Eine böse Nachricht
***
Draco klopfte an die Tür von McGonagalls Büro. Er wartete mit Hermine bis McGonagall sie hinein bat und trat ein. Ihr Büro war klein aber fein.
An beiden Seiten standen riesige Bücherregale. Der Tisch stand gegenüber am anderen Ende des Raumes. Über diesem befanden sich drei Gemälde mit verschiedenen Zauberern, die Hermine nicht kannte. Ein riesiger Kronleuchter hing an der Mitte der Decke und erhellte den kompletten Raum. Rechts war ein kleines Fenster, aus dem man hinunter auf den Übungsplatz zum Fliegen für Erstklässler sehen konnte.
Hermine und Draco erinnerten sich nur noch zu gut an ihre ersten Tag, an dem sie fliegen sollte. Draco hatte Neville seinen Erinner-Mich abgenommen, als er vom Dach fiel, weil sein Besen sozusagen mit ihm durchgegangen war.
Harry hatte Draco das Erinnere-Mich mit einer grandiosen Flugszene abgenommen. Direkt danach wurde Harry zum neuen Sucher, in Quidditch, für das Team Gryffindore ernannt.
McGonagall saß hinter dem Tisch.
„Miss Granger, was wollen Sie denn hier?"
„Ich wollte Draco begleiten."
Für McGonagall war es neu, dass Hermine Malfoy mit Draco ansprach. Außerdem war es ihr nicht bekannt, dass Hermine Malfoy je in irgendwelchen Situationen begleitet hatte.
„Ich muss Sie jedoch bitten, dass Büro wieder zu verlassen. Ich habe etwas mit Mr. Malfoy zu bereden, wo ich nicht möchte, dass Sie dabei sind. Er kann es Ihnen natürlich später erzählen, aber er muss es zuerst alleine erfahren."
„Natürlich, Professor!", sagte Hermine. Sie sah zu Draco. In seinen Augen erkannte sie Angst. Sie wusste, dass er nicht wollte, dass sie ging, aber beide konnten nichts dagegen tun. Sie versuchte ihm mit einem Lächeln Mut zu machen und ging.
„Bitte setzten Sie sich, Mr. Malfoy."
Draco tat wie ihm geheißen und wartete ungeduldig.
„Ihr Vater hat mir heute Morgen einen Brief geschickt, in dem er mich bat, Sie davon zu Unterrichten, dass er Sie vielleicht von der Schule nehmen wird."
Draco erschrak. Wie konnte sein Vater nur so etwas tun. All die Jahre hatte Draco gewollt, dass er auf eine andere Schule kommt und nie hatte sein Vater etwas getan und jetzt!?
Jetzt war er zum ersten Mal einigermaßen glücklich hier.
„Aber warum…?"
„Ihr Vater meint, dass Ihnen nicht genügend beigebracht wird. Oder, dass wir nicht in der Lage sind, etwas richtig zu erklären."
„Spinnt der!", sagte Draco laut.
„Mr. Malfoy ich bitte Sie, nicht so über Ihren Vater zu sprechen."
„Warum hat er denn Ihnen den Brief geschickt und nicht Professor Snape?"
„Ich bin die Konrektorin und kann Sie von der Schule nehmen, wenn ihr Vater es will. Professor Snape ist nicht befugt so etwas zu unternehmen.", erklärte sie.
„Und Professor Dumbledore?"
„Ich muss mit ihm natürlich darüber sprechen, aber wir können ihren Vater nicht verbieten Sie von Hogwarts zu nehmen.", sagte McGonagall.
„Also war jetzt alles um sonst? Die ganzen Nachhilfestunden und das lernen und…" Mitten im Satz brach er ab. McGonagall musste ja nicht alles erfahren.
„Nachhilfestunden?", fragte sie.
„Vergessen Sie es bitte!", sagte er schnell.
„Nun ja, ok, wenn Sie wollen könnte ich versuchen mit Ihren Vater darüber zu sprechen. Dass, wenn Sie die Prüfung bestehen, hier bleiben werden und wenn nicht… dann müssen Sie gehen."
„Wenn Sie versuchen mit Ihm darüber zu reden, wäre ich Ihnen wirklich dankbar. Aber trotzdem wird er das durchziehen, was ihm gefällt und nicht mir.", sagte Draco. Er klang traurig. Selbst ihm fiel das auf.
„Ich werde mit Ihrem Vater darüber sprechen. Dankeschön, Sie dürfen jetzt gehen."
Draco nickte. Ein Kloß machte sich in seinem Hals breit. Als er gerade an der Tür war, sagte McGonagall:
„Mr. Malfoy, wenn Sie Miss Granger sehen, wären Sie so nett und schicken Sie Sie zu mir."
„Natürlich."
Er öffnete die Tür und ging hinaus. Hermine saß auf der Fensterbank und starrte nach draußen. Sie hatte auf ihn gewartet. Draco schloss die Tür und hielt den Kopf gesenkt.
„Draco, was ist denn?", fragte Hermine.
Er schüttelte nur den Kopf und blieb stehen.
„Draco!"
„Du sollst zu Professor McGonagall.", sagte er schwach. Er hatte ein komisches Gefühl in der Magengegend.
Sie hörte den Kloß in seiner Stimme. Ihr war jetzt egal, ob sie zur Professorin sollte oder nicht. Hermine legte eine Hand unter Dracos Kinn und hob seinen Kopf vorsichtig an.
Ihm liefen die Tränen hinunter, als er sie ansah. Bei seinem Anblick war es Hermine auch zum Weinen und sie schüttelte den Kopf. In diesem Moment vergaß sie alles und legte ihre Arme um ihn. Er tat ihr so leid.
„Was hat sie gesagt?", fragte sie leise.
„Nicht so wichtig."
„Draco,…"
„Du sollst nach McGonagall!", sagte er erneut.
Sie nickte und ging. Bei McGonagalls „Herein" trat sie ein und ging auf den Tisch zu.
„Sie wollten mit mir sprechen Professor?"
„Ja, genau. Setzten Sie sich bitte!"
Hermine tat wie ihr geheißen und rutschte nervös hin und her. Was wollte McGonagall nur von ihr?
„Miss Granger ich wollte mich nach bestimmten Nachhilfestunden informieren. Mr. Malfoy erzählte etwas, was ich aber wieder vergessen sollte."
„Dann vergessen Sie es auch bitte. Ich möchte nichts preisgeben, was er nicht will.", sagte Hermine fest.
„Miss Granger, ich muss Sie bitten es mir zu erzählen."
„Ich kann nicht!"
„Sie geben ihm Nachhilfe, nicht?", sagte McGonagall.
„Nein,… doch. Aber er wollte nicht, dass irgendjemand davon erfährt."
„Bei mir ist es auch gut aufgehoben. Wie läuft es denn?"
„Es läuft gut. Ich hätte nicht gedacht das Draco mir so zuhört.", sagte Hermine. Fast begeistert.
„Und lernt er was? Also ich meine, beherrscht er schon einige Zauber mehr?", fragte die Professorin.
„Genauer genommen nur einen. Wir hatten aber bis her auch nur zweimal. Es ist wirklich nicht seine Schuld. Er lernt schnell und gut."
„Nun, dann muss in Ihrem Unterricht etwas sein, was er in meinem nicht findet."
„Oh Gott, Professor McGonagall, ich meinte damit nicht, dass ihr Unterricht schlecht ist, im Gegenteil, aber Draco braucht Geduld und Zeit um sich mit neuen Dingen anzufreunden. Ich denke bei mir ist es eben, dass er alleine ist und nicht in einer riesigen Klasse. Sie kümmern sich um fast dreißig, ich mich nur um einen. Das ist ein großer Unterschied. Ich verspreche Ihnen aber, wenn ich mit Draco fertig bin, erkennen Sie ihn nicht wieder!", erklärte Hermine schnell und war fast außer Atem, als sie endete.
„Nun Sie scheinen sich sehr sicher zu sein. Glauben Sie denn, dass es Mr. Malfoy wirklich schaffen wird?"
„Ja natürlich." Hermine nickte heftig mit dem Kopf.
„Warum sind Sie so sicher?"
„Draco will lernen. Er will die Prüfung bestehen. Das ist es, was mich so sicher macht. Das er von sich aus will und nicht, dass irgendjemand ihn dazu zwingt. Er macht sich wirklich Gedanken über die Prüfung!"
„Nun wenn das so ist. In Ordnung!"
Eine lange Pause trat ein. Hermine wusste nicht, ob sie fragen konnte, dass sie gehen darf. Sie traute es sich auch nicht. Auf der anderen Seite, war ihr die Stille, die sich verbreitet hatte, nicht geheuer. Also nahm sie ihren Mut zusammen und sie fragte:
„Professor, ist noch irgendetwas oder darf ich gehen?"
Die Professorin überlegte eine Zeit. Schließlich sagte sie:
„Nicht ganz. Es gibt noch etwas worüber ich mit Ihnen sprechen wollte."
„Klar, worum geht es denn?"
„Wissen Sie, es ist mir unangenehm Sie damit zu belästigen…"
„Kein Problem ich halte so einiges aus. Ich bin die beste Freundin von Harry Potter, da bin ich spontane Sachen ziemlich gewohnt."
„Als Sie gerade eben mit Mr. Malfoy in meinem Büro standen hat mich das, muss ich zu geben, ziemlich verwundert.", gab die Konrektorin zu.
„Das kann ich verstehen.", sagte Hermine mit einem Lächeln.
„Sie haben sich doch sonst wirklich gehasst!"
„Ja aber… Sagen wir mal so, durch die Nachhilfestunden, die ich ihm gebe, kommen wir schon zu recht."
„Das ist aber nicht nur die eine Tatsache. Der Blick den Sie ihm gerade eben zu geworfen haben, sah sehr freundschaftlich aus."
„Ja, wie schon gesagt, wir verstehen uns besser."
„So einen Blick habe ich aber nie bei Mr. Potter oder Mr. Weasley gesehen.", bohrte McGonagall weiter.
„Was soll das denn heißen?", fragte Hermine fast empört.
„Sind Sie und Mr. Malfoy liiert?"
Hermine verschlug es sprichwörtlich die Sprache. So eine Frage hatte sie nun wirklich nicht erwartet. Sie und Draco? Bei dem Gedanken konnte sie nur lachen. Oder vielleicht…
„Natürlich nicht Professor!"
„Sind Sie sicher?"
„Natürlich.", sagte Hermine.
„Ok, dann dürfen Sie gehen."
Hermine stand auf und ging zur Tür. Bevor sie aber hinausging, blieb sie noch einmal stehen und fragte:
„Professor, nehmen wir mal an Draco und ich wären zusammen, wäre das denn so schlimm?"
„Für einige ja!"
„Für einige?"
„Voldemort zum Beispiel, Miss Granger. Mr. Malfoy ist ein Slytherin und Sie eine Gryffindore und so wird es auch bleiben. Sie wissen bestimmt durch Mr. Potter, dass Voldemort Gryffindors nicht leiden kann und besonders nicht… "
„Muggelgeborene!"
„Genau."
„Daran habe ich nicht gedacht. Danke. Draco und ich sind aber wirklich nicht zusammen, wirklich nicht." Mit diesen Worten ging sie aus dem Büro.
Draco stand draußen. Er hatte auch auf sie gewartet. Genau wie Hermine zuvor, saß er auf der Fensterbank. Sie ging auf ihn zu und fragte:
„Wieder besser?"
„Ja."
Hermine schenkte ihm ein Lächeln und gab ihm ein Zeichen, dass sie gehen wollte.
„Was wollte McGonagall von dir?", fragte Draco.
„Sie weiß es. Ich habe aber nichts gesagt. Sie hat es irgendwie gewusst, nachdem du es angesprochen hattest."
„Okay. War sonst noch was?"
„Glaub mir, dass willst du nicht wissen.", sagte Hermine.
„Wie kannst du dir so sicher sein?!"
„Na gut, von McGonagall aus wären wir ein Pärchen."
Draco blieb schlagartig stehen. Das glaubte er jetzt wirklich nicht, dass McGonagall Hermine danach gefragt hatte. Hermine blieb auch stehen und sagte mit einem lächeln:
„Was ist, Schatz?"
Draco verschlug es schon wieder die Sprache. Wie konnte sich Hermine so etwas nur erlauben? Sie nannte ihn Schatz?!
„Draco, was ist?", fragte sie. War sie besorgt?
„Wie kannst du es wagen und mich so nennen!", sagte er und legte ein wenig Boshaftigkeit in seine Stimme.
„Wie?", fragte Hermine.
„Na, dass was du eben gesagt hast!"
„Das war Spaß. Können wir weiter gehen?"
„Warte mal. Hat McGonagall dich gefragt?", fragte er.
„Wofür?"
„Na, dass wir zusammen wären?"
„Jep!", sagte Hermine und grinste.
„Das ist doch jetzt ein schlechter Scherz!"
„Nein. Sie hat gefragt, ob wir uns gut verstehen oder ob wir gut mit einander auskommen, wegen den Nachhilfestunden, und ich sagte, wir kämen schon zurecht. Dann fragte sie, was es mit dem Blick auf sich hatte."
„Welchen Blick?"
„Als ich gehen sollte, habe ich dich doch angesehen und das hat sie wohl falsch interpretiert. Na ja und danach konnte sie sich wirklich nicht mehr zurück halten und fragte mich, ob wir beide liiert wären."
„Ach du dickes Ei.", sagte Draco und fuhr sich mit der Hand durch sein Haar.
„Mach dir nichts draus."
Hermine nahm Draco und ging mit ihm Richtung Eingangshalle. Dort trafen sie auf Harry und Ron, die gerade von Hagrid wieder kamen. Sie verabschiedeten sich von einander und Draco ging Richtung Kerker.
„Wo kamt ihr denn her?", fragte Ron.
„Von McGonagall. Sie wollte auch mit mir sprechen."
„Und über was?", fragte Harry.
„Glaub mir Harry, dass willst du wirklich nicht wissen."
„Wieso versuchst du es nicht einfach?"
„Okay, lasst uns dabei einen Kakao trinken."
Sie gingen in die Große Halle und setzten sich an einen Tisch. Nachdem jeder eine Tasse Kakao vor sich stehen hatte begann Hermine den anderen beiden das zu erzählen, was sie schon Draco erzählt hatte. Als sie geendet hatte, stand bei beiden der Mund wieder offen.
Sie konnten genauso wenig wie Malfoy glauben, dass das McGonagall wirklich gefragt hatte. Das war gar nicht ihre Art.
„Und stimmt es?", fragte Ron.
„Nein spinnst du!"
„Nein ich habe nur gedacht…"
„Nein, wir beide sind wirklich nicht zusammen!", sagte Hermine und schüttelte den Kopf.
„Bist du dir das so sicher?" Casey saß plötzlich neben Hermine.
„Was meinst du damit?"
„Ob du dir sicher bist, dass du nicht mit Draco zusammen bist."
„Natürlich bin ich sicher!", sagte Hermine.
„Na wenn du es sagst."
„Weißt du was? Du nervst! Ständig hängst du mir in den Ohren mit irgendeinem Jungen und… Moment mal, du meinst doch nicht etwa die ganze Zeit schon, dass es…"
„Doch die ganze Zeit habe ich es gemeint!"
Hermine war sprachlos, genauso, wie sie es auch bei McGonagall war. Hatten es nun alle auf sie abgesehen? Warum mischte sich jeder in ihr Leben ein und dann auch noch in ihre ganz privaten Sachen? Okay, bei Harry und Ron machte sie eine Ausnahme, aber bei so einer kleinen Besserwisserin wie Casey, hatte sie echt kein Verständnis. Sie war elf und kannte sich damit gar nicht so wirklich aus.
„Casey, ich denke du gehst jetzt besser.", sagte Harry.
„Na gut. Tschau!"
„Hermine alles in Ordnung?", fragte Ron.
„Ja, ja ich denke schon."
„Was hältst du von einer Ablenkung?"
„In wie fern?", fragte sie.
„Lass uns Morgen nach Hogsmeade gehen!"
„Ja, okay."
Sie tranken ihren Kakao aus und gingen zum Gemeinschaftsraum. Mittlerweile war es schon zehn Uhr abends. Sie saßen am Kamin sprachen und lachten.
„Sagt mal, wie geht es Hagrid?"
„Ganz gut. Er vermisst dich.", sagte Harry.
„Echt, warum?"
„Er sieht dich gar nicht mehr.", meinte Ron.
„Ich habe auch viel um die Ohren, aber Morgen bevor wir ins Dorf gehen, lasst uns schnell bei Hagrid vorbei schneien."
„Klar, können wir machen."
***
In der Nacht wälzte sich Hermine von einer Seite auf die andere. Sie konnte einfach nicht schlafen. Immer und immer wieder musste sie an Casey und McGonagall denken und daran was sie gesagt hatten. Sollte es wirklich so sein? Hatte sie sich in ihn verliebt? Es war anders als mit Harry und Ron. Sollte sie mit Draco zusammen sein?
Aber was wäre dann mit Harry, Ron und Voldemort und noch alle den anderen, denen es nicht passen würde? Aber was dachte sie nur daran? Den anderen ging es gar nichts an, mit wem sie zusammen war und mit wem nicht!
Draco hatte sich aber wirklich verändert. Er sah gut aus, hatte Hermine vor ein paar Tagen sozusagen das Leben gerettet und heute hatte er auf sie gewartet und was war in der Bibliothek passiert? Warum hatte sich Draco an die Frisur erinnert?
Damals ging sie ihm doch wirklich wer weiß wo vorbei und anders rum genauso. Was hatte sich zwischen ihnen nur so verändert und warum hatte es sich verändert? Warum blieb es nicht wie früher? Sollte sie froh sein, dass es sich veränderte?
Und sie wusste immer noch nicht, ob sie Harry und Ron nun dankbar oder böse sein sollte, wegen dem, was in der Bibliothek noch passiert war. Wenn die Zwei nicht gewesen wären, hätte Draco sie vielleicht geküsst, aber warum hatte Hermine sich nicht gewehrt? Wollte sie, dass es passierte?
Über all diese Sachen dachte sie in der Nacht nach.
