigene Art - aber er ist älter, Lanie, und er hat ein Kind, und er ist... in einer anderen Position, als ich es gerade bin."
„Willst du mir sagen, dass es ein Fehler war, Mädchen?"
Ein Fehler? Sie erinnerte sich an die bewundernden Berührungen von Castles Fingern, den heißen Blick in seinen Augen, und schüttelte fest den Kopf. „Nein, kein Fehler. Nur - nichts von Dauer."
Ihre Freundin sah sie durchdringend an und spitzte ihre Lippen zu einem Lächeln.
„So, wie lange hat es denn genau gedauert?"
Verdammte Lanie und ihre allzu genauen Fragen.
„Ich weiß nicht", log Beckett.
„Kate Beckett."
Mist. Lanie würde sie nicht davonkommen lassen, egal, was sie sagte.
„Zwei Wochen", murmelte Kate widerwillig. Es schien so lächerlich kurz - zwei Wochen - und doch ging es schon zu lange.
„Zwei Wochen", wiederholte Lanie, als ob sie die Worte in ihrem Mund kosten wollte. „Und wie oft habt ihr euch gesehen?"
Lanie hatte ihren Beruf verfehlt, sie wäre eine Wahnsinns-Polizistin geworden. „Fünfmal", gab Beckett leise zu. Es brachte nichts, jetzt zu stoppen.
Fünfmal. Sie konnte ihn unmöglich vermissen, oder?
Die Gerichtsmedizinerin brachte einen tiefen, nachdenklichen Ton hervor, der Kate auf die Nerven ging. „Was?"
„Fünfmal ist definitiv kein Fehler, Honey. Fünfmal ist - man kommt nicht ohne Grund zurück. Und du weißt, was es ist, ob du es zugeben willst oder nicht."
Ja - der Sex. Aber etwas hielt Beckett davon ab, das auszusprechen, Castle zu einem einfachen Werkzeug herabzusetzen. Er war mehr als das.
Aber sie konnte nicht-
„Ich habe keinen Platz für ihn in meinem Leben, Lanie", hörte sie sich sagen, die Wahrheit als ein Schild benutzend.
Ihre Freundin zuckte mit den Schultern. „Dann mach Platz."
„Es ist nicht so einfach-"
„Natürlich ist es das. Kate, hör mir zu." Lanie beugte sich vor, ihre dunklen Augen ernst und entschlossen. „Ich sage nicht, das du mit dem Typ eine Beziehung eingehen sollst - verdammt, ich kenne ihn ja nicht einmal. Aber wenn du ihn magst? Wenn er bewirkt, dass du etwas anderes fühlst? Dann ja, klar. Dann solltest du dich darauf einlassen."
„Ich kann nicht-"
„Nicht- bitte. Ich habe alle deine Ausreden gehört. Und ja, vielleicht ist es wahr, vielleicht bist du nicht bereit, vielleicht solltest du deine ganze Zeit dem Job widmen. Aber vielleicht auch nicht und du wirst es nie herausfinden, wenn du es nicht versuchst. Ich weiß, das Ding mit deiner Mutter verfolgt dich immer noch-"
Das Ding mit ihrer Mutter?
„Sie wurde ermordet, Lanie", spuckte Beckett aus, fühlte, wie es in ihrer Brust herumsprang, mit all den zerklüfteten Kanten, die nie wieder zusammenkommen würden. „Ermordet."
„Ich weiß das, Honey." Eine dunkelhäutige Hand griff sanft nach Kates und sie hatte nicht die Kraft, sie wegzustoßen, nicht, wenn Verständnis aus den Augen ihrer Freundin strömte. „Ich weiß. Aber bedeutet das, du wirst nie wieder ein Leben haben?"
A/N: Martha zitiert am Anfang des Kapitels eine Strophe vom Lied „A Whole new world" aus dem Film „Aladdin" und zwar: „Tell me, princess, now when did you last let your heart decide?"
Leider ist in der deutschen Fassung des Films der Song komplett anders. In der entsprechenden Zeile heißt es dort: „Niemals darfst du's vergessen denn im Herzen bist du frei."
Das passt hier irgendwie gar nicht und deshalb habe ich die Originalzeile einfach normal übersetzt.
Dies nur zur Info!
